Chronologie der europäischen Seekriege 1793 bis 1815, Band 1, bis 1802
Chronologie der europäischen Seekriege 1793 - 1815
Band 1 : Von 1793 bis zum Frieden von Amiens 1802

von Thomas Siebe
Sprache: Deutsch Broschiert - 224 Seiten - BoD
ISBN 978-3-8423-2883-9 Erschienen: September 2010
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Das letzte Gefecht der GLORIOSO
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Die Seeschlacht vor Santo Domingo 1806 – Duckworth´ Action

Die Seeschlacht vor Santo Domingo vom 6. Februar 1806 steht historisch im Schatten des berühmten englischen Sieges bei Trafalgar 1805. Während aber die napoleonischen Pläne einer Invasion schon vor der berühmten Seeschlacht durch den Kurs Vizeadmiral Villeneuves zumindest einen schweren Rückschlag erlitten hatten, waren die Zielsetzungen bzw. Drohungen der Franzosen in der Karibik, welche zum Kampf führten, noch sehr konkret und realistisch. Der Sieg des Vizeadmirals Duckworth ist deswegen von größerer Bedeutung als allgemein angenommen. Es ist nicht zufällig die letzte größere Linienschiffschlacht der napoleonischen Seekriege.
Das der Waffengang historisch selbst in England fast vergessen ist, obwohl die Franzosen eine wahrlich vernichtende Niederlage erlitten, hat neben dem Schatten der zeitlichen Nähe von Trafalgar jedenfalls drei weitere Gründe: Zum einen waren insgesamt lediglich 12 Linienschiffe beteiligt, weniger als die Hälfte an Schiffen, die sich vor Abukir 1798 bekämpften.
Zum zweiten wurde der Sieg von keinem Nelson oder Jervis erfochten, sondern ein eher mäßiger Befehlshaber führte eine englische Überzahl von Schiffen gegen überraschte Franzosen zum Sieg. Der vom Ergebnis her glänzende Sieg wurde von der britischen Admiralität selbst eher klein gehalten und dies hängt auch und besonders mit dem erwähnten Befehlshaber zusammen.
Der dritte Grund für die mangelnde Popularität des Triumphes war offensichtlich Vizeadmiral Duckworth´ Verhalten vor, während und kurz nach der Schlacht, denn es gab absolut Anlass zur Kritik, die durch den Erfolg aber kaschiert und nicht offen ausgesprochen wurde.
Die Schlacht selbst bot für die Engländer nur wenig Gelegenheit, sich auszuzeichnen. Entgegen manch´ anderen Darstellung war das Gefecht nur kurz, relativ einseitig und praktisch schon vor Beginn entschieden. Die vernichtende Niederlage der Franzosen basierte vor allem darauf, dass die Engländer die Feindschiffe schnell fanden und – für damalige nautische Bedingungen – überraschten. Entscheidend für diesen wichtigen Sieg, der an strategischer Bedeutung sicher nicht hinter der Seeschlacht von Abukir zurücksteht, war also die Vorgeschichte. Und diese ist ein gutes Beispiel für die Omnipräsenz englischer Schiffe auf den Weltmeeren. Man kann ohne Furcht vor Gegenargumenten die These wagen, dass die Franzosen 5 Linienschiffe vor Santo Domingo verloren, weil sie einfach nicht ungesehen von A nach B kamen.
Die Schiffsbewegungen, die zu der Schlacht führten, erzählen neben dem beredten Zeugnis über den bereits recht dichten Schiffsverkehr auf den atlantischen Routen eine typische Geschichte der Irrungen und Wirrungen, wie sie beim damaligen Stand der Informationsübermittlung häufig vorkam. In vielen Quellen wird von einer expliziten Jagd des Geschwaders Duckworth auf das französische Geschwader unter Leissegues gesprochen. Das ist schlicht falsch. Wie wir sehen werden, betrügt diese Vereinfachung den Rezipienten um eine gewisse Dramatik, denn der Jäger hatte andere Beute gejagt und die Hatz vorher bereits aufgegeben.

Eine Tabelle der Schiffe, Admirale, Kommandanten und Verluste der Seeschlacht vor Santo Domingo am 6. Februar 1806


Kurzbiographien von Berry, Louis, Keats und vielen anderen (Siehe Text).


Chronologie der Verfolgung, die zur Seeschlacht vor Santo Domingo 1806 führte

Kurzbiographie

Vizeadmiral Sir John Thomas Duckworth
Kurzbiographie

Konteradmiral Jean-Baptiste Leissegues
Inhalt


Zur Vorgeschichte

Am 21. Oktober 1805 hatte die englische Flotte unter Lord Nelson die französisch-spanische Flotte von Vizeadmiral Villeneuve bei Kap Trafalgar geschlagen, die meisten Schiffe erobert und die anderen verstreut. Damit war Napoleons Plan, Villeneuves französisch-spanische Flotte mit den in Brest liegenden Schiffen zu vereinigen, um eine Invasions England durch den Ärmelkanal zu decken, endgültig gescheitert. Der französische Kaiser musste also seine maritimen Pläne für Englands Küste fallen lassen und fasste für den Seekrieg ein neues Ziel ins Auge, das mit den verfügbaren Schiffen auch umgesetzt werden konnte. Die Karibik war zu diesem Zeitpunkt einer der wichtigsten Handelszentren der Welt, unentbehrlich für die englische Wirtschaft und auch als Rohstofflieferant von großer Bedeutung. Zucker, Gewürze, Tabak und natürlich Rum waren die wichtigsten Güter, die die englische Insel aus Westindien, wie es damals hieß, bezog. Neben dem Indischen Ozean schlug hier also das Herz englischen Reichtums. Dazu tangierten wichtige Handelsrouten nach Indien dieses Seegebiet. Ein erfolgreicher französischer Angriff auf diese Wasserwege, womöglich von neu geschaffenen oder eroberten Stützpunkten, konnte auf lange Sicht England in die Knie zwingen.

In Brest hatte im Herbst 1805 eine Flotte von Linienschiffen unter Vizeadmiral Ganteaume die Fusion mit der Flotte Villeneuves erwartet. Nach dem Desaster eines ins Mittelmeer flüchtenden Villeneuve und dem blutigen Ende der Flucht bei Trafalgar bekamen die segelbereiten Brester Schiffe, die im von englischen Schiffen blockierten Hafen gewartet hatten, den Auftrag, bei der ersten Gelegenheit auszubrechen und die neuen Ziele des französischen Imperators zu implementieren. Seit dem 20. August 1805, an dem die Brester Flotte einen ersten halbherzigen Ausbruchsversuch gegen die Blockadeflotte unter Admiral Cornwallis unternommen hatte, hatten immer wieder einzelne Schiffe oder kleine Geschwader zu Erkundungszwecken einen Anlauf genommen, ohne jedoch konsequent davonzusegeln oder zu kämpfen. Die Franzosen warteten auf den richtigen Zeitpunkt, denn die Herbststürme standen bevor.

Im November 1805 kam es bei den Selvagen-Inseln (Ilhas Selvagens oder Savage-Islands), weit entfernt von Brest, zwischen Madeira und den Kanaren, zu einer folgenschweren Begegnung, die für die spätere Seeschlacht vor Santo Domingo eine Schlüsselrolle spielen sollte. Ein französisches Geschwader aus Rochefort unter dem Kommando von Konteradmiral Allemand, der mit seinen Schiffen seit seinem Ausbruch im Juli des Jahres dem englischen Seehandel empfindliche Verluste zufügte, traf am 20. November 1805 auf einen kleinen Konvoi, der von der englischen Sloop LARK (18 – Langford) gedeckt wurde. Allemand hatte 5 Linienschiffe, drei Fregatten und zwei Briggs sowie ein erobertes englisches 56-Kanonen-Schiff, die CALCUTTA (56 - Woodriff), unter seinem Kommando. Der englische Konvoi wurde nach und nach in alle Winde zerstreut. Schließlich änderte Commander Langford, der gerade noch zwei seiner Schutzbefohlenen in Sicht hatte, in der Nacht seinen Kurs und hängte Allemand ab. Der später "Phantomgeschwader" getaufte Verband Allemands segelte weiter nach Frankreich, wo er am 23. Dezember 1805 vor Rochefort eintraf, ohne das er während seiner Kreuz auch nur in Sicht eines englischen Linienschiffgeschwaders gekommen wäre. Die LARK aber stieß zwei Tage nach ihrer erfolgreichen Flucht auf einen für die Karibik bestimmten Konvoi, eskortiert von der TOPAZE (38 – Thomas Lake). Kapitän Lake schickte Commander Langford mit der Nachricht von einem bei Madeira operierenden Feindgeschwader zum Blockadegeschwader vor Cadiz. Ohne es zu ahnen, wurde der englische Fregattenkapitän damit zum eigentlichen Initiator einer Seeschlacht auf der anderen Seite des Atlantiks.

Inzwischen zwangen Anfang Dezember 1805 schwere Stürme Admiral Cornwallis dazu, seine Station vor Brest aufzugeben und seine Schiffe in weniger stürmische Regionen bzw. auch englische Häfen zurückzuziehen. Die Geschwader in Brest hatten nun freie Bahn und mussten lediglich einen weniger stürmischen Tag abwarten.

 Historischer Schiffsmodellbau

Historischer Schiffsmodellbau
von Philip Reed
Sprache:Deutsch
Broschiert - VTH
Der Modellbauer Phillip Reed dokumentiert in diesem Buch anhand von 384 SW-Fotos den Nachbau der bei Abukir eingesetzten MAJESTIC (74). Dabei stützt er sich auf alte Pläne und verrät viele Tricks, z.B. wie er Kanonenkugeln anfertigt. Das Buch ist wohl besonders reizvoll für erfahrene Modellbauer, die die MAJESTIC ebenfalls nachbauen wollen und vielleicht den ein oder anderen Kniff noch nicht kennen.

