Herrscherin der Meere

Herrscherin der Meere
von Frank Adam
Sprache: Deutsch
Gebundene Ausgabe - 336 Seiten - Koehlers Verlagsges.
Erscheinungsdatum: August 1998
Millionen von Lesern verschlingen die Abenteuer von Hornblower, Bolitho und anderen Seehelden.
Sie wollen wissen: Was ist Wirklichkeit, was ist Erfindung? Frank Adam ... liefert ein detailliertes Bild dieser Zeit. ...
Lebendig und anschaulich Informationen u.a. über Ausbildung, Anwerbung und Bordleben der Offiziere und Mannschaften.

Chronologie der europäischen Seekriege 1793 bis 1815, Band 1, bis 1802
Chronologie der europäischen Seekriege 1793 - 1815
Band 1 : Von 1793 bis zum Frieden von Amiens 1802

von Thomas Siebe
Sprache: Deutsch Broschiert - 224 Seiten - BoD
ISBN 978-3-8423-2883-9 Erschienen: September 2010
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Beispiel-Seiten
Beispiel 1 - Beispiel 2 - Beispiel 3


Napoleons letzte Seeschlachten

Die Fahrt der ETOILE und SULTANE


 
Oktober 1813: Während der französische Kaiser Napoleon bei Hanau seine letzte Schlacht auf deutschem Boden schlug und von den Alliierten nach Frankreich zurückgetrieben wurde, liefen aus dem Hafen von Nantes zwei Fregatten aus, um den Kreuzerkrieg auf die englischen Handelsrouten zu tragen.
Der Kommodore des kleinen Fregattengeschwaders, Kapitän Pierre-Henri Philibert, kommandierte die ETOILE (40), ein mit 28 Achtzehnpfünder-Kanonen, 14 Vierundzwanzigpfünder-Karronaden und 2 Achtpfünder-Kanonen ausgerüstetes Kriegsschiff. Der vierzigjährige Philibert war ein erfahrener Mann. 1796 hatte er an Konteradmiral Serceys berühmter Fahrt nach Ostindien teilgenommen und an Bord der SEINE in der Fregattenschlacht vor der Nordspitze Sumatras gekämpft.
Begleitet wurde die ETOILE von der SULTANE (40), einer Fregatte derselben Klasse.  Kommandant der SULTANE war Georges Dupetit-Thouars (1766-1816), ein Cousin des berühmten Kapitäns der TONNANT, der  bei Abukir gegen Nelson gekämpft  und dabei einen spektakulären Tod gefunden hatte.  
 
Die Aktivitäten der beiden französischen Kreuzer bis Januar 1814 sind nicht überliefert. Man kann aber davon ausgehen, das Philibert und Dupetit-Thouars im winterlichen Atlantik nur wenig Prisenglück gehabt haben, denn im Januar 1814 waren beide Fregattenbesatzungen noch fast auf ihrer Sollstärke von 340 Mann und somit kaum von Prisenkommandos entblößt.

Seeschlacht.tk - Die Seekriege, Seeschlachten und Duelle auf See von 1775 bis 1815

Am frühen Morgen des 18. Januar 1814  ergab sich dann aber doch eine Chance für die Franzosen. Ungefähr in der Höhe des südlichen Nares-Tiefs, also mitten im Atlantischen Ozean, trafen Philiberts Schiffe auf einen Kurs Nordwest steuernden englischen Konvoi, der einige Tage zuvor England  mit dem Ziel Bermuda verlassen hatte. Eskortiert wurden die englischen Schiffe von der Fregatte SEVERN (36 - Kapitän Joseph Nourse), einem 1813 aus Nadelholz gebauten Kriegsschiff mit 26 Achtzehnpfünder-Kanonen, 14 Zweiunddreissigpfünder-Karronaden und 2 Neunpfünder-Kanonen. 
Kapitän Joseph Nourse, dessen Ausgucks ihn kurz nach Sonnenaufgang auf die verfolgenden Schiffe aufmerksam machten, näherte sich zunächst den Fremden und setzte das englische Erkennungssignal.  Als die Antwort ausblieb, ging der englische Kapitän davon aus, das der Konvoi von Feinden verfolgt wurde, setzte einen Fluchtkurs und warnte die bereits weit voraus stehenden Schiffe seiner Schutzbefohlenen. Der Konvoi setzte umgehend Kurs nach Westen  und verlor bald den visuellen Kontakt mit seiner Geleitfregatte.
Da die englischen Handelsschiffe auch außer Sichtweite Philiberts waren, folgten die Franzosen der SEVERN. Auf diese Weise lenkte Nourse den Feind von der Spur seiner mögliche Beute ab.  Einen Kampf gegen zwei Gegner konnte Nourse sowieso nicht riskieren, denn die Zeiten, in denen sich eine englische Fregatte mit genügend Erfolgsaussichten auf  zwei Gegner stürzen konnte, waren seit 1812 vorbei.
Nourse konnte ja auch noch nicht wissen, ob seine Verfolger Franzosen oder aber Amerikaner waren. Die Amerikaner hatten in den Anfangstagen des Krieges von 1812 mit ihren Superfregatten nacheinander  gleich drei englische Widersacher, nämlich die GUERRIERE (38 - James Dacres), die MACEDONIAN (38 - John Surman Carden) und die JAVA (38 -  Henry Lambert), in Zweikämpfen geschlagen. Auch aus diesem Grund war es für  die SEVERN ratsam,  einem Kampf aus dem Weg zu gehen.
Gegen 10:30 ließ Kapitän Nourse das Feuer aus den Jagdgeschützen am Heck eröffnen und nahm die führende französische Fregatte ETOILE  unter Feuer. Erst am späten Nachmittag kam diese nahe genug an den Briten heran , um ihrerseits aus ihren Kanonen am Bug zu schießen. Doch die Distanz zu der schnellen SEVERN blieb zu groß, die Kugeln erreichten die englische Fregatte nicht.
Die Franzosen verfolgten Nourse die ganze Nacht, mußten aber am nächsten Morgen einsehen, das sie den Briten nicht fangen konnten.  Philibert gab - vermutlich enttäuscht -  die Jagd auf und ließ Kurs auf Afrika setzen.
 

