A Classical Dictionary of the Vulgar Tongue A Classical Dictionary of the Vulgar Tongue
von Captain Francis Grose, Eric Partridge (Herausgeber)
Sprache: Englisch
Taschenbuch - 408 Seiten - Beard Books

1811 schuf Francis Grose mit seinem Slang-Lexikon eine
Momentaufnahme der "Gossensprache" seiner Zeit.
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Chronologie der europäischen Seekriege 1793 bis 1815, Band 1, bis 1802
Chronologie der europäischen Seekriege 1793 - 1815
Band 1 : Von 1793 bis zum Frieden von Amiens 1802

von Thomas Siebe
Sprache: Deutsch Broschiert - 224 Seiten - BoD
ISBN 978-3-8423-2883-9 Erschienen: September 2010
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Mini-Milieu-Studie und Slang der englischen Seeleute um 1800

Nach: Dictionary of the Vulgar Tongue 1811 von Captain Frances Grose und anderen.

Entgegen vielerlei Vorstellungen war der Beruf des Seemannes selbst zur Zeit der Meutereien von Spithead und vom Nore 1798 hoch angesehen und durchaus begehrt. Pressgänge (Zwangsrekrutierungen) waren in der britischen Navy zumindest bis 1803 die Ausnahme und dienten meistens auch nur dazu, Personal für die weniger attraktiven Jobs an Bord von Schlachtschiffen zu füllen. Fregattenkapitäne waren auf diese Rekrutierungsmaßnahmen kaum angewiesen, denn ihre schnellen Schiffe waren gute Prisenjäger (Kaperschiffe), die Aussichten auf guten Verdienst bescherte diesen Kommandanten viele Freiwillige. Von Letzteren waren diese Fregatten manchmal sogar regelrecht überlaufen.

Zum Beispiel hatte Kapitän Edward Pellew zuviele unfähige Leute an Bord bekommen, sogenanntes Live Lumber ( Lebendholz) oder Landlubber (Landratten. Eigentlich: Diebische Landstreicher, wörtlich: Landtrottel), von denen einige das Fassfieber hatten (Alkoholismus). Mit diesen Leuten an Bord war bei der Prisenjagd der Sonnenschein (Erfolg, Wohlstand) in Frage gestellt oder zumindest geringer. Deswegen griff der Kapitän zu einer radikalen Maßnahme und machte den Leuten Landbeine (Er setzte sie an der Küste aus). Was aus dem o.g. Vorurteil über das Pressen von Seeleuten unverständlich bzw. geradezu als eine Gnade gegenüber den Ausgesetzten wirkt, war tatsächlich sogar illegal, denn in Diensten der Navy waren die Männer nicht nur versorgt, sondern auch geschützt, u.a. vor dem Verhungern oder gegen Strafverfolgung.

Das englische Strafrecht zur napoleonischen Zeit hat heute zu Recht einen schlechten Ruf. Bereits der Diebstahl eines Apfels konnte zu bestimmten Zeiten ausreichen, um einen Menschen zum Tode zu verurteilen. Diese martialische Anwendung des Strafrechts fand allerdings vor allem zur Zeit von Hungersnöten Anwendung. Übrigens wurde es nach 1815 noch weit schlimmer: Da reichte für ein Todesurteil bereits der halbwegs erwiesene Vorwurf der Landstreicherei. Der wry neck day, der Krumme-Hals-Tag, war meistens ein Sonntag, an dem die Verurteilten unter die three-legged mare (Galgen), die dreibeinige oder hölzerne Mähre, geführt wurden, wo sie dann baumeln (hängen) mußten oder gedehnt wurden. Für die Seeleute dieser Zeit war dieses Risiko allerdings aus beschriebenen Gründen relativ gering, ihnen blieb z.B. bei Trunkenheit an Land selbst die Bücke, wie der Schandpfahl oder Pranger genannt wurde, erspart, da sie unter der Jurisdiktion der Marine standen.
In manchen Schenken hatten Seeleute sogar das Anrecht auf einen kleinen Krug Bier zum Nulltarif, den sogenannten Parlamentsbeschluß. Entgegen den heutigen Vorstellungen tranken jedoch nicht wenige Matrosen am liebsten Adams Bier (sauberes Trinkwasser), weil sauberes, frisches Trinkwasser an Bord eines Schiffes Luxus war. Manche Seemänner zahlten dem Blauen Admiral (Wirt, auch Vermieter) sogar gelbe Jungs (Guineen) für Pfaffentöter (Portwein), den wir heute eigentlich eher den Offizieren, Gutsbesitzern oder Adeligen zuschreiben.

Die Seeleute kehrten meistens eher in Schenken ein, um die Bauchfalten zu glätten (herzhaft zu speisen) als sich mit Blut (Rum) einen Affen in´s Genick zu setzen (zu betrinken). Dies taten sie, weil auf See nicht selten der Magenwurm nagte, d.h. der Seemann blieb hungrig, sei es, weil das Wetter ihn nicht essen ließ, sei es, weil die Reise wieder einmal länger dauerte. Und wenn der Kapitän ein richtiger Martinet oder Syntax (Eigentlich: Schulmeister), also ein Schinder und Schleifer war, dann war der Entzug von Essens- und Wasserrationen eine übliche Strafe für angebliche Faulheit.

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Das Leben als Seemann war also doch ein hartes Brot, besonders litten die Seeleute dieser Zeit unter mangelnder Hygiene an Bord, sie wurden manchmal von Piratten (Ratten) gebissen, häufiger noch von emsigen Bürgern (Läusen) heimgesucht. Interessanterweise waren tanzende Bürger (Flöhe) an Bord weniger verbreitet und wurden, wenn doch einmal gefunden, radikal geschmettert (crashed = im Sinne von ausgerottet). Für die Seeleute waren nämlich derartige, Krankheiten übertragende Schädlinge an Bord gefährlicher als die Sneaker (Musketenkugeln) oder Spados (Entermesser, Säbel) der Feinde. Die Aufwendungen, also Tote durch den Kampf, waren im Vