Horatio Nelson Horatio Nelson
Kategorie(n): Biografien & Erinnerungen
von Jann M. Witt
Sprache: Deutsch
Gebundene Ausgabe - 600 Seiten - Koehlers Verlagsges. -

Erscheinungsdatum: SEPTEMBER 2005
 Beloved Emma: The Life of Emma, Lady Hamilton von Flora Fraser Beloved Emma: The Life of Emma, Lady Hamilton
von Flora Fraser
Sprache: Englisch
Taschenbuch - 432 Seiten - Anchor Books

Erscheinungsdatum: Februar 2004

Emma Hamilton, die Geliebte Lord Nelsons

Amy Lyon - Emma Hart - Emma Hamilton


Emma Hamilton wurde vermutlich am 26. April 1765 als Amy Lyon in dem Dorf Nesse, Cheshire in England geboren. Das Geburtsjahr ist nicht sicher, es könnte auch 1763 oder 1764 heissen. Der Tag aber wurde von Emma selbst als ihr Geburtstag gefeiert. Es ist wenigstens sicher, das sie am 12. Mai 1765 auf den Namen Amy getauft wurde.

Amys oder Emmas Vater war der Schmied Henry Lyon, ihre Mutter hiess Mary.
Wenig ist über ihre frühen Jahre bekannt. Ihre Kindheit verbrachte sie weitgehend bei ihrer Grossmutter in Wales, bis sie im Alter von 12 Jahren nach London kam. Sie arbeitete als Hilfs-Dienstmädchen im Haushalt eines Komponisten mit dem Namen Thomas Linley. Schon früh muß ihre ausserordentliche Schönheit aufgefallen sein.

1780 kam sie in das Haus einer gewissen Madam Kelly, die als Kupplerin und Betreiberin eines Bordells verschrien war. Zu diesem Zeitpunkt änderte Amy Lyon ihren Namen in Emma Hart. Emma wurde als Künstlermodell "gebucht", lebte aber vor allem als Mätresse wechselnder "Patrone". Darunter war ein hoher Offizier der Royal Navy und ein reicher Baronet.

1782 geriet Emma an den schottischen Wunderdoktor James Graham, der Emma als eine Art Animationfigur auf seinen Verkaufsveranstaltungen ausstellte. Er betrieb den Temple of Health and Hymen, in dem er sogar Betten zum Kinderzeugen vermietete. Emma stellte die Göttin der Gesundheit dar und war dabei leicht bekleidet... wenn überhaupt.

Ihr nächster Patron war Sir Harry Featherstonehaugh, der sie wahrscheinlich Graham abkaufte und mit nach Uppark in Sussex nahm, wo er einen Landsitz hatte. Mit dem Baronet hatte sie eine Tochter mit dem Namen Emma Carew, die sie zu ihrer Großmutter schickte, wo das Mädchen aufwuchs und blieb.

In Uppark lernte Emma Charles Grenville kennen, Sohn eines Earls und Neffe von Sir William Hamilton. Grenville ließ Emma in einem kleinen Haus in Paddington Green wohnen. In dieser Zeit lernte Emma den Künstler George Romney kennen, der eine Serie von Gemälden mit ihr als Modell schuf.

Emma Hart gemalt von George Romney

1784 bahnte sich eine Heirat Charles Grenvilles an. Vielleicht schickte er Emma deswegen zu seinem Onkel Sir William Hamilton nach Neapel. Es besteht aber auch der Verdacht, das Emma als Bezahlung einer Schuld diente, die der Neffe an seinen Onkel abzutragen hatte. In einem Brief an den 62jährigen Wittwer preist Grenville sogar Emmas Qualitäten im Bett an. Hamilton, der Grenvilles Mätresse bereits 1783 kennengelernt hatte, nahm den Handel an. Emma, die mit ihrer Mutter nach Neapel reiste, wurde nicht gefragt.
Sie hatte erwartet, daß Grenville nach Neapel folgen würde, doch als ihr Patron nicht anreiste, begriff sie, daß sie verkauft worden war. Sie fügte sich in ihr Schicksal und machte das Beste daraus.

Der kunstsinnige Sir William entdeckte an Emma Hart jedoch noch andere Qualitäten als die von seinem Neffen angepriesenen Talente. Es zeigte sich nun, daß Emmas anziehendes Äußeres durchaus mit anderen Talenten korrespondierte. Zur Unterhaltung bei Abendgesellschaften zum Beispiel führte Emma Posen vor, eine Art stehender Ausdruckstanz, bei der sie auf ihre Erfahrungen als Modell zurückgreifen konnte. Der kunstbeflissene Hamilton unterstützte diese Kunstform, die zu dieser Zeit in Mode war. Emma brachte es hier zu wahrer Meisterschaft. Selbst Johann Wolfgang von Goethe, der eine ihrer Vorführungen sah, schrieb beeindruckt, daß er so etwas noch nicht gesehen habe.

Der Menschenhandel zwischen Neffe und Onkel erwies sich tatsächlich als eine Art Glücksfall für Emma, die nach und nach von Hamilton mit großem Geschick in die feine Gesellschaft Neapels integriert wurde.

1791 kehrte Sir William Hamilton mit Emma nach England zurück, um sie dort am 6. September 1791 zu heiraten. Aus Amy Lyons war Emma Hamilton oder auch Lady Hamilton geworden.

Nach ihrer Rückkehr nach Neapel nahm das Paar eine zunehmend bedeutendere Stellung am neapolitanischen Hof ein. Emma gewann die Freundschaft der Königin von Neapel, Maria Carolina von Österreich (1752 - 1814), einer Tochter Kaiserin Maria Theresias. Sie bekam sogar einen nicht zu unterschätzenden politischen Einfluss und ist vielleicht mitverantwortlich für die harsche Reaktion des Königshauses auf französische Ansprüche. Emma Hamilton hat zwar im relativ geringen Masse, dafür aber ohne Zweifel die Geschichte Europas mitbeeinflusst.

1793 lief das Linienschiff AGAMEMNON in den Hafen von Neapel ein. Sein Kapitän Horatio Nelson versuchte den König von Neapel dazu zu bewegen, Truppen nach Toulon zu entsenden, wo Engländer und Spanier den Hafen gegen die anstürmenden Franzosen unter einem Oberst mit dem Namen Napoleon Bonaparte verteidigten. So lernte Emma Hamilton, die inzwischen ganz in die Gesellschaft am neapolitanischen Hof integriert war, den späteren Lord Nelson kennen. Nelson hielt sich nicht lange in Neapel auf, jedoch lange genug, um Freundschaft mit den Hamiltons zu schließen. Emma hatte noch immer den Sex-Appeal, der die Männer an dem Mädchen Amy fasziniert hatte und war nach wie vor bildhübsch. Das sie rundlicher geworden war, tat ihrer Anziehungskraft wenig Abbruch. Nelson schrieb später an seine Frau (!) über Emma als von einer Frau mit vielen Talenten. Er war beeindruckt.

Zwischen Nelson und den Hamiltons entwickelte sich ein noch mäßig intensiver Schriftverkehr. Erst 1798, während Nelson hinter der französischen Flotte herjagte, wurde der Schriftwechsel intensiver, denn Sir William als Botschafter am neapolitanischen Hofe konnte Nelson behilflich sein, z.B. in der Organisation von Nachschub. So kam es, daß auch Emma mehr und mehr in die Dramatik des Kriegsgeschehens eintauchte, die schließlich in der Schlacht von Abukir und einem triumphalen Sieg Nelson gipfelte.

Nach der Schlacht von Abukir kam Nelson , inzwischen Admiral, nach Neapel. Er war in einem schrecklichen gesundheitlichem Zustand, war psychisch erschöpft, hustete Blut und war seit 1793 durch fürchterliche Kriegswunden entstellt. Unter anderem hatte er einen Arm und fast alle Zähne verloren. Auch vor Abukir hatte Nelson wieder eine Wunde an der Stirn davongetragen. Als Emma Hamilton ihm zum zweiten Male seit 1793 begegnete, war sie zutiefst bestürzt, denn vor ihr stand das Wrack eines Menschen.

Nelson wurde von den Hamiltons aufgenommen und wurde von Emma und ihrer Mutter gepflegt. Vielleicht lag in dieser Phase ihrer Bekanntschaft die Wurzel ihrer Romanze. Emma und Nelson wurden in dieser Zeit zumindest enge Freunde.

