The 50-Gun Ship: A Complete History with Other

The 50-Gun Ship: A Complete History with Other
von Rif Winfield
Sprache: Englisch
Taschenbuch - 128 Seiten - Mercury Books London
Erscheinungsdatum: April 2006

 Der Pirat und die Dirne. Erotischer Roman

Der Pirat und die Dirne. Erotischer Piraten-Roman
von Kerri van Arden
Sprache: Deutsch
Broschiert - 188 Seiten - Plaisir d'Amour Verlag
Erscheinungsdatum:Juli 2006

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Das Geheimnis der ARTEMISE

Kämpfte die britische Brigg SYLPH 1801 erfolgreich gegen eine Achtzehnpfünder-Fregatte ?

Im Sommer 1801 wurde die britische Brigg-Sloop SYLPH (18) unter dem Kommando von Commander Charles Dashwood in zwei intensive Zweikämpfe verwickelt. Gegner war jeweils ein Schiff, dessen Identität bzw. Nationalität bis heute nicht endgültig geklärt wurde. Dashwood selbst behauptete, er habe sowohl am 31. Juli als auch am 28. September 1801 denselben Gegner bekämpft, nämlich die französische Fregatte ARTEMISE, 44 Kanonen. In beiden Fällen hatte sich die SYLPH gegen den fraglichen Dreimaster behaupten können. Doch wie plausibel ist die These, sie habe es dabei mit einer französischen Fregatte zu tun gehabt ? Und war diese Fregatte wirklich die ARTEMISE ?
Um dem Leser zu ermöglichen, meinen Argumenten direkt zu folgen, habe ich Extrakte der offiziellen Berichte von Commander Charles Dashwood sowie Auszüge aus der NAVAL CHRONICLE von 1801 als Webseite bereitgestellt.


Die Fakten, wie sie sich in Dashwoods Berichten darstellen, will ich aber noch einmal zusammenfassen:

Am Abend des 31. Juli 1801 kreuzte die SYLPH (18 - Charles Dashwood) vor Kap San Andero (Santander) an der nordspanischen Küste. Die Brigg-Sloop unter Commander Charles Dashwood (1765-1847) verfolgte gerade einen Schoner nordwestlich von ihr, als sich von Land her ein großer Dreimaster näherte, nach Dashwoods Beobachtungen eine große Fregatte mit 15 Geschützpforten im Artilleriedeck. Der verfolgte Schoner wendete in Richtung auf dieses Schiff, das wiederum auf die SYLPH zuhielt. Dashwood wollte sich nicht verjagen lassen und drehte schließlich bei Sonnenuntergang bei, um den vermutlichen Feind zu erwarten.  Das nahende Schiff reagierte weder auf Flaggen- oder Lichtsignale noch auf Anruf. Auch enthüllte keine sichtbare Flagge seine Nationalität. Weil die sich nähernde Fregatte nicht reagierte, eröffnete die Brigg gegen 23:00 das Feuer. Die Distanz zum Gegner betrug zu diesem Zeitpunkt eine halbe Kanonenschusslänge und verringerte sich im Verlaufe des Gefechts bis auf eine Distanz, die in den beiden o.g. Versionen von Dashwoods Bericht einmal als Pistolenschussweite (ca. 30 Meter), einmal als Rufweite (within hail) bezeichnet wird. Seite an Seite setzten die beiden Schiffe nun 80 Minuten lang das Feuergefecht fort, wobei der Brite befürchtete, der immer wieder leicht auf ihn zuhaltende Gegner könne ihn entern. Dashwood ließ abhalten und beobachtete bald, dass der Gegner ihm nicht mehr folgte. So ließ der britische Kommandant die SYLPH schließlich beidrehen, um ihre Schäden notdürftig reparieren zu lassen. Der Hauptmast war schwer angeschlagen, sämtliche Segel waren durchschossen, viele Takel durchtrennt und eine Karronade demontiert. Dazu kamen Lecks an der Wasserlinie, die zu beträchtlichem Wassereinbruch führten. Das britische Schiff wurde nicht verfolgt und konnte in der Nacht die notwendigen Ausbesserungen durchführen. Einen Toten und 9 Verwundete hatte der Kampf von der SYLPH gefordert.  Am nächsten Morgen konnte Dashwood seinen Kontrahenten in der Ferne ausmachen und erkennen, dass diesem im Gefecht offenbar zumindest die Hauptrahe aufs Deck gefallen war. Das Gefecht wurde nicht wieder aufgenommen.

