Seeschlacht.tk - Die Seekriege, Seeschlachten und Duelle auf See von 1775 bis 1815
TaschenAtlas Geographische Entdeckungen

TaschenAtlas Geographische Entdeckungen

von Willi Stegner
Sprache: Deutsch
Broschiert - 288 Seiten - Klett-Verlag - 2008

Chronologie der europäischen Seekriege 1793 bis 1815, Band 1, bis 1802
Chronologie der europäischen Seekriege 1793 - 1815
Band 1 : Von 1793 bis zum Frieden von Amiens 1802

von Thomas Siebe
Sprache: Deutsch Broschiert - 224 Seiten - BoD
ISBN 978-3-8423-2883-9 Erschienen: September 2010
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Das letzte Gefecht der GLORIOSO

1799 : Die Belagerung von Akko

General Napoleon Bonaparte gegen Djezzar Pascha und Sir Sidney Smith

Am 1. Juli 1798 landete General Napoleon Bonaparte mit einem französischen Expeditionskorps in Alexandria. In wenigen Wochen überwand er die Verteidigung der in Ägypten herrschenden Mamelucken und stellte nun eine strategische Bedrohung sowohl für Palästina und Syrien als auch für das britisch dominierte Indien dar. Dieser französische Plan hatte jedoch zwei entscheidende Rückschläge in Kauf zu nehmen:
Die Seeschlacht vor Abukir und der vernichtende britische Sieg gegen die französische Flotte am 1. August 1798 isolierte das Expeditionskorps vom französischen Mutterland.
Und das Osmanische Reich, zu dem Ägypten formal gehörte, wurde zum Gegner Frankreichs, wo man gehofft hatte, die Beseitigung der für die Osmanen unerfreulich eigenständigen Mamelucken könnte zu einer Einigung zwischen dem Osmanischen Reich und Frankreich führen. Entgegen den Hoffnungen des französischen Direktoriums aber verbündeten sich die Osmanen mit Rußland und Großbritannien.

In Syrien und auf Rhodos formierten sich zwei osmanische Armeen, um den Franzosen entgegenzutreten. Anstatt auf deren Landung in Ägypten zu warten, beschloss Bonaparte, in Palästina einzumarschieren, um mit dieser Stoßrichtung gegen die Armee in Syrien bzw. das Osmanische Reich selbst Druck auszuüben und Sultan Selim III so zum Frieden zu zwingen.
13000 Mann französische Truppen begannen am 5. Februar 1799 ihren Vorstoß, siegten am 14. Februar bei El Arisch und nahmen am 7. März 1799 nach 5-tägiger Belagerung Jaffa. Die Eile sowie der Versorgungsnotstand des späteren französischen Kaisers manifestierten sich in einem Massaker an den türkischen Kriegsgefangenen aus der gefallenen Stadt.

Das nächste große Hindernis, das den Franzosen im Weg lag, war die gut befestigte Stadt Akko (Auch: Akkon, Acre oder Accho). Für die Belagerung Akkos war schwere Artillerie erforderlich, doch die Straßen des Heiligen Landes waren ungeeignet für den Transport der Belagerungsartillerie. So wurden die 24-Pfünder-Kanonen in der Hafenstadt Damietta (Ägypten) auf eine Flottille unter dem Kommando von Kapitän Standelet verladen, um sie per Schiff zu ihrem Einsatzort zu transportieren. Eskortiert wurde der Transport von einem Geschwader unter Konteradmiral Perree, bestehend aus den drei Fregatten JUNON (40), ALCESTE (36) und COURAGEUX (36) sowie den zwei Brigg-Korvetten SALAMINE (16) und ALERTE (16). Die Belagerungsgeschütze sollten im Feldzug Bonapartes eine entscheidende, ja, historische Rolle spielen - allerdings nicht nur die Rolle, die das korsische Militärgenie ihnen zugedacht hatte.

