Chronologie der europäischen Seekriege 1793 bis 1815, Band 1, bis 1802
Chronologie der europäischen Seekriege 1793 - 1815
Band 1 : Von 1793 bis zum Frieden von Amiens 1802

von Thomas Siebe
Sprache: Deutsch Broschiert - 224 Seiten - BoD
ISBN 978-3-8423-2883-9 Erschienen: September 2010
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Seeschlacht.tk - Schlachten und Duelle zur See von 1775 bis 1815

History of the French Navy
von Ernest Harold Jenkins
Sprache: Englisch
Gebunden - 364 Seiten -
MacDonald Verlag
Erscheinungsdatum: Juni 1973

Das letzte Gefecht der GLORIOSO

Der Glorious First of June

Seeschlacht vor Ushant oder Schlacht vom 13. Prairial
28. Mai bis 1. Juni 1794

Am 1. Februar 1793 erklärte das revolutionäre Frankreich England (und Holland) den Krieg. Damit begannen nicht nur die so genannten Revolutionskriege, sondern auch eine mit einer kurzen Unterbrechung 22 Jahre lang währende militärische Auseinandersetzung zwischen den beiden damaligen Erzfeinden, die zunächst vor allem auf See ausgetragen wurde.
Die erste große Seeschlacht dieses Krieges fand im Frühsommer 1794 im Atlantik statt und wurde in England als die Schlacht vom glorious first of june bekannt.
Diese Seeschlacht wird auch die dritte Schlacht vor Ushant (Ouessant) genannt, obwohl sie rund 700 km westlich des genannten Punktes stattfand und es vor Ouessant in dieser Ära mindestens zwei weitere beachtenswerte Schlachten gab (Am 27. Juli 1778 Admiral Keppel gegen den Count d'Orvilliers und 12. Dezember 1781 Kempenfelt gegen De Guichen). Im revolutionären Frankreich hieß das Gefecht nach dem Revolutionskalender auch Schlacht vom 13. Prairial, doch dieser Kalender sagt heute nur noch wenigen Menschen etwas.
Schlacht im Atlantik ist auf der anderen Seite eine zu allgemeine Bezeichnung, weswegen ich es hier vorziehe, den bekannten englischen Namen der Schlacht zu wählen. Wohl impliziert dieser Titel die einseitige, aber nicht falsche Feststellung, das die Briten diese Schlacht gewonnen haben, wenn auch nicht glorreich. Es sei deswegen gesagt, dass Einspruch von zeitgenössischer französischer Seite diesbezüglich nicht unberechtigt ist, wenn man die Zielsetzungen vor der Schlacht berücksichtigt.
Der Glorious First of June deutete aber zum ersten Male die Überlegenheit der Royal Navy gegenüber der 10 Jahre zuvor noch ebenbürtigen französischen Marine an. Die Briten und Franzosen begingen im Kampf einige schwere Fehler, aus denen die Engländer wenige Jahre später dann gelernt hatten, die französische Marine dagegen nicht.
Wie es zu der Seeschlacht des glorreichen 1. Juni kam, wie der Kampf verlief und wie er ausging, wird in diesem Bericht geschildert.

Zur Vorgeschichte

In den  Jahren 1793 und 1794, im fünften Jahr der französischen Revolution, wütete der Terror der Jakobiner in ganz Frankreich. Denunziationen, Prozesse und die Guillotine konnten jeden treffen, vor allem aber Leute, die bereits der Monarchie und dem französischen König in höherer Position gedient hatten.
 
Die französische Flotte war eine der Institutionen, in denen bis 1793 viele höhere Offiziere noch im Amt geblieben waren. Mit dem Aufkommen des Terrors jedoch setzten die Verhaftungen, Prozesse und Hinrichtungen ein. Als im November 1793 die Brester Flotte unter Vizeadmiral Morard de Galles in den Goulet, den äußeren Hafen von Brest,  einlief, warteten die Schergen des Terrors bereits.
Der Vizeadmiral wurde seines Postens enthoben, kam aber immerhin ohne Verhaftung davon. Auch die beiden Konteradmirale Lelarge und Landais verloren zunächst ihren Rang. Konteradmiral Kerguelen erging es diesbezüglich noch schlechter, denn er verbrachte eine nervenaufreibende Zeit hinter Gittern, immerhin kam er später wieder frei. Die Kapitäne Coetnempren von der JEAN BART und Touissant Duplessis-Grenedan von der COTE D'OR wurden jedoch guillotiniert und eine Reihe Offiziere, Unteroffiziere und Seeleute teilten ihr Schicksal. Nicht wenige wurden ins Gefängnis geworfen oder versetzt, manche sogar zur Armee.
 
Aufgefüllt wurden die leeren Reihen mit Seeleuten aus dem zu dieser Zeit noch von den Briten und Spaniern besetzten Toulon. Den Oberbefehl über die Flotte in Brest erhielt der eigens zu diesem Zwecke zum Konteradmiral  beförderte Kommodore Louis-Thomas Villaret-Joyeuse. Zur “Reorganisation” der Flotte in Brest wurde der vormalige  Präsident des französischen Nationalkonvents und Mitglied des berüchtigten Wohlfahrtsausschusses, Jean Bon Saint-Andre, delegiert. Der ehemalige Handelskapitän und Pfarrer, vom Wohlfahrtsausschuss mit weitreichenden Befugnissen ausgestattet,  hatte de facto das Kommando über die Flotte und sollte es auch bis zu einem gewissen Zeitpunkt in der Seeschlacht haben, die auf diesen Seiten geschildert wird.

Louis Thomas Villaret-Joyeuse
Louis Thomas Villaret-Joyeuse
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Jean Bon Saint-Andre
Jean Bon Saint-Andre
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Der Moment für einen "Austausch" der militärischen Führungsschicht war jedoch schlecht gewählt, denn in Frankreich erwartete man für das Frühjahr einen riesigen Konvoi von weit über 300 Schiffen aus Amerika.
Schon Ende 1793 wurde Frankreich - gerade in den Ballungszentren - von Hunger und daraus resultierenden Unruhen heimgesucht. Missernten hatten zudem zu einer Getreideknappheit geführt, die Vorräte der Republik waren aufgebraucht. Der Weizen aus Nordamerika war deswegen unverzichtbar.  

Es war absehbar, dass die britische Flotte alles daran setzen würde, die riesige und kaum zu übersehende Flotte mit im revolutionären Frankreich dringend benötigten Gütern abzufangen. Die Flotten in Brest und Rochefort, wo ein kleineres Geschwader stationiert war, waren dazu bestimmt, die Schiffe aus Amerika zu verteidigen. Schon zu Beginn des Jahres 1794 erwartete man wegen dieser Umstände in ganz Europa eine große Seeschlacht zwischen Frankreich und England.

Im Frühjahr 1794 ging die englische Flotte unter Admiral Earl Howe in See, um zunächst eigene Konvois auf den Weg zu bringen und zu schützen. Am  4. Mai 1794 hatte die Flotte ihre Aufgabe, rund 150 Handelsschiffe, bestimmt für Nordamerika und die Karibik, bis zum Lizard zu geleiten, erfüllt. Nun konnte sich Howe, inzwischen 68 Jahre alt und wegen seiner Erfahrung und seiner Aufgeschlossenheit gegenüber modernen Taktiken zu Beginn des Kriegs reaktiviert, auf den franko-amerikanischen Konvoi konzentrieren.

Admiral Richard Earl Howe
Admiral Richard Earl Howe
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Howe wusste natürlich um die Bedeutung des Konvois und die Rolle, die die Flotte in Brest diesbezüglich spielen sollte.
Am 5. Mai 1794 stand er deswegen mit seiner Flotte vor Ushant (Ouessant) und schickte die beiden Fregatten LATONA und PHAETON nebst des Schlachtschiffes ORION auf Erkundung vor Brest, um zu prüfen, ob die französische Flotte noch dort lag. Da dies der Fall war, bezog er mit seinen Schiffen Position auf dem 48. Breitengrad, der die Route aus Amerika kommender Schiffe in der Regel schnitt.
Im Rahmen des Konvoidienstes brachte der Admiral gleichzeitig ein Geschwader zum Abfangen in Stellung: Sechs Linienschiffe, einige Fregatten und Sloops unter Konteradmiral George Montagu bezogen Stellung vor Kap Finisterre, um eventuell dort auftauchende Handelsschiffe zu erobern.

Howe kreuzte mit seiner Flotte bis zum 18. Mai, um dann erneut Kurs auf Ushant zu setzen, wo er am 19. Mai wiederum seine beiden Fregatten-Kundschafter, gedeckt durch die Linienschiffe CAESAR und LEVIATHAN, losschickte. Am Abend berichteten diese dann, dass die französische Flotte Brest verlassen hatte. Die LEVIATHAN brachte dann die Bestätigung für den Beginn des Unternehmens Konvoi, nachdem sie ein amerikanisches Handelsschiff mit entsprechenden Informationen getroffen hatte.

Tatsächlich hatte der erwartete amerikanische Konvoi, allerdings "nur" 117 Handelsschiffe stark, am 2. April 1794 das amerikanische Norfolk verlassen, sich am 11. April vor dem Chesapeake mit dem Geleit getroffen und steuerte  - gedeckt von den 74 -Kanonen-Linienschiffen JEAN BART (74) und TIGRE (74) nebst zwei Fregatten unter Konteradmiral Vanstabel - einen geheimen Treffpunkt im Atlantik an, wo man sich mit dem Geschwader unter Konteradmiral Joseph-Marie Nielly zu treffen beabsichtigte. Nielly hatte mit 5 Linienschiffen, nämlich seinem Flaggschiff SANS PAREIL (80-  Jean-Francois Courand) ,  der AUDACIEUX (74 - Pilastre), der PATRIOTE (74 - Lucadore), der TEMERAIRE (74 - Morel) und der TRAJAN (74 - Dumourier) am 6. Mai Rochefort verlassen und kreuzte wartend bei 47° 48' nördlicher Breite und 15° 17' westlicher Länge.

Die französische Flotte läuft aus

Am späten Nachmittag des 16. Mai brach dann Konteradmiral Villaret-Joyeuse mit  25 Linienschiffen sowie 15 Fregatten und Korvetten auf, um ebenfalls dem Konvoi entgegen zu segeln.
 

Tabelle der Schiffe, Kommandanten ud Verluste des Glorious First June
Siehe zu Schiffen und Kommandanten diese Tabelle

An Bord des Flaggschiffes MONTAGNE (120) befand sich auch der politische Kommissar der Regierung, Jean-Bon Saint-Andre. Er hatte definitiv  das letzte Wort in Fragen der Strategie, aber vor allem die Aufgabe, dafür zu sorgen, das dem Schutz des wichtigen Konvois absolute Priorität beigemessen wurde.
Eine weitere Aufgabe machte diesen Delegierten der Regierung gefürchtet und verschaffte ihm   Autorität:  Im Falle eines Treffens mit den Briten sollte Saint-Andre  auch das Verhalten eines jeden Kommandanten und Offiziers  beobachten und  beurteilen, was als eine Art Versicherung dienen sollte, das diese absolut loyal  und im Sinne der Regierung handeln würden.
Die Handlungsvollmachten Saint-Andres könnte man also in jeder Beziehung, wenn man so will, selbst in Fragen der Jurisdiktion, als die eines Oberkommandierenden beschreiben. Konteradmiral Villaret-Joyeuse war  demgemäß lediglich sein Befehlsempfänger.
 
Fast  wäre es schon am späten Abend des 17. Mai 1794 zum Treffen mit dem wieder Richtung Brest segelnden Howe und seinen 26 Linienschiffen gekommen. Im dichten Nebel konnten die Franzosen die englischen Lotgasten die Tiefen aussingen hören und vermuteten durchaus richtig, wer da einige Kabellängen entfernt Richtung Brest unterwegs war.
Der Delegierte des Wohlfahrtsausschusses, Saint-Andre, befand jedoch das Treffen mit dem Konvoi für vordringlich. Während Howes Flotte vor Brest die Enttäuschung des leeren Hafens bevorstand, waren Villaret-Joyeuse bzw. seine Kollegen in den nächsten Stunden recht erfolgreich. Die PATRIOTE (74 - Lucadore), von Konteradmiral Nielly zum Zwecke der Fühlungnahme mit der großen Flotte  ausgeschickt, schnappte sich unterwegs einen englischen Konvoi mit 10 Schiffen inklusive der Begleitfregatte CASTOR (32 - Thomas Troubridge), bevor sie ihren Auftrag erfolgreich erledigte. Und die französische Flotte selbst machte am 19. Mai fette Beute, als sie in einen großen englisch-holländischen Konvoi hineinstieß und 19 Prisen aufbrachte.
 
In der südlichen Biskaya hatte indessen Konteradmiral Montagu ebenfalls Kriegsglück gehabt. Seine Schiffe hatten am 15. Mai eine kleine vorgepreschte Flotte des großen Konvois gestellt. Neben rund 10 Prisen war ihnen auch eine Korvette von Niellys Geschwader, die MAIRE GUITON (20), ins Netz gegangen. Auf diese Weise bekam Montagu die - freilich ungenaue - Information, dass bereits 9 Linienschiffe plus einige Fregatten den Konvoi schützten und / oder bald schützen würden.
Tatsächlich war Vanstabel aber mit seinen zwei Linienschiffen und über 117 Schutzbefohlenen noch gar nicht auf Nielly gestoßen.  Montagu mußte jedoch davon ausgehen, dass er im Falle einer Begegnung in Unterzahl gewesen wäre. So schickte er die Fregatte VENUS (32- William Brown) mit der Bitte um Verstärkung zu seinem Oberkommandierenden, während er zwischen dem 45. und 47. Breitengrad kreuzte.

Die VENUS erreichte die große Flotte am 19. Mai, zur gleichen Zeit als Villaret-Joyeuse auf den britischen Konvoi stieß.  Admiral Howe nahm nun an, Konteradmiral Montagu würde in ernsthafte Probleme kommen und machte sich am 20. Mai auf den Weg, dem vermeintlich bedrängten englischen Geschwader zur Hilfe zu kommen.

Frankreichs Seekriege gegen England 1793-1815

Frankreichs Seekriege gegen England 1793-1815
von Dieter Wenzlik
Sprache: Deutsch
gebundene Ausgabe - 240 Seiten - VRZ Verlag
Erscheinungsdatum: Oktober 1999

Am 21. Mai stieß Howes Flotte auf die von den Franzosen eroberten britischen Schiffe, von denen die Briten en passant rund 10 Schiffe zurückerobern konnten. Howe hielt sich jedoch nicht lange mit diesen Prisen auf. Um keine Leute durch Prisenbesatzungen einzubüßen, verbrannte er seine Beute kurzerhand und kam durch die befreiten englischen Seeleute auch noch zu Ersatzmannschaften für seine Flotte.

Noch wertvoller aber waren die Informationen, die die Briten von den Gefangenen erhielten. Nicht nur konnten sie nun den Kurs der französischen Flotte extrapolieren, sie erfuhren auch einiges über die beabsichtigte Taktik im Falle einer Schlacht.
Offensichtlich hatte man auf französischer Seite nicht nur die Absicht, auf kurze Distanz zu kämpfen, sondern den Gegner auch mit dem Gebrauch glühend gemachter Kugeln zu überraschen. Der Gebrauch dieser Geschosse durch Schiffsartillerie war ungebräuchlich geworden, weil man wegen dem Erhitzen der Geschosse während eines Gefechtes ebenfalls ein großes Brandrisiko eingehen mußte. Stieß man aber auf einen bezüglich des Löschens dieser speziellen Munition unvorbereiteten Gegner, konnte man möglicherweise trotzdem einen entscheidenden Vorteil erringen.