Ausbruch


Diese Wetterverhältnisse nützten schließlich zwei Geschwader unter Konteradmiral Jean-Baptiste Willaumez und Konteradmiral Corentin-Urbain Leissegues am 13. Dezember 1805, um ihren Ankerplatz im Goulet 1 zu verlassen und – unbemerkt von den Briten - das Weite zu suchen. Die 11 Linienschiffe, 4 Fregatten und 3 Korvetten hatten mindestens 1000 Mann Truppen an Bord und waren für eine 6 Monate lange Fahrt ausgerüstet. Ihr Ziel, das beide Geschwader auf unterschiedlichen Routen ansteuern sollten, war die Karibik.
Konteradmiral Leissegues hatte den Auftrag, direkt nach Santo Domingo zu segeln. In diesem spanischen Teil Hispaniolas hielten sich noch immer Reste der französischen Invasionstruppen von 1802 unter General Ferrand gegen den Druck des neu gegründeten Haiti, das ehemalige Sklaven unter General Dessalines aus der französischen Ex-Kolonie Saint Domingue geformt hatten. Offenbar waren ein Teil der Truppen an Bord der französischen Schiffe als Verstärkung für Ferrand gedacht.
Das Geschwader von Willaumez andererseits sollte zunächst St. Helena oder das Kap der Guten Hoffnung ansteuern, von dort den Sprung über den Atlantik machen, die französischen Inseln Guadeloupe und Martinique sowie Cayenne in Guyana anlaufen, um die Garnisonen dort mit Truppen zu verstärken. Danach hatte Willaumez die Aufgabe, sein Geschwader vor Barbados zu postieren, um an diesem Knotenpunkt der englischen Handelswege – englische Ostindienfahrer pflegten auf dieser Route nach Europa zurückzukehren - unter dem englischen Seehandel soviel Unheil wie möglich anzurichten.
So trennte sich die ausgebrochene Flotte bereits am 14. Dezember 1805 in zwei Geschwader. Folgende Schiffe folgten Konteradmiral Willaumez´ Flaggschiff FOUDROYANT (80 - Antoine Henri):
CASSARD (74 - Gilbert-Amable Faure),
IMPETUEUX (74- Alain-Joseph Leveyer-Belair),
PATRIOTE (74 - Joseph-Hyacinthe-Isidore Khrom),
EOLE (74 - Louis-Gilles Prevost-Delacroix) und
VETERAN (74 - Jerome Bonaparte)
sowie die Fregatten VALEUREUSE (40) und VOLONTAIRE (40) nebst zwei Korvetten.
Konteradmiral Leissegues´ Geschwader bestand aus seinem
Flaggschiff IMPERIAL (120 - Julien-Gabriel Bigot),
der ALEXANDRE (80 - Pierre-Elie Garreau)
sowie den 74-Kanonen-Zweideckern
BRAVE (74 - Louis-Marie Coude),
DIOMEDE (74 - Jean-Baptiste Henri)
und JUPITER (74 – Gaspard Laignel).
Ergänzt wurde das Geschwader durch die Fregatten COMETE (40) 2 und FELICITE (40) sowie die Korvette DILIGENTE (20).

Linienschiff-Schlachten 
1794 - 1806 :
Glorious First of June, Brest, Golf von 
Genua, Ile de Groix, Hyeres, Kap St. 
Vincent, Camperdown, Abukir, 
Kopenhagen, Algeciras, Kap Finisterre, 
Trafalgar, Kap Ortegal, St. Domingo
SEESCHLACHT.TK - Unser Buch

Linienschiff-Schlachten 1794 - 1806 :
Glorious First of June, Brest, Golf von Genua, Ile de Groix, Hyeres, Kap St. Vincent, Camperdown, Abukir, Kopenhagen, Algeciras, Kap Finisterre, Trafalgar, Kap Ortegal, St. Domingo

von Seeschlacht.tk (Tomas Coladores, Kiantxa Janti, Karsten Perschang, Thomas Siebe)

Sprache: Deutsch
Ausgabe: Paperback
Format: 148 mm x 210 mm, 316 Seiten
Druck und Vertrieb: LULU
Erscheinungsdatum: Januar 2011

Inhalt: Vorgeschichte, Ablauf, Ergebnisse und Folgen der Linienschiff-Schlachten der Koalitionskriege 1792-1815 sind das Thema dieses Buches. Neben den sechs Klassikern Trafalgar, Abukir, Ushant, Kap St. Vincent, Camperdown und Kopenhagen erzählt das Buch auch die Geschichte weniger bekannter Schlachten wie z.B. der Treffen vor Kap Ortegal, St. Domingo und Kap Finisterre.
Zu den meisten thematisierten Schlachten gab es Seiten auf Seeschlacht.tk. Dieses Material stellte die Basis für diese Publikation dar.

Die beiden französischen Geschwader hatten sich kaum getrennt, als sie schon in Sicht englischer Schiffe kamen:
Ein aus Cork kommender und für die Karibik bestimmter Konvoi von 23 Schiffen unter Deckung der Fregatten ARETHUSA (38 – Charles Brisbane) und BOADICEA (38 – John Maitland) sowie der Sloop WASP (18 – Buckland Stirling Bluett) bekam beide getrennten Geschwader in Sicht 3 und wurde von den Schiffen Leissegues´ verfolgt. Viele Meilen entfernt hatte ein Konvoi aus Gibraltar, eskortiert von der POLYPHEMOS (64 – Robert Redmill) und SIRIUS (38 – William Prowse), plötzlich die Schiffe von Konteradmiral Willaumez auf den Fersen und musste zwei seiner Schützlinge den französischen Prisenjägern überlassen. Willaumez detachierte die Fregatte VOLONTAIRE 16, die Prisen nach Teneriffa zu bringen und setzte die Verfolgung eines Schiffes fort, welches sich aber als die Fregatte SIRIUS herausstellte. Weil Willaumez die SIRIUS nicht stellen konnte, gab er bald darauf die Verfolgung auf und wandte sich wieder seinem eigentlichen Ziel im Süden zu.

Leissegues indessen jagte „seinen“ Konvoi mit der ARETHUSA bis zum frühen Morgen des 16. Dezember 1805. Doch Kapitän Brisbane hatte in der Nacht seinen Konvoi geteilt: 17 seiner Schiffe hatte er mit Kurs Südwest vorausgeschickt, um mit den übrigen 6 Seglern die Franzosen nach Nordwesten zu locken. Leissegues folgte der ARETHUSA, verlor sie am Abend aus den Augen und gab zunächst auf. Am Morgen des 17. Dezember aber hatte Brisbane nach Westen gewendet und Leissegues bekam seine Schiffe wieder in Sicht. Erneut verfolgten die Franzosen den ARETHUSA-Konvoi einige Stunden, um dann doch die Jagd einzustellen. Leissegues passierte dann die Azoren nordwestlich, um eventuelle englische Kriegsschiffe zu umgehen und segelte wieder nach Westen. Am 24. Dezember 1805 geriet der Geschwaderführer freilich in einen ersten Sturm, der zwei seiner Schiffe beschädigte. Dies sollte aber nicht der letzte Zusammenprall seines Verbandes mit dem rauen Atlantik gewesen sein.

Kapitän Brisbane von der ARETHUSA hatte bei der ersten Begegnung die WASP an die französische Küste geschickt, um hier nach Admiral Cornwallis zu suchen und ihm die Informationen über die beiden gesichteten Geschwader mitzuteilen. Danach sollte die Sloop die Nachricht entlang der spanischen Küste bis nach Cadiz unter den englischen Schiffen verbreiten. Die ARETHUSA selbst und ihr Konvoi setzten nach der Detachierung der WASP ihren Weg mit Südkurs fort, tagelang ein französisches Geschwader - Willaumez´ Schiffe - im Rücken. Brisbane ahnte nicht, dass er selbst ein englisches Geschwader an die Franzosen heranführen sollte... und vor allem, dass dieses Feindgeschwader nicht das sein würde, das ihn verfolgt hatte !

Erst am 24. Dezember 1805 erfuhr man in London über Umwege 4 von dem Ausbruch der Franzosen aus Brest. Die britische Admiralität kannte freilich den Bestimmungsort der französischen Schiffe nicht, wusste aber immerhin von der Aufteilung in zwei Geschwader. Folgerichtig bestimmten die Engländer ebenfalls zwei Geschwader zur Verfolgung der Franzosen. Vizeadmiral Sir John Borlase Warren im Spithead führte mit seinem
Flaggschiff LONDON (98 – Sir Harry Neale)
die Linienschiffe FOUDRYANT (80 – John Chambers White),
RAMILLIES (74 – Francis Pickmore),
HERO (74 – Alan Hyde Gardner),
NAMUR (74 – Lawrence William Halsted),
REPULSE (74 – Arthur Kaye Legge) und
COURAGEUX (74 – James Bisset)
in See, Konteradmiral Sir Richard Strachan – Anfang November noch Sieger bei Kap Ortegal - kommandierte von seinem
Flaggschiff ST. GEORGE (98 - Thomas Bertie)
aus die CAESAR (80 - Charles Richardson),
die CENTAUR (74 - Sir Samuel Hood),
die TERRIBLE (74 - Lord Henry Paulet),
die TRIUMPH (74 - Henry Inman) und
die BELLONA (74 - John Erskine Douglas).
Borlase Warren und Strachan konnten wegen widriger Windverhältnisse jedoch erst Mitte Januar 1806 aus Cawsand Bay bzw. Spithead auslaufen. Borlase Warren sollte Madeira ansteuern, dann gegebenenfalls Kurs auf Barbados setzen und schließlich nach Jamaika segeln. Strachans erstes Ziel war St. Helena, um dann ans Kap zu segeln und hier die geplante Eroberung dieses holländischen Stützpunktes zu unterstützen. Doch keines der beiden Geschwader sollte Leissegues oder Willaumez finden.

 Fleet Battle and Blockade: The French Revolutionary War 1793-1797

Fleet Battle and Blockade: The French Revolutionary War 1793-1797
von Robert Gardiner
Sprache: Englisch
Taschenbuch - Mercury Books London - 192 Seiten - Format 28,6 x 24,4 x 1,8 cm
Erscheinungsdatum: März 2006
Mit über 300 zeitgenössischen Bildern und Illustrationen, z.T. noch nie zuvor publiziert.

