Chronologie der europäischen Seekriege 1793 bis 1815, Band 1, bis 1802
Chronologie der europäischen Seekriege 1793 - 1815
Band 1 : Von 1793 bis zum Frieden von Amiens 1802

von Thomas Siebe
Sprache: Deutsch Broschiert - 224 Seiten - BoD
ISBN 978-3-8423-2883-9 Erschienen: September 2010
Bei AMAZON bestellen Mehr Infos

Beispiel-Seiten
Beispiel 1 - Beispiel 2 - Beispiel 3

The Naval War of 1812 von Theodore Roosevelt

The Naval War of 1812
von Theodore Roosevelt

Sprache: Englisch
Format: Taschenbuch - 238 Seiten - Verlag: Kessinger Publishing Co.
Erschienen Juni 2004

Ein Reprint des Klassikers von Theodore Roosevelt
zum Zweiten Amerikanische Unabhängigkeitskrieg mit Fokus auf den Seekrieg.


Jagd auf die BELVIDERA


Der erste Schuss des Krieges zwischen den USA und Großbritannien

Zur Vorgeschichte siehe hier

Wie bereits erwähnt, traf der Kriegsausbruch am 18. Juni 1812 die Navys beider Seiten unvorbereitet. England hatte zu diesem Zeitpunkt vor der Ostküste nur ein 64-Kanonen-Linienschiff, die AFRICA, einige Fregatten - ACASTA (40), SHANNON (38), GUERRIERE (38), BELVIDERA (36), AEOLUS (32), SOUTHAMPTON (32) und MINERVA (32) - und ein paar Sloops zur Verfügung.
Auch die meisten größeren Schiffe der USA waren noch nicht einsetzbar: CONSTITUTION (44), CONSTELLATION (38), CHESAPEAKE (36), ESSEX (32) und JOHN ADAMS (32) waren aus diversen Gründen auf Wochen nicht einsetzbar und einige kampfkräftige Sloops waren ohne Nachricht vom Krieg irgendwo auf See.

In New York jedoch lag das Geschwader von Kommodore John Rodgers. Es bestand aus der PRESIDENT (44 - Kommodore Rodgers), der UNITED STATES (44 - Kommodore Decatur), der CONGRESS (36 - Smith), der HORNET (18 - Lawrence) und der ARGUS (16 - Sinclair). Während die anderen amerikanischen Kriegsschiffe zu diesem Zeitpunkt entweder ohne Besatzung, ohne Munition oder weit ab vom Geschehen waren, traf die Kriegserklärung zumindest Rodgers Geschwader nicht unvorbereitet.

Am 21. Juni 1812 liefen die Schiffe des zu diesem Zeitpunkt ranghöchsten Marineoffiziers aus. Rodgers Ziel war der englische Jamaika-Konvoi, eine Flotte von rund 100 Handelsschiffen auf dem Weg nach England. Der Konvoi war am 20. Mai 1812 von Jamaika aus aufgebrochen und bewegte sich mit dem Golfstrom just in diesen Tagen vor der Ostküste der USA. Eskortiert wurden die wertvollen Schiffe lediglich von der englischen Fregatte THALIA (36 - James Vashon) und der Sloop REINDEER (18 - William Manners). Wäre Rodgers Geschwader in diesen Konvoi eingebrochen, hätte die USA den Krieg gegen den vermeintlich übermächtigen Feind mit dem härtesten denkbaren Schlag begonnen.

Zwei Tage nach ihrem Auslaufen, am 23. Juni 1812 und gegen 3:00, traf das amerikanische Geschwader einen Landsmann, eine Brigg, die von Madeira kommend New York ansteuerte. Vier Tage zuvor war dieses Schiff dem Jamaika-Konvoi begegnet und zwar rund 150 Meilen nördlich der Bermuda-Insel. Die englischen Handelsschiffe steuerten nach Osten. Damit war die wertvolle Beute aber absolut noch in Schlagdistanz. Rodgers Schiffe setzten sich nun auf die Fährte ihrer potentiellen Opfer. Gegen 6:00 sichteten sie im Nordosten das Segel eines großen Schiffes, das sich rasch dem amerikanischen Geschwader näherte.


