Seeschlacht.tk - Die Seekriege, Seeschlachten und Duelle auf See von 1775 bis 1815
Chronologie der europäischen Seekriege 1793 bis 1815, Band 1, bis 1802
Chronologie der europäischen Seekriege 1793 - 1815
Band 1 : Von 1793 bis zum Frieden von Amiens 1802

von Thomas Siebe
Sprache: Deutsch Broschiert - 224 Seiten - BoD
ISBN 978-3-8423-2883-9 Erschienen: September 2010
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Pellews Seekrieg gegen die "holländische Gefahr"

Teil 1: Seeschlacht vor Celebes

Anfang des 19. Jahrhunderts kämpften die Briten und die British East India Company im Rahmen der napoleonischen Kriege im Indischen Ozean und in Südostasien gegen drei europäische Seemächte: Frankreich, Spanien und Holland.
Das holländische Königreich von Napoleons Gnaden, regiert von seinem Bruder Louis (König Lodewijk), hatte sein asiatisches Hauptquartier in Batavia (Djakarta). Obwohl die holländischen Schiffe sich in dieser Ära wenig aktiv gegen den britischen Handel zeigten und schwerpunktmäßig gegen das Piratentum in dieser Region vorgingen, stellte ihre Nähe zur Straße von Malakka, einem zentralen Verkehrsweg des britischen Handels, durchaus eine ständige Bedrohung dar. Durch diese Meerenge verlief nämlich der lukrative britische China-Handel, kulminiert in der jährlichen Passage der sogeannten China Fleet, die aus Kanton kommend durch das südchinesische Meer die Straße von Malakka passierte.
1804 hatte der französische Konteradmiral Linois mit seiner Flotte versucht, den millionenschweren Schiffskonvoi abzufangen. Basis seiner am Ende fruchtlosen Reise war Batavia gewesen.
1806 verließ Linois die Region und der britische Oberkommandierende im Indischen Ozean, Konteradmiral Edward Pellew, richtete seine Bemühungen auf die Eliminierung der "holländischen Gefahr". Bei allen strategischen Notwendigkeiten spielten der persönliche Ehrgeiz, politische und wirtschaftliche Interessen des ehemaligen Fregattenkapitäns und Prisenjägers die wesentliche Rolle.

Die Ostindienfahrerschlacht von Pulo Aor

Der Hintergrund: Ende 1805 hatten politische Gegner des Earl St. Vincent versucht, seinem Anhänger Pellew einen schweren Schlag zu versetzen. Sie hatten die Teilung des Kommandos im Indischen Ozean durchgesetzt und Konteradmiral Thomas Troubridge auf die Reise geschickt, um die in jeder Beziehung lukrativere Osthälfte des Kommandogebietes zu übernehmen.
Als jedoch Troubridge am 22. August 1805 an Bord der BLENHEIM (74) in Madras eintraf und Pellew seine Befehle präsentierte, stellte dieser Troubridge kurzerhand unter seinen Befehl. Pellew war Konteradmiral der weißen Flagge, Troubridge führte nur die blauen Farben. Als Begründung verwies der alte Fuchs Pellew auf eine Klausel in Troubridges Befehlen, die es dem Ranghöheren erlaubte, im Falle besonderer Bedrohung die Geschwader beider Kommandoabschnitte unter seinen Befehl zu stellen. Pellew sah diesen Fall mit Bezug auf die China Fleet gegeben, jedenfalls gab er dies vor, obwohl Troubridge selbst einige hundert Meilen südöstlich den afrikanischen Kaps dem abziehenden Linois auf der MARENGO (80) in einem ergebnislosen Gefecht begegnet war.
Pellew wußte, dass die Holländer unter Vizeadmiral Pieter Hartsinck auf Java drei oder vier Linienschiffe hatten, deren Zustand und Einsatzbereitschaft aber unbekannt waren. Weitere drei holländische Fregatten und ein paar kleinere Schiffe waren ebenfalls in der Region stationiert. Die Hälfte des britischen Geschwaders wäre wohl mit diesem Aufgebot in Batavia fertiggeworden. Davon unberührt behauptete Pellew aber, man müsse eine Kooperation zwischen den verbliebenen französischen Schiffen auf Mauritius und den Holländern befürchten. So fadenscheinig die Begründung war, die für Pellew glückliche Klausel in den Befehlen war ohne weiteres nicht von der Hand zu weisen.
Der Konflikt zwischen Pellew und Troubridge ging jedoch noch tiefer. Pellew hatte zwei Söhne, die er in seinem Kommandogebiet möglichst schnell zu Kapitänen machen wollte, Troubridge einen Sohn, den er ebenfalls entsprechend fördern wollte. Um aber Kapitän zur See zu werden, brauchte es ein angemessenes Schiff, ein sogenanntes post ship oder Beförderungs-Schiff. Und weil beide auch noch Günstlinge von Verwandten, Freunden und Gefallen-Gläubigern versorgen mußten, waren die Resourcen bzw. Schiffe knapp. Troubridge jedenfalls schäumte wegen Pellews Verhalten und Pellew musste sich durchaus Sorgen machen: Sein Kontrahent war immerhin einer der Helden von Kap St. Vincent und Abukir und entsprechend beliebt in der Royal Navy und der Öffentlichkeit.

