Napoleon's Overseas Army
Chronologie der europäischen Seekriege 1793 bis 1815, Band 1, bis 1802
Chronologie der europäischen Seekriege 1793 - 1815
Band 1 : Von 1793 bis zum Frieden von Amiens 1802

von Thomas Siebe
Sprache: Deutsch Broschiert - 224 Seiten - BoD
ISBN 978-3-8423-2883-9 Erschienen: September 2010
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Die Ostindienfahrerschlacht vor Pulo Aor

Der französische Konteradmiral Charles Linois ist bekannt geworden durch seinen Sieg über ein britisches Geschwader in der Schlacht von Algeciras am 6. Juli 1801, aber auch durch sein überdurchschnittlich geringes Kriegsglück, um nicht zu sagen: Pech. So ist er auch das Opfer eines großangelegten Bluffs geworden, der seinerzeit seinen Ruf als Flaggoffizier völlig ruinierte. Linois Geschwader wurde 1804 im südchinesischen Meer von einer Flotte von bewaffneten Handelsschiffen, die sich als Schlachtschiffe getarnt hatten, in die Flucht geschlagen und anschließend sogar gejagt. Die Ostindienfahrerschlacht vor der kleinen malaiischen Insel Pulo Aor aber wurde berühmt und lieferte den Stoff für so manchen Roman. Wie es zu diesem frechen Bluff kam, schildert der folgende Bericht.


Die China-Fleet

Im Indischen Ozean bestimmte in der Zeit der Segelschiffe der wechselnde Monsun die Hauptreisezeiten für bestimmte Routen. Verpasste ein Schiff eine solche Phase, verlor es Monate, im ungünstigsten Fall sogar ein ganzes Jahr. Dies war - auch im beginnenden 19. Jahrhundert - für ein Kriegsschiff ein gewaltiger militärischer Nachteil, für ein Handelsschiff aber geschäftlich eine Katastrophe.

Die Sorge, die günstigen Monsunwinde im Indischen Ozean zu verpassen, plagte im beginnenden Jahr 1804 in Kanton (China) den Kapitän und Kommodore der Ostindischen Gesellschaft, Nathaniel Dance und seine Kollegen.
Die Ostindische Kompanie war vom erneuten Kriegsausbruch zwischen Frankreich und England überrascht worden. Der Konvoi aus Handelsschiffen, auch als die China Fleet bezeichnet, war zwar vollzählig versammelt und bereit zur Reise nach Indien bzw. England, doch vergeblich hatte man im Hafen von Kanton auf englische Kriegsschiffe als Geleitschutz gewartet.
Zwar waren zwei britische Linienschiffe, die SCEPTRE (74) und die ALBION (74), auf dem Weg, konnten aber frühestens vor der Straße von Malakka zum Konvoi stoßen. Für die Kapitäne der Handelsschiffe stand jedoch viel Geld auf dem Spiel und wenn ihre Schiffe den Monsunwechsel im Indischen Ozean verpassten, kostete dies ein Vermögen. Deswegen war es keine Frage, daß der Konvoi zur Not auch ohne Begleitschutz segeln musste.

Ein mit Seide, Porzellan, Tee, Gewürzen oder Reis beladener Ostindienfahrer der China Fleet repräsentierte einen sehr hohen Wert und stellte folglich die ultimative Beute, sozusagen den Jackpot, für Piraten oder Kaperschiffe da. Deswegen verfügten alle Ostindienfahrer zu ihrem Schutz auch über eine größere Artilleriebewaffnung und konnten sich gegen kleinere Kaperschiffe durchaus wirkungsvoll zur Wehr setzen. Der seit 1790 gebaute größere Schiffstyp der Gesellschaft ähnelte sogar in Takelage und Aussehen den modernen 74-Kanonen-Schlachtschiffen und hatte neben Karronaden (Nahkampfkanonen) auch 20 bis 26 Zwölf- und Achtzehn-Pfünder-Kanonen an Bord.
Damit konnten diese Schiffe selbst einer großen Fregatte schon Probleme bereiten, wie dies 2 Jahre nach dieser Geschichte die WARREN HASTINGS, ein Schiff aus der China Fleet, vorführte. Das 1350-Tonnen-Schiff von Kapitän Thomas Larkin verfügte bei rund 200 Mann Besatzung über 26 Achtzehn-Pfünder-Kanonen sowie über 14 Achtzehn-Pfünder-Karronaden und vier Zwölf-Pfünder-Nahkampfgeschütze. Mit dieser Bewaffnung sollte Larkins Schiff am 21. Juni 1806 der 40-Kanonen-Fregatte PIEMONTAISE (40 - Jaques Epron) eine blutige Schlacht liefern.

Somit fürchtete der Konvoi weniger kleinere Kaperschiffe wie z.B. chinesische Piraten, Sorgen bereiteten den Kapitänen vielmehr jüngste Berichte, wonach ein französisches Geschwader mit Linienschiffen den Indischen Ozean unsicher machte.