Die Belagerung von Akko

Sidney Smith, Djezzar Pascha und Louis de Philippeaux

Als im Sommer 1798 klar wurde, dass die Franzosen ihre nächsten strategischen Schläge im Osten führen würden, schickte Großbritannien einen Mann in die Region, der große Erfahrungen im Umgang mit den Türken hatte:
Kapitän
Sir Sidney Smith, eine schillernde Figur unter den Seeoffizieren dieser Zeit und gerade aus französischer Gefangenschaft geflohen, wurde Kommandant des Linienschiffs TIGRE (80) und außerordentlicher Gesandter der britischen Regierung beim Sultan. Smith verfügte über eine große Erfahrung in der Region und war trotz seiner wenig zurückhaltenden und geradezu unbritischen Neigung zur Inszenierung und Übertreibung ein hochbegabter Seeoffizier, der einiges Ansehen beim osmanischen Bundesgenossen in spe genoß.
Im Januar 1799 erreichte der britische Seeoffizier Konstantinopel und war nicht unbeteiligt am Entschluss des Sultans, sich schließlich doch gegen Frankreich zu wenden.
Smith zeichnete im Folgenden für die Koordination der neuen Bundesgenossen verantwortlich.
Nachdem er in Konstantinopel und auf Rhodos das gemeinsame Vorgehen mit den Osmanen abgesprochen hatte, begab er sich mit der TIGRE (80) vor Alexandria, wo seit Anfang Februar die Linienschiffe CULLODEN (74 - Thomas Troubridge) und THESEUS (74 - Ralph Willet Miller) versuchten, der sich sammelnden französischen Armee bzw. ihrem potentiellen Nachschub das Leben schwer zu machen.
Schon vor der Ankunft der TIGRE hatten die Mörserschiffe BULLDOG (12 - Adam Drummond) und PERSEUS (12 - James Oswald) tagelang versucht, die Franzosen in Alexandria wirkungsvoll unter Feuer zu nehmen. Auch nach der Ankunft von Kommodore Sir Sidney Smith am 3. März 1799 wurde das Bombardement fortgesetzt, freilich ohne zählbare Wirkung. Lediglich zwei Kanonenboote und eine Brigg wurden im Hafen von Alexandria versenkt.
Am 7. März 1799 verließ Troubridge mit der CULLODEN (74) und den Mörserschiffen Alexandria Richtung Palermo, während Smith bereits ahnte, welche Pläne Bonaparte weiter verfolgen würde. Die Beobachtung der dicht unter Land operierenden Schiffe deutete darauf hin, dass die Franzosen demnächst beabsichtigten, Material und/oder Truppen zu verschiffen.
Smith schickte die THESEUS (74 - Ralph Willet Miller) nach Akko bzw. vor Khaiffa (Haiffa), einer Reede in Sicht des Berges Carmel wenige Meilen südlich von Akko. Der Kommodore ordnete an, das Wachboote die Küste nach Süden patrouillieren sollten, denn er erwartete hier französische Transportkonvois für eine Belagerung von Akko.
Letztere hatte Napoleon Bonaparte gegenüber dem Herren von Akko, Djezzar Ahmed Pascha (Übersetzt: General Achmed, der Schlächter), angekündigt, wenn dieser sich nicht vom Osmanischen Reich distanzieren würde. Der schon betagte Djezzar, der den Ruf eines grausamen Soldaten und Rebellen hatte, ließ sich von den Drohungen freilich nicht einschüchtern und bereitete die Hafenstadt auf den Vormarsch der Franzosen vor. Das Massaker von Jaffa überzeugte ihn und seine Offiziere lediglich davon, dass sie Akko um jeden Preis halten mussten.

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Am 14. März 1799 machten sich die französischen Truppen auf den Marsch und stießen auf die alte Kreuzritter-Stadt vor. Am 15. März 1799 erreichte die TIGRE Khaiffa, wo schon seit zwei Tagen die THESEUS ankerte.
Bereits in Akko befand sich Louis de Philippeaux, ein ehemaliger französischer Offizier des Königs und persönlicher Freund Sidney Smiths. Der königstreue Franzose hatte 1798 zur Flucht von Smith aus französischer Gefangenschaft entscheidend beigetragen. Philippeaux war mit Napoleon Bonaparte auf der Militärschule in Paris gewesen. Nun formte und organisierte er die Befestigungen zur Verteidigung gegen seinen ehemaligen Klassenkameraden.
Auch Bonaparte und Smith waren sich bereits begegnet, wenn auch nicht persönlich, sondern sozusagen auf dem Schlachtfeld. Bonapartes erster großer militärischer Erfolg war 1793 die Organisation der Artillerie gegen das von den Briten besetzte Toulon. Seiner Initiative war die Rückeroberung der royalistisch orientierten Hafenstadt zu verdanken. Vergällt hatte diesen Erfolg jedoch Sidney Smith, dessen Initiative und Taten 1793 noch kurz vor dem englischen Rückzug viele französische Kriegsschiffe in Brand aufgehen ließen.
Nun sollten sich diese drei Männer am anderen Ende des Mittelmeeres erneut gegenüberstehen.

