Horatio Hornblower

Horatio Hornblower, 11 Bände
von Cecil S. Forester
Sprache: Deutsch
Broschiert - SCHERZ-Verlag
Erscheinungsdatum: Oktober 2004
Foresters Horatio Hornblower ist der - nach wie vor unübertroffene - Klassiker der marinehistorischen Romane aus der Windjammerepoche.

 www.seeschlacht.tk
 Napoleon's Overseas Army

Fregattenduell vor Guinea

HMS AMELIA (38) versus ARETHUSE (40)


Am 25. November 1812 brachen die beiden französische Fregatten ARETHUSE (40 - Kommodore Pierre Bouvet) und RUBIS (40 - Kapitän Louis-Francois Ollivier) von Nantes aus zu einer Feindfahrt auf. Das Kriegsschiff-Duo ging zunächst vor der spanischen Atlantikküste auf Prisenjagd und brachte dort u.a. eine englische Prise auf, die die Fregatte AMELIA (38 - Frederick Paul Irby) zuvor vor den Kanaren gefangen hatte.

Im Januar 1813 tauchten die beiden französischen Schiffe in Begleitung der portugiesischen Prise SERRA vor Guinea an der Küste Westafrikas auf. Kommodore Bouvet (1775 - 1860) plante die hier passierenden englischen Handelsschiffe, die auf dem Weg von Indien nach England waren, anzugreifen.

Vor den Iles de Los - vor Conakry, der späteren Hauptstadt von Guinea gelegen - trafen die Franzosen am 27. Januar auf die englische Kriegsbrigg DARING (12) unter Leutnant William R. Pascoe, der die Neuankömmlinge für Engländer hielt. Dieser Irrtum sollte sich für die englische Handelsschiffahrt an der Küste als Glücksfall erweisen, für Pascoe dagegen fatal enden. Wegen des schwachen Windes kam es zu keiner grösseren Annäherung, weshalb der Kommandant der DARING seinen Master mit einem Boot zu den vermeintlichen Engländern schickte. Die Franzosen hätten sicherlich ihre Präsenz an der Küste gern noch für einige Zeit geheim gehalten, doch das englische Boot zwang sie zum Handeln. Als die Bootsbesatzung den Irrtum erkannte, war es bereits zu spät. Nach kurzer Verfolgungsjagd nahmen die Franzosen die Bootscrew gefangen und eröffneten dann die Jagd auf die DARING. Dieser, an eine Leeküste geraten, blieb nichts anderes übrig, als die Brigg zum Ufer zu steuern, sie aufzusetzen und zu verbrennen, damit der Zweimaster nicht in die Hände des Gegners fiel. Die Beiboote behielten die Briten natürlich, denn Pascoe wollte so schnell wie möglich die Nachricht von den beiden Feindfregatten an der Küste verbreiten.

Die Franzosen liefen indessen die Insel Tamara (Iles de Los) an und erfuhren dort, dass Sierra Leone bzw. Freetown als Basis der Operationen für zwei grosse englische Fregatten und einige Sloops diente. Während eine der Feindfregatten auf einer Kreuz war, sollte die andere noch in der Mündung des Sierra-Leone-Flusses vor Anker liegen. Bouvet ergänzte in den nächsten Tagen Wasser und Proviant, liess die Schiffe überholen und schickte die Gefangenen von der DARING sowie einige weitere Seeleute von anderen Prisen zum Gefangenenaustausch nach Sierra Leone. Bouvet konnte davon ausgehen, dass Pascoe die Briten in der Region bereits gewarnt hatte. Das Parlamentärsboot, das der französische Kommodore entsandte, konnte ihm andererseits wertvolle Informationen über seine Gegner verschaffen.

 Krieg unter Segeln: Die Seemächte Europas im Kampf um die Meere

Krieg unter Segeln:
Die Seemächte Europas im Kampf um die Meere

von Hans J. Alpers , Karin König
Sprache: Deutsch
Gebundene Ausgabe - 255 Seiten - Area
Erscheinungsdatum: Januar 2005

Am 4. Februar verliessen die ARETHUSE und die RUBIS, nach wie vor in Begleitung der SERRA, die Insel Tamara, doch schon am Nachmittag erlitt die ARETHUSE den ersten Unfall: Die Fregatte lief auf eine Korallenbank und kam mit vollen Segeln nur um den Preis ihres Ruders wieder frei. Die Franzosen liessen wieder ihre Anker fallen, um den Schaden zu begutachten und ein Ersatzruder zu montieren, bis das beschädigte Blatt repariert war.