Bei einem Treffen mit diesen Schiffen konnte der Plan des Konvois eigentlich nur heissen, sich so schnell wie möglich aus dem Staub zu machen, denn das Artillerieduell gegen ein Linienschiff war auch für die großen Ostindienfahrer aussichtslos.

Der Nachteil bei diesem Verhalten war freilich, daß bei einer wilden Flucht eine koordinierte Verteidigung unmöglich wurde und die schnellen französischen Fregatten Schiff um Schiff einholen und erobern würden.
Deswegen bereiteten der dienstälteste Kapitän, Kommodore Dance und seine Kapitänkollegen, einen frechen Plan B für den Fall einer Begegnung mit den Franzosen vor.

Die Ähnlichkeit der größeren Schiffe mit Schlachtschiffen nützend ließ man einigen Schiffen einen höchst militärischen Anstrich verpassen und sogar Geschützpforten aufmalen. Damit waren diese Schiffe auf Distanz tatsächlich von 74-Kanonen-Schlachtschiffen bzw. Zweideckern nicht zu unterscheiden.


Ein Ostindienfahrer

Die Linienschiff-Mimikry

Das diese Fassade selbst für erfahrene Seeleute zur Täuschung wurde, war auch der Detailtreue der Mimikry geschuldet: In aller Eile hatte man für eine Handvoll Schiffe zusätzlich Segel nach dem Schnitt der Royal Navy genäht und angeschlagen. Zusätzlich bekamen diese Schiffe dann auch noch eine entsprechende Beflaggung. Und wichtiger noch: es gab eine detaillierte Absprache der Manöver für den Fall der Fälle, denn der Plan des Kommodore fand allgemeine Zustimmung unter seinen Kollegen.

Neu, wie viele später behaupteten, war der Plan freilich nicht, sondern lediglich sehr gut vorbereitet, was seinen Grund hatte. Bereits im Januar 1797 hatte nämlich ein Kollege von Dance, Kapitän Charles Lennox von der WOODFORD, östlich von Java ein französisches Fregattengeschwader, bestehend aus immerhin 6 Schiffen unter Konteradmiral Sercey, mit seinen fünf Ostindienfahrern in die Flucht geschlagen. Lennox hatte aus der Not der zufälligen Begegnung heraus geistesgegenwärtig die Stander eines britischen Vizeadmirals gesetzt und war sogar auf das französische Geschwader zugelaufen. Dieser Coup war natürlich kein Geheimnis geblieben und dies erhöhte das Risiko für die China-Fleet.


Linois Geschwader

Das französische Geschwader unter Konteradmiral Linois, dem Sieger von Algeciras 1801, war jedoch viel näher, als die Kapitäne der China Fleet ahnten.
Linois war mit seinem Flaggschiff MARENGO (74) , einigen Fregatten und Truppentransportern im Juli 1803 ursprünglich in quasi-friedlicher Mission in den Indischen Ozean gekommen, um die nach dem Friedensvertrag von Amiens 1802 an Frankreich zurückgegebene Stadt Pondicherry und weitere französische Besitzungen wieder in Besitz zu nehmen.
Der amtierende englische Generalgouverneur von Indien, Richard Wellesley, hatte jedoch trotz noch bestehenden Friedens und ungeachtet des Vertrages angeordnet, keinen französischen Soldaten in Indien an Land zu lassen.
Deswegen wurde der an Bord der MARENGO reisende designierte französische Gouverneur für die französischen Besitzungen in Indien, General Decaen, nach einer Reise von Brest nach Pondicherry, also nach über 12000 Seemeilen, am Ende auf die letzte verbliebene Präsenz des späteren französischen Kaiserreichs im Indischen Ozean verschlagen. Linois brachte Decaen auf die Insel Mauritius (Damals: Ile de France), wo man Ende August die Nachricht vom erneuten Kriegsausbruch bekam. In der Folge benutzte Linois die beiden Häfen der Insel im Indischen Ozean als Basis für den Kreuzerkrieg gegen die Briten in Asien.

Decaen, der Held von Hohenlinden 1800 und ursprünglich Kavallerist, verfügte zweifellos auch über ein grosses strategisches Talent für den Seekrieg. Auf Mauritius begann der allerdings recht selbstherrliche General sogleich ein Konzept für einen ausgedehnten Kreuzerkrieg im Indischen Ozean zu entwerfen und geriet darüber natürlich mit dem eifersüchtig über sein Element wachenden Konteradmiral aneinander. Trotz der aufkeimenden Feindschaft zwischen den beiden Männern waren sie sich jedoch in ihrem ersten grossen Ziel einig: Die Kampanje sollte mit einem großen Coup eröffnet werden, dem Angriff auf die China Fleet.

Am 8. Oktober 1804 hatten Decaen und Linois genügend Informationen gesammelt und alle Vorbereitungen getroffen. Das Flaggschiff des Konteradmirals, die MARENGO (74 - Joseph-Marie Vrignaud), verließ Mauritius, gefolgt von den Fregatten SEMILLANTE (36 - Leonard-Bernard Motard) und BELLE POULE (40 - Alain Bruilhac) sowie der Korvette BERCEAU (22 - Emanuel Halgan).