Kaperfahrt zu fremden Meeren. Die Anson- Story 1740/44.
von Fritz Brustat-Naval
Sprache:Deutsch
Broschiert - Ullstein Taschenbuchverlag
Erscheinungsdatum: 1986


Ziel des Fregatten-Duos waren die Kapverdischen Inseln, wo die Franzosen ihre Wasser- und Feuerholzvorräte ergänzen wollten. Dabei pflegten die französischen Kriegs- und Handelsschiffe von Jahr zu Jahr an unterschiedlichen Orten Station zu machen. In den Jahren 1813 bis 1815 traf man die aus dem Atlantik oder  Indischen Ozean kommenden Schiffe in einer kleinen Bucht im Süden der Insel Maio an. Maio lag im Südosten der Inselgruppe und ermöglichte sowohl einen guten Rundumblick als auch gegebenenfalls schnelle Flucht. Vermutlich am Morgen des  22. Januar 1814 erreichten die  beiden Fregatten den französischen Treffpunkt und warfen in der Bucht  Anker. Dort lagen bereits  vier französische Handelsschiffe, die sich nun dem Schutz der Fregatten anvertrauten.
 
Zur gleichen Zeit waren zwei englische Fregatten auf dem Weg zu den Kapverdischen Inseln. Die CREOLE (36 - Kapitän George Charles McKenzie ) und die ASTREA (36 - Kapitän John Eveleigh) hatten Anfang Januar einen Konvoi von England nach Lissabon gebracht und anschließend  einige Tage vor  den  Kanarischen Inseln patrouilliert.  Nachdem der kleine  britische Verband  vor dem senegalesischen Navy-Stützpunkt  Goree Wasser an Bord genommen hatte, steuerte er die Kapverden an, ohne allerdings von der Präsenz der Fregatten Philiberts und Dupetit-Thouars  zu wissen.
Natürlich hatten McKenzie und Eveleigh Kenntnis davon, das französische Schiffe die Inselgruppe als Station zum Sprung nach Europa nutzten und erforschten deswegen aufmerksam jedes Eiland, als sie am späten Abend des 22. Januar ihr Ziel erreichten.
Es ist sehr wahrscheinlich, das die Franzosen die englischen Fregatten bei Sonnenaufgang schon auf große Distanz entdeckten, während diese sich am Morgen des 23. Januar 1814 der Insel Maio näherten. Philibert und Dupetit-Thouars konnten kaum mit der Ankunft französischer Kriegsschiffe rechnen und dürften sich darauf vorbereitet haben, ihren Ankerplatz schnell zu verlassen. 
Auch die CREOLE und die ASTREA machten gegen 10:00 die Masten der französischen Kriegs- und Handelschiffe aus, während sie sich aus nördlicher Richtung der Südwestspitze Maios näherten. Doch es konnte sich bei den Schiffen in der Bucht noch immer um Spanier  oder Portuguiesen, also um Verbündetete,  handeln. Deswegen ließen die Engländer, während sie um die Südwestspitze der Insel kamen,  die entsprechenden Erkennungssignale flaggen, erhielten aber keine Antwort.

