Der getauschte Tod und andere Katastrophen aus der Age of Sail

Der getauschte Tod
und andere Katastrophen aus der Age of Sail

von Thomas Siebe
Sprache: Deutsch
Paperback - 94 Seiten - LULU
Erscheinungsdatum: November 2006

Chronologie der europäischen Seekriege 1793 bis 1815, Band 1, bis 1802
Chronologie der europäischen Seekriege 1793 - 1815
Band 1 : Von 1793 bis zum Frieden von Amiens 1802

von Thomas Siebe
Sprache: Deutsch Broschiert - 224 Seiten - BoD
ISBN 978-3-8423-2883-9 Erschienen: September 2010
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Beispiel-Seiten
Beispiel 1 - Beispiel 2 - Beispiel 3

 Social History of the Navy 1793-1815
Social History of the Navy 1793-1815
Prädikat: Besonders wertvoll
von Michael Lewis
Sprache: Englisch
Gebundene Ausgabe - 468 Seiten - Chatham Publishing -
Erscheinungsdatum: Juli 2004

Admiral Lord Gambier, James Gambier


(" Gloomy Jimmy " , " Preaching Jimmy ")

Admiral Lord Gambier, James Gambier

* 13. Oktober 1756 auf New Providence, Bahamas            † 19. April 1833 Ivor House , Buckinghamshire

James Gambier kam am 13. Oktober 1756 auf der Insel New Providence (Bahamas) als Sohn von John Gambier, Gouverneur der Bahamas, und Deborah Gambier, geborene Stiles, zur Welt.
Gambier stammte aus einer in der Royal Navy einflußreichen Familie: Sein Onkel James Gambier war 1779 Konteradmiral und wurde 1787 Vizeadmiral. Dessen Schwager war Admiral Charles Middleton, späterer (1805) Lord Barham. Die Familie unterhielt immer gute Kontakte zum Pitt-Clan. Wohl auch wegen dieser für seine Karriere nützlichen Beziehungen gehört James Gambier zu den unterschätzten Seeoffizieren seiner Zeit.
Wie zur damaligen Zeit für einen Seeoffizier in spe üblich trat James 1767 bereits als Knabe in die Royal Navy ein. Er wurde Fähnrich an Bord des Linienschiffs YARMOUTH (64), das von seinem Onkel James Gambier kommandiert wurde. Aus dem Fähnrich sollte freilich später nie ein guter Nautiker werden.
Der junge Gambier stieg trotzdem aus bereits beschriebenen Gründen schnell zum Offizier auf und wurde am 12. Februar 1777 Leutnant. Als Kommandant des Mörserschiffs THUNDER (8) nahm der Leutnant am amerikanische Unabhängigkeitskrieg teil. 1778 fiel sein Schiff jedoch in die Hände des französischen Geschwaders unter dem Comte d´Estaing, Gambier geriet in Gefangenschaft.
Kaum ausgetauscht wurde er jedoch im Oktober 1778 in den Rang eines Kapitäns zur See befördert und Kommandant der Fregatte RALEIGH (32), die die Briten gerade von den Franzosen erobert hatten. 1780 war er mit seinem Schiff an den Kämpfen vor Charleston beteiligt. 1781 half die RALEIGH dabei, einen französischen Vorstoß gegen Jersey abzufangen. Insgesamt konnte sich der junge Kapitän während des Krieges jedoch nicht sonderlich auszeichnen. Dies sollte sich später ändern.
Mit dem Frieden 1783 wurde Gambier auf Halbsold gesetzt. In den nächsten zehn Jahren fuhr er offensichtlich auch nicht zur See. Mit dem Ausbruch des Krieges 1793 aber bekam Gambier als neues Kommando das Schlachtschiff DEFENCE (74) in der Flotte von Admiral Lord Howe. Vom 28. Mai bis zum 1. Juni 1794 nahm er mit seinem Schiff an der berühmten Schlacht des Glorious First of June teil. In dieser Schlacht zeigte der Kapitän der DEFENCE zum ersten Mal, das in ihm viel mehr als ein leidlicher Nautiker und geförderter Schönwetteroffizier steckte. Lord Howes Flotte traf in diesen blutigen vier Tagen im Atlantik auf die französische Flotte unter Admiral Villaret-Joyeuse. Im Gegensatz zu vielen anderen englischen Kommandanten führte Gambier sein Schiff während der Schlacht mustergültig und durchbrach als eines von wenigen Schlachtschiffen die feindliche Linie. Deswegen geriet die DEFENCE aber auch in größte Not. Gambier verteidigte jedoch sein Schiff mit großer Entschlossenheit und Geschick.