Es dauerte jedoch noch vier Tage, bis Howes Flotte auf den von eroberten Handelschiffen und kleinen Kriegsschiffen gesäumten Spuren der französischen Flotte das erste französische  Schlachtschiff zu Gesicht bekamen.
Am 25. Mai 1794 sichteten die Briten die AUDACIEUX (74 - Pilastre), die mit einem kleinen Geschwader von Handels- und Kriegschiffen Anschluss an die Brester Flotte suchte. Die besseren Segeleigenschaften des französischen Linienschiffes retteten es vor dem Zugriff der Briten, die aber immerhin die  Korvette REPUBLICAINE (20) und zwei Briggs fassen und verbrennen konnten.
Immer näher kamen nun die englischen Schlachtschiffe der Flotte Villaret-Joyeuses und am frühen Morgen des 28. Mai 1794, gegen 6:30, bei 47° 34' nördlicher Breite und 13° 39' westlicher Länge, bekam Admiral Howe die Flotte der Franzosen in Sicht.

Der erste Tag - 28. Mai 1794

Auf beiden Seiten standen sich zunächst jeweils 26 Schlacht- oder Linienschiffe gegenüber:
 

Tabelle der Schiffe, Kommandanten ud Verluste des Glorious First June
Siehe zu Schiffen und Kommandanten diese Tabelle

Die Franzosen "sahen" jedoch zunächst 30 englische Linienschiffe, weil sie offensichtlich die ein oder andere englische Fregatte falsch einordneten. In französischen Reihen taten über die erwähnten Schlachtschiffe hinaus noch zwei "rasierte" Ex-74er,  SCEVOLA (50) und BRUTUS (50), Dienst. Die 50-Kanonen-Schiffe griffen später auch aktiv in die Gefechte ein, wenngleich ich keine Indizien dafür habe, daß die SCEVOLA am 1. Juni 1794 an der großen Schlacht teilnahm.
Neben den Ex-Linienschiffen  verfügte Villaret-Joyeuse über die Fregatten DANAE (36),  FELICITE (36), SEINE (40) und TAMISE ( 32 - Jean L'Hermite) sowie eine Handvoll Korvetten und  kleinerer Schiffe.

Die Briten hatten in ihren Reihen die 18-Pfünder-Fregatten   PHAETON (38 -  William Bentinck) und  LATONA (38 - Edward Thornbrough), die ebenfalls mit ihren Kanonen in die späteren Gefechte eingreifen sollten.
Daneben assistierten den Schlachtschiffen noch die NIGER (32 -  Arthur Kaye Legge), SOUTHAMPTON (32 - Robert Forties), VENUS (32 - William Brown) , AQUILON (32 -  Robert Stopford) und PEGASUS (28 -  Robert Barlow) sowie eine Sloop, zwei Feuerschiffe und zwei Kutter.
Außerdem hatten die Briten, höchst fortschrittlich, ein Hospitalschiff, den Zweidecker CHARON (44 - George Countess). (Bei der Auswahl dieser Fregatte als Hospitalschiff bewies irgendein Witzbold makabren Humor: In der griechischen Sagenwelt ist Charon nämlich der Fährmann, der die Verstorbenen über den Fluss Styx in die Unterwelt verschifft)

 Fleet Battle and Blockade: The French Revolutionary War 1793-1797

Fleet Battle and Blockade: The French Revolutionary War 1793-1797
von Robert Gardiner
Sprache: Englisch
Taschenbuch - Mercury Books London - 192 Seiten - Format 28,6 x 24,4 x 1,8 cm
Erscheinungsdatum: März 2006
Mit über 300 zeitgenössischen Bildern und Illustrationen, z.T. noch nie zuvor publiziert. Mit einem Kapitel über den Glorious First of June.

Erste Begegnung

Konteradmiral Thomas Pasley auf der BELLEROPHON (74 - William Hope) stand mit einem Geschwader aus RUSSELL (74 - John Willet Payne), THUNDERER (74 - Albermarle Bertie) und MARLBOROUGH (74 - George Cranfield Berkeley) am weitesten im Luv. Deswegen fiel ihm die Aufgabe zu, näher zu den gesichteten Schiffen aufzuschließen, um ihre Identität zu klären und gegebenenfalls die Schlacht vorzubereiten. Die Briten standen allerdings in der Leeposition und konnten deswegen die Schlacht nicht erzwingen.
 
Der französische Oberkommandierende Villaret-Joyeuse wusste jedoch noch nichts von der Verfolgung durch die englische Flotte und befahl bei Sichtung die Annäherung an die im Lee auftauchenden fremden Schiffe. Gegen 10:00 wurde ihm gemeldet, dass es sich bei der unbekannten Flotte vermutlich um Admiral Howes Schiffe handelte.
Daraufhin ließ Villaret - möglicherweise auf Veranlassung von Saint-Andre - seine Schiffe beidrehen und auf neuen Kurs Richtung Norden legen. Angesichts seiner primären Aufgabe, den Konvoi zu schützen, hatte der französische Oberkommandierende es nicht eilig, eine Schlacht zu schlagen. Seine Luvstellung garantierte ihm schließlich die Manöverdominanz  über die  verfolgenden Briten. Und solange die britische Flotte ihm folgte, konnte sie den Konvoi nicht angreifen.
Letzterem ließ Villaret-Joyeuse durch zwei abgesandte Fregatten (DANAE und  FELICITE ?) befehlen, südlichen Kurs zu steuern.
Eine der Fregatten erreichte Konteradmiral Vanstabel tatsächlich schon am nächsten Tag und veranlasste diesen, einen südlicheren Kurs steuern zu lassen.  Es lag nun also in französischem Interesse, die Engländer hinter  der großen Kriegsflotte her zu locken und zu beschäftigen.

Das erste Gefecht

Die englischen Schiffe lagen inzwischen auf dem gleichen Schlag wie die Franzosen und arbeiteten sich, stetig kreuzend, immer weiter nach Luv vor.
Gegen 11:00 ließ Howe auf allen englischen Schiffen das Mittagessen ausgeben, ein deutliches Zeichen, dass er an diesem Tag mit der großen Schlacht rechnete.
Gegen 13:00 war die englische Flotte jedoch immer noch weit entfernt von einem Gefecht, was immer dann besonders deutlich wurde, wenn beide Flotten auf der gleichen Kreuz bzw. dem gleichen Schlag lagen. Howe befahl deswegen seiner näher am Feind kreuzenden Vorhut unter Konteradmiral Pasley, die Nachhut der Franzosen zu jagen und anzugreifen. Er hoffte, Villaret-Joyeuse würde dann seiner Nachhut zur Hilfe kommen und die britische Hauptmacht könnte dann zur großen Schlacht aufschließen.

Tatsächlich kam die RUSSELL (74 - John Willet Payne) - rund eine Meile näher am Gegner als ihre Kameradinnen - gegen 14:30 in Schussweite und eröffnete das Feuer auf die letzten Schiffe der französischen Nachhut, zwei Zweidecker. Doch sie konnte den Feind nur kurzzeitig fassen.
Gegen 15:00 befahl Admiral Howe seiner Flotte - mit Ausnahme der Vorhut - eine generelle Wende.
Die Vorhut versuchte währenddessen durch ihren Kurs doch noch die französische Nachhut abzufangen.
Pasley auf der langsamen BELLEROPHON (74) indessen sah die Chance für sein Flaggschiff in einer genau gut abgepassten Wende.

Und tatsächlich kam ihm ein unverhofftes Manöver in der französischen Nachhut entgegen. Wie Howe erhofft hatte, befürchtete Villaret-Joyeuse, seine Nachhut könne abgeschnitten werden.
Deswegen ließ er gegen 17:00 seine Vorhut und das Zentrum Segel kürzen, damit die Nachhut aufschließen konnte. Bei dem schwerfälligen Dreidecker REVOLUTIONNAIRE (110 - Vandangel) hatte das Segelmanöver jedoch die Folge, dass das Schiff beinahe stehenblieb und nach hinten "durchgereicht" wurde.
Nun ergab sich - für alle überraschend und  infolge der komplizierten Geometrie des Kreuzens auf See - ausgerechnet für die als langsames Schiff geltende BELLEROPHON die Möglichkeit, das letzte Schiff der Franzosen anzugreifen.

 Herrscherin der Meere

Herrscherin der Meere
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Gebundene Ausgabe - 336 Seiten - Koehlers Verlagsges.
Erscheinungsdatum: August 1998
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Gegen 18:00 wurde Pasley in ein  heftiges Gefecht mit den mächtigen Breitseiten des französischen Linienschiffes verwickelt, in das 20 Minuten später auch die drei anderen britischen Linienschiffe der Vorhut eingriffen, freilich lediglich auf größere Distanz.
Nach rund 50 Minuten Kampf mußte die BELLEROPHON abhalten, weil  ihre Großrahe am Hauptmast unbedienbar wurde und das Segel abgenommen werden mußte. Dazu war der Hauptmast durch Treffer auch noch schwer angeschlagen.  
Aber auch die REVOLUTIONNAIRE hatte gelitten und verlor sogar ihren ganzen Besanmast, dessen Topp in Flammen aufgegangen war, weswegen man den ganzen angeschlagenen Mast kontrolliert über Bord gehen ließ.
Es war übrigens höchst selten, dass während eines Zweikampfes der Topp eines Kontrahenten in Brand geriet.  Feuer wurde bei Zweikämpfen in der Regel eher zufällig durch fliegende, glühende Ladungsrückstände aus den abgefeuerten Kanonen entzündet. Dabei werden die Brände aber meistens an tiefer liegenden Stellen verursacht. In diesem Fall scheint es mir möglich und sehr wahrscheinlich, das friendly fire, nämlich wohlmeinende Unterstützung anderer französische Schiffe der Nachhut mittels Distanzschüssen mit glühend gemachten Kugeln, das Feuer verursacht haben könnte.
 
Der französische Dreidecker schoss nach dem Verlust des Mastes jedenfalls in den Wind und wurde nun von den heraneilenden LEVIATHAN (74 - Lord Hugh Seymour) und AUDACIOUS (74 - William Parker) angegriffen.
In der hereinbrechenden Dunkelheit verbissen sich REVOLUTIONNAIRE und AUDACIOUS in einen verheerenden Zweikampf, während die LEVIATHAN (74 - Lord Hugh Seymour) sich zwischen die französische Nachhut und die kämpfenden Rivalen schob und erstere unter Distanzfeuer nahm, wegen schlechter Sicht aber schließlich zur Flotte zurückkehrte.
Die RUSSELL (74 - John Willet Payne) und die THUNDERER (74 - Albemarle Bertie) stießen inzwischen zum einzigen Zweikampf dieses Tages, es gelang ihnen jedoch nicht, gemeinsam mit der AUDACIOUS das schwer beschädigte französische Schlachtschiff zur Übergabe zu zwingen, obwohl dieses am Ende völlig entmastet wurde.

Die Irrfahrt der AUDACIOUS

Die AUDACIOUS war ebenfalls sehr schwer beschädigt, trieb aus dem Kampfgeschehen, begann unter Hochdruck mit den Reparaturen  und wurde  bis zum Morgen des 29. Mai wieder leidlich manövrierbar. Gerade rechtzeitig, denn auf ihrer Luvseite tauchten nun mehr als ein halbes Dutzend Segel auf, unter ihnen ganz offensichtlich französische Linienschiffe.
Es handelte sich dabei mit großer Wahrscheinlichkeit um das Geschwader von Konteradmiral Nielly, der laut Logbuch in großer Distanz Zeuge dieses ersten Gefechtes des Glorious First of June wurde. Die AUDACIOUS entkam den anrückenden Schlachtschiffen jedoch im Nebel der Morgendämmerung, aber nur, um fast ihrem französischen Namensvetter AUDACIEUX (74 - Pilastre) in die Arme zu rennen.
 
Die AUDACIEUX gehörte ursprünglich zu Niellys Geschwader und hatte am frühen Morgen des 29. Mai Kontakt mit Villaret-Joyeuses Flotte  bekommen. Sie war sofort wieder mit einer Begleitfregatte ausgeschickt worden, um die REVOLUTIONNAIRE zu suchen und versuchte nun, ihren geschwächten britischen Namensvetter zu packen.
Kapitän Parker wechselte daraufhin erneut den Kurs, passierte die REVOLUTIONNAIRE in rund zwei Meilen Distanz und entkam im Nebel auch Kapitän Pilastre, welcher sich angesichts des entschwundenen Gegners des entmasteten Dreideckers annahm und die REVOLUTIONNAIRE nach Rochefort abschleppte.

Die verkrüppelte AUDACIOUS aber rannte bei ihrem Fluchtmanöver in das nächste französische Kriegsschiff, zu ihrem Glück nur die 18-Pfünder-Fregatte BELLONE (36) in Begleitung zweier Korvetten.
Das französische Trio hängte sich hinter den angeschlagenen Engländer und nahm jede Chance wahr, ihn zu beschießen, offensichtlich machten aber die leichten Geschütze der Korvetten überhaupt keinen Eindruck auf das Schlachtschiff, während die Jagdgeschütze der AUDACIOUS durchaus eine Gefahr für die kleinen Schiffe darstellten. Deswegen brachen diese bald die Verfolgung bald  und trachteten suchend danach, eventuell eine größeren Kameraden herbei zu lotsen.
Im Verlaufe des Tages entwischte die AUDACIOUS im Nebel dann auch der BELLONE. Beschädigt und viele Meilen von ihrer Flotte abgedrängt setzte das englische Linienschiff dann Kurs auf Plymouth, wo es am 3. Juni  Anker warf.


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Alexander Kent´s Richard Bolitho
Englischer Titel - Deutscher Titel
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Enemy In Sight! 1970 - Feind in Sicht
The Flag Captain 1971 - Der Stolz der Flotte
Sloop Of War 1 1972 - Klar Schiff zum Gefecht
Sloop Of War 2 1972 - Die Entscheidung
Command A King's Ship 1973 - Der Piratenfürst

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Signal - Close Action! 1974 - Eine letzte Breitseite
Richard Bolitho - Midshipman 1975 - Die Feuertaufe
Passage To Mutiny 1976 - Fieber an Bord
In Gallant Company 1977 - Zerfetzte Flaggen
Midshipman Bolitho And The Avenger 1978 - Strandwölfe
The Inshore Squadron 1978 - Galeeren in der Ostsee
Stand Into Danger 1980 - Kanonenfutter
A Tradition Of Victory 1981 - Admiral Bolithos Erbe
Success To The Brave 1983 - Der Brander
Colours Aloft! 1986 - Donner unter der Kimm
Honour This Day 1987 - Die Seemannsbraut
With All Dispatch 1988 - Der Königs Konterbande
The Only Victor 1990 - Mauern aus Holz, Männer aus Eisen
Beyond The Reef 1992 - Das letzte Riff
The Darkening Sea 1993 - Dämmerung über der See
For My Country's Freedom 1995 - Dem Vaterland zuliebe
Cross Of St. George 1996 - Unter dem Georgskreuz
Sword Of Honour 1998 - Das letzte Gefecht

Der zweite Tag - 29. Mai 1794

In der Nacht fanden Pasley und sein Vorhut-Geschwader nach und nach in die Reihen der englischen Flotte zurück  Die beiden Flotten steuerten über Nacht kontinuierlich nordöstlichen Kurs und die Franzosen konnten die Positionslichter der Briten gut erkennen.
Die Engländer andererseits suchten auf ihrer Luvseite vergeblich nach den  Lichtern der französischen Schiffe. Auf diese Weise konnte Villaret-Joyeuse die Distanz zu den Briten gut kontrollieren und bei nachlassendem Interesse an der Verfolgung auf Seiten des Gegners diesen mit ein paar Laternen neu motivieren.
In schwerer See blieb der Abstand bei rund 6 Meilen konstant, bis die Briten am nächsten Morgen bei Ansicht des Gegners ihren Kurs korrigierten und sich wieder näherten.

