Seeschlacht.tk - Schlachten und Duelle zur See von 1775 bis 1815
Chronologie der europäischen Seekriege 1793 bis 1815, Band 1, bis 1802
Chronologie der europäischen Seekriege 1793 - 1815
Band 1 : Von 1793 bis zum Frieden von Amiens 1802

von Thomas Siebe
Sprache: Deutsch Broschiert - 224 Seiten - BoD
ISBN 978-3-8423-2883-9 Erschienen: September 2010
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Längsbeschuss

Längsbeschuss bedeutet, das ein hölzernes Segelschiff von den Kanonen eines Gegners der Länge des Schiffsrumpfes nach bestrichen wurde. Gefürchtet war dieses taktisch besonders wirkungsvolle Manöver aus folgenden Gründen:

Weil die Segelschiffe nach hinten und vorn nur mit zwei, höchstens vier Geschützen schießen konnten. Wenn überhaupt, konnten sie den Längsbeschuss bestenfalls mit sehr wenig eigenem Geschützfeuer beantworten.

Direkt vor oder hinter einem Schiff stellte das beschossene Schiff ein weniger bewegtes, wenn auch schmaleres Ziel dar.

Breitseite an Breitseite
Breitseite gegen Breitseite
Beschuss der Länge nach
Längsbeschuss über das Heck

Beim Längsbeschuss befanden sich in der Schussbahn mehr Objekte, die getroffen werden konnten. Beim Feuer Seite an Seite flogen Kanonenkugeln oder Ladungen oft auch einfach über das Deck und zwischen den Masten hindurch vorbei. Beim Längsbeschuss schoss man nur dann vorbei, wenn die Kugeln oder Ladungen das Schiff links oder recht verfehlten. Auch trafen die Geschosse, die der Länge nach ein Schiff bestrichen, meistens mehrere Objekte. Deswegen verursachten sie auch wesentlich mehr Holzsplitter, was zu mehr Splitterverletzungen unter der Crew des getroffenen Schiffes führte. Splitterverletzungen zählten ohnehin zu den häufigsten und schwersten Verletzungen der Seeleute im Gefecht und wurden durch Längsbeschuss noch multipliziert.

Bug und Heck waren besonders verwundbare Stellen des Schiffes, u.a. weil Treffer in der Wasserlinie an diesen Punkten wirkungsvoller waren als an der Seite. Speziell das Heck war sehr sensibel, weil dort u.a. das Ruder und die Steueranlage sassen. Gegenüber dem Bug war das Heck außerdem breiter und deswegen eine größere Trefferfläche. Der Längsbeschuss über das Heck war also noch gefährlicher als das Feindfeuer, das man über den Bug bekam.

Artilleriebeschuss war zu Napoleons Zeiten nur auf kürzere Distanzen wirklich wirkungsvoll. Man kämpfte damals in der Regel auf Distanzen zwischen 20 und 200 Metern, um mit den Breitseiten möglichst viele Treffer zu erzielen. Für den Längsbeschuss war eine kürzere Distanz praktisch sogar Voraussetzung, denn das Heck eines Schiffes war schon aus 200 Metern Entfernung nicht mehr so leicht zu treffen.
Auch wurde der Längsbeschuss um so verheerender, je größer das schießende Kriegschiff war. Der Längsbeschuss durch ein Linienschiff z.B. stellte oft den entscheidenden Schlag gegen einen Gegner dar.
Größere Kaliber wie z.B. 24-Pfünder- oder 32-Pfünder-Kanonen hatten natürlich auch eine größere Durchschlagskraft und damit mehr Zerstörungspotential wie vergleichsweise die 12- oder 18-Pfünder-Kanonen von Fregatten. Bei noch kleineren Kalibern wurde der Längsbeschuss dann wahrscheinlich sogar ineffektiv.

Längsbeschuss bei Linienschiffen
Ein englisches Linienschiff beschießt das Heck eines Gegners

Napoleons gefallenen Göttinnen
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Napoleons gefallene Göttinnen
Die Geschichte der französischen MINERVE-Fregatten

von Thomas Siebe
Sprache: Deutsch Paperback - 349 Seiten - BoD
ISBN 978-3-8391-0218-3 Erscheinungsdatum: Mai 2009
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