REVELL-Bausatz der USS CONSTITUTION Maßstab 1 : 96

Es war die englische Fregatte BELVIDERA (36) unter dem Kommando von James Byron, die seit geraumer Zeit an diesem Punkt, rund 100 Meilen südwestlich vor New London (Connecticut) und 100 Meilen südöstlich von Nantucket, gekreuzt hatte. Byron lauerte hier auf das französische Kaperschiff MARENGO, das im genannten amerikanischen Hafen Schutz gesucht hatte. An Bord der BELVIDERA wußte man noch nichts vom Ausbruch des Krieges und das amerikanische Geschwader erregte die Aufmerksamkeit der Engländer. So hielt die mit 18-Pfünder-Kanonen bewaffnete Fregatte zunächst auf Rodgers zu, doch als Byron die amerikanischen Schiffe identifiziert hatte, ließ er sofort abdrehen. Die Nachricht vom Kriegsausbruch hatte ihn zwar noch nicht erreicht, doch wußte der Engländer um die Möglichkeit eines bereits herrschenden Kriegszustandes und ließ Vorsicht walten.

Rodgers befahl, die Verfolgung des fremden Schiffes aufzunehmen, das Kurs Nordwest Richtung Nova Scotia bzw. Halifax steuerte, und hinterließ der Nachwelt mit seiner Entscheidung eines dieser Rätsel, die für reichlich Spekulationen sorgen, aber letztlich unlösbar sind, weil sich der Entscheidende dazu nicht geäußert hat. Der amerikanische Kommodore konnte an dieser Stelle jedenfalls nicht davon ausgehen, hier bereits auf den Konvoi zu stoßen. Die Verfolgung dieses einsamen Seglers aber verzögerte die Jagd auf den riesigen Haufen wertvollen englischen Handelsschiffe, der sich viele Meilen östlich des amerikanischen Geschwaders über den Atlantik quälte. Warum setzte der amerikanische Kommodore diesem einzelnen Schiff trotzdem nach ? Glaubte er, hier einer Gruppe von Nachzüglern des Konvois nachzusetzen ? Oder betrachtete er die Chancen, den Konvoi noch zu erreichen, als zu gering und zog nun den Spatz in der Hand der Taube auf dem Dach vor. Doch Rodgers brach die Verfolgung auch nicht ab, als er erkennen konnte, daß das verfolgte Schiff allein war. Und nach der Verfolgung versuchte er mit seinem Geschwader doch noch, an den Konvoi heranzukommen. Die einzige Erklärung ist m.E. , das Rodgers glaubte, trotz der Verfolgung des einzelnen Schiffes noch genügend Zeit für einen Angriff auf die fette Beute im Atlantik zu haben - ein kostspieliger Irrtum !

Suchen nach:
In Partnerschaft mit Amazon.de

Um 6:30 war die BELVIDERA in Sicht gekommen, um 8:15 floh sie mit vollen Segeln nach Nordwesten, zunächst noch begünstigt durch den Wind und mit einem Vorsprung von einigen Meilen. Das amerikanische Geschwader nahm jedoch, wie schon erwähnt, trotzdem die Verfolgung auf und gegen 11:00 schwächelte die Brise, der Wind drehte leicht von Westen. Nun kam die große Stunde der PRESIDENT (44), die vor dem Wind ein ausgezeichneter Segler war. Meter um Meter näherte sie sich der BELVIDERA, die den Union Jack gesetzt hatte. Auch die amerikanischen Schiffe ließen nun ihr Sternenbanner wehen. Die stetige Verfolgung ließ es für Byron zur Gewissheit werden: Die USA und Großbritannien mussten sich im Krieg befinden. Der Engländer ließ im Hauptdeck die zwei hintersten 18-Pfünder-Kanonen an die Heck-Stückpforten rollen und auch auf dem Achterdeck zwei 32-Pfünder-Karronaden nach hinten richten. Auch den auf dem Achterdeck stehenden Neunpfünder machte man bereit. Die BELVIDERA richtete sich auf ein Jagdgefecht ein.
Gegen 12:00 hatte die PRESIDENT, die als das größte Schiff am besten von Windstärke und -richtung profitierte, die ursprüngliche Distanz zur BELVIDERA bereits mehr als halbiert und war weniger als 3 Meilen hinter ihr. Von den anderen amerikanischen Schiffen konnte ihr noch am besten die CONGRESS folgen. Gegen 14:00 ließ der Wind noch einmal deutlich nach und die schnellsten Amerikaner holten nun sehr schnell auf. Kurz nach 16:00 war die PRESIDENT schließlich nur noch 600 Meter hinter der englischen Fregatte und Kommodore Rodgers kam persönlich ins Vorschiff, um den ersten Schuß abzufeuern. So fiel am 23. Juni 1812 zwischen 16:20 und 16:30 der erste Schuß dieses zweiten Krieges zwischen den ehemaligen amerikanischen Kolonien und Großbritannien und bohrte sich in das Heck der BELVIDERA. Kurz nach Rodgers Schuß fielen auch die anderen Buggeschütze der PRESIDENT ein und trafen ebenfalls ihr Ziel. Schon diese erste kleine Salve aus den schweren Vierundzwanzigpfündern der PRESIDENT forderte neben beträchtlichem Schaden die ersten Toten und Verwundeten des Konfliktes.

