Chronologie der europäischen Seekriege 1793 bis 1815, Band 1, bis 1802
Chronologie der europäischen Seekriege 1793 - 1815
Band 1 : Von 1793 bis zum Frieden von Amiens 1802

von Thomas Siebe
Sprache: Deutsch Broschiert - 224 Seiten - BoD
ISBN 978-3-8423-2883-9 Erschienen: September 2010
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 Meuterei auf der Bounty und Die Piratenjagd der Fregatte Pandora 1787 - 1792

Meuterei auf der Bounty und
Die Piratenjagd der Fregatte Pandora 1787 - 1792

von William Bligh, George Hamilton
Sprache: Deutsch
Gebundene Ausgabe
EDITION Erdman

Erscheinungsdatum: 2002

 Seeschlachten und Zweikämpfe
Seeschlachten und Zweikämpfe zwischen 1775 und 1815

Kapitän Blighs Kanonenkugel

oder:

Warum die BOUNTY und ihr Kapitän nie vor Curacao waren.

Curacao ist eine Insel am Rande der südlichen Karibik und gehörte bis vor kurzem noch zu den Niederländischen Antillen. Staatsoberhaupt ist nach wie vor noch die niederländische Königin, doch die Insel ist inzwischen weitgehend autonom. Eine wesentliche Einnahmequelle Curacaos ist der Tourismus. Die Insel ist ein beliebtes Ziel für Kreuzfahrtschiffe und Hobby-Taucher. Für die Touristen ist neben den bunten Meerestieren oder dem Shopping aber auch die Geschichte Curacaos interessant, denn schon die farbenfrohe Architektur und die Vielsprachigkeit der Bevölkerung weist auf eine bewegte Historie hin.
Weil die Insel im 17. und 18. Jahrhundert ein Zentrum des Sklavenhandels war, haben die meisten Einwohner afrikanische und / oder indianische Wurzeln. Portugiesen, Spanier und besonders die Holländer haben genetisch, kulturell und sprachlich ebenfalls ihre Spuren hinterlassen. Auch die Briten hatten die Karibik-Insel für eine kurze Zeit in Besitz. Ein berühmt-berüchtigter Engländer soll sogar ein bis heute sichtbaren Nachweis seines Wirken in der Mauer einer Touristenattraktion hinterlassen haben. Die Rede ist von Kapitän Blighs Kanonenkugel in der Mauer eines Gebäudesteils (Fort Church) von Fort Amsterdam.

Blighs Kanonenkugel - Click für größeres Bild
Blighs Kanonenkugel in der Fassade von Fort Amsterdam
Fort Amsterdam - Click für größeres Bild
Fassade von Fort Amsterdam - Links oben Blighs Kanonenkugel

Kapitän William Bligh ist heute vor allem berühmt durch die Meuterei auf dem kleinen englischen Dreimaster BOUNTY, die in das Jahr 1789 datiert und in zahlreichen Romanen und Verfilmungen dramatisiert wurde. Inzwischen hat die Beliebtheit von geschichtlichen Fernsehdokumentationen dafür gesorgt, dass die Person des angeblichen Tyrannen weitgehend entmythologisiert und die Legende von der Meuterei wieder in ein mehr realistisches Bild gerückt wurde, obwohl die Rebellion in der Südsee noch immer geheimnisumwittert und faszinierend bleibt. Trotzdem hat Blighs Name auch heute noch eine gewisse Popularität und kann auf diese Weise auch einer eisernen Kanonenkugel in einem Mauerwerk einen stärkeren Magnetismus verleihen.
Viele Touristikveranstalter werben (zu Recht) mit Fort Amsterdam als einem geschichtsträchtigem Bauwerk und damit für einen Ausflug zu einem zweifellos lohnenden Ziel. Einige Anbieter von Curacao-Reisen schreiben sogar, die Kanonenkugel sei von der BOUNTY abgefeuert worden und sorgen damit bei diversen Kennergruppen wie Lesern marinehistorischer Romane oder (Schiffs)-Modellbauern je nach Temperament und Hingabe an das Hobby für schallendes Lachen oder kopfschüttelnden Ärger. Die Vorstellung, die ihrerzeit mit vier Vierpfünder-Knallbüchsen bewaffnete BOUNTY könne sich auf ein Gefecht mit einem Festungswerk wie Fort Amsterdam eingelassen haben, bietet nicht nur für Insider eine gewisse Komik.
Letztere wird noch gesteigert, wenn man auch nur einen Film über die Meuterei gesehen hat: Schließlich muss man dann doch wissen, dass die BOUNTY bis zu ihrer Vernichtung in den Händen der Meuterer blieb und in den Gewässern vor der Insel Pitcairn sank. Man sollte als Fremdenführer oder Reiseagentur also tunlichst auf die Erfindung der Anwesenheit der BOUNTY vor Curacao bzw. Willemstad verzichten - es könnte der eigenen Seriosität ernsthaft schaden.

  Die wahre Geschichte der Meuterei auf der Bounty

Die Bounty - Die wahre Geschichte der Meuterei auf der Bounty
von Caroline Alexander
Sprache: Deutsch
Gebundene Ausgabe - 480 Seiten - Berlin Verlag
Erscheinungsdatum: Februar 2004

Die wahre Geschichte der Meuterei auf der Bounty: Die Vorgeschichte, die Meuterei, Jagd auf die Meuterer und vor allem der Prozeß dokumentiert - durch Urkunden, Gerichtsakten, Zeugenaussagen, Briefe. Alexander enthüllt z.B., daß William Bligh nicht der Tyrann war, zu dem er gemacht wurde. Das Buch zeigt aber auch, wie dieses auch von Hollywood adaptierte Bild entstand.

Die Achtzehnpfünder-Kugel im Mauerwerk von Fort Amsterdam wurde vermutlich nicht einmal von See her abgefeuert, sondern im Rahmen einer Belagerung Fort Amsterdams durch die Briten im Jahre 1804. Tatsächlich kam das Geschoss höchstwahrscheinlich aus einer landgestützten Kanone, die immerhin von einem Schiff stammte. Und man darf nach wie vor getrost von Kapitän Bligh sprechen, denn ein Seeoffizier dieses Namens führte tatsächlich die britische Belagerung an. Trotzdem grenzt die unkommentierte Verwendung des Namens an eine wenn auch harmlose Täuschung. So verzichtet man in historisch bewanderten Kreisen auf Curacao selbst auf Hinzufügung des Vornamens und spricht auch nicht von dem berüchtigten, berühmten oder legendären Kapitän Bligh... und das hat seinen Grund.
Nicht William Bligh (1754 - 1817), sondern ein entfernter Cousin des angeblich tyrannischen Kapitäns, Kapitän bzw. Kommodore John Bligh (1771 - 1831), versuchte Anfang 1804, Fort Amsterdam zu knacken und Curacao zu erobern. Die Geschichte dieser Belagerung ist aus Sicht des historisch interessierten Betrachters nicht weniger dramatisch als der Name des Kapitäns der BOUNTY.

 Kapitän William Bligh
Kapitän William Bligh erholte sich 1803/04 bei seiner Familie in England
und war an den britischen Operationen vor Curacao nicht beteiligt.

1803 endete der recht kurzzeitige Frieden von Amiens und die Nachricht vom Krieg zwischen Frankreich und England erreichte bald auch die Karibik und vor Jamaika auch den britischen Konteradmiral John Thomas Duckworth. Dieser suchte die Verhältnisse in diesem Teil der Karibik umgehend zu klären und begann mit seinem Geschwader, die französischen Bastionen in dieser Region der Welt anzugreifen. Primäres Ziel waren französische Stützpunkte auf der Insel Hispaniola (St. Domingue bzw. St. Domingo), eher zweitrangig war die Insel Curacao.
Curacao gehörte im Jahre 1803 zur sogenannten Batavischen Republik, die 1795 im Rahmen der Revolutionskriege das Königreich der Niederlande abgelöst hatte. Die Republik blieb jedoch ein Trabanten- Staat des revolutionären Frankreich, welches Truppen auf Curacao stationiert hatte.
Duckworth hatte ein Geschwader unter Kommodore John Bligh beauftragt, die Insel in Besitz zu nehmen. Dies war während der Revolutionskriege im September 1800, also vor dem Frieden von Amiens, schon einmal problemlos gelungen. Damals hatten die Insulaner Curacao ohne nennenswerten Widerstand an die britische Fregatte NEREIDE (36) unter Kapitän Frederick Watkins ausgeliefert, die Insel war jedoch durch den Frieden von Amiens 17 Monate später an die Batavische Republik zurückgefallen.
Die Briten sahen keinen Grund, warum ein solcher Coup 1804 nicht ein zweitesmal gelingen sollte, zumal man am 31. Januar 1804 mit zwei Linienschiffen und zwei Fregatten vor dem wichtigsten Hafen in der Bucht von St. Anne 1 erschien und Informationen über eine nur schwache Truppe an Land hatte.
Das Aufgebot Blighs war, verglichen mit 1800, auch ziemlich imponierend. Die beiden 74-Kanonen-Linienschiffe THESEUS (74 - John Bligh) und HERCULES (74 - Richard Dalling Dunn) hatten z.B. in ihrem unteren Artilleriedeck Kanonen stehen, die 32-pfündige Kugeln verschiessen konnten. Die beiden 36-Kanonen -Fregatten BLANCHE (36 - Zachary Mudge) und PIQUE (36 - Charles Bayne Hodgson Ross) verfügten u.a. über Achtzehnpfünder-Kanonen.

Die ABC-Inseln mit Curacao
Curacao im Jahr 1836

Trotz dieser drohenden Artillerie wies der holländische Gouverneur in Fort Amsterdam Blighs Aufforderung zur Kapitulation zurück. Was die Briten nicht wussten: Ein großer Teil der Truppen in Fort Amsterdam bestand bereits aus Franzosen und im Westteil der Insel standen französische Truppen, die zahlenmäßig die mehrfache Stärke der Truppe in Willemstad aufwiesen. Eine Kapitulation war so für die Holländer nicht besonders attraktiv. Dazu kam: Die ideale Lage des Hafens, in dem die batavische Fregatte HATSLAAR (36) und zwei weitere bewaffnete Schiffe lagen, ließ einen wirkungsvollen Angriff der mächtigen britischen Linienschiffe von See her ausschließen.
So musste denn eine Truppen-Landung für Bligh die Lösung des Problems sein. In der Annahme, man werde Curacao einfach in Besitz nehmen können, hatten die Schiffe jedoch keine Truppen, sondern lediglich die Standardbesatzung an Marineinfanterie an Bord, insgesamt 200 Mann. Neben rund 400 Seeleuten stellten diese Marines die britische Landungstruppe dar.
Gedeckt durch die Kanonen der Linienschiffe, die eine Landbatterie aus zehn holländischen Zwölfpfündern in Schach hielten, erzwangen die Briten in einer Bucht nahe Fort Amsterdam, der zentralen Verteidigungsposition, die Landung. Britische Seeleute und Marineinfanterie stürmten die Batterie und begannen sogleich, ihrerseits Vorbereitungen für den Ausbau von Artilleriestellungen zu treffen. Zu diesem Zweck wurden Achtzehnpünder - sowohl Kanonen als auch Karronaden (haubitzenähnliche Geschütze) - von den Schiffen mühevoll an Land geschafft und zu einer erhöhten Position nordwestlich von Fort Amsterdam gezogen.

Die heutige Lage von Fort Amsterdam in Willemstad
Der Hafen von Willemstad hat sich in den letzten 200 Jahren stark verändert.

In den ersten Tagen des Februar 1804 lieferten sich nun die Briten und die Holländer bzw. die Franzosen blutige Artillerieduelle. Im Verlauf dieses Beschusses fand höchstwahrscheinlich die berühmte Kugel, aus einem britischen Achtzehnpfünder abgefeuert, ihren Weg in das Gemäuer von Fort Amsterdam.
Schon bald mussten die Engländer aber erkennen, dass ihr Beschuss weitgehend wirkungslos blieb und dass ihre Belagerungstruppe zahlenmäßig zu schwach für einen Sturmangriff war. Kommodore Bligh erhoffte sich jedoch Verstärkung durch ein weiteres Linienschiff, die VANGUARD (74 - James Walker). Bis zu ihrer Ankunft versuchten die Briten ihre Stellung zu halten und maximalen Schaden anzurichten.
Eine Batterie richtete z.B ihre Kanonen zeitweise auf die im Hafen von St. Anne liegende batavische Fregatte HATSLAAR (36), deren Zwölfpfünder bei einem Sturmangriff auch durchaus unangenehm die Flanke der Angreifer bedrohen konnte. Doch die holländisch-französischen Verteidiger fanden eine ebenso einfache wie ingeniöse Methode, die Fregatte vor Treffern zu schützen. Sie zogen einfach zwei größere Handelschiffe vor die HATSLAAR und ließen diese Segler die Kugeln schlucken, die für das Kriegsschiff gedacht waren.
Weitere Rückschläge ereilten die Briten in der Form von Durchfall-Erkrankungen, die am Ende rund 10% der Belagerer kampfunfähig machten. Auch die Eskapaden des Leutnant Nisbet Josiah Willoughby, später der "unsterbliche Willoughby" genannt, konnten die sinkende Moral nicht mehr heben. Der Leutnant, Kommandant einer Artilleriestellung, pflegte Frühstückstisch und Stühle auf der Brustwehr aufzustellen und ohne Deckung vor feindlichem Artilleriebeschuss zu frühstücken. Bis zum Ende der Kämpfe konnten die Verteidiger ihn nicht treffen. Seine Gesellschaft dagegen war riskant: Sein Kamerad Leutnant Perrot leistete ihm eines Tages Gesellschaft und verlor bei diesem Frühstück prompt einen seiner Arme.