Linienschiffschlachten 1794 - 1806 Download


An Bord der französischen Schiffe herrschte inzwischen hektische Aktivität: Der Bug der Schiffe wurde in die windgünstigste Position gedreht, der Anker wurde gelichtet und die Segel gesetzt. Kommodore Philibert hoffte, die anlaufenden Briten von den Handelsschiffen weg und hinter sich her zu locken.
Als gegen 11:30 die CREOLE und die ASTREA Kurs auf den Ankerplatz der Franzosen setzten, glitten die ETOILE und die SULTANE aus der Bucht heraus und nahmen vor  einem starken Wind aus Nordost Fahrt Richtung Südwest auf. Philiberts Geschwader  wurde von den sich nähernden  Engländern sofort verfolgt und konnte damit schon einen ersten Erfolg verzeichnen. Die französischen Kriegsschiffe lenkten die Briten durch ihr Manöver weit ins Lee der in der Bucht verbliebenen Handelsschiffe und gaben diesen die Gelegenheit, Anker auf zu gehen und unauffällig Maio zu verlassen.
Dabei hatten die Engländer auch bei der Jagd auf die Franzosen Pech:  Die ASTREA zerriß sich in einer Bö alle drei Marssegel, so das sie zurück fiel und die CREOLE in der Verfolgung des Gegners an Vorsprung gewann. Dann aber holten die Briten sukzessive gegenüber den vor ihn segelnden Franzosen auf, weil sie mehr Segelfläche riskierten.
Entscheidend war  an diesem Tag auch, das die SULTANE sich als das langsamstes Schiff herausstellte und schon bald mehrere Kabellängen hinter die ETOILE zurückfiel. Letztere segelte an der Spitze, hinter ihr folgte in langsam zunehmenden Abstand Dupetit-Thouars Schiff, dann kam die mehr und mehr aufschließende CREOLE, die ihrerseits langsam ihren Vorsprung auf die zuvor noch  behinderte, nun aber offenbar schnellste Fregatte des Quartetts, die ASTREA,  einbüßte.
 
Der Kampf schien nun unvermeidlich zu sein und schien vom Papier her aussichtsreicher für die Engländer. Denn wenn auch die englischen Fregatten etwas kleiner waren als die französischen Schiffe und nominell für nur 36 Kanonen im Gegensatz zu 40 Kanonen auf französischer Seite gebaut worden waren, so waren sie keineswegs schwächer bestückt. Im Gegenteil: Tatsächlich verfügten CREOLE und ASTREA jeweils über 26 Achtzehnpfünder-Kanonen im Artilleriedeck und 14 Zweiunddreissigpfünder-Karronaden sowie 4 Neunpfünder-Kanonen an Deck. Der Kalibervorteil bei den Nahkampfkanonen (Karronaden) gab  McKenzie und Eveleigh die größeren Erfolgsaussichten.

 Horatio Hornblower

Horatio Hornblower, 11 Bände
von Cecil S. Forester
Sprache: Deutsch
Broschiert - SCHERZ-Verlag
Erscheinungsdatum: Oktober 2004
Foresters Horatio Hornblower ist der - nach wie vor unübertroffene - Klassiker der marinehistorischen Romane aus der Windjammerepoche.


Gegen 12:45 ließ  McKenzie die Flagge hissen und den ersten herausfordernden Schuß auf die Steuerbord voraus segelnde SULTANE abgeben. Darufhin kürzte die ETOILE Segel und beide französischen Fregatten ließen die Trikolore hissen.
Gegen 13:00 kam es zum Austausch der ersten Breitseiten zwischen der SULTANE und der CREOLE. Während diese beiden Fregatten sich beharkten, kreuzte die sich nähernde ASTREA hinter dem Heck der SULTANE, verpasste ihr aus spitzem Winkel eine halbe Breitseite ins Heck und nützte die  Ladepause zwischen den Breitseiten der kämpfenden Kontrahenten, um sich zwischen SULTANE und CREOLE zu schieben.
Für die CREOLE kam sie damit gerade rechtzeitig, um McKenzies Männern  die Zeit zu geben, ein durch das Duell entstandenes Feuer an Bord zu löschen. ASTREA und CREOLE tauschten zwei Breitseiten auf Pistolenschussdistanz, dann löste sich die ASTREA wieder vom Feind, um sich auf die mit backgestellten Segeln eine halbe Meile vorausliegende ETOILE zu stürzen.
Die CREOLE näherte sich erneut der SULTANE und nahm den Zweikampf wieder auf. Und einmal mehr sorgten brennende Ladepropfen aus französischen Kanonen für ein Feuer auf der englischen Fregatte. Der schnell gelöschte Brand behinderte jedoch das Artilleriefeuer des Engländers nicht. Im Gegenteil: McKenzies Männer revanchierten sich mit einem Volltreffer auf den Besanmast des Gegners. Der Verlust des Holzes minderte aber erstaunlicherweise kaum die Kampfkraft der Franzosen, die das Gefecht mit zwei Masten und unverminderter Heftigkeit fortsetzten.
 
Inzwischen hatte die ASTREA die ETOILE erreicht und tauschte rund 15 Minuten nach ihrem Duell mit der SULTANE die erste Breitseite mit der zweiten französischen Fregatte.
Und weil Eveleighs Schiff mehr Fahrt machte, schickten die Engländer sich an, vor den Bug des Feindes zu kreuzen und sich so in eine vorteilhafte Schussposition zu bringen. Das Kriegsglück aber wollte, das eine Kugel von der ETOILE das Steuerrad der ASTREA beschädigte und damit das aussichtsreiche Manöver im ungünstigsten Moment scheitern ließ. Die vorübergehend steuerlose ASTREA taumelte in den Wind zurück und die ETOILE nutzte ihren Vorteil, indem sie hinter das Heck des Engländers kreuzte  und dem Gegner ihrerseits den gefürchteten Längsbeschuss zufügte.
Trotz der resultierenden schweren Schäden an Takellage und Decks  gelang es der Crew der ASTREA, mittels backgestellter Segel die französische Fregatte wieder vor ihre Breitseite zu holen und das Duell Seite an Seite fortzusetzen, offensichtlich mit nun wiederhergestellter Steuerkraft.
Der Zweikampf auf kürzeste Distanz währte einige Minuten, als  das englische Schiff der nächste harte Schlag traf. Kapitän Eveleigh wurde von einer Pistolenkugel in die Brust getroffen und mußte - tödlich getroffen, wie sich herausstellte - unter Deck getragen werden. Der Erste Offizier der ASTREA, Leutnant John Bulford, übernahm das Kommando unter schlechten Vorzeichen, denn in großer Entfernung mußte er erkennen, das die Schlacht für die CREOLE nicht gut verlaufen war.
 
Dort hatte nach dem insgesamt zwei Stunden währenden Gefecht Kapitän McKenzie eine erschreckende Bilanz ziehen müssen: Alle drei Masten der CREOLE waren durch Treffer schwer angeschlagen,  der Vormast kurz vor dem Kollaps. Die französischen Kugeln und Kartätschen hatten zudem schwer in der Takellage gewütet, insbesondere die Wanten hatten wirkungsvolle Treffer erhalten.
McKenzie entschloss sich deswegen zum Abbruch des Gefechts, zweifellos in dem Bewusstsein, das die CREOLE an diesem Tag von der SULTANE geschlagen worden war und nur knapp vor der Übergabe stand.
Den noch vorhandenen Vorteil dreier Masten gegenüber nurmehr zwei auf französischer Seite nützend, wendete die CREOLE und nahm Kurs auf die Insel San Tiago, um dort ihre Schäden auszubessern.
Die SULTANE verzichtete auf die wahrscheinlich aussichtslose Verfolgung ihres schnelleren Gegners und nahm Kurs auf die beiden anderen kämpfenden Kontrahenten.

 Historischer Schiffsmodellbau

Historischer Schiffsmodellbau
von Philip Reed
Sprache: Deutsch
Broschiert - VTH
Der Modellbauer Phillip Reed dokumentiert in diesem Buch anhand von 384 SW-Fotos den Nachbau der bei Abukir beteiligten MAJESTIC (74). Dabei stützt er sich auf alte Pläne und verrät viele Tricks, z.B. wie er Kanonenkugeln anfertigt. Das Buch ist wohl besonders reizvoll für erfahrene Modellbauer, die die MAJESTIC ebenfalls nachbauen wollen und vielleicht den ein oder anderen Kniff noch nicht kennen.


Und genau dieses Bild der flüchtenden CREOLE und des sich nähernden Franzosen bot sich gegen 15:00  Leutnant Bulford.
Gerade hatte man an Bord der ASTREA einmal mehr ein Segel löschen müssen. Offensichtlich spuckten die französischen Kanonen wesentlich mehr brennende Ladepropfen als der englische Beschuss auf die französischen Schiffe schleuderte, denn von Bränden an Bord von Philiberts oder Dupetit-Thouars  Fregatten ist nichts bekannt.  
Leutnant Bulford beschloss nun im Angesicht der drohend näherkommenden SULTANE, nicht abzuwarten, bis sein Schiff mit zwei Gegnern würde kämpfen müssen. Der neue Kommandant der ASTREA erteilte den Befehl, ein Entermanöver einzuleiten. Zum Unglück für die britischen Pläne aber waren die Bewegungen der Seite an Seite liegenden Gegner zu heftig und der Raum für die Einleitung eines Salamis-Manövers zu knapp. Deswegen bot sich der gegen 15:30 auf dem Kampfschauplatz erscheinenden SULTANE ein unverändertes Bild. Die Kontrahenten tauschten nach wie vor Breitseiten auf kürzeste Distanz aus. Bulford hatte seine Enter-Pläne nicht umsetzen können und schien nun, da ihm zwei feindliche Fregatten gegenüberstanden, verloren.
 
Doch Dupetit-Thouars hatte - wahrscheinlich angesichts des starken Windes und des Zustandes seiner Masten - mit großen Problemen zu kämpfen, denn es gelang der SULTANE lediglich, sich auf die Leeseite des verbliebenen Engländers zu schieben. Das Gefecht mit der CREOLE hatte die SULTANE nicht nur den hintersten Mast gekostet, die englischen Geschosse hatten natürlich auch einige Stengen beschädigt und die Belastung des Weges  von der CREOLE zur ASTREA hatte möglicherweise weitere nautische Restriktionen aufgezeigt.
Immerhin verpasste der Neuankömmling der ASTREA wenigstens eine unbeantwortete und  wirkungsvolle  Breitseite, verlor dann aber zum Glück der Engländer  seine Position und wurde vor dem Wind weggetragen. 
An die Stelle der SULTANE trat nun wieder die ETOILE, ihrerseits mit schwer angeschlagener Takelage. Einmal mehr setzte deren Beschuß ein Segel der Engländer in Brand und während noch englische Seeleute versuchten, das Toppsegel des Besanmastes zu löschen, schien das Schicksal der ASTREA erneut besiegelt: Im Angesichts zweier Gegner fiel ihr hinterster Mast, einige feuerlöschende Matrosen mit sich reissend, über Bord.
Doch auch die ETOILE konnte sich nicht an der Seite ihrer Kontrahentin halten, die offenbar gerade durch den verlorenen Mast und die Geschicklichkeit ihrer Crew dem Druck des Windes besser begegnen konnte.
Zudem war es wohl zu diesem Zeitpunkt, das Kommodore Philibert von einem Splitter verwundet wurde. Der Kommandant der ETOILE blieb zwar trotz der Wunde an Deck, mußte aber hilflos zusehen, wie sein Schiff mehr und mehr Raum gegenüber dem schon fast besiegten Engländer verlor. Es war gegen 16:00, als die Waffen schwiegen.
 
Im Lee der ASTREA standen die beiden Franzosen, natürlich eifrig bemüht, ihre Schäden zu reparieren. Aus eigener Kraft aber schienen Philibert und Dupetit-Thouars zu diesem Zeitpunkt den Kampf nicht wieder aufnehmen zu können. Nur noch ein Umschlagen des Windes hätte noch einen französischen Sieg ermöglichen können. Doch bald standen fast vier Meilen zwischen den Widersachern, die Schlacht war zu Ende.
 

Napoleons gefallenen Göttinnen
SEESCHLACHT.TK - Das Buch

Napoleons gefallene Göttinnen
Die Geschichte der französischen MINERVE-Fregatten

von Thomas Siebe
Sprache: Deutsch Paperback - 349 Seiten - BoD
ISBN 978-3-8391-0218-3 Erscheinungsdatum: Mai 2009
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Die knapp davongekommene ASTREA war noch ausreichend zu manövrieren, um Kurs nach Nordwesten zu setzen. Bulford machte sich auf die Suche nach der entschwundenen CREOLE und fand McKenzies Schiff bald darauf in der Bucht von Port Praya. Gegen 18:00 warf die ASTREA neben der CREOLE  Anker. Der Leutnant mußte seinem Kommodore berichten, das die ASTREA 9 Tote zu beklagen hatte, unter ihnen Kapitän Eveleigh. 37 Männer hatten Wunden aus dem Kampf davongetragen, was bei 284 Mann einem Prozentsatz von 16% entspricht. Die CREOLE war selbst bei gleicher Besatzungsstärke nicht besser davon gekommen. 10 Tote und 26 Verwundete trug Kapitän McKenzie in seine Verlustliste ein.
 
An Bord der davonstrebenden Franzosen waren angeblich rund 40 Männer getötet und 60 verwundet worden, wie der Historiker William James schreibt.
Dabei handelt es sich aber offensichtlich um eine auf der späteren Besatzungsstärke der ETOILE basierende Schätzung. Das zwischen der geschilderten Seeschlacht und der nächsten Zahlenangabe der französischen Crews zwei Monate liegen, macht James Schätzung aber recht willkürlich. Immerhin könnten die Franzosen nach der Begegnung mit McKenzies Schiffen sowohl Männer ergänzt als auch durch Krankheiten verloren haben.  Wohin Philibert sein kleines Geschwader nun führte, ist nämlich nicht bekannt. Da aber größere Schäden an den Schiffen entstanden waren, muss man davon ausgehen, das die französischen Fregatten einen der wenigen verbliebenen und schlecht versorgten Stützpunkte des Kaiserreichs an der afrikanischen Westküste anliefen.
 
Die CREOLE und ASTREA machten sich nach notdürftiger Reparatur ihrer Schäden auf die Suche nach den beiden französischen Schiffen und patrouillierten die westafrikanische Küste bis Sierra Leone, doch Philiberts Schiffe fanden sie nicht.  
Erst zwei Monate später tauchten die ETOILE und die SULTANE dann vor der französischen Westküste  wieder auf, offensichtlich auf der Heimreise.
Während Kaiser Napoleon in Frankreich die letzten Schlachten gegen Russen, Preußen und Österreicher schlug und nur wenige Tage, bevor die Alliierten in Paris einmarschierten, versuchten Philibert und Dupetit-Thouars, ihre Fregatten endlich nach Hause zu bringen. Der schwerste Teil dieses Vorhabens stand ihnen aber noch bevor, denn obwohl sie Frankreich so nah waren, mußten sie noch durch die Seeblockade der Engländer schlüpfen.
Für die lahm geschossene SULTANE, die auch zwei Monate nach der Seeschlacht vor den Kapverden noch mit einem Hilfsbesanmast und Hilfstoppmasten unterwegs war, war die Gefahr, von feindlichen Kriegsschiffen gestellt zu werden, besonders groß.
 
Am frühen Morgen des 26. März 1814 standen SULTANE und ETOILE einige Meilen nordwestlich der Ile de Bas und steuerten St. Malo an. Nebel behinderte die Sicht, der Wind kam mäßig aus Südwest und die Voraussetzungen schienen gut, ungesehen den heimatlichen Hafen zu erreichen. Doch eine plötzliche Begegnung im Nebel machte diese Hoffnungen wieder zunichte.  
Es war die englische Kriegsbrigg SPARROW (16) unter dem Befehl von Commander Fransis Erskine Loch, die gegen 9:00 auf das französische Geschwader stieß.  Die Begegnung war wegen des noch vorherrschenden Nebels eine böse Überraschung für Commander Loch.  Auf französischer Seite war man offensichtlich auf derartige Überraschungen gefasst, denn im Passieren trafen mehrere Kugeln, vielleicht sogar eine richtige Breitseite das kleinere englische Kriegsschiff. Neben erheblichen Schänden in der Rigg forderte dieses unverhoffte Treffen mit dem Feind auch einen Toten und einen Verwundeten auf englischer Seite.
Die SPARROW flüchtete sich indessen zu ihrer Begleitung, die sich bald darauf aus dem Nebel schälte: Die Achtzehnpfünder-Fregatte HEBRUS (36) unter Kapitän Edmund Palmer kam auf dem entgegengesetzten Schlag heran und verlor keine Zeit, ihre Kanonen abzufeuern. Eine Breitseite aus größerer Distanz war auf die französischen Fregatten gerichtet, die Breitseite zur anderen Seite war als Signal für den dritten Engländer im Bunde, das Linienschiff HANNIBAL (74 - Sir Michael Seymour), gedacht.
Die HEBRUS, bewaffnet wie die SEVERN {click}, und die kleine SPARROW allein konnten das französische Geschwader kaum schlagen. Kommodore Philibert konnte sich aber denken, das da noch weitere englische Schiffe im Nebel herumstreiften und suchte folgerichtig mit seinem Geschwader das Heil in der Flucht.
Tatsächlich  hörte man an Bord des englischen Schlachtschiffes HANNIBAL das Geschützfeuer und sah vielleicht auch die Mündungsfeuer durch den sich auflösenden Nebel. Kommodore Sir Michael Seymour begab sich mit der HANNIBAL sofort auf die Suche nach der Quelle des Artilleriefeuers und bekam gegen 9:45 tatsächlich die HEBRUS in Sicht.

Frankreichs Seekriege gegen England 1793-1815

Frankreichs Seekriege gegen England 1793-1815
von Dieter Wenzlik
Sprache: Deutsch
gebundene Ausgabe - 240 Seiten - VRZ Verlag
Erscheinungsdatum: Oktober 1999


Palmer hatte kunstvoll einen Kurs gesteuert, der ihn  zwischen der vermuteten Position des Linienschiffs und den sich entfernenden Franzosen gehalten hatte. Begünstigt durch die immer besser werdende Sicht auf den inzwischen vier Meilen entfernten Gegner  hatte der Kommandant der HEBRUS diesen Drahtseilakt bis zur Fühlungnahme mit der HANNIBAL aufrechterhalten können.
Kaum hatte Palmer den Kontakt  mit seinem Kommodore hergestellt, nahm er auch schon die Jagd auf Philiberts Geschwader auf, gefolgt von dem heranstürmenden Linienschiff. Und ein weiteres Mal lächelte den Briten an diesem Tag das Glück, denn gegen 11:00 drehte der Wind und begünstigte stark die Verfolger. Philibert und Dupetit-Thouars, auf diese Weise um die Früchte ihrer Mühen betrogen, griffen nun zum letzten taktischen Mittel, um ihren Verfolgern die Jagd zu erschweren: Sie trennten sich und segelten in verschiedene Richtungen davon.
Die Engländer ließen sich aber von diesem Manöver nicht beeindrucken, sie hatten in den letzten 23 Jahren unzählige derartige Verfolgungsjagden gemeistert und profitierten von diesen Erfahrungen. Der schnellste Engländer, die  HEBRUS, sowie die  SPARROW folgten der  ETOILE, während die HANNIBAL die langsame SULTANE aufs Korn nahm.
 