Napoleons gefallenen Göttinnen
SEESCHLACHT.TK - Das Buch

Napoleons gefallene Göttinnen
Die Geschichte der französischen MINERVE-Fregatten

von Thomas Siebe
Sprache: Deutsch Paperback - 349 Seiten - BoD
ISBN 978-3-8391-0218-3 Erscheinungsdatum: Mai 2009
Bei AMAZON bestellen Mehr Infos

Erst jetzt ließ Byron laut seinem eigenen Bericht die Kanonen mit Kugeln laden. Offensichtlich hatte der englische Kapitän nicht das Risiko eines versehentlichen scharfen Schusses eingehen wollen und hatte bis dahin lediglich die Pulverkartuschen anbohren lassen. Während nun die verstärkte englische Heckbatterie das Feuer eröffneten, entlud sich auch die zweite Salve von der PRESIDENT.
Doch der Krieg von 1812 begann unglücklich für die USA : Einer der amerikanischen Vierundzwanzigpfünder explodierte beim Auslösen des Schusses. Das krepierende Geschütz tötete und verwundete auf einen Schlag gleich 16 Mann, darunter auch Kommodore Rodgers, der eine schwere Verletzung an der Hüfte oder am Bein davontrug. Ungefähr zum gleichen Zeitpunkt, kurz davor oder kurz danach, schlugen dazu die Kugeln von der BELVIDERA ein, auch hier jedes Geschoss ein Treffer. Als Folge der Explosion waren die Bugkanonen der PRESIDENT vorübergehend nicht mehr in der Lage, den Gegner zu fassen, so das Rodgers den Kurs ändern ließ und der BELVIDERA nun seine Backbord-Breitseite zuwendete. Der amerikanische Kommodore ließ auf die Takelage des Gegners zielen, um dessen Flucht zu hemmen, doch die durch die englische Leinwand rauschende Breitseite brachte erstaunlicherweise nicht die erhoffte Wirkung, die Rigg der BELVIDERA nahm nur leichten Schaden.
Dieses Schießergebnis war unerwartet, bedenkt man die Treffsicherheit der Buggeschütze. Überhaupt sollten die Leistungen der Kanoniere der PRESIDENT von diesem Zeitpunkt an nachlassen. Roosevelt nennt in seinem Buch über den Seekrieg von 1812 einen möglichen Grund : Wenn an Bord eines Schiffes eine defekte Kanone auftauchte bzw. sogar explodierte, wurde jedes andere Geschütz mit Mißtrauen betrachtet. Eine gewisse Vorsicht, eine gewisse Zögerlichkeit der Kanoniere konnte dann auch die Schießleistung beeinträchtigen.
Auf der BELVIDERA kannte man dieses Problem noch nicht : Die nächste kleine Salve der verfolgten Fregatte fand ihr Ziel im Holz der PRESIDENT. Doch auch hier wurden plötzlich die eigenen Kanonen den kämpfenden Männern zum Feind: Die Haltebolzen und / oder Haltehaken der Karronaden der BELVIDERA rissen mehrfach und verletzten zahlreiche Seeleute ernsthaft, u.a. auch Kapitän Byron.

Brian Lavery - The Ship of the Line. Vol. I: The development of the battlefleet 1650 - 1850.


Inzwischen hatte die PRESIDENT durch ihren kurzfristigen Kurswechsel und die abgeschossene Breitseite einiges an Raum auf Byrons Schiff eingebüßt, während die kleineren Schäden in der Rigg der BELVIDERA schnell ausgebessert worden waren. Doch auf dem alten Kurs holte der Amerikaner wieder auf.
Schon war die PRESIDENT der BELVIDERA sogar noch näher gekommen als bei ihrem ersten Anlauf und nahm bis dahin das Schnellfeuer der englischen Heckbatterie in Kauf. Aus 5 bis 9 Geschützen feuerten die Briten während der gesamten Verfolgung immerhin rund 300 Schüsse ab. Auch die PRESIDENT hatte wieder mit dem Beschuss aus ihren Bugkanonen begonnen und erzielte einiges an Wirkung: Der Haupttoppmast der BELVIDERA war angeknackst und zwei oder drei Rahen hatten Schäden davongetragen.
Bei einer Distanz von weniger als 400 Meter ließ Rodgers erneut den Kurs ändern und präsentierte der BELVIDERA wiederum seine Backbordbreitseite. Die 15 Vierundzwanzigpfünder des Hauptdecks und die Karronaden des Oberdecks donnerten und blitzten, doch die Breitseite blieb wunderbarerweise ohne nennenswerte Wirkung, was man nicht allein der Vorsicht der Kanoniere zuschreiben kann. Offenbar wurde hier auf Seiten der Amerikaner versäumt, der rapide verkürzten Distanz zum Ziel Rechnung zu tragen. Immerhin aber drohte die schnellere PRESIDENT auf ihrem Kurs nun bald direkt neben die BELVIDERA zu gleiten, womit deren Schicksal wegen ihrer artilleristischen Unterlegenheit wahrscheinlich schnell besiegelt gewesen wäre. Doch der englische Kapitän hatte noch einen Trumpf im Ärmel, um die Fahrt der BELVIDERA zu beschleunigen. Die Frage stellt sich jedoch noch heute, ob er damit nicht schon zu lange gewartet hatte.

Es war 18:25, als sich das Schicksal der BELVIDERA entschied. Byron, der beim Kurswechsel der PRESIDENT Rodgers Hintergedanken erraten hatte, reagierte mit einer leichten Kurskorrektur weg von der PRESIDENT. Gleichzeitig spielte er seine letzte o.g. Karte und ließ in großem Umfang Ballast abwerfen.
Byron hoffte inständig auf die Beschleunigung durch eine Erleichterung des Schiffes. Auf einen Schlag wurden vier Beiboote zurückgelassen, 14 Tonnen Trinkwasser wurden über Bord geschüttet, vier Anker gelöst bzw. gekappt.
Und tatsächlich blieb die PRESIDENT nun hinter der englischen Fregatte zurück, dafür kam die BELVIDERA aber in der Schussbereich der CONGRESS, die von den Schäden beider Schiffe hatte profitieren können und kräftig aufgeholt hatte. Es vergingen bange Minuten an Bord des Briten, der sichtlich noch einige Kugeln von der CONGRESS würde schlucken müßen.
Um 18:30 feuerte die Fregatte von Kapitän Smith eine halbe Breitseite aus spitzem Winkel auf die vor ihr davon kreuzende englische Fregatte ab, doch die Schüsse der CONGRESS lagen zum Glück für die BELVIDERA zu kurz. Byrons Schiff erleichterte sich um weiteren Ballast - möglicherweise um 2 oder 4 ihrer Achtzehnpfünder-Kanonen - und bekam durch diese Gabe an das Meer einen weiteren, entscheidenden Schub.
Bis 20:00 hatte die BELVIDERA ihren Vorsprung vor der PRESIDENT und der CONGRESS auf 2 Meilen ausgebaut, gegen 23:30 sogar auf über drei Meilen. Gegen Mitternacht ließ Rodgers die PRESIDENT und die CONGRESS beidrehen, um den anderen Schiffen des Geschwaders Gelegenheit zu geben, aufzuschließen.
Die BELVIDERA war entkommen und lief nur wenige Tage später in Halifax ein.

 The Royal Navy: A History from the Earliest Times to 1900 The Royal Navy:
A History from the Earliest Times to 1900

von William Laird Clowes
Sprache: Englisch
Taschenbuch (Reprint) - 640 Seiten
Erschienen bei Chatham Publishing -

Erscheinungsdatum: 1. November 1996
 The Naval History of Great Britain: During the French Revolutionary and Napoleonic Wars The Naval History of Great Britain: During the French Revolutionary and Napoleonic Wars
von William James, Andrew Lambert
Sprache: Englisch
Gebunden - 568 Seiten - Stackpole Books

Erscheinungsdatum: März 2003

 

Rodgers erfolglose Reise

Das Jagdgefecht hatte die BELVIDERA 2 Tote und 22 Verwundete gekostet, an Bord der PRESIDENT starben 4 Männer, 18 wurden verletzt. Durch notwendige Reparaturen auf der PRESIDENT verlor das amerikanische Geschwader nach den Stunden der Jagd noch weitere wertvolle Zeit.
William James und Theodore Roosevelt schreiben, das Rodgers Schiffe und der begehrte Jamaika-Konvoi zu Beginn der Jagd auf die BELVIDERA auf dem selben Breitengrad waren, Rodgers auf dem 71. Längengrad, der Konvoi auf dem 62. Längengrad. Hätte Rodgers die BELVIDERA ziehen lassen und seinen Kurs fortgesetzt, wäre er früher oder später auf die Flotte gestoßen.