Die Briten warteten indessen vergeblich auf Verstärkung, die Verteidiger dagegen bekamen sie aus dem Westen der Insel. Immer mehr wendete sich das Blatt und die Briten waren schließlich gezwungen, ihrerseits ihre mühsam aufgebauten Stellungen zu verteidigen. Weil die VANGUARD nicht kam - sie wartete übrigens vor Santo Domingo ebenso auf ihr Geschwader wie das Geschwader vor Curacao auf das Linienschiff wartete - sah sich Bligh schließlich Ende Februar gezwungen, die Belagerer wieder an Bord zu nehmen. Dies gelang, diesmal in einem mustergültig durchführten Rückzugs-Gefecht. Am 25. Februar 1804 verließ der letzte Brite Curacao.
Neben den rund 70 Erkrankten hatten Blighs Männer 42 Verwundete. Sie ließen 18 namenlose Gefallene auf der Insel, mehr als 30 Männer starben infolge der Durchfall-Erkrankung, vermutlich an der Ruhr. Und John Bligh 2 hinterließ die Kanonenkugel, die 206 Jahre später noch immer in einer Fassade des Fort Amsterdam steckt.

Who Was Who in the Napoleonic Wars Who Was Who in the Napoleonic Wars
von Philip J. Haythornthwaite
Sprache: Englisch
Gebundene Ausgabe - 320 Seiten - Weidenfeld Military -
Erscheinungsdatum: August 1998

Rund 900 Kurzbiographien mit 300 Bildern porträtieren vor allem die Militärs und politischen Protagonisten der napoleonischen Kriege. Inklusive des amerikanisch-englischen Kriegs von 1812.

Curacao wurde Ende 1806, Anfang 1807 schließlich doch von den Briten erobert, nach Kriegsende 1815 aber wieder an die Niederlande zurückgegeben. John Bligh schlug keine großen Schlachten oder machte große Entdeckungen, auch wurde er nie Opfer einer Meuterei noch tat er sich sonst wie hervor, immerhin aber überstand er den Krieg, schaffte es aber am Ende nur bis zum Konteradmiral. Ein Jahr nach seiner Beförderung verstarb er und verschwand im Dunkel der Geschichte. Sein besonders durch Hollywood berühmter Namensvetter aber erntete durch seine Popularität auf Curacao den etwas seltsam anmutenden Ruhm, eine Kanonenkugel in ein Gemäuer geschossen zu haben. Ob die Kugel ohne seinen Namen bzw. den seines entfernten Verwandten eine solche Attraktion gewesen wäre ?


Fussnoten:
1 = Heute: Willemstad. Damals hieß der Ort rund um Fort Amsterdam Punda. Auf der anderen Seite der Bucht lag Otrobanda. Beide Orte fanden sich später zu Willemstad zusammen.
2 = Der Name Bligh war in der Royal Navy übrigens nicht so selten. John Bligh war z.B. der Neffe von Admiral Richard Rodney Bligh. Und dieser wiederum hatte einen ebenfalls als Kapitän aktiven Sohn, George Miller Bligh (1780 - 1834).


Weitere Quellen:
Naval history of Great Britain 1793 - 1827 von William James, erschienen 1837.
John Blighs Bericht in der LONDON GAZETTE vom 29. April 1804.
Aruba, Bonaire, Curacao. Ein Reisehandbuch: Mit praktischen Hinweisen von Susanne Schlosser, Kobo-Verlag 1995.
Curacao - Niederländische Antillen DVD / Videoreiseführer von Bavarian Video 2006.



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