Der Gegner nahm wieder Kurs auf Santander und Dashwood steuerte die SYLPH zunächst zurück zum Kanalgeschwader unter Admiral Cornwallis und danach nach Plymouth, um die Brigg überholen zu lassen. Inzwischen verdichteten sich Informationen, die britischen Brigg-Sloop habe die französische Fregatte ARTEMISE, 44 Kanonen, bekämpft.

Ende September kehrte die SYLPH auf ihren Posten vor der Nordküste Spaniens zurück und traf am 28. September 1801 vor Kap Penas (englisch: Pinas. Vor Gijon gelegen) wiederum auf eine unbekannte Fregatte, diesmal mit gesetzter französischer Flagge und bei Tageslicht. Dashwood ging davon aus, exakt die Fregatte vor sich zu haben, gegen die er Ende Juli gefochten hatte. Die Ähnlichkeit zwischen beiden Schiffen ging offensichtlich über Bauart, Größe und Anzahl der Geschützpforten hinaus. Angeblich suchte der britische Commander wiederum den Kampf. Die SYLPH versuchte zunächst, dem Gegner die Luvposition abzugewinnen. Noch während beide Schiffe versuchten, sich auszumanövrieren, begann um 19:30 das Gefecht. Dreimal kreuzten die Kontrahenten nahe aneinander vorbei und tauschten Breitseiten auf rund 30 Meter Distanz aus. Dann setzte sich die Brigg als Siegerin um den Kampf der Luvstellung auf Pistolenschußweite und in vorteilhafter Position an die Seite des Gegners und blieb dort für 2 Stunden und 5 Minuten, bis sie - inzwischen  in der Dunkelheit - mit geringeren, aber ähnlichen Schäden in der Rigg wie beim ersten Treffen von ihrem Gegner getrennt wurde, angeblich, weil dieser wendete und die SYLPH dem Manöver nicht folgen konnte. Als Bilanz des Duells hatte die SYLPH lediglich einen Verwundeten.


Chronologie der europäischen Seekriege 1793 bis 1815, Band 1, bis 1802
Chronologie der europäischen Seekriege 1793 - 1815
Band 1 : Von 1793 bis zum Frieden von Amiens 1802

von Thomas Siebe
Sprache: Deutsch Broschiert - 224 Seiten - BoD
ISBN 978-3-8423-2883-9 Erschienen: September 2010
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Beispiel-Seiten
Beispiel 1 - Beispiel 2 - Beispiel 3

Soweit also Dashwoods Berichte. Gegen wen hatte die SYLPH gekämpft ? Die Auszüge aus der NAVAL CHRONICLE zeigen, dass schon während des Aufenthalts der SYLPH beim Kanalgeschwader der Name einer französischen Fregatte fiel : Die ARTEMISE, 44 Kanonen. Die Quellen für diese Information waren offenbar neutrale Schiffe, die  französische oder spanische Häfen anliefen und später auf See bei Treffen mit britischen Schiffen Informationen austauschten. In den Wochen nach dem ersten Gefecht verdichteten sich die Informationen über den Gegner der SYLPH. Demnach kehrte die vermeintliche ARTEMISE nach dem Gefecht mit der britischen Sloop nach San Andero (Santander) zurück, um ihre Schäden zu beheben. Als die SYLPH im September auf ihren Posten vor der nordspanischen Küste zurückkehrte, soll sich die ARTEMISE laut der CHRONICLE gerade auf den Weg nach Bordeaux gemacht haben. Trifft dies zu, handelt es sich bei dem zweimaligen Treffen tatsächlich um keinen allzu großen Zufall. Aus dieser Sicht ist es also nicht unwahrscheinlich, dass die Sloop zweimal gegen denselben Gegner gekämpft hatte.