In der Nacht zum 5. Februar aber zwang ein aufkommender Sturm ARETHUSE und RUBIS, die Anker wieder einzuholen. Bei Tageslicht fand sich die ARETHUSE rund 4 Meilen nordöstlich von Tamara in einer Flaute wieder, während die RUBIS wieder zwischen die Inseln Tamara und Kassa getrieben und dort ihrerseits aufgelaufen war. Wasser war ins Schiff gedrungen und Kapitän Ollivier hatte vergeblich pumpen lassen, um das Schiff wieder flott zu machen. Die ARETHUSE, deren Ruder inzwischen wieder instandgesetzt worden war, schickte ein Beiboot mit zwei Pumpen zu ihrer Genossin. Ollivier sah sich inzwischen jedoch gezwungen, seine Crew auf die SERRA zu evakuieren. Während die Männer in Booten umgeladen wurden und Bouvet Anstalten machte, weitere Hilfsmassnahmen zu starten, kam am Morgen des 6. Februar 1813 ein grösseres Schiff auf der Luvseite bzw. westlich der ARETHUSE in Sicht. Es war die englische Fregatte AMELIA (38) unter Kapitän Frederick Paul Irby (1779 - 1844), die aus Sierra Leone kommend die Iles de Los ansteuerte, auf der Suche nach den französischen Fregatten.

Leutnant Pascoe hatte am 29. Januar mit einem Grossteil seiner Männer Freetown bzw. die Flussmündung erreicht, in der das englische Kriegsschiff ankerte. Zusammen mit Pascoe kam der Handels-Schoner HAWK, der einen Teil der DARING-Crew aufgenommen hatte und sogleich für eine Erkundungsmission gegen die Franzosen ausgerüstet wurde. Das kleine Schiff bekam die Barkassen-Karronade der AMELIA, einen Achtzehnpfünder, montiert. Natürlich konnte man sich damit nicht gegen eine französische Fregatte verteidigen, das Geschütz konnte jedoch im Falle eines Bootsangriffs nützlich sein.

Die Küste Westafrikas

Am 30. Januar lief die HAWK unter dem Kommando von Pascoe aus, traf offensichtlich das ein oder andere Schiff, das die Franzosen gesehen hatte und kehrte am 2. Februar mit Informationen über die beiden Feindfregatten und die SERRA zurück nach Freetown. Der Kommandant der verlorengegangenen DARING hatte die Identität der Fregatten und der SERRA in Erfahrung bringen können. Auch Bouvets Ziel, die Handelsrouten vor Guinea anzugreifen, war Pascoe bekannt.

Weil ein grösserer Konvoi englischer Handelsschiffe mit jedem Tag vor der Küste Sierra Leones erwartet wurde, verlor Irby keine Zeit. Die Besatzung der AMELIA, zum Teil schon von den Strapazen ihres Einsatzes in den Tropen gezeichnet, wurde um die Crew der DARING und weitere Männer aus Freetown ergänzt. Am Abend des 3. Februar kam dann das Parlamentärsschiff, das Bouvet mit den Gefangenen nach Sierra Leone geschickt hatte, gerade noch rechtzeitig, um eine weitere Verstärkung für die englische Fregatte zu bringen. Um 22:30 lichtete Irby Anker und setzte Kurs auf Guinea.

Am Morgen des 5. Februar, gegen 8:00, bekam die AMELIA die Iles de Los nördlich ihrer Position in Sicht. Weil die kleinen Eilande nur rund 4 Meilen entfernt vor einer Halbinsel des Festlandes lagen - die spätere Hauptstadt Guineas, Conakry, entstand dort erst 1824 als ein Fischerdorf - liess Irby nun Kurs Nordwest / West steuern, um die Insel nicht durch den Kanal zwischen Festland und Inselgruppe passieren zu müssen.