Der Coup vor Khaiffa

In Akko stand Philippeaux nun vor der Aufgabe, eine mittelalterliche Festung gegen den Ansturm einer modernen 13000-Mann Armee mit Feldgeschützen und Belagerungsartillerie zu wappnen. Besonders die zu erwartenden schweren französischen Kanonen machten dem Ingenieur in Diensten der Briten Sorgen. Sidney Smith jedoch hegte die starke Hoffnung, seinen Freund von einem Teil seiner Sorgen zu befreien. Der englische Kommodore rechnete damit, dass die Franzosen die Geschütze zu Wasser bis vor Akko bringen würden. Aus diesem Grund ließ er die ihm unterstellten Schiffe und Boote an der Küste patrouillieren und sollte mit seiner Vermutung Recht behalten. Lassen wir ihn in seinem Bericht an den kommandierenden Admiral im Mittelmeer, Earl St. Vincent, selbst zu Wort kommen:
[Anmerkungen des Autors kursiv und in eckigen Klammern]

 
"Ich habe die Ehre, Sie zu informieren, dass ich Informationen von Gezar Pacha, Gouverneur von Syrien, bekommen hatte, dass General Bonapartes Armee in diese Provinz eingefallen war und auf ihre Hauptstadt Acre marschierte. Als Konsequenz darauf eilte ich mit einem Teil des mir unterstellten Geschwaders zur Unterstützung Acres und hatte die Genugtuung, zwei Tage vor dem Erscheinen des Feindes anzukommen. Viel wurde in diesem Zeitraum unter Leitung von Kapitän Miller von der THESEUS und Colonel Phelypeaux getan, den Ort in einen besseren Verteidigungszustand zu versetzen, um dem Angriff einer europäischen Armee standzuhalten. Die Präsenz eines britischen Geschwaders schien den Pascha und seine Truppen ermuntert und bestärkt zu haben, energischen Widerstand zu leiten. Die Vorhut des Feindes wurde in der Nacht des 17. [März] durch Wachboote der TIGRE am Fusse des Berges Carmel entdeckt. Diese Truppen, die keine Kriegsschiffe vor Syrien erwartet hatten, hatten ihr Basislager auf der Meeresseite aufgeschlagen. Als Folge davon waren sie dem Feuer von Traubengeschossen von den Booten ausgesetzt und wurden in die Flucht geschlagen, sobald das Feuer eröffnet wurde. Sie wurden gezwungen, sich schleunigst auf die andere Seite des Berges zurückzuziehen. Die Hauptarmee, die jetzt sah, dass die Straße zwischen dem Berg und dem Meer exponiert war, kam nun auf der von Nazareth und erreichte die Stadt Acre von Osten, jedoch nicht ohne dass ihnen die samaritanischen Araber schwer zusetzten, welche noch feindseliger gegenüber den Franzosen sind als die Ägypter und auch besser bewaffnet. Weil der Feind unser Feuer lediglich mit Musketen erwiderte, war es offensichtlich, dass er keine Kanonen mit sich geführt hatte, welche deswegen von See her zu erwarten waren. Maßnahmen, sie abzufangen, wurde sofort getroffen. Die THESEUS wurde schon zuvor nach Jaffa (Joppa) beordert. Die feindliche Flottille, die von See her anrückte, traf und nahm die TORRIDE [Ein englisches Kanonenboot.] Die Flottille rundete gerade den Berg Carmel, als sie von der TIGRE entdeckt wurde, bestehend aus einer Korvette und neun Kanonenbooten. Als sie uns sah, drehte sie ab. Der Eifer, mit dem die Schiffscrew danach die Segel setzte, war hochlobenswert, bald konnten unsere Kanonen die Feindboote fassen und sieben von ihnen, siehe angehängte Liste, ergaben sich. Die Korvette mit Bonapartes privatem Besitz und zwei Boote entkamen, weil es vordringliches Ziel war, die Prisen zu sichern, ohne die Jagd fortzusetzen. Ihre Ladung, bestehend aus den für die Belagerung von Acre vorgesehenen Geschützen, Munition, etc, war für die Verteidigung der Stadt sehr willkommen. Die Prisen wurden dementsprechend vor der Stadt geankert, von den Schiffen bemannt und sofort eingesetzt, um die Posten des Feindes zu belästigen und die näher ans Ufer geschickten Schiffsboote zu decken, welche die an der Küste entlang führenden Versorgungszüge abschneiden sollten. Die Boote waren in den nächsten 5 Tagen und Nächten ununterbrochen mit dieser Mission beschäftigt und der Pflichteifer ihrer Crews war so groß, dass sie auch nach vielen Stunden exzessiver Arbeit an ihren Kanonen und Rudern darum nachsuchten, nicht abgelöst zu werden."

