Seekriegsgeschichte
Seekriegsgeschichte
von Alfred Stenzel
Sprache: Deutsch
Gebunden - Reprint-Verlag-Leipzig
Thomas Sturges Jackson - Logs of the great seafights


Chronologie der europäischen Seekriege 1793 bis 1815, Band 1, bis 1802
Chronologie der europäischen Seekriege 1793 - 1815
Band 1 : Von 1793 bis zum Frieden von Amiens 1802

von Thomas Siebe
Sprache: Deutsch Broschiert - 224 Seiten - BoD
ISBN 978-3-8423-2883-9 Erschienen: September 2010
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Die Seeschlacht vor Kap St. Vincent am 14. Februar 1797

Am 14. Februar 1797 trafen vor Kap St. Vincent an der portugiesischen Südwestküste 15 englische Linienschiffe auf eine Flotte von 24 spanischen Linienschiffen unter Admiral Jose de Cordoba. Die Engländer unter Admiral Sir John Jervis stießen mit ihrer disziplinierten Schlachtlinie in den schlecht geordneten Haufen der Spanier und trennten zunächst die Vorhut von der Hauptmacht. Danach isolierten Jervis Schiffe durch eine geniales Manöver des späteren Seehelden Nelson und mit Hilfe des Unvermögens der spanischen Kommandanten eine Gruppe von 7 Linienschiffen um das riesige Flaggschiff SANTISIMA TRINIDAD (130), eroberten spektakulär vier feindliche Schlachtschiffe und fügten den Spaniern schwere Verluste zu. Die spanische Niederlage gegen eine deutliche Unterzahl feindlicher Schiffe stellte einen Offenbarungseid der einst stolzen spanischen Marine dar. Auf dieser Seite wird beschrieben, wie es zu dieser Schlacht kam, wie sie verlief und welche Folgen sie hatte.

Eine Tabelle der Schiffe, Admirale, Kommandanten und Verluste der Seeschlacht vor Kap St. Vincent am 14. Februar 1797

Jervis Bericht


Kurzbiographien von Horatio Nelson, Cuthbert Collingwood, Thomas Troubridge, Cayetano Valdes und vielen anderen (Siehe Text).

Kurzbiographie

Admiral Sir John Jervis
Kurzbiographie

Admiral Jose de Cordoba
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Zur Vorgeschichte

Die französische Revolution von 1789 mündete für Frankreich 1792 in militärische Konflikte mit Preußen und Österreich. Seit dem 1. Februar 1793 lag das revolutionäre Frankreich dann auch mit England im Krieg und am 7. März 1793 gesellte sich Spanien zu den militärischen Gegnern der Revolution.
Während die Kriege gegen die mitteleuropäischen Mächte vorwiegend zu Land ausgetragen wurden, lag der Schwerpunkt der spanisch-englisch-französischen Auseinandersetzung auf See, genauer gesagt: Im Mittelmeer.
Spanien war jedoch schon seit vielen Jahrzehnten ein “überdehntes” Riesenreich, ein finanzielles Fass ohne Boden, mit chronisch leeren Kassen und angehäuften Schuldenbergen, durchwirkt von Korruption und Misswirtschaft und wirtschaftlich wie sozial am Rande des Zusammenbruchs. Der Krieg mit Frankreich diente deswegen speziell dem bewährten Rezept, die innenpolitische Kritik im Kampf gegen einen äußeren Feind verstummen zu lassen. Außerdem hoffte man in Madrid auf englisches Geld und Kriegsbeute.
Nach Anfangserfolgen gegen den Nachbarn erwies sich jedoch vor allem der Landkrieg gegen das französische Volksheer als eine zähe, verlustreiche und kostenintensive Affäre, es drohte sogar die Niederlage.
1795 waren für das spanische Reich dann die Grenzen der Belastbarkeit überschritten. Im Vertrag von Basilea vom 22. Juli 1795 schloss Spanien Frieden mit Frankreich und wurde neutral. Fortan aber wurde diese unliebsame Neutralität misstrauisch und nervös von den Briten beobachtet, für die nicht nur wichtige Marinestützpunkte bedroht waren, sondern für die bei einem französisch-spanischen Schulterschluss besonders im Mittelmeer und in der Karibik viel auf dem Spiel stand.
Der britische Druck auf Spanien wuchs. Damit wurde die wirtschaftliche und soziale Situation des maroden Staatswesens nicht besser und das spanische Regime flüchtete sich schließlich in den nächsten Konflikt: Am 8. Oktober 1796 wurde Spanien Verbündeter Frankreichs und erklärte England den Krieg. Zur gleichen Zeit eilte in Italien ein noch relativ unbekannter französischer General mit Namen Napoleon Bonaparte von Sieg zu Sieg, drängte die Österreicher zurück und zwang die italienischen Königreiche zum Frieden.
Durch diese Entwicklungen büßte England nun auch noch wichtige Marinebasen im italienischen Mittelmeerraum ein, die Versorgungssituation für die verbliebenen Stützpunkte auf Korsika und Elba wurde katastrophal.
Der Oberkommandierende der englischen Mittelmeerflotte, Admiral Sir John Jervis, mußte seine Schlachtschiffe aus dem Mittelmeer abziehen und Sorge für die Evakuierung der unhaltbar gewordenen Stützpunkte tragen. Dieser erstmalige Rückzug der Royal Navy aus dem Mittelmeer seit über 200 Jahren weitete sich zu einer strategischen Katastrophe aus, die nun die britische Insel selbst zu bedrohen schien.
In Frankreich hatte man sich an den permanenten Not- und Alarmzustand bereits gewöhnt. Dort herrschte 1796 mit dem Direktorium das mehr oder weniger organisierte Chaos. Innenpolitisch gelang es den Direktoren kaum, das krisengeschüttelte Land zur Ruhe zu bringen, außenpolitisch dominierten militärische Rivalitäten und geniale Alleingänge das Bild, im Falle des erfolgreichen General Bonaparte in Italien nicht einmal zum Nachteil Frankreichs.
In Brest schien zum Beispiel der französische Admiral Morard de Galles mit einer Flotte von Linienschiffen und einer französischen Armee unter General Hoche nur auf eine Fusion mit der spanischen Flotte und den großen Coup zu warten. Beide Flotten vereint hätten auf eine dreifache Übermacht gegenüber verfügbaren englischen Schlachtschiffen zurückgreifen können.
In England fürchtete man in diesem Fall sogar eine französisch-spanische Invasion auf die britische Insel. Diese Befürchtung war allerdings übertrieben, wie die Geschichte zeigt. Tatsächlich bestand aus Kostengründen lediglich der Plan General Hoches für eine Truppenlandung in Irland, um gemeinsam mit den irischen Rebellen die Insel zu erobern und sich sozusagen im Hinterhof Englands festzusetzen - eine Idee, die bereits eine weit zurückreichende historische Tradition hatte.

 Handbuch der praktischen Seemannschaft auf traditionellen Segelschiffen.

Jervis Häuflein der Aufrechten

Beim Kommando der englischen Mittelmeerflotte stand man vor dem unlösbaren Problem, die französische Flotte in Toulon und die spanische Flotte in Cartagena im Auge zu behalten und an der Fahrt nach Brest zu hindern. Eine Blockade der Häfen kam ohne Stützpunkte jedoch nicht in Frage. Admiral Jervis zog also seine Flotte zunächst nach Gibraltar zurück, um vielleicht am Nadelöhr zum Mittelmeer eine Art Kontrolle auszuüben.
Doch noch im Dezember 1796 schlüpfte Konteradmiral Villeneuve mit einem Geschwader aus 5 französischen Linienschiffen und 3 Fregatten 14 vor den Augen von Jervis durch die Meerenge in den Atlantik. Im Januar 1797 verlegte Jervis dann seine Basis nach Lissabon. Hier konnten seine Schiffe wenigstens dem verbündeten Portugal und dessen Flotte Unterstützung zu leisten. Der englische Admiral wusste von Truppeneinschiffungen in Cartagena und auch darum, das Morard de Galles Flotte im Dezember aus Brest ausgelaufen war.
Jervis ließ Cadiz, einen möglichen Treffpunkt der spanischen und französischen Marinekräfte, von seinen Fregatten beobachten. Auch schickte er Patrouillen in die Meerenge von Gibraltar. Der englische Admiral plante sich einer Vereinigung der beiden feindlichen Flotten nach Möglichkeit in den Weg zu stellen, und dies, obwohl Havarien und Sturm die Mittelmeerflotte vorübergehend auf gerade einmal 10 Linienschiffe dezimiert hatten.
Das Flaggschiff VICTORY (100 - Admiral Sir John Jervis) versammelte hinter sich nur noch die Schlachtschiffe BRITANNIA (100 - Vizeadmiral Charles Thompson), BARFLEUR (98 - Vizeadmiral William Waldegrave), BLENHEIM (98 - Thomas Lennox Frederick), CAPTAIN (74 - Ralph Willet Miller), CULLODEN (74 - Thomas Troubridge), EGMONT (74 - John Sutton), EXCELLENT (74 - Cuthbert Collingwood), GOLIATH (74 - Sir Charles Knowles) und DIADEM (64 - George Henry Towry).
Die englischen Optionen, eine Flotte von 17 (s.u.) oder gar 27 Linienschiffen aus Frankreich oder Spanien aufzuhalten, waren also eher verzweifelter Natur. Dabei überschätzte Admiral Jervis aber - wie alle seine englischen Zeitgenossen - die tatsächliche Gefahr einer Invasion auf der englischen Insel. Der französische Flottenchef Morard de Galles hatte mit seinen 17 Linienschiffen zu keinem Zeitpunkt die Fusion mit den Spaniern gesucht. Dagegen hatte er Ende Dezember versucht, General Hoches Armee in der Bantry Bay (Irland) zu landen. In der stürmischen See hatte sich die Flotte jedoch zerstreut und anhaltendes schlechtes Wetter hatte dann eine Anlandung von Truppenteilen verhindert. Anfang 1797 war diese Flotte noch nicht wieder in der Lage, eine Invasion Irlands, geschweige denn Englands, zu starten.

Who Was Who in the Napoleonic Wars Who Was Who in the Napoleonic Wars
von Philip J. Haythornthwaite
Sprache: Englisch
Gebundene Ausgabe - 320 Seiten - Weidenfeld Military -
Erscheinungsdatum: August 1998

Rund 900 Kurzbiographien mit 300 Bildern porträtieren vor allem die Militärs und politischen Protagonisten der napoleonischen Kriege. Inklusive des amerikanisch-englischen Kriegs von 1812.

Cordobas Flotte bricht auf

Auch die spanische Mittelmeerflotte rührte sich vorerst nicht von ihren Ankerplätzen in Cartagena. Jedoch hatte sich hier ein für die spätere Schlacht von Kap St. Vincent bedeutungsvoller Wechsel vollzogen : Der Oberkommandierende, Vizeadmiral (Teniente General) Juan de Langara, ein bewährter Kämpe, war inzwischen zum Marineminister berufen worden. An seine Stelle trat Vizeadmiral (teniente general) Jose de Cordoba, der als Zweitkommandierender bis dahin mit Organisations- und Logistikaufgaben betraut war. Deswegen wußte Cordoba um die Undankbarkeit des neuen Kommandos.
Der äußere Anschein präsentierte dem neuen Flottenchef zwar eine stolze Armada, doch hatten die leeren Staatskassen Spaniens auf diesen Schiffen tiefe Versorgungsbreschen bei Munition, nautischem Bedarf, Lebensmittel und Heuer hinterlassen, die vor allem in Einbußen bei der Mannschaftsstärke und der Kampfkraft resultierten.
In Cartagena war eher eine Verschlechterung der Situation zu erwarten und Madrid genehmigte Cordobas Ersuchen, die Flotte in das besser versorgte Cadiz zu verlegen. Cordoba hatte zwar zu wenig Männer, um alle seine Linienschiffe ausreichend zu bemannen, konnte sich aber nicht dazu entscheiden, deswegen eine Handvoll Schiffe zurückzulassen. So ließ er Cartagena mit Presskommandos durchforsten und bekam schließlich gerade genug Männer zusammen, um mit allen Schiffen in See zu gehen.
Am 1. Februar 1797 liefen die schlecht ausgerüsteten und militärisch schwach bemannten Schiffe mit Ziel Cadiz aus. Die Flotte war zu diesem Zeitpunkt noch 27 Linienschiffe stark und wurde von 12 Fregatten und 13 Kanonenbooten begleitet. Außerdem eskortierte die Armada einige Truppentransporter mit einem Regiment und zwei Bataillionen Soldaten, eben die Truppen, von deren Einschiffung in Cartagena Jervis Kunde bekommen hatte. Bald darauf stieß noch ein größerer Konvoi aus Handelsschiffen dazu, der für Cadiz bestimmt war und sich unter den Schutz Cordobas stellte. Unter die Schiffe dieses Konvois mischten sich die drei Korvetten SANTA JUSTA (18), SANTA BALBINA (18) und SANTA PAULA (20) und die Fregatte ASUNCION (28), alle vier Schiffe mit einer besonders wertvollen Ladung: Quecksilber, das für die Gewinnung des spanischen Silbers in Südamerika dringend gebraucht wurde. Ein Verlust dieser Schiffe hätte eine unabsehbare Katastrophe für die spanische Kriegswirtschaft bedeutet.
Am 5. Februar 1797, vor Algeciras, trennte sich das Geschwader von Konteradmiral Domingo de Nava von der Flotte. Die Schlachtschiffe NEPTUNO (80 - Goicocea) , BAHAMA (74 - Konteradmiral de Nava) und TERRIBLE (74 - Francisco Javier Uriarte) sowie die Fregatten SANTA BRIGIDA (34 - Antonio Pillon), DOROTEA (34), CASILDA und GUADELUPE sollten die Kanonenboote und die Truppentransporter in den Hafen von Algeciras geleiten und Nachschub laden. Geplant war, das diese Schlachtschiffe mit ihren Ladungen in Cadiz wieder zur Flotte stoßen sollten, doch lediglich eine der Fregatten, die SANTA BRIGIDA (34 - Antonio Pillon), fand wieder zur Flotte zurück und sollte später Zeuge der hier beschriebenen Schlacht werden.
Admiral Cordoba bekam in der Zwischenzeit von einem amerikanischen Handelsschiff leidlich genaue Informationen über die Stärke und das Operationsgebiet von Jervis Flotte. Die demnach dem englischen Admiral verbliebenen und vor Lissabon kreuzenden 9 Linienschiffe 1 machten dem spanischen Admiral jedoch weniger Sorgen. Der ungewöhnlich starke Ostwind wurde in den nächsten Tagen zu seinem größten Problem: Cordobas Flotte wurde auf ihrem Weg weit hinaus in den Atlantik geblasen und konnte Cadiz nicht direkt anlaufen.