Am Abend stand die AMELIA drei Meilen in West / Nordwest von Tamara, als sie gegen 20:00 ein fremdes Segel nordöstlich wahrnahm. Der Fremde schien Signale zu geben, doch waren weder Empfänger noch Bedeutung auszumachen. Weil die Briten vermuteten, dass es sich bei dem Fremden um eine der drei französischen Fregatten handelte, Irby aber allein auf weiter See stand und den Verbleib der zwei anderen Franzosen noch nicht ermittelt hatte, wendete die englische Fregatte bei frischem Wind aus Nordwest nach Westen, um die Nacht in einiger Distanz zu verbringen. Vielleicht hoffte Kapitän Irby auch, in der Nacht auf befreundete Kriegsschiffe zu treffen. Am Morgen des 6. Februar 1813, bei Tagesanbruch, wendete die AMELIA dann aber wieder nach Nordosten. Um 9:00 traf sie auf den englischen Schoner PRINCESS CHARLOTTE und wie es sich herausstellte, war es dieses Schiff, das die Engländer am Abend zuvor signalisierend gesichtet hatten.

Die Iles des Los. Links Tamara, rechts Kassa, in der Mitte Roume

Doch nur wenige Minuten nach diesem Treffen konnte man an Bord der AMELIA auch die Franzosen sehen, die an der Nordspitze Tamaras bzw. zwischen Tamara und Kassis einige Aktivitäten entwickelten. Die Briten beobachteten nämlich die bereits erwähnte Evakuierung der Crew von der RUBIS auf die SERRA.

Irby interpretierte die Szene, die sich ihm darbot, allerdings falsch. Der englische Kapitän vermutete, dass er Zeuge wurde, wie eine Prise entladen wurde und hielt folgerichtig die SERRA für eine Fregatte und die RUBIS für die Prise. Die fatale Lage der aufgelaufenen französischen Fregatte bemerkte Irby nicht.

Die PRINCESS CHARLOTTE wurde umgehend nach Sierra Leone geschickt, um dort inzwischen eventuell eingetroffene englische Kriegsschiffe um Hilfe zu bitten. Die AMELIA aber näherte sich dem Ankerplatz der ARETHUSE, auf der Bouvet bereits die Ankunft der englischen Fregatte gemeldet worden war. Um 15:20 ging die ARETHUSE Anker auf und verliess mit einer mässigen Brise ihren Ankerplatz. Bouvet, der nach Westen steuerte, beabsichtigte, die gegnerische Fregatte von der RUBIS und der SERRA wegzulocken. Die Erfahrung liess den französischen Kommandanten vermuten, dass da, wo eine englische Fregatte war, weitere englische Schiffe nicht weit sein konnten. Doch Irby, der die AMELIA auf einen Parallelkurs zur ARETHUSE legte, hatte wegen der falschen Interpretation seiner Beobachtungen genau dieselbe Absicht. Er trachtete danach, die ARETHUSE von ihrer vermeintlich einsatzfähigen Partnerin, der RUBIS, zu trennen, um dann Bouvet anzugreifen.

Gegen 18:00 waren die beiden taktierenden Schiffe noch immer 6 Meilen voneinander entfernt. Die Beobachtung der Engländer, dass die SERRA, die vermeintliche Fregatte, ihre Toppsegel setzte, bestärkte Kapitän Irby in seiner Hinhaltetaktik. Um 20:00 verlor die AMELIA als Konsequenz in der hereinbrechenden Dunkelheit die ARETHUSE aus den Augen. Erst am Morgen des 7. Februar bekam Irby die ARETHUSE 8 Meilen südöstlich seiner Position wieder in Sicht, freilich zeichneten sich auch die Iles de Los noch immer am Horizont ab. Eine aufkommende Flaute hinderte beide Schiffe an einer Annäherung, doch gegen Mittag kam eine Brise auf und es war die ARETHUSE, die nun mit vollen Segeln Kurs auf die AMELIA nahm. Bouvet wollte, auch um den Preis eines Gefechts, vermeiden, dass sich die Engländer wieder der RUBIS und der SERRA näherten. Irby auf der anderen Seite ging davon aus, dass der selbstbewusste Vorstoss des Franzosen auf die baldige Unterstützung der zweiten französischen Fregatte baute und wandte sich mit der AMELIA zur Flucht, um Bouvet wieder von der RUBIS fortzuziehen. Die AMELIA kreuzte nach Süden, die ARETHUSE kreuzte hinterher. Um 17:00 liess der Wind nach und Irby ging davon aus, dass er nun einen ungestörten Zweikampf mit der ARETHUSE fechten konnte.