Nach einem kurzen Abstecher auf die naheliegende Insel Reunion, wo er Truppenverstärkungen landete, nahm Linois Kurs auf Sumatra. Dort plünderte er Anfang Dezember den britischen Handelsstützpunkt Bencoolen (Bengkulu), nahm einige Prisen und versorgte sich mit den neusten Informationen.

Am 10. Dezember 1803 warf das französische Flaggschiff dann vor Batavia auf Java Anker. Batavia war nach wie vor in den Händen der Holländer und somit der Stützpunkt eines französischen Vasallenstaates. Linois füllte Wasser- und Feuerholzvorräte auf und übernahm die batavische Brigg AVENTURIER (16) in sein Geschwader. Das kleine Schiff eignete sich wegen seiner Schnelligkeit und seines geringen Tiefganges vorzüglich als Kundschafterin für die weiteren Unternehmungen des Konteradmirals. In Batavia bekam der Held von Algeciras, angeblich von einem amerikanischen Kapitän, letzte und recht präzise Informationen über den Status der China Fleet. Diese Nachrichten schienen höchst günstig: Die Handelsschiffe hatten in Kanton bislang vergeblich auf ernstzunehmenden Geleitschutz gewartet. Aus bereits beschriebenen Gründen mußten sie aber innerhalb eines gewissen Zeitfensters aufbrechen, mit oder auch ohne die Begleitung grösserer Kriegsschiffe. Dies verhieß für Linois leichte und reiche Beute.

Charles linois
Charles Linois
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Pulo Aor

Der Ort der Schlacht

Am 28. Dezember 1803 verließ das französische Geschwader dann Batavia und segelte nach Norden.
Linois schien bemerkenswert gut informiert. Er wußte, daß der Konvoi bisher vergeblich auf englische Linienschiffe gewartet hatte, kannte die ungefähre Zahl der Schiffe, den frühest möglichen Aufbruchtermin und wußte natürlich auch um die meteorologische Deadline der rot-weißen Flotte.
Wie alt die Informationen waren, die Linois vorlagen, ist aber nicht bekannt. Der Admiral rechnete jedenfalls keinesfalls mit starkem Geleitschutz des Konvois.

Am 31. Januar 1804 - kein englisches Linienschiff war in Sicht - musste die China Fleet dann den Hafen von Kanton verlassen und steuerte Südkurs mit dem vorläufigen Ziel Malakka.
16 größere Ostindienfahrer zwischen 1200 und 1500 Tonnen und 25 kleinere Handelsschiffe boten einen imponierenden Anblick und hätten das Herz eines jeden Piraten oder Kaperfahreres hüpfen lassen... wäre da nicht die doppelte Reihe von Geschützpforten an den Seiten einiger Schiffe gewesen.
Die einzige Eskorte der China Fleet bestand jedoch nur aus der kleinen gesellschaftseigenen Kriegsbrigg GANGES. Das wußten aber weder Piraten noch Kaperschiffkapitäne.
Was Kommodore Dance und seinen Kollegen wiederum nicht wußten: Die China Fleet lief dem französischen Geschwader direkt in die Arme.

Linois war klar, daß der Konvoi, sollte er erst einmal die Meeresstrasse von Malakka erreichen, in relativer Sicherheit sein würde, weil diese Region von den Portugiesen und Briten beherrscht wurde. Deswegen lauerte er der China Fleet vor der Ostküste der malaiischen Halbinsel auf, bei einer größeren Inselgruppe, die zwischen dem 104. und 105 Längengrad gelegen ist. In der Nähe der kleinen Insel Pulo Aor (Auch Pulo Aura, Polo Auro oder Poulo Or) ließ er seine Schiffe in weit gefächerter Linie kreuzen und wartete auf die Briten.

Am Morgen des 14. Februar 1804, bei 2 Grad, 27 Minuten nördlicher Breite und 104 Grad, 31 Minuten östlicher Länge, sichtete die AVENTURIER dann einen Wald aus Masten und Leinwand - die China Fleet. Linois nahm Kurs auf einen Wert von rund 8 Millionen Pfund Sterling unter Segeln. 


Treffen vor Pulo Aor

Auf dem Ostindienfahrer ROYAL GEORGE hatte Kapitän John Timmins gerade die Meldung bekommen, daß die kleine Insel Pulo Aor in West / Südwest in Sicht war, als die Toppgasten die Segel von vier großen Schiffen in Südwest meldeten. Timmins ließ die Meldung an Kommodore Dance auf der EARL CAMDEN weitergeben.

Dance ahnte sofort, wer sich da seinem Konvoi näherte, doch zunächst befahl er der ROYAL GEORGE und den ebenfalls am weitesten südwestlich stehenden Schiffen ALFRED (James Farquharson), BOMBAY CASTLE (Archibald Hamilton) und HOPE (Jason Pendergrass) auf die gesichteten Segel zuzuhalten, um Schiffstyp, Nationalität und möglicherweise Identität der anlaufenden Schiffe zu erkunden.
Der Navy-Offizier Leutnant Robert Fowler, Passagier an Bord der EARL CAMDEN und erster Offizier unter Matthew Flinders, bot sich an, sich auf der kleinen armierten Brigg GANGES den Kundschaftern anzuschließen und eilte dann mit Dances Erlaubnis der Erkundungs-Expedition hinterher.