Michael Seymour, ein ausgewiesener Fregattenkiller, einst Sieger über die THETIS, später über  die NIEMEN, benötigte nur rund 4 Stunden, um die HANNIBAL auf Schußweite an die SULTANE heran zu bringen. In dem Bewusstsein der Aussichtslosigkeit eines Kampfes gegen ein Schlachtschiff ließ Dupetit-Thouars eine symbolische Breitseite abfeuern, um nicht völlig kampflos die Waffen zu strecken. Dann aber ließ er die Flagge niederholen, die Feindfahrt der SULTANE war beendet.
 
Die HEBRUS hatte inzwischen die SPARROW so weit hinter sich gelassen, das der Kontakt zur Brigg schließlich abriss. Palmer verlor jedoch Philibert nicht aus den Augen. Die Verfolgungsjagd setzte sich fort bis in die Nacht zum 27. März 1814, als beide Fregatten die Höhe der Kanalinsel Aldernay erreichten.
Je näher die ETOILE dem Festland kam, desto halsbrecherischer gestaltete sich die Verfolgung.
Gegen 1:35 rundete Philibert Kap Jobourg und zwar so knapp, das die ETOILE schon in Reichweite der Brandung kam. Nur 10 Minuten hinter hier folgte Palmer mit der HEBRUS dem Kurs der französischen Fregatte, die ihm auf ihrem  Schlag um die Landzunge herum entgegen kam und das Feuer eröffnete. Auf gleicher Höhe ließ Palmer das Feuer erwidern, konnte jedoch nicht hoffen, mit nur einer Breitseite die ETOILE aufzuhalten und an der Flucht nach St. Malo zu hindern.
Deswegen griff er, begünstigt von einer abflauenden Brise,  zu einem waghalsigen Manöver, ließ das Ruder legen und glitt äußerst knapp hinter dem Heck der ETOILE vorbei, so knapp, das der Klüverbaum der HEBRUS über der Reling der ETOILE stand. Unter dem Kiel der HEBRUS war kaum noch Wasser und die Distanz bis zum Ufer betrug keine 100 Meter mehr.
Palmer hatte  jedoch durch sein Manöver die Distanz zu seinem Gegner entscheidend verkürzt und damit den Zweikampf forciert. Zunächst mußten die Briten jedoch den Gegner vor ihrem Bug vorbei ziehen lassen und eine schwere Breitseite schlucken, die den vorderen Toppmast und die Topprahe der HEBRUS  herunterholte, Wirkungstreffer an Hauptmast und Bugspriet erzielte und auch ansonsten die Rigg in Mitleidenschaft zog. 
Philibert hatte jedoch das ausgesprochene Pech, das er und seine erfolgreichen Kanoniere angesichts der zunehmenden Flaute kaum vom Erfolg ihrer Schießkünste profitieren konnten. Unter normalen Windbedingungen hätten die ETOILE sicherlich einen Vorteil gehabt, sei es für die Fortsetzung des Duells, sei es für die Flucht. Doch der fehlende Wind legte beide Schiffe zunächst einmal lahm.
Und dann, als hätten die Franzosen das Pech an den Segeln kleben, erreichte eine leichte Brise zuerst die HEBRUS. Diesen unverhofften Vorteil nützte Kapitän Palmer erbarmungslos aus. Er brachte die HEBRUS in eine gute Schussposition und beharkte den vorübergehend wehrlosen Gegner der Länge nach.
Der Kampf wurde nun zu einem von den Briten dominierten Duell Seite an Seite, in dessen Verlauf die ETOILE bald ihren Besanmast verlor und damit jede Aussicht, sich noch aus dem Zweikampf zurückzuziehen.
Zum Feuer aus den Breitseiten beider Schiffe kamen nun auch noch Geschosse von Land her. Eine Geschützbatterieaus der voraus liegenden Bucht feuerte trotz der Dunkelheit und der offensichtlichen französischen Provinienz einer der Duellanten auf beide Schiffe und erleichterte das Los der ETOILE dabei nicht.
Außerdem trieben beide Schiffe mehr und mehr unter Land und der bereits stark eingeschränkten und mehrfach unter der Wasserlinie getroffenen ETOILE drohte alsbald die Strandung.
Nach insgesamt 2,5 Stunden Gefecht und mit vier Fuß Wasser im Schiff blieb Philibert schließlich keine Wahl mehr. Der Kapitän der ETOILE ließ das Feuer einstellen und rief die HEBRUS an, um seine Kapitulation zu übermitteln.
Das an Bord kommende englische Prisenkommando brachte die niedergekämpfte französische Fregatte dann gerade noch rechtzeitig mit der ablaufenden Flut aus der Bucht heraus.
 