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Die Erfolgsaussichten waren gut. Beide Fregatten waren von ihrer Grösse (1059 gegen 1073 Tonnen) bzw. Widerstandsfähigkeit sehr ähnlich, was nicht verwundert, denn bis zum 13. Juni 1796 war die AMELIA als französische PROSERPINE zur See gefahren. Dann war sie der englischen DRYAD (36 – Amelius Beauclerk) unterlegen und hatte unter ihrem neuen Namen die englische Flagge gehisst. Auch die Bewaffnung glich sich in den wesentlichen Punkten und gab den Briten, ohne dass Irby dies wissen konnte, sogar einen leichten Vorteil:

Im Artilleriedeck standen auf beiden Fregatten 28 Achtzehnpfünder-Kanonen. Die AMELIA führte an Deck 18 Zweiunddreissigpfünder-Karronaden und zwei Neunpfünder-Kanonen. Die ARETHUSE dagegen verfügte lediglich über 14 Vierundzwanzigpfünder-Karronaden und 4 Achtpfünder-Kanonen. Das französische Schiff hatte 340 Mann an Bord, der Engländer verfügten mit 349 Mann Crew (Sollstärke 265) aber nur über unwesentlich mehr Manpower, zumal auch angeblich ein Teil der Stammbesatzung in schlechter Verfassung gewesen sein soll. Der psychologische Vorteil auf Seiten der Engländer konnte den englischen Kapitän aber sicherlich recht zuversichtlich dem Gefecht entgegensehen lassen. Hatten nicht in den letzten 20 Jahren die Engländer – sieht man von wenigen Ausnahmen ab – in den Gefechten Fregatte gegen Fregatte stets gegen die Franzosen gesiegt und war nicht die AMELIA selbst mit ihrer französischen Vergangenheit der Beweis für diese Dominanz ?

Irby liess jedenfalls die Segel kürzen und wendete die AMELIA, nunmehr das Gefecht mit der ARETHUSE suchend. Sein Kurs drohte das Kielwasser der herankreuzenden französischen Fregatte zu schneiden und damit Bouvet am Heck zu fassen. Also legte der französische Kapitän sein Schiff auf den gleichen Kurs wie der Gegner und liess ebenfalls Segel kürzen. In der hereinbrechenden Vollmondnacht näherten sich die beiden Schiffe bei mässigem Wind auf einer fast spiegelglatten Wasserfläche und gegen 19:45 hatten die Fregatten die Distanz der Reichweite eines Pistolenschusses erreicht, die AMELIA auf der Backbord- und Luvseite der ARETHUSE. Beide Seiten feuerten ihre Breitseiten ab, das Gefecht war eröffnet. Zwei weitere Breitseiten wurden gewechselt, offenbar konnten die französischen Kanoniere diesmal die Feuergeschwindigkeit ihrer englischen Widerparts halten. Kapitän Irby, dessen Schiff einen leichten Vorsprung gewonnen hatte, hatte gerade geplant, vor den Bug der ARETHUSE zu kreuzen, als ein Treffer die Windstreben des Haupttoppsegels der AMELIA durchtrennte und das Segel sich back stellte. Die AMELIA verlor Geschwindigkeit und kollidierte mit der ARETHUSE, deren Stagbaum die englischen Stagrah nebst Segel wegriss. Heftiges französisches Musketenfeuer brandete auf, Handgranaten flogen an Deck des Engländers und eine französische Entermannschaft sammelte sich auf dem Vorschiff, bereit zum Sturm.