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30 Minuten banges Warten für Dance und den Konvoi folgten, dann war sich Fowler sicher. Die Kundschafter schwenkten auf ihren alten Kurs ein und signalisierten dem Konvoi das alarmierende Ergebnis ihrer Beobachtungen: Ein Linienschiff, zwei Fregatten und zwei kleinere Schiffe näherten sich der China Fleet.
Der Kommodore der Ostindischen Kompanie hatte wenig Zweifel, daß es sich um das französische Geschwader handelte, doch zunächst beließ er die vorgepreschten Schiffe auf ihrem Beobachterposten.

Das unbekannte Geschwader stand noch weit in Lee des Konvois, arbeitete sich aber bereits fleissig auf die Luvseite des voraussichtlichen britischen Kurses vor.
Linois beabsichtigte, seinen räumlichen Vorsprung in eine Luvposition gegenüber den nahenden Schiffen umzumünzen. Obwohl seine Informationen die Präsenz größere Kriegsschiffe nicht erwarten ließ, war der Konteradmiral zu erfahren, um sich auf See vom Gegenteil überraschen zu lassen und dann im Lee englischer Linienschiffe zu stehen.
Linois zeigte sich hier von seiner besten Seite, als umsichtiger und taktisch geschickt operierender Kommandant.

Gegen Mittag verdichtete sich die Nationalität der Kriegsschiffe für die Briten zur Gewißheit.
Dance ließ das Rückrufsignal für die vier Frontschiffe hissen und dann folgendes Signal übermitteln:
Form line of battle in close order and prepare for action.
Gleichzeitig ließ er die wehenden weiß-rot gestreiften Embleme der Ostindischen Kompanie gegen das Blau und Rot der Royal Navy austauschen.

Die 16 großen Handelsschiffe formten sich nun zu einer gewaltigen Schlachtlinie, machten ihre Schiffe klar zum Gefecht und präsentierten an ihren Breitseiten in der Summe immerhin weit über 200 Kanonen, wobei diese durch die aufgemalten Stückpforten-Fakes noch wesentlich mächtiger aussahen.
Alle Schiffe in der Linie ließen nun Flaggen der Royal Navy wehen, die vier vordersten Segler trugen sogar den Wimpel eines Konteradmirals im Topp und manövrierten genau so , wie es Kriegsschiffe unter diesen Umständen getan hätten:
Im Schutz der Schlachtlinie ließen sie in einer zweiten und dritten Reihe die schwächeren und kleinen Schiffe segeln, während sie zu anderen Seite dem Gegner ihrer Breitseiten präsentierten und stur ihren Kurs verfolgten, ohne Anzeichen von Furcht und Flucht.

Der sich nähernde französische Konteradmiral war schon zuvor überrascht worden, denn er stieß auf wesentlich mehr Schiffe als erwartet.
Noch überraschender aber war für ihn nun der Anblick der Schlachtlinie, denn natürlich hatten die Franzosen erwartet, daß die Handelsschiffe flüchten würden. Auch der höchst kriegerische Anblick der Linie verblüffte Linois, machte ihn aber gleichzeitig auch mißtrauisch. Eine große englische Flotte von Linienschiffen war in diesen Breiten natürlich höchst unwahrscheinlich und der Bluff auf See wie zum Beispiel das Hissen von fremden Flaggen war schon immer eine beliebte Kriegslist gewesen. Serceys Schlappe anno 1797 war natürlich auch Linois bekannt.

  Die Seeschlachten von Algeciras 1801 -  Linois gegen Saumarez, Keats gegen Moreno

Trotzdem stellte sich Linois bei dem sich ihm bietenden Anblick natürlich sofort die Frage, ob die englischen Linienschiffe nicht doch noch rechtzeitig zum Geleitschutz herangekommen waren. Auf größere Distanz war dies aber unmöglich zu entscheiden.
Vorsichtig näherte sich deswegen das französische Geschwader, darauf bedacht, gegenüber den Briten ins Luv und damit in die Manöverdominanz zu gelangen.

Auf beiden Seiten ließ man den Gegner keine Sekunde lang aus den Augen, kein Fernglas auf beiden Seiten, das nicht im Gebrauch gewesen wäre. Selbst ältere Kapitäne in der China Fleet waren aufgeentert, um zu beobachten, was die Franzosen tun würden.
Linois auf der anderen Seite suchte Indizien für einen Bluff, während er und seine Crews versuchten, Linienschiffe zu identifizieren.