Aus der LONDON GAZETTE vom 22. Juni 1799

Auszug aus einem Bericht von Kapitän Sir William Sidney Smith an Earl St. Vincent TIGRE, vor St. John d'Acre , 23. März (Aus dem Englischen übersetzt von Pellewserbe )

Liste der eroberten Kanonenboote: FOUDRE (8) - 52 Mann, NEGRESSE (6) - 53 Mann, DANGEREUSE (6) - 23 Mann, VIERGE DE GRACES (4) - 35 Mann, DEUX FRERES (4) - 23 Mann, MARIE ROSE (4) - 22 Mann, TORRIDE (2) - 30 Mann.

Was aus dem Bericht von Smith vielleicht nicht ausreichend deutlich wird: Schwere französische Belagerungsgeschütze inklusive Munition konnten nun in die Verteidigung Akkos eingebunden werden. Und Smith hatte demonstriert, wie in diesem besonderen Fall eine Seestreitmacht einem Landheer seine Grenzen aufzeigen konnte. Ein Kanonenboot mit einer 32-Pfünder-Karronade unter Leutnant Bushby in der Mündung des Flusses Kishon reichte aus, um die gesamte Vorhut in die Flucht zu schlagen. Weitere Vorstöße englischer Kanonenboote nötigten Bonapartes Armee zu einem Umweg, der den Verteidigern wertvolle Zeit erbrachte.
Doch nur wenige Tage nach diesem Coup der Verteidiger wendete sich das Glück zugunsten der Franzosen: Ein aufkommender Sturm zwang die beiden britischen Linienschiffe zwei Wochen lang auf die See hinaus.

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Die Scharfschützen-Sharpe-Cannonball limited Edition inkl. Das letzte Gefecht (17 DVDs)

Regisseur Tom Clegg
Darsteller: Sean Bean, Daragh O'Malley, Toby Stephens
Format: Dolby, Limited Collector's Edition, Box-Set, 4:3
Sprache: Deutsch und Englisch
FSK: Freigegeben ab 16 Jahren
DVD-Erscheinungstermin: 13. November 2008
Spieldauer: 1688 Minuten

