Seeschlacht.tk - Die Seekriege, Seeschlachten und Duelle auf See von 1775 bis 1815
Chronologie der europäischen Seekriege 1793 bis 1815, Band 1, bis 1802
Chronologie der europäischen Seekriege 1793 - 1815
Band 1 : Von 1793 bis zum Frieden von Amiens 1802

von Thomas Siebe
Sprache: Deutsch Broschiert - 224 Seiten - BoD
ISBN 978-3-8423-2883-9 Erschienen: September 2010
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Pellews Seekrieg gegen die "holländische Gefahr"

Teil 2: CAROLINE - Peter Rainiers Coup

Zusammenfassung Teil 1: Im Streit um das Oberkommando im Indischen Ozean und Asien zwischen Pellew und Troubridge verweist Pellew auf die Bedrohung durch die Holländer in Batavia, um das alleinige Kommando zu haben. Im Juli kommt es vor Celebes zu einem Seegefecht zwischen Aufklärern Troubridges und holländischen Schiffen. Pellew bekommt Informationen, wo die holländischen Linienschiffe liegen und sammelt sein Geschwader im Oktober in Madras, um Batavia anzugreifen.

Ebenfalls im Oktober 1806 erschien die britische Achtzehnpfünder-Fregatte CAROLINE (36 - Peter Rainier) in der Java-See. Rainier, übrigens der Neffe von Pellews Vorgänger im Oberkommando und als frischgebackener Kapitän 1806 Nutznießer der Protektion seines aus dem Kommando scheidenden Onkels, war im Auftrag Troubridges unterwegs. Die CAROLINE sollte erkunden, ob und welche Linienschiffe in Batavia lagen.
Die Fregatte hatte die Java-See kaum erreicht, als Rainier Informationen bekam, dass Vizeadmiral Hartsinck seine Schlachtschiffe in den Osten Javas verlegt hatte. Diese Entwicklung, für den ahnungslosen Pellew ein kleines Desaster, war für die CAROLINE sozusagen ein Jagdschein, denn mit dem Abzug der holländischen Linienschiffe war die mit Achtzehnpfünder-Kanonen ausgerüstete britische Fregatte vor Batavia nun das kampfstärkste Schiff.
Rainier konnte sich mit einem gewissen Selbstbewußtsein den Gewässern vor dem holländischen Stützpunkt nähern und dabei Prisen einsammeln. Dabei war auch eine kleine holländische Brigg, die die CAROLINE aufbrachte. Von deren Crew erfuhr Rainier, dass eine holländische Zwölfpfünder-Fregatte, die PHOENIX (36), zu Reparaturarbeiten die Insel Omrust nahe Batavia angelaufen hatte. Omrust, das noch bis in die 1860er ein wichtiger niederländischer Stützpunkt sein sollte, diente schon seit der Gründung Batavias als natürliche Werft für holländische Kriegsschiffe.
Am 18. Oktober 1806 segelte die CAROLINE in den Belt zwischen Middlebey und den Amsterdam-Inseln, Omrust und Batavia voraus. Dabei stieß Rainier auf weitere Beute, zwei holländische Kriegsbriggs. Der einen, der ZEEPLOEG (14), gelang die Flucht unter Land, die andere mit Namen ZEEROP (14 - Groot) ergab sich der überlegenen Fregatte und wurde mit einer Prisencrew besetzt.
Die Aufbringung der ZEEROP gab der vor Omrust liegenden PHOENIX jedoch die Zeit, Segel zu setzen und Richtung Batavia zu flüchten. Die Fregatte unter dem Kommando von Kapitän van der Sande hatte lediglich eine Manövercrew an Bord und war nicht für ein Gefecht gerüstet.
Vor dem Hafen von Batavia aber ankerten kampfbereit die Fregatte MARIA REYGERSBERGHEN (36 - Klaas Jager), 270 Mann Besatzung, und die bereits bekannte Korvette WILLEM (20 - Feteris). Dazu gesellt hatte sich auch die ZEEPLOEG (14) und eine weitere Kanonen-Brigg, die PATRIOT (18), nebst einiger Kanonenboote.
Rainier ging davon aus, dass er sich einer Achtzehnpfünder-Fregatte gegenüber sah und bezeichnet die MARIA REYGERSBERGHEN (oder: MARIA RIGGERSBERGEN) in seinem Bericht auch so. Doch tatsächlich verfügte Kommodore Jager nur über Zwölfpfünder an Bord.
Auch suggeriert die Darstellung mancher Quellen, die holländischen Schiffe wären der CAROLINE in einer Linie oder einer sonstwie koordinierten Formation gegenübergetreten. Tatsächlich muss man sich den Einsatz dieser Schiffe eher als Plänkelei vorstellen; Sie schossen entweder aus der Distanz oder benützten ihre große Schwester, die MARIA REYGERSBERGHEN, als Deckung, um sich nicht dem für sie schweren Kaliber der CAROLINE auszusetzen. Am Ende hatten diese kleineren Schiffe am Duell der Fregatten keinen entscheidenden Anteil, kosteten aber vermutlich dem ein oder anderen britischen Seemann das Leben.

 The Naval History of Great Britain: During the French Revolutionary and Napoleonic Wars The Naval History of Great Britain: During the French Revolutionary and Napoleonic Wars
von William James, Andrew Lambert
Sprache: Englisch
Gebunden - 568 Seiten - Stackpole Books

Erscheinungsdatum: März 2003
 James Henderson: Sloops and Brigs

Die MARIA REYGERSBERGHEN (36 - Klaas Jager) konnte dem Angriff immerhin aber aus der zunächst günstigeren Position begegnen. Nachdem sich Rainier nämlich entschlossen hatte, die ankernde holländische Fregatte zu attackieren, mußte er sich dem Gegner erst einmal nähern, was sich wegen des tückischen Fahrwassers durch Riffe und Untiefen als schwer genug herausstellte. In diesem Zeitraum war die CAROLINE dem Feuer sowohl von der MARIA REYGERSBERGHEN als auch ihrer Konsorten ausgesetzt.
Nun war das Schießen auf Distanz auch Anfang des 19. Jahrhunderts eine noch höchst unvollkommene Kunst, besonders wenn man ein bewegliches Ziel anvisierte. So richteten die Breitseiten oder Einzelschüsse der Holländer sicherlich einigen Schaden an, konnten die Annäherung der CAROLINE aber nicht verhindern. Offensichtlich mangelte es auch an schlagkräftigen Artilleriebatterien an Land, die in den Kampf hätten eingreifen können.
Auf der CAROLINE hatte man sich indessen gut vorbereitet. Rainier beabsichtigte, auf Pistolenschussweite neben der MARIA REYGERSBERGHEN zu ankern. Springs waren auf die Ankerketten gesetzt worden, um die Breitseite des geankerten Schiff in die gewünschte Schussrichtung drehen zu können, die Kanonen waren geladen und die Crew bereit für die erste Breitseite. Diese sparte sich Rainier jedoch für die kurze Distanz auf.
Nachdem sie einige Zeit den Beschuss der Holländer tatenlos hatte erdulden müssen, gelangte die CAROLINE schließlich neben die MARIA REYGERSBERGHEN und während sie noch ankerte, löste sich die erste Breitseite aus den 18-Pfünder-Kanonen im Artilleriedeck und den 32-Pfünder-Karronaden an Deck. Wie schon die PALLAS hatte die holländische Fregatte, die sogar einem noch kampfkräftigeren Schiff gegenüberlag als ihre Kollegin im Juli, keine echte Chance. Nur rund 30 Minuten benötigten die Geschütze der CAROLINE, um ihre Kontrahentin niederzuzwingen.
Die anderen holländischen Kriegsschiffe, aber auch zahlreiche Handelsschiffe sahen sich nach der Kapitulation ihres kampfkräftigsten Schiffes nunmehr einem weit überlegenen Gegner ausgeliefert, der allerdings eine Schwäche hatte - seinen Tiefgang. Die PHOENIX, die WILLEM, die PATRIOT und die ZEEPLOEG sowie sieben holländische Handelsschiffe nützten den Umstand, sich vor einem holländischen Stützpunkt zu befinden. Sie gingen so dicht unter Land, bis sie Grundberührung hatten und befanden sich damit außer Reichweite der übermächtigen britischen Fregatte. Ohnehin hätte Rainier ihnen ohne Karten mit Tiefenangaben und / oder einem Lotsen kaum folgen können.
Den britischen Kommandanten drückten ganz andere Sorgen. Schon vor dem Gefecht hatte die CAROLINE 57 Mann der 280 Mann Besatzung für Prisenbesatzungen entbehren müssen. Nun waren zwei weitere eroberte Schiffe zu bemannen und rund 300 Gefangene mußten bewacht werden, ganz zu schweigen von der Versorgung der zahlreichen Verwundeten und der Bergung der Toten. Rainier entschloss sich zu einem Befreiungsschlag: Er setzte die meisten seiner Gefangenen an Bord der anfangs eroberten Brigg und schickte das Schiff als Parlamentärsschiff an Land. Die freigelassenen holländischen Offiziere gaben ihr Ehrenwort, das keiner der Gefangenen in weitere Kämpfe eingreifen würde, solange sie nicht regulär ausgetauscht worden wären.
Rund 50 Mann auf Seiten der Holländer wurden getötet oder verwundet. Auch 4 Gefangene an Bord der CAROLINE waren während des Feuergefechts gefallen. Ebenso blutig war die Verlustliste auf Seiten der Briten: 9 Tote bzw. tödlich Verwundete hatte das Schiff zu beklagen, 12 Seeleute wurden verwundet. Dafür hatten die Briten eine holländische Fregatte ausgeschaltet und die Schwächen und Stärken des holländischen Stützpunktes erkundet, nicht zuletzt auch Tiefenlotungen vorgenommen - wertvolle Hinweise für einen potentiellen Angreifer auf die Reede.
Rainiers Bericht, der an Troubridge adressiert war, hätte also sehr nützliche Informationen für Pellew enthalten - besonders natürlich hinsichtlich des Verbleibs der holländischen Linienschiffe - wenn letzterer ihn vor seinem Angriff auf Batavia gelesen hat.

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Ob Rainiers Schreiben dem Oberkommandierenden vor seinem Erscheinen vor Batavia noch zur Kenntnis kam, ist mir unbekannt. Rainier schickte die MARIA REYGERSBERGHEN zwar nach Madras, wo der Bericht über das Gefecht vor Batavia Pellew aber wohl nicht mehr erreicht hat, sonst wäre der Admiral kaum gesegelt, denn sein primäres Ziel, die Linienschiffe, waren aus dem späteren Djakarta verschwunden .
Die eroberte holländische Fregatte, die sich als viel älter herausstellte, als Rainier in seinem Bericht vermutet hatte, wurde übrigens als JAVA in die Royal Navy übernommen und begleitete Anfang 1807 den resignierten Troubridge auf die Heimreise und damit in die Katastrophe.
Sehr viel mehr Glück hatten die CAROLINE und ihr Kommandant Peter Rainier: Im Januar 1807 gelang dem jungen Kapitän der Fang seines Lebens, als er die aus Lima kommende und nach Manila strebende spanische Galeone SAN RAFAEL (16) abfing, welche mit Millionenwerten beladen war. Dieser Fang zeigt sehr anschaulich, welche materielle Interessen mit einem Oberkommando und besonders mit dem Kommando über den Ostabschnitt in Asien verbunden waren: Der Anteil des kommandierenden Admirals betrug 26000 Pfund Sterling und der Glückliche hieß Konteradmiral Edward Pellew.

Teil 1
Teil 1
Teil 3
Teil 3


Quellen:
De Jonge, Johannes Cornelius, "Geschiedenis van het nederlandsche Zeewezen", Haarlem 1862
Clowes, William Laird. "The Royal Navy, A History from the Earliest Times to 1900", Volume V. Chatham Publishing 1997
James, William. "The Naval History of Great Britain", Volume 4, 1805 - 1807. Conway Maritime Press 2002
Woodman, Richard. "The Victory of Seapower: Winning the Napoleonic War 1806-1814", Mercury Books 2006
Parkinson, C. Northcote. "Edward Pellew", London 1934
LONDON GAZETTE vom 23. April 1808, S. 568 f.


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