Verfolgung

Noch bevor man in London überhaupt die Schiffe zur Verfolgung zusammengestellt hatte, hatte sich schon ein anderes englisches Geschwader – freilich ahnungslos über die wahre Identität der feindlichen Schiffe - auf die Fährte der Ausbrecher gesetzt: Vizeadmiral Sir John Duckworth kommandierte erst seit dem 15. November 1805 den betreffenden Verband, der vor Cadiz die Reste der bei Trafalgar vernichtend geschlagenen französisch-spanischen Flotte blockierte, vor allem spanische Linienschiffe.
Duckworth´ Flaggschiff war die schnelle SUPERB (74) unter Kapitän Richard Goodwin Keats, der schon den Spaniern 1801 vor Algeciras so zugesetzt hatte. Mit Konteradmiral Thomas Louis, dessen Flagge auf der CANOPUS (80 – Francis William Austen) wehte, hatte Duckworth einen von zwei Abukir-Veteranen unter sich. Der zweite war Kapitän Sir Edward Berry auf der AGAMEMNON (64), welcher auch schon bei Trafalgar gekämpft hatte. Die Zweidecker SPENCER (74 – Robert Stopford), DONEGAL (74 – Pulteney Malcolm) und POWERFUL (74 – Robert Plampin) ergänzten die Reihe der Linienschiffe. Die beiden Fregatten ACASTA (38 – Richard Dalling Dunn) und AMETHYST (36 – James William Spranger) gehörten ebenfalls zu Duckworth´ Schiffen. Alles in allem eines der kampfkräftigsten Geschwader, die man sich vorstellen konnte.
Ein Ausbruch der angeschlagenen Verlierer von Trafalgar stand kaum zu erwarten. Da kam die Kunde von einer wichtigen Begegnung gerade recht:
Die englische Sloop LARK (18 – Frederick Langford) hatte bekanntlich als Eskorte eines kleinen Konvois am 20. November 1805 bei den Ilhas Selvagens (Savage Islands) zwischen Madeira und Teneriffa eine unangenehme Begegnung mit „5 Linienschiffen, einem Raizee, drei Fregatten und zwei Briggs“. Langford – von Kapitän Lake nach Cadiz detachiert - traf am 26. November 1805 eines von Duckworth´ Schiffen, die AGAMEMNON (64 – Sir Edward Berry), und berichtete von seiner Begegnung. Der informierte Duckworth hielt das französische Geschwader zu Recht für die aus Rochefort ausgebrochenen Schiffe des Vizeadmiral Allemand, der seit Juli 1805 mit seinem „Phantomgeschwader“ die Küsten unsicher gemacht und im September z.B. die englische CALCUTTA (56 - Woodriff) erobert hatte. Um diese handelte es sich offensichtlich bei dem von der LARK beobachteten „rasierten“ Linienschiff.
Duckworth jedenfalls beschloss, die Verfolgung dieses Geschwaders aufzunehmen, verließ seine Blockadeposition und machte sich mit seinen 6 Linienschiffen und zwei Fregatten auf den Weg nach Madeira. Entgegen mancher Quelle, z.B. der englischen Wikipedia, ließ er freilich nicht einmal eine Fregatte zur Beobachtung vor Cadiz zurück, was später für heftige Kritik sorgen sollte. Vor Madeira traf das englische Cadiz-Geschwader am 5. Dezember 1805 ein, ohne allerdings eine Spur der Franzosen zu finden. Am 15. Dezember 1805 tauchten Duckworth´ Schiffe vor Teneriffa auf, doch auch hier fand der Vizeadmiral keine Anhaltspunkte. Er machte noch einen Abstecher in Richtung Kapverden und war bereits entmutigt auf dem Heimweg, um die Blockade von Cadiz wieder aufzunehmen, als eine zufällige Begegnung den Erfolg brachte:
Die ARETHUSA mit ihrem Konvoi begegnete am 23. Dezember 1805 den Schiffen um Vizeadmiral Duckworth und berichtete von der Verfolgung durch Leissegues, ahnungslos, dass dieser schon seit Tagen die Jagd aufgegeben hatte. Brisbane wies Duckworth nach Norden, wo er die Franzosen vermutete. Es ist eine Ironie des Schicksals, das Duckworth, noch immer in dem Glauben, er jage Allemand und von Brisbane auf Leissegues angesetzt, am Morgen des 25. Dezember 1805 auf die Schiffe des Konteradmiral Willaumez traf 5, der sich südlich der Engländer zeigte und auch nach Süden strebte. Die Briten, die noch immer glaubten, Allemand zu jagen, nahmen sofort die Verfolgung auf, Kurs Süd mit einer mäßigen Brise aus Osten. Schon bald zeigte sich, dass die Segeleigenschaften der Linienschiffe sehr unterschiedlich ausgeprägt waren. Das Flaggschiff SUPERB (74 – Keats), die SPENCER (74 - Stopford) und die AGAMEMNON (64 – Berry) sowie die Fregatte AMETHYST (36 – James William Spranger) holten zwar gegenüber den Franzosen deutlich auf, doch ließen sie nach und nach ihre Kolleginnen hinter sich. Am Mittag des 26. Dezember 1805 hatte die SUPERB bis auf höchstens 10 Meilen (~ 18 km) auf das letzte französische Linienschiff aufgeholt und hätte es zweifellos bald gestellt, doch Duckworth hatte ein Problem:
Das englische Geschwader hatte sich zu einer 45 Meilen langen Linien auseinandergesegelt. Hinter der SUPERB waren die SPENCER und die AMETHYST zwar lediglich 4 Meilen zurückgeblieben und auch die AGAMEMNON war 9 Meilen hinter der SUPERB noch in relativer Schlagdistanz zu den Franzosen. Die POWERFUL (74 – Robert Plampin) aber, der eine Rah gesplittert war, und die ACASTA (38 – Richard Dalling Dunn) waren bereits 26 Meilen hinter Duckworth und konnten von der SUPERB aus nicht mehr gesichtet werden. Louis´ CANOPUS (80 – Francis William Austen) und die DONEGAL (74 – Pulteney Malcolm) waren sogar 45 Meilen hinter das Flaggschiff zurückgefallen und hätten in eine an diesem Tag sich entwickelnde Schlacht vielleicht nicht mehr rechtzeitig eingreifen können. Deswegen brach der englische Vizeadmiral am 26. Dezember 1805 um 13:00 nach rund 150 Meilen Jagd die Verfolgung vorerst ab, wendete über den Bug und sammelte seine verstreuten Schiffe wieder um sich.

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Siehe auch diese Seite mit einer Chronologie der Verfolgung

Der zeitgenössische Historiker William James kritisierte diese Entscheidung: Offensichtlich habe Duckworth bei seinen Überlegungen vernachlässigt, das es den Franzosen ähnlich wie den Briten ergangen war, ihre Formation sei ähnlich weit zersprengt worden. James´ Einwand ist zwar nicht unbedingt logisch: Das die Verfolger jedes Tuch setzen, leuchtet ein, denn es geht zunächst darum, Sichtkontakt zum Gegner zu halten. Warum aber sollte ein verfolgter Admiral seine schnellsten Schiffe auf und davon segeln lassen und seine Nachzügler dem Gegner überlassen ? Der Verfolger wird für die schnelleren Schiffe der Verfolgten doch erst zu einer Bedrohung, wenn er am langsamsten Schiff vorbei ist. Duckworth konnte nicht unbedingt davon ausgehen, dass die Franzosen mit dem gleichen Problem der Zersprengung wie die Briten zu kämpfen hatten. Die Entscheidung, die Verfolgung von Willaumez abzubrechen, anstatt mit zwei 74-Kanonen-Schiffen, einem 64-Kanonen-Schiff und einer Fregatte sechs feindliche Linienschiffe zu bekämpfen, ist aus dieser Sicht nachvollziehbar, wenn sich auch später zeigen sollte, das Willaumez´ Geschwader tatsächlich eine ähnlich überdehnte Kette aus Schiffen gebildet hatte. Nach damaliger und vor allem gängiger Royal Navy-Sicht aber war Duckworth´ Rückzieher eine im Sinne des Wortes fragwürdige Handlung: Admirale wie Calder (Kap Finisterre 1805) und Gambier (Basque Roads 1809) hatten sich Fragen vor einem Kriegsgericht gefallen lassen müssen, obwohl absolut schlüssige Erklärungen für ihr Handeln auf der Hand lagen. Unter normalen Umständen wäre eine solche Untersuchung nun auch auf Duckworth zugekommen, zumal dieser ja seinen Posten vor Cadiz ersatzlos verlassen hatte. Schon diese Eigenmächtigkeit konnte man nur mit einem gewissen Erfolg des Unternehmens rechtfertigen. Duckworth aber hatte... nichts in der Hand !

Der Vizeadmiral schickte die AMETHYST (36 – James William Spranger) zurück nach England, um die Admiralität über die Stärke und den Kurs des Gegners zu informieren. Danach waren den Briten 6 französische Linienschiffe mit Südkurs entkommen. Der englische Geschwaderchef ahnte inzwischen auch, das er an diesem 26. Dezember 1805 nicht das 5 Linienschiffe starke Geschwader von Allemand verfolgt hatte, sondern einen ihm unbekannten Verband. Trotzdem irrte Duckworth erneut, denn er nahm an, dass das Ziel der 6 Linienschiffe der Indische Ozean war.
Nachdem er seinen Verband wieder zusammengeschlossen hatte, setzte der Vizeadmiral erneut Kurs Süden, Richtung Kapverden, vielleicht in der Hoffnung, dass die Franzosen ihren Weg nun langsamer fortsetzen würden und er doch noch aufschließen konnte. In Höhe der Kapverden-Insel Santo Antao (San Antonio) detachierte Duckworth am 2. Januar 1806 das Linienschiff POWERFUL (74 – Plampin), bei den Kapverden Wasser zu fassen und dann als Verstärkung für Konteradmiral Pellew in den Indischen Ozean zu segeln, falls die Briten dort mit dem flüchtigen französischen Geschwader zu kämpfen hätten. Duckworth selbst nahm mit seinem Geschwader nun Kurs auf die Leeward-Inseln 6, um dort seine Wasservorräte aufzufüllen und dann vor Cadiz zurückzukehren, sollte er bei den Leewards keine Nachrichten über das feindliche Geschwader vorfinden. Der englische Schiffsverband wurde am 8., 9., und 10. Januar 1806 von stürmischen Winden vorwärtsgetrieben. Das Logbuch der CANOPUS verzeichnet in diesen drei Tagen Geschwindigkeiten von 10 bis 12 Knoten und eine gesegelte Strecke von 661 Meilen !

Brian Lavery - The Ship of the Line. Vol. I: The development of the battlefleet 1650 - 1850.


Am 12. Januar 1806 erreichte das auf 5 Linienschiffe und eine Fregatte geschmolzene Geschwader dann Barbados. Die ACASTA (38 – Richard Dalling Dunn) wurde gleich nach St. Kitts weitergesandt, um die Ankunft des Geschwaders zu avisieren und Informationen einzuholen. Die Linienschiffe selbst gingen am 14. Januar 1806 wieder Anker auf, passierten das französische Martinique westlich und erreichten am 19. Januar 1806 die Reede von Basse Terre vor St. Kitts. Wie Duckworth das auch erwartet hatte, gab es hier keine Informationen über das ihm entkommene Geschwader. Auch die Ankunft (21. Januar 1806) der Linienschiffe ATLAS (74 – Samuel Pym) und NORTHUMBERLAND (74 – John Morrison) unter Konteradmiral Alexander Cochrane, dem Kommandierenden bei den Leewards, brachte keine Neuigkeiten über ein französisches Geschwader. Für Cochrane war das ein Deja Vu: Ein Jahr zuvor hatte er selbst via Madeira, Barbados und St. Kitts ein ähnlich großes französisches Geschwader unter Konteradmiral Missiessy 7 gejagt, um in der Karibik die Spur zu verlieren und ohne jemals in Sichtweite gekommen zu sein.