Nelsons Reise

Inzwischen war seit Mitte Dezember 1796 Kommodore Horatio Nelson mit zwei Fregatten, MINERVE (38) und ROMULUS (38), im Mittelmeer unterwegs, um die Evakuierung der letzten englischen Stützpunkte zu überwachen und die Schiffskonvois sicher nach Gibraltar zu bringen. Nachdem er Elba hatte räumen lassen, nahm Nelson auf seinem Rückweg zu Jervis Flotte mit seinen Fregatten den Weg entlang der französischen und spanischen Mittelmeerküste, um für seinen Admiral Aufklärungsarbeit zu leisten.
Am 3. Februar 1797 mußte der Kommodore vor Cartagena feststellen, das die spanische Flotte den Hafen verlassen hatte. Nach einem kurzen Zwischenstopp in Gibraltar gelangte Nelson mit der MINERVE (38) am 11. Februar auf die Atlantikseite der Meerenge, als er plötzlich auf zwei spanische Linienschiffe stieß, die Jagd auf die englische Fregatte machten. Es waren die NEPTUNO (80) und die BAHAMA (74), die auf dem Weg nach Cadiz waren. Sie verfolgten einige Zeit vergeblich die MINERVE (38), gaben dann aber die Jagd auf. Wären die beiden spanischen Linienschiffe hartnäckiger gewesen, hätte ausgerechnet Nelson sie zur spanischen Flotte geführt und vielleicht die Geschichte der Schlacht vor Kap St. Vincent geändert. Stunden später nämlich, von dichtem Nebel behindert, aber auch gedeckt, segelte Nelson praktisch mitten hinein in die aus dem Atlantik zurückstrebende Flotte Cordobas.
Das Schicksal in Form eines ungewöhnlich starken Levante, des typischen Ostwindes, hatte bekanntlich die spanische Flotte in den Tagen zuvor weit hinaus in den Ozean gedrückt. Deswegen hatte Admiral Cordoba seine Flotte mühevoll und in einem hohen Bogen nach Osten zurückkreuzen lassen müssen, um so viel Luv wie möglich zur Ansteuerung von Cadiz zu machen. An Bord der MINERVE (38) waren die Kommandos der nichtsahnenden Spanier, die durch den Nebel hallten, gut zu verstehen. Den Engländern war klar, das es um sie geschehen war, sollten sie entdeckt werden. Nelson kam aber schließlich unbemerkt und glücklich durch die Phalanx aus feindlichen Schlachtschiffen hindurch. Wegen dem Nebel hatten die Briten zwar die tatsächliche Stärke der Spanier nicht schätzen können, ihr Kurs und die Windverhältnisse ließen aber auf das Ziel Cadiz schließen.
Was der Nebel vor den Augen des Kommodore ebenfalls verbarg, war eine weitere englische Fregatte. Es war die NIGER (32 - Foote), die Fühlung mit den Spaniern bekommen hatte. Footes Schiff war Tage zuvor einer spanischen Fregatte [ SANTA BRIGIDA (34- Antonio Pillon) ? ] gefolgt. Diese hatte Jervis Kundschafter direkt zur feindlichen Flotte geführt. Der englische Fregattenkapitän hatte daraufhin umgehend Sir John Jervis von seinem "Fund" benachrichtigen lassen, konnte zu diesem Zeitpunkt jedoch noch nicht sagen, ob Cordoba auf dem Weg nach Brest oder nach Cadiz war. Der englische Admiral hatte in der Zwischenzeit Nachrichten von Handelsschiffen, das die Flotte von 27 Linienschiffen aus Cartagena ausgelaufen war. Weil Jervis das Ziel Cordobas nicht kannte, er aber um jeden Preis dessen Vereinigung mit der französische Flotte zu verhindern trachtete, postierte der englische Admiral seine Schiffe nördlich von Kap St Vincent, das eine Art nautisches Nadelöhr auf dem Weg nach Frankreich darstellte.

Linienschiff-Schlachten 
1794 - 1806 :
Glorious First of June, Brest, Golf von 
Genua, Ile de Groix, Hyeres, Kap St. 
Vincent, Camperdown, Abukir, 
Kopenhagen, Algeciras, Kap Finisterre, 
Trafalgar, Kap Ortegal, St. Domingo
SEESCHLACHT.TK - Unser Buch

Linienschiff-Schlachten 1794 - 1806 :
Glorious First of June, Brest, Golf von Genua, Ile de Groix, Hyeres, Kap St. Vincent, Camperdown, Abukir, Kopenhagen, Algeciras, Kap Finisterre, Trafalgar, Kap Ortegal, St. Domingo

von Seeschlacht.tk (Tomas Coladores, Kiantxa Janti, Karsten Perschang, Thomas Siebe)

Sprache: Deutsch
Ausgabe: Paperback
Format: 148 mm x 210 mm, 316 Seiten
Druck und Vertrieb: LULU
Erscheinungsdatum: Januar 2011

Inhalt: Vorgeschichte, Ablauf, Ergebnisse und Folgen der Linienschiff-Schlachten der Koalitionskriege 1792-1815 sind das Thema dieses Buches. Neben den sechs Klassikern Trafalgar, Abukir, Ushant, Kap St. Vincent, Camperdown und Kopenhagen erzählt das Buch auch die Geschichte weniger bekannter Schlachten wie z.B. der Treffen vor Kap Ortegal, St. Domingo und Kap Finisterre.
Zu den meisten thematisierten Schlachten gab es Seiten auf Seeschlacht.tk. Dieses Material stellte die Basis für diese Publikation dar.

An diesem Punkt würde die englische Flotte freilich den sich Richtung Cadiz bewegenden Spaniern kaum begegnen. Nelson, der Jervis und seine Schiffe vor Lissabon vermutete, setzte Kurs und eilte, seinen Flottenchef über das Ziel Cordobas zu informieren.
Einige Stunden, nachdem die MINERVE (38) die Spanier zurückgelassen hatte, drehte der Wind und Cordobas Schiffe drohten, nach Nordwesten abgetrieben zu werden. Der spanische Admiral ließ Kurs auf das Kap St. Vincent setzen, um dem zu entgehen und möglichst schnell unter Land zu kommen. Die NIGER (32 - Foote) stürmte den Spaniern luvwärts voraus, um die Chance zu nützen und nach Möglichkeit Jervis Flotte an den Feind zu führen.
Am Morgen des 13. Februar 1797 bekam Nelson dann die englische Flotte in Sicht. Er konnte bei seiner Annäherung inzwischen 15 britische Linienschiffe zählen, denn Jervis hatte am 6. Februar 1797 Verstärkung von einem Geschwader aus 5 Linienschiffen unter Konteradmiral Sir William Parker bekommen. Dies waren Parkers Flaggschiff PRINCE GEORGE (98), die NAMUR (90 - James Hawkins Whitshed) , die IRRESISTIBLE (74 - George Martin), die ORION (74 - Sir James Saumarez) und die COLOSSUS (74 - George Murray). Dafür waren aber am Morgen des 12. Februar Murrays Schiff und die CULLODEN (74 - Troubridge) kollidiert, wobei Troubridges Schiff so schwer beschädigt wurde, das der Kapitän eigentlich Lissabon hätte anlaufen müssen. Troubridge, der ahnte, das eine große Schlacht bevorstand, blieb jedoch bei der Flotte und ließ seine Männer richten, was zu reparieren möglich war. Als Nelson zur Flotte stieß, meldete Troubridge sein Schiff schon wieder einsatzbereit, während sich Murray und die anderen Kommandanten die Augen wegen der "Wiederauferstehung" der CULLODEN rieben.
Nelson informierte Admiral Jervis über die Position und die geschätzte Stärke der spanischen Flotte. Der Kommodore sprach von mindestens 20 spanischen Linienschiffen und ließ keine Zweifel über Cordobas Ziel offen. Jervis war enttäuscht: Nach Lage der Dinge, nämlich nach der Position des Gegners und dem ihn treibenden Wind, waren die Spanier für Jervis nicht mehr in Reichweite, bevor der spanische Admiral Cadiz erreicht hätte.
Der englische Oberkommandierende hatte zuvor mehrfach geäußert, das die Royal Navy und England wegen ihrer maritimen Probleme unbedingt eine Schlacht brauchten. Jervis war deswegen entschlossen, auch die kleinste Chance zu nützen, um Cordoba zu stellen. Der alte Kämpe hoffte, das der Wind immer noch drehen konnte. Er konnte noch nicht ahnen, das ihm das Wetter tatsächlich günstig gesonnen war.
Es dauerte nur wenige Stunden, bis Jervis erfuhr, das er doch noch das zweifelhafte Glück haben sollte, sich auf einen vermeintlich fast doppelt so starken Gegner zu stürzen: Die englischen Linienschiffe standen am späten Abend des 13. Februar einige Meilen westlich vor Kap St. Vincent, als die NIGER (32 - Foote) zur Flotte stieß und den Windwechsel, den Kurs und die vermutete Stärke der spanischen Flotte signalisierte. Letztere unterschied sich offensichtlich nicht signifikant von den veralteten Informationen der Briten. Deswegen ist es fraglich, ob Kapitän Foote auf seinem schwierigen Beobachtungsposten jemals die Gelegenheit hatte, alle Linienschiffe des Gegners zu zählen. Die Briten gingen offensichtlich auch nach dieser Begegnung mit der NIGER davon aus, das sie den Kampf mit 27 feindlichen Linienschiffe suchten.
Wie auch immer: Durch die Laune des Windes, Nelsons Informationen und Footes Einsatz konnte Jervis den Spaniern nun den Weg abschneiden, während Cordoba gerade an diesem Ort, soweit nördlich, kaum eine englische Flotte vermuten konnte, die danach trachtete, ihm den Weg nach Cadiz zu verlegen.

 Horatio Hornblower

Horatio Hornblower, 11 Bände
von Cecil S. Forester
Sprache: Deutsch
Broschiert - SCHERZ-Verlag
Erscheinungsdatum: Oktober 2004
Foresters Horatio Hornblower ist der - nach wie vor unübertroffene - Klassiker der marinehistorischen Romane aus der Windjammerepoche.


Gegner in Sicht

In der Nacht des 13. Februar 1797 konnte man an Bord der englischen Schiffe bereits die Signalkanonen der spanischen Flotte hören, die durch die Dunkelheit hallten. Gegen 2:30 am Morgen des 14. Februar 1797 signalisierte die portugiesische Fregatte CARLOTTA (34 - Campbell) dem englischen Flaggschiff VICTORY (100 - Sir John Jervis) den ersten Sichtkontakt mit Cordobas Flotte, keine 15 Meilen mehr entfernt.
Admiral Jervis teilte nun seine Linienschiffe in zwei kompakte Schlachtreihen auf, während sich die Signal-Fregatten und anderen kleinen Schiffe auf der Leeseite der Linien anordneten. In dieser Formation und bei südwestlichem Wind stand die englische Flotte im Morgengrauen dann rund 25 Meilen südwestlich vor Kap St. Vincent.
Gegen 6:00 sichtete die CULLODEN (74 - Troubridge) die ersten Segel in West / Südwest und die bereits über Nacht als Kundschafter tätigen Fregatten LIVELY (32 - Lord Garlies) und NIGER (32 - Edward James Foote) bestätigten gegen 6:30, das sich die spanischen Linienschiffe mit Kurs auf die Küste näherten. Eine Schlachtlinie konnten sie jedoch noch nicht entdecken. Der Grund: Die Spanier segelten ohne jede Schlachtordnung und waren in mehreren Haufen oder Clustern verstreut, zum Teil sogar durchmischt mit Handelsschiffen.
Die chaotische Marschordnung der Spanier hatte ihre Ursache in der mangelhaften Mannschaftsstärke und Ausbildung der spanischen Crews. Nach Tagen widriger Bedingungen hatte man günstigen Wind bekommen und sich ins Luv des Reiseziels gearbeitet. Dann hatten die Spanier erneut Gegenwind erhalten, der drohte, die Früchte ihrer tagelangen Arbeit wieder zunichte zu machen. Da galt es, keine Zeit mit Flottenmanövern zu vergeuden, sondern so schnell wie möglich unter Land zu gelangen, um einerseits die Deckung, andererseits den Wind vom Land her zu nützen. Dabei auch noch in einer Schlachtordnung zu segeln, hätte die unerfahrenen Crews überfordert und die Annäherung an Land verzögert.
Für Admiral Cordoba schien die englische Flotte schließlich auch keine größere Bedrohung, soweit er mit ihrem Auftauchen überhaupt rechnete. Immerhin hatte er 10 Tage alte Informationen, die englische Flotte von Jervis bestehe lediglich aus 9 Schiffen, zähle also kaum mehr Schiffe als einer der unter Land rückenden spanischen Cluster.

Brian Lavery - The Ship of the Line. Vol. I: The development of the battlefleet 1650 - 1850.



Wieviele Schiffe ?


Zur Annäherung zwischen beiden Flotten gibt es eine bekannte Geschichte über Admiral Jervis, der mit seinem Kapitän Robert Calder und dem englisch-kanadischen Kapitän Benjamin Hallowell auf dem Achterdeck der VICTORY (100 - Sir John Jervis) die Meldungen über die wachsende Zahl der Gegner verfolgte. Dort soll sich folgender Dialog zwischen Calder und seinem Admiral zugetragen haben.

"8 Linienschiffe gesichtet, Sir John !"
"Gut."
"20 Linienschiffe gesichtet, Sir John !"
"Gut."
"25 Linienschiffe gesichtet, Sir John !"
"Gut."
"27 Linienschiffe gesichtet, Sir John !"
"Genug davon ! Die Würfel sind gefallen und wenn es 50 sind, ich werde mitten hinein steuern !" 6

Dieser Wortwechsel ist eine etwas irreführende Anekdote, denn weder war Cordobas Flotte zu diesem Zeitpunkt 27 Linienschiffe stark noch konnten die englischen Ausgucks zu irgendeinem Zeitpunkt der Schlacht 25 spanische Linienschiffe ausmachen - weil die Briten nur 24 von ihnen begegneten. Man denke dabei auch noch daran, das am frühen Morgen noch immer Nebel oder zumindest Nebelbänke die Sicht behinderten. Diese Geschichte mag aber zeigen, das Jervis und seine Männer - sei es wegen ihrer veralteten Informationen, sei es aufgrund der Meldungen der NIGER (32 - Foote) - einfach 27 feindliche Schlachtschiffe erwarteten. Offensichtlich ist ja sogar den meisten Chronisten bis heute entgangen, das sich drei Linienschiffe vor Algeciras von Cordobas Flotte getrennt hatten und zwei weitere (s.u.) kurz vor der Schlacht noch außer Sicht der Briten waren.
Die Erwartungshaltung der Briten bezüglich der Zahl von 27 schien aber geradezu suggestiv. Eine weitere merkwürdige Geschichte als Beispiel:
Jervis schrieb in seinem ersten Bericht nach der Schlacht, Commander Lindsay von der englischen Sloop BONNE CITOYEN (20) habe um 10:49 Uhr 25 feindliche Linienschiffe an die VICTORY (100 - Sir John Jervis) signalisiert. Der Historiker William James verweist auf eine diesbezügliche Eintragung - allerdings mit der Uhrzeit 11:00 - im Logbuch der BONNE CITOYEN (20 - Lindsay). Das ist bekanntlich aus gleich drei Gründen eine äußerst befremdliche Zahl:
Erstens waren, wie gesagt, nur 24 spanische Linienschiffe in der Nähe, die drei Schlachtschiffe aus Cadiz waren nicht mehr zu Cordobas Flotte gestoßen.
Zweitens waren - wie wir noch sehen werden - um 10:49 die nach Süden gesandten SAN PABLO (74 - Baltasar Cisneros) und die INFANTE DON PELAYO (74 - Cayetano Valdes) sogar außer Sicht der Spanier. Wie hätte dann die BONNE CITOYEN (20 - Lindsay) sie sehen können ?
Und drittens war die VICTORY (100 - Sir John Jervis) um 10:49 , also kurz vor dem Beginn der Schlacht, in einer mindestens so guten Beobachtungsposition wie die Kundschafter-Sloop. Warum sollte Lindsay dem Flaggschiff dann dieses im Logbuch eingetragene Signal flaggen ?
Eine Antwort lautet schlicht, das die Briten eine große Zahl von Linienschiffen, annähernd 27 nämlich, erwarteten. Diese Erwartung machte vermutlich aus so mancher Fregatte oder sogar einem in den Blick geratenen Handelsschiff... ein Schlachtschiff !
Ich bezweifele aber, das Jervis zu irgendeinem Zeitpunkt mehr als 21 oder 22 feindliche Linienschiffe in Sicht haben konnte, während er sich der spanischen Flotte näherte. Zu diesem Zeitpunkt und auch später war der spanische Schiffscluster um das Flaggschiff herum wahrscheinlich auch nur schwer bis auf das Schiff genau zu zählen, so ungeordnet kamen Cordobas Schiffe daher ! Und die Zahl der verstreuten Schiffe der Vorhut zu bestimmen, mag ebenfalls schwierig gewesen sein. Die SAN ANTONIO (74 - Salvador Medina) an der Spitze von Cordobas Haufen zum Beispiel hatte sich recht weit von ihrer Flotte entfernt, wie man noch sehen wird.
Die Beobachtungen der beiden englischen Fregatten LIVELY (32 - Lord Garlies) und NIGER (32 - Foote) und nachfolgend die Sichtungen der als Späher gesandten BONNE CITOYEN (20 - Lindsay) vermittelten dem alten Admiral aber in jedem Fall das Bild eines Gegners, der durch seinen ungeordneten Aufmarsch verwundbar war.