War es beide Male dasselbe  Schiff ? Offizielle zeitgenössische französische Quellen erwähnen laut William James keines der beiden Gefechte. Auch gibt es von dieser Seite keinen Anhaltspunkt für die Präsenz einer französischen Fregatte ARTEMISE vor der nordspanischen Küste. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich die kleine Sloop gleich zweimal gegen einen vermeintlich weit überlegenen Gegner behauptet hatte, wurde schon damals als gering eingeschätzt. Einige Publikationen der damaligen Zeit gingen denn auch davon aus, dass vor Kap Andero ein großer Privatier (Handels- und Kaperschiff) mit der SYLPH kämpfte. Als Indiz für diese Zuordnung wurde die Zurückhaltung der Fregatte, Flagge zu zeigen, genannt. Tatsächlich aber versuchten die Autoren mit dieser These die Tatsache zu erklären, dass es der Sloop gelungen war, sich 80 Minuten direkt neben einem Dreimaster mit dem Aussehen einer 18-Pfünder-Fregatte zu halten.
Die Zweifel, die schon damals an Dashwoods Beobachtung, er bekämpfe eine große Kriegsfregatte, aufkamen, bezogen sich schließlich weniger auf den Zufall einer zweifachen Begegnung als vielmehr auf den eklatanten Unterschied
in Größe und Bewaffnung zwischen den beiden Kontrahenten. Ein Vergleich der beiden Schiffe soll dies nachvollziehbar machen.

Die SYLPH wurde auf der Werft von Deptford Green gebaut  und lief am 3. September 1795 vom Stapel (Abgewrackt April 1811). Ihr Rumpf bestand aus Tannenholz, sie hatte zwei Masten und war als Brigg getakelt. Über ihre Maße konnte ich wenig in Erfahrung bringen. Jedenfalls gehörte sie zu den größeren Briggs der Royal Navy und dürfte ungefähr die Maße der CRUIZER-Klasse gehabt haben, d.h. um die 380 Tonnen, mit einer Deckslänge von rund 30 Metern und einer größten Breite von rund 9 Metern. Zum Zeitpunkt der hier zu erörternden Gefechte hatte sie 90 bzw. 96 Mann Crew an Bord. Bewaffnet war die Sloop 1801 mit 16 Zweiunddreissigpfünder-Karronaden und zwei Sechspfünder-Jagdgeschützen. Auf kurze Distanz mangelte es dem Zweimaster also durchaus nicht an Feuerkraft.

Die ARTEMISE dagegen ist geheimnisumwittert. Weder vor den Gefechten 1801 noch danach hat dieses Schiff irgendwelche Spuren in den Seekriegen dieser Zeit hinterlassen. Laut dem Historiker William James findet sie sich auch in keiner französischen Schiffsliste, die ihm zugänglich war.  Erst am 16. August 1808 taucht ihr Name in britischen Berichten wieder auf. An diesem Tag wurde laut britischer Quellen vor Brest eine französische Fregatte mit dem Namen ARTEMISE durch Seeleute von der britischen Fregatte MINERVA (32 - R. Hawkins) vernichtet. Tatsächlich versuchte Mitte August 1808 die französische Flotte aus Brest zu entkommen und wurde von den Briten unter Duckworth entdeckt. Auf dem Rückzug der Franzosen in den Hafen lief eine ihrer Fregatten auf (16. August 1808) und wurde, wie erwähnt, durch britische Seeleute in Brand gesteckt (THE NATIONAL REGISTER 1808, S. 559) . Der Name und die Größe dieser Fregatte wird in der o.g. Zeitungsnotiz aber nicht genannt. Handelte es sich bei dem Havaristen wirklich um die ARTEMISE, die laut William James in keiner französischen Liste zu finden war, aber doch vor der nordspanischen Küste kämpfte ? Oder war das Schiff von 1808 vielleicht schon eine Nachfolgerin ?

Napoleonic Naval Armaments 1792-1815 Napoleonic Naval Armaments 1792-1815
(New Vanguard)
von Chris Henry, Brian Delf (Illustrationen)
Sprache: Englisch
Taschenbuch - 48 Seiten - Osprey -

Erscheinungsdatum: Mai 2004

Die Überlegenheit der Royal Navy basierte auf vielen Faktoren. Eine Basis für den Erfolg der Briten bestand zweifellos in ihrer überlegenen Artillerie. Dieses Buch vergleicht die englische Bewaffung mit der Ausstattung ihrer französischen, spanischen, dänischen, russischen und holländischen Opponenten.