Die Sonne sank am Horizont und schließlich hatte das französische Geschwader seine Angriffsposition im Luv der englischen Linie erreicht, wendete und lag nun auf gleichem Kurs.
Immer näher rückte ihre kleine Schlachtlinie den englischen Schiffen und nach und nach konnten die französischen Seeleute Schiff um Schiff als Handelsschiff identifizieren. Lediglich die vier vordersten Engländer in der Linie, die dem 74-Kanonen-Linienschifftyp so ähnelten, waren auch bei abnehmender Entfernung nicht sicher einzuordnen.
Der Höhepunkt der Spannung war nun erreicht: Würde sich Linois wirklich bluffen lassen ?

Brian Lavery - The Ship of the Line. Vol. I: The development of the battlefleet 1650 - 1850.



Bei einem Angriff waren die Engländer zwar entschlossen, zu kämpfen, doch verfügten die großen Handelsschiffe weder über ausgebildete Geschützbedienungen noch über die gegen ein Linienschiff notwendigen schweren Kaliber wie 24 oder 32 Pfünder. Dem Rumpf der MARENGO vermochten zumindest die Zwölfpfünder der Briten kaum Schaden zu zufügen. Der Ausgang eines solchen Kampfes lag auf der Hand.

Doch Linois, der nun auf eine Distanz von rund 1 Seemeile herangekommen war, freilich bei schwindendem Licht des ausgehenden Tages, konnte nach wie vor nicht sicher sein, ob er gegen englische Linienschiffe würde kämpfen müssen.
Um dies definitiv feststellen zu können, hätte er wahrscheinlich ein längeres Gefecht oder ein Gefecht auf kürzeste Distanz riskieren müssen.
Sicherlich hätte es ihn mißtrauisch machen müssen, daß die Engländer typischerweise noch nicht versucht hatten, sein Geschwader in die Zange zu nehmen.
Immerhin aber konnte der immer misstrauische französische Geschwaderführer die Passivität der vermeintlichen Kriegsschiffe natürlich als Falle deuten. Die MARENGO und ihre Begleiterinnen hatten schließlich den Windvorteil und waren deswegen kaum in die Enge zu treiben.

Mit jeder Minute nachlassenden Tageslichtes aber löste sich die Spannung auf den englischen Schiffen, wurde die Identität der martialisch aufgemachten Ostindienfahrer bei den Franzosen zumindest in Frage gestellt.
Der leichte Wind schlug indessen von Nordosten weiter nach Osten um und die Franzosen mußten sich noch weiter nach Westen vorarbeiten, um im Luv der englischen Flotte zu bleiben.
Linois beschloss deswegen, weitere Erkundungen und einen möglichen Angriff vorerst zu verschieben. Er orientierte sich mit hereinbrechender Nacht auf den hinteren Teil des Konvois, um seine Fregatten vielleicht auf einen englischen Nachzügler anzusetzen, der eventuell aus der Reihe tanzte.

Ohne Zweifel zog der französische Admiral die Möglichkeit einer Täuschung nach wie vor in Betracht. Er rechnete aber damit, daß die Briten in diesem Fall kaum die Nerven haben würden, in der Nacht ihren Kurs neben einem französischen Geschwader zu halten.
Vielmehr rechnete man auf Seiten der Franzosen allgemein damit, daß die Ostindienfahrer dann versuchen würden, die Dunkelheit zur Flucht zu nützen.

Auf englischer Seite war man freilich der gleichen Meinung: Flucht würde den Bluff auffliegen lassen und den Konvoi zerstreuen.
Dance und seine Kollegen hatten wohl selbst einen solchen Fall eingeplant und liessen schließlich ihre Flotte beidrehen, um die Nacht abzuwarten. Um den Kurs beizubehalten, hätte man ansonsten kreuzen müßen. Dabei wäre es Linois aber nur allzu leicht gefallen, Schiffe der Nachhut abzufangen.

Um dem französischen Geschwader deutlich zu machen, daß kein Schiff flüchtete, demonstrierten Dance und seine Männer ihren Gegnern unverdrossen ihre Präsenz. An Bord der MARENGO konnte man die ganze Nacht die militärisch korrekt postierten blauen Nachtlichter der englischen Schiffe beobachten, die man am ehesten für Linienschiffe halten konnte.
Auch die anderen Segler blieben weiter im Konvoi, ganz so, als ständen sie unter dem Schutz der Royal Navy.

Für die Franzosen waren diese Schiffe aber nur als Lichtpünktchen und Schemen zu erkennen. Die Engländer benahmen sich aber sichtlich genau so, als hätten sie von der MARENGO oder den französischen Fregatten gar nichts zu befürchten, während sie andererseits auch keinen übertriebenen Lichterzauber präsentierten, wie die Legende des Treffens da und dort zum Besten gibt.

 The Oxford History of the British Empire The Eighteenth Century

The Oxford History of the British Empire. The Eighteenth Century
von P. J. Marshall
Sprache: Englisch
Gebunden- 800 Seiten - Oxford University Press
Erscheinungsdatum: Mai 1998
Volume II of the Oxford History of the British Empire examines the history of British worldwide expansion from the Glorious Revolution of 1689 to the end of the Napoleonic Wars, a crucial phase in the creation of the modern British Empire. This is the age of General Wolfe, Clive of India, and Captain Cook. The international team of experts deploy the latest scholarly research to trace and analyse development and expansion over more than a century. They show how trade, warfare, and migration created an Empire, at first overwhelmingly in the Americas but later increasingly in Asia.