Linienschiffschlachten 1794 - 1806 Download

Da spielte sich in einer Momentaufnahme der Seeschlacht ein vollständiges Drama ab, dessen Zusammenhänge aber erst später klar wurden. Ein Seemann, der verzweifelt versuchte, aus der französischen Rigg in die englische Takelage zu gelangen und auf englisch immer wieder brüllte: „Um Himmels Willen, nicht schiessen, ich bin unbewaffnet !“, wurde von der Kugel eines englischen Seesoldaten getroffen und in die See geworfen, wo er verschwand. Später behaupteten Seeleute der AMELIA, dass dieser Mann ein Hamburger Seemann gewesen sei, wenige Monate zuvor noch Mitglied der Crew der AMELIA. Der Mann war dann als Mitglied der Prisencrew für ein von der AMELIA aufgebrachtes Schiff abkommandiert und nach England geschickt worden. Vor der spanischen Küste hatten ausgerechnet die ARETHUSE und die RUBIS dieses Schiff gestellt und den Hamburger vermutlich zum Dienst in der Kaiserlichen Flotte gepresst. Bei dem Versuch, während der Schlacht auf sein altes Schiff zu gelangen, wurde der Seemann – so scheint es - nun tragischerweise von seinen eigenen Leuten erschossen.

Der Enterversuch der Franzosen scheiterte ebenfalls am englischen Abwehrfeuer, das so heftig war, dass Kommandant Bouvet backbrassen liess und die ARETHUSE begann, sich von ihrem Gegner zu lösen. Irby aber liess Segel setzen, um die Geschwindigkeitseinbusse der ARETHUSE zu nützen und seinen alten Plan in die Tat umzusetzen, vor den Bug des Feindes zu kreuzen, um ihn der Länge nach zu beschiessen. Doch die AMELIA kollidierte nur zum zweitenmal mit dem Gegner und fiel dann längseits neben das französische Schiff, so dass sich die Kanonen beider Fregatten beinahe berührten. Es war 21:15 und nun begann ein entsetzliches Gemetzel. An den Geschützpforten wurde mit Pistolen, Entermessern und Handgranaten Mann gegen Mann gekämpft, an und über Deck wütete ein heftiges Feuergefecht und die Ladungen der noch feuernden Kanonen fegten Decks und Takelage wie mit einem Metallbesen leer.

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von Mark Adkin, Clive Farmer (Illustrator)
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Erschienen bei Aurum Press
Erscheinungsdatum: 1. August 2005
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Lexikon berühmter Schiffe
von Thies Völker
Sprache: Deutsch
Broschiert - 511 Seiten
Erschienen bei PIPER

Erscheinungsdatum: Dezember 2003
 Lexikon berühmter Schiffe

Auf englischer Seite traf es gleich mehrere Offiziere: Die drei ersten Leutnants der AMELIA, John James Bates, John Pope und George Wells, fielen. Auch Pascoe, der als Freiwilliger unter Irby diente, wurde tödlich verletzt. Kapitän Irby selbst wurde schwer verwundet, musste unter Deck gebracht werden und wurde zunächst durch den dritten Leutnant George Wells vertreten, der dann aber ebenfalls im Kugelhagel starb. Der Master der AMELIA, Anthony De Mayne, hatte schliesslich das Kommando.

Auch auf Seiten der Franzosen wurden nahezu alle Offiziere getötet oder verwundet. Diese hohe Verlustquote unter den Kommandierenden ist offenbar ihrer permanenten Anwesenheit an Deck geschuldet, während ein Teil der Crew wenigsten leidlich Deckung hinter Kanonen oder in der Rigg fand. Diese Verlustquote zeigt auch, welch intensiver Geschoss- und Splitterhagel über die Decks fegte.

Beide Parteien konnten deswegen vielleicht von Glück reden, dass es nicht gelang, die beiden Schiffe aneinander zu fixieren. Der Rückstoss und die Erschütterung der Kanonen trieb die beiden kämpfenden Fregatten schliesslich wieder auseinander, doch wurde weiter Breitseite auf Breitseite abgefeuert. Längst knackten auf beiden Schiffen alle Masten, hing die Takelage in Girlanden herunter und klafften zahllose Löcher und Breschen in den Rümpfen und Schanzkleidern. Sowohl die ARETHUSE als auch die AMELIA waren wegen ihrer Schäden und des Feindfeuers vorerst unsteuerbar. Gegen 23:30 waren die beiden kämpfenden Schiffe dann so weit auseinander getrieben, dass beide Seiten das Feuer einstellten.