Wie auch immer, um die Bewaffnung der ARTEMISE näher bestimmen zu können, müßen wir auf andere Informationen zurückgreifen:
Dashwood sah eine große Fregatte mit 15 Geschützpforten bzw. 44 bis 46 Kanonen.  William James behauptet, dass die Franzosen nach 1798 aufgehört hatten, 12-Pfünder-Fregatten zu bauen und sich nur noch auf die schweren Fregatten mit 18-Pfündern konzentrierten. Weil aber die letzte bekannte ARTEMISE 1798 bei Abukir vernichtet wurde, habe ihre Nachfolgerin eine große Fregatte mit entsprechender Armierung sein müssen. Demnach habe die SYLPH einer 18-Pfünder-Fregatte mit 350 Mann Besatzung und mit mindestens 1100 Tonnen gegenübergestanden. Die Konsequenzen dieser Annahme werden aber in einem weiteren Vergleich deutlich:
Die Durchschlagskraft von Geschossen aus den Karronaden der SYLPH bleibt deutlich unter der von Kanonen. Vergleicht man die Breitseiten der beiden Schiffe, sieht das so aus : Acht britische 32-Pfünder-Karronaden und ein Sechspfünder hätten gegen vierzehn 18-Pfünder-Kanonen, mindestens einer 36-Pfünder-Karronade und 7 bis 8 Achtpfünder auf Deck der ARTEMISE gestanden.

Ich behaupte an dieser Stelle, alle Erfahrungen mit anderen Gefechten in Rechnung stellend, dass die SYLPH sich in einem solchen Duell nie und nimmer für 80 Minuten geschweige denn für 125 Minuten an der Seite einer derartig bewaffneten ARTEMISE hätte halten können, selbst wenn die französischen Kanoniere grottenschlecht geschossen hätten. Die Gesamtverlustquote der Brigg passt nicht zu einem insgesamt über dreistündigen Beschuss mit Achtzehnpfündern. Die erlittenen Schäden am Schiff konterkarieren die Vorstellung, die Sloop sei auf Pistolenschußweite von Achtzehnpfündergeschossen getroffen worden.
Dies gilt m.E. auch, wenn man Dashwoods Manöver im zweiten Treffen berücksichtigt. Im Bericht zum zweiten Gefecht schildert der britische Kommandant, dass es ihm mit der SYLPH gelungen war, eine besonders vorteilhafte Position gegenüber seinem Gegner einzunehmen und diese zu halten. Auf der  Luvseite der Fregatte konnte Dashwood die Brigg neben den Bug des längeren und größeren Schiffes setzen, weil die SYLPH dem Gegner Wind nahm und so schneller war. Das französische Schiff konnte so nicht ihre gesamte Breitseite auf das Ziel richten.  Nur die vorderen 18-Pfünder wären dann zum Tragen gekommen. Bei einem zweistündigen Beschuss dieser Kanonen müßte die Schießleistung der Franzosen aber äußerst erbärmlich gewesen sein. 
Bezüglich des ersten Gefechtes jedoch dokumentiert ein Offizier der SYLPH in der NAVAL CHRONICLE immerhin 58 Treffer im Rumpf der Brigg. Der größte Teil davon müßte, ausgehend von ihrer Position auf Höhe der Brigg, mit den schweren Geschützen erzielt worden sein. Ausgehend von 18-Pfündern müßte man sich wundern, dass das Schiff danach noch in einem Stück war. Auch die Splitterwirkung wäre entsprechend größer gewesen. Damit sind die Kugeln, die über das Deck der SYLPH flogen oder die mindestens 122 Treffer in die Rigg, die zu herabfallenden Objekten führten, noch gar nicht erfasst. Das Feuer durch die obligatorische(n) 36-Pfünder-Karronade(n), Traubengeschosse aus den Achtpfündern oder gar Kartätschen müßte man noch berücksichtigen. Trotzdem wurden lediglich 9 Briten verletzt und nur einer getötet, in Summe eine Verlustquote von 10% unter der Crew (exklusive Offiziere). Dashwood spricht in seinem Bericht von mehreren Treffern in der Wasserlinie. Wenn diese von 18-Pfündern stammten, passt dies zu dem vergleichsweise moderaten Wassereinbruch, den die SYLPH zu verzeichnen hatte ? Konnte die SYLPH wirklich mit einer 18-Pfünder-Fregatte gekämpft haben ?