Verpackung: Nachbildung einer Kanonenkugel

Die Belagerung

Erst am 6. April 1799 konnte sich Sidney Smith vor Akko von den Fortschritten Bonapartes überzeugen, der inzwischen seine Belagerungsarbeiten nicht nur begonnen hatte, sondern auch erhebliche Fortschritte vorweisen konnte. Mit Feldgeschützen hatten die Franzosen bereits eine kleine Bresche geschossen, die sie nun begannen, zu unterminieren. Obwohl die Kanonenboote unter Kapitän David Wilmot von der Fregatte ALLIANCE (32 en flute) und die Kanonen der Stadt die Arbeiten behinderten, kam Bonaparte gut voran. Im Falle einer erfolgreichen Sprengung der Mine würden die weniger als 3000 Verteidiger gegen 13000 kampferprobte Franzosen in der entstehenden großen Bresche schlechte Aussichten haben.
Djezzar Pascha und Sidney Smith planten deswegen einen Ausfall gegen das französische Belagerungswerk, gedeckt u.a. durch die Kanonen der THESEUS. Am 7. April 1799 stießen türkische Truppen an den Flanken der Franzosen vor, während britische Marines und Seeleute unter Major Thomas Oldfield und Leutnant John Westley Wright bis zur Mine vorstießen und dort zerstörten, was zerstörbar war. Der Preis dafür war jedoch hoch: Oldfield fiel und einen Tag später wurde Kapitän Wilmot während der Installation eines Mörsers von einem französischen Scharfschützen niedergestreckt.
Der türkisch-britische Ausfall-Erfolg wurde dazu noch am 16. April 1799 vor dem Berg Tabor relativiert, als die aus Syrien anrückende türkische Armee von den Franzosen unter General Kleber geschlagen und zurückgedrängt wurde und so die Hilfe für Akko weiter auf sich warten ließ.

Linienschiffschlachten 1794 - 1806 Download

Napoleon Bonaparte musste immerhin erkennen, dass er ohne seine schwere Geschütze nicht weiter kam. Vor Jaffa hatten die Fregatten unter Konteradmiral Perree fünf 24-Pfünder-Belagerungsgeschütze und - als Ersatz für die von den Briten erbeuteten Kanonen - vier 18-Pfünder-Schiffsgeschütze von der Fregatte JUNON (40) an Land gebracht und transportierten diese nun über Land nach Akko.
Am 27. April 1799 standen diese Kanonen einsatzbereit vor der Festung, doch die Verteidiger hatten inzwischen ebenfalls ihre Position verbessert:
Jeweils an den Flanken der Stadt hatten sich die beiden britischen Linienschiffe so nahe wie möglich unter Land gewarpt und griffen mit ihren Breitseiten neben ihren Kanonenbooten in das Artillerieduell ein.
Drei entschlossene Versuche, die sich immer weiter vergrößernde Bresche zu stürmen, mißlangen Bonaparte.
Am 1. Mai 1799 hetzte er seine Männer zum vierten Mal in das Kreuzfeuer der türkischen und britischen Geschütze und wurde blutig zurückgeschlagen. Die Eile des Generals hatte ihren Grund: Jeden Tag mußte er damit rechnen, dass die auf Rhodos eingeschiffte 7000 Mann starke Armee Hassan Beys vor der Küste Syriens erschien und an Land ging. Dem Korsen war klar, dass dann die Eroberung Akkos in weite Ferne rücken konnte.
Auch in den folgenden Tagen unternahmen die Franzosen weitere neun Versuche, in die Bresche einzudringen, wurden jedoch inzwischen von einer zweiten, tiefer stehenden Mauer überrascht, die inzwischen dort angelegt worden war. Bis zur tödlichen Erschöpfung hatte ihr Erbauer, Louis de Philippeaux, an der Verteidigung Akkos gearbeitet, am 2. Mai 1799 wurde er eines der Opfer der Belagerung und konnte die Früchte seiner Arbeit nicht mehr miterleben.