Thomas Troubridge
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Edward Pellew

Doch Pellew blieb im Glück: Anfang Oktober 1805 kam mit der RUSSELL (74) aus England die Nachricht, dass ein französisches Linienschiffgeschwader auf dem Weg in den Indischen Ozean sei. Dagegen konnte Troubridge nichts mehr sagen und mußte sich zunächst seinem Kontrahenten fügen. Es entspann sich gleichwohl ein echter Federkrieg zwischen den beiden Kontrahenten, die versuchten, alle Beziehungen zu nutzen, die ihnen am Ende den Sieg bringen konnten. Beide forderten schließlich auch die Admiralität auf, die Verhältnisse zu klären, mussten jedoch viele Monate auf die Antwort warten. Die Nachricht von dem französischen Geschwader erwies sich später als falsch und Pellew entfaltete nach Bekanntwerden umgehend erstaunliche Initiative, um die Größe seines Geschwaders und den Oberbefehl zu halten: Im Januar 1806 präsentierte er der Ostindischen Kompanie (HEIC) einen Vorschlag zur Eroberung des französischen Pfahls im Fleisch des britischen Handels - gemeint war die Ile de France (Mauritius), von wo aus Freibeuter permanent den britischen Handel attackierten. Dafür wollte Pellew HEIC-Truppen und Truppentransporter, die die Kompanie zwar am Ende nicht stellte, durch die Verhandlungen gewann der zähe Kämpfer jedoch Zeit.
Troubridge, dem Pellew vorübergehend das Kommando in Südostasien und über einige, wenige Schiffe übertragen hatte, kümmerte sich indessen um die "holländische Drohung", die ihn von seinem unabhängigen Kommando fernzuhalten schien.
Im Frühling 1806 schickte der Zweitkommandierende zwei Fregatten zur Erkundung der Lage in die von den Holländern dominierte Region. Wohl nicht zufällig entsandte Troubridge dabei auch seinen Sohn, den von Vaters Gnaden frisch gebackenen Commander Edward Thomas Troubridge, als einen der beiden Kommandanten. Zum einen bot er seinem Sprössling damit Gelegenheit, sich für eine weitere Beförderung auszuzeichnen, zum anderen hatte er auf dieser Mission eine Person seines absoluten Vertrauens. Wollte der Konteradmiral Pellews Argumente bezüglich der "holländischen Gefahr" ad absurdum führen ? Oder ging es ihm lediglich darum, festzustellen, ob das vermeintliche französische Geschwader bereits in Batavia angekommen war ?

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Anfang Juli 1806 erreichten also die britische Fregatte GREYHOUND (32 - Charles Edward Elphinstone) und die Sloop HARRIER (18 - Edward Thomas Troubridge) die Gewässer vor den Molukken, später drangen sie in die Java-See vor. Beide Kommandanten trugen große Namen: Kapitän Charles Edward Elphinstone war der Neffe von Lord Keith, der einst Vorgesetzter von Lord Nelson im Mittelmeer gewesen war. Commander Edward Thomas Troubridge, gerade 19 Jahre alt, war der einzige Sohn von Konteradmiral Thomas Troubridge.
Das britische Duo verlor keine Zeit und vernichtete am 4. Juli 1806 unter den Kanonen des Fort Manado, eines holländischer Stützpunkts an der Nordspitze der Insel Celebes bzw. Sulawesi, die Brigg der Niederländischen Ostindischen Kompanie CHRISTIAN ELISABETH (8), die 80 Mann Crew gerieten in Gefangenschaft. Am 6. Juli erbeuteten die Briten vor der Insel Tidon die Brigg BELGICA (12) mit 32 Mann Besatzung.