The Encyclopedia of World History: Ancient, Medieval and Modern - Chronologically Arranged   The Encyclopedia of World History: Ancient, Medieval and Modern - Chronologically Arranged

von Peter N. Stearns

Sprache: Englisch
Format: Gebunden 25,7 x 20,6 x 4,8 cm
1243 Seiten
Verlag
: James Clarke & Co Ltd
Erschienen in 1. Auflage im Januar 2002

Ein Monumentalwerk der Geschichte, Tag für Tag, Monat für Monat, Jahr für Jahr. Kaum ein Ereignis von Bedeutung, das man hier nicht findet - selbst wenn es weniger historisch, sondern z.B. eher gesellschaftlich war. Ergänzt um spezielle Perspektiven, z.B. um eine Geschichte der Frauen oder aussagekräftige Statistiken. Das Buch ist m.E. buchstäblich jeden Cent wert. Notwendiges Übel, um es noch transportieren zu können: Sehr kleine Schrift.
Inklusive CD

Diese Bedenken hatten vermutlich schon Kenner des Metiers zu Dashwoods Zeiten. Die britische Admiralität, namentlich Admiral Earl St. Vincent, blieb auffallend vorsichtig und zurückhaltend in der Bewertung des ersten Gefechtes der SYLPH. Auch aus den Worten des viktorianischen Historikers William James klingt Skepsis. Zwischen den Zeilen kann man herauslesen, dass er Dashwoods Bericht nicht traut.
Trotzdem wurde Dashwood schließlich doch wegen des Gefechtes gegen eine französische Fregatte mit Namen ARTEMISE zum Kapitän befördert.  Ganz offensichtlich haben sich die Briten damals von der Existenz dieses Schiffes überzeugt und gingen davon aus, dass die SYLPH im zweiten Gefecht dieser Fregatte gegenüberstand. Für das erste Gefecht galt damals vermutlich bereits die Version eines spanischen oder französischen Privatiers. Artilleristisch schwer bewaffnete Privatiers waren zwar selten, doch ähnlich der großen spanischen Privatier-Brigg CANTARA (22), die am 27. Juli 1801 vor Kap Ortegal von der CONSTANCE (24 – Zachary Mudge) und der STORK (18 – W. Parker) erobert wurde und laut Bericht von Zachary Mudge 18 Achtzehnpfünder (!) und 4 Sechspfünder trug, hätte die SYLPH auch auf einen Dreimaster ähnlicher Stärke treffen können. Dieser, so muß damals die Vorstellung gewesen sein, wäre lediglich mit 12-Pfündern und / oder 8-Pfündern armiert gewesen. Dieses Geschosskaliber ist tatsächlicher viel eher konsistent mit den beschriebenen Schäden der SYLPH.
Im Fall des zweiten Gefechts hätte es ebenfalls eine gute Erklärung für die minimale Verlustquote der Briten geben können, ohne das Dashwood sein beschriebenes Manöver exzessiv hätte durchhalten müßen: Die ARTEMISE segelte vor Kap Penas en flute. Die Fregatte hatte demgemäß ihre schweren Kanonen tief im Bauch des Schiffes verstaut, um Platz für eine Ladung zu machen. In diesem Fall wären den Franzosen nur noch die Decksgeschütze geblieben, also zwei bis vier 36-Pfünder-Karronaden und 10 bis 14 Achtpfünder-Kanonen. Eine derartig reduzierte französische Breitseite würde den relativ guten Zustand der SYLPH nach dem 125 Minuten andauernden Gefecht Seite an Seite erklären.
Auch der Ort des Geschehens spricht durchaus für eine en flute segelnde französische Fregatte:
Anfang 1801 begann das mit Frankreich verbündete Spanien Portugal unter Druck zu setzen, indem es Truppen, darunter auch einen französischer Hilfskorps, an der Grenze zum Nachbarland konzentrierte. Am 6. Juni 1801 hatte diese brachiale Form der Diplomatie Erfolg. Im Vertrag von Badajoz sicherte Portugal Spanien u.a. die Schließung seiner Häfen für britische Schiffe zu. Die französischen Truppen konnten also wieder abgezogen werden, um an anderen Brennpunkten zum Einsatz zu kommen. Genau dieser Mission konnte möglicherweise die Fahrt der ARTEMISE gedient haben. Ende Juli steuerte sie vielleicht die nordspanische Küste an, um Truppen, Kanonen und / oder auch Ausrüstung an Bord zu nehmen. Um die Ladung zu verstauen, war es ein übliches Verfahren, auch das Artilleriedeck von Kanonen zu befreien, um mehr Platz zu haben. Weil die leeren Geschützpforten aussahen wie die Löcher einer Flöte, nannte man das en flute. Die SYLPH erwischte die ARTEMISE möglicherweise auf ihrer Rückreise nach Frankreich genau in diesem Zustand.