 The Naval History of Great Britain: During the French Revolutionary and Napoleonic Wars The Naval History of Great Britain: During the French Revolutionary and Napoleonic Wars
von William James, Andrew Lambert
Sprache: Englisch
Gebunden - 568 Seiten - Stackpole Books

Erscheinungsdatum: März 2003
 The Naval Chronicle

The Naval Chronicle:
The Contemporary Record of the Royal Navy at War

von Nicholas Tracy
Sprache: Englisch
Gebunden, Erscheinungsdatum: Januar 1999

Die englische Formation

Um 8:15 befahl Jervis seinen Schiffen, die beiden Schlachtlinien enger zusammenzuschließen. Noch war er sich nicht sicher, ob die verstreuten Mastspitzen, die man ausmachen konnte, schon zu der angekündigten Kriegsflotte gehörten. Jervis hatte nicht damit gerechnet, dem Gegner in derartig aufgelöster Formation zu begegnen. Mit etwas Verzögerung ließ er gegen 8:20 dann doch das Signal "Klar zum Gefecht" geben.
Je näher der englische Flottenchef dann dem Gegner kam, desto mehr verdichtete sich sein Eindruck, das er ungestraft von feindlichen Breitseiten und Längsbeschuss die höchst lückenhafte Front des Gegners durchstoßen konnte. Nach und nach gingen auch die o.g. Zahlenwerte über die Zahl der feindlichen Schiffe ein. Der Anblick der chaotischen Regatta, die Cordobas Flotte den englischen Beobachtern bot, dürfte kaum Ehrfurcht auf den englischen Schiffen verbreitet haben, dafür aber große Zuversicht.
Um 11:00 waren die Briten keine Meile mehr von den inzwischen kompakter anlaufenden Spaniern entfernt. Der englische Admiral ließ den Befehl signalisieren, sich vor und hinter dem Flaggschiff zu einer Schlachtlinie zu formen. Jervis konnte eine riesige Lücke in der Marschordnung der Spanier ausmachen, die sich zwischen Vorhut und Hauptmacht auftat. Die englische Linie formierte sich innerhalb von Minuten ohne Probleme.

(Zu Schiffen und Kommandanten siehe auch diese Tabelle)

In dieser Linie stand ausgerechnet die mit Bordmitteln wiederhergestellte CULLODEN (74 - Troubridge) an der Spitze, gefolgt von BLENHEIM (90 - Frederick), PRINCE GEORGE (98 - Konteradmiral Parker), ORION (74 - Saumarez), COLOSSUS (74 - Murray), IRRESISTIBLE (74 - Martin), dem Flaggschiff VICTORY (100 - Admiral Jervis), EGMONT (74 - Sutton), GOLIATH (74 - Knowles), BRITANNIA (100- Vizeadmiral Thompson), BARFLEUR (98 - Vizeadmiral Waldegrave), NAMUR (90 - Whitshed), CAPTAIN (74 - Kommodore Nelson), DIADEM (64 - Towry) und EXCELLENT (74 - Collingwood).
Des englischen Admirals Plan war elementar. Um 11:30 signalisierte Jervis, das er beabsichtigte, mit seiner Formation direkt in die spanische Flotte hinein zu stoßen. Angesichts der noch immer chaotisch aufgestellten feindlichen Formation ging er damit selbst gegen die zahlenmäßige Übermacht ein verhältnismäßig geringes Risiko ein. Der krachende Schulterschlag, den der raue Kapitän Hallowell in seiner Kampfbegeisterung seinem Admiral verpasste, als dieser den o.g. Befehl gab, war möglicherweise ein größeres Wagnis.

Das letzte Gefecht der GLORIOSO

Der spanische Pulk

Schon am Abend des 13. Februar hatten Schiffe aus Cordobas Flotte die Mastspitzen des ein oder anderen englischen Schlachtschiffes gesichtet, jedoch für Teile eines Konvois gehalten.
Auf Seiten der Spanier war es am Morgen des 14. Februar bezeichnenderweise ein Linienschiff, die ORIENTE (74 - Juan Suarez), die gegen 7:00 die ersten Segel von Jervis Flotte auf der Leeseite bzw. nördlich der Flotte entdeckte und dies über die SAN ISIDRO (74 - Teodoro Argumosa) an das Flaggschiff SANTISIMA TRINIDAD (130 - Admiral Cordoba) weitergab. Die ORIENTE (74 - Suarez) hatte die gesichtete Schiffe aber noch nicht als feindliche Flotte identifiziert.
Alle acht spanischen Fregatten standen zu diesem Zeitpunkt auf der Luvseite von Cordobas Flotte. Würde man eine Metapher bemühen, könnte man auch sagen, die spanische Flotte blinzelte einäugig und krabbelte sozusagen auf allen Vieren, während der Gegner aufrechten Schrittes zum Angriff überging. Cordoba nahm immerhin die Sichtungen der ORIENTE (74 - Suarez) zum Anlass für einen Versuch, seine Schiffe wieder in eine militärische Formation zu bringen oder sie doch zumindest näher zusammenzuschließen. Er selbst schrieb in seinem Bericht, er habe seiner Flotte befohlen, sich in drei Linien zu ordnen. Mit Phantasie kann man diese Linien dann auch im späteren Gefecht erkennen.
Gegen 8:00 hörte man an Bord der SANTISIMA TRINIDAD (130 - Admiral Cordoba) durch den Nebel eine Reihe von Kanonenschüssen, vermeintlich aus Richtung des südlich stehenden Handelskonvois. Die einzige mögliche Quelle dieser Breitseiten, die ich finden konnte, war der erfolglose Angriff einer ungenannten portugiesischen Fregatte, vielleicht der CARLOTTA (34 - Campbell) , auf zwei französische Handelsschiffe. Der ereignete sich aber gar nicht im Süden, sondern im Norden und zwar vermutlich noch weit hinter der englischen Flotte. Vielleicht führte hier der Nebel die Spanier in die Irre. Woher die Explosionen tatsächlich kamen, wurde aber nie geklärt.
Cordoba schickte daraufhin jedenfalls die Fregatte MATILDE (34 - Manuel Vitoria) nach Südwesten und befahl über diesen Boten auch den beiden zur Nachhut gehörenden Linienschiffen SAN PABLO (74 - Baltasar Cisneros) und INFANTE DON PELAYO (74 - Cayetano Valdes), den Kurs zu ändern, um beim Konvoi nach dem Rechten zu sehen 7.
Offensichtlich hatte der spanische Oberkommandierende die heranrückende Gefahr aus dem Norden noch immer nicht identifiziert. Seine Reaktion auf einige ferne Breitseiten im Nebel sollte jedenfalls dazu führen, das zum Zeitpunkt des Beginns der Schlacht zwei seiner 24 Schlachtschiffe 7 Meilen weit weg und fast außer Sichtweite sein würden.
Auch die zur Vorhut gehörende SAN ANTONIO (74 - Salvador Medina) war mit einem Duo von mit Quecksilber beladenen Korvetten 3 Meilen voraus und relativ weit ins Lee der Flotte geraten. Medina reagierte aber wenigstens umgehend auf den Rückruf seines Admirals, gefolgt von den wertvollen Schiffen, die im Lee der SAN ANTONIO blieben. Dessen Anstrengungen, seine verstreute Flotte in Linie zu bringen, forderten zu diese Zeitpunkt offensichtlich die ganze Aufmerksamkeit der Spanier.
Als Cordoba gegen 10:00 über die SAN FERMIN (74 - Jose Torres) und die Fregatte PERLA (34 - Francisco Moyua) die Nachricht von der wahren Identität der nahenden Flotte erreichte 2, waren aber die Bemühungen, eine oder mehrere Schlachtreihen zu bilden, entweder fast gänzlich im Sande verlaufen oder äußerst kläglich umgesetzt worden.
Auf spanischer Seite heißt es, das der Flaggensignaldienst fast völlig versagt habe, möglicherweise behindert durch einige sich auflösende Nebelbänke. Da es jedoch auch später zu signifikanten Problemen der Nachrichtenübermittlung kam, geht man aber nicht sehr weit fehl, wenn man das hierachisch aufgebaute spanische Signalsystem als Ursache wesentlicher Probleme dieses Tages benennt: Dieses System war immer nur so wirkungsvoll wie das schwächste Glied in der Signalkette.
Die immer mehr aufklarende Sicht enthüllte den Briten eine gänzlich unmilitärische spanische Aufstellung.

(Zu Schiffen und Kommandanten siehe auch diese Tabelle)

Die Schlachtschiffe bildeten zu diesem Zeitpunkt - abgesehen von den bereits genannten und distanzierten Schiffen - zwei Klumpen : Einen größeren, kompakten aus 16 Linienschiffen um das Flaggschiff SANTISIMA TRINIDAD (130 - Admiral Cordoba) und einen kleineren, verstreuteren Cluster aus 6 Linienschiffen mit der SAN ANTONIO (74 - Salvador Medina), ORIENTE (74 - Suarez), SAN FRANCISCO DE PAULA (74 - Jose Ussel), SAN FERMIN (74 - Jose Torres), CONDE DE REGLA (112 - Konteradmiral Fürst Amblimont) und PRINCIPE DE ASTURIAS (112 - Vizeadmiral Moreno). In die klaffende, ja, einladende Lücke zwischen diesen beiden Klumpen steuerten nun die 15 Linienschiffe der englischen line of battle (Siehe Bild 1) . Ohne Jervis Verdienste schmälern zu wollen: Kein englischer Admiral hätte sich diese Chance entgehen lassen.


Cordobas Manöver - die Schlacht beginnt

Der Kurs des britischen Keils führte vor den Bug der spanischen Schiffe des Hauptclusters. Cordoba mußte erkennen, das er mit dem Gros seiner Flotte diese Lücke nicht mehr rechtzeitig würde schließen können. Jervis Keil drohte, die im Ansatz entstehende spanische Schlachtlinie zu sprengen und den Gegner bei der Passage der Lücke der Länge nach und damit höchst wirkungsvoll zu beschießen.
Cordoba konnte deswegen seinen Kurs nicht beibehalten und mußte entscheiden, ob er mit einer allgemeinen Halse nach Norden drehen oder den Bug seiner Schiffe in südliche Richtung legen sollte, um so auf Parallelkurs zu den Briten zu gehen. Der Südkurs hätte die Trennung von der Vorhut manifestiert, möglicherweise zu Kollisionen geführt und den in Linie angreifenden Briten zunächst eine zwei bis drei Schiffe tiefe Linie präsentiert, in der wohl jede englische Kanonenkugel getroffen hätte. Zudem wären infolge der Wende die englische Schiffe schneller gewesen und hätten damit mehr Optionen für Manöver gehabt. Cordoba traf hier wohl die absolut richtige Entscheidung, als er das Signal zur allgemeinen Halse gab.
Die Vorhut des spanischen Pulks kam nun dem englischen Führungsschiff CULLODEN (74 - Troubridge) entgegen und passierte Troubridges Steuerbordseite in rund 250 Metern Distanz. Beide Seiten eröffneten das Feuer. Es war 11:30, die Schlacht vor Kap St. Vincent hatte begonnen.
Schiffe der englischen Vorhut und des spanischen Pulks wechselten einige Breitseiten, wobei die Spanier infolge ihrer nachteilhaften Formation praktisch jede feindliche Kugel, aber auch so manches "freundliche" Geschoss aus den eigenen Reihen schluckten. Die kämpfenden Schiffe waren jedoch auf Gegenkurs und somit war dieses erste Gefecht schnell vorbei.

 Historische Schiffsmodelle  Historische Schiffsmodelle
von Wolfram zu Mondfeld
Sprache: Deutsch
Gebundene Ausgabe - 384 Seiten - Orbis
Erscheinungsdatum: 1. August 2003
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Die spanische Vorhut

Die spanische Vorhut unter dem Kommando von Vizeadmiral Moreno verhielt sich jedoch anders als Cordobas Hauptstreitmacht: Moreno ließ die PRINCIPE DE ASTURIAS (112 - Vizeadmiral Moreno) wenden statt halsen und steuerte nach Süden, gefolgt von drei anderen Schiffen der Vorhut.
Ausnahmen von dieser Wende waren die weit vorgepreschte SAN ANTONIO (74 - Medina), mit Westkurs noch immer auf dem Weg zurück zur Flotte, und die ORIENTE (74 - Suarez).
Während die anderen Schiffe der Vorhut den Bug nach Süden wendeten, machte die ORIENTE (74 - Suarez) eine Halse und steuerte nach Norden, wobei sie auf größere Distanz Breitseiten mit der englischen PRINCE GEORGE (98 - Konteradmiral Parker) wechselte, dann mit anderen Schlachtschiffen aus der Linie und sogar mit den englischen Fregatten, die im Lee der Linien von Jervis segelten.
Möglicherweise fiel der erste Spanier sogar auf Kapitän Suarez Schiff, doch die ORIENTE (74 - Suarez) entfernte sich bereits vom Ort des beginnenden Schlacht. Der Grund für den Abschieds-Kurs des 74-Kanonen-Schiffes ist nicht geklärt. Probleme in der Rigg wie einst bei der französischen MONTAGNARD (74 - Jean-Baptiste-Francois Bompart) am Glorious First June werden genannt, wahrscheinlich war Kapitän Suarez aber auch schlicht desorientiert und sah sich alsbald von englischen Schiffen, die meisten davon freilich Fregatten, umringt. So suchte er dann sein Heil in der Flucht dorthin, wo keine Engländer zu sehen waren.
Die CONDE DE REGLA (112 - Konteradmiral Fürst Amblimont) und die PRINCIPE DE ASTURIAS (112 - Vizeadmiral Moreno) eröffneten währenddessen ebenfalls das Gefecht und feuerten ihre Breitseiten zunächst auf die CULLODEN (74 - Troubridge), dann auf die folgenden Feindschiffe in der Linie ab. Moreno trachtete nach der Wiedervereinigung mit der Flotte und suchte seine Chance, durch die englische Linie zu stoßen.