Die Rolle, die Sir William in diesem Zusammenhang spielte, wird wohl nie geklärt werden. Nützte er Emmas Verhältnis, um Nelson zu seinem politischen Instrument zu machen ? War er selbst in irgendeiner Form sexuell involviert, möglicherweise in einer Art Dreiecksbeziehung ? Oder war er bewußt oder unbewußt blind gegenüber der Beziehung, die sich da unter seinen Augen entwickelte ? Das ist bis heute nicht geklärt.

Im Dezember 1798 wurde Emma für Nelson ein äußerst wichtiger Faktor... seiner Arbeit ! Frankreich überrannte ganz Italien, darunter auch Neapel. Emma Hamilton hatte u.a. als Vermittlerin wesentlichen Anteil an der Evakuierung des Königshause, die immerhin als britische Verbündete gewonnen und bewahrt werden mußten.
Nelson sollte später in seinem letzten Willen England an diese auch objektiv unverzichtbaren Verdienste Emma Hamiltons erinnern. Doch in England, wo man sich an fast jeden Seeman erinnerte, der bei Trafalgar kämpfte, sollten Emmas Verdienste fast zwei Jahrhunderte vergessen werden.

In dieser militärischen und politischen Krise Englands kamen sich Emma und Nelson jedenfalls näher. Möglichweise erkannte Nelson nun an Emma auch Talente, die weit über ihre höchst weibliche Ausstrahlung und künstlerische Begabung hinaus gingen. Nelson war ein Mensch, der andere Menschen begeistern und überzeugen konnte, der bei seinen Männern beliebt war wie kein anderer. Emma Hamilton zeigte nun in der Krise ähnliche soziale Begabungen.
In Palermo, wohin der Hof von Neapel gebracht wurde, begann vermutlich die Affäre erst wirklich.

 Beloved Emma: The Life of Emma, Lady Hamilton von Flora Fraser

Aus Nelsons Heimreise gemeinsam mit den Hamiltons, die über Land stattfand und übrigens auch durch Deutschland führte, wurde ein Triumphzug. Nelson war durch den genialen Sieg von Abukir zu einem der populärsten Männer in ganz Europa geworden und wurde - wie das heute in einem solchen Fall ja auch ist - genauestens von der Öffentlichkeit beobachtet . Gleichzeitig wurde die Liason zwischen ihm und Emma Hamilton unübersehbar und der Klatsch darüber erreichte London eher als Nelson und die Hamiltons.

Als sie in Yarmouth ankamen, war Emma Hamilton schwanger. Am 3. Januar 1801 brachte sie auf einem kleinen Anwesen in Norfolk, genannt Merton House, ihre Tochter Horatia zur Welt, Nelson einziges Kind. Der Admiral sollte niemals erfahren, daß Emma zuvor schon zweimal schwanger gewesen war und offensichtlich erfuhr er auch nie von Emmas erster Tochter Emma Carew.

Nelson selbst war schon wieder auf dem Weg, seine atemberaubende Karriere fortzusetzen, wenige Wochen später sollte er die Schlacht vor Kopenhagen fechten. Er machte jedoch nun Nägel mit Köpfen und drückte die Scheidung von seiner Frau Lady Nelson durch. Eine Heirat mit Emma aber war selbst für den Admiral, der sonst gesellschaftliche Konventionen nicht beachtete, undenkbar.

 Der Liebhaber des Vulkans

Der Liebhaber des Vulkans
von Susan Sontag
Sprache: Deutsch
Broschiert - 548 Seiten - Fischer - TB - Verlag
Erscheinungsdatum: Mai 1998
Der Verlag über das Buch:
Die skandalöse Liebesgeschichte zwischen Lady Hamilton, der Frau des britischen Gesandten in Neapel, und Lord Nelson, dem britischen Seehelden, steht im Mittelpunkt dieses farbenprächtigen Romans vom Ende des 18. Jahrhunderts. Ein Tanz auf dem Vulkan. Ein figurenreiches Tableau am Anfang der Moderne. Ein Triumph des historischen Romans. Ein uneingeschränktes Lesevergnügen.