An Bord der ETOILE waren vor der Begegnung mit der HEBRUS  327 Mann gewesen, darunter noch 12 Verletzte aus der Seeschlacht vor den Kapverden. Das Duell vor Kap Jobourg kostete das Schiff nun 40 Tote und 73 Verwundete. Damit hatte die kämpfende französische Crew eine Verlustquote von 36 %. An Bord der HEBRUS verloren demgegenüber "nur" 13 von 284 Männer ihr Leben, 25 wurden verwundet (13%).
 

Das verschollene Schiff

Das verschollene Schiff
von Wilder Perkins
Sprache: Deutsch
Broschiert - 283 Seiten - Goldmann
Erscheinungsdatum:2002

Leutnant Bartholomew Hoare ist der Sherlock Holmes der napoleonischen Ära.
Mit dem Handicap einer versagenden Stimme, dafür aber mit einem messerscharfen Verstand ausgerüstet löst Hoare den Fall des verschwundenen Schiffes,
während der Autor dem Leser einen wunderbaren Einblick in diese Ära gibt.

 British Napoleonic Ship-Of-The-Line

British Napoleonic Ship-Of-The-Line (New Vanguard)
von Angus Konstam, Tony Bryan
Sprache: Englisch
Taschenbuch - 48 Seiten - Osprey Publishing (UK)
Erscheinungsdatum: 1. November 2001


 

Der Erfolg der Engländer, neben Glück basierend auf waghalsigen Manövern und der Artillerie, ist bemerkenswert, denn die HEBRUS wurde erst einige Wochen vor dem Treffen in Dienst gestellt und verfügte über eine wenig kampferfahrene Besatzung.
 
Dem englischen Prisenkommando bereitete es einige Mühe, das eroberte Schiff in einen sicheren Hafen nach England zu bringen, denn die Kugeln der HEBRUS hatten den Rumpf der ETOILE derartig perforiert, das die geschlagene Fregatte bis nahe an die Seeuntüchtigkeit leckte. Der älteste Leutnant der HEBRUS und wenig später Commander der Royal Navy, Robert Milborne Jackson, sollte seine Prise ursprünglich wie die SULTANE nach Portsmouth bringen, war aber froh, mit dem fast absaufenden Schiff schließlich Plymouth zu erreichen. Beide eroberten Fregatten wurden später in die Navy integriert, die SULTANE unter ihrem Namen, während man die ETOILE in TOPAZE umbenannte.
Die ETOILE sollte die letzte französische Fregatte der napoleonischen Kriege sein, die den Briten durch ein Fregattenduell in die Hände fiel. Am 30. März 1814 marschierten die Alliierten in Paris ein und am 6. April 1814 dankte Kaiser Napoleon ab.
Kapitän Palmer wurde - wie üblich bei Zweikampfsiegen zur See - mit Ehrungen überhäuft und bewährte sich bald darauf auf dem anderen englischen Kriegsschauplatz gegen die USA. Höchstwahrscheinlich wurde er Zeuge des brennenden Weissen Hauses in Washington.
Kapitän McKenzie von der CREOLE zog sich nach dem Krieg ins Privatleben zurück und verlebte seinen Ruhestand in Schottland.
Für Kapitän Philibert war der Krieg vorbei. Er machte später mit einer Forschungsreise von sich reden und zeichnet dafür verantwortlich, wenn wir heute - z.B. in unserem Eisbecher - Bourbon-Vanille genießen. Philibert brachte damals diese Pflanze erstmalig auf die Ile de Bourbon bzw. nach Reunion.


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Der ganze andere Plunder

 The Age of the Ship of the Line: The British and French Navies, 1650-1815

The Age of the Ship of the Line: The British and French Navies, 1650-1815
von Jonathan R. Dull
Sprache: Englisch
Gebunden - Univ of Nebraska - 268 Seiten
Erscheinungsdatum: Juni 2009

 Stephen Biestys Cross sections Man of War

Stephen Biestys Cross-Sections Man-of-War
von Stephen Biesty
Sprache: Englisch Format : 35,6 x 26,7 x 1,5 cm - Gebunden
Erscheinungsdatum: 1993 - 32 Seiten


Stephen Biesty's Man of war


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