Jervis lässt wenden

An Bord der VICTORY (100 - Sir John Jervis) mußte Admiral Jervis auf Cordobas Manöver reagieren und ließ das Signal zur Wende "Schiff für Schiff" setzen, um seine Schiffe herumzuwerfen und die spanische Flotte zu verfolgen. Um 12:08 wehte das Signal aus und um 12:15 markierte Troubridge mit der Einleitung des Manövers den Wendepunkt für die englische Flotte.
Während die CULLODEN (74 - Troubridge) mit ihrem Bug durch den Wind ging, war hinter ihr das erste größere Gefecht entbrannt. Die BLENHEIM (90 - Frederick), PRINCE GEORGE (98 - Konteradmiral Parker), ORION (74 - Saumarez) und COLOSSUS (74- Murray) tauschten Breitseiten mit der auf ihrer Backbordseite angreifenden PRINCIPE DE ASTURIAS (112 - Vizeadmiral Moreno) und der CONDE DE REGLA (112 - Konteradmiral Fürst Amblimont).
Die PURISIMA CONCEPTION (112 - Vizeadmiral Morales de los Rios), Schlusslicht der nach Norden strebenden spanischen Hauptmacht und auf der Steuerbordseite der Briten stehend, nahm die englische Vorhut ebenfalls unter Feuer, jedoch lediglich auf größere Distanz. Gleichzeitig schlugen aber die Breitseiten von gleich drei Engländern - der COLOSSUS (74 - Murray) , der ORION (74 - Saumarez) und der PRINCE GEORGE (98 - Konteradmiral Parker) - auf Morales Schiff ein. Was noch keiner ahnen konnte: Für die PURISIMA CONCEPTION sollte nach diesem Feuerwechsel die Schlacht schon vorbei sein, allerdings nicht wegen der 8 Toten und 21 Verwundeten, die die englischen Breitseiten forderten.
Während die englische Vorhut wendete, folgten ihr parallel Vizeadmiral Moreno und Konteradmiral Fürst Amblimont mit ihren Schiffen. Die SAN FERMIN (74 - Torres) , FRANCISCO DE PAULA (74 - Ussel) und die SAN ANTONIO (74 - Medina) kamen jedoch bei weitem nicht nah genug an die Briten heran, zeitweise waren auch die beiden anderen spanischen Schiffe PRINCIPE DE ASTURIAS (112 - Vizeadmiral Moreno) und CONDE DE REGLA (112 - Konteradmiral Fürst Amblimont) in der Schusslinie. So konnte die immer weiter ins Lee fallende Dreier-Gruppe um Kapitän Torres bestenfalls sporadisch und auf größere Distanz die englischen Schiffe anvisieren. Ob sie aus der großen Distanz überhaupt auf die Engländer schossen, ist nicht bekannt. Das Trio segelte jedenfalls einen großen Bogen um den englischen Wendepunkt, Moreno und Amblimont dagegen machten einen sehr kleinen Bogen und setzten erneut zum Angriff an.
Das erste Schiff aus der Vorhut, die ORIENTE (74 - Suarez), verabschiedete sich, wie bereits erwähnt, inzwischen aus der Schlacht, verfolgt und durch Beschuss belästigt von den englischen Fregatten LIVELY (32 - Lord Garlies), SOUTHAMPTON (32 - James McNamara) und MINERVE (38 - George Cockburn). Dafür hörten die Kommandanten der SAN PABLO (74 - Baltasar Cisneros) und INFANTE DON PELAYO (74 - Cayetano Valdes), die weit südlich vom Geschehen ihre Misson verfolgten, den Kanonendonner der ersten Breitseiten und nahmen wieder Kurs auf ihre Flotte. Sie hatten einen langen Weg nach Norden vor sich und konnten eigentlich kaum noch hoffen, in die Schlacht einzugreifen.

Der Vorstoß der Briten bei Kap St. Vincent am 14. Februar 1797
Bild 1
Die Kriese der COLOSSUS
Bild 2

Die Krise der COLOSSUS

Inzwischen hatte die CULLODEN (74 -
Troubridge) erfolgreich gewendet, die BLENHEIM (90 - Frederick) folgte ihr ohne Probleme, PRINCE GEORGE (98 - Konteradmiral Parker) und ORION (74 - Saumarez) taten es Kapitän Frederick gleich.
An Bord der spanischen PRINCIPE DE ASTURIAS (112) hatte Vizeadmiral Moreno inzwischen realisiert, das Cordobas Schiffe in Richtung Norden unterwegs waren und unternahm nun den Versuch, mit seinem Schiff und der ihm folgenden CONDE DE REGLA (112 - Fürst Amblimont) die englische Linie am Wendepunkt zu behindern oder sogar zu durchbrechen.
Die englische COLOSSUS (74 - Murray) setzte gerade zum Wendemanöver an, als sie sich dem heftigen Angriff der PRINCIPE DE ASTURIAS (112 - Vizeadmiral Moreno) und der CONDE DE REGLA (112 - Konteradmiral Fürst Amblimont) gegenüber sah. Die über 100 Kanonen der spanischen Breitseiten verwüsteten vor allem die Topps von Murrays Schiff und verhinderten die Wende der COLOSSUS (74 - Murray) , deren Hilflosigkeit sie zu einer potentiellen Beute der spanischen Vorhut machte.
Saumarez von der ORION (74) hatte jedoch die Klemme bemerkt, in der sein Kollege Murray steckte und versuchte, seinem inzwischen beigedrehten Kameraden mit seinen Steuerbordkanonen Feuerschutz zu geben. Er konnte aber nicht verhindern, das die PRINCIPE DE ASTURIAS (112 - Vizeadmiral Moreno) dem mit dem Bug nach Osten stehenden Havaristen eine schreckliche Breitseite ins Heck verpasste. Endlich kam aber auch die IRRESISTIBLE (74 - Martin) an den Wendepunkt und der bedrohten COLOSSUS (74- Murray) zur Hilfe. Ihr folgte das Flaggschiff von Admiral Jervis, dass das Duell mit den beiden spanischen Dreideckern aufnahm. Es war dann auch die VICTORY (100 - Sir John Jervis), deren Breitseiten schwere Treffer auf den beiden Spaniern erzielten, die vor allem die Segeleigenschaften der PRINCIPE DE ASTURIAS (112 - Vizeadmiral Moreno) beeinträchtigten und Moreno dazu zwangen, sein bemerkenswertes Vorhaben aufzugeben. Der spanische Vizeadmiral hatte immerhin riskiert, das sich die halbe englische Flotte auf seine beiden Schiffe stürzte und bekam auch von den anlaufenden EGMONT (74 - Sutton) und der GOLIATH (74 - Knowles) noch einige Treffer. Dafür revanchierten sich Morenos beiden Schiffe buchstäblich mit ihren letzten Breitseiten, die durch die Takellagen von Suttons und Knowles Schiffe fetzten und die Geschwindigkeit der beiden englischen Zweidecker deutlich verringerten.
Admiral Jervis hätte an dieser Stelle natürlich versuchen können, die "Spatzen" PRINCIPE DE ASTURIAS und CONDE DE REGLA zu nehmen, doch offensichtlich war er hinter der "Taube" Cordoba her. Ob er diesen Weg auch eingeschlagen hätte, wenn er von dem Quecksilber-Konvoi gewußt hätte ? Zwei unglaublich wertvolle Korvetten glitten unter der Deckung der SAN ANTONIO zum Greifen nah vorbei, doch die Briten waren eher auf der Suche nach Truppentransportern. Die englischen Schlachtschiffe blieben jedenfalls in der Linie und verfolgten des spanischen Admirals noch immer unordentlich lavierenden Haufen.

Cristopher Lloyd - St. Vincent & Camperdown




Cordobas Plan und Nelsons mad-man-Manöver


Die CULLODEN (74 - Troubridge) hatte sich nach Troubridges perfekter Wende an die Verfolgung der spanischen Flotte gemacht. Auf der Ostseite des Pulks erlangte die CULLODEN, obwohl noch zwei Tage zuvor durch die erwähnte Kollision schwer beschädigt, schnell Anschluß an den davonstrebenden Feind. Das Schlußlicht in der Leelinie (Ostseite) der Spanier bildete die SAN ISIDRO (74 - Argumosa), auf die der Engländer nun das Feuer eröffnete. Die beiden auf Distanz kämpfenden Schiffe holten schnell gegenüber den anderen Spaniern auf und Troubridge schickte sich an, sich auf deren Leeseite neben die spanische Flotte zu schieben.
Cordoba war die Wende der Engländer natürlich nicht verborgen geblieben. Der spanische Admiral hatte noch immer das Problem, das seine Schiffe keine ordentliche Kampfformation gefunden hatten. Die Spanier segelten z.T. drei Reihen tief - also sozusagen in einer Lee-, Mittel-, und Luvlinie - und hätten aus dieser Position heraus gegen eine aufschließende englische Linie weniger als 50% ihrer Artillerie zum Tragen bringen können. Doch der spanische Admiral hoffte, sich mit dem nächsten Manöver endlich zu sanieren. Er befahl nun, “Linie um Linie” 3 zu wenden und damit Schiff für Schiff wieder auf den alten Nordost-Kurs zu bringen, diesmal aber mit dem Ziel, seine Flotte zu einer einzigen, kanonenstarrenden Schlachtlinie zu formen. Mit der Einleitung des Manövers plante er, nicht nur seine Schiffe zusammen zu halten und Zeit für die Formation der Schlachtlinie zu gewinnen, im Erfolgsfalle hätte Cordoba so den englischen Bemühungen entgegen wirken können, die spanische Nachhut in Überzahl anzugreifen. Die Spanier hätten auch den Windvorteil nützten können und nach Lee freie Bahn für einen geordneten Rückzug gehabt. Wäre Cordoba dieses Manöver also tatsächlich gelungen, hätte Jervis wahrscheinlich nichts Entscheidendes mehr unternehmen können.

Cordoba konnte bei seinen Planungen kaum mit dem genialen Manöver eines ungehorsamen englischen Kommandanten rechnen. Der spontane Plan, den in diesen Minuten Kommodore Horatio Nelson entwarf, war bis zu diesem Zeitpunkt undenkbar und blieb in seiner Ausführung in vielerlei Hinsicht einzigartig, obwohl die Marinegeschichte einige mehr oder weniger gelungene Nachahmungen dieses mad man maneuver kennt.
Nelson, dessen CAPTAIN (74) als drittletztes Schiff der englischen Linie noch einiges an Weg zum Wendepunkt hatte, konnte auf seiner Steuerbordseite die Entwicklung der spanischen Formation beobachten und deren Folgen antizipieren. Der spätere Seeheld fasste darauf hin einen vermeintlich selbstmörderischen Entschluss, der den bis zu diesem Zeitpunkt unbekannten Kommodore in die Schlagzeilen und später in die Geschichtsbücher katapultieren sollte. Nelson scherte mit der CAPTAIN aus der englischen Schlachtlinie aus, wendete über den Backbordbug, beschrieb eine 230°-Wendung , passierte hinter dem Heck der DIADEM (64 - Towry) und vor dem Bug der EXCELLENT (74 - Collingwood) und nahm mit seinem 74-Kanonen-Schiff Kurs genau vor den Bug der SANTISIMA TRINIDAD (130 - Admiral Cordoba) und der sich um sie scharenden Drei- und Zweidecker.

Nelsons Manöver bei Kap St. Vincent am 14. Februar 1797
Bild 3
Horatio Nelson
Horatio Nelson

 DAS SCHIFF von Stephen Biesty, Richard Platt

Englische Version des in Deutschland weitgehend vergriffenen
Werkes von Stephen Biesty, Richard Platt

Dieser Moment in der Schlacht war nicht nur der Beginn der einzigartigen Karriere Nelsons, die Tat selbst stellt auch einen Wendepunkt in der Taktik der Royal Navy der damaligen Zeit dar. Dazu verstieß der spätere Seeheld auch noch gegen die ausdrückliche Order ausgerechnet des Disziplin-Freaks (!) Jervis.
Es ist m.E. die bedeutenste Tat des Individualisten Nelson: Sein Manöver war gegen die Regel, gegen den Befehl, schien selbstmördrisch, ja, geradezu verückt und dumm. Nelson mußte damit rechnen, sein Schiff zu verlieren, seine Karriere vollkommen zu ruinieren 4 und - bei allem Todesmut - das Gespött der Royal Navy zu werden. Was wäre gewesen, wenn die Spanier die CAPTAIN (74 - Kommodore Nelson) sang- und klanglos aus dem Wasser gefegt hätten und dann die Front gegen Jervis hätten halten können ? Dann hätte man Nelsons Manöver bestenfalls als Herostratismus, schlimmstenfalls als geisteskrank gewertet. Nie wieder später hat Nelson soviel risikiert, konnte Nelson auch noch einmal soviel riskieren.
Es war dieses Manöver, das an diesem Tag die Schlacht entschied. Nelson handelte dabei wie ein Schachspieler, der zur Erlangung eines vernichtenden Angriffs gegen die ungeordnete Stellung des Gegners einen Offizier als Opfer anbot. Nicht einmal der Schlachtplan von Trafalgar kann sich an Innovationskraft, Kühnheit und Genialität 5 mit diesem Manöver messen. So gesehen ist dieser Moment der größte und genialste Augenblick in Nelsons Karriere.

Die CAPTAIN stieß gegen 12:30 auf einen schwerfällig manövrierenden spanischen Pulk, dessen Leelinie gerade den Befehl zum Wenden bestätigt hatte und nun den Bug nach Westen drehte. Der riesige Vierdecker SANTISIMA TRINIDAD (130 - Admiral Cordoba), die Dreidecker MEXICANO (112 - Konteradmiral Pedro Cardenas), SALVADOR DEL MUNDO (112 - Antonio Yepes), SAN JOSE 13 (112 - Konteradmiral Francisco Javier Winthuysen) und SAN NICOLAS (80 - Thomas Geraldino ) sowie die Zweidecker SOBERANO (74 - Juan Vincente Yanez) und SAN ISIDRO (74 - Argumosa) fanden aber plötzlich querab vor ihrem Steuerbordbug ein vergleichsweise eher zierlich gebautes englisches 74-Kanonen-Schiff, das sich, Feuer und Rauch spuckend, auf die mächtigen Schlachtschiffe stürzte und so versuchte, sie abzudrängen. Der überraschte Cordoba hatte in den letzten Minuten vergeblich versucht, von den Schiffen der Luvlinie seines Pulks Bestätigungen für das Signal zum Wenden zu erhalten. Nun sah er sich mit dem neuen und völlig unerwarteten Problem konfrontiert, den Zweidecker eines offensichtlich verrückten englischen Kapitäns aus dem Weg zu räumen.
Nelsons Ziel bestand darin, die Spitze der Spanier mitten im Manöver hemmen und der englischen Linie Zeit zu verschaffen, aufzuschließen. Außerdem hoffte er nicht zu Unrecht , das die CAPTAIN (74 - Kommodore Nelson), die sich bald inmitten der Spanier befand, den Gegner vor die unangenehme Wahl stellen würde, im Kampf gegen den frechen Angreifer den Beschuss eigener Schiffe in Kauf zu nehmen. Nelson mußte trotz aller spanischen Probleme natürlich damit rechnen, das sein Schiff innerhalb von Minuten zum Wrack geschossen würde. Und als die SANTISIMA TRINIDAD (130 - Admiral Cordoba), SAN JOSE (112 - Yepes) und SAN NICOLAS (80 - Geraldino) der CAPTAIN (74 - Kommodore Nelson) ihre Breitseiten zuwendeten, nahmen sie in der Tat keine Rücksicht auf die anderen spanische Schiffe. Doch das Unglaubliche geschah. Die konzentrierte spanische Kanonade, geführt von der SANTISIMA TRINIDAD (130 - Admiral Cordoba), blieb zunächst ohne große Folgen für das englische Schlachtschiff, deren 74 Kanonen der Übermacht standhielten. Auch wenn auf dem ein oder anderen in Pulverqualm gehüllten spanischen Schiff - z.B. der SAN JOSE - nicht genug ausgebildete Mannschaften für die Bedienung aller Kanonen und Karronaden vorhanden waren, ist es erstaunlich, das nicht zumindest die Takellage der CAPTAIN größeren Schaden nahm.