Die englischen Verluste waren schrecklich: 51 Tote und 90 Verwundete, also 40 % der Männer an Bord, standen auf der Liste. Die ARETHUSE verlor 31 Mann und hatte 74 Mann im Lazarett.

Wie üblich bei den unentschiedenen Gefechten beanspruchten beide Parteien den Sieg für sich. Irby berichtete, die ARETHUSE habe sich vom Schauplatz des Kampfes entfernt, sobald sie wieder manövrierbar war. Bouvet behauptete, dass es die AMELIA gewesen wäre, die schliesslich das Weite gesucht habe. Käme man den Geschehnissen mit Logik und der Annahme konsequenten menschlichen Verhaltens bei, so wäre Bouvets Version wahrscheinlicher: Irbys Schiff war in einem schrecklichen Zustand, hatte schwere Verluste erlitten und musste nach wie vor das Erscheinen der RUBIS befürchten, wonach der AMELIA zwei Franzosen, davon eine unbeschädigen Fregatte, gegenüber gestanden hätte. Sich zu entfernen, sobald man es konnte, wäre da nur konsequent gewesen.

Wie wir aber wissen, sind Menschen weder konsequent noch kann man mit reiner Logik Geschehnisse rekonstruieren. Deswegen bleibt das Faktum, dass beide Schiffe unverfolgt ihrer Wege segelten - aus welchen Gründen auch immer - und sich in den nächsten Stunden aus den Augen verloren.

 The Naval Chronicle

The Naval Chronicle: The Contemporary Record of the Royal Navy at War, 1793-1798 (The Naval Chronicle , No 1)
von Nicholas Tracy
Sprache: Englisch
Gebundene Ausgabe Erscheinungsdatum: Januar 1999

Die AMELIA setzte mit ihren angeschlagenen Masten Nordkurs und steuerte Madeira an, von wo sie später nach England zurückkehrte. Die ARETHUSE kehrte zu den Iles de Los zurück und traf auf die SERRA, die die Crew der verlorengegangenen RUBIS an Bord hatte. Bouvet führte die beiden Schiffe ebenfalls nach Norden und sammelte auf diesem Weg rund 15 englische und portugiesische Prisen. Weil die SERRA das Fortkommen der Franzosen behinderte, wurde sie in der Höhe von Madeira kurzerhand versenkt. Der französische Kommodore hatte sicherlich keine Lust, gerade jetzt, mit einem überfüllten Schiff und einer trägen Prise, wieder auf die AMELIA oder einen anderen Engländer zu treffen.

Am 18. März 1813 traf Bouvet – Ironie des Schicksal – auch auf das Parlamentärsschiff MERCURY, das die Überlebenden der englischen Fregatte JAVA (38) an Bord hatte. Die JAVA (38 – Henry Lambert †) war am 29. Dezember 1812 vor Bahia von der amerikanischen CONSTITUTION (44 – William Bainbridge) buchstäblich „zerlegt“ worden – eines von drei Gefechten der Engländer gegen die Amerikaner, durch die der Mythos von der Unbesiegbarkeit der englischen Fregatten sichtbar sein Ende fand.

Am 18. April erreichte die ARETHUSE Frankreich, drei Tage später traf die AMELIA in England ein. Das blutige Duell vor Guinea ist einer der durch die drei o.g. Zweikampf-Desaster vergessenen Zweikämpfe, aber ein weiteres Indiz für die damals nachlassende Klasse der einst so exzellenten englischen Kanoniere bzw. Geschützbedienungen. Die mit Siegen verwöhnten Engländer schrieben wenig über das Treffen vor den Iles de Los, die Franzosen feierten es eine kurze Zeit, doch sie verloren den Krieg. Geschichte aber war damals vor allem die Geschichte der Sieger.

Thomas Sturges Jackson - Logs of the great seafights


Eine Kurzbiographie von Kommodore Pierre Bouvet findet sich hier


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Chronologie der europäischen Seekriege 1793 bis 1815, Band 1, bis 1802
Chronologie der europäischen Seekriege 1793 - 1815
Band 1 : Von 1793 bis zum Frieden von Amiens 1802

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ISBN 978-3-8423-2883-9 Erschienen: September 2010
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