Howe strebte danach, sich die Luvseite zu erkämpfen, um der hinhaltenden Taktik Villaret-Joyeuses ein Ende zu machen. Seine Auffassung wurde nicht von allen Flaggoffizieren geteilt: Vizeadmiral Alexander Hood - möglicherweise in Antizipation der Absichten des französischen Admirals - hatte schon in der Nacht für eine Kursänderung nach Ost-Südost plädiert, um die Suche nach dem Konvoi wieder aufzunehmen. Dies hätte Villaret-Joyeuse in der Tat dazu gezwungen, zum Schutze des Konvois die Briten zu verfolgen und anzugreifen.
Doch auch Hood konnte nicht sicher sein, wo der begehrte feindliche Konvoi stand.  Seine Stimme fand auch wenig Gehör und gegen 7:00 am Morgen des 29. Mai leitete Howe sein Unternehmen mit einer allgemeinen Halse nach Osten ein, bei stürmischem Wind und schwerer See.

Der Kurs seiner Flotte schnitt nun den Schlag der französischen Flotte und schien erneut der Nachhut Villaret-Joyeuses zu gelten.
Mit der CAESAR (80 - Anthony Molloy) , der QUEEN (98 - John Hutt, Konteradmiral Gardner) und der RUSSELL (74 - John Willet Payne) an der Spitze schickte sich nun Howe an, mit seinem Flaggschiff QUEEN CHARLOTTE - als taktische Nummer 10 zwischen LEVIATHAN (74 - Lord Hugh Seymour) und BELLEROPHON (William Hope, Konteradmiral Pasley) eingebettet - persönlich in den Kampf einzugreifen. Natürlich verfehlten die Spitzenschiffe der Briten die Nachhut der Franzosen um Kabellängen und schnitten deren Kurs lediglich achtern, was sie aber nicht davon abhielt, ihre Breitseiten auf die französischen Schlusslichter abzufeuern.
 
Konteradmiral Villaret-Joyeuse erkannte nun die Absicht Howes, zumindest mit einem Teil seiner Schiffe auf die Luvseite seiner Flotte zu gelangen und reagierte darauf mit einem aggressiven Schachzug.
Es war gegen 8:00, als der französische Admiral seine Linie in Reihenfolge wenden ließ, wobei die Spitzenschiffe im Lee ihrer eigenen Flotte auf die vorgepreschten britischen Schiffe herabstießen. In einiger Entfernung von der herannahenden englischen Linie gingen die Franzosen auf Parallelkurs, mit der MONTAGNARD (74 -  Jean-Baptiste-Francois Bompart)  an der Spitze.
Die Spitzenschiffe beider Flotten näherten sich nun im spitzen Winkel aneinander an und um 10:00 eröffneten sie das Feuer. Dies war der eigentliche Beginn der Schlacht, obwohl diese ersten Breitseiten infolge der großen Distanz fast wirkungslos blieben.

Plötzlich scherte die englische INVINCIBLE (74 - Thomas Pakenham) aus der Reihe und näherte sich schnell dem Gegner, um dann mit einer erneuten Halse Bomparts Schiff anzugehen.
Die MONTAGNARD wurde auch das Ziel der Breitseiten von CAESAR, QUEEN, RUSSELL, VALIANT und ROYAL GEORGE und in der Folge so arg zerzaust, dass sie vor lauter Schäden ein bestimmtes Problem in ihrer Takelage bis zum entscheidenden Moment nicht erkannte.  Einstweilen aber wehrte sie sich heftig, so dass auch die Briten nicht ungeschoren davonkamen.

Gegen 11:30 plante Admiral Howe zum ersten Mal, seine Schiffe erneut halsen zu lassen, um diesmal durch die Reihe des Gegners nach Luv durchzubrechen und eventuell einen Teil der hinteren gegnerischen Linie abzuschneiden. Doch war der Abstand zu den französischen Schiffen  für das Manöver noch zu groß.

Eine Stunde lang segelten die beiden Linien weiter auf Parallelkurs und das Feuer der Franzosen forderte zunehmend Opfer und Schäden bei den Briten, wenn auch die Artillerie der Briten mindestens Vergeltung üben konnte. Doch auf diese Weise konnten die Briten die Schlacht unmöglich entscheiden, weil die französischen Schiffe im Luv stehend die Distanz zum Gegner variieren konnten und damit schlicht die bessere Position hatten.

Chaos

Howe verlor als erster die Nerven und entschloß sich, nun den Durchbruch zu wagen. Er ließ das Signal mit dem Befehl auswehen... und löste damit ein Chaos aus.
Denn erstens war dieses Manöver mit den Kapitänen der Flotte nie zuvor abgestimmt worden, zweitens sorgte der Pulverdampf des schweren Gefechtes für erhebliche Sichtbehinderungen und drittens waren nur wenig Schiffe durch die Distanz zum Gegner, die  Windverhältnisse und die starke Luvstellung der Franzosen überhaupt in der Lage, den Befehl auszuführen.
 
Das Führungsschiff CAESAR (80 - Molloy) zum Beispiel blieb praktisch stehen, wurde von acht anderen Schiffen, die das Signal nicht gesehen hatten, überholt und war  nicht in der Lage, das Schiff  soweit herum zu bringen, um Howes Befehl auszuführen. Molloy  mußte am Ende auch die ORION (74 - John Thomas Duckworth) und die MAJESTIC (74 - Charles Cotton) an sich vorbei ziehen lassen, ohne ansatzweise in der Lage zu sein, die französische Linie zu erreichen.

	British Warships in the Age of Sail 1793-1817

British Warships in the Age of Sail 1793-1817
von Rif Winfield
Sprache: Englisch
Hardcover - 352 Seiten - Chatham Publishing
Erscheinungsdatum: 15. Oktober 2005

Auch die QUEEN (98 - Konteradmiral Gardner) blieb zunächst liegen, machte dann aber so viel Raum, das sie immerhin die Linie der Franzosen erreichte. Dort wurde sie jedoch Schiff um Schiff von der Nachhut des Feindes passiert und auf's Korn genommen.
Es gelang dem englischen Schlachtschiff deswegen nicht, die Linie zu durchbrechen und die Luvstellung zu erobern. Außerdem riss eine Kanonenkugel Kapitän Hutt das Bein weg.  Die QUEEN blieb manövrierunfähig liegen und geriet in große Probleme.

Die RUSSELL (74 - John Willet Payne) und die VALIANT (74 - Thomas Pringle) verloren zwar Fahrt, konnten sich aber ebenfalls der französischen Linie nicht nähern.
Hoods Flaggschiff ROYAL GEORGE (100 - William Domett) und der INVINCIBLE (74 - Thomas Pakenham) gelang zwar die Wende, doch der Versuch des Durchbruchs scheiterte.  Hood gelang es aber wenigsten, die beiden französischen Schlußlichter TYRANNICIDE (74 - Dordelin) und INDOMPTABLE (80 - Lamel) in ein schweres Gefecht zu verwickeln.
Zwar verfehlte er das befohlene Ziel des Durchbruchs, der englische Zweitkommandierende drohte aber immerhin, die beiden französischen Schlachtschiffe durch das Gefecht abzuschneiden.

Da und dort kam es zu kurzfristigen Zweikämpfen englischer Schiffe gegen gleich mehrere Gegner und namentlich die beiden großen französischen Begleitfregatten BRUTUS (50) und SCEVOLA (50) nahmen die Briten mit glühenden Kugeln unter Feuer. So mußten auf der INVINCIBLE gleich mehrfach entstehende Brände gelöscht werden.

Admiral Howe erkannte indessen die Probleme, in die er viele seiner Schiffe gebracht hatte, ließ die QUEEN CHARLOTTE wenden und steuerte, gefolgt von der BELLEROPHON und der LEVIATHAN, auf Gegenkurs die französische Linie an.
Wie schon zuvor folgten ihm nur einige Schiffe, andere dagegen kamen bestenfalls verzögert oder gar nicht herum. Es herrschte ein kaum zu beschreibendes Chaos in der englischen Linie, dass aber offensichtlich die französischen Kommandanten gleichermaßen verwirrte.
 
Vielleicht  gelang Howe deswegen, gegen alle widrigen Bedingungen knapp hinter der EOLE (74 - Bertrand Keranguin), dem sechstletztem Schiff der französischen Aufstellung, in die Linie des Gegners einzubrechen.  
Die BELLEROPHON schnitt den französischen Kurs vor dem drittletztem Schiff des Feindes, der TERRIBLE (110 - Pierre-Jacques Longer), die LEVIATHAN aber erlitt einen Volltreffer am Steuerrad und konnte lediglich zu den inzwischen stark bedrängten TYRANNICIDE und INDOMPTABLE stoßen.

Howe ließ nun die QUEEN CHARLOTTE wieder wenden, gab den Befehl zur allgemeinen Jagd und machte sich an die Verfolgung der Franzosen, namentlich der angeschlagenen TERRIBLE. Gleichzeitig griffen die ORION (74 - John Thomas Duckworth) und die BARFLEUR (98 - Cuthbert Collingwood) unter Konteradmiral Bowyer in den Kampf gegen die beide isolierten französischen Schlachtschiffe ein, deren Kapitulation ohne Hilfe  nur noch eine Frage der Zeit gewesen wäre.

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Französischer Verlust der Luvposition

Dies war ein entscheidender Zeitpunkt dieses Tages. Hätte Admiral Villaret-Joyeuse seinen Kurs beibehalten und Howes kleines Geschwader wäre ihm gefolgt, wäre die englische Flotte auseinander gerissen worden.
Dann hätte sich die französische Flotte, noch immer in der vorteilhaften Luvstellung, auf die vorgepreschten englischen Schiffe stürzen können und möglicherweise wäre auf diese Weise der Verlust der TYRANNICIDE und INDOMPTABLE durch einen französischen Sieg in einer Schlacht kompensiert worden. Wesentlich wichtiger wäre aber der Effekt für den Handelskonvoi gewesen, der im Mittelpunkt der französischen Überlegungen stand. Eine zerstreute britische Flotte wäre sicherlich eine geringere Gefahr für diese wertvollen Schiffe gewesen.
Doch offensichtlich wollte Villaret-Joyeuse seine beiden Linienschiffe nicht ihrem Schicksal überlassen und kam ihnen doch zur Hilfe, mußte dafür aber einen großen taktischen Vorteil aufgeben.
Er ließ seine Linie in Reihenfolge wenden, was seinen Schiffen aber wertvollen Luvraum kostete. Auch konnte die MONTAGNARD das Manöver nicht durchführen, weil ihre Großrahe unbemerkt beschädigt worden war und sich nun verklemmte.  Kapitän Bompart ließ indessen nicht beidrehen und reparieren, sondern setzte seinen Kurs fort, weg von beiden Flotten.
 
Die QUEEN CHARLOTTE, lediglich gefolgt von der BELLEROPHON, sah nun die gegnerische Flotte erneut auf sich zukommen und wurde von den vorbei gleitenden “Perlen” der französischen Kette schwer beharkt, wenn auch auf größere Distanz. Neben der Hilfe für seine bedrängten Schiffe zielte der französische Admiral zweifellos auch auf Briten in Bedrängnis, wie z.B. die in der schweren See rollende QUEEN oder die sichtlich behinderte INVINCIBLE.  

Doch Villaret-Joyeuses Manöver hatte den natürlich unintendierten Effekt, englische Schiffe, die durch das Chaos zuvor eher wirkungslos herumirrten, wieder in die Schlacht einzubinden.
Die GLORY (98 - John Elphinstone) z.B. erwies sich dabei geradezu als Scharfschützin für französische Toppmasten und ihre Kolleginnen  RAMILLIES (74 - Henry Harvey), MAJESTIC (74 - Charles Cotton), DEFENCE (74 - James Gambier) und  ROYAL SOVEREIGN (100 - Henry Nichols) nahmen Villaret-Joyeuses Schiffe ebenso dankbar auf's Korn.
Sie konnten aber trotzdem nicht verhindern, dass der französische Chef sein Ziel erreichte und die Franzosen die TYRANNICIDE (74 - Alain-Joseph Dordelin) und die INDOMPTABLE (80 - Lamel) aus ihrer isolierten Position befreiten.

Gegen 17:00 verstummten die Kanonen, denn beide Seiten verharrten zunächst in ihren Positionen, versuchten ihre zerstreuten Schiffe wieder in Linie zu bringen und intensivierten die Reparaturarbeiten. Es zeigte sich  nun, dass die Briten die Luvstellung erobert hatten und vor allem, dass sie diese Stellung halten konnten. Im Laufe des Abends vergrößerte sich der Abstand zwischen den beiden Flotten erheblich und mit Sonnenuntergang kam dann dichter Nebel auf.

Das erste schwere Gefecht der mehrtägigen Schlacht war damit beendet. Auf beiden Seiten hatten jedoch infolge der chaotischen Schlachtordnungen nur jeweils rund die Hälfte der Schiffe am Gefecht teilgenommen.
Auf 14 Schiffen hatten die Engländer größere Schäden und Verluste zu verzeichnen, insgesamt starben 67 Briten, 127  Männer fielen durch Verwundungen aus. Dabei hatte besonders die QUEEN gelitten, die 22 Tote und 27 Verwundete hatte. Nach ihr waren besonders die ROYAL GEORGE und die INVINCIBLE betroffen
 

Tabelle der Schiffe, Kommandanten ud Verluste des Glorious First June
Siehe zu Schiffen und Kommandanten diese Tabelle

Auf Seiten der Franzosen gab es Verluste in vergleichbarer Höhe, genaue Angabe stehen jedoch nicht zur Verfügung. Auch hatte man auf britischer Seite einiges an Schäden in den Takelagen der französischen Schiffe beobachten können.

Der dritte und vierte Tag - 30. und 31. Mai 1794

Tatsächlich hatte Villaret-Joyeuse während des Gefechtes sein zweites Schiff verloren und zwar auf ungewöhnliche Weise: Die MONTAGNARD hatte, wie bereits erwähnt, infolge ihrer Schäden am überraschenden Wendemanöver der französischen Flotte nicht  teilnehmen können. Sie hatte vermutlich mehr oder weniger durch den Zwang der Umstände ihren Kurs fortgesetzt, bis sie außer Sicht geriet und nicht mehr zur Flotte zurückfand.
Noch am Abend des 29.Mai schickte der französische Oberbefehlshaber die Fregatte SEINE (40) hinter seinem verlorenen gegangenen Linienschiff her, doch obwohl die SEINE den "verlorenen Sohn" schließlich wirklich fand, so fanden nun beide Schiffe im Nebel des Atlantik nicht mehr zurück. Dafür - so war das damals auf See - fand die MONTAGNARD zufällig  Konteradmiral Vanstabel und den von ihm beschützten Konvoi.

In der Nacht zum 30. Mai stieß  dafür ein verirrtes Linienschiff aus dem Geschwader von Konteradmiral Cornice (Rochefort) eher aus Versehen zur französischen Flotte: Die TRENTE UN MAI (74), übersetzt 30. Mai (!),  unter Kapitän Honore Ganteaume ersetzte damit den Verlust der MONTAGNARD.