Kanonen, Karronaden, Chaos - die Seeschlacht von Camperdown 1797


Erneute Spaltung der spanischen Flotte

Für Cordoba, dessen Leelinie nun nach Westen drehte, schien der Angriff der CAPTAIN sogar noch das geringere Problem. Die Luvlinie und Teile der Mittellinie des spanischen Pulks, angeführt von der SAN JUAN NEPOMUCENO (74 - Antonio Boneo) und der GLORIOSO (74 - Juan Aguirre), reagierte nach wie vor nicht auf die Signale ihres Oberkommandierenden und drohte der Leelinie um das Flaggschiff zu enteilen.
Auch sorgte nun das Gefecht der SANTISIMA TRINIDAD, die den Orientierungspunkt für die gesamte Flotte dargestellt hatte, für einen plötzlichen Stau in den spanischen Manövern. MEXICANO (112 - Konteradmiral Cardenas) und SOBERANO (74 - Yanez) zum Beispiel überholten das kämpfende Flaggschiff und machten dabei so viel Lee, das sie ihre Fahrt zunächst aus dem späteren Zentrum des Kampfes herausführte.
Cordoba mußte auch erkennen, das er die CAPTAIN (74 - Kommodore Nelson) nicht aus dem Wasser fegen konnte und sich doch auf einen längeren Kampf Breitseite an Breitseite mit dem "verrückten" englischen Kommodore einlassen mußte. Und es erwies sich zudem, das für ein Wendemanöver des noch immer nicht entzerrten spanischen Pulks gar nicht mehr genügend Raum zur Verfügung stand und Kollisionen drohten.
Deswegen ließ der spanische Admiral nun ein neues Flaggensignal setzen. Er befahl, “nach Möglichkeit” zu wenden, was aber von den meisten seiner Schiffe wieder nicht beachtet wurde. Einige Schiffe drehten zwar nach Westen, die meisten aber setzten unbeirrt ihren Kurs fort.
Die zuvor noch am Ende und in der Mitte des Pulks segelnden SAN ISIDRO (74 - Argumosa) und SALVADOR DEL MUNDO (112 - Yepes) hatten nun schon beinahe das Flaggschiff erreicht. Neben der Hemmung an der Spitze sorgte die leewärts die feindliche Linie passierende CULLODEN (74 - Troubridge) an der Spitze der englischen Vorhut ebenfalls für Druck.
Nelsons Manöver, das zunächst wie die Tat eines Verzweifelten gewirkt hatte, entfaltete am Ende auch ungeahnte Wirkung. GLORIOSO (74 - Juan Aguirre), ATLANTE (74 - Gonzalo Vallejo) und SAN JUAN NEPUMUCENO (74 - Antonio Boneo) führten die gesamte Luvlinie des spanischen Pulks nach Norden, distanzierten sich damit immer weiter vom kämpfenden Flaggschiffe und waren am Ende außer Reichweite der sich entwickelnden Schlacht.
Keiner der Kommandanten auf der Luvseite des spanischen Pulks hatte angeblich das Signal zum Wenden gesehen und steuerte deswegen den zuvor befohlenen Kurs. Mehr noch: Keines der Schiffe reagierte auf Cordobas letztes verzweifeltes Signal an die offensichtlich Tauben und Blinden, doch endlich zu wenden und wenigstens den nächstbesten Gegner anzugreifen. Hier begünstigte auch das offensichtlich überholte, weil hierarchisch aufgebaute spanische Signalsystem die Flucht vieler Kommandanten vor der Verantwortung.
Möglicherweise hätte ein "ungehorsamer" Admiral oder Kapitän in dieser Gruppe das Schicksal der Schlacht wenden können - mit einer vermeintlich unautorisierten, aber schlichten Sofortwende. Die Hauptverantwortung trug hier aber Vizeadmiral Morales de los Rios auf der PURISIMA CONCEPTION (112 - Vizeadmiral Morales), der - gedeckt durch die "gesehenen" Signale Cordobas und unbehindert von den "nicht wahrgenommenen" Befehlen - zu lange untätig blieb.

Nicht so die CULLODEN (74 - Troubridge), die längsseits der SAN ISIDRO (74 - Argumosa) und SALVADOR DEL MUNDO (112 - Yepes) die Linie herauf gekommen war, wobei sie von den zwei bis drei Schiffen tiefen Reihen des Gegners profitiert hatte. Die Spanier hatten ihre Feuerkraft gegen Troubridge nicht entfalten können, während praktisch jede Kugel der CULLODEN ihr Ziel beim Feind fand - wenn nicht auf dem ersten Gegner der Reihe, dann auf dem zweiten oder dritten Feindschiff.
Troubridge eilte nun Nelson zur Hilfe und bekämpfte fast 30 Minuten lang Seite an Seite mit seinem Freund von der CAPTAIN die gewaltigen spanischen Dreidecker und das Flaggschiff. Dann erreichte endlich auch die BLENHEIM (90 - Frederick) das Kampfzentrum und gemeinsam mit der CULLODEN (74 - Troubridge) gelang es Kapitän Frederick, die SAN ISIDRO (74 - Argumosa) und die SALVADOR DEL MUNDO (112 - Yepes) lahm zu schießen. Schließlich - gegen 13:00 - kam Kapitän Frederick auch dem von der gewaltigen SANTISIMA TRINIDAD (130 - Admiral Cordoba) bedrängten Nelson zur Hilfe. Für die zeitweise von bis zu sechs spanischen Schiffen umringte CAPTAIN (74 - Kommodore Nelson) zählte natürlich jetzt jede Minute und jeder eingesparte feindliche Treffer.
Admiral Jervis, der jetzt den eigentlichen Ort der Schlacht erkannte, signalisierte den Schlußlichtern seiner Linie, der DIADEM (64 - Towry) und der EXCELLENT (74 - Collingwood), die Wende sofort einzuleiten und Kurs auf die CAPTAIN (74 - Kommodore Nelson) zu nehmen, um Nelson zu unterstützen.
Towry und Collingwood hatten es von ihrem Wendepunkt aus nicht einmal so weit wie die VICTORY (100 - Sir John Jervis) selbst. Damit begann eine weitere bemerkenswerte Fahrt an diesem Tag, nämlich Collingwoods Reise an die Spitze der englischen Linie !
Inzwischen war es der COLOSSUS (74- Murray) gelungen, wieder flott zu werden. Kapitän Murray hatte es geschafft, seinen Zweidecker doch noch zu wenden und sich hinter dem Flaggschiff wieder in die Linie einzureihen.

Während sich die VICTORY (100 - Admiral Jervis) und die COLOSSUS (74- Murray) auf den Weg ins Zentrum des Kampfes machten, näherte sich auf ihrer Backbordseite wieder die PRINCIPE DE ASTURIAS (112 - Vizeadmiral Moreno), geführt und zeitweise wohl auch geschleppt von der CONDE DE REGLA (112 - Konteradmiral Fürst Amblimont).
In größerer Entferung von ihren Landsmännern und nun endgültig zu weit abgetrieben, um in den Kampf einzugreifen, segelten die SAN FRANCISCO DE PAULA (74- Ussel), SAN ANTONIO (74 - Medina) und SAN FERMIN (74 - Torres).
Moreno erkannte indessen, das die Engländer im Zentrum der Schlacht offenbar ein halbes Dutzend spanischer Schiffe isoliert hatten und nun planten, diese zu "doppeln", also ihre temporäre Überzahl in Duellen "Zwei gegen Einen" einzusetzen. Der spanische Vizeadmiral unternahm alles, was ihm möglich war, um die Engländer zu behindern und ließ erneut das Feuer auf die COLOSSUS (74- Murray) eröffnen. Doch die Distanz zu den Briten wuchs wieder, Morenos noch immer behinderte Schiffe schienen einfach zu langsam, um noch entscheidend in den Kampf einzugreifen. Außerdem scheint es, das Konteradmiral Fürst Amblimont auf der CONDE DE REGLA (112) zu diesem Zeitpunkt tödlich verwundet wurde.
Vizeadmiral Moreno konnte aber bald neue Hoffnung schöpfen: Aus dem Süden kommend schoben sich weit vor der PRINCIPE DE ASTURIAS zwei spanische Schiffe in das Sichtfeld Morenos. Es waren die SAN PABLO (74 - Cisneros) und die INFANTE DON PELAYO (74 - Valdes), die endlich ihre Flotte wieder in Sicht hatten, nach Norden eilten und sich in Richtung Zentrum des Geschehens bewegten. Sie sollten jedoch zu spät auf dem Schlachtfeld erscheinen, um die Schlacht im Zentrum noch zu wenden.

 Historischer Schiffsmodellbau

Historischer Schiffsmodellbau
von Philip Reed
Sprache:Deutsch
Broschiert - VTH
Der Modellbauer Phillip Reed dokumentiert in diesem Buch anhand von 384 SW-Fotos den Nachbau der bei Abukir eingesetzten MAJESTIC (74). Dabei stützt er sich auf alte Pläne und verrät viele Tricks, z.B. wie er Kanonenkugeln anfertigt. Das Buch ist wohl besonders reizvoll für erfahrene Modellbauer, die die MAJESTIC ebenfalls nachbauen wollen und vielleicht den ein oder anderen Kniff noch nicht kennen.


Der Höhepunkt der Schlacht

Dort waren inzwischen die angeschlagenen SAN ISIDRO (74 - Argumosa) und SALVADOR DEL MUNDO (112 - Yepes) auch von der ORION (74 - Saumarez) und PRINCE GEORGE (98 - Konteradmiral Parker) beharkt und an die nachfolgenden englischen Schiffe weitergereicht worden. Letztere passierten die beiden fast nebeneinander liegenden Spanier sowohl an Backbord wie auch an Steuerbord und schossen ihnen einen Mast nach dem anderen weg. Die Schiffe von Yepes und Argumosa wurden nahezu jeglicher Fähigkeit, zu manövrieren, beraubt.
Es war gegen 13:30, als hinter dem Heck der SALVADOR DEL MUNDO (112 - Yepes) plötzlich die DIADEM (64 - Towry) und die EXCELLENT (74 - Collingwood) erschienen. Collingwood jagte dem riesigen spanischen Schlachtschiff drei schreckliche Breitseiten in das Heck, manövrierte sich auf die Luvseite seines Gegners und schlüpfte mit der EXCELLENT (74 - Collingwood) an dem Dreidecker vorbei, gedeckt durch die gewaltigen Pulverdampfwolken.
Die DIADEM (64 - Towry) und die IRRESISTIBLE (74 - Martin) platzierten sich hinter und neben die SALVADOR DEL MUNDO (112 - Yepes) und begannen eine heftige Kanonade, die den spanischen Kommandanten schließlich das Leben kostete und die Kanonen des Gegners nach und nach zum Schweigen brachte.
Die EXCELLENT (74 - Collingwood) stellte nun die SAN ISIDRO (74 - Argumosa), der sämtliche Toppmasten bereits weggeschossen worden waren, und jagte Argumosas Linienschiff die Breitseiten auf kürzeste Distanz in den Rumpf. Innerhalb von 20 Minuten schalteten Collingwoods Kanoniere die gegnerische Artillerie völlig aus und bewegten Kapitän Argumosa dazu, die Flagge zu streichen. Es war 13:53, als die SAN ISIDRO (74 - Argumosa) als das erste spanische Schiff kapitulierte.
Die VICTORY (100 - Sir John Jervis) war kurz zuvor knapp hinter der SALVADOR DEL MUNDO (112) auf ein ungewöhnliches Problem gestoßen. Die DIADEM (64 - Towry) und die IRRESISTIBLE (74 - Martin), mittlerweile versetzt zur Linken und zur Rechten des spanischen Dreideckers, vollführten weiterhin ein unaufhörliches Bombardement auf ihren unglücklichen Gegner - mit einhergehenden Sichtbehinderungen. Auf diese Weise aber versperrten sie dem Flaggschiff den Weg, denn Jervis flogen selbst in einiger Distanz hinter der SALVADOR DEL MUNDO (112) noch englische Kanonenkugeln um die Ohren. Seine Signale an Towry und Martin, das Feuer einzustellen, wurden in den über das Wasser ziehenden Pulverdampfwolken nicht wahrgenommen. Jervis ließ sein Schiff so legen, das die Breitseite auf das Heck des Spaniers zielte. Ob die VICTORY dann überhaupt noch eine Breitseite abfeuerte, ist umstritten.
Gegen 14:00 stoppten jedenfalls die DIADEM (64 - Towry) und die IRRESISTIBLE (74 - Martin) ihr Trommelfeuer, an Bord der SALVADOR DEL MUNDO (112) hatte man angesichts der auf das Heck des Spaniers zielende Breitseite der VICTORY (100 - Sir John Jervis) sofort kapituliert.

Die CULLODEN (74 - Troubridge) hatte sich mittlerweile zwischen die SANTISIMA TRINIDAD (130 - Admiral Cordoba) und Nelson geschoben, dann deckte die BLENHEIM (90 - Frederick) die zerschossene und zurückfallende CAPTAIN (74 - Kommodore Nelson). Fredericks Männer jagten dem spanischen Flaggschiff eine brutale Breitseite nach der anderen in den Rumpf, zuerst ins Heck, später dann über den Bug auf die Mastfüsse. Dafür wurde Fredericks Schiff aber auch das bevorzugte Ziel der Spanier um ihn herum. Am Ende sollte die große BLENHEIM das englische Schiff mit den meisten Treffern im Rumpf sein.
Auf der CAPTAIN (74 - Kommodore Nelson) hatte man die beiden Atempausen genützt, um die vom feindlichen Artilleriefeuer zerzauste Rigg wieder in Ordnung zu bringen. Nelson wollte sich an die Verfolgung der SANTISIMA TRINIDAD (130 - Admiral Cordoba) machen, geriet jedoch wieder an die beiden Rivalen, vor deren Bug er zuvor gelaufen war. Für die vergleichsweise zierliche CAPTAIN (74 - Kommodore Nelson) und ihre Masten wurde die Situation nun dramatisch. Die SAN JOSE (112 - Konteradmiral Winthuysen ) und die SAN NICOLAS (80 - Geraldino) schossen die CAPTAIN innerhalb kurzer Zeit wieder manövrierunfähig. Doch einmal mehr kam Hilfe für den Held dieses Tages:

Collingwood, der gerade die SAN ISIDRO (74 - Argumosa) zur Kapitulation gezwungen hatte, schob sich nun zwischen die geschundene CAPTAIN (74 - Kommodore Nelson) und die SAN NICOLAS (80 - Geraldino). Die EXCELLENT (74 - Collingwood) passierte das spanische Schiff in nur rund 5 Meter Abstand und Collingwood ließ eine furchtbare Kanonade auf das 80-Kanonen-Schiff von Capitano Thomas Geraldino eröffnen. Zusammen mit den Kanonen der CAPTAIN (74 - Kommodore Nelson), die feuerten, wenn sie den Gegner fassen konnten, fügte die EXCELLENT (74 - Collingwood) dem Gegner schwere Schäden zu und verjagte die meisten zum Teil völlig unerfahrenen Geschützbedienungen des Gegners von den Kanonen.
Nach einigen Breitseiten setzte Collingwood seinen Weg fort und gab den Weg für das nächste englische Schiff frei. Collingwood attackierte nun die SAN JOSE (112 - Konteradmiral Winthuysen ), unterstützt von der ORION (74 - Saumarez), die Winthuysens Flaggschiff von der anderen Seite beharkte. Dann stürzte sich die EXCELLENT (74 - Collingwood) auf die SANTISIMA TRINIDAD (130 - Admiral Cordoba), unterstützt von der Steuerbordbreitseite der CAPTAIN (74). Zwischen Nelson und die SAN NICOLAS (80 - Geraldino) schob sich inzwischen Konteradmiral Parkers Dreidecker PRINCE GEORGE (98) und schoß Geraldinos Schiff endgültig kapitulationsreif. Dann setzte der englische Dreidecker seinen Weg fort und entlud seine Breitseiten auch noch in die SAN JOSE, unterstützt von der CULLODEN (74 - Troubridge). Diese stand querab vor dem Bug von Winthuysen und bestrich den spanischen Dreidecker nahezu der Länge nach, während sie mit ihrer anderen Breitseite Cordobas Schlachtschiff unter Feuer nahm.