Napoleons gefallenen Göttinnen

Am 7. Mai 1799 erschien schließlich eine größere Flotte von Schiffen vor der Küste. Auf französischer Seite glaubte man zunächst jubelnd an Verstärkung, doch es war eine türkische Flotte mit der Armee von Hassan Bey aus Rhodos an Bord.
Bonaparte versuchte, seine womöglich letzte Chance zu nützen und machte am selben Tag Anstalten zum finalen Angriff, in der Hoffnung, er könne die Stadt nehmen, bevor die türkische Armee gelandet war. Der vor der Küste eingeschlafene Wind, der die Landung Hassan Beys verzögerte, verschaffte dem jungen General aus Korsika zusätzliche Zeit. Die Voraussetzungen für die französischen Truppen waren inzwischen wesentlich besser, denn man hatte die Flanken der Bresche, bedroht u.a. von zwei 68-Pfünder-Karronaden der TIGRE, mit Sandsäcken und Leichen (!) kopfhoch gedeckt. Die Franzosen machten noch in der Nacht große Fortschritte in der Vorbereitung, um dann am Morgen des 8. Mai 1799 zum Showdown in der Bresche anzutreten. Sidney Smith persönlich kam an der Spitze von mit Piken bewaffneten britischen Seeleuten an die Front. Ein unvorstellbar grausames, fast 24-stündiges Ringen begann. Die Truppen Djezzar Paschas wußten, dass es vielleicht nur noch darum ging, diese wenigen Stunden Widerstand zu leisten und erwiesen sich als unglaublich standhafte Kämpfer, die zuletzt sogar mit den primitivsten Waffen, großen Steinen, die sie auf die Angreifer schleuderten, verteidigten. In den britischen Berichten kommt ihr Löwenanteil am Sieg zu kurz, so dass man an dieser Stelle klar sagen muß, dass es natürlich diese Truppen waren, die Akko hielten und nicht die britischen Seeleute mit ihren Piken.
Am Ende also triumphierten die Verteidiger, die französischen Soldaten mußten sich zurückziehen. Nie wieder sollte Napoleon Bonaparte seinem Ziel so nahe kommen wie an diesem Tag.
Die vom Berg Tarbor zurückbeorderten französischen Truppen unter General Kleber kamen zu spät, um Akko doch noch zu nehmen. Als Folge der Landung der Rhodos-Armee wendeten sich jetzt auch andere syrische Fürsten gegen die Franzosen, weitere Angriffe auf die Bresche konnten nun mit frischen Verteidigungs-Truppen zurückgewiesen werden.
Am 20. Mai 1799 endlich gaben die Franzosen, inzwischen auch von Seuchen geplagt, die Belagerung auf.

Napoleon. Eine Biographie

Napoleon. Eine Biographie
von Johannes Willms
Sprache: Deutsch
gebundene Ausgabe - 900 Seiten ! - BECK
Erscheinungsdatum: März 2005

Who Was Who in the Napoleonic Wars
Who Was Who in the Napoleonic Wars
von Philip J. Haythornthwaite
Sprache: Englisch
Gebundene Ausgabe - 320 Seiten - Weidenfeld Military -
Erscheinungsdatum: August 1998

Rund 900 Kurzbiographien mit 300 Bildern porträtieren vor allem die Militärs und politischen Protagonisten der napoleonischen Kriege. Inklusive des amerikanisch-englischen Kriegs von 1812.

Danach

Bonaparte ließ rund 2500 Mann in Gräbern oder in der Schanze, zum Teil sogar in ihr verbaut (!), zurück, ungefähr dieselbe Zahl wurde im Zeitraum der Belagerung verwundet oder krank. Die Höhe der Verluste auf der Seite der Verteidiger ist unbekannt, sie dürften im Prozentsatz sicher nicht niedriger gewesen sein als beim Gegner. Die drei britischen Schiffe vor Akko, die TIGRE (80), die THESEUS (74 - Miller) und die Fregatte ALLIANCE (32 en flute - Wilmot) hatten während der gesamten Belagerung, beginnend am 18. März 1799, insgesamt 80 Tote, 82 Mann gerieten in französische Gefangenschaft, während die Zahl der Verwundeten unbekannt ist.

Die Belagerung von Akko gilt als eine der bedeutenden Niederlagen Napoleon Bonapartes, obwohl sie ihn selbst offensichtlich kaum beeindruckt hat. Was wäre geschehen, wenn der junge französische General die Stadt genommen hätte und damit zum Herren Kleinasiens und Ägyptens geworden wäre ? Er äußerte sich selbst dazu:

"... I would have put on a turban, I would have made my soldiers wear big Turkish trousers, and I would have exposed them to battle only in case of extreme necessity. I would have made them into a Sacred Battalion - my Immortals. I would have finished the war against the Turks with Arabic, Greek, and Armenian troops. Instead of a battle in Moravia, I would have won a Battle of Issus, I would have made myself emperor of the East, and I would have returned to Paris by way of Constantinople."
(Zitiert nach der englischen WIKIPEDIA)