Glorious First of June, Seeschlacht im Atlantik 1794

In Anerkennung seiner Verdienste bei dieser berühmten Schlacht erhielt Gambier nicht nur eine Goldmedaille und wurde zum Oberst der Marineinfanterie befördert, sein erworbener Ruf verschaffte ihm auch im folgenden Jahr 1795 die Beförderung zum Konteradmiral.
Seinen politischen Beziehungen geschuldet aber war seine am 7. März 1795 ergangene Berufung zu einem der Lords 1 der Admiralität. Mit seinem Sitz in diesem Admirals-Gremium war Gambier de facto einer der Oberbefehlshaber der Royal Navy und blieb in diesem Amt bis 1801.
1799 wurde Gambier zum Vizeadmiral befördert. Bald darauf kehrte er auf See zurück: Im Februar 1801 schied er zunächst als Lord der Admiralität aus und setzte seine Flagge auf der NEPTUNE (98). Als Drittkommandierender der Kanalflotte unter Admiral Cornwallis gab es freilich auf See nicht viel Ruhm zu ernten.
Mit dem Frieden von Amiens 1802 wurde Gambier zum Gouverneur des wichtigen Marinestützpunktes Neufundland ernannt. Doch am 15. Mai 1804 kehrte er wieder in das Amt eines Lord der Admiralität zurück, nicht aber ohne den besseren Fischereistützpunkt Neufundland zuvor als Befestigung zu einer echten Marinebasis auszubauen, denn im Juni 1803 war der Krieg erneut ausgebrochen.
Am 9. November 1805 wurde James Gambier zum Admiral befördert.
Am 10. Februar 1806 schied er erneut als Lord der Admiralität aus, um vom 6. April 1807 bis Mai 1808 dann doch wieder in das Amt zurückzukehren.
Gleichzeitig wurde Gambier 1807 Oberkommandierender der baltischen Flotte und zeichnete für den Überfall auf Dänemark mitverantwortlich. Wie bereits 1801 befürchteten die Briten, das Dänemark sich auf Napoleon Seite schlagen würde. Gambier plante deswegen zusammen mit den Bodentruppen unter Lord Cathcart einen Überfall auf das Königreich an der Ostsee. Im August 1807 begann der Feldzug: Zunächst ließ Gambier durch seine Flotte die Insel Seeland vom Nachschub abschneiden, denn das Gros der dänischen Truppen lagerte in Holstein. Dann belagerten die Briten von Land und See her Kopenhagen und zwangen die Stadt durch ein intensives Bombardement vom 2. September bis 7. September 1807 zur Kapitulaton. Wie Gambier zu diesem Beschuß der belagerten Stadt stand, bei dem viele Zivilisten ums Leben kamen, ist mir nicht bekannt. Die Briten machten jedenfalls den Oberkomandierenden der dänischen Verteidigungskräfte, Peymann, für die zahlreichen zivilen Opfer verantwortlich. Peymann habe es versäumt, Frauen und Kinder aus der Stadt zu evakuieren.
Im Anschluß an die dänische Kapitulation kam es zum sogenannten "großen Flottendiebstahl", bei dem die Engländer Dänemark der gesamten Kriegsflotte inklusive Ausrüstung und sogar des Baumaterials für neue Schiffe beraubten.