 In der Morgendämmerung des 15. Februar waren alle englischen Schiffe noch vollzählig versammelt. Linois schrieb in seinem Bericht, daß dies für ihn ein deutliches Indiz für die Anwesenheit von englischen Linienschiffen war. Sonst hätten seiner Meinung nach die Briten versucht, von der Nacht zu profitieren, um sich abzusetzen.
Tatsächlich nehme ich an, daß der französische Konteradmiral - und nicht nur er - zu diesem Zeitpunkt bereits davon überzeugt war, in der Nähe eines englischen Linienschiffgeschwaders zu liegen.
Dies ist verständlich, denn die Briten hatten sich bei ihrem grandiosen Bluff bis zu diesem Zeitpunkt keine Blösse gegeben und keinen Fehler gemacht. Trotzdem gaben die französischen Kommandanten natürlich die Hoffnung auf Prisen nicht auf.

Das französische Geschwader lag in der günstigen Luvposition und konnte sich deswegen trotz der befürchteten feindlichen Schlachtschiffe bei konstantem Wind relativ risikolos den Briten nähern. Im Falle eines Angriffs der vermeintlichen Übermacht hätte der vorsichtige Linois sich leicht zurückziehen können. Das Risiko bestand allerdings - wie immer auf See - darin, daß der Wind umschlagen konnte, wonach es freilich nicht aussah.

Auf beiden Seiten wurden nun wieder die Flaggen gehißt, was allgemein als Herausforderung und die Bereitschaft zum Gefecht verstanden werden konnte.
Das französische Geschwader kam weiter näher und die Briten warfen sich in Abwehrpose.
Linois zögerte, diesmal aus taktischen Gründen. Entweder mußten die Briten ihn nun angreifen und gaben sich dabei möglicherweise eine Blösse oder der Konvoi mußte weitermarschieren.

Nach einer guten Stunde nahmen die Briten ihren alten Kurs wieder auf und kreuzten in langen Schlägen Richtung Süden.
Das französische Geschwader reagierte sofort und begann auf dem entgegengesetzten Schlag zu kreuzen. Linois plante, seinen Turn so zu timen, daß er sich mit dem englischen Weg an einem bestimmten Punkt traf. Dort beabsichtigte er vor den Augen der dann durch die unsichtbare Wand des Windes hilflosen "Linienschiffe" die Nachhut der Linie abzuschneiden.


Die Schlacht

Dies war die große Stunde des James Timmins, der mit der ROYAL GEORGE die Linie der "verkleideten" Ostindienfahrer anführte. Er erkannte die Strategie des französischen Geschwaders und wandte sich mit einem folgenschweren Vorschlag an seinen Kommodore. Merkwürdigerweise ist dieser sein Verdienst später unter den Tisch gefallen

Wer den Bluff vermutlich erfunden hatte, ist ja bereits oben erwähnt worden. Wenn das Täuschungsmanöver damals tatsächlich neu war - man darf das übrigens stark bezweifeln - so ist er Lennox Manövern gegen Sercey 1797 zuzuschreiben.
Die britischen Manöver bis zu diesem Punkt waren auf die gute Absprache zwischen den Kommandanten zurückzuführen.
Doch die folgende Frechheit ist ganz allein durch Initiative des Kapitäns des führenden Ostindienfahrers, der ROYAL GEORGE zustande gekommen, der Linois Plan durchschaute und wußte, daß der französische Konteradmiral mit dem erfolgreichen Zugriff auf die Nachhut der großen Täuschung ein Ende bereiten würde.

Timmins signalisierte also Dance und schlug vor, den Poker bis zu Äußersten zu treiben, zu wenden und das Gefecht mit den französischen Kriegsschiffen zu suchen ! Der Kommodore der Ostindischen Kompanie stimmte nach kurzer Überlegung zu.
Dies war ungefähr um 13:00. Im vollen Bewußtsein, daß er sich damit auf ein Artillerieduell mit dem französischen Geschwader einließ, befahl Dance den Schiffen an der Spitze der Linie zu wenden, um mit der MARENGO und ihren Fregatten am Kreuzpunkt der beiden Schläge auf eine Höhe zu kommen.
Dabei betonte er, die Franzosen möglichst nah anzusteuern, denn natürlich wäre Linois durch jede Halbherzigkeit auf britischer Seite ermutigt worden.

Linois musste nun beobachteten, wie die vermeintlichen Linienschiffe ihm entgegenkamen und, sein Geschwader passierend, sich vor die Handelsschiffe schoben. Überrascht hat ihn das vermutlich nicht mehr und schließlich befahl er eine geringe Kurskorrektur, die ihn vor einem Nahgefecht bewahrte.