Bonaparte als Neuausgabe Alexander des Großen bzw. eines persischen Großkönigs, die Verwirklichung dieser Vision des jungen Korsen ersparten Djezzar Pascha und Sidney Smith der Welt. Wenn denn diese Vision wirklich eine ernste war, so trat an ihre Stelle schnell ein neues Projekt, nämlich die Herrschaft über Frankreich. Napoleon Bonaparte kehrte im August 1799 ohne seine Truppen nach Frankreich zurück , nachdem er einem Monat zuvor die bei Abukir (Ägypten) gelandete Armee der Osmanen geschlagen hatte. In Paris machte der spätere französische Kaiser die neue Vision umgehend wahr. Von allen genannten Beteiligten der Belagerung von Akko war ausgerechnet dem vermeintlich großen Verlierer das - sagen wir: größte - Schicksal bestimmt.

Brian Lavery - The Ship of the Line. Vol. I: The development of the battlefleet 1650 - 1850.


Der Tod von Philippeaux und Wilmot wurde bereits erwähnt. Bonapartes größter Widersacher vor Akko, Djezzar Pascha, starb 1804. Sidney Smith setzte seine militärische Karriere fort, doch ein Nelson wurde er nie, wenngleich sein Anteil an der späteren Kapitulation der französischen Ägyptenarmee bis 1801 noch wuchs und sein Name in diesem Zusammenhang nicht ungenannt bleiben darf. Der spätere Admiral blieb jedoch die schillernde Persönlichkeit, die in seiner Kurzbiographie bereits beschrieben wurde. Napoleon selbst achtete ihn, hielt Smith aber für wörtlich: "verrückt".
Viele an der Belagerung beteiligte Seeoffiziere fanden im Krieg gegen Napoleon Bonaparte noch den Tod. Der Kommandant der THESEUS (74), Ralph Willet Miller, starb gemeinsam mit rund 50 Mann seiner Crew schon am 14. Mai 1799 durch eine Explosion an Bord seines Schiffes, als man dort französische (!) Granaten zu englischer Munition umbaute. Dies geschah angeblich während der Verfolgung des Fregattengeschwaders von Konteradmiral Perree, welches dadurch entkommen konnte. Andere Quellen verorten die Explosion vor Jaffa, wieder andere noch vor Akko.
Leutnant John Westley Wright, der u.a. einen der wichtigen Ausfälle der Verteidiger anführte, geriet als Commander später in französische Gefangenschaft, starb dort unter mysteriösen Umständen und löste einen Sturm der Entrüstung in Europa aus.
Als Fähnrich hatte ein gewisser George Nicolas Hardinge eines der Kanonenboote vor Akko kommandiert. Er fiel 1808 als Kommandant der SAN FIORENZO (36) im Indischen Ozean in einem spektakulären Zweikampf mit der französischen Fregatte PIEMONTAISE (40 - Epron). Auch auf französischer Seite lichteten sich die Reihen schnell. Mehrere Generäle des Korsen, z.B. Rambeaud, fielen oder starben im Orient. Napoleon Bonapartes Nachfolger als Kommandant der Ägypten-Armee zum Beispiel, der hochbegabte General Kleber, wurde 1801 in Kairo ermordet. Konteradmiral Perree fiel am 17. Februar 1800 an Bord der GENEREUX (74) vor Malta im Hagel englischer Kanonenkugeln.
Diesen Schicksalen gegenüber war der große Verlierer von Akko nur wenig später der große Gewinner. Doch die Möglichkeiten, die die Seekriegsführung bot, sollte Napoleon Zeit seiner militärischen Karriere vernachlässigen und dies, obwohl die Seeblockade und die britischen Kanoniere einen wesentlichen Anteil an der Verteidigung Akkos hatten.


Weitere Quellen:

William James, Andrew Lambert - The Naval History of Great Britain: During the French Revolutionary and Napoleonic Wars

Nicholas Tracy - The Naval Chronicle: The Contemporary Record of the Royal Navy at War

Tom Pocock - A Thirst for Glory: Life of Admiral Sir Sidney Smith

Edward Howard - Memoirs of Admiral Sir Sidney Smith, K. C. B.

Berichte von Sidney Smith in der LONDON GAZETTE vom 3. August 1799 und 10. September 1799.




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