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Der Angriff auf Kopenhagen und die Wegnahme der dänischen Flotte trug Gambier den Dank des Parlaments und im November 1807 sogar die Peerswürde ein.
Im Mai 1808, mit dem Ausscheiden als Lord der Admiralität, übernahm Admiral Lord Gambier das Kommando der Kanalflotte. Damit begann das schwierigste Kapitel seiner Laufbahn. Zunächst muß man wissen, das Gambier ein tief religiöser Mann war. Vielleicht aufgrund einer depressiven Störung hatte sein Glauben im Laufe der Jahre aber nicht nur eine unverhältnismäßige Penetranz, sondern auch stark morbide Züge angenommen. Man nannte ihn deswegen hinter seinem Rücken auch den "trübseligen Jimmy" oder den "predigenden Jimmy". Gambier war bei seinen Untergebenen sehr unbeliebt, wohl nicht zuletzt, weil man - typisch für depressive Persönlichkeiten - seine Gesellschaft über einen längeren Zeitraum selbst als stark deprimierend empfand. Anfang 1809 begann nun ein französisches Geschwader unter Konteradmiral Willaumez, die blockierten Linienschiffe in den Häfen an der französischen Westküste zu befreien. Teilen der Kanalflotte gelang es zwar, dieses Unternehmen zu unterbinden und das bereits angewachsene Geschwader von Willaumez vor der Ile d´Aix (Basque Roads) erneut zu blockieren. Es gelang den Briten aber nicht, die Franzosen, inzwischen unter Vizeadmiral Allemand, zur Schlacht zu zwingen. Kapitän Keats, als Taktiker berühmt, hatte für diesen Fall schon Jahre zuvor einen Angriff mit brennenden Schiffen vorgeschlagen, um die Franzosen entweder zu vertreiben oder zu verbrennen. Gambier betrachtete einen Einsatz mit den sogenannten Brandern aufgrund seiner religiösen Überzeugungen als unmenschlich und weigerte sich, die Mission ohne einen direkten Befehl des Ersten Lord der Admiralität, Lord Mulgrave, durchzuführen. Mulgrave fand jedoch den richtigen Mann für die Brander-Mission. Kapitän Thomas Cochrane ( Lord Dundonald ), dem Skrupel in der Kriegsführung fremd waren und der auch schon einmal eine Art Giftgasangriff vorschlug, um die Franzosen aus den Häfen zu treiben, bekam die Order, den Angriff durchzuführen. Trotz schlechter Vorbereitung und einigen Pannen jagte Cochranes Angriff am 12. April 1809 praktisch die ganze französische Flotte auf Grund. Vier Linienschiffe wurden bereits beim ersten Angriff verbrannt, die anderen aufgelaufenen Schiffe mußten die Kanonen über Bord werfen, um die Hoffnung zu wahren, noch einmal flott zu werden. Cochrane>, übrigens an Bord einer Fregatte, brannte nun auf den Gnadenstoß für die verbliebenen Schiffe und forderte Gambier in den nächsten Tagen wiederholt auf, seine Schlachtschiffe in die Bucht zu schicken. Doch der Admiral weigerte sich, diese dem Risiko des Scheiterns auf den Untiefen auszusetzen, der Gegner sei schließlich mindesten auf Monate, wenn nicht sogar auf Jahre hinaus ausgeschaltet - womit Gambier übrigens tatsächlich recht behielt, denn keines der aufgelaufenen Schiffe verließ die Bucht noch einmal.

 British Napoleonic Ship-Of-The-Line

British Napoleonic Ship-Of-The-Line (New Vanguard)
von Angus Konstam, Tony Bryan
Sprache: Englisch
Taschenbuch - 48 Seiten - Osprey Publishing (UK)
Erscheinungsdatum: 1. November 2001

Wer sich für Nelsons Marine interessiert, wird dieses Buch faszinierend finden. Das Buch gibt einen detaillierten Einblick in ein Linienschiff dieser Zeit und erläutert durch Zeichnungen und gut verständliche englische Texte alle Einzelheiten, angefangen von den Räumlichkeiten über die Funktionen hin zum Zubehör und den Waffen.