Collingwoods Weg an die Spitze der Flotte - Nelsons patentierte Enterbrücke
Bild 4

Nelson patentierte Enterbrücke für einen Dreidecker

Ob eine Breitseite der SANTISIMA TRINIDAD (130 - Admiral Cordoba), der SAN NICOLAS (80 - Geraldino) oder schlicht die Zeit den bereits perforierten Vordermast der CAPTAIN fällte, ist unbekannt. Jedenfalls fiel und hing das riesige Holz schließlich binnenbords. Dazu war auch das Steuerrad der CAPTAIN (74) zerschossen worden.
Nelsons Linienschiff trieb auf die beiden Spanier SAN NICOLAS (80 - Geraldino) und SAN JOSE (112 - Konterdamiral Winthuysen) zu. Damit wurde eher zufällig als gesteuert Nelsons zweite große Tat an diesem Tag eingeleitet, wobei in den späteren Erzählungen - wie in Heldengeschichten üblich - das ein oder andere Detail der tatsächlichen Ereignisse verfälscht wurde oder in Vergessenheit geriet.
Später z.B. selten beachtet: Der größte Teil der Verluste auf den beiden spanischen Schiffen, die Nelson nun entern sollte, war bereits in den letzten beschriebenen Minuten des Trommelfeuers englischer Schiffe entstanden. Auf beiden Schiffen herrschte in dieser Phase Chaos, auf der SAN NICOLAS war Kapitän Geraldino verwundet worden , auf der SAN JOSE war Konteradmiral Winthuysen gefallen. Viele Männer, insbesondere unerfahrene Crewmitglieder, hatten sich während des Beschusses in Räume unterhalb der Wasserlinie ihrer Schiffes geflüchtet. Die englischen Treffer hatten aus der SAN NICOLAS (80 - Geraldino) sozusagen Treibgut gemacht, doch Nelsons Zweidecker ging es nicht viel besser.
Während an Bord des Spaniers einige Kanonen wieder besetzt wurden und Geraldino sein Duell mit der ebenfalls fast hilflos dümpelnden CAPTAIN (74 - Kommodore Nelson) wieder aufnahm, trieb die SAN NICOLAS (80 - Geraldino) gleichzeitig in Richtung der SAN JOSE (112 - Pedro Pineda) .
Diese war ebenfalls manövrierunfähig und lag noch immer unter dem Beschuss diverser englischer Schiffe, eingehüllt von undurchdringlichem Pulverdampf. Beide spanischen Schiffe und auch die CAPTAIN schossen vermutlich minutenlang auf schiere Rauchwolken, weil sie den Gegner durch den Pulverqualm einfach nicht mehr sehen konnten. Als Folge davon rammte schließlich die SAN NICOLAS (80 - Geraldino) ihren Dreidecker-Kollegen, wobei sich ihr Bugspriet ungefähr in Höhe des Hauptmastes über das Deck der SAN JOSE (112 - Pedro Pineda) schob.
Trotz dieser Behinderung feuerten beide Schiffe mit allem, was möglich war, auf die CAPTAIN (74 - Kommodore Nelson). Diese hatte ebenfalls ihre Manövrierfähigkeiten eingebüßt, weil der Vormast noch immer über Bord hing und das behelfsmäßige Ruder erneut von spanischen Kugeln beschädigt wurde. Doch Nelson gelang es unter Aufbietung der letzten Steuerressourcen, die sein verkrüppeltes Schiff noch bot, sich mit dem Bug am Heck der SAN NICOLAS (80 - Geraldino) festzusetzen. Damit war er für die meisten Kanonen der Spanier im toten Winkel, konnte aber seinerseits nur wenige Rohre zum Tragen bringen.
Und nun begann eines der spektakulärstes Entermanöver der Marinegeschichte. Nelson hatte zwar sicher erkannt, wie schwer der englische Beschuss zuvor die SAN NICOLAS (80 - Geraldino) und ihre 630 Mann starke Crew mitgenommen haben mußte, doch war die Lage der CAPTAIN (74 - Kommodore Nelson) gegenüber der SAN NICOLAS (80 - Geraldino) alles andere als günstig für einen Enterangriff. Der mußte nach Lage der Schiffe (Siehe Bild 4) Steuerbord achtern und über das Heck des Spaniers vorgetragen werden. Eine organisierte Verteidigung dieser neuralgischen Punkte hätte die englische Kletterattacke sicher schnell gestoppt. Doch der englische Kommodore hoffte, dass das Artilleriefeuer seiner Kollegen zuvor bereits große Breschen in die Verteidigungskraft der spanischen Crew geschlagen hatte und setzte auch auf den Überraschungseffekt.


Hornblower, Der Kapitän
von Cecil S. Forester,
Broschiert - 288 Seiten - Ullstein Tb
Erscheinungsdatum: Februar 2003
DER KLASSIKER unter den marinehistorischen Romanen

Tatsächlich kamen die Briten, angeführt von Kapitän Berry und Leutnant Pearson , der die Soldaten des 69. Regiments 17 führte, aus dem Pulverdampf und auch aus der unvorteilhaften Position ihres Schiffes unerwartet. Der Erfolg des Angriffs läßt sich u.a. aus seiner Frechheit und der ungenügenden Verteidigung des bereits stark zerschossenen spanischen Schiffs erklären. Nelson, der persönlich an der Attacke teilnahm und Kapitän Miller im Kommando der CAPTAIN zurückließ, nahm zum Beispiel seinen Weg durch ein zerbrochenes Heckfenster an der Galerie und mußte eine verschlossene Kajütentür aufbrechen - nicht wirklich der ideale Weg, um ein Schiff zu erobern.
Auf der Poop stießen die Briten offensichtlich auch nur auf den Widerstand von Offizieren, unter ihnen Kapitän Geraldino, der durch eine Kugel oder ein Bajonett fiel. Und während die Engländer vom Heck her über das Schiff strömten und auch den letzten Widerstand wegfegten, wurden sie auch schon vom Heck der an der Backbordseite der SAN NICOLAS liegenden SAN JOSE (112 - Pedro Pineda) unter Feuer genommen.
Der Dreidecker wiederum lag zu diesem Zeitpunkt auch noch unter dem Feuer der PRINCE GEORGE (98 - Konteradmiral Parker), so das Nelson sehr schnell zwei Entscheidungen traf. Er bat Kapitän Miller um mehr Männer von der CAPTAIN und ließ Parker signalisieren, er möge das Feuer einstellen. Inzwischen waren die beiden spanischen Schiffe Seite an Seite getrieben und erleichterte so den zweiten Enterangriff. Nachdem die PRINCE GEORGE (98 - Konteradmiral Parker) das Feuer eingestellt hatte, befahl Nelson seinen Männern, die SAN JOSE (112 - Pedro Pineda) zu entern. Auch dies eine spektakuläre Entscheidung, denn die Crewstärke eines solchen Dreideckers betrug in der Regel über 1000 Mann 8.
Nelsons Männer stießen zwar zu Beginn ihrer Attacke noch immer auf recht heftigen Widerstand, waren aber kaum auf das Deck des spanischen Dreideckers gelangt, als bereits ein spanischer Leutnant Nelson zurief, das Schiff habe die Flagge gestrichen. Es wird sich wohl nicht endgültig klären lassen, ob Kapitän Pineda die Feuereinstellung Parkers auf seiner Backbord-Seite als Aufforderung zur Übergabe auffasste und Nelsons Männer deswegen so schnell zum Erfolg gelangten oder ob es tatsächlich der überwältigende Angriff einer unbekannten Zahl von Männer der CAPTAIN auf der Steuerbord-Seite war, der den Ausschlag gab.
Nicht zu rütteln aber ist an dem Unikum der Situation: Nie zuvor und nie wieder später gelang es einer Entertruppe, über das Deck eines feindlichen Linienschiffes ein zweites Schlachtschiff erfolgreich zu entern. Dieses Ereignis erlangte damals mehr Bewunderung und Berühmtheit als Nelsons schlachtentscheidendes mad man maneuver und ging - mit zeitgemäßem, grimmigem Humor formuliert - als "Nelson's patent bridge for boarding enemy vessels" in die Geschichte ein.

 Herrscherin der Meere

Herrscherin der Meere
von Frank Adam
Sprache: Deutsch
Gebundene Ausgabe - 336 Seiten - Koehlers Verlagsges.
Erscheinungsdatum: August 1998
Millionen von Lesern verschlingen die Abenteuer von Hornblower, Bolitho und anderen Seehelden. Sie wollen wissen: Was ist Wirklichkeit, was ist Erfindung? Frank Adam ... liefert ein detailliertes Bild dieser Zeit. ... Lebendig und anschaulich Informationen u.a. über Ausbildung, Anwerbung und Bordleben der Offiziere und Mannschaften.


Die Schlacht um die SANTISIMA TRINIDAD

Die EXCELLENT (74 - Collingwood) hatte inzwischen ihren höchst erfolgreichen Weg fortgesetzt und hatte in die Schlacht um die SANTISIMA TRINIDAD (130 - Rafael Orozco 9 ) eingegriffen. Cordobas Flaggschiff hatte nach dem Feuerduell mit der CAPTAIN (74 - Kommodore Nelson) und später mit der CULLODEN (74 - Troubridge) besonders in dem Dreidecker BLENHEIM (90 - Frederick) einen harten Gegner gefunden. Unterstützt wurde der spanische Vierdecker zu diesem Zeitpunkt nur von der SOBERANO (74 - Yanez), die auf größere Distanz in den Kampf eingegriffen hatte. Die an der Spitze der kämpfenden Schiffe stehende MEXICANO (112 - Konteradmiral Cardenas) war aber im Begriff, der SANTISIMA TRINIDAD (130 - Orozco) zur Hilfe zu kommen.
Doch zunächst mußte die SANTISIMA TRINIDAD (130 - Orozco) Collingwoods Angriff über sich ergehen lassen. Und für das spanische Flaggschiff näherte sich schon die nächste Gefahr: An der Luvseite der tobenden Schlacht stieß die IRRESISTIBLE (74 - Martin) nach Norden vor, während die PRINCE GEORGE (98 - Konteradmiral Parker) ihre Breitseiten nun auf das größte spanische Schlachtschiff konzentrierte. Die SANTISIMA TRINIDAD (130 - Orozco) verlor ihren Vormast, dann ihren Besanmast. Collingwood, der sich rühmen durfte, an diesem Tag mit nahezu jedem in den Kampf verwickelten Feindschiff Breitseiten ausgetauscht zu haben, erstickte schließlich die Bemühungen der MEXICANO (112 - Konteradmiral Cardenas) , Cordoba zu helfen , im Keim und begann ein furioses Duell mit Konteradmiral Cardenas Schiff.
Weil die SAN ISIDRO (74 - englische Prise) , SALVADOR DEL MUNDO (112 - englische Prise), SAN NICOLAS (80 - englische Prise) und SAN JOSE (112 - englische Prise) kapituliert hatten, griffen nun - es war gegen 16:00 - weitere englische Linienschiffe in die Schlacht um das spanische Flaggschiff ein. Während die englischen Fregatten die eroberten Schiffe in Besitz bzw. in Schlepptau nahmen, sahen sich die MEXICANO (112 - Konteradmiral Cardenas) , SOBERANO (74 - Yanez) und SANTISIMA TRINIDAD (130 - Orozco) bald auch noch der ORION (74 - Saumarez) und der DIADEM (64 - Towry) gegenüber. Diese beiden Schiffe zusammen mit der BLENHEIM (90 - Frederick) und der IRRESISTIBLE (74 - Martin) bemühten sich nun, dem spanischen Flaggschiff den Rest zu geben. MEXICANO (112 - Konteradmiral Cardenas) und SOBERANO (74 - Yanez) lagen im Gefecht mit der EXCELLENT (74 - Collingwood) und der PRINCE GEORGE (98 - Konteradmiral Parker).
Unter dem Feuer von vier englischen Linienschiffen sank auf der SANTISIMA TRINIDAD (130 - Orozco ) schließlich die Flagge...18 und wurde unter der Drohung, man würde sonst auf das spanische Flaggschiff feuern, umgehend wieder gesetzt ! Das drohende Signal kam von der DON INFANTE PELAYO (74 - Valdes), die endlich das Zentrum des Kampfes erreicht hatte, gefolgt von der SAN PABLO (74 - Cisneros). In einigem Abstand zu den anlaufenden Rettern folgten die angeschlagenen PRINCIPE DE ASTURIAS (112 - Vizeadmiral Moreno) und CONDE DE REGLA (112 - Jeronimo Bravo).
Valdes und Cisneros hatten bereits aus der Distanz das Feuer auf die BARFLEUR (98 - Vizeadmiral Waldegrave) und die CULLODEN (74 - Troubridge) eröffnet, welche sich schützend vor die CAPTAIN (74 - Kommodore Nelson) und ihre beiden Prisen gelegt hatten. Valdes, der sicher stellen wollte, das die SANTISIMA TRINIDAD (130 - Orozco) noch in spanischer Hand war, setzte das genannte Signal, während seine Kanoniere sich bereit machten, widrigenfalls auf das Flaggschiff zu schießen. Doch Kapitän Orozco ließ die spanische Flagge wieder aufziehen und setzte den Kampf fort.
Ermutigt von der endlich sich wieder auf dem Rückweg befindlichen Hauptmacht der spanischen Flotte, die unter Führung der PURISIMA CONCEPTION (112 - Vizeadmiral Morales) gewendet hatte, stieß Valdes bis zur SANTISIMA TRINIDAD (130 - Orozco) vor. Im Feuer der englischen Schiffe gelang es der INFANTE DON PELAYO (74 - Valdes), den Bug der SANTISIMA TRINIDAD herumzuschleppen und sich dann mit backgestellten Segeln schützend vor das Flaggschiff zu manövrieren - ein Unternehmen, das den Männern auf dem Vierdecker eine Atempause von dem britischen Eisenhagel gab und ihnen ermöglichte, das Flaggschiff für den Rückzug vorzubereiten.
Alsbald scharten sich in der hereinbrechenden Dämmerung die SAN PABLO (74 - Cisneros), CONDE DE REGLA (112 - Jeronimo Bravo) und PRINCIPE DE ASTURIAS (112 - Vizeadmiral Moreno) um den Vierdecker. Das spanische Flaggschiff wurde schließlich abgeschleppt und doch noch vor dem Zugriff der Engländer gerettet.
Während am Kopf des Schlachtfeldes noch gekämpft wurde, hatte Admiral Jervis den Fregatten den Befehl gegeben, die Prisen zu sichern. Die LIVELY (32 - Lord Garlies) und die BONNE CITOYEN (20 - Lindsay) hatten bereits die SAN ISIDRO (74 - englische Prise) in Schlepp genommen. Die wenig im Gefecht engagierten NAMUR (90 - Whitshed), GOLIATH (74 - Knowles) und EGMONT (74 - Sutton) deckten die SAN ISIDRO (74 - englische Prise) und SALVADOR DEL MUNDO (112 - englische Prise). Die VICTORY (100 - Sir John Jervis), die COLOSSUS (74- Murray) und die BRITANNIA 16 (100 - Vizeadmiral Thompson) lagen schützend vor der SAN JOSE (112 - englische Prise), SAN NICOLAS (80 - englische Prise) und der CAPTAIN (74 - Kommodore Nelson).
Mit der hereinbrechenden Dunkelheit begannen die Spanier die SANTISIMA TRINIDAD (130 - Orozco) aus der Kampfzone zu ziehen. An der nördlichen Spitze des Schlachtfeldes endete das Duell zwischen MEXICANO (112 - Konteradmiral Cardenas) und PRINCE GEORGE (98 - Konteradmiral Parker), weil Parker im Nordwesten den nahenden spanischen Pulk aus Rückkehrern um die PURISIMA CONCEPTION (112 - Vizeadmiral Morales) ausmachen konnte.
Zwischen der SOBERANO (74 - Yanez) und der DIADEM (64 - Towry) , die inzwischen den Platz der EXCELLENT (74 - Collingwood) eingenommen hatte, schwiegen gegen 17:00 auch die Kanonen. Alle im nördlichen Teil des Schlachtfeldes noch schießenden englischen Schiffe brachen schließlich auf Befehl ihrer Admirals das Gefecht ab und formten eine schützende Linie vor dem Zentrum, in dem die eroberten Schiffe schwammen. Die Seeschlacht vor Kap St. Vincent war vorbei.

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Die Bilanz der Schlacht

Die hereinbrechende Nacht sah die Engländer trotz des Sieges in hektischer Aktivität. Beigedreht wurden gleichwohl alle Schiffen gefechtsbereit gehalten, Schäden repariert, Verwundete versorgt und Tote vorerst unter Deck gebracht.
Nelson erschien an Bord der VICTORY (100 - Admiral Jervis) und wurde vom Oberkommandierenden überschwenglich empfangen. Jervis dankte seinem Untergebenen sozusagen für die Missachtung des Admiral-Befehls und setzte damit den amtlichen Stempel unter die Eigeninitiative des Kommodore. Die Euphorie des alten Admirals war berechtigt: Dank Nelsons Manövers hatte die englische Flotte ja erst die Schiffe um die SANTISIMA TRINIDAD von der Hauptmacht isolieren und doppeln können. Gegen eine zahlenmäßig überlegene Feindflotte von vermuteten 27 Linienschiffen hatte man dann vier spanische Schiffe erobert und dem Gegner schwere Verluste zugefügt.
Die Engländer waren diesbezüglich vergleichsweise glimpflich davongekommen: Lediglich 73 Tote und 227 Verwundete gab es auf den 15 englischen Linienschiffen, wobei die CAPTAIN (74 - Kommodore Nelson) mit 24 Toten und 56 Verletzten an der Spitze der Verlustenliste stand. Die BRITANNIA (100 - Vizeadmiral Charles Thompson) und die EGMONT (74 - Sutton) - kaum im Gefecht gewesen - hatten dagegen so gut wie keine Verluste.

(Zu Verlusten siehe auch diese Tabelle)

Die englische Verlustliste indiziert die mangelnde Kampfkaft der unterbesetzten spanischen Flotte, zieht man die Größe und Bewaffnung der spanischen Schiffe in Betracht. Die folgenden spanischen Zahlen dagegen machen noch nachdenklicher, wenn man bedenkt, das zwei der englischen Dreidecker und zwei der 74-Kanonen-Schiffe kaum an der Schlacht teilgenommen hatten:
Auf spanischer Seite starben nämlich 397 Männer, 261 (!) davon allein auf den vier eroberten Schiffen. 856 Leute waren zum Teil schwer verwundet worden. An der Spitze der Verlustenliste stand die SAN NICOLAS mit 144 (!) Toten und 59 Schwerverletzten. Wieviele Männer auf dem von Nelson geenterten Schiff insgesamt verletzt wurden, ist nicht bekannt. Die Verlustzahl lässt aber erahnen, wie sehr das spanische Schiff bereits vor dem Angriff der CAPTAIN (74 - Kommodore Nelson) hatte leiden müssen.
In der Verlustliste an dritter Stelle lag die SAN JOSE, auf der 49 Männer starben und 96 schwer verwundet wurden. Auch hier ist die genaue Zahl der Verwundungen nicht bekannt, man kann sich aber vorstellen, das allein dieses Schiff die Summe der englischen Verletzten insgesamt erreichte.
Es ist auch keine Überraschung, das die SANTISIMA TRINIDAD nach Verlusten auf Rang zwei rangiert: 69 Tote und 233 Verwundete. Die Gesamtzahl der spanischen Toten und Verwundeten ist um so erschreckender, wenn man bedenkt, das 10 der 24 Schiffe Cordobas ohne nennenswerte Verluste blieben, weil sie in den Kampf praktisch nicht involviert waren. Tatsächlich intensiv in Kampfhandlungen verwickelt waren dagegen nicht einmal ein Dutzend spanische Linienschiffe, in der eigentlichen Schlacht waren es tatsächlich sogar nur 7.
Auf den 11 intensiver involvierten spanischen Schiffen starben zwei Konteradmirale (Fürst Amblimont, Winthuysen) und drei Kapitäne (Herrera, Geraldino, Yepes), während die englischen Kommandanten weitgehend mit heiler Haut davon kamen.
Rund 2700 spanische Gefangene, darunter weit über 500 mehr oder weniger schwer Verwundete, drängten sich auf den englischen Fregatten bzw. befanden sich noch auf den von ihnen in Besitz genommenen Prisen.


Das Ende der Konfrontation

Beide Flotten lagen die Nacht über beigedreht in einiger Entfernung voneinander. Nicht wenige englische Autoren wie z.B. der bereits erwähnte William James beklagen an dieser Stelle eine verpasste englische Chance:
Jervis hätte den noch immer ungeordneten Spaniern ein Nachtgefecht aufzwingen können und die erwiesene englische Überlegenheit zu einem totalen Erfolg nützen müssen. Die 12 noch voll einsatzfähigen englischen Linienschiffe hätten nach diesen Vorstellungen die 16 Spanier sowie die schwer behinderten SANTISIMA TRINIDAD (130 - Orozco), MEXICANO (112 - Konteradmiral Cardenas) und PRINCIPE DE ASTURIAS (112 - Vizeadmiral Moreno) vollends niederringen können. Wie das ausgegangen wäre und warum Jervis in der Nacht nicht nachsetzte, darüber kann man natürlich nur spekulieren. Möglicherweise stellten sich die Kräfteverhältnisse für die Briten anders da und Jervis scheiterte hier an der bereits diskutierten und offensichtlich magischen Zahl von 27 ! 10

Am Morgen des 15. Februar waren Cordoba und Jervis jedenfalls nach wie vor in Sichtweite, doch der Weg der Spanier nach Cadiz war nun um den Preis ihrer vier verlorenen Linienschiffe frei. Jervis auf der anderen Seite lag jetzt im Lee der Spanier und verzichtete bei Tageslicht erst recht auf einen Angriff. Verständlich in Anbetracht seiner 4 Prisen, der noch nicht wieder einsetzbaren CAPTAIN (74 - Ralph Willet Miller 11 ) , der ebenfalls schwer angeschlagenen CULLODEN (74 - Troubridge) und COLOSSUS (74 - Murray) und der englischen Leeposition. Einer englischen Attacke hätte Cordoba diesmal wohl leicht begegnen oder ausweichen können.

Napoleonic Naval Armaments 1792-1815 Napoleonic Naval Armaments 1792-1815
(New Vanguard)
von Chris Henry, Brian Delf (Illustrationen)
Sprache: Englisch
Taschenbuch - 48 Seiten - Osprey -

Erscheinungsdatum: Mai 2004

Die Überlegenheit der Royal Navy basierte auf vielen Faktoren. Eine Basis für den Erfolg der Briten bestand zweifellos in ihrer überlegenen Artillerie. Dieses Buch vergleicht die englische Bewaffung mit der Ausstattung ihrer französischen, spanischen, dänischen, russischen und holländischen Opponenten.

Für die Spanier war an einen Angriff auf die Briten, auch in vermeintlicher Überzahl, nicht zu denken. Nicht zuletzt zeigten die Erfahrungen des Desaster am Tag zuvor, das die spanische Schiffsartillerie aus vielen Gründen den englischen Kanonen nicht gewachsen war. Mangelnde Besatzungsstärke, mangelnde Erfahrung und schlechte Feuerdisziplin hatten dazu geführt, das viele Kanonen am Vortag gar nicht oder sehr schlecht bedient worden waren. Noch in der Nacht hatte ein Kriegsrat dem Oberkommandierenden empfohlen, auf eine Fortsetzung der Schlacht zu verzichten
Trotzdem versuchte Cordoba die Engländer noch einmal zu einem Angriff zu provozieren, indem er - sogar mit der SANTISIMA TRINIDAD (130) als einer Art schwimmenden Batterie im Schlepp - eine imposante Schlachtlinie bildete und sich Jervis Schiffen näherte.
Die Briten nahmen jedoch lediglich eine Verteidigungsposition ein, in dieser Phase wäre ein Angriff gegen die gut aufgestellten Spanier natürlich unklug gewesen. Cordoba initiierte diesen Scheinangriff wohl auch für die Moral seiner Männer und für den noch zu schreibenden Bericht über eine Niederlage gegen einen zahlenmäßig deutlich unterlegenen Feind. Am Ende verzichtete der spanische Admiral aber auf eine weitere Schlacht und setzte am Abend des 15. Februar 1797 Kurs auf Cadiz.
Die Engländer nahmen Kurs auf Lagos (Portugal) und erreichten den Hafen, die vier Prisen im Schlepp, am Nachmittag des 16. Februar 1797. Gleichzeitig verfasste Admiral Sir John Jervis seinen - übrigens extrem kurzen - Bericht und schickte seinen Flaggkapitän Robert Calder mit der Nachricht vom Sieg auf den Weg nach London.


Danach

Am 2. März 1797 erreichte Calder mit Jervis Schreiben die englische Hauptstadt. Die Nachricht vom Triumph der Mittelmeerflotte wurde in England sowohl mit Jubel als auch mit der großen Erleichterung aufgenommen, das eine spanisch-französische Invasion abgewendet wurde. Die Royal Navy und die englische Regierung taten ihr Bestes, um dieses Gefühl zu verstärken und die Schlacht als möglichst bedeutend und ruhmvoll erscheinen zu lassen. 15 englische Linienschiffe hatten demnach mit geringen Verlusten 27 spanische Linienschiffe besiegt, sogar vier feindliche Schiffe erobert und eine Invasion abgewendet.
Jervis Sieg behob aber keineswegs die Probleme, die zur Aufgabe des Mittelmeers geführt hatten. Das Krisenjahr der englischen Flotte hatte tatsächlich erst begonnen und sollte später in den berühmten Flotten-Meutereien gipfeln. Erst mit dem Sieg von Abukir im August 1798 sollte sich die Royal Navy aus ihrer Krise befreien.

Die spanische Niederlage hatte aber tiefgreifende Konsequenzen in Spanien, dessen maritimer Stolz und Selbstbewusstsein durch die Niederlage - freilich zeitverzögert und im Kontext von Finanzproblemen - schwer getroffen wurden. Dies um so mehr, als die tatsächliche Schwäche der spanischen Flotte und Ursache der Niederlage - Ressourcen- und Personalmangel - auch binnen absehbarer Zeit nicht abgestellt werden konnte. Dafür sah sich die Mittelmeerflotte bald darauf einer englischen Blockade vor Cadiz gegenüber, gefolgt von englischen Bombardements des Hafens und der Schiffe Anfang Juli. Monat um Monat wurde die militärische Hilflosigkeit der spanischen Marine deutlicher. Eine größere spanische Flotte sollte erst Jahre später wieder auslaufen... und vor Kap Trafalgar enden.
Das nationale Gefühl der Schande in Spanien bekamen vor allem die glücklosen spanischen Kommandanten von Kap St. Vincent zu spüren.
Bereits am 21. März 1797 hatte der Marineminister die Voruntersuchung der Ursachen der Niederlage angeordnet und zwei Offiziere - Kommodore Juan José Garcia und Kapitän Damian Cosme Churruca - mit der Beantwortung eines Fragenkatalogs beauftragt.

Nelsons Schlachten
 Die Seeschlacht vor Kopenhagen 1801  Trafalgar Seeschlacht in der Bucht von Abukir

Cordoba, sein Zweitkommandierender Morales de los Rios und 11 Kapitäne 12 der Schiffe, die nicht ins Gefecht gekommen waren, wurden im Dezember 1797 unter Arrest gestellt. Die Verfahren starteten nach langwierigen Untersuchungen jedoch erst im Mai 1799.
Am 10. September 1799 fiel der Spruch über Cordoba: Das Gericht hielt ihn verantwortlich für die miltärische Unordnung, in der seine Flotte segelte, als sie auf die Briten traf. Er verlor seinen Rang und wurde sowohl vom Hof als auch aus allen Hafenstädten (!) verbannt. Ein hartes Urteil für den unglücklichen Cordoba, der zwar als Oberkommandierender die Verantwortung für die Niederlage trug, diese aber ohne den genialen Schlag Nelsons, möglicherweise aber auch ohne seine tauben und blinden Offiziere gar nicht hätte hinnehmen müssen 15. Ob das Manöver der CAPTAIN allein für den englischen Sieg ausgereicht hat oder hätte, wird heute niemand mehr mit Sicherheit sagen können.
Vizeadmiral Morales de los Rios, Zweitkomandierender, Befehlshaber der enteilten spanischen Luvlinie und m.E. nach einer der Hauptverantwortlichen an dem Desaster, verlor ebenfalls seinen Rang, weil er nicht sofort hatte wenden lassen.
Das Tribunal nahm den meisten Kommandanten der Luvlinie nicht ab, das sie Cordobas Signale zum Wenden und später zum “Kampf gegen den nächstbesten Gegner” nicht gesehen hatten. Die Kapitäne Gonzalo Vallejo von der ATALANTE (74) , Juan Aguirre von der GLORIOSO (74) und Kapitän Agostin Villavicencio von der SAN GENARO (74), allesamt Schiffe aus der davon gesegelten Luvlinie, verloren u.a. wegen "mangelndem Kampfgeist" ebenfalls ihren Rang, z.T. ohne die Möglichkeit, jemals wieder ein Kommando bekleiden zu können.
Kapitän Jose Torres von der SAN FERMIN, der zu der abgeschnittenen Vorhut gehört hatte und nicht ins Gefecht kam, ging ebenfalls seines Patentes verlustig.
Weitere Offiziere - allesamt von den Schiffen, die nicht im Kampf waren - wurde der Rang auf Zeit entzogen, viele andere öffentlich gerügt.
Dem Kapitän der früh entschwundenen ORIENTE (74 - Juan Suarez) dagegen hielt man zugute, das er gekämpft hatte und dann ins Lee der englischen Linie geraten war. Suarez ging straffrei aus.
Dafür wurden selbst die Ersten Offiziere der verurteilten Kapitäne öffentlich gerügt, ihre Kommandanten nicht zum Kampf gedrängt zu haben.
Das Ausmaß der Strafmaßnahmen gegen die Verlierer dieser Schlacht ist beispiellos für diese Ära. Weder nach der bedeutend schwereren Niederlage bei Trafalgar 1805 noch nach mit Kap St. Vincent vergleichbaren Niederlagen (Verlust von 4 Linienschiffen) wie Camperdown 1797, Kap Ortegal 1805 oder Santo Domingo 1806 wurde derartig flächendeckend bestraft und ... eine Niederlage nicht nur eingeräumt, sondern sogar übertrieben. Man kann bei alle Fehlern der spanischen Kommandanten nicht umhin, hier den Ruch von Schauprozessen aus politischen Kalkülen zu vermuten. Sie sind auf spanischer Seite das unrühmliche Ende einer Schlacht, die bereits das Ende spanischer Seemacht einläutete.

Den Engländern erging es natürlich besser:
Der Sieger Sir John Jervis wurde vom englischen König zum Earl gemacht und nannte sich fortan Earl St. Vincent nach dem Ort der Seeschlacht, die seinen Ruhm begründete.
Vizeadmiral William Waldegrave und Konteradmiral William Parker wurden zu Baronets gemacht, selbst Vizeadmiral Charles Thompson von der wenig engagierten BRITANNIA (100) erhielt einen lukrativen Diplomatenjob im Ausland.
Der Held 19 des Tages vor Kap St. Vincent, Kommodore Horatio Nelson, wurde zum Ritter des exklusiven Bath-Ordens geschlagen und wurde u.a. Ehrenbürger von London. Seine Beförderung zum Konteradmiral hatte Nelson allerdings schon in der Tasche, bevor die Nachricht vom Sieg nach London gelangen konnte. Seine Mißachtung der Admiralbefehle wurde von Jervis, der taktisch offensichtlich ein höchst flexibler Mann war, schon kurz nach der Schlacht ausdrücklich gelobt und öffentlich gebilligt. Damit erweiterte sich der Ermessensspielraum nachfolgender englischer Kapitäne zugunsten ihrer Eigeninitiative erheblich.
An die anderen Kapitäne wurden lediglich Ehrenmedaillen verteilt. Betrachtet man Collingwoods Einsatz und Troubridges Führungsrolle, so erscheint das gering. Doch hätte es neben der Belohnung von Nelsons kreativem Ungehorsam auch noch ähnliche Ehrungen für die Kapitäne der EXCELLENT (74 - Collingwood) und CULLODEN (74 - Troubridge) gegeben, wäre von Admiral Jervis Anteil an dem Sieg wenig übrig geblieben. Man kann es aber nicht oft genug betonen, das nach Nelson diese beiden Kapitäne die Väter des Sieges waren.
Schließlich gab es noch die übliche Beförderungswelle der ältesten Leutnants der Linienschiffe zum Rang des Commanders.

