Seeschlacht.tk - Die Seekriege, Seeschlachten und Duelle auf See von 1775 bis 1815
Chronologie der europäischen Seekriege 1793 bis 1815, Band 1, bis 1802
Chronologie der europäischen Seekriege 1793 - 1815
Band 1 : Von 1793 bis zum Frieden von Amiens 1802

von Thomas Siebe
Sprache: Deutsch Broschiert - 224 Seiten - BoD
ISBN 978-3-8423-2883-9 Erschienen: September 2010
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Invasionsangst und Zeitungsenten

Die Jahre 1804 und 1805 waren in England geprägt von der Invasionsangst. Schon seit längerem hatte Napoleon Bonaparte, später Kaiser Napoleon von Frankreich, Pläne offenbart, seinen ältesten und ärgsten Feind in den Kriegen seit 1793, mit einem Landungsunternehmen seiner Truppen in die Knie zu zwingen. Bereits seit 1803 wurden in großen Mengen dafür gedachte spezielle Boote (Prähme) in Häfen der Kanalküste gefertigt.
Der Bau der flotilla wurde in England mit Besorgnis beobachtet, sowohl von Marineexperten als auch von der Presse und damit auch vom breiten Publikum.
Zwar machte sich namentlich die englische Admiralität offiziell über die Qualität der französischen Landungsboote lustig, die Politik winkte sowieso symbolisch ab und in der Presse wurden mögliche Mängel eines solchen französischen Planes oft in Karikaturen verarbeitet.
Immerhin galt England seit den Siegen von Kap St. Vincent, Camperdown und Abukir und vielen kleineren Erfolgen in Fregattenduellen doch als überlegene Seemacht und hatte im Kanal eine ganze Flotte stationiert.
Auf der anderen Seite war der englische Kanal nicht breit und tatsächlich konnte selbst die englische Admiralität nicht wirklich mit Sicherheit sagen, welche Erfolgsaussichten man dem beispiellosen französischen Plan zuschreiben konnte. Nicht umsonst wurde der Bau dieser Invasions-Flotille immer wieder durch Landüberfälle und Bombardments der Royal Navy unterbrochen. Diese Maßnahmen konnten den Bau jedoch kaum verzögern, gerade die Bombardements erwiesen sich als besonders ineffizient. Das Sicherheitsbedürfnis forderte also auf den unerhörten Plan Napoleons auch unerhörte, öffentliche Antworten.
Eine dieser zahllosen Antworten wird in dem folgenden Artikel aus der TIMES thematisiert. Man muß dazu wissen, das der im Artikel benannte Erfinder William Congreve die erwähnte schwimmende Batterie weder entworfen geschweige denn gebaut hat. Es ist rätselhaft, woher der Autor des Artikels seine Informationen bezog. Sicher ist, daß Congreve zu diesem Zeitpunkt bereits mit Raketen experimentierte, von denen er zahlreiche Exemplare aus Indien mitgebracht hatte. Der erste Raketenangriff auf die Invasionsflotte unter dem Kommando von Sir Sidney Smith fand jedoch erst im November 1805 statt.
Der Artikel könnte immerhin aber ein Resultat der Beobachtung von Versuchen mit Congreve-Raketen sein, die der Schreiber dann fantasievoll auf eine erfundene schwimmende Batterie übertragen hat.

Aus der TIMES vom 20. Februar 1805

(Aus dem Englischen übersetzt von T. Coladores )
 

Fast den ganzen Montag über war bei Dover in Richtung nach Boulogne eine besonders schwere Kanonade zu hören. Wir wurden informiert, das eine schwimmende Mörser-Batterie für das Bombardement von feindlichen Häfen von dem Artilleristen Mr. Congreve (*), Sohn von General Congreve, erfunden wurde. Diese ist sowohl gegen Granaten als auch gegen glühende Kugeln sicher. Man sagt, sie sei so ersonnen, das , obwohl sie mit Masten und Segeln für jede Reise ausgestattet wurde, sie diese in weniger als einer Viertelstunde abbauen kann, so das die Batterie nur noch den puren Rumpf präsentiert, mit abgeschrägten Seiten über dem Wasser, der von 40 Männern unter der Deckung der Bomben-Sicherungen gerudert wird. Man kann diese, bedingt durch die spezielle Konstruktion von Masten und Rigg, genau so schnell wieder unter Segel bringen wie man sie abgebaut hat. Das Ruder und die Verankerungen sind völlig unter Wasser und durch einen Bombenschutz gesichert, so das es nicht möglich ist, von ihnen im Stich gelassen zu werden. Die Batterie ist mit vier großen Mörsern für das Bombardement und vier 42-Pfünder-Karronaden für die Selbstverteidigung bewaffnet, obwohl sie, bedeckt mit eisernen Platten und Riegeln, weder in Brand gesetzt noch geentert werden kann. Obwohl sie nicht mehr als 250 Tonnen haben und nicht mehr als 12 Fuß Tiefgang, könnten vier solcher Schiffe in einem Angriff bis zu 500 Granaten auf jeden Ort werfen und dies mit größter Wirkung und Präzision, zum einen, weil sie sich von ihrer Konstruktion her ohne Rücksicht feindlichen Batterien nähern können, zum anderen, wegen der besonderen Neuerung bei den Mörser-Bettungen - die Ausrichtung der Mörser wird nicht durch das Rollen und Kippen des Schiffes beeinflußt.
Einige unserer herausragensten Seeleute haben die Erfindung gesehen und erprobt und es wird gesagt, das Minister die Pläne dieses Gentlemans gefördert haben und daran denken, sie umzusetzen, mit aller Eile, mit energischen und regelmäßigen Bombardements derjenigen Feindhäfen, welche eine beträchtliche Ansammlung der flotilla beherbergt. Wir für unseren Teil wünschen auf tiefem Herzen, das sie es tun, nicht nur, weil wir ein solches Angriffssystem für höchstwahrscheinlich effektiv und nicht minder ehrenhaft halten, sondern auch, weil es uns scheint, das die Konsequenzen des Beginnes einer solchen entscheidungsversprechenden Kampanje unschätzbare Vorteile für dieses Land haben würde, sowohl für die inneren als auch die äußeren Beziehungen. Wir haben erfahren, das der Erfinder dieser schwimmenden Batterien viel von seiner Zeit dem Studium der Mechanik und des Schiffbaus gewidmet hat und gerade zu diesem Zeitpunkt ein Werk über Mechanik im Druck hat, das er , in Anlehnung an das "Century Of Invention" des Marquis von Worcester, "A Second Century of Inventions" genannt hat.


* Sir William Congreve war ein englischer Artillerist, Ingenieur und Erfinder. Congreve wurde bekannt durch die nach ihm benannten Raketen.


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