Die Privatier-Version und die en flute-Version passen aber an einer Stelle nicht zusammen:  Dashwood war sich recht sicher, in beiden Gefechten demselben Gegner gegenüber gestanden zu haben. Und im zweiten Fall stieß er vor Kap Penas zweifelsfrei auf eine französische Fregatte. Solange die 18-Pfünder-Kanonen im Spiel sind, wird die Geschichte, die Dashwoods Berichte erzählen, unglaubwürdig. Aber der Commander wurde am Ende doch zum Kapitän befördert, eine Maßnahme, die die Admiralität sicher keinem Mann hätte zukommen lassen, der seine Berichte geschönt hatte. 

Michael Calvert, Peter Young - A Dictionary of Battles: 1715-1815.

Und tatsächlich gibt es eine relativ einfache Auflösung des Rätsels:
Dashwood selbst hat in seinen Berichten lediglich von einer großen Fregatte gesprochen, über das Kaliber ihrer Kanonen hat er sich freilich nicht ausgelassen. Geht man  einmal davon aus, dass die ARTEMISE keine 18-Pfünder, sondern 12-Pfünder-Kanonen im Artilleriedeck getragen hat, dann lassen sich die Schäden und Verluste des ersten und zweiten Gefechts sowie Dashwoods Beobachtungen in Einklang bringen. 58 Treffer in den Rumpf einer 380-Tonnen-Brigg, verursacht durch Zwölfpfünder, sind realistisch. Auch die insgesamt rund 180 dokumentierten Treffer nach 80 Minuten Gefecht vor Kap Andero lassen sich von den Ladezeiten realistischer mit 8- und 12-Pfündern erreichen als mit 18-Pfündern und dem kleineren Kaliber. Der geschilderte Wassereinbruch durch Treffer in der Wasserlinie der Brigg entspricht den Erwartungen. Außerdem bin ich der Überzeugung, dass Dashwood das zweite Gefecht nie und nimmer angenommen hätte, wenn er nach seinem ersten Gefecht 18-Pfünder-Kugeln im Holz seiner Brigg gefunden hätte. Das wäre gewesen, als würde er nach einem Sechser im Lotto ein zweites Mal auf den Haupttreffer hoffen.

Dies also muß des Rätsels Lösung sein: Die ARTEMISE war offensichtlich eine große Zwölfpfünder-Fregatte, die vielleicht in oben bereits genanntem Auftrag unterwegs war. Beim ersten Gefecht hatte sie die Zwölfpfünder aufgestellt, in den zweiten Kampf segelte sie vielleicht en flute, vielleicht auch nicht - in beiden Fällen hätte das von Dashwood beschriebene Gefecht so ablaufen können. 
Was aber ist mit William James Behauptung, Frankreich habe nach 1798 nur noch 18-Pfünder-Fregatten gebaut ?
Die ARTEMISE hätte durchaus auch ein älteres Schiff sein können, reaktiviert, um sie in der Biskaya zwischen Frankreich und dem Verbündeten Spanien einzusetzen. Möglicherweise war sie sogar eine ehemalige venezianische Fregatte, 1797 oder 1798 im Mittelmeer erobert und dann später in französische Dienste übernommen. Dies könnte auch erklären, warum der Name ARTEMISE nicht in den Listen  auftauchte, die James wälzte, und warum man später nichts mehr von ihr hörte. Wahrscheinlich wurde das Schiff nach seiner Rückkehr nach Frankreich abgewrackt. Denn es ist eher unwahrscheinlich, dass die 1808 aufgelaufene Fregatte identisch mit der 1801 gegen die SYLPH kämpfende ARTEMISE war.

Das Schicksal des Kapitäns der ARTEMISE bleibt noch zu klären. Nach Dashwoods Informationen bzw. dem Bericht in der CHRONICLE wurde er nach dem ersten Gefecht des Kommandos enthoben. Laut John Marshall (Royal Navy Biography - siehe hier und unten ) stellte man ihn sogar vor ein Kriegsgericht und dann an die Wand. Marshalls Quellen sind freilich obskur. Auch William James konnte in französischen Publikationen weder etwas über das Urteil noch die Hinrichtung geschweige denn den Namen des Mannes etwas finden. Warum der Kapitän des ersten Gefechts das genannte Schicksal hätte erleiden sollen, während der französische Kommandant des zweiten Treffens offenbar ungeschoren blieb, wäre ohnehin schwer zu erklären.

Commander Charles Dashwood wurde im November 1801, wie bereits erwähnt, wegen seines Einsatzes im Gefecht gegen die ARTEMISE, zum Kapitän befördert. Er brachte es in der Royal Navy noch bis zum Vizeadmiral (1847).


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