Timmins setzte dadurch ermutigt den kritischen Kurs auch nach Kräften in Szene, so daß es am Ende der französische Konteradmiral war, der immer weiter abhalten ließ, um nicht das Risiko zu gehen, von drei oder vier englischen Linienschiffen auf Nahkampfdistanz zusammengeschoßen zu werden.
Die französischen Fregatten hielten sich nun geschützt weit im Luv auf, jenseits ihres Flaggschiffes, denn schon eine Breitseite der schweren Kaliber eines Linienschiffes hätte eine Fregatte außer Gefecht setzen können.

Auf eine Distanz von ca. einer Viertelmeile trafen sich dann ungefähr um 13:15 die MARENGO und die Ostindienfahrer, die nun einer nach dem anderen wendeten.
Während die MARENGO das Feuer eröffnete, rollten auch die ersten Breitseiten der ROYAL GEORGE, wenig später setzten auch die Kanonen der EARL CAMDEN ein, schließlich feuerten auch die WARLEY und die ALFRED.

Dies war m.E. der kritische Moment, denn bei einem genauen französischen Blick auf die ROYAL GEORGE hätte man bei der ersten Breitseite eigentlich selbst auf die Distanz sehen können, daß das Feuer nur aus der oberen Geschützpforten kam. Da aber die unteren Batteriedecks die schweren Kaliber beherbergen, muß eine solche Beobachtung einen Angreifer misstrauisch machen. Offensichtlich aber haben die französischen Beobachter damals davon nichts bemerkt.

Als sich dann auch alle anderen bewaffneten Ostindienfahrer dem allgemeinen Feuer anschloßen, produzierte die englische Linie eine gewaltige Menge Pulverqualm und war sicherlich ein höchst abschreckender Anblick... soweit man die Schiffe hinter dieser Wolke noch sehen konnte.

 Krieg unter Segeln: Die Seemächte Europas im Kampf um die Meere

Krieg unter Segeln: Die Seemächte Europas im Kampf um die Meere
von Hans J. Alpers , Karin König
Sprache: Deutsch
Gebundene Ausgabe - 255 Seiten - Area
Erscheinungsdatum: Januar 2005

Die Sicht und das permanente Rollen der Kanonenschüsse verhinderte auch, daß man auf französischer Seite die Feuergeschwindigkeit erkennen konnte und natürlich war auch der ersehnte prüfende Blick auf die vermeintlichen Schlachtschiffe behindert.
Aus dem Pulverdampf heraus flogen die meisten englischen Kugeln weit über die Franzosen hinweg oder sausten da und dort durch die Takellage. Das britische Feuer lag selbst auf diese große Schussdistanz viel zu hoch, aber Linois vermutete, daß die MARENGO entmastet werden sollte.

 Dance und seine Kollegen mußten jedoch damit rechnen, daß den Franzosen bei längerem Beschuß auffallen mußte, wer da was für Kanonen auf britischer Seite abfeuerte, nämlich daß Zivilisten mit relativ kleinem Kaliber Löcher in die Luft schossen. Hinter der gewaltigen Pulverwolke hofften die Handelsskipper in größter Spannung, daß der beispiellos freche, schon fast verzweifelte Bluff gelingen möge, was mit zunehmender Gefechtsdauer natürlich unwahrscheinlicher wurde. Auch an Bord der EARL CAMDEN beobachtete man in höchster Anspannung die Bewegungen des Feindes. Hatte man den Bogen doch überspannt ? Würden die Franzosen durch das mangelhafte artilleristische Geschick der englischen Besatzungen den Bluff erkennen ?

Endlich, nach unendlichen 45 Minuten und ca. 8 Breitseiten, begannen die französischen Schiffe tatsächlich abzudrehen. Auf den Schiffen des Konvois brauste bereits der Jubelsturm der Besatzungen auf , doch die Anspannung der Kommandanten löste sich noch lange nicht. Sie wußten, daß der Poker noch nicht beendet war.

Wie bereits erwähnt, kann man als heutiger Beobachter zwar davon ausgehen, daß Linois bezüglich der Identität der feuerspeienden Schiffe bereits sein Urteil gefällt hatte. Auf Basis dieses "Vorurteils" beging der Konteradmiral den wohl größten Fehler seiner Karriere und ließ sein Geschwader abdrehen.

Ich will aber nicht ganz ausschließen, daß es sich bei diesem Rückzug um einen letzten Test handelte. Linois Schiffe hatten bisher noch keinen nennenswerten Treffer bekommen. Vielleicht schrieb er dies der großen Distanz zu den vermeintlichen englischen Schlachtschiffen zu. Andererseits kannte der Held von Algeciras 1801 aus eigener Erfahrung die Trefferquote englischer Artillerie auf größere Entfernung. Der Beschuß des Jahres 1804 hätte ihn natürlich besonders stutzig machen müssen und hat es vielleicht auch getan. Sein Abdrehen war möglicherweise lediglich ein letzter Test. Und wenn nun nicht geschehen wäre, was dann geschah, wer weiß...?