Am 24. Juni 1812 nahmen die Amerikaner die Verfolgung der Jamaika-Flotte erneut auf. Während Rodgers nach Osten stürmte, lief die BELVIDERA am 27. Juni 1812 in Halifax ein, ironischerweise mit zwei unterwegs gekaperten amerikanischen Handelsschiffen im Schlepptau, die Byron unterwegs "aufgesammelt" hatte. Manchmal ist das Kriegsglück wirklich ungerecht verteilt.

Schnell stieß Rodgers auf Spuren des Konvois:
Das ein oder andere Schiff, dem er begegnete, hatte die Jamaika-Flotte gesehen. Außerdem ließen die englischen Handelsschiffe eine breite Spur treibenden Mülls und verlorener Südfrüchte in ihrem Kielwasser zurück. Rodgers Offiziere ließen sich Ananas und Orangen schmecken, die die Crew aus dieser riesigen Fährte fischten.
Das Ziel schien wirklich zum Greifen nah, jeden Augenblick erwartete man an Bord der Amerikaner den Ruf "Schiffe ho !", doch ... Rodgers sollte die begehrte Beute einfach nicht finden.
Vergleiche der Logbücher zeigen, daß er an einem Punkt der Verfolgung nicht einmal 1 Tag hinter dem Jamaika-Konvoi war. Rund 200 Meilen vor der englischen Küste gab der amerikanische Geschwaderchef schließlich die Suche auf, weil der Konvoi nach Angaben von Fischern unter den Schutz heimkehrender englischer Linienschiffe gekommen war.

Kommodore Rodgers hatte seine Mission nicht erfüllen können. Hätte er dagegen bei Sichtung der BELVIDERA seinen Kurs beibehalten, wäre ihm vermutlich der große Schlag gelungen.
Auch auf seinem Rückweg begegnete das amerikanische Geschwader, alles andere als vom Glück verwöhnt, nur wenigen Schiffen, die als Prisen genommen wurden. Bei seiner Rückmeldung in New York konnte Rogers keinen echten Erfolg melden

Doch aus Fehlern kann man lernen und dies taten die Amerikaner gründlich:
Rodgers Fehlschlag hatte nämlich bedeutende Konsequenzen für die Weiterführung der Geschwader-Strategie. Nach dieser Reise setzte man in den USA auf den Kreuzerkrieg durch unabhängig operierende Einzelgänger, eine Strategie, die zumindest 1812 unerwartete Erfolge zeitigte und vor allem für die Briten den Gegner schwer fassbar machten.
Wer weiß dagegen, was bei einem Erfolg von Rodgers 1813 oder 1814 einem amerikanischen Geschwader hätte geschehen können, daß auf ein oder zwei englische Linienschiffe mit Begleitfregatten gestoßen wäre. Mit einem Schlag hätte dann ein großer Teil der US-Navy verloren gehen können. Diese Gefahr drohte nach Rodgers erfolgloser Reise nicht mehr. So hatte der Fehlschlag eine absolut positive Seite.

Quellen: Siehe Literaturhinweise

The 44-Gun Frigate USS Constitution: "Old Ironsides"
Anatomy of the Ship

von Karl Heinz Marquardt
Sprache: Englisch
Gebundene Ausgabe
128 Seiten
Erscheinungsdatum: Oktober 2005
Maße: 25,9 x 24,1 x 2 cm


Das berühmte Schiff der US-Navy-Gründerjahre, das 1812 zwei Siege in Duellen mit den als unschlagbar geltenden englischen Fregatten errang, wurde konserviert und segelt noch heute in amerikanischen Gewässern mit ausgewählten Staatsgästen an Bord. Neben der VICTORY (100) ist sie das einzige größere Schiff, das aus dieser Zeit erhalten blieb.

 The 44-Gun Frigate USS Constitution: Old Ironsides


Copyright © 2008 by Pellewserbe, T. Coladores

Zurück zu den Seeschlachten

E-Mail