Konteradmiral Leissegues hatte indessen den Sturm, der ihn am 24. Dezember 1805 von der Verfolgung des Konvois der ARETHUSA (38 – Charles Brisbane) abbrachte, nicht schadlos überstanden. Die DIOMEDE hatte mit einigen Lecks zu kämpfen und die JUPITER hatte einen Toppmast eingebüßt. Am 25. Dezember 1805 verlor der Geschwaderführer in einem zweiten Sturm überdies zunächst den Kontakt zur BRAVE und ALEXANDRE. Es war offensichtlich, das der geplante Bogen um die Azoren herum vom Wetter aufs Schwerste behindert wurde. Deswegen entschloss sich Leissegues, die Azoren nun doch weiter südlich zu passieren. Trotzdem: Nur sehr langsam quälten sich die verbleibenden drei Linienschiffe, zwei Fregatten und die Korvette über den Atlantik und erreichten erst am 20. Januar 1806 die Ocoa-Bucht bzw. die Reede von Santo Domingo auf Hispaniola, also einen Tag, nachdem Duckworth St. Kitts erreicht hatte. Vor Santo Domingo bootete Leissegues die Truppen und Militärgüter für General Ferrand aus und machte sich an die Ausbesserung der Schäden.
Am 29. Januar 1806 erreichten auch die verlorengegangenen BRAVE und ALEXANDER ihr Geschwader in der Bucht von Ocoa. Beide Linienschiffe hatten ebenfalls Sturmschäden zu richten.
Inzwischen sorgte ein kleiner Zwischenfall für Diskussionen unter den Offizieren. Die Franzosen hatten vor Santo Domingo einen kleinen dänischen Schoner aufgebracht. Die Haltung des zum Zeitpunkt des Ausbruchs aus Brest noch neutralen Dänemark gegenüber dem Kaiserreich war unter den französischen Offizieren umstritten. Es lagen unbestätigte Nachrichten vor, das Dänemark der Koalition gegen Frankreich beigetreten war. Die Mehrheit des Offiziersstabs wollte das kleine dänische Schiff verbrennen, doch Leissegues entschied am Ende, dass der Däne ziehen dürfte. Dies war eine der politischen Situation vielleicht angemessene Entscheidung, stellte sich militärisch jedoch – ex post facto – als ein schwerer Fehler heraus, den man dem Admiral freilich nicht vorwerfen kann. Er hielt sich immerhin an die internationalen Gepflogenheiten.
Am 6. Februar 1806 waren Leissegues´ Schiffe so weit wiederhergestellt und hätten wohl auch wieder in See gehen können, wenn nur die Besatzungen und Offiziere vollzählig an Bord gewesen wären. Aus unbekannten Gründen waren die abfahrbereiten Schiffe aber noch nicht wieder voll bemannt. Wertvolle Zeit ging hier möglicherweise verloren. Hier kann man möglicherweise dem französischen Admiral den Vorwurf machen, gegen eine eherne Regel auf See verstoßen zu haben: Keine Zeit verlieren ! Leissegues, der an diesem Morgen ebenfalls noch an Land war, ahnte aber nicht, dass ein starkes englisches Geschwader in der Karibik geschweige denn in der Nähe war und dass das Schicksal seiner Schiffe an einem seidenen Uhrpendel hing.

Der Weg des englischen Geschwaders unter Duckworth in die Seeschlacht vor Santo Domingo am 6. Februar 1806

Die Engländer vor St. Kitts bereiteten sich auf die Heimreise vor und waren kurz vor dem Aufbruch, als am 1. Februar 1806 die Sloop KINGFISHER (16 – Daniel Day Cochrane) einlief. Der Kommandant der KINGFISHER hatte einen dänischen Schoner getroffen, dessen Kommandant in der Bucht von Ocoa gewesen war, sogar an Bord der ALEXANDRE und BRAVE. Dem Dänen hatte man gesagt, dass die französische Flotte in der Karibik aus 10 Linienschiffen und 10 Fregatten bestehe und sich bald in der der Mona-Passage vereinigen würde. Duckworth ging sofort Anker auf und machte sich mit nunmehr 7 Linienschiffen, der ACASTA und der KINGFISHER auf den Weg. Am 3. Februar 1806 war er vor St. Thomas, wo er auf die Brigg EPERVIER (14 – James Higginson) traf. Higginson bestätigte die Informationen, das französische Linienschiffe vor Santo Domingo lagen.
Interessant ist, das an diesem Tag bzw. in der folgenden Nacht die CANOPUS, die ganz in der Nähe des Ufers ankerte, 13 Mann durch Desertion verlor. Möglicherweise hatten auch die anderen englischen Schiffe ähnliche Verluste. Hier wird nicht allein die Nähe zum Ufer die „Dienstmüdigkeit“ dieser Seeleute begünstigt haben, vielmehr war natürlich unter den Seeleuten bekannt, das wahrscheinlich eine Seeschlacht bevorstand. Dies liess diese Männer offensichtlich sogar ihre grosse Furcht vor den Haifischen 8 überwinden, da sie an Land schwimmen mussten. Zum Wohle der englischen Navy aber waren des Schwimmens kundige Seeleute damals eine kleine Minderheit an Bord der Schiffe.
Am 4. Februar 1806 durchquerte das englische Geschwader die Mona-Passage und am 5. Februar um 8:00 am Morgen traf der Verband auf die englische Fregatte MAGICIENNE (36 – Adam Mackenzie). Mackenzie hatte einen (uns bereits bekannten ?) dänischen Schoner aufgebracht und festgehalten, dessen Master nun exakte Informationen über das Geschwader von Konteradmiral Leissegues lieferte. Er übermittelte dieses Mal die exakte Stärke und den Ankerplatz von Leissegues´ Verband. Das englische Blockadegeschwader für Cadiz hatte auf der Jagd nach dem Geschwader aus Rochefort und nach der Verfolgung des Geschwaders von Willaumez endlich das aus Brest ausgebrochene Geschwader von Leissegues vor Hispaniola gefunden ! Doch waren die Franzosen noch vor Anker ? Duckworth näherte sich in der Nacht zum 6. Februar 1806 der Reede von Santo Domingo unter handlichen Segeln und schickte seine Fregatten zwei Stunden vor Tagesanbruch in Sichtweite von Santo Domingo, um die Lage in der Bucht von Ocoa zu erkunden. Um 6:00 sichtete die ACASTA (38 – Richard Dalling Dunn) die DILIGENTE, die offensichtlich als Posten vor der Bucht kreuzte und nun zurück nach Santo Domingo strebte. Auch die beiden französischen Fregatten waren in See und wurden nun von Dunn gesichtet. Um 6:45 konnte der Kapitän der ACASTA dann die Präsenz des Geschwaders von Leissegues in der Bucht von Ocoa an Duckworth melden, nach wie vor an seinen Ankerplätzen. Die Engländer kamen gerade rechtzeitig und sie erwischten die Franzosen auf dem falschen Fuß.
Folgende Linienschiffe (In Reihenfolge ihres Anlaufens) standen sich nun gegenüber:

  1. SUPERB (74 - Vizeadmiral Duckworth) - ALEXANDRE (80)
  2. NORTHUMBERLAND (74 - Konteradmiral Cochrane) - IMPERIAL (120 - Konteradmiral Leissegues)
  3. SPENCER (74) - DIOMEDE (74)
  4. AGAMEMNON (64) - JUPITER (74)
  5. CANOPUS (80 - Konteradmiral Louis) - BRAVE (74 - Kommodore Coude)
  6. DONEGAL (74)
  7. ATLAS (74)

 Horatio Hornblower

Horatio Hornblower, 11 Bände
von Cecil S. Forester
Sprache: Deutsch
Broschiert - SCHERZ-Verlag
Erscheinungsdatum: Oktober 2004
Foresters Horatio Hornblower ist der - nach wie vor unübertroffene - Klassiker der marinehistorischen Romane aus der Windjammerepoche.

Kurz vor der Schlacht

Die Briten kamen mit vollen Segeln in zwei Linien, die schnellsten Schiffe auf der Ufer- bzw. Luvseite, an der Spitze natürlich die SUPERB (74), gefolgt von der NORTHUMBERLAND (74), der SPENCER (74) und der AGAMEMNON (64). Die Leelinie wurde angeführt von der CANOPUS (80). Hinter Konteradmiral Louis´ Linienschiff kamen die DONEGAL (74) und die ATLAS (74). Auf französischer Seite hatte die DILIGENTE (20), gefolgt von den beiden Fregatten, bereits Alarm geschlagen. Ob Leissegues, der sich neben einigen anderen Offizieren noch an Land befand, nun durch Signal den Befehl zur Flucht gab oder ob sein Zweitkommandierender, Kommodore Louis-Marie Coude von der BRAVE (74), die Anker lichten ließ, ist mir unbekannt. Jedenfalls kappten die Franzosen um 6:50 9 die Ankertrossen und nahmen Kurs nach Westen auf Kap Nisao. Der Wind kam zu diesem Zeitpunkt aus Nord / Nordwest und war ideal für die anlaufenden Briten, weniger gut für die Franzosen. Wer immer aber den Befehl zum Segeln gegeben hatte, ging offenbar davon aus, dass die Schiffe sich vor Anker nicht gegen die anlaufenden und zahlenmäßig überlegenen Engländer würden verteidigen können. Vielleicht waren die Verantwortlichen für das Manöver aber auch geschockt, das sie gleich drei Schiffe mit Admiralsflaggen auf sich zukommen sahen und gingen davon aus, das hinter der Kimm weitere englische Schiffe Kurs auf Santo Domingo nahmen.
Die Entscheidung, ob es zu einem Gefecht kommen würde oder nicht, fiel nun im Wettrennen zwischen beiden Geschwadern. Konnten die Franzosen Kap Nisao vor den Briten runden, hatten sie die Aussicht, durch Flucht zu entkommen. Die Briten dagegen steuerten einen Kurs, der der sich bildenden französischen Schlachtlinie den Weg abschnitt. Die französische Linie wurde angeführt von der ALEXANDRE (80 - Pierre-Elie Garreau), gefolgt von der IMPERIAL (120 - Julien-Gabriel Bigot), DIOMEDE (74 - Jean-Baptiste Henri), JUPITER (74 - Gaspard Laignel) und am Ende die BRAVE (74 - Louis-Marie Coude). Die Korvette DILIGENTE (20) und die Fregatten COMETE (40) und FELICITE (40) setzten sich uferseits ihrer Linienschiffe. Dies sind freilich nur 8 größere Schiffe, während Duckworth in seinem Bericht schreibt, die ACASTA habe die Sichtung von 9 größeren Seglern signalisiert 10. Duckworth korrigiert sich im Laufe seines Berichts dann auch selbst 10. Aus dem Signal der ACASTA ist da und dort aber doch eine Blüte mit falschen Farben entsprungen. Das französische Geschwader besteht in manchen Berichten aus 9 Schiffen, nicht selten wird kommentarlos eine weitere Korvette oder sogar eine Fregatte addiert. In der englischen Wikipedia taucht dann gar ein unbekanntes, sechstes französisches Linienschiff auf. Die Lösung dieses Rätsels kann dabei ganz einfach sein: Entweder man hatte sich auf der ACASTA schlicht verzählt oder ein Handelsschiff ankerte ebenfalls in Blickrichtung der Engländer.