Trotz der gesellschaftlichen Widerstände setzte Englands Seeheld nach dem erneuten Triumph vor Kopenhagen immerhin durch, seine Beziehung mit Emma in Merton ganz offen zu leben, mit Billigung Sir Williams. Wohl ganz ungerührt von den Gerüchten, dem Klatsch und der Presse lebte das Paar und Hamilton in Merton zusammen. Im April 1803 starb dann Sir William. Er bat in seinem letzten Willen England um eine Rente für seine Frau und begründete dies mit den Diensten, die Emma Hamilton England in Neapel erwiesen hätte. Natürlich wurde daraus nichts. Hamilton selbst hinterließ seiner Frau eine jährliche Rente von 800 £ und das kleine Anwesen in Merton.

Nelson war im selben Jahr ins Mittelmeer kommandiert worden, wo sich bereits die Konturen einer großen militärischen Auseinandersetzung zur See abzeichneten. Emma sah ihren Geliebten ein letztes Mal im August und September 1805, als er aus der Karibik kommend kurz Zwischenstation in Merton machte. Dann reiste Nelson ab und schlug am 21. Oktober 1805 seine letzte Schlacht vor Trafalgar. Sterbend wiederholte er vor Zeugen die Bitte, die er auch schriftlich hinterlassen hatte, nämlich das England sich um Emma Hamilton ihrer Verdienste wegen kümmern sollte. Auch Nelson Bitte wurde nie erfüllt.

Mit dem Tode Nelson wurde Emma Hamilton von einem Tag auf den anderen zur Unperson. Sie durfte nicht zur Beerdigung ihres gefallenen Geliebten erscheinen. Frühere Freunde meldeten sich nicht mehr oder beantworteten ihre Briefe und Einladungen nicht mehr. Sie wurde gesellschaftlich ausgegrenzt.

Emma Hamilton

Damit begann der Abstieg von Emma Hamiltons. Sie hatte schon zuvor eine Schwäche für Alkohol, aber nun wurde das Trinken zur Sucht. Dazu lebte Emma weit über ihre Verhältnisse und verkaufte nach und nach alles, was ihr Hamilton und Nelson hinterlassen hatten. Am Ende mußte sie das Anwesen in Merton verkaufen.

1813 wurde Emma Hamilton sogar für fast ein Jahr in Schuldhaft genommen. Ihre zwölfjährige Tochter Horatia, die bei ihr lebte, mußte den Abstieg ihrer Mutter miterleben. Im Juli 1814 floh Emma Hamilton dann vor ihren Gläubigern nach Frankreich. Sie war fast völlig mittellos und fristete mit ihrer Tochter ein ärmliches Dasein in Calais. Dort starb Emma Hamilton dann am 15. Januar 1815 , ausgegrenzt, vergessen, bettelarm, hochverschuldet und vom Alkoholismus gezeichnet - ausgerechnet in Frankreich, das Nelson so gehasst hatte.

Mehr als ein Jahrhundert ignorierte die englische Geschichte Emma Hamilton schlicht, dann wurde sie mehr und mehr zu einer eher romantischen Figur und die Beziehung zu Nelson lange Zeit geradezu körperlos.

Als Horatia, die Tochter Nelsons, nicht mehr zu leugnen war, kehrte sich die Tendenz um. Nun erinnerte sich die Geschichtsschreibung plötzlich der Jugend Amys und sie wurde in vielen Lexika als Mätresse Nelsons bezeichnet. Ihre Vergangenheit wurde immer mehr betont und man findet sogar Einträge, in denen sie schlicht als Prostituierte bezeichnet wurde und... wird !

Was vergessen wird: Die "Mätresse" war nicht nur politisch aktiv und einflußreich, sie ermöglicht Nelson überhaupt erst einen Rückzugsort in England. Ihre Verdienste um das Empire sind sicherlich nicht geringer als die eines Seemannes an Bord der VICTORY ! Trafalgar mag der Ruhm und der Glanz des englischen Königreichs gewesen sein, der Abstieg Emma Hamiltons dagegen war eine Schande für die Nation.


 Die Kapitäne von Trafalgar - Biografien
 Trafalgar 1805

Die Seeschlachten von 1775 bis 1815

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