Denn das Gefecht war noch nicht zu Ende. Auf den Ostindienfahrern konnten die Kommandanten nämlich noch immer nicht sicher sein, ob der Rückzug der Franzosen nicht lediglich eine weitere Prüfung ihrer vorgetäuschten Identität darstellte. Aus diesem Grund - bestechend folgerichtig - signalisierte nun Kommodore Dance seinen Schiffen general chase : Jagt die französischen Schiffe !
Englische Linienschiffe hätten unter diesen Umständen jedenfalls versucht, die Franzosen zu stellen. Auch ein bereits gebluffter Linois wäre vielleicht wieder mißtrauisch geworden, wenn er nicht verfolgt worden wäre.

Die nach Osten abziehenden Franzosen sahen aber erwartungsgemäß den Wald von englischen Segeln auf sich zu kommen. Mit einem Schlag waren die Rollen vertauscht, englische Ostindienfahrer verfolgten ein französisches Linienschiff, zwei Fregatten, eine Korvette und eine Brigg und näherten sich derartig drohend, daß Linois bereits befürchtete, umzingelt zu werden und sich in einem Jagdgefecht gegen die Annäherung wehrte.

Die rückwärtigen Jagdgeschütze der MARENGO und ihrer Fregatten nahmen die Verfolger auf´s Korn, so daß Timmins und Dance, die bisher kaum Treffer bekommen hatten, nun äußerst bedrohlich die Kugeln um die Ohren flogen.
Das Feuer der MARENGO forderte dann die ersten und einzigen Opfer der Schlacht, ein Volltreffer auf der führenden ROYAL GEORGE tötete zwei Männer. Die Kugel verfehlte Kapitän Timmins nur knapp.
Doch Dance und seine Kollegen blieben am Gegner und verfolgten das französische Geschwader weiter. Zwei Stunden lang schienen die Briten zu versuchen, die Franzosen in die Zange zu nehmen. Dann ließ Dance seine Schiffe die Verfolgung abbrechen, weil seine Flotte sich von ihrem eigentlichen Ziel entfernte.

Der Bluff war gelungen, die Schlacht war gewonnen, die fliehenden Franzosen hielten ihren Kurs.

 Duell vor Sumatra

Duell vor Sumatra
von Patrick O'Brian
Sprache: Deutsch
Broschiert - 384 Seiten - Ullstein Tb
Erscheinungsdatum: August 2001
Captain Jack Aubrey muß sich wieder einmal gegen Vorgesetzte, Kollegen und Feinde behaupten. Er nimmt den Auftrag an, einen britischen Botschafter auf eine ostindische Insel zu befördern. In diesem Band spielt die hier geschilderte Schlacht eine Rolle.


Danach

Dance, Timmins und ihren Kollegen war einer der spektakulärsten Bluffs der Marinehistorie gelungen, die Geschichte der Ostindienfahrerschlacht von Pulo Aor sollte berühmt, ja, geradezu legendär werden und später in der marinehistorischen Literatur auch Rahmen von Romanhandlungen werden.

Die China Fleet traf am 19. Februar 1804 vor der Einfahrt in die Meeresstrasse von Malakka auf die englischen Linienschiffe SCEPTRE und ALBION und erreichte den Indischen Ozean rechtzeitig für die günstigen Monsunwinde. 6 Monate später war Kommodore Nathaniel Dance dann in England und wurde als Held empfangen. Vom König zum Ritter geschlagen erfuhr er viele weitere Ehrungen und bekam wie seine Kollegen natürlich hohe Geldsummen sowohl als Belohnung als auch als Anteil an der erfolgreichen Reise.
Zu diesem Zeitpunkt hörte man auf Mauritius zum ersten Mal überhaupt gerüchteweise von einem Bluff.

Konteradmiral Linois verpasste vor Pulo Aor eine riesige Chance, der ostindischen Kompanie und den Briten einen vernichtenden Schlag zuzufügen. Den Held von Algeciras sollte die Ostindienfahrerschlacht seinen guten Ruf kosten. Obwohl er danach in der englischen Handelsschiffahrt des Indischen Ozeans mit seinem Geschwader noch grossen Schaden anrichten sollte und das ein oder andere Schiff aus der China Fleet später doch noch erwischte, ward daheim in Frankreich sein Schicksal bereits besiegelt, als der ungünstige Bericht des mit Linois verfeindeten Gouverneurs Decaen über den Mißerfolg eintraf.

Möglicherweise erwies es sich für den Konteradmiral sogar als nicht ungünstig, das er am 13. März 1806 auf dem Heimweg nach Frankreich mit der MARENGO vor den Kanaren von der englischen LONDON (98) unter Sir Harry Neale geschlagen wurde und in englische Gefangenschaft ging, wo er vor der Wut des französischen Kaisers sicher war und bis zur Abdankung Napoleons 1814 verblieb.

Von unserer Seeschlachtlerin Kija stammt übrigens eine überraschend einfache, aber deswegen wirklich nicht abwegige Theorie für das Versagen von Linois, mit der sie übrigens auch die Triumphe Nelsons erklärt: Beide Seehelden ließen sich äußerst ungern etwas sagen und... sahen schlecht, weil ihnen ein Auge fehlte ! Eine absolut tödliche Kombination...

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