 The Royal Navy: A History from the Earliest Times to 1900

The Royal Navy: A History from the Earliest Times to 1900
von William Laird Clowes
Sprache: Englisch
Taschenbuch - Chatham Publishing
Erscheinungsdatum: 1996

Die vier eroberten Schiffe wurden erst nach Lagos, dann nach Lissabon gebracht und erreichten schließlich im Oktober Plymouth. Sie wurden in die Royal Navy übernommen, doch nur die SAN JOSEF (Nun hieß sie tatsächlich so) ging danach noch auf Feindfahrt. Die SAN NICOLAS wurde zu einer Gefangenenhulk in Plymouth und die SALVADOR DEL MUNDO zu einem Wach- und Wohnschiff.
Die beschädigte und abgeschleppte SANTISIMA TRINIDAD (130) entging am 20. Februar 1797 knapp einer Konfrontation mit einem englischen Fregattengeschwader unter Kommodore Velterers Cornewall Berkeley von der EMERALD (38), der darauf verzichtete, gemeinsam mit der MINERVE (38 - Cockburn) , der TERPSICHORE (32 - Bowen), der NIGER (32 - Foote), der BONNE CITOYEN (20 - Lindsay) und der RAVEN (18 - William Prowse) den spanischen Vierdecker anzugreifen. Dies ist um so erstaunlicher, weil Berkeley von Jervis, der um den schlechten Zustand des feindlichen Vierdeckers wußte, eigens zu diesem Zweck ausgeschickt worden war. Warum der englische Geschwaderführer das sichtlich behinderte spanische Schlachtschiff nicht angriff, obwohl sogar die schleppende spanische Fregatte MATILDE (34 - Manuel Vitoria) das Weite suchte, ist nicht geklärt. Eine wenig überzeugende Version sagt, man habe an Bord des spanischen Vierdeckers eine britische Flagge gehisst, so das die Engländer in der schweren See die SANTISIMA TRINIDAD für bereits erobert und damit für eine englische Prise gehalten hätten.
Nicht so schüchtern war dann am 1. März 1797 die Fregatte TERPSICHORE, die der SANTISIMA TRINIDAD erneut begegnete und das Feuer auf das schwerfällig segelnde Schlachtschiff eröffnete, wobei ihr schwerstes Kaliber, die Zwölfpfünder, den riesigen Vierdecker jedoch lediglich peinigen, jedoch nicht wirklich gefährden konnten. Dabei achtete Kapitän Bowen natürlich darauf, möglichst nicht in den Bereich der schweren spanischen Breitseiten zu kommen und konnte lediglich mit den spanischen Jagdgeschützen bedrängt werden. Bis zum Morgen des nächsten Tages quälte die TERPSICHORE das ehemalige Flaggschiff Cordobas. Dann endlich erlöste ein Geschwader spanischer Linienschiffe die SANTISIMA TRINIDAD (130) von ihrem Quälgeist und verscheuchte die englische Fregatte. Der Vierdecker erreichte schließlich Algeciras und begegnete 1805 bei der Schlacht von Trafalgar ein letztes Mal dem späteren Admiral Lord Nelson. Für beide, die SANTISIMA TRINIDAD und Nelson, sollte Trafalgar dann das Ende bedeuten.


Die Bedeutung der Schlacht

Wie groß war nun der englische Sieg ? Zählt die Seeschlacht vor Kap Vincent eigentlich zu Recht zu den großen Schlachten dieser Ära ?
Ich meine, sie ist militärisch die bedeutenste Schlacht ... Nelsons ! Denn tatsächlich hatte der Seeheld nie wieder später einen derartig genialen und wahrhaftig heroischen Moment als in dem Augenblick, als er die Wende der CAPTAIN befahl. Dieser Moment war einzigartig und entschied die Schlacht.
Trafalgar 1805 wurde dagegen nach Motiven gekämpft, die schon mehrfach dagewesen waren.
Der Vorstoß unter Land vor Abukir 1798 war genial, aber es ist ungeklärt, ob allein Nelson der Schöpfer dieses Manövers war.
Der Angriff auf Kopenhagen 1801 war alles andere als ein geniales Manöver, es war einfach nur eine brutale Schlacht.
Die Seeschlacht vor Kap St. Vincent war so gesehen das Glanzstück des charismatischen Seeoffiziers. Sein Manöver an diesem Tag markiert den Beginn einer beispiellosen Karriere, der Erfolg hat Nelson und damit auch viele seiner späteren Untergebenen geprägt. Erfolgreicher Ungehorsam = Lobenswerte Eigeninitiative - so lautete von nun an die Nelson ́sche Formel, mit denen nicht nur der Seeheld seine Erfolge feierte. Für die Art, so zu kämpfen bzw. für größere Ermessensspielräume von englischen Kommandanten war die Schlacht von Kap St. Vincent ein bedeutender Trigger.
Militärisch wurde die Schlacht in England damals als Erlösung von der nicht vorhandenen Bedrohung einer spanisch-französischen Invasion auf die Insel gewertet und deswegen mit einer ganz anderen Wertigkeit besetzt als man das heute in der Rückschau tun kann. Die spanische Flotte blieb jedoch weitgehend intakt, aus materieller Sicht war Kap St. Vincent kein wesentlich größerer englischer Sieg als z.B. das Treffen des späteren Vizeadmiral Calder mit der französisch-spanischen Flotte Vizeadmiral Villeneuves am 22. Juli 1805.
Die psychologische Wirkung der Schlacht aber war verheerend für die Flotte des iberischen Königreichs. Die spanische Niederlage stellte eine Art öffentliche Inventur der Fähigkeiten der spanischen Marine dar. Die spanischen Seestreitkräfte mußten ihre Versorgungs- und Instandhaltungsprobleme offenbaren und wurden als Papiertiger geoutet. Nelson, Collingwood, Jervis und Troubridge - in dieser Reihenfolge - entlarvten die schweren Mängel hinter der imposanten Fassade der stolzen spanischen Marine. Und davon sollte sich die spanische Flotte der Koalitionskriege nie wieder erholen.


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Fußnoten

Um in den Text zurückzukehren bitte auf die Nummern clicken.

1 = Tatsächlich waren es ja 10 Linienschiffe, doch als der amerikanische Kapitän der englischen Flotte begegnete, war die CULLODEN (74) gerade anderweitig beschäftigt.

2 = Nach William James Naval History signalisieren hier zwei spanische Fregatten, SANTA CATALINA und PRECIOSA. In den spanischen Berichten tauchen diese beiden Schiffe aber gar nicht auf. Es ist zweifelhaft, ob sie überhaupt in der Nähe waren.

3 = Die innere Linie (Leelinie) wird zur Vorhut, die äußere Linie (Luvlinie) wird zur Nachhut.

4 = Sein Leben zu verlieren erscheint bei Nelson dagegen ohne Belang. Spätestens von diesem magischen Moment an wird der Seeheld praktisch alles angreifen, was schwimmt und eine Feindflagge führt. Ein Beispiel dafür sind seine mehrfachen und offensichtlich aussichtslosen Attacken auf Santa Cruz (Teneriffa) im Juli 1797, die ihn am Ende einen Arm kosten. War Nelson ein Adrenalin-Junkie ? Oder in seiner Ehe so unglücklich ? Ein von der Prädestinationslehre infizierter religiöser Fundi ? Ein kampfbesessener Karrierist ? Oder schlicht verrückt ? Wäre er lediglich ein strategisches Genie gewesen, hätte er sich doch auch mit einer Partie Schach zufrieden geben können, oder ?

5 = Nicht nur Genie und Wahnsinn liegen eng beieinander, auch unglaublicher Erfolg und lächerlichstes Versagen.

6 = "There are eight sail of the line, Sir John !"
"Very well, sir"
"There are twenty sail of the line, Sir John !"
"Very well, sir"
"There are twenty five sail of the line, Sir John !"
"Very well, sir"
"There are twenty seven sail of the line, Sir John !"
"Enough, sir, no more of that ! The die is cast, and if there are fifty sail I will go through them !"

7 = Dieses Manöver wird in englischen Berichten, z.B. in der Naval History von WilliamJames, ausgelassen. So mutieren diese beiden Schiffe der Nachhut bei James erst zu - ungenannten - Schiffen der Vorhut, später zu zwei der Schiffe, die Cordobas Flotte vor Algeciras verließen. In der Naval History werden also 8 Schiffe durch Jervis Stoß abgeschnitten, tatsächlich waren es aber nur 6 Spanier.

8 = Auf der zwar unterbesetzten SAN JOSE (112 - Konteradmiral Winthuysen) waren es zu Beginn der Schlacht immerhin noch 917 Mann.

9 = Admiral Cordoba hatte zu diesem Zeitpunkt definintiv schon auf die Fregatte DIANA (34 - Juan Jose Varela) gewechselt. Wann aber genau der Transfer geschah, ist mir nicht bekannt. Tatsächlich handelte es sich dabei nicht um eine Flucht. Spanische Flottenchefs hatten die Pflicht, sich aus dem Zentrum einer Schlacht heraus zu halten. Vergleiche hierzu auch die zweite Schlacht vor Algeciras.

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10 = Soll heißen: Jervis hatte seinem Bericht vom 16. Februar 1797 zufolge mindestens drei Schiffe mehr und damit 19 unbeschädigte Gegner auf der Rechnung. Vielleicht aber ging er einige Stunden zuvor sogar von über 20 unbeschädigten Feindschiffen aus. In der Nacht zum 15. Februar 1797 waren die Engländer nämlich möglicherweise nicht sicher über die Identität der Schiffe, die die SANTISIMA TRINIDAD herausgehauen hatten. Die DON INFANTE PELAYO (74 - Valdes) und die SAN PABLO (74 - Cisneros) z.B. waren ja zu Beginn der Schlacht nicht in Sichtweite der englischen Flotte, kamen für die kämpfenden Briten wie aus dem Nichts und hätten durchaus Neuankömmlinge sein können.

11 = Nelson hatte seinen Kommodore-Stander zwischenzeitlich auf der IRRESISTIBLE (74 - George Martin) gesetzt.

12 = Verhaftet wurden Gonzalo Vallejo (ATLANTE), Juan de Aguirre (GLORIOSO), Antonio Boneo (SAN JUAN NEPOMUCENO), Rafael Maestre (SAN ILDEFONSO), Bruno Ayala ( FIRME), José Butler (CONQUISTADOR), Salvador de Medina (SAN ANTONIO), Juan Suárez (ORIENTE), Agustín Villavicencio ( SAN GENARO), Jose Ussel (SAN FRANCISCO DE PAULA) und Jose Torres (SAN FERMIN).
Die Kapitäne von NEPTUNO (80) , BAHAMA (74) und TERRIBLE (74) bzw. die Namen der Schiffe tauchen in diesen Prozessen natürlich nicht auf.

13 = Das Schiff wurde von den Briten unter dem anglisierten Namen SAN JOSEF geführt und wurde durch Nelsons spektakulären Angriff auch unter diesem falschen Namen berühmt. Bis heute halten viele Chronisten hartnäckig an dem "f" fest. Das ist aber so, als würde man die englische CAPTAIN (74) als CAPITANO (74) verzeichnen.

14 = FORMIDABLE (80), JEAN-JACQUES (74), JEMMAPPES (74), MONT BLANC (74) und TYRANNICIDE (74) plus Fregatten ALCESTE, DIANA und VESTALE.

15 = Zumindest einer der Gegner Cordobas ist dieser Meinung. Am 15. Februar schrieb Kapitän Collingwood von der EXCELLENT (74) folgende Zeilen an Kommodore Nelson:

Mein verehrter guter Freund
Zuerst möchte ich Ihnen zum gestrigen Erfolg gratulieren, zu dem Glanz, der auf die englische Navy geworfen wurde und zu der Demut, die das bei ihren Feinden verursachen muß. Und dann lassen Sie mich meinen verehrten Kommodore beglückwünschen zu der herausragenden Rolle, die er immer spielt, wenn die Ehre und die Interessen seines Landes auf dem Spiel stehen. Das ich Sie ein wenig entlasten konnte, hat die Genugtuung, die ich beim Verprügeln der Spanier verspürte, vergrößert.
Der größte Lohn gebührt Ihnen und der CULLODEN : Sie entwarfen den Plan für den Angriff, wir waren nur Helfer beim Ruin der Dons ; Wobei, wenn sie gewendet hätten, hätten sie sich schneller vereinigt und die Sache wäre weniger vollkommen gewesen...


Natürlich ändert diese Meinung Collingwoods nichts an der chaotischen Formation, in der der spanische Admiral mit seinen Schiffen vor der Küste erschien. Man darf aber die persönliche militärische Niederlage Cordobas als unglücklich bezeichnen, ohne dafür seine Versäumnisse zu entschuldigen.

16 = Die BRITANNIA (100 - Vizeadmiral Thompson) segelte sich angeblich wie "ein Heuschober", war praktisch nicht im Gefecht gewesen und wurde auf dem Weg in die Schlacht von anderen englischen Schiffen überholt. Als sie im Zentrum eintraf, war die Schlacht schon so gut wie zu Ende. 8 Jahre später sollte ein Kapitän mit dem Namen Charles Bullen dem lahmen Schiff mit der Verbrennung drohen. Bullen versuchte verzweifelt, an der Schlacht von Trafalgar teilzunehmen, kam aber - wie gehabt - erst gegen Ende des Kampfes zu einigen Breitseiten.

17 = Die Stationierung eines regulären Infanterieregiments an Bord der englischen Schiffe war zu dieser Zeit nichts Aussergewöhnliches. Bei den 69ern handelte es sich um eine kampferfahrenes Truppe, was 1797 durchaus noch nicht selbstverständlich war.

18 = Es wurde auf diesen Seiten immer wieder erwähnt, das im Verlaufe von Gefechten Flaggen auch infolge des Beschusses niedergingen, was natürlich der Gegner gern als Kapitulation betrachtete und entsprechend reklamierte. Hier ist einmal mehr ein derartig umstrittener Fall. Die Aufforderung von der DON INFANTE PELAYO (74 - Valdes), die spanische Flagge wieder zu setzen, war aber entgegen der Meinung einiger spanischer Historiker keineswegs eine höfliche Frage nach dem Status des Schiffes, sondern durchaus eine hitzige Drohung von Valdes !

19 = Nelsons Rolle in der Schlacht taucht im offiziellen Bericht gar nicht auf. Der - wie erwähnt - extrem kurze Bericht seines Admirals erwähnt weder das geniale Manöver noch den spektakulären Enterangriff auf die beiden spanischen Dreidecker. Der Presse in London wurden seine Taten zunächst nur gerüchteweise bekannt, schließlich wurde die Öffentlichkeit durch einen - unbekannten - englischen Kapitän in den Gazetten über die Taten der CAPTAIN (74 - Nelson) informiert.

100 Gun Ship Victory
Anatomy of the Ship

von John Mckay
Sprache: Englisch
Gebundene Ausgabe
120 Seiten
Erscheinungsdatum: 1. November 2000
Maße: 26 x 24,2 x 1,8 cm


* Full description of the ship and her position in the development of the First Rate * Pictorial section emphasising close-up and on-board photographs * Guide to the ship's Trafalgar colour scheme on the book jacket * More than 300 perspective and 3-view drawings, with in-depth descriptive keys, of every detail of the ship as presently restored - general arrangements, hull construction, fittings, decoration, masts and yards, riggings and armament * One large-scale 1/192 plan on the reverse of extended fold-out jacket
 100 Gun Ship Victory


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