Kurz vor 8:00 hatten die Franzosen eine geschlossene Schlachtlinie geformt und Duckworth ließ der CANOPUS und ihrer Linie signalisieren: „Engage as coming up with the enemy, and take stations for mutual support“. Duckworth selbst auf der führenden SUPERB plante den französischen Dreidecker, die IMPERIAL, anzugreifen und wies den Schiffen seiner Linie hinter ihm die DIOMEDE und die JUPITER als weitere Ziele zu. Die englische Leelinie – siehe Signal an die CANOPUS – sollte dann den Gegner nach Gusto doppeln oder Vorhut bzw. Nachhut attackieren. Die beiden englischen Fregatten und zwei Sloops indessen blieben – möglicherweise ihrer Ausgangspostion geschuldet - auf der Luvseite ihrer Linienschiffe, eine durchaus nicht konventionelle Position, die sich aber dadurch erklären läßt, dass sie bei jeder drohenden Annäherung durch ein überlegenes Linienschiff schnell abfallen konnten, um zu entkommen. Während der kommenden Schlacht sollten sie sich dann auch südlich vom Geschehen halten.
Die Theorie der Schlachtlinie geht von kompakten Linien mit regelmäßigen Abständen zwischen ihren Schiffen aus. In der Praxis aber segelten Linienschiffe unterschiedlich schnell, besonders unter vollen Segeln, wenn es gilt, einem Gegner den Weg abzuschneiden. Und so ging es auch den beiden englischen Linien. Während die SUPERB, die NORTHUMBERLAND und die SPENCER voran stürmten, blieb die AGAMEMNON immer weiter zurück. Ihr kampflustiger Kapitän Berry, der bei Abukir und Trafalgar gekämpft hatte, sollte an diesem Tag nur wenig Anteil an der Schlacht haben. Dem Führungsschiff der Leelinie, der CANOPUS, gelang es indessen vorerst auch nur, die Höhe der AGAMEMNON zu halten. Immerhin, das hohe Tempo zahlte sich für Duckworth Führungstrio aus: Kurz nach 9:00 erkannte der Vizeadmiral, dass er das Gefecht würde erzwingen können, denn der Wind hatte auf Nord / Nordost umgeschlagen und die Franzosen zu einer Kurskorrektur um einige Striche nach Backbord gezwungen. Konteradmiral Leissegues, der irgendwann in den letzten Minuten noch an Bord der IMPERIAL gelangt war, mußte ebenfalls erkennen: Die Projektion des englischen Kurses führte die Briten direkt vor den Bug der französischen Linie, der nichts anderes übrig blieb, als den einmal eingeschlagenen Kurs beizubehalten, um sich gegebenenfalls den Weg um das Kap Nisao zu erkämpfen. Die SUPERB war sogar zu schnell und mußte Segel kürzen, um mit der nahenden ALEXANDRE anzubinden. Um 10:10 feuerte die SUPERB die erste Breitseite aus ihren Steuerbordgeschützen auf die ALEXANDRE ab, die Seeschlacht vor Santo Domingo hatte begonnen. Sie sollte nur rund zwei Stunden dauern.

Seeschlacht vor Santo Domingo am 6. Februar 1806

Bewaffnung

Es ist an dieser Stelle nützlich, einmal die militärische Potenz der einzelnen Schiffe miteinander zu vergleichen, insbesondere die Bewaffnung der IMPERIAL, über die in den Quellen viel spekuliert wurde. Nach der Verlust der ORIENT (130) bei Abukir 1798 war die IMPERIAL das größte Schiff in der französischen Flotte, ein Kampfkoloss von ca. 2750 Tonnen. Die ehemalige VENGEUR, 1805 umbenannt, wechselte in Verlaufe ihrer Karriere ihre Bewaffnung in moderatem Ausmaß, so dass die Werte in der einschlägigen Literatur variieren. Einig sind sich die Autoren, dass das Schiff im unteren Artilleriedeck französische Sechsunddreissigpfünder-Kanonen trug, im mittleren Vierundzwanzigpfünder und im oberen Achtzehnpfünder. Bei William James sind es jeweils 34 Sechsunddreissigpfünder, Vierundzwanzigpfünder und Achtzehnpfünder. Nach dem selben Autor hatte die IMPERIAL an Deck 10 Zwölfpfünder-Kanonen und 18 Sechsundreissigpfünder-Karronanden, insgesamt also 130 schwere Geschütze.
Im Vergleich dazu hatten die englischen 74-Kanonen-Zweidecker die üblichen 28 bis 30 Zweiunddreissigpfünder-Kanonen im unteren Artilleriedeck, im oberen Deck dieselbe Anzahl Achtzehnpfünder. An Deck varriierte die Anzahl an Zweiunddreissigpfünder-Karronaden von 74er zu 74er. In der Regel waren es mindestens 12 dieser kurzläufigen, aber auf kürzere Distanz sehr wirkungsvollen und zuverlässigen Geschütze, ergänzt durch 4 bis 6 Zwölf- oder Neunpfünder-Kanonen und 6 Achtzehnpfünder-Karronaden - im Falle der SUPERB übrigens Vierundzwanzigpfünder-Karronaden - auf der Poop. So verfügte ein englischer 74er im Schnitt über 84 Geschütze – plusminus 2. Auch wenn mancher Navy-Kapitän gerne „nachrüstete“ oder „aufrüstete“, so kann man davon ausgehen, das die 5 englischen 74-Kanonen-Schiffe über diese Anzahl genannter Rohre verfügten.
(Über die Diskrepanz von Benennung und tatsächlicher Anzahl von Geschützen siehe hier)
Ein französischer 74-Kanonen-Zweidecker trug auf dem unteren Artilleriedeck 28 Sechsundreissigpfünder-Kanonen, auf dem oberen 30 Vierundzwanzigpfünder, nicht selten auch nur Achtzehnpfünder, wenn das Schiff alt war. Auf dem Achterdeck standen in der Regel 12 Achtpfünder und auf dem Vorschiff jeweils vier Achtpfünder-Kanonen und 4 Sechsunddreissigpfünder-Karronaden, in der Summe also 78 Geschütze, wobei die 16 Achtpfünder an Deck natürlich bei weitem nicht so wirksam waren wie die englischen Karronaden. Die Umrüstung von mittelkalibrigen Kanonen auf Karronaden geschah in der französischen Marine nur zögerlich. Trotzdem scheint es, das die französischen 74er vor Santo Domingo 8 ihrer 12 Achtpfünder-Kanonen auf dem Achterdeck inzwischen doch durch 8 Sechsundreissigpfünder-Karronaden ersetzt hatten 12. Dies hätte ihr Breitseitengewicht natürlich erheblich erhöht. Auf der anderen Seite: Französische Karronaden erreichten niemals die Zuverlässigkeit der englischen Zweiunddreissigpfünder-Karronade.
Ein interessanter Fall sind die beiden 80-Kanonen-Zweidecker , die englische CANOPUS (80) und die französische ALEXANDRE (80). Die CANOPUS war 1797 als französische FRANKLIN (80) in Toulon in Dienst gestellt worden und wurde 1798 bei Abukir von Nelsons Schiffen erobert. Die ALEXANDRE war 1799 in Brest als INDIVISIBLE (80) vom Stapel gelaufen, 1802 aber umbenannt worden. Beide Schiffe entsprangen dem Design des schon damals berühmten französischen Konstrukteurs Jacques Noel Sane 11, gehörten derselben Klasse an und waren somit Schwesterschiffe.
Die ALEXANDRE trug im unteren Artilleriedeck 30 Sechsunddreissigpfünder-Kanonen, auf dem oberen 32 Vierundzwanzigpfünder. Auf dem Achterdeck standen insgesamt 18 Zwölfpfünder und auf dem Vorschiff 4 Sechsunddreissigpfünder-Karronaden. Dies wären in der Summe 84 Geschütze – wie die englischen 74er.
Die CANOPUS trug „unten“ 32 Rohre, allerdings englische Zweiunddreissigpfünder. Im oberen Artilleriedeck standen auf dem englischen Sane-Schiff freilich nur 32 Achtzehnpfünder-Kanonen statt der französischen Vierundzwanzigpfünder. An Deck aber drohten 16 Zweiunddreissigpfünder-Karronaden, ergänzt durch 2 Achtzehnpfünder-Kanonen und 2 lange Neunpfünder – in der Summe wiederum 84 Geschütze.
Es braucht eigentlich nicht der jeweils 26 Vierundzwanzigpfünder- und Achtzehnpfünder-Kanonen der AGAMEMNON (64), um eine artilleristische Überlegenheit der Briten zu summieren – ohnehin eine Milchmädchenrechnung, weil der französische Widerstand nicht seiner Feuerkraft entsprach.

Napoleonic Naval Armaments 1792-1815 Napoleonic Naval Armaments 1792-1815
(New Vanguard)
von Chris Henry, Brian Delf (Illustrationen)
Sprache: Englisch
Taschenbuch - 48 Seiten - Osprey -

Erscheinungsdatum: Mai 2004

Die Überlegenheit der Royal Navy basierte auf vielen Faktoren. Eine Basis für den Erfolg der Briten bestand zweifellos in ihrer überlegenen Artillerie. Dieses Buch vergleicht die englische Bewaffung mit der Ausstattung ihrer französischen, spanischen, dänischen, russischen und holländischen Opponenten.