Und das französische Glück hielt an:
Am nächsten Tag, ungeachtet der miserablen Sichtverhältnisse, fand  Konteradmiral Nielly mit  seinem Flaggschiff SANS PAREIL (80 - Jean-François Courand)  und den Linienschiffen TRAJAN (74 - Dumourier) und TEMERAIRE (74 - Morel) die französische Flotte.
Villaret-Joyeuse konnte es sich sogar leisten, die im Gefecht des 29. Mai schwer angeschlagene INDOMPTABLE (80 - Lamel) unter dem Schutz der MONT  BLANC (74 - Thevenard) nach Frankreich zu schicken. Er gebot trotzdem wieder über die volle Kampfkraft von 26 Schlachtschiffen und von zwei großen Fregatten nebst einigen kleineren Schiffen.


Rodney and The Breaking of the Line

Rodney and The Breaking of the Line
von Peter Trew
Sprache:Englisch
Gebundene Ausgabe - 256 Seiten - Pen & Sword Books / Leo Cooper
Erscheinungsdatum: 30. September 2005

Am 12. April 1782 schlug die englische Flotte unter Admiral Lord George Rodney die französische Flotte bei den Iles des Saintes durch ein neuartiges Manöver, den Durchbruch durch die feindliche Linie. Dieses Buch beschreibt die Karriere des sehr umstrittenen Schöpfers des Manövers, das Howe versuchte und Nelson bei Trafalgar 1805 dann gelang. Die berühmte Schlacht bei den Saints wird im Detail untersucht.


Die 25 Schlachtschiffe der Briten hatten sich am Abend nach dem Gefecht gesammelt und machten sich an die Ausbesserung der Schäden. Auf rund der Hälfte der Schiffe gab es viel zu tun, was den Einsatz der Fregatten besonders wertvoll machte.
Zur Behebung der Schäden kamen Ersatzmannschaften von diesen Schiffen, wurden Verwundete zum Hospitalschiff CHARON (44 - George Countess) transportiert, mußten die überall benötigten Fregatten Fühlung mit der französischen Flotte halten und sich dabei nicht von einem der beiden großen 50-Kanonenschiffe erwischen lassen, die als eine Art Puffer zwischen den beiden Flotten standen.
 
Der französische Oberbefehlshaber machte aber keine Anstalten, sich davon zu machen oder die Briten daran zu hindern, nach Luv zu kreuzen. Offensichtlich plante er ebenso wie Howe, die Schlacht fortzusetzen, sobald Wetter und der Zustand seiner Schiffe es zuließen.
Die Briten waren sicher, auf einigen gegnerischen Schlachtschiffen einiges Kleinholz verursacht zu haben. Sie gingen auch davon, dass zumindest zwei Schiffe auf längere Zeit außer Gefecht gesetzt waren und hatten bezüglich der INDOMPTABLE auch richtig gedacht. Während man aber auf britischer Seite mit einigen Kunstgriffen und viel Arbeit sogar die Takelage der QUEEN wieder hinbekam, ahnten Howe und seine Männer nicht, das Villaret-Joyeuse wieder über 26 absolut einsatzfähige Schlachtschiffe verfügte.

Für einen kurzen Moment des Aufklarens am Morgen des 30. Mai konnten Howes Männer die französische Flotte undeutlich im Nordwesten ausmachen. Der englische Befehlshaber ließ sofort zwei Schlachtsäulen formen und begann erneut, sich dem Gegner zu nähern.
In einem Mast der INVINCIBLE begannen aber infolge der Belastung des Windes die gerade geflickten Schäden wieder aufzubrechen, so dass das englische Linienschiff von einer Fregatte in Schlepp genommen werden mußte.
Auch die CAESAR signalisierte, dass sie noch nicht wieder einsatzfähig sei. Angesichts dieser Ausfälle war Admiral Howe möglichweise nicht gar so böse, als der Nebel ihm erneut den Blick auf seinen Gegner nahm. Die miesen Sichtverhältnisse zerstreuten an diesem Tag die Schiffe beider Flotten derart, dass schon am Mittag sicher war, das man an diesem Tag die Schlacht nicht fortsetzen würde.

Am Morgen des nächsten Tages, des 31. Mai 1794, klarte es gegen 9:00 erneut auf und enthüllte wiederum beide Flotten. Zu ihrem maßlosen Erstaunen zählten die Briten nun neben den vier Fregatten und zwei Korvetten immer noch 26  französische Linienschiffe, von denen keines erheblicher beschädigt schien. Howe und seine Männer hatten natürlich nicht beobachten können, wie Niellys Schiffe zur französischen Flotte gestoßen waren.
 
Die Briten benötigten einige Zeit, um sich erneut zusammenzuschließen, aber gegen 14:00 setzten sie zum nächsten Vorstoß an, diesmal vollzählig.
Gegen 15:30 ließ der englische Admiral dann das Signal wehen, sich der französischen Flotte zu nähern.
Dies dauerte allerdings länger, als der englische Oberkommandierende gedacht hatte, denn gegen 17:00 war man noch immer rund 5 Meilen vom Gegner entfernt. Da Howe nun in Betracht ziehen mußte , die entscheidenden Manöver bei Dunkelheit einzuleiten, entschloss er sich gegen 19:00, die Schlacht auf den nächsten Tag zu verschieben.
Das Chaos des 29. Mai schrieb Howe nämlich der durch Sichtbehinderungen beeinträchtigten Kommunikation zwischen den Schiffen zu.
Außerdem hatte der Admiral nur wenig Vertrauen in seine Kommandanten, eine Tugend, die einen Jervis und einen Nelson später auszeichnen sollte. Deswegen wollte der Earl erst bei Tageslicht angreifen, ließ aber die französischen Schiff zur Vorbeugung vor Überraschungen sorgfältig von seinen schnellsten Fregatte beobachten.
Vor allem fürchtete er, Villaret-Joyeuse könne versuchen, in der Nacht den Briten die Luvposition noch abzugewinnen, denn die französischen Schiffe hatten die schnelleren Schlachtschiffe in ihren Reihen.

Villaret-Joyeuse und  Jean-Bon Saint-Andre  behielten indessen die eher passive Position bei. Immerhin war der französische Konteradmiral sowohl an Schiffen, wie auch an Geschützen und Männern in der Überzahl und hatte sogar seine angeschlagenen Schiffe -  mehr oder weniger freiwillig - gegen frische Kräfte ersetzen können.
Die Schlacht vom 29. Mai war unter dem Strich auch nicht schlecht für ihn gelaufen,  hatte man doch inzwischen 4 Tage für die Sicherheit des Primärziels, nämlich des Konvois, gewonnen. Und da man gegenwärtig nach Nordwesten driftete, entfernten sich auch die Briten immer weiter von den Schiffen mit dem für Frankreich so wertvollen Weizen.

Der Ort der Schlacht

Der fünfte Tag - 1. Juni 1794

Am Morgen des 1. Juni 1794 stand die englische Flotte mit Kurs Nordwest bei  47° 48' nördlicher Breite und 18° 30' westlicher Länge. Die See war ruhig, es wehte eine mäßige Brise aus Südwest und auf der Leeseite der Briten, in rund sechs Meilen Entfernung, war die französische Flotte gut zu sehen.
Gegen 5:00 ließ Howe seine Schiffe enger zusammenschließen und gegen 6:15 begannen die Briten, jetzt auf Nordkurs, sich der französischen Linie zu nähern. Der englische Admiral plante erneut, in die Linie des Gegners einzubrechen und in Duellen auf kürzeste Distanz die Entscheidung zu suchen.
Gegen 7:00 ließ er Essen an die Besatzungen austeilen und gegen 8:00 setzten die Briten alle möglichen Segel und nahmen Kurs auf die französische Linie.

Villaret-Joyeuse hatte inzwischen seine Linienschiffe ebenfalls zu einer Linie geformt und die Franzosen erwarteten die Engländer wie an einer Perlenkette aufgereiht in Schlachtordnung.
Die Vorhut wurde kommandiert vor Konteradmiral Bouvet, der seine Flagge auf die TERRIBLE transferiert hatte.
Die Nachhut stand unter dem Kommando des erst jüngst eingetroffenen Konteradmiral Nielly, der wiederum seine Flagge auf der REPUBLICAIN setzte.
Hier die Reihenfolge der Schiffe in der französischen Linie:

TRAJAN (74 - Dumourier), EOLE (74 - Bertrand Keranguin), AMERICA (74 - Louis L'Héritier) ,  TEMERAIRE (74 - Morel), TERRIBLE (110 - Pierre-Jacques Longer, Flagge von Konteradmiral Francois Bouvet) , IMPETUEUX (74 - Douville) , MUCIUS (74 - Larregny), TOURVILLE (74 - Langlois), GASPARIN (74 - Tardy), CONVENTION (74 - Joseph-Allary), TRENTE UN MAI (74 - Honore Ganteaume),  TYRANNICIDE (74 - Alain-Joseph Dordelin) , JUSTE (80 - Blavet), MONTAGNE (120 - Jean-Francois Vignot, Flaggschiff von Konteradmiral Louis-Thomas Villaret-Joyeuse), JACOBIN (80 - Gassin), ACHILLE (74 - Jean-Noel La Villegris), VENGEUR (74 - Renaudin), PATRIOTE (74 - Lucadore), NORTHUMBERLAND (74 - François-Pierre Etienne), ENTREPRENANT (74 - Antoine Lefrancq), JEMMAPPES (74 - Desmartis), NEPTUNE (74 - Tiphaine), PELLETIER (74 - Claude René Berard), REPUBLICAIN (110 - Pierre-Mandé Lebeau , Flagge von Konteradmiral Nielly), SANS PAREIL (80 - Jean-François Courand), SCIPION (80 - Huguet).  Am Ende und im Lee der Linie standen jedenfalls die Fregatten, u.a. die BRUTUS (50) und die TAMISE. Letztere war repeater (Signalstation) für das französische Flaggschiff.

Der Durchbruchsversuch der Briten am 1. Juni 1794



Die englische Vorhut wurde von Vizeadmiral Graves kommandiert, die Nachhut von Vizeadmiral Hood. Im Zentrum stand Admiral Howe mit seinem Flaggschiff.
Das Spitzenschiff der Engländer war wieder die CAESAR (80 - Anthony Jason Pye Molloy) gefolgt von BELLEROPHON (74 - William Hope) , Flagge von Konteradmiral Thomas Pasley,  LEVIATHAN (74 - Lord Hugh Seymour),  RUSSELL (74 - John Willet Payne),  ROYAL SOVEREIGN (100 - Henry Nichols) , Flagge von Vizeadmiral Thomas Graves,  MARLBOROUGH  (74 - George Cranfield Berkeley), DEFENCE (74 - James Gambier), IMPREGNABLE (98 - George Blagden Westcott) , Flagge von Konteradmiral Benjamin Caldwell, TREMENDOUS (74 - James Pigott), BARFLEUR (98 - Cuthbert Collingwood) , Flagge von Konteradmiral George Bowyer, INVINCIBLE (74 - Thomas Pakenham),  CULLODEN (74 - Isaac Schomberg), GIBRALTAR (80 - Thomas Mackenzie), QUEEN CHARLOTTE (100 - Sir Roger Curtis), Flaggschiff von Admiral Richard Earl Howe, Oberkommandierender, BRUNSWICK (74 - John Harvey), VALIANT (74 - Thomas Pringle), ORION (74 -  John Thomas Duckworth), QUEEN (98 - Konteradmiral Alan Gardner), RAMILLIES (74 - Henry Harvey),  ALFRED (74 - John Bazely), MONTAGU (74 - James Montagu), ROYAL GEORGE (100 - William Domett) , Flagge von Vizeadmiral Alexander Hood (späterer Lord Bridport),  MAJESTIC (74 - Charles Cotton), GLORY (98 - John Elphinstone) und THUNDERER (74 - Albemarle Bertie).
Wie bei der französischen Linie folgten dann höher im Luv stehend die Fregatten und die anderen Schiffe.
Die PEGASUS (28 - Robert Barlow) war als Signalstation (repeater) für das Flaggschiff eingeteilt, die NIGER (32 - Arthur Kaye Legge) war in dieser Funktion  für Graves tätig, die AQUILON (32 - Robert Stopford) für Hood.

Der Angriff der Briten

Die beiden Linien näherten sich nun im spitzen Winkel und um  8:38 gab Howe den Befehl zum Angriff. Jedes Schiff sollte die feindliche Linie durchbrechen und das Schiff, das seiner eigenen taktischen Nummer entsprach, von Lee her unter Feuer nehmen, also idealerweise die taktische Nummer 1 gegen die Nummer1 in der Linie der Franzosen, 2 gegen 2 und so weiter.

Doch die Schiffe in der Linie waren unterschiedlich schnell, wodurch die ausgeklügelte Reihenfolge in Unordnung zu geraten drohte.
Einige Schiffe, namentlich BRUNSWICK, CAESAR, RUSSELL, GIBRALTAR und CULLODEN, versuchten durch das  Backbrassen ihrer Toppsegel die diesem Moment nicht gerade angepasste Korrektur der Marschordnung  herbeizuführen - offensichtlich erneut ein Missverständnis zwischen Oberbefehlshaber und Kommandanten, das Howe wiederum zu Signalen für mehr Segel und mehr Fahrt zwang.

Gegen 9:30 eröffneten die französischen Spitzenschiffe das Feuer auf große Distanz, wobei sie speziell die DEFENCE aufs Korn nahmen, die infolge der britischen Manöverprobleme vorgeprescht war.
Durch die angestrebten und keinesfalls immer erfolgreichen Korrekturen in der englischen Linie wurde einige Schiffe länger dem Feuer der französischen Breitseiten ausgesetzt als notwendig gewesen wäre. Der Admiral selbst hoffte nun durch seinen Angriff ein Beispiel zu setzen.

Howe auf seinem Flaggschiff QUEEN CHARLOTTE (100) hatte sich das französische Flaggschiff MONTAGNE (120) ausgeguckt, wobei zufälligerweise beide Schiffe die taktische Nummer 14 in ihrer Linie darstellten. Der englische Oberbefehlshaber ließ sein 100-Kanonen-Schiff überfallartig härter an den Wind bringen, stürzte sich auf die MONTAGNE  und zielte mit seinem Kurs hinter ihr Heck.
Bei diesem Manöver geriet die QUEEN CHARLOTTE aber unter den Beschuss der VENGEUR (74 - Renaudin), deren Kanonenkugeln das britische Flaggschiff sehr unangenehm über den Steuerbordbug penetrierten.

Die BRUNSWICK (74 - John Harvey), wieder mit mehr Segeln, schob sich jedoch in die Schusslinie und deckte so den Angriff ihres Admirals.
Howe vergrößerte die Segelfläche, ließ die VENGEUR (74 - Renaudin) hinter sich und geriet an die ACHILLE (74 - La Villegris).
Bis zu diesem Zeitpunkt hatte man an Bord des englischen Flaggschiffes die Breitseite für das französische Flaggschiff aufgespart, nun aber krachten die Kugeln der ACHILLE in die Eichenbohlen und das Gehölz des Briten. Deswegen gab Howe das Feuer für das oberste und unterste Deck frei. Die Artilleristen auf den beiden dazwischen liegenden Artilleriedecks aber vernahmen die Salven über und unter ihnen und gaben ebenfalls Feuer, gerade rechtzeitig, um die nach dwars achtern zurückfallende ACHILLE mächtig mit ihren Treffern durchzuschütteln.

Das Missverständnis erwies sich als vorteilhaft, denn die gesamte Breitseite wurde in Rekordzeit neu geladen und war feuerbereit, als die QUEEN CHARLOTTE (120) ungefähr die Höhe des Hecks der MONTAGNE (120) erreicht hatte und nun in die Lücke zwischen dem französischen Flaggschiff und der heranbrausenden JACOBIN (80) stieß.