 Die Java-See

Am 25. Juli 1806 standen die beiden Briten vor der Südspitze von Celebes, als ihre Ausgucks zwischen Celebes und der Insel Salajar die Segel von vier Schiffen ausmachen konnten.
Kapitän Elphinstone nahm die Verfolgung der Fremden auf, doch je näher er kam, desto mehr schien sich der Verdacht zu erhärten, dass eines der Schiffe ein Linienschiff war. Die Ausgucks konnten zumindest die Sichtung eines Zweideckers bestätigen. Die Fremden hatten inzwischen eine Linie gebildet, um für einen eventuellen Angriff der Briten gerüstet zu sein.
Doch Elphinstone und Troubridge verspürten wenig Lust, ihre Schiffe den schweren Breitseiten eines vermeintlichen Linienschiffes auszusetzen.
Die GREYHOUND verfügte schließlich lediglich über 26 Zwölfpfünder-Kanonen und 8 Zweiunddreissigpfünder-Karronaden nebst zwei Neunpfünder- Jagdgeschützen, die kleinere HARRIER hatte 16 Zweiunddreissigpfünder-Karronaden und zwei Sechspfünder-Kanonen. An Bord eines Linienschiffes mußten die Briten zumindest weitreichende Vierundzwanzigpfünder- Kanonen und lange Achtzehnpfünder vermuten, ein Angriff auf einen derartig bestückten Zweidecker wäre bodenloser Leichtsinn gewesen.
So beschränkten sich die Engländer im schwindenden Tageslicht auf die Verfolgung, um am nächsten Tag einen genaueren Blick auf das fremde Quartett zu werfen.
Bei diesen vier Schiffen handelte es sich tatsächlich um ein holländisches Geschwader unter Führung der 12-Pfünder-Fregatte PALLAS (36 - N. S. Aalbers). Die Fregatte war vergleichbar gut bewaffnet wie die GREYHOUND, mit 28 Zwölfpfünder-Kanonen, 6 Vierundzwanzigpfünder-Karronaden und 6 Sechspfündern. Der Zweidecker aber, den die Briten für ein Linienschiff hielten, war tatsächlich ein 800-Tonnen-Handelsschiff der Niederländischen Ostindischen Kompanie, ähnlich einem britischen Ostindienfahrer. Das Schiff hieß VICTORIA, kommandiert von Kapitän Klaas Kenkin, war aber wahrscheinlich nicht annähernd so gut bestückt wie ihre englischen Pendants. Vermutlich bargen ihre Breitseiten jeweils 8 bis 10 Zwölfpfünder und eine Handvoll Kanonen kleineren Kalibers. Ein zweites Handelsschiff, die BATAVIA von 500 Tonnen, wurde von Kapitän Willem de Val geführt und dürfte lediglich ein Dutzend Kanonen kleineren Kalibers, vielleicht Sechspfünder und Zwölfpfünder-Karronaden, an Bord gehabt haben. Die beiden Schiffe bzw. der Konvoi kamen von den Molukken und hatten Muskat, Muskatblüten und Nelken geladen. Der vierte Segler war die Korvette WILLEM (20 - P. Feteris), ein Schiff von ungefähr gleicher Größe wie die HARRIER. Elphinstone schreibt in seinem Bericht, die WILLEM sei nach Angaben holländischer Seeleute mit 20 Vierundzwanzigpfündern bewaffnet gewesen. Das ist höchstwahrscheinlich eine maßlose und möglicherweise berechnende Übertreibung dieser Zeugen, selbst wenn sie Karronaden gemeint hätten.

 British People of the Barbary Wars: Edward Pellew, 1st Viscount Exmouth

British People of the Barbary Wars:
Edward Pellew, 1st Viscount Exmouth

LCC Books (Herausgeber)
Sprache: Englisch
Taschenbuch - 40 Seiten - LIFE JOURNEY Verlag
Erscheinungsdatum: Mai 2010

Achtung: Die bisher mir und anderen bekannten Bücher mit einem Cover dieser Art und aus diesem Verlag enthalten nach meinen Informationen fast ausschließlich Inhalte aus der englischen Wikipedia (Deswegen wohl Update-Service ?! ) und wurden quasi von einem Computerprogramm geschrieben.

Vergleicht man die beiden Parteien bezüglich ihrer Kampfkraft, dann sollten die Verhältnisse, selbst bei einem Zahlenverhältnis von 4:2, eher zugunsten der Briten gewesen sein. Das wußten am Abend des 25. Juli 1806 aber weder Elphinstone, der dienstältere Kapitän bei den Briten, noch konnte sich Aalbers sicher sein, welche Kanonen die Briten an Bord hatten.
Aalbers warf rund sieben Seemeilen vor der Südspitze von Celebes Anker, zwischen den holländischen Niederlassungen Bonthean und Balcomba, wie Elphinstone in seinem Bericht ausführt. Die Holländer zeigten dabei deutlich ihre Breitseiten und signalisierten damit, auch in der hereinbrechenden Dunkelheit für ein Gefecht gerüstet zu sein.
Die Briten drehten indessen bei, rund zwei Meilen im Luv der Holländer. Bevor Elphinstone und Troubridge weitere Schritte unternehmen wollten, sollte erst die Natur des Zweideckers geklärt werden.

Im Tageslicht des nächsten Morgens setzten die Holländer ihren Weg in Schlachtlinie fort, gefolgt von den parallel zu ihnen, aber um eine größere Distanz versetzen Briten. Die PALLAS nahm die Spitze, dahinter folgte die BATAVIA vor der VICTORIA. In einigen Quellen wie z.B. bei William James segelt die VICTORIA an der zweiten Position. Elphinston aber schreibt in seinem Bericht:
"...the frigate taking her station in the van, an armed ship astern of her, the large ship in the centre and the corvette in the rear." (LONDON GAZETTE vom 04 April 1807, S. 422)
Die Nachhut bildete nach allen Berichten die WILLEM. Inzwischen hatte man an Bord der Briten die VICTORIA genau beobachtet. Die Ausgucks der GREYHOUND waren sicher, dass der Zweidecker kein Linienschiff, sondern ein großes Handelsschiff sein mußte. Elphinstone begann daraufhin, sich mit seinen beiden Schiffen langsam dem Gegner zu nähern, mit der französischen Flagge im Topp, die GREYHOUND an der Spitze, die HARRIER kurz dahinter.
Aalbers blieb jedoch vorsichtig und behielt die Gefechtsbereitschaft bei, mit geladenen Kanonen hinter den Stückpforten und an Deck.
Der Master der GREYHOUND, Martin, machte Kapitän Elphinstone auf eine größere Lücke zwischen der PALLAS und der BATAVIA aufmerksam und regte an, die britischen Schiffe nach Möglichkeit auf dieser Höhe zu postieren, um im geeigneten Moment durchzubrechen. Die GREYHOUND und die HARRIER näherten sich bis auf Rufweite an die holländische Linie, nach wie vor mit französischen Flaggen. Als die Briten die vom Master vorgeschlagene Position erreicht hatten, holten sie die französischen Farben nieder und setzten den Union Jack.

Es war 5:30 am Morgen des 26. Juli 1806, als beide Parteien das Feuer eröffneten. Die PALLAS und die GREYHOUND wechselten Breitseiten, doch die HARRIER erkannte plötzlich die Chance, die erwähnte Lücke zwischen den holländischen Fregatte und der BATAVIA zu nützen, legte das Steuerrad und stieß hinein. Die Breitseiten der Sloop schleuderten jeweils rund 260 Pfund Eisen in das Heck der PALLAS und über den Bug der BATAVIA, so das vermutlich auch die als taktische Nr. 3 folgende VICTORIA betroffen war. Die holländische Linie spürte offenbar den Beschuss sofort und legte ebenfalls das Ruder, um sich mit ihren Breitseiten gegen die Karronaden der Sloop zu wehren.
Auch die PALLAS warf das Ruder herum, dem Manöver der HARRIER folgend, aber auf der anderen Seite auch gefolgt von der GREYHOUND, welche bei Passivität selbst von der feindlichen Fregatte der Länge nach hätte beharkt werden können.
Die HARRIER war nun zwischen die holländischen Schiffe geraten, auf einer Seite die BATAVIA und die VICTORIA, auf der anderen Seite die PALLAS, welche durch die Sloop allerdings von ihren Kolleginnen getrennt worden war. Elphinstone nützte nun seinerseits die Gelegenheit, die PALLAS in die Klemme zu bringen. Es gelang ihm, vor dem Bug der holländischen Fregatte zu halsen und diese erneut der Länge nach unter Feuer zu nehmen. Mehr noch: Durch Backbrassen der Segel der GREYHOUND konnte er vor dem Bug des Gegners bleiben und ihn weiter von vorne beschießen, mit einem Teil seiner Kanonen aber auch die zwei anderen Holländer zu bekämpfen. Die PALLAS bekam dazu noch die schweren Breitseiten von der HARRIER in die Seite gejagt ; Troubridge kämpfte zwar zu beiden Seiten auf kurze Distanz, doch gerade so zahlte sich die Bewaffnung mit den kurzreichenden, dafür aber schnell zu ladenden Karronaden aus. Die HARRIER war mit optimaler Wirkung ins Gefecht gebracht worden.
Die WILLEM, so scheint es, hatte von all dem unbeeindruckt ihren Kurs gehalten, auf ihrer Steuerbordseite den ein oder anderen Treffer bekommen oder auch ausgeteilt, sich aber durch ihren konstanten Kurs schließlich ganz aus dem Gefecht gebracht.
Die Feuerkraft der BATAVIA und der VICTORIA kann nicht besonders groß gewesen sein, denn ansonsten hätte das Manöver der HARRIER im Feuer zwischen zwei Fronten mit schwerwiegenderen Folgen für die Sloop enden müssen.

Der Höhepunkt der Seeschlacht vor Celebes am 26. Juli 1806

Die PALLAS dagegen bekam das ganze artilleristische Potential ihrer beiden Gegner zu spüren. Besonders die britischen 32-Pfünder-Karronaden haben sich vermutlich einmal mehr schrecklich bewährt. Schon mit den ersten Breitseiten wurden Kapitän Aalbers und der Master B. Valk tödlich verwundet, die Leutnants W. Standers und van Itterson wurden ebenfalls verletzt, der britische Eisenhagel ließ das Feuer der holländischen Fregatte nach und nach ersterben.
Gegen 6:10 ließ Elphinstone ebenfalls das Feuer einstellen und forderte durch Anruf die PALLAS zur Übergabe auf. Die holländische Fregatte strich daraufhin die Flagge.
Die BATAVIA und die VICTORIA konnten ihr Führungsschiff nicht entlasten, im Gegenteil, die HARRIER brachte durch eine rasche Abfolge von Breitseiten die viel größere VICTORIA in große Not. Wenig später holten die Holländer auch auf dem hoffnungslos unterlegenen Zweidecker die Flagge herunter. Troubridge stürzte sich nun auf die bereits mitgenommene BATAVIA und wurde kurz danach gefolgt von der GREYHOUND, was Kapitän van Val gegen 6:40 ebenfalls zur Aufgabe bewegte und das Gefecht allgemein beendete.
Nur ein holländisches Schiff war noch nicht besiegt: Die HARRIER machte sich umgehend an die Verfolgung der WILLEM, hatte aber einen schweren Stand, denn einerseits hatte die holländische Korvette bereits einen gehörigen Vorsprung gewonnen, andererseits war die Rigg der britischen Sloop signifikant beschädigt, das Schiff mit weniger Leinwand somit zu langsam. Deswegen rief Elphinstone nach kurzer Zeit Troubridge durch Signale zurück, die WILLEM entkam unter Land.
Das Gefecht endete also mit einem Triumph für das englische Duo, das drei Schiffe als Prisen nehmen konnte. Und der Sieg war erstaunlich leicht gefallen. Die Briten verloren lediglich einen Mann von den 212 Männern an Bord der GREYHOUND, 8 Männer Elphinstones wurden verwundet. Lediglich 3 Seeleute von 110 Mann Besatzung an Bord der HARRIER waren verletzt worden.
Die Gründe liegen auf der Hand: Wie bereits erwähnt war die Artillerie der Handelsschiffe kaum ins Gewicht gefallen. Außerdem hatten die gut ausgebildeten Briten es offensichtlich mit unerfahrenen Gegnern zu tun. Der Mangel an Praxis hatte einen blutigen Preis: Die Holländer verloren allein an Bord der PALLAS 14 Mann und hatten bei 250 Mann Besatzung 26 Verwundete. An Bord der holländischen Ostindienfahrer gab es 5 Tote und sechs Verwundete. Interessant ist der Anteil der Offiziere bei den holländischen Verlusten: 17,5 %. Das läßt vermuten, das zu einem frühen Zeitpunkt des Gefechts viele Crewmitglieder unter Deck Schutz suchten und würde die recht schnelle Kapitulation der PALLAS erklären.

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Elphinstone und Troubridge brachten ihre Prisen nach Port Cornwallis (Andamanen), wo sie am 19. August 1806 ankamen und auf Konteradmiral Thomas Troubridge trafen. Der kaufte sofort die PALLAS für die Royal Navy an und machte sie zum post ship für seinen Sohn, der also mit gerade 20 Lenzen zum Kapitän zur See befördert wurde. Die beiden siegreichen Kommandanten von Celebes kassierten für die vollbeladenen Ostindienfahrer ein fürstliches Prisengeld. Elphinstone sollte jedoch wenig von seinem so erworbenen Reichtum haben: 1807 bekam er ein neues Kommando in England, kam aber bei der Heimreise ums Leben.

Die Mission Elphinstones, die im Gefecht vor Celebes kulminierte, führte zunächst zu keinen weiteren Schritten gegen die Holländer. Am 18. April 1806 hatte nämlich das britische Linienschiff POWERFUL (74 - Robert Plampin) aus dem Geschwader von John Thomas Duckworth Madras erreicht und brachte die Nachricht, dass wieder ein französisches Geschwader auf dem Weg in den Indischen Ozean sei. Gemeint waren die Schiffe von Konteradmiral Willaumez, welche Duckworth im Atlantik verfolgt hatte (Siehe hier). Damit war Pellews Anspruch auf das Oberkommando erneut gerechtfertigt.
Thomas Troubridge resignierte und trat schließlich auf der leckenden BLENHEIM (74 - Bissell) gegen alle Warnungen eine verhängsnisvolle Heimreise nach England an. Begleitet wurde das Linienschiff von der Fregatte JAVA (36 - George Pigot) und der HARRIER (18 - Justice Finley). Am 5. Februar 1807 verlor die HARRIER in einem Sturm den Kontakt zu ihren Begleiterinnen. Weder die BLENHEIM noch die JAVA erreichten England, sondern sanken mit Mann und Maus, vermutlich einige hundert Meilen südöstlich von Madagaskar. An Bord der BLENHEIM war auch Elphinstone.


Pellew dürfte den Bericht vom Gefecht vor Celebes gut studiert haben, denn der Verlauf gab ihm einige Hinweise auf Kampfbereitschaft und Kampfkraft der Holländer in Batavia. Wenn er zuvor nicht ernsthaft vorgehabt hatte, die Holländer in Batavia anzugehen, spätestens jetzt dürfte er die Schwäche von Napoleons Bundesgenossen erkannt haben. Außerdem erhielt er durch die Gefangenen Elphinstones die Bestätigung, dass die holländischen Kriegsschiffe tatsächlich in Batavia lagen. Dazu kam, dass im Herbst 1806 Gerüchte Madras erreichten, wonach die britische Admiralität Pellews Oberbefehl im Indischen Ozean bestätigen würde. Und nun machte der Admiral tatsächlich Ernst: Im Oktober 1806 verließ er mit seinem Linienschiffgeschwader Madras. Neben seinem Flaggschiff CULLODEN (74) verfügte er über die Linienschiffe POWERFUL (74), die RUSSELL (74) und die BELLIQUEUX (64), die Fregatte TERPSICHORE (32) sowie die SEAFLOWER (14) ergänzten das Geschwader. Ziel waren Batavia, die holländischen Linienschiffe und - wie der Konteradmiral hoffte - seine erste Linienschiff-Schlacht. Doch eine Fregatte Troubridges sollte Pellew zuvorkommen und sozusagen im Alleingang Batavia angreifen.

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Quellen:
De Jonge, Johannes Cornelius. "Geschiedenis van het nederlandsche Zeewezen", Haarlem 1862
Clowes, William Laird. "The Royal Navy, A History from the Earliest Times to 1900", Volume V. Chatham Publishing 1997
James, William. "The Naval History of Great Britain", Volume 4, 1805 - 1807. Conway Maritime Press 2002
Woodman, Richard. "The Victory of Seapower: Winning the Napoleonic War 1806-1814", Mercury Books 2006
Parkinson, C. Northcote. "Edward Pellew", London 1934
"Capture of a Dutch squadron. Copy of a letter transmitted by Sir T. Troubridge." In: Dodsleys Annual Register für 1807, S. 650 - 651, London 1809
LONDON GAZETTE vom 4. April 1807, S. 422 f.


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