Cochrane war jedoch erbost über die verpasste Möglichkeit und machte aus seinem Herzen keine Mördergrube. Als Gambier der Dank des Parlaments ausgesprochen werden sollte, verweigerte Cochrane, selbst Mitglied des Oberhauses, seine Zustimmung und beschuldigte Gambier, die völlige Zerstörung des Gegners durch seine Passivität verhindert zu haben - eine übrigens gewagte These, bedenkt man die britische Pannenserie schon am Tag des Angriffs. Daraufhin beantragte Gambier ein Kriegsgerichtsverfahren, um die Beschuldigungen Cochranes zu entkräften. Doch nun wurden Gambiers Beziehungen ihm eher zum Fluch denn zum Segen. Das Verfahren gegen den Admiral erweckte nämlich zumindest den Verdacht der Begünstigung Gambiers und schadete seinem Ruf bis heute nachhaltig.
Dabei wäre auch ohne die verdächtigen Begleiterscheinungen dieses Verfahrens alles andere als ein ehrenvoller Freispruch für Gambier ungerecht gewesen: Sogar die Franzosen betrachteten den Angriff auf ihre Schiffe vor der Ile d´Aix als vernichtende Niederlage, vier ihrer Kapitäne landeten selbst vor einem Kriegsgericht, einer wurde sogar erschossen. Somit hatte der Gegner selbst das Urteil über Gambier gesprochen. Doch der unsympathische Admiral wird sogar noch heute von zeitgenössischen Historikern für seine Passivität anläßlich dieser Schlacht verurteilt - wohl eher aus einer durch Cochrane beeinflussten Tradition heraus, weil nach militärischen Maßstäben völlig zu Unrecht.
Der ehrenvoll freigesprochenen Gambier blieb bis 1811 im Kommando der Kanalflotte, bis er abgelöst wurde. In den folgenden Jahren widmete der Admiral sich sozialen und religiösen Projekten, bis er sich schließlich als Diplomat betätigte:
1814 führte Gambier die englische Delegation bei den Friedensverhandlungen mit den USA, die schließlich am 24. Dezember 1814 in den Vertrag von Gent mündeten. Damit war der Krieg von 1812 beendet. Zwei weitere diplomatische Missionen Gambiers in Deutschland und Frankreich folgten.
1815 erhielt Gambier das große Kreuz des Bath-Ordens, eine Ehre, die nur wenigen Seeoffizieren zuteil wurde. Es ist dies ein Zeichen, das der Ruf es Admirals zu dieser Zeit noch nicht annähernd so schlecht war, wie ihn Historiker, Literaten und Cochrane-Fans der nächsten zwei Jahrhunderte machen sollten.
Am 22. Juli 1830 wurde Gambier zum Großadmiral der Flotte ernannt.
Neben seinen militärischen Aktivitäten war der Lord als Förderer sozialer und kirchlicher Aktivitäten bekannt. Ein in seinen Biographien selten genannter Wesenszug Gambiers, der von seinen Freunden aber immer betont wurde, war seine Großherzigkeit.
Gambier war der Mitbegründer des Kenyon College in Ohio, USA. Um das College herum entstand die nach ihm benannte Stadt Gambier, Ohio. Der Name James Gambiers wurde auch durch Leutnant James Grant von der Brigg LADY NELSON verewigt, als der Leutnant den Gipfel eines erloschenen Vulkans in Südaustralien nach dem Großadmiral der Flotte benannte. Am Fuße des Kratersees, der den Mount Gambier füllt, liegt heute die gleichnamige Kleinstadt Mount Gambier.
Admiral Lord Gambier starb am 19. April 1833 auf seinem Herrensitz Ivor House in der Grafschaft Buckingham.

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Fußnote 1 =    Lord der Admiralität (naval lord) ist hier kein Adels-Titel, sondern eine technische Bezeichnung für das Amt.


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