Die BRUNSWICK, die so viele für Admiral Howe gedachte Kugeln gefangen hatte und auf deren Decks bereits Tote und Verwundete lagen, bevor sie auch nur eine Kanone abgefeuert hatte, versuchte das selbe Manöver im Zwischenraum  zwischen der JACOBIN (80) und der ACHILLE (74), doch letzteres Schiff schloss die Lücke beim ersten Anzeichen des Durchbruchsversuchs.
Kapitän Harvey erkannte die Aussichtslosigkeit dieses Manövers und zielte auf den Durchbruch hinter ACHILLE (74) und der aufkommenden VENGEUR (74 - Renaudin). Kapitän Renaudin aber ließ sich den Schneid nicht abkaufen und stellte sich der angreifenden BRUNSWICK in den Weg. Die beiden Schlachtschiffe krachten Breitseite an Breitseite gegeneinander und wurden von der englischen Crew mit den Backbord-Ankern und schweren Wurfankern verhakt. Während nun ein verbissenes, blutiges Duell  einsetzte, drehten beide Schlachtschiffe in den Wind und fielen aus der Linie.

Napoleonic Naval Armaments 1792-1815 Napoleonic Naval Armaments 1792-1815
(New Vanguard)
von Chris Henry, Brian Delf (Illustrationen)
Sprache: Englisch
Taschenbuch - 48 Seiten - Osprey -

Erscheinungsdatum: Mai 2004

Die Überlegenheit der Royal Navy basierte auf vielen Faktoren. Eine Basis für den Erfolg der Briten bestand zweifellos in ihrer überlegenen Artillerie. Dieses Buch vergleicht die englische Bewaffung mit der Ausstattung ihrer französischen, spanischen, dänischen, russischen und holländischen Opponenten.

Das englische Spitzenschiff CAESAR (80 - Anthony Jason Pye Molloy) suchte den Kampf mit dem französischen Spitzenschiff TRAJAN (74 - Dumourier). Kapitän Molloy bevorzugte jedoch die Luvposition für den Angriff, weil er befürchtete, im Falle eines Durchbruchs hinter dem Heck des Gegners mit seinem schnellen Schiff zu weit nach Lee getrieben zu werden.
So kam es zunächst zu einem Gefecht auf größere Distanz, in dessen Verlauf dem englischen Schiff der nicht seltene Unfall widerfuhr, dass eine ihrer 24-Pfünder-Kanonen explodierte, was zwei Männer tötete sowie drei schwer verletzte.
Auch lagen ihre anderen Geschütze nicht gut, denn die TRAJAN bekam nur wenige Treffer. Wegen ihres größeren Abstandes zur feindlichen Linie konnte die CAESAR auch von der Artillerie anderer Gegner gefasst werden (Was beim Duell auf Pistolenschussweite wegen der Winkel nicht möglich ist)  Dabei bekam sie einen Treffer, der ihr Ruder blockierte. In dem Bemühen den Schaden zu reparieren, fiel sie zunächst zurück und wurde zum Ziel für jedes passierende Feindschiff, wenn auch auf größere Distanz.
 
Ihr Gegner TRAJAN hatte nun die Muße, sich mit der englischen Nummer 2 , der BELLEROPHON zu beschäftigen.
Konteradmiral Pasleys BELLEROPHON (74) arbeitete sich unter dem Feuer der TRAJAN, der EOLE (74 - Keranguin) und der AMERICA (74 - Louis L'Héritier)  bis auf kürzeste Distanz an die französische Nr. 2 , die  EOLE (74 - Keranguin),  heran und begann ein intensives Artillerieduell, in das die TRAJAN wegen der geringen Kampfdistanz (s.o.) nur sporadisch eingreifen konnte.

Die AMERICA bekam es mit der LEVIATHAN (74 - Lord Hugh Seymour) zu tun. Beide Schiffe begannen ein heftiges Duell auf kurze Distanz, wobei eine Kanone der AMERICA sozusagen mit dem ersten Schuss explodierte und ihre gesamte Bedienung in den Tod riss, ein schlimmes Omen.
 
Die RUSSELL (74 - John Willet Payne) attackierte den für sie bestimmten Kontrahenten, die TEMERAIRE (74 - Morel). Nach nur wenigen Minuten knickte der Vortoppmast von Paynes Schiff nach vorne weg und hing nach unten in den Vormast durch, was die Segelmanöver der RUSSELL stark behinderte. Offensichtlich um Nutzen daraus zu ziehen, ließ Kapitän Morel sein Schiff weiter nach Lee abfallen, um die Briten abzuschütteln, doch die RUSSELL konnte ihrem Gegner zunächst folgen.

Die beiden Befehlshaber der englischen und französischen Vorhut, Vizeadmiral Graves auf der  ROYAL SOVEREIGN (100 - Henry Nichols) und Konteradmiral Bouvet auf der TERRIBLE (110 - Pierre-Jacques Longer) prallten im Duell der Dreidecker aufeinander, freilich auf recht große Distanz. Trotzdem wurde nach nur wenigen Minuten Gefecht Graves schwer verletzt. Trotz dieses schlechten Auftaktes gelang es Nichols, der das Kommando übernahm, sein Schiff näher an den Gegner zu bringen.

Die MARLBOROUGH (74 - George Cranfield Berkeley) war eines der wenigen englischen Linienschiffe, das gegen die IMPETUEUX (74 - Douville) die Befehle Admiral Howes Wort für Wort befolgte bzw. zur Ausführung in der Lage war. Sie ging hinter dem Heck von Douvilles Schiff vorbei, schob sich auf kürzeste Distanz an die Leeseite des Gegners und eröffnete die Kanonade.
Nur wenige Minuten später schob sich auf ihrer Leeseite wiederum die MUCIUS (74 - Larregny) heran, die offensichtlich die DEFENCE (74 - James Gambier), die sie angegriffen hatte, ausgesegelt hatte. So mußte denn die MARLBOROUGH die Kanonen auf beiden Seiten zu bedienen.

Tudor Warships (2): Elizabeth I's Navy Tudor Warships : Elizabeth I's Navy
(New Vanguard)
von Angus Kostam
Sprache: Englisch
Taschenbuch - 48 Seiten - Osprey -

Erscheinungsdatum: November 2008

Format 24,2 x 17,6 x 0,4 cm

In his second volume on the Tudor Navy, naval expert Angus Konstam covers the extraordinary transformation of the Tudor fleet during the reign of Queen Elizabeth I. This period witnessed the birth of a whole new breed of warships designed to dominate the seas and expand the corners of the Empire. Detailing warfare during the age of Sea Dogs, such as Sir Francis Drake and Walter Raleigh, and the landmark event of the Spanish Armada, he explains the technological innovations that allowed this small but efficient navy to defeat the larger Spanish fleet.

Die  DEFENCE (74 - James Gambier) hatte das befohlene Manöver ebenfalls mustergültig ausgeführt und war zwischen MUCIUS und TOURVILLE  (74 - Langlois) durchgebrochen, doch die MUCIUS fügte Gambiers Schiff schwere Treffer zu.
Dann segelte Larregny der DEFENCE davon, um in das Gefecht gegen die MARLBOROUGH einzugreifen. Dafür kamen von hinten gleich mehrere feindliche Linienschiffe, die keine Gegner gefunden hatten, auf den angeschlagenen Briten zu.
Der Grund: IMPREGNABLE (98 - Konteradmiral Caldwell,  Westcott) , TREMENDOUS (74 - James Pigott), BARFLEUR (98 - Konteradmiral  Bowyer, Collingwood) , CULLODEN (74 - Isaac Schomberg) und GIBRALTAR (80 - Thomas Mackenzie) waren weit davon entfernt, die französische Linie zu erreichen und hatten auf größere Distanz ihre Gegenspieler wenig beeindrucken können. Dies brachte die DEFENCE in einer schwierige Lage.
 
Immerhin aber erreichte die ebenfalls in der oben genannten Linie segelnde INVINCIBLE (74 - Thomas Pakenham) die JUSTE (80 - Blavet) und setzte Blavets Schiff mächtig zu. Ob aus diesem Grund oder schlicht, weil sie schneller war, die JUSTE ließ Pakenham bald hinter sich und griff in die Kämpfe ein, die vor ihr in der Linie tobten.

Hinter dem britischen Flaggschiff und ihrem "Leibwächter", der BRUNSWICK, hatte die VALIANT erfolgreich ihren Durchbruch vor dem Bug der PATRIOTE (74 - Lucadore) vollzogen und traf auf die ACHILLE, die noch an der schmetternden Breitseite durch das englische Flaggschiff laborierte.
Die Kanoniere der VALIANT erwiesen sich als erstaunlich fixe und zielsichere Schützen, denn mit lediglich drei oder vier Breitseiten schossen sie der ACHILLE Besan- und Hauptmast herunter. Die riesigen Stengen fielen der Länge nach auf das französische Linienschiff und ließen es in den Wind schießen. Während die ACHILLE abtrieb, arbeitete sich die VALIANT weiter nach vorn.

Die ORION (74 -  John Thomas Duckworth) und die QUEEN (98 - Konteradmiral Gardner)  stürzten sich auf die PATRIOTE (74 - Lucadore) und NORTHUMBERLAND (74 - Etienne).
Die QUEEN, noch vom zweiten Tag der Schlacht gezeichnet, bekam jedoch schon bei der Annäherung böse Treffer ins Gehölz und in die Takelage und konnte nicht mithalten. Sie geriet an die JEMMAPPES (74 - Desmartis), nicht aber ohne der NORTHUMBERLAND (74) noch  einige Zentner Eisen ins Schiff zu legen und mindesten einen Mast zu Fall zu bringen.
Die 98 Kanonen und die am 29. Mai gewonnene Praxis ihrer Kanoniere bewährten sich: Die QUEEN schoss auch Desmartis Schiff sehr schnell lahm, doch der bereits angeschlagene englische Dreidecker wurde im Feuer der JEMMAPPES nun selbst manövrierunfähig.
Die ORION , kurzfristig mit der PATRIOTE beschäftigt, kam auf gleiche Höhe mit Kapitän Etiennes Schiff und beendete das, was die QUEEN begonnen hatte: Sie entmastete  die NORTHUMBERLAND mit nur wenigen Breitseiten völlig. Das französische Linienschiff fiel aus der Linie und trieb hilflos nach Lee.

Die RAMILLIES (74 - Henry Harvey) kam zunächst nicht nahe genug an die französische Linie, um mit ihrer Breitseite wirkungsvoll zu sein. Sie sollte aber später in einen der dramatischsten Zweikämpfe des Tages eingreifen.

ALFRED (74 - John Bazely),  MAJESTIC (74 - Charles Cotton)  und THUNDERER (74 - Albemarle Bertie) ging es ähnlich wie der RAMILLIES.
Die MONTAGU (74 - Montagu) geriet immerhin in ein kurzes, aber heftiges Gefecht mit der NEPTUNE (74 - Tiphaine), aber Schäden in der Takelage des einen oder des anderen Kontrahenten rissen die Kämpfer wieder auseinander. Die wenigen Breitseiten der NEPTUNE hatten jedoch gereicht, Kapitän James Montagu, Bruder des oben erwähnten Konteradmirals, in Stücke zu reißen. Sein Schiff, nun unter dem Kommando von Leutnant Donelly, konnte danach nur noch wenig in die Schlacht einbringen.

Dafür kamen die ROYAL GEORGE (100 - Vizeadmiral  Hood, Domett) und die  GLORY (98 - John Elphinstone) - ausgerechnet die beiden langsamsten Schiffe der ganzen britischen Linie - zum Durchbruch und in schweres Gefecht.
Die ROYAL GEORGE erkämpfte sich die Lücke zwischen Konteradmiral Niellys  REPUBLICAIN (110 - Lebeau ) und der SANS PAREIL (80 -  Courand),  wurde in ein hitziges Duell mit den beiden Dreideckern verwickelt und setzte insbesondere dem Flaggschiff Niellys schwer zu...
Die  GLORY (98 - John Elphinstone), inzwischen das Schlusslicht der englischen Linie, hängte sich hinter die SCIPION (80 - Huguet) und stellte sie befehlgemäß auf ihrer Leeseite. Für das französische Schlusslicht brachen nun schwere Zeiten an.

Linienschiff-Schlachten 
1794 - 1806 :
Glorious First of June, Brest, Golf von 
Genua, Ile de Groix, Hyeres, Kap St. 
Vincent, Camperdown, Abukir, 
Kopenhagen, Algeciras, Kap Finisterre, 
Trafalgar, Kap Ortegal, St. Domingo
SEESCHLACHT.TK - Unser Buch

Linienschiff-Schlachten 1794 - 1806 :
Glorious First of June, Brest, Golf von Genua, Ile de Groix, Hyeres, Kap St. Vincent, Camperdown, Abukir, Kopenhagen, Algeciras, Kap Finisterre, Trafalgar, Kap Ortegal, St. Domingo

von Seeschlacht.tk (Tomas Coladores, Kiantxa Janti, Karsten Perschang, Thomas Siebe)

Sprache: Deutsch
Ausgabe: Paperback
Format: 148 mm x 210 mm, 316 Seiten
Druck und Vertrieb: LULU
Erscheinungsdatum: Januar 2011

Inhalt: Vorgeschichte, Ablauf, Ergebnisse und Folgen der Linienschiff-Schlachten der Koalitionskriege 1792-1815 sind das Thema dieses Buches. Neben den sechs Klassikern Trafalgar, Abukir, Ushant, Kap St. Vincent, Camperdown und Kopenhagen erzählt das Buch auch die Geschichte weniger bekannter Schlachten wie z.B. der Treffen vor Kap Ortegal, St. Domingo und Kap Finisterre.
Zu den meisten thematisierten Schlachten gab es Seiten auf Seeschlacht.tk. Dieses Material stellte die Basis für diese Publikation dar.

Die Entscheidung

Die QUEEN CHARLOTTE unter Admiral Howe hatte sich inzwischen hinter das Heck der MONTAGNE gesetzt und passierte dies in Pistolenschussdistanz, wobei ihre Backbordbreitseite dem Gegner das "major punishment" gab, eine Breitseite in den verwundbarsten Teil des Schiffes. Die Kugeln insbesondere der größeren Kaliber zogen dabei der Länge nach ihre Bahn durch das getroffene Schiff  und entfalteten die höchstmögliche Wirkung gegen Material und Menschen, wobei letztere besonders durch Holzsplitter betroffen waren.
Das Heck des französischen Dreideckers wurde völlig zerschmettert, der Eisenhagel wütete insbesondere unter den Offizieren auf der Kampanje.
 Konteradmiral Villaret-Joyeuse wurde nur knapp verfehlt, sein Flaggkapitän Bazire neben ihm und zwei Leutnants wurden getötet, weitere Offiziere verwundet. Der Kommissar des Nationalkonvents, Jean-Bon Saint-Andre, überstand dieses Massaker mit einer angeblich unbedeutenden Wunde an der Hand, begab sich unter Deck und erschien bis zum späten Nachmittag nicht mehr.

Die QUEEN CHARLOTTE hatte eine für einen Zweikampf sicherlich ideale Position erreicht.
Aber direkt vor dem Bug des britischen Flaggschiffs hatte sich inzwischen die aufgerückte JACOBIN geworfen, die zwar ihr Flaggschiff vor der fürchterlichen Breitseite nicht hatte retten können, aber den Durchbruch des feindlichen Dreideckers hatte unterbinden wollen. Nun sah Kapitän Gassin den Bug des englischen Flaggschiffes auf seine Backbordseite zukommen, als wollte Howe die Jacobin rammen und es sah sogar so aus, als habe der englische Master (Segelmeister) Bowen, dem die Ausführung des Durchbruchsmanöver unterstand, exakt den Augenblick abgepasst, dem französischen 80-Kanonen-Schiff das Ruder weg zu rammen.
Um dieser Gefahr zu entgehen, ließ Kapitän Gassin die JACOBIN stärker vom Wind weg drehen und entfernte sich wieder von der MONTAGNE. Dies hatte Master Bowen antizipiert und bereits Ruder gelegt, um die QUEEN CHARLOTTE stärker in den Wind zu bringen, leewärts neben die  MONTAGNE und hinter dem Heck der abdrehenden JACOBIN.