Die Seeschlacht

Nur drei Minuten nach der SUPERB (74 - Vizeadmiral Duckworth, also um 10:13, eröffnete die NORTHUMBERLAND (74 - Konteradmiral Cochrane) das Feuer auf den Dreidecker IMPERIAL (120 - Konteradmiral Leissegues, mit dem sie nun gleichauf kam. Knapp hinter Cochrane schob sich auch die SPENCER (74 - Robert Stopford) heran und nahm 5 Minuten nach ihrer Kollegin die hinter der IMPERIAL aufschließende DIOMEDE (74 - Jean-Baptiste Henri) unter Feuer. Das englische Trio segelte nun neben der französischen Linie und Duckworth befahl, näher an den Gegner heranzugehen. Seine SUPERB löste eben die dritte Breitseite in Richtung ALEXANDRE und die SPENCER nahm nun zum Teil auch die IMPERIAL aufs Korn, die der NORTHUMBERLAND mit ihrer 65 Geschützen starken Breitseite schwer zusetzte, als die ALEXANDRE (80 - Pierre-Elie Garreau) gegen 10:25 plötzlich den Bug herum warf und drohte, durch die englische Linie zu steuern. Nach Angaben eines Offiziers der SUPERB war dieses Manöver der höchst wirkungsvollen Breitseite der SUPERB geschuldet, welche die Rigg der ALEXANDRE so beschädigte, das sie kurzfristig unsteuerbar wurde. Die ALEXANDRE passierte die SUPERB achtern, dann die NORTHUMBERLAND und schickte sich an, zwischen der Letzteren und der SPENCER die Linie zu durchbrechen, doch Kapitän Stopford gab dem französischen Linienschiff eine Breitseite über den Bug und setzte sich dann neben den Zweidecker, ebenfalls nunmehr auf Südkurs. Dies geschah unbemerkt von SUPERB und NORTHUMBERLAND, die – auf der einen Seite im Kampf mit der IMPERIAL und DIOMEDE, die Kanonen ihrer anderen Seite nach der ALEXANDRE ausrichteten und dabei nun auch die SPENCER beschossen. Die NORTHUMBERLAND änderte daraufhin den Kurs, der sie aber zwischen IMPERIAL und SUPERB hindurch führte. So steckte Cochrane eine für die SUPERB bestimmte Breitseite der IMPERIAL ein. Das verwirrende Manöver Kapitän Garreaus sollte jedoch am Ende der Untergang seines Schiffes sein: Das französische Linienschiff und sein englischer Kontrahent liefen nämlich nun Breitseiten tauschend auf die CANOPUS (80 - Konteradmiral Louis) zu, die sich unaufhaltsam vor den Bug der ALEXANDRE schob. Somit kam es zu einem dieser denkwürdigen Treffen der beiden Touloner „Superwaffen“, die demselben Design entstammten. Die ehemalige französische FRANKLIN (80), nun englische CANOPUS (80), jagte der ehemaligen INDIVISIBLE (80) und jetzigen ALEXANDRE (80) eine vernichtende Breitseite in den Bug. Diese üble Behandlung quittierte das französische Linienschiff mit dem Verlust aller drei bereits angeschlagenen Masten. Damit aber nicht genug, auch die DONEGAL und die ATLAS passierten die in Pulverdampf gehüllte Hulk und feuerten auf die ALEXANDRE, ohne ihre bereits hilflose Lage erkennen zu können. Offenbar geriet das bereits schwer geprüfte Schiff durch eine dieser Breitseiten dann auch noch in Brand, konnte aber gelöscht werden.

DONEGAL (74 - Pulteney Malcolm) und ATLAS (74 - Samuel Pym) stürzten sich indessen auf die JUPITER (74 - Gaspard Laignel) und die BRAVE (74 - Louis-Marie Coude), welche auch von der CANOPUS en passant beschossen wurden. Kapitän Malcolm begann einen verbissenen Zweikampf mit Kommodore Coude, welcher sich auf seiner anderen Seite immer wieder auch anderer passierenden Schiffen erwehren musste.

Um 10:50, vierzig Minuten nach Eröffnung der Schlacht, strich die ALEXANDRE (80) als erstes französisches Schiff die Flagge bzw. signalisierte ihre Kapitulation.
Um 11:00 nahm die SPENCER (74) Kurs auf das französische Flaggschiff, das sich gemeinsam mit der DIOMEDE (74) heftige Feuerduelle mit der SUPERB (74), NORTHUMBERLAND (74) und der anlaufenden CANOPUS (80) lieferte. Ebenfalls um 11:00 hatte die DONEGAL (74) die BRAVE (74) völlig zum Schweigen gebracht, Kommodore Coude kapitulierte und übergab einer Prisenbesatzung von der nahenden ACASTA (38 – Richard Dalling Dunn) sein Schiff.
Inzwischen hatte die ATLAS (74) die JUPITER (74) hinter sich gelassen und steuerte mit Westkurs auf das Zentrum der Schlacht, wo sich die beiden kampfstärksten französischen Schiffe gegen die wachsende Anzahl von Gegnern verteidigte.
Die DONEGAL (74) setzte sich inzwischen neben die JUPITER (74), die nach ihrem Gefecht mit der ATLAS und anderen passierenden Feindschiffen, u.a. der AGAMEMNON (64 - Berry), bereits angeschlagen war. Nach dem Tausch einiger Breitseiten warf die DONEGAL plötzlich das Ruder herum und setzte sich dem Gegner quer vor den Bug. Die JUPITER kollidierte mit dem Briten und ihr Bugspriet schob sich über die Backbordseite der DONEGAL. Der Crew des englischen Linienschiffs gelang es, ihren Gegner mit einer schweren Trosse in dieser Position zu fixieren. Nun drohte dem offensichtlich bereits hilflosen französischen Schiff Längsbeschuss oder ein Enterangriff. Offensichtlich reichte dies bereits aus, die Franzosen zur Übergabe des Schiffes zu zwingen. Die DONEGAL sandte 100 Mann unter einem ihrer Leutnants als Prisenbesatzung an Bord und nahm das eroberte Schiff in Schlepp.

Thomas Sturges Jackson - Logs of the great seafights


Nach rund 1 Stunde Kampf verteidigten sich also nur noch die zwei stärksten französischen Schiffe gegen die englische Übermacht. Nach der CANOPUS (80) griff nun auch die ATLAS (74) in die Schlacht um die IMPERIAL (120) ein. Nachdem sie zwei Breitseiten in das französische Flaggschiff gepumpt hatte, setzte Kommandant Pym sein Schiff hinter das Heck des mächtigen französischen Dreideckers und bestrich seine Decks mit einer Breitseite der Länge nach. Bei dieser Gelegenheit aber splitterte und blockierte eine krachende Breitseite der DIOMEDE die Steuerung des Engländers, so dass der Zweidecker die CANOPUS rammte, wobei der Bugspriet der ATLAS weggerissen wurde. Dies war nach dem Logbuch der CANOPUS um 10:45. Mit backgestellten Segeln kam die ATLAS wieder frei, legte sich – nach wie vor unsteuerbar – Steuerbord voraus neben den Bug der DIOMEDE und feuerte auf das 74-Kanonen-Schiff, soweit ihre Geschütze den Gegner fassen konnten. Inzwischen hatte sich die mächtige IMPERIAL mit der ganzen Macht ihrer drei Artilleriedecks verteidigt, was besonders der stark zersplitterte Überwasserrumpf der NORTHUMBERLAND zu spüren bekommen hatte. Trotzdem hatte das vereinigte Feuer von SUPERB (74), NORTHUMBERLAND (74) und CANOPUS (80) inzwischen Haupt- und Besanmast des französischen Dreideckers niedergelegt , so dass Leissegues mit der baldigen totalen Manövrierunfähigkeit seines Flaggschiffes rechnen musste. Er ließ deswegen gegen 11:30 das Ruder der IMPERIAL Richtung Ufer legen, das nur noch eine Meile entfernt war.
Diese sicherlich verzweifelte Flucht, die offensichtlich das Auflaufen des Schiffes in Kauf nahm, war möglicherweise nicht ohne Hintergedanken. In einigen Gefechten dieser Zeit kann man in ähnlichen Situationen vergleichbare Manöver beobachten, welche natürlich zunächst das Schiff der Eroberung durch den Gegner entziehen. Vielleicht aber ist die Absicht auch, den Gegner zur Verfolgung zu provozieren und dessen Schiff an der feindlichen Küste ebenfalls der Gefahr des Scheiterns auszusetzen. Das könnte die Niederlage u. U. sogar noch in einen Sieg verwandeln.
Doch weder die schwer getroffene NORTHUMBERLAND, deren Hauptmast wenig später auf das eigene Deck krachte, noch die SUPERB folgten dem 120-Kanonen-Schiff. Erstere konnte nicht folgen, weil der gefallene Mast sämtliche mit Wasser gefüllten Beiboote zerschmettert hatte und die Wasserflut einen Großteil der Geschütze des Hauptdecks unbrauchbar gemacht hatte. Duckworth auf der anderen Seite wollte das Risiko eines Auflaufens nicht eingehen, weil er sich in zu niedrigem Wasser wähnte. Ein Trugschluss, wie die folgenden Zeilen zeigen. Allein Louis mit seiner CANOPUS verfolgte Leissegues und setzte das Gefecht noch 10 Minuten fort, bis der riesige Franzose tatsächlich auflief und durch den Schock der Unterwasserkollision auch noch den verbliebenen Fockmast fahren lassen musste. Mit einem Kanonenschuss nach Lee signalisierte die IMPERIAL Seenot, worauf auch die CANOPUS das Feuer einstellte.
Die SPENCER (74) hatte inzwischen versucht, sich auf die DIOMEDE (74) zu stürzen, doch die schlingernde ATLAS kam ihr in die Quere. Von ihrer Kollegin behindert, musste die SPENCER eine Breitseite des Franzosen schlucken und konnte nicht verhindern, dass dieser ebenfalls Kurs Richtung Ufer setzte, seinem Flaggschiff folgend. Doch auch die DIOMEDE lief bei voller Fahrt auf und zwar mit derartiger Gewalt, das gleich alle drei Masten umknickten. Trotzdem nahm der französische Zweidecker weiterhin die ATLAS und die CANOPUS, welche die IMPERIAL verfolgt hatten, intensiv unter Feuer. Die beiden englischen Linienschiffe, das Risiko eines Auflaufens vor Augen, setzten sich daraufhin von dem festsitzenden Franzosen ab und gesellten sich zu ihrem Flaggschiff. Dies war laut Logbuch der CANOPUS um 12:10, Kapitän Austen schreibt in einem Brief 12:30 15, folgt man dem Bericht des siegreichen englischen Oberkommandierenden, bereits 11:50.

Rund zwei Stunden nach Beginn der Schlacht hatten die Engländer drei französische Linienschiffe erobert und die beiden anderen zum Auflaufen genötigt – der Kampf war vorbei.

The War for All the Oceans: From Nelson at the Nile to Napoleon at Waterloo

The War for All the Oceans:
From Nelson at the Nile to Napoleon at Waterloo

von Roy Adkins, Lesley Adkins
Sprache: Englisch
Gebunden - 560 Seiten - Verlag Little, Brown
Erscheinungsdatum: September 2006

Gestrandet

Die beiden französischen Fregatten COMETE (40) und FELICITE (40) sowie die Korvette DILIGENTE (20) hatten inzwischen die Wirren der Schlacht genützt, um sich an den Briten vorbei via Kap Nisao auf die offene See hinauszustehlen. Später wurde Vizeadmiral Duckworth zu Recht der Vorwurf gemacht, er habe die Verfolgung des französischen Trios versäumt und dieses ohne Not entkommen lassen. Immerhin hätten die MAGICIENNE (36), die ACASTA (38) und eines der Linienschiffe - möglicherweise sogar die schnelle SUPERB - die COMETE (40), FELICITE (40) und / oder DILIGENTE (20) noch einholen können. Duckworth verteidigte sich in seinem Bericht präventiv gegen diesen Vorwurf, jedoch eher schwach: Er habe sein Geschwader zusammenhalten wollen, weil er zu diesem Zeitpunkt noch von der Präsenz eines weiteren französischen Geschwaders ausgegangen wäre, das möglicherweise auf offener See lauerte. Bedenkt man, dass Duckworth sich mit immerhin 7 Linienschiffen in quasi „englischen Gewässern“ aufhielt, ohnehin bereits über 2 Fregatten und mindestens 2 Sloops als Kundschafter verfügte und durchaus einige Tage mit den Sloops für diesen Dienst ausgekommen wäre, ist diese Rechtfertigung wirklich unzureichend. Vermutlich wurde das englische Geschwader sogar von 4 Sloops begleitet:
Kapitän Francis Austen von der CANOPUS (80) schrieb am 7. Februar 1806 an seine Verlobte Mary Gibson: „We had one 80-gun ship, five of 74, and one of 64, besides two frigates and four corvettes.“ Kaum anzunehmen, dass Austen sich bei seinem eigenen Geschwader verzählt hat. Offensichtlich waren vor St. Kitts oder später noch zwei weitere, ungenannte Briggs oder Dreimaster von Sloopformat zu den Briten gestossen.
Wie dem auch sei: Offensichtlich hatte der englische Vizeadmiral in der Hitze des Gefechts schlicht versäumt, den kleineren französischen Kriegsseglern Aufmerksamkeit zu widmen. Es zeigt sich hier vielleicht einmal mehr ein gewisser Mangel an Übersicht, der den Sieger von Santo Domingo schon die Verfolgung von Willaumez hatte abbrechen lassen und ihm später während der desaströsen Dardanellen-Expedition 1807 ebenfalls nachgesagt wurde.

Zunächst aber konnte sich Duckworth darüber versichern, dass sich drei französische Linienschiffe als Prisen in seiner Gewalt befanden. Noch konnte er nicht ahnen, dass sein Sieg tatsächlich vernichtend war. Die IMPERIAL und die DIOMEDE hatten - nur rund 100 Meter voneinander - an einer Felsenküste aufgesetzt, die von einer starken Brandung gepeitscht wurde. Binnen kurzem begann die Gewalt des Wassers die Rümpfe mit derartiger Gewalt auf die Felsen zu drücken, das die Rümpfe nachgaben und eingedrückt wurden. Beide Schiffe waren tatsächlich in dem Moment verloren gewesen, als sie aufliefen.
Ihre Besatzungen, die Verwundeten zuerst, wurden umgehend an Land evakuiert – wie es scheint, ohne Verluste und größere Probleme. Auch große Teile der Ladung konnten die Franzosen noch von Bord bringen. Leissegues musste jedoch schnell erkennen, dass die IMPERIAL angesichts ihres eigenen Gewichts unrettbar verloren war. Hier Männer an Bord zu lassen wäre ein zu großes Risiko für die Crew gewesen. Der Geschwaderführer plante, das Schiff demnächst zu verbrennen. An Bord der DIOMEDE (74 - Jean-Baptiste Henri) dagegen verblieben neben den Offizieren rund 100 Mann. Die Gründe dafür sind mir unbekannt, möglicherweise hatten die Franzosen hier noch Hoffnung, die Vernichtung des Schiffes umgehen zu können. Den Briten wurde aber im Verlaufe der Nacht und des nächsten Tages klar, das die französischen Schiffe verloren waren – man hörte bis zu ihren Schiffen das Krachen und Malmen, welches die Felsen an den Rümpfen verursachten. Duckworth konnte also davon ausgehen, dass von diesen Kriegsschiffen keine Gefahr mehr ausging. Trotzdem gab er den Auftrag, die Vernichtung der IMPERIAL und der DIOMEDE sicherzustellen:
Am Morgen des 8. Februar 1806 näherten sich die englischen Fregatten unter Führung von Kapitän Dunn den beiden entmasteten Havaristen. Dunn hatte den Auftrag, die beiden französischen Linienschiffe zu verbrennen. Offensichtlich gab es noch einmal Widerstand von Seiten der Franzosen, worauf auch die Fregatten die Kanonen sprechen ließen. Um 9:00 stellten die Briten das Feuer ein und schickten die EPERVIER mit einer Parlamentärsflagge zu den Franzosen. Bald darauf konnte die englische Brigg signalisieren: „There are about twenty men on board the three-decker, and sixty on board the two-decker. Boats can approach; take them off, and fire the hulls if ordered.“ Die englischen Boote fanden an Bord der DIOMEDE die erwähnten Männer unter Kapitän Henri vor und nahmen sie gefangen. Auch an Bord der IMPERIAL fanden die Engländer noch einige Männer, offensichtlich aber keine Crewmitglieder (Plünderer ?!). Gegen 15:45 konnte man die DIOMEDE brennen sehen, 100 Meter weiter südlich ging auch die mächtige IMPERIAL in Flammen auf. Noch am selben Tag verließ Duckworth mit den 3 Prisen und den Linienschiffen die Gewässer vor Santo Domingo und setzte Kurs nach Jamaika.


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Harbors and High Seas - Ein englischsprachiger Atlas bzw. Guide durch die Aubrey-Serie


Wo kämpfte die SOPHIE gegen die CACAFUEGO ?
Wo liegt das Ashgrove Cottage ?
Dieser englischsprachige Atlas verfolgt die Routen,
zeigt die Schauplätze und faßt die Handlungen
von 17 Aubrey-Romanen O´Brians zusammen.
Patrick O'Brian´s Jack Aubrey

Englischer Titel - Deutscher Titel
Master and Commander 1970 - Kurs auf Spaniens Küste Juni 2001
Post Captain 1972 - Feindliche Segel Juni 2001
H M S Surprise 1973 - Duell vor Sumatra August 2001
The Mauritius Command 1977 - Geheimauftrag Mauritius September 2001
Desolation Island 1978 - Sturm in der Antarktis
Fortune of War 1978 - Kanonen auf hoher See Oktober 2001
The Surgeon's Mate 1980 - Verfolgung im Nebel November 2001
The Ionian Mission 1981 - Die Inseln der Paschas Februar 2002
Treason's Harbour 1983 - Gefahr im Roten Meer Mai 2002
Far Side of the World 1984 - Manöver um Feuerland Juni 2002
The Reverse of the Medal 1986 - Hafen des Unglücks Oktober 2002
The Letter of Marquee 1988 - Sieg der Freibeuter März 2003
The Thirteen-Gun Salute 1989 - Tödliches Riff Mai 2003
The Nutmeg of Consolation 1991 - Anker vor Australien September 2003
Clarissa Oakes / USA: The Truelove 1992 - Inseln der Vulkane Dezember 2003
The Wine-Dark Sea 1993 - Gefährliche See vor Kap Hoorn Februar 2004
The Commodore 1995 - Der Triumph des Kommodore Mai 2004
The Yellow Admiral 1996 - Der gelbe Admiral September 2004
The Hundred Days 1998 - Mission im Mittelmeer November 2004
Blue At The Mizzen 1999 - Der Lohn der Navy Februar 2005

ACHTUNG !!! Grundlage für den Film MASTER AND COMMANDER war Manöver um Feuerland


Die Bilanz

Der Blutzoll, den die englischen Schiffe für den Sieg hatten zahlen müssen, war mit 74 Toten und 264 Verwundeten weder besonders hoch noch ungewöhnlich niedrig. In der von der Kräfteverteilung einzig annähernd vergleichbaren Seeschlacht dieser Zeit verlor Kommodore Richard Strachan bei Kap Ortegal gegen vier französische Linienschiffe 27 Tote und 109 Verwundete.
Die schwersten Verluste hatte erwartungsgemäß die NORTHUMBERLAND von Konteradmiral Cochrane zu beklagen, die von Beginn an den schweren Kanonen der IMPERIAL widerstehen musste: 21 Männer starben, 79 standen auf der Verwundetenliste. Auch die Verluste der SPENCER, die sich hintereinander mit den beiden stärksten französischen Schiffen bekriegte, waren in dieser Höhe zu erwarten. Das englische Flaggschiff SUPERB hatte dagegen eher Glück – trotz der „imperialen“ Breitseiten aus über 60 Geschützen kam Duckworth´ Schiff mit lediglich 8 Gefallenen davon. Die Verluste der restlichen englischen Schiffe sind ebenfalls keine Überraschung mehr. Lediglich Berrys AGAMEMNON (64), die in der Linie zurückgefallen war und als Schlusslicht nurmehr kurze Gefechte mit der JUPITER (74) und der BRAVE (74) führte, hatte immerhin einen toten Seemann und 13 Verwundete zu verzeichnen. In der Schlacht selbst wurde übrigens kein englischer Offizier getötet. Von den höheren Offizieren wurde Kapitän Stopford verwundet.

Die französischen Verluste lassen sich kaum feststellen. Es gibt hier nur Duckworth´ Schätzungen und die sind zweifelhaft. 500 Tote und Verwundete bei 1200 Mann an Bord der IMPERIAL erscheinen z.B. trotz des englischen Dauerfeuers und des Auflaufens, dass französichen Berichten zufolge ohne Menschenverluste abging, übertrieben. Die Gesamtzahl von 1500 Toten und Verwundeten muss man dann auch mit entsprechender Vorsicht zur Kenntnis nehmen. Folgt man William James, dann wurden die französischen Kommandanten Gaspard Laignel (JUPITER) und Louis Marie Coude (BRAVE) schwer verwundet.

Siehe auch diese Tabelle mit Schiffen, Kanonen, Kommandanten und Verlusten

Duckworth aber war ein ungeliebter Sieger. Die Gründe kann man wie folgt beschreiben:
Duckworth verließ eigenmächtig seinen Blockadeposten vor Cadiz. Dies war, wenn überhaupt, nur zu rechtfertigen durch unmittelbare Erfolgsaussichten im Auffinden des gesichteten Feind-Geschwaders. Basis dafür wären genauere Informationen über den Feind gewesen. Seine Suche nach Allemand zeigt, das er die offensichtlich nicht hatte. Admiral Collingwood, der Oberkommandierende im Mittelmeer und Duckworth unmittelbarer Vorgesetzter, fand das unverzeihlich und äußerte sich in diesem Sinne.
Nachdem Duckworth lange gesucht hatte und schließlich doch auf ein französisches Geschwader gestoßen war, ließ er Willaumez am Ende ziehen, obwohl er wohl eine Schlacht hätte erzwingen können. Dies hätte ohne seinen späteren Erfolg sicher ein Kriegsgericht nach sich gezogen.
Dazu kommen dann auch noch folgende fragwürdige Ereignisse:
Kurz vor Ende der Schlacht des 6. Februar 1806 verfolgte Duckworth mit der SUPERB nicht die ans Ufer strebende IMPERIAL, weil angeblich das Wasser nicht tief genug gewesen wäre. Die CANOPUS aber widerlegte diese Behauptung, indem sie Leissegues noch mindestens 10 Minuten lang kämpfend bedrängte.
Und am Ende versäumte Duckworth die Verfolgung der französischen Fregatten, die entkommen konnten.

Einem anderen Sieger hätte mit großer Wahrscheinlichkeit die peerage, die Erhebung in den Adelsstand, gewunken. Duckworth musste sich mit dem Dank des Parlaments, der Ehrenbürgerwürde, einem Ehrendegen und einer recht teuren Vase begnügen.
Demgegenüber wurde Konteradmiral Alexander Cochrane, Sohn eines Lords, zum Ritter des Bath-Ordens (KB) geschlagen, einen Titel, den Duckworth durch die Eroberung einiger Inseln bereits 1801 bekommen hatte.
Konteradmiral Thomas Louis wurde neben dem Ritterschlag des Bath-Ordens sogar zum Baronet (erblicher Titel) gemacht.

Victory vs Redoutable: Ships of the line at Trafalgar 1805 (Duel) von Gregory Fremont-Barnes, Taschenbuch Osprey-Publishing, 80 Seiten, Englisch, Mai 2008

Der Überbringer der Nachricht vom Sieg – eine alte Tradition – wurde zum Kapitän zur See befördert. Deswegen war dies natürlich eine besonders begehrte Aufgabe, mit der, sieht man in den Annalen nach, nicht immer der betraut wurde, der es verdient hatte, sondern oft der, der die richtigen Beziehungen hatte. In diesem Fall aber war die Wahl des Vizeadmirals bekanntlich auf Daniel Day Cochrane gefallen, der mit der KINGFISHER die entscheidende Nachricht nach St. Kitts gebracht hatte. Auf seinen Platz als Commander bzw. Kommandant der KINGFISHER beförderte Duckworth nun freilich den Ersten Offizier der NORTHUMBERLAND, Leutnant George Francis Seymour, seinerseits Sohn eines Lords. Nur vier Monate später, am 29. Juli 1806, wurde Seymour bereits Kapitän zur See. Wie nach erfolgreichen Schlachten üblich, wurden auch – mit einer Ausnahme - die Ersten Offiziere bzw. Leutnants der teilnehmenden Linienschiffe befördert. Im Falle der NORTHUMBERLAND war dies durch die Beförderung Seymours allerdings der zweite Leutnant Richard Harward, der im April 1806 zum Commander avancierte 13. Deswegen irrt hier vermutlich der Historiker William James, wenn er schreibt, die 1. Offiziere der Flaggschiffe wären zu Kapitänen befördert worden und die zweiten Leutnants zu Commander. Tatsächlich wurden Charles Gill 14 von der SUPERB, Joseph Pearce von der CANOPUS, George Ravenshaw von der SPENCER und William Sanders von der DONEGAL wie Richard Harward im April 1806 lediglich Commander. Mit der Tradition brechend wurden zwei an der Schlacht teilnehmende Linienschiffe bei dieser Beförderungswelle ausgenommen: Lord James Townshend, erster Offizier der ATLAS, erhielt seine Beförderung zum Commander erst im November 1806, also nicht bedingt durch die Schlacht vor Santo Domingo. Nach dem unbekannten ersten Leutnant der AGAMEMNON fahndete ich vergeblich, auch er wurde offenbar ausgespart. Nun haben sich diese beiden Offiziere kaum etwas zuschulden kommen lassen wie auch ihre beförderten Kollegen sich kaum mehr ausgezeichnet haben dürften als andere. Diese Aussparung erscheint mir vielmehr als Ohrfeige für Duckworth, dessen gewonnene Schlacht damit hinter den anderen Waffengängen, bei denen der Tradition entsprechend promoviert wurde, zurückgesetzt wurde.

Mit seinen Prisen hatte der Sieger von Santo Domingo ebenfalls wenig Glück: Die ALEXANDRE wurde schon in Port Royal als der Mühe nicht mehr wert befunden. Die BRAVE schaffte es nicht mehr über den Atlantik und sank. Einzig die alte JUPITER (74) segelte zwei Jahre für die Royal Navy unter dem Namen MAIDA (74) als eine Art Artillerieexperiment, weil ihre Artilleriedecks ausschließlich mit der sogenannten Gover-Guns, Vierundzwanzigpfündern mittlerer Reichweite, ausgerüstet worden waren.

Zu den Franzosen: Die Niederlage war im Kaiserreich natürlich nur eine Marginalie im MONITEUR, wurde aber durchaus erwähnt und... gefeiert:
Leissegues habe mit 4 Linienschiffen gegen eine doppelte Übermacht gekämpft und sei lieber gestrandet als sich zu ergeben. Dabei habe er noch zwei Briten auf Grund gelockt. Lediglich ein völlig zerschossenes Schiff hätten die Briten erobert, wobei ihnen viele Masten weggeschossen worden wären.
Leissegues konnte infolge dieser unzutreffenden Version also relativ unbesorgt nach Frankreich zurückkehren, was er 1808 auch tat und seine offensichtlich trotzdem beschädigte Karriere fortsetzte. Entgegen den Vermutungen von William James war keiner der französischen Kapitäne in der Schlacht gefallen oder starb an den Folgen.

Das Geschwader von Willaumez erreichte später ebenfalls die Karibik, blieb jedoch ohne grössere Wirkung, denn die Engländer waren nunmehr gewarnt. Willaumez´ Operationen blieben relativ glücklos, schlechtes Wetter, Ausweichmanöver und eigenwillige Kommandanten (Jerome Bonaparte) „zerpflückten“ den Verband nach und nach.

Duckworth´ "Blockadeflucht" vor Cadiz brachte den dort liegenden überlebenden französischen und spanischen Schiffen von Trafalgar keine Vorteile, keines der Linienschiffe verließ meines Wissens den Hafen.

Nach der letzten größeren Seeschlacht zwischen französischen und englischen Linienschiffen war die Niederlage der napoleonischen Marine besiegelt, den Franzosen blieb bis zum Ende des Krieges nur eine hauptsächlich durch Fregatten und Kaper vorgetragene Kreuzerkrieg-Strategie.


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Fußnoten

Um in den Text zurückzukehren bitte auf die Nummern clicken.

1 = Der äußere Hafen von Brest

2 = Bei William James heisst dieses Schiff amüsanterweise „CORNETE", also "Hörnchen" oder in heutiger Bedeutung "Eistüte", der Name "GAMETE" ward ebenfalls gesehen, in der englischen Wiki schon etwas plausibler "CORNELIE".

3 = Bei 46° 8' nördlicher Breite und 12° 14' westlicher Länge.

4 = Durch ein Parlamentärsschiff für den Gefangenenaustausch, das via Gibraltar England erreichte.

5 = Bei 30° 52' nördlicher Breite und 20° 16' westlicher Länge.

6 = Die Leeward Islands sind: St. Thomas, St. John, St. Croix, Water Island, Tortola, Virgin Gorda, Anegada, Jost Van Dyke, Anguilla, Sint Maarten, Saint-Barthelemy, Saba, Sint Eustatius, Saint Kitts, Nevis, Barbuda, Antigua, Redonda, Montserrat, Basse-Terre, Grande-Terre, La Désirade, Terre-de-Haut, Terre-de-Bas und Marie-Galante.

7 = Dieses Geschwader wurde, nachdem es wieder Frankreich erreicht hatte, von Allemand übernommen. Irgendwie schließt sich hier ein Kreis.

8 = Die Hai-Population vor St. Thomas besteht heute hauptsächlich aus Schwarzspitzenriffhaien, Ammenhaien und den etwas aggressiveren Zitronenhaien, die aller Erfahrung nach dem Schwimmer kaum gefährlich werden. Das konnten die damaligen Seeleute aber nicht wissen: Hai war Hai !

9 = Logbucheintrag CANOPUS: "Ten minutes to seven, Enemy's ships are getting under way." William James sagt: 7:30 und kann sich dabei auf den Bericht von Duckworth stützen. Möglicherweise nahmen die Franzosen erst zu diesem Zeitpunkt Fahrt auf ?!

10 = "ACASTA … made the signal for two of the enemy´s frigates; and before seven for nine sail at anchor." Duckworth korrigiert sich selbst: "...but consisting only of five sail of the line, two frigates, and a corvette..."

11 = Jacques-Noël Sané * 18. Februar 1740 in Brest - † 22. August 1831 in Paris

12 = Dies scheint zumindest für die DIOMEDE (74) zuzutreffen, die sich von den französischen 74ern vor Santo Domingo am wirkungsvollsten verteidigte.

13 = ...und 1810 übrigens Julia Pellew heiratete, Tochter von Edward Pellew.

14 =Nicht Richard Gill, wie James schreibt.

15 =Laut Austen beginnt die Schlacht aber auch erst um 10:30.

16 = Als die VOLONTAIRE (40 - Kapitän Bretel) auf der Suche nach Willaumez am 4. März 1806 die inzwischen von den Briten beherrschte Tafelbucht (Kap der Guten Hoffnung) anlief, wehten auf deren Klippen zur Täuschung noch holländische Fahnen. So fiel die Fregatte in englische Hände.


Fighting Ships 1750-1850

von Sam Willis
Sprache: Englisch
Gebundene Ausgabe
224 Seiten
Erscheinungsdatum: Oktober 2007
Maße: 43,8 x 35,8 x 3,6 cm


This stunning collection of over 170 large-format colour illustrations includes paintings of ships at sea, in action, in convoy, and in siege; architectural drawings; battle diagrams; sea charts and signals; portraits of leading figures in naval history; and details of guns, sails, and life below deck. Taken from contemporary sources, they range from the Seven Years' War to the American Civil War. The book focuses on the navies of all the major Atlantic sea powers of the time, including Britain, America, France, Holland, Sweden and Russia. Arranged in chronological order, each illustration is accompanied by an extended caption that adds to this visual feast a compelling history of naval warfare in the last great age of sail. This volume is divided into eight chapters: The Seven Years' War 1755-62; The Napoleonic Wars 1803-15; The War of American Independence 1775-1783; The War of 1812; The Years of Exploration c.1770-1794; The Last Days of Sail; The French Revolutionary Wars 1792-1802; and Steam and Iron.

 Fighting Ships 1750-1850


Literatur / Quellen

Sir Charles Ekins - The naval battles of Great Britain, from the accession of the illustrious House of Hanover to the throne to the Battle of Navarin


John Henry Hubback, Edith C. Hubback - Jane Austen´s Sailor Brothers. Being the Adventures of Sir Francis Austen, G.C.B., Admiral of the Fleet and Rear-Admiral Charles Austen.

William James - James' Naval History

William Laird Clowes - The Royal Navy: A History From the Earliest Times to 1900

Robert Gardiner - The Line of Battle: The Sailing Warship 1650-1840

Sam Willis - Fighting Ships 1750-1850


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