Das Manöver der QUEEN CHARLOTTE

Das Ergebnis dieses Manövertraums eines jeden Kommandanten war eine doppelte, erneut verheerende Breitseite, sowohl in die Steuerbordseite des französischen Flaggschiffes als auch in das Backbordheck und Achterdeck  der JACOBIN.  Innerhalb von einer Viertelstunde kostete dieses Manöver mehr als hundert französische Leben, während an die 200 Männer verwundet wurden.

Während die QUEEN CHARLOTTE der zeitweise bekalmten JACOBIN, auf der man nun mehr Tuch aufzog, eine weitere Breitseite in das Achterdeck jagte, gelang es den Kanonieren der MONTAGNE immerhin, dem feindlichen Flaggschiff einen Toppmast wegzuschießen.
Dann setzte sich Villaret-Joyeuses Flaggschiff von Earl Howes Schiff ab, mühsam gefolgt von der JACOBIN.

Die QUEEN CHARLOTTE folgte der JACOBIN ebenso mühsam und fand sich unversehens zwischen der JACOBIN (80) und der JUSTE (80 - Blavet), dem Vordermann der MONTAGNE in der französischen Linie. Letztere segelte knapp voraus.
Das englische Flaggschiff war somit ganz allein unter Feinden, denn weder BRUNSWICK noch GIBRALTAR, ihre Hintermänner in der Linie, hatten den Durchbruch geschafft. Wie der Historiker William James richtig bemerkt, verpassten die Franzosen hier die Chance, das Flaggschiff der Briten zu erobern oder niederzukämpfen. In Anbetracht der 1794 offensichtlich noch mangelnden Kohäsion und Koordination englischer Kommandanten - Nelsons Zeit sollte erst noch kommen - hätte dies zu einem französischen Sieg führen können.

Die Chance ging vorbei, JACOBIN und MONTAGNE setzten sich von der QUEEN CHARLOTTE ab, die in einem wütenden Duell mit der JUSTE verbissen war.  Die INVINCIBLE (74 - Thomas Pakenham), zuvor noch von der JUSTE abgehängt, fand ihren Kontrahenten jetzt jedoch wieder, setzte sich hinter dessen Heck und bestrich Kapitän Blavets Schiff der Länge nach.

Zu diesem Zeitpunkt signalisierte Admiral Howe nach einem Rundblick auf das treibende Kleinholz des Zusammenpralls beider Flotten, man möge nun die Prisen sichern. Wenn auch der Durchbruch gescheitert war, so schienen immerhin die englischen Kanoniere besser gezielt zu haben. Der englische Oberkommandierende war in diesem Moment davon überzeugt, einen großen Sieg in dieser Schlacht zu erringen. Sein Signal wurde jedoch wenig beachtet, weswegen den Briten am Ende mindestens drei, wenn nicht fünf feindliche Linienschiffe entwischten.

Eines der blutigsten und dramatischsten Duelle dieser Schlacht lieferten sich die BRUNSWICK und die VENGEUR, die aneinander gehakt aus der Linie gefallen waren.
Auf der BRUNSWICK  forderten das französische Musketenfeuer und die 36-Pfünder-Karronaden auf der  Poop der VENGEUR einen großen Blutzoll unter den Engländern. Die französische Munition bestand aus Eisennägeln und anderen Metallteilen. Auch Kapitän Henry Harvey wurde schwer verwundet, doch als sein Master ihn fragte, ob man loswerfen solle, um klar vom Feind zu kommen, antwortete er sinngemäß: "Nein, wir haben sie und wir halten sie fest." (No. We have got her, and, we will keep her)
Weil die acht vorderen Geschützpforten der unteren Batterie durch den Rumpf der VENGEUR blockiert wurden, wurden sie durch die englische Crew einfach mittels Sprengsätzen weggefegt. Dann feuerte man zunächst mit nicht ausgerannter Kanone, um schließlich das Rohr durch das in die französische Bordwand geschossene Loch zu schieben und weiter zu feuern.
Auf der anderen Seite kämpften sich französische Musketenschützen bis auf den Bugspriet der BRUNSWICK vor, so das die Briten für kurze Zeit mit Doubleshots aus den Karronaden ihren eigenen Bug beschießen mußten. Dies taten sie dann so gründlich, dass die todesmutigen Angreifer in die See gefegt wurden, aber der Bugspriet gleich mehrfach durchschossen wurde, sei es vom Gegner, sei es von eigenen Kugeln.

Gegen 11:00 warnten Beobachter auf der BRUNSWICK, dass sich ein feindliches Schiff näherte und offensichtlich Anstalten machte, zu entern, denn das Deck sei voller Männer. Tatsächlich handelte es sich um die von der VALIANT fast entmastete ACHILLE, auf der die Besatzung verzweifelt versuchte, das Schiff wieder seetüchtig zu bekommen.
Auf der BRUNSWICK aber wurden nun die vorderen Kanonen der freien Breitseite bemannt und ein intensives Abwehrfeuer setzte ein. Dabei wurden wahrscheinlich die Reste des französischen Vormastes weggeschossen. Später sollten einige Männer der BRUNSWICK berichten, sie hätten mit ihren wenigen Salven die ACHILLE entmastet, angesichts der schlechten Sichtverhältnisse an Bord eines kämpfenden Linienschiffes eine nachvollziehbare optische Täuschung.
Jedenfalls hatten die beiden anderen gestürzten Masten die Breitseiten des Kriegschiffes derartig zerschmettert und blockiert, das es wehrlos war. Auf Pistolenschussweite an die BRUNSWICK heran getrieben und dann mit Doubleshots und Kartätschen malträtiert, kapitulierte das französische Schlachtschiff.

Das Duell zwischen VENGEUR und BRUNSWICK
Das Duell zwischen VENGEUR und BRUNSWICK, verdeckt die ACHILLE

Im Duell auf der anderen Seite der BRUNSWICK kontrollierte die VENGEUR dagegen mit ihrem Musketen- und Karronadenfeuer praktisch das Oberdeck des Engländers, während die Briten auf den unteren Decks viele französische Kanonen demontiert hatten.
Die englischen Kanoniere schossen  nun mit wechselnden Erhöhungen, begünstigt durch das Rollen des feindlichen Schiffes. Letzteres nützten die Geschützführer, um entweder die Decks des Gegners mit ihren Kugeln aufschlitzten, wobei auch viele Kugeln Löcher unter der Wasserlinie schlugen, oder mit nach unten gerichteten Rohren den Schiffsboden der VENGEUR zu perforieren, was zu zunehmenden Wassereinbruch in die VENGEUR sorgte.  

Auf dem Höhepunkt dieses Duells "Oben gegen Unten" stieß dann die noch frische RAMILLIES unter Henry Harvey, dem Bruder des Kommandanten der BRUNSWICK, zu den wütenden Kämpfern.
Ausgerechnet zu diesem Zeitpunkt wurde John Harvey von einem Splittertreffer zu Boden geschleudert und zum zweiten Mal verwundet. Er hatte sich kaum ein wenig erholt und seine nächsten Befehle gegeben, als ihm ein weiterer Treffer fast den rechten Arm abriss. Durch den Blutverlust geschwächt mußte er sein Kommando an seinen Ersten Leutnant Edward Cracraft übergeben.
 
Mit der aufkommenden RAMILLIES (74 - Henry Harvey) änderte sich  nun die Situation des inzwischen 3 Stunden währenden Zweikampfes grundlegend: Leutnant Cracraft ließ die BRUNSWICK loswerfen, um der RAMILLIES die Gelegenheit zu geben, ungehindert und mit frischen Kräften die VENGEUR zu beschießen.
Kaum war die BRUNSWICK  frei von der VENGEUR, nahmen die beiden britischen Schlachtschiffe das Heck des Feindes planmäßig unter Feuer, schossen dessen Ruder weg und zerschmetterten den Rumpf unter der Wasserlinie derartig, dass man mit dem bloßem Auge das in das Schiff einströmende Wasser sehen konnte.

Gegen 13:00 kapitulierte die geschlagene VENGEUR und die RAMILLIES machte sich auf den Weg, die bereits weit abgetriebene und entmastete ACHILLE in Besitz zu nehmen. Dies gelang ihr jedoch erst am Nachmittag gegen 16:00, da die ACHILLE ein Notsegel gesetzt hatte.

Die BRUNSWICK, ohne intakte Boote, mit allen Masten angeschlagen und wenig später mit einem über Bord gehenden Besanmast, konnte der sichtlich sinkende VENGEUR nicht helfen. Da sie aufgrund ihrer nurmehr fadenscheinigen Takelage nicht zur eigenen Flotte stoßen konnte, nicht weit von ihr aber Villaret-Joyeuse mit seinen Schiffen eine neue Linie aufgebaut hatte, versuchte die BRUNSWICK aus eigener Kraft einen Hafen anzusteuern, während die Crew alles in ihrer Macht tat, das Schiff seetüchtig zu machen. Die BRUNSWICK erreichte auch später Plymouth ohne Unfall.
Dies ist um so beeindruckender, als das Schiff 44 Tote und 114 Verwundete zu beklagen hatte. 23 Geschütze waren ausgefallen, alle Masten und die gesamte Takelage schwer beschädigt und Teile von Heckaufbauten einfach von den Kugeln der VENGEUR davongetragen worden.

Rund eine Stunde nach dem Ende des Gefechtes mit der VENGEUR  stieß die BRUNSWICK auf die von der weiter entfernt sichtbaren QUEEN völlig entmastete JEMMAPPES, die angesichts des herannahenden Schiffes einen Junion Jack über die Seite legte und Zeichen machte, dass sie bereits gegenüber der QUEEN kapituliert habe.
Deswegen ließ die BRUNSWICK das französische Schlachtschiff in Ruhe - ein Fehler, wie sich später herausstellen sollte, denn die JEMMAPPES wurde von den Franzosen abgeschleppt.

Die CAESAR hatte sich mit blockiertem Ruder zurückfallen lassen und wurde von vielen passierenden französischen Schlachtschiffen beschossen. Als sie wieder klar wurde und sich an das Schlacht heranarbeitete, war Letztere schon fast vorbei.
Molloys Schiff hatte nur wenig austeilen können, dafür aber auf seiner der französischen Linie zugewandten Steuerbordseite 64 Einschusslöcher. Durch feindlichen Beschuss starben 14 Männer, 52 wurden verwundet, 7 Kanonen wurden außer Gefecht gesetzt und das Besangehölz inklusive des Mastes selber war in kritischem Zustand. Wegen seines unglücklichen, weil mangelnden Engagements in der Schlacht verantwortete sich Molloy später vor einem Kriegsgericht.

Nach rund zwei Stunden Duell zwischen der BELLEROPHON und den beiden Franzosen EOLE und TRAJAN wurde Konteradmiral Pasley ein Bein weggeschossen und er mußte unter Deck gebracht werden.
Kapitän William Hope setzte den Kampf eine  weitere Stunde fort und gegen Mittag wendete die EOLE, gefolgt von der TRAJAN und brach das Gefecht ab, während die beiden französischen Schlachtschiffe auf Gegenkurs gingen.
Offensichtlich schossen die Kanonen ihrer Steuerbordseite jedoch besser als die bereits heiß geschossenen Geschütze an Backbord, denn im Passieren rissen Keranguins und L'Héritiers Kanoniere der BELLEROPHON zwei ihrer Toppmasten weg.
Hopes Versuch, den Gegnern zu folgen, scheiterte am angeknickten Hauptmast und der arg zerschossenen Takelage. Sein Schiff konnte nicht mehr an den Wind gehen und er hatte auch keine intakten Boote mehr, um es herum zu werfen.  Deswegen  signalisierte Hope der Fregatte LATONA (38 - Edward Thornbrough) , seinem Repeater, sie möge zum Abschleppen kommen.
Kapitän Thornbrough, der aus der Luvstellung schnell zur Stelle war, ließ sich dabei die Gelegenheit nicht entgehen, der EOLE und TRAJAN einige Breitseiten hinterher zu senden.  Mit 4 Toten und 27 Verwundeten war die BELLEROPHON am Ende  recht glimpflich aus dem dreistündigen Gefecht hervorgegangen.

Die LEVIATHAN hatte der AMERICA mittlerweile den Vormast weggeschossen und die anderen Masten angeknickt, beide Schiffe lagen beigedreht im Artillerieduell und die AMERICA war offensichtlich verloren, da schienen die TRAJAN und die EOLE ihrer bereits geschlagenen Kameradin zur Hilfe zu eilen.

 DAS SCHIFF von Stephen Biesty, Richard Platt
Englische Version des in Deutschland weitgehend
vergriffenen Werkes von Stephen Biesty, Richard Platt

Die LEVIATHAN mußte eine schmerzhafte Breitseite der beiden feindlichen Schlachtschiffe nehmen, doch infolge der unglücklichen Position der AMERICA kassierte das französische Linienschiff friendly fire von ihren Kolleginnen und zwar wortwörtlich, denn eine glühend gemachte Kugel bohrte sich tief in das Holz ihres Rumpfes.
In Anbetracht des Nahens weiterer englischer Schiffe mußten die Verursacher des Brandes, EOLE und TRAJAN, obendrein die AMERICA zurücklassen und als wäre dies noch nicht genug der Rückschläge für deren tapfer ausharrende Besatzung, so legten die nächsten Salven von der LEVIATHAN auch die beiden noch stehenden Masten um.
Zwei Drittel der Besatzung von L'Héritiers Schiff waren tot oder verwundet, doch die Flagge wehte weiter an einem Maststumpf. Der Sieger des Duells dagegen hatte "nur"  Ausfälle von 10 Toten und 33 Verwundeten. Der LEVIATHAN blieb aber keine Zeit, eine Übergabe abzuwarten, denn Admiral Howe rief per Signal um Unterstützung.

Die wehende Trikolore indessen bekam der AMERICA schlecht, denn die RUSSELL - abgehängt von der TEMERAIRE und nach kurzem Duell mit der TRAJAN und EOLE - stieß auf das entmastete Schiff und jagte dem wehrlosen Wrack mit der französischen Fahne zwei Breitseiten ins Heck. Die Trikolore wurde eingeholt, eine Prisenbesatzung zur  AMERICA übergesetzt und schon war die RUSSELL wieder unterwegs, um wie die LEVIATHAN den Befehlen des Admirals zu folgen und eine neue Linie zu bilden. Das Leiden der Besatzung der AMERICA aber war noch nicht beendet, wie man gleich sehen wird.

Die TERRIBLE (110) hatte nach  einem einstündigem  Kampf der Dreidecker gegen die ROYAL SOVEREIGN zunächst ihren Vormast und dann ihren Besanmast verloren. Dadurch wurde sie nahezu manövrierunfähig und drehte bei dem Versuch, das Schiff zur Flucht herumzuwerfen, dem Gegner bisweilen das Heck zu. Nichols Kanoniere nützten diese Gelegenheit jedesmal aus, wenn sie sich bot und bestrichen den Gegner der Länge nach.

Doch Villaret-Joyeuses  MONTAGNE (120) und die JACOBIN  (80 - Gassin) kamen Konteradmiral Bouvet zur Hilfe und führten ein halbstündiges Gefecht gegen den englischen Dreidecker mit der Flagge von Konteradmiral Graves.

 Die VALIANT (74 - Pringle) versuchte die ROYAL SOVEREIGN zu unterstützen, war jedoch zu weit entfernt. Nichols benötigte jedoch gar keine Hilfe, gab sich auch keine Blöße und überzeugte die MONTAGNE  offensichtlich davon, dass sie den Zweikampf nicht würde gewinnen können. Das französische Flaggschiff hielt ab und Nichols Versuch der Verfolgung scheiterte an der mangelnde Geschwindigkeit, der englische Dreidecker mußte beidrehen.

Als Admiral Howe dann ein Signal mit dem Befehl zur Sicherung der gemachten Prisen setzen ließ, entdeckte die ROYAL SOVEREIGN die treibende AMERICA, ohne zu wissen oder sich zu vergewissern, dass die Hulk bereits von einer Prisenbesatzung besetzt war. Nachdem er eine Breitseite in die treibende Hulk hatte jagen lassen, forderte Kapitän Nichols die AMERICA zur Kapitulation auf. Unbeirrt von der Antwort des Prisenoffiziers von der RUSSELL schickte er dann seinerseits eine Prisenbesatzung auf das geschlagene französische Schiff und  ließ die Mannschaft von der RUSSELL zurück zu ihrem mittlerweile weit entfernten Schiff rudern - Nichols handelte damit nach bester Tradition englischer Freibeuter, wie Payne später gesagt haben soll.
Am Ende des Tages zählte man auf der ROYAL SOVEREIGN 14 Tote und 43 Verwundete, eine Zahl an Opfern, die in keinem Verhältnis zu den zahlreichen Einschußlöchern im Rumpf stand.

Die MARLBOROUGH (74 - Berkeley) hatte im Gefecht gegen die IMPETUEUX (74 - Douville) auf der einen Seite und der MUCIUS (74 - Larregny) auf der anderen Seite zunächst ihren Besanmast verloren. Sie revanchierte sich, indem sie der MUCIUS einen Untermast nach dem anderen knickte und - während ihr eigener Vormast und dann sogar ihr Hauptmast über Bord gingen - die IMPETUEUX wie zur Vergeltung ebenfalls völlig entmastete.
 
Als auch noch die MONTAGNE, die gerade Lord Howes Schiff abgeschüttelt hatte, zu diesem Gefecht stieß, schien das Schicksal des schwer bedrängten Briten besiegelt. Im Feuer von drei französischen Linienschiffen wurde Kapitän Berkely schwer verwundet und mußte sein Kommando an Leutnant Monkton übergeben. Dieser durfte aber beobachten, wie die MONTAGNE sich wieder entfernte.

Den vereinten Kräften von MUCIUS und IMPETUEUX gelang es jedoch nicht, die MARLBOROUGH zu überwinden. Im Gegenteil ergriff am Ende die MUCIUS, die behelfsmäßig Leinwand an den Stummeln ihrer Masten setzen konnte, die Flucht.
In Anbetracht des Verlaufs der Schlacht mußte sie die vollkommen manövrierunfähige IMPETUEUX zurücklassen, um nicht selbst in die Hände der Briten zu fallen. Leutnant Monkton auf englischer Seite mußte aber die Fregatte AQUILON zur Hilfe rufen, um die zerschossenen MARLBOROUGH abschleppen zu lassen.

 Historischer Schiffsmodellbau

Historischer Schiffsmodellbau
von Philip Reed
Sprache: Deutsch
Broschiert - VTH
Der Modellbauer Phillip Reed dokumentiert in diesem Buch anhand von 384 SW-Fotos den Nachbau der MAJESTIC (74). Dabei stützt er sich auf alte Pläne und verrät viele Tricks, z.B. wie er Kanonenkugeln anfertigt. Das Buch ist wohl besonders reizvoll für erfahrene Modellbauer, die die MAJESTIC ebenfalls nachbauen wollen und vielleicht den ein oder anderen Kniff noch nicht kennen.

Ungefähr zu diesem Zeitpunkt passierte die Fregatte PHAETON (38 - William Bentinck), die sich auf dem Weg zur QUEEN CHARLOTTE befand, um Befehle zu empfangen, die entmastete IMPETUEUX.
Wegen des hilflosen Zustandes  des Gegners verzichtete Bentinck darauf, das feindliche Schlachtschiff zu beschießen. In der Regel war es nach dem Ehrenkodex dieser Zeit aus Sicht der IMPETUEUX verpönt, dass ein Schlachtschiff unprovoziert auf ein kleineres Schiff schoss. Wahrscheinlich aber  hielt die Besatzung der französischen Hulk die PHAETON für einen weiteren Gegner und nahm sie deswegen unter Feuer. Daraufhin lieferte sich die Fregatte mit der feindlichen Hulk ein kurzes Gefecht, dass die Briten 3 Tote und 5 Verwundete und die Franzosen eine unbekannte Zahl von Opfern kostete.

Nachdem die PHAETON ihren Weg fortgesetzt hatte, wurde die IMPETUEUX   von einem englischen Boot angerufen, ob das Schiff kapitulieren wolle. Als Kapitän Douville bejahte - ihm blieb kaum noch etwas anderes übrig -  ging die Prisenbesatzung an Bord. Es waren die Männer von der RUSSELL, die Nichols von der AMERICA verjagt hatte, die nun Besitz von der IMPETUEUX ergriffen ! An Bord der eroberten IMPETUEUX  fand man rund 175 Tote und Verwundete. Ihr Gegner, die MARLBOROUGH, hatte 29 Tote und 90 Verwundete zu beklagen.

Am Ende der Linie kam es zu äußerst blutigen Gefechten zwischen der ROYAL GEORGE und GLORY auf englischer Seite und SANS PAREIL, REPUBLICAIN und SCIPION auf der französischen Seite.
Die ROYAL GEORGE war im Kampf mit Konteradmiral Niellys  REPUBLICAIN (110 - Lebeau ) und der SANS PAREIL (80 -  Courand) sehr erfolgreich , wobei sie besonders Kapitän Courands Schiff heimsuchte:  Ihre Kanonen legten dort  einen Mast nach dem anderen nieder.
Auch die Masten der REPUBLICAIN litten unter den Scharfschützen des englischen Dreideckers.  Hoods Schiff verlor freilich ebenfalls reichlich Segelholz, nämlich den gesamten Vormast und die beiden verbliebenen Toppmasten.

Die GLORY (98 - John Elphinstone) lieferte sich ein schweres Gefecht mit der ihr nicht ebenbürtigen SCIPION (80 - Huguet), deren Kanonen schließlich völlig verstummten. Auf Huguets Schiff stand zu diesem Zeitpunkt kein Mast mehr, 64 Tote und 151 Verwundete an Bord legten Zeugnis ab über die furchtbare Feuerkraft, die die GLORY entfaltet hatte. Der französische Dreidecker blieb manövrierunfähig zurück. Immerhin hatten die Kanoniere der SCIPION der GLORY zumindest den Vormast zersplittert.

Elphinstones Schlachtschiff stieß  in das Gefecht vor ihr und geriet in das konzentrierte Feuer der SANS PAREIL und der REPUBLICAIN. Während die GLORY einerseits der SANS PAREIL sozusagen den Rest gab und  im Verband mit der ROYAL GEORGE die REPUBLICAIN in die Flucht schlug, wurde die GLORY nun selbst zur Hulk geschossen und mußte sich - verkrüppelt treibend - noch einige Breitseiten der mit schlotternden Masten davon segelnden REPUBLICAIN gefallen lassen.
Obwohl die hinter der GLORY und der ROYAL GEORGE dümpelnden SCIPION und SANS PAREIL kapitulationsreif geschossen worden waren, erwiesen sich die englischen Schiffe selbst als derartig angeschlagen, das sie aus dem hilflosen Zustand ihrer Gegner zumindest vorerst keinen Profit schlagen konnten.

Die INVINCIBLE (74 - Thomas Pakenham) und die QUEEN CHARLOTTE hatten die JUSTE praktisch niedergekämpft, alle drei Masten des französischen Schlachtschiffes waren von den Kugeln der Briten auf unterschiedliche Längen gekürzt worden.
JUSTE und INVINCIBLE fielen im Anschluss an dieses Gefecht  hinter das englische Flaggschiff zurück, die JUSTE dabei unter Notsegeln, gedeckt von Pulverqualm und in dem Versuch begriffen, der endgültigen Niederlage und Übergabe zu entkommen. Sie gelangte hinter die QUEEN CHARLOTTE und wurde im Nebel des Pulverdampfs wegen ihres ähnlichen Anstrichs für die INVINCIBLE gehalten. Auf diese Weise gelang es den französischen Kanonieren, dem britischen Flaggschiff eine Breitseite in das Heck zu jagen, ohne dafür die Vergeltung zu kassieren.

Zum gleichen Zeitpunkt erreichte die REPUBLICAIN das Zentrum der Schlacht und hätte Howe in große Probleme bringen können.
 Doch die Franzosen wurden auf größere Distanz von der GIBRALTAR (80 - Thomas Mackenzie) beschossen, verloren genau zu diesem Zeitpunkt mindestens einen ihrer Masten und übersahen tatsächlich den riesigen englischen Dreidecker neben sich.
Niellys Männer registrierten nur die JUSTE, wechselten  zwei, drei beidseitig wirkungsvolle Breitseiten mit der INVINCIBLE und verpassten die Chance, dem britischen Flaggschiff ungestraft einige Eisenladungen in das Heck zu legen. Dafür verlor sie einen ihrer schon zu Beginn der Schlacht schwankenden Masten.

Die REPUBLICAIN setzte zwar verkrüppelt aber dessen ungeachtet noch mit allen Kanonen  ihren Weg zur Spitze der Linie fort und sichtete alsbald das Schiff von Kapitän Gambier.
Die  DEFENCE (74 - James Gambier) hatte gegen MUCIUS und später gegen die TOURVILLE  (74 - Langlois) zunächst Haupt - und Besanmast eingebüßt. Immer wieder passiert von weiteren französischen Schiffen, nun namentlich von der selbst angeschlagenen REPUBLICAIN (110 - Lebeau ), verlor die DEFENCE schließlich auch noch den Vormast.
Weil der französische Dreidecker ihr schmerzlich zusetzte und sie völlig entmastet war, ließ Gambier Hilfesignale geben. Die REPUBLICAIN, die später reklamierte, Gambier hätte kapituliert, hatte inzwischen durch das Feuer der DEFENCE auch den letzten ihrer schwankenden Masten eingebüßt.
Sie trieb nun mit einem Spritsegel leidlich beweglich ab,  während Admiral Howe der DEFENCE die PHAETON (38 - William Bentinck) zum Abschleppen schickte. An Bord den Engländers zählte man 17 Tote und 36 Verwundete.  

Konteradmiral Nielly ließ sein Schiff von zwei Fregatten in Schlepp nehmen und stieß zu seinem Oberbefehlshaber, der inzwischen seine Schiffe um sich  sammelte,  um einen erneuten Vorstoß zu machen.

Brian Lavery - The Ship of the Line. Vol. I: The development of the battlefleet 1650 - 1850.


Erfolgreicher französischer Rückzug

Ein Überblick über das Schlachtfeld hatte Villaret-Joyeuse verraten, dass es nicht gut stand.
Mindestens 10 seiner Schiffe lagen schwer behindert oder hilflos hinter ihm, aber auch die englischen Schiffe hatten sich über das ganze Schlachtfeld versprengt.
Der französische Oberkommandierende setzte sich nun mit der MONTAGNE an die Spitze einer von ihm neu gebildeten Linie mit rund einem Dutzend Schiffe, in deren Mitte die Havaristen TERRIBLE und REPUBLICAIN in Schlepp genommen wurden. Dann segelte die französische Phalanx auf gleicher Linie zurück. Die Mission dieses Kommandos bestand im Aufsammeln hilfloser Schiffe, welcher Nationalität auch immer.
 
Die QUEEN hatte  durch hektische Reparaturen leidlich Manövrierfähigkeit zurückgewonnen und versuchte nun, die eigene Flotte zu erreichen. Doch die neue französische Schlachtlinie kam nun direkt auf Konteradmiral Gardners Schiff zu.
Admiral Howe erkannte die gefährliche Situation für  die QUEEN und ließ sein Flaggschiff herumwerfen, während er mittels Signalen Hilfe herbei rief. Dann sammelte er hinter sich ebenfalls eine neue Formation, u.a. bestehend aus den frischen Schlachtschiffen  BARFLEUR (98) und  THUNDERER (74) sowie aus  ROYAL SOVEREIGN (100) , VALIANT (74) und LEVIATHAN (74) und weiteren Schiffen, die auf dem Weg dazu stießen  

Zwar konnte Howe nicht vermeiden, das die französische Linie die QUEEN im Passieren beschoss, bei welcher Gelegenheit  sogar die von drei Fregatten gezogene TERRIBLE ihre Breitseite  abfeuerte, doch zwangen die aufkommenden Briten die französischen Schiffe so weit nach Lee, dass die Distanz zur QUEEN schließlich doch recht groß ausfiel.
Weil das Flaggschiff Gardners auf den französischen Beschuss kaum antwortete , warfen zwei der französischen Fregatten  die Leinen von der TERRIBLE los und trachteten danach, die vermeintlich hilflose Beute in Besitz zu nehmen. Sie wurden aber peinlich von der Breitseite des englischen Dreideckers überrascht, entgingen glücklich dem Verderben  und kehrten zu ihren Schlepperdiensten zurück.

 The Naval Chronicle

The Naval Chronicle: The Contemporary Record of the Royal Navy at War, 1793-1798 (The Naval Chronicle , No 1)
von Nicholas Tracy
Sprache: Englisch
Gebundene Ausgabe Erscheinungsdatum: Januar 1999

Villaret-Joyeuses Männer  konnten zwar die QUEEN  nicht niederringen, immerhin aber konnten die Franzosen die eigentlich schon verlorene JEMMAPPES  vor dem englische Zugriff retten und ebenfalls in Schlepp nehmen. Auch sammelte Villaret-Joyeuses Kommando zwei weitere französische Hulks, die SCIPION und die MUCIUS, ein.
 
Es war 13:15, als das Feuer auf beiden Seiten schließlich verstummte.
Zähneknirschend, aber hilflos im Lee ihrer geschlagenen Kameraden mußten die Franzosen nun mit ansehen, wie die Engländer ihre französischen Prisen nun doch noch einsammelten oder sicherten.
Es waren dies die AMERICA (74 - Louis L'Héritier), IMPETUEUX (74 - Douville), ACHILLE (74 - La Villegris), NORTHUMBERLAND (74 - Etienne), JUSTE (80 - Blavet) und  SANS PAREIL (80 - Courand).

Im letzteren Fall fiel die Inbesitznahme der SANS PAREIL besonders leicht, denn an Bord befanden sich noch Kapitän Troubridge von der Fregatte CASTOR mit einem Teil seiner Besatzung. Als das Schiff von Kapitän Courand gegenüber der MAJESTIC kapitulierte, übergab Courand einfach dem gefangenen Briten das Kommando.

Ein französisches Schiff kämpfte jedoch noch gegen einen Feind um das nackte Überleben. Die VENGEUR hatte noch nicht gegen die See kapituliert. Doch wurde die Crew des Wassereinbruch kaum Herr und die militärische Ordnung an Bord begann sich zunehmend aufzulösen.
Während des gesamten Tages versuchten aber zumindest die Mehrzahl der Männer ihr Schiff noch zu retten. Am Ende  sollten ihre Mühen jedoch vergeblich gewesen sein. Die VENGEUR sackte immer weiter ab.  
Zwei englische Kutter,  Boote von der ALFRED und der CULLODEN retteten über 400 Männer von dem verlorenen französischen Schlachtschiff, doch blieben noch viele Verwundete und Männer, die sich in ihrer Verzweiflung betrunken hatten, an Bord, als das Schiff am frühen Abend sank.
Das Sinken war damals ein bei Schlachtschiffen dieser Zeit seltenes Ende, wurden diese hölzernen Riesen doch eher das Opfer von Feuer bzw. benötigten Wracks oft Tage, um unterzugehen. Möglicherweise unterschätzten einige französische Seeleute wegen dieser mangelnden Erfahrungen auch die Gefahr.  

Zum selben Zeitpunkt, als die VENGEUR vom Atlantik verschluckt wurde, verloren die Engländer die französische Flotte, noch immer aus 19 Schiffen bestehend, aus den Augen. Konteradmiral Villaret-Joyeuse hatte in Übereinstimmung mit dem Vertreter des Nationalkonvents, Saint-Andre,  das Schlachtfeld verlassen.
 

Verfolgung - Unterlassung oder Unmöglichkeit ?

Oft wurde Admiral Howe später als Unterlassung vorgeworfen, das er die französische Flotte nicht verfolgt habe. Und oft wurde auch geschrieben, Howe habe Villaret-Joyeuse nicht verfolgt, weil dies dem damaligen Ehrenkodex widersprach.
Wer das schreibt, vergisst, dass 12 oder 13 von Howes Schiffen an diesem Tag schwere Schäden davongetragen hatten und die Franzosen noch immer über 19 Linienschiffe verfügten. Mindesten zwei der beschädigten Schiffe hätten an der Verfolgung nicht teilnehmen können. 6 eroberte französische Schiffe waren zu sichern, über 2500 französische Gefangene mußten geborgen, versorgt und bewacht werden, über tausend eigene Verwundete und Tote mußten ebenfalls berücksichtigt werden. Schon aus diesen Gründen wäre eine Verfolgung sehr problematisch gewesen.

Ganz besonders abwegig ist dabei die Behauptung, Howe habe getreu einem Ehrenkodex gehandelt. Der alte Admiral hatte ja durch die Anwendung der modernen Durchbruchs-Taktik schon deutlich gezeigt, daß er nicht an vergangenen Zeiten hing.
Zudem kämpfte man nach Meinung vieler britischer Kommandanten nicht gegen Gentlemen oder Ehrenmänner. Die britische Regierung betrachtete schließlich Frankreich zu diesem Zeitpunkt als vom  "Pöbel" regiert. Die politischen Säuberungen in  der französischen Flotte waren den Engländern nicht entgangen und es gab sehr religiöse Kommandanten, die französische Kapitäne explizit nicht mehr als Ehrenmänner betrachteten, weil sie der  "gottlosen" Republik dienten.
 
Man ließe endlich auch außer acht, dass Howe sich am Ende dieses Tages wahrscheinlich nicht mehr als Sieger gefühlt hatte, denn sein sichtbarer Erfolg sah nicht so "glorios" aus : Man hatte zwar sechs Schiffe erobert und eines versenkt, aber mindestens vier oder fünf potentielle Prisen auch wieder an die Franzosen verloren.
Die BRUNSWICK war zu diesem Zeitpunkt verschollen, möglicherweise von den Franzosen genommen, mindesten zwei, wenn nicht vier eigene Schiffe waren zu kurzfristig nicht zu reparierenden Hulks geschossen worden.
Kaum einer von Howes Befehlen war an diesem Tag annähernd befolgt worden, weder der Durchbruch durch die Linie noch die Order zur Sicherung der Prisen.
Der Gegner hatte sich nach der Schlacht wieder in einer ordentlichen Schlachtlinie präsentiert, nachdem er mehrere verloren scheinende Schiffe wieder herausgehauen hatte.
Und - nicht zu unterschätzen - das gegnerische Flaggschiff hatte noch alle Masten, wenn auch, was Howe nur ahnen konnte, große Verluste. Die QUEEN CHARLOTTE dagegen war unglaublich zerzaust, wenn sie auch mit moderaten Verlusten durch die Schlacht gekommen war.
Und dann hätte das eigentliche Ziel der englischen Operationen wohl doch Priorität vor einer Verfolgung gehabt. Wegen dem Konvoi hatte man ja überhaupt gekämpft und die Franzosen schließlich vom Schlachtfeld verdrängt. Wenn die Briten denn in der Lage gewesen wären, so hätten sie nun wohl eher nach dem Konvoi gesucht. Der aber schien für Howe inzwischen  außer Reichweite, denn mit seiner angeschlagenen Flotte konnte er nicht einmal mehr auf große Prisenjagd gehen.

 Horatio Hornblower

Horatio Hornblower, 11 Bände
von Cecil S. Forester
Sprache: Deutsch
Broschiert - SCHERZ-Verlag
Erscheinungsdatum: Oktober 2004
Foresters Horatio Hornblower ist der - nach wie vor unübertroffene - Klassiker der marinehistorischen Romane aus der Windjammerepoche.

Villaret-Joyeuse auf der anderen Seite konnte seinen Rückzug gut rechtfertigen. Er konnte sich an diesem Tag zwar keineswegs als Sieger der Schlacht fühlen, doch hatte er am Ende fünf seiner schon geschlagenen Schiffe vor den Augen des Gegners doch noch wegführen können.
Außerdem hatte Villaret-Joyeuse die englische Flotte weit weg gelockt von ihrem eigentlichen Ziel, dem Konvoi. Es war sehr fraglich, ob Howes Schiffe die Schiffe mit dem für Frankreich so wertvollen Weizen noch würde erreichen können. So hatte der französische Flottenchef durchaus seine Erfolgserlebnisse.
Ein eher heimliches war vielleicht die vermeintliche Flucht des heimlichen Oberkommandierenden Saint-Andre, der das Gemetzel auf der Kampanje der MONTAGNE miterleben mußte und dann - angeblich unbedeutend verletzt - unter Deck ging bzw. flüchtete. Damit war der gefürchtete Beauftragte des Nationalkonvents jedenfalls in der Stimmung, Villaret-Joyeuses  Mission und persönlichen Einsatz als Erfolg zu werten.

Danach

Erst am frühen Morgen des 3. Juni hatte Howe seine Flotte inklusive der Prisen soweit beieinander, daß er Segel setzen konnte und Kurs auf England nahm. Fünfzehn Linienschiffe der englischen Flotte und die eroberten Prisen erreichten am 13. Juni 1794 Spithead (Portsmouth), weitere neun Schiffe der Flotte liefen am selben Tag in Plymouth ein. Von dem für Frankreich so wichtigen Konvoi hatte die Flotte nicht einmal ein Schiff gesehen.

Doch die Engländer hatten noch nicht aufgegeben, die Schiffe des Konvois waren noch nicht außer Gefahr. Konteradmiral Montagu hatte am 28. Mai auf See erfahren, daß Howe die aus Brest ausgelaufene französische Flotte nach Nordwesten verfolgte. Montagu begab sich daraufhin zurück nach England und erreichte am 30. Mai Plymouth, um neue Befehle zu empfangen und gebenenfalls Verstärkung zu bekommen.
Am 3. Juni erreichte bekanntlich die AUDACIOUS (74 - William Parker) den Hafen. Man konnte nun in England davon ausgehen, daß es eine größere Schlacht zwischen Briten und Franzosen gegeben hatte. Am 4. Juni brach Konteradmiral Montagu mit zehn Linienschiffen und zwei Fregatten auf. Er setzte Kurs auf Ushant, wo er die englische Flotte zu treffen oder Nachrichten von Admiral Howe zu bekommen hoffte. Der Plan war aber auch, eventuell angeschlagene Schiffe zu unterstützen oder zu erobern, je nach Nationalität. Und natürlich sollte auch Montagu nach dem Konvoi fischen.

Am 8. Juni erreichte Montagus Geschwader Ushant und traf auf das französische Geschwader unter Konteradmiral Cornice, zu dem bekanntlich die zu Villaret-Joyeuse gestoßene TRENTE UN MAI (74 - Gantheaume) gehört hatte. Montagu jagte Cornice und seine Schiffe in die Bucht von Bertheaume und bezog dann Posten. Schon am Morgen des nächsten Tages sichtete er viele Segel im Westen, doch handelte es sich dabei weder um Admiral Howes Schiffe noch um den Konvoi. Es war die französische Flotte unter Villaret-Joyeuse, die nun Jagd auf Montagus Schiffe machte. Der Konteradmiral drohte zwischen der Brester Flotte und dem Geschwader von Cornice in die Zange genommen zu werden, räumte das Feld und segelte nach England zurück.

Die französische Flotte leistete dem Geschwader von Cornice Gesellschaft, um zunächst die Verwundeten an Land zu bringen. Am 13. Juni erschien dann der von allen gesuchte Konvoi unter der Begleitung von Vanstabels JEAN BART, der TIGRE und der MONTAGNARD. Gemeinsam mit der Kriegsflotte liefen die 116 Handelsschiffe in den Hafen von Brest ein, sehnsüchtig von der Bevölkerung erwartet, die Saint-Andre und Villaret-Joyeuse einen triumphalen Empfang bereitete.

Unbeeindruckt von diesem französischen Erfolg wurde auch Admiral Howe in England gefeiert. Die königliche Familie besuchte am 26. Juni das Flaggschiff des Siegers vom glorious first of june . Der König verlieh Admiral Howe einen Ehrendegen, eine Halskette aus Gold und gab ein Lever. Dies war der Auftakt einer Flut von Ehrungen und Beförderungen. Admiral Howe hatte in seinem Bericht die Leistungen bestimmter Offiziere hervorgehoben. Es waren dies zuerst alle Admirale mit Ausnahme von Konteradmiral Caldwell. Vizeadmiral Graves wurde für seine Verdienste zum Peer gemacht und aus Vizeadmiral Hood wurde der Viscount und Lord Bridport. Die Konteradmirale Bowyer, Gardner und Pasley wurden Baronets.
Die Kapitäne Seymour, Pakenham, Berkeley, Gambier, John und Henry Harvey, Payne, Parker, Pringle, Duckworth, Elphinstone, Nichols und Hope sowie die Leutnants Monkton und Donnelly wurden ebenfalls von Howe lobend erwähnt, sichtbare Zeichen ihrer Verdienste wurden aber offensichtlich nicht vergeben.
Wie üblich nach einer siegreichen Schlacht wurden jedoch alle ersten Offiziere aller beteiligten Linienschiffe zu Commandern befördert.
Der Master der QUEEN CHARLOTTE, James Bowen, wurde für sein Manöver gegen die MONTAGNE und JACOBIN in den Leutnantsrang befördert.

Bei den Franzosen ist mir lediglich die Beförderung von Konteradmiral Villaret-Joyeuse zum Vizeadmiral bekannt. Offensichtlich entkamen diesmal wenigstens alle Kommandanten der Guillotine und selbst Jean Bon Saint-Andre, ein Anhänger Robespierres, kam nach dem Sturz und der Hinrichtung des Diktators und seiner Anhänger im Juli 1794 mit dem Leben davon und wurde später Präfekt von Mainz.
 

Verluste

Über die Verluste im einzelnen - soweit bekannt - gibt die bereits genannte Tabelle Aufschluß. Zusammengefaßt liest sich das so:
290 Tote und 858 Verwundete auf Seiten der Briten standen nach konservativen Schätzungen  ca. 1000 Toten und  2200 Verwundeten bei den Franzosen gegenüber. Andere Schätzungen sprechen von 1500 Toten und 3500 Verwundeten. Außerdem fielen 2700 ausgebildete französische Seeleute als Gefangene in britische Hand, insgesamt ein Verlust an Fachleuten, der angesichts der Säuberungen durch den terreur für die Schwächung der Kampfkraft der Revolutionsmarine schwer wog.
Es gab auch Verluste unter den Kommandanten:
Neben Kapitän James Montagu von der MONTAGU, der in der Schlacht fiel, kostete der 1. Juni noch zwei weiteren britischen Kommandanten das Leben. Kapitän John Harvey von der BRUNSWICK erlag wie sein Kollege Hutt am 30. Juni 1794 seinen Verletzungen. Auf der JUSTE (80- Blavet) wurde Kapitän Blavet tödlich verwundet. Angeblich soll er vor seinem Tod noch versucht haben, die Pulverkammer seines Schiffes in die Luft zu jagen, wurde jedoch vom ersten Offizier der INVINCIBLE (74 - Thomas Pakenham), Blackwood, in letzter Minute daran gehindert. (Siehe auch hier)
Es ist sehr wahrscheinlich, dass auf französischer Seite noch mehr Kapitäne ihre letzte Fahrt gemacht hatten, die Namen Bazire und Douville werden genannt.
Der Kommandant der CAESAR, Kapitän Molloy, kam in Howes Bericht über die Schlacht von allen Kapitänen am schlechtesten weg. Er verlangte ein Kriegsgerichtsverfahren, was er besser hätte sein lassen. Denn tatsächlich befand das Gericht, der Kommandant der CAESAR habe nicht alles getan, um den Durchbruch zu versuchen. Molloy wurde gerügt und verlor das Kommando über sein Schiff.
 


 British Napoleonic Ship-Of-The-Line

British Napoleonic Ship-Of-The-Line (New Vanguard)
von Angus Konstam, Tony Bryan
Sprache: Englisch
Taschenbuch - 48 Seiten - Osprey Publishing (UK)
Erscheinungsdatum: 1. November 2001

Wer sich für Nelsons Marine interessiert, wird dieses Buch faszinierend finden. Das Buch gibt einen detaillierten Einblick in ein Linienschiff dieser Zeit und erläutert durch Zeichnungen und gut verständliche englische Texte alle Einzelheiten, angefangen von den Räumlichkeiten über die Funktionen bis hin zum Zubehör und den Waffen.


Sieg oder nicht Sieg ?

Ohne Zweifel scheiterten die Briten in ihren Operationen, die Versorgung Frankreichs durch den amerikanischen Weizen abzuschneiden. Die Schlacht hingegen war ein Sieg für Admiral Howe, wie immer dieser zustande gekommen war. Und auch wenn man nicht von einem großen Sieg der Engländer sprechen konnte, militärisch hatten Howe und seine Männer die Schlacht , ebenfalls ohne Zweifel, gewonnen.
Immerhin 6 französische Schlachtschiffe fielen in englische Hand, eines wurde versenkt. 12 oder 13 von Howes Schiffen hatten an diesem Tag schwere Schäden davongetragen, auf Seiten der Franzosen waren es - inklusive der oben Genannten - aber 15 bis 17 Schlachtschiffe. Die Gesamtverluste an Menschen dieser 5 Tage sprechen eine noch deutlichere Sprache.
Trotzdem wird dieser Schlacht bezüglich der Folgen auch heute noch eine zu große Bedeutung beigemessen. Den 1. Juni als glorreich und großen Sieg zu verkaufen, war zwar ein bis heute andauernder britischer PR-Erfolg, änderte aber nichts an den Problemen, die auf englischer Seite zu Tage traten. Das Howes Erfolg die britische Moral soweit gestärkt hatte, daß dadurch spätere Erfolge wie Camperdown 1797 oder Abukir 1798 möglich wurden, ist eine oberflächliche und falsche These. Die Gewichte zwischen den Seestreitkräften Englands und Frankreich wurden durch den 1. Juni 1794 kaum verschoben, weder militärisch noch sozialpsychologisch.
Frankreichs Flotte und die Moral ihrer Seeleute war so intakt wie dies unter der französischen Revolution und nach den Verlusten von Toulon 1793 möglich war. Wichtigstes historisches Element der Geschichte dürfte in diesem Kontext gewesen sein, dass der so wichtige Konvoi sein Ziel erreichte hatte. Deswegen feierte man in Frankreich den 13. Prairial - nicht völlig zu Unrecht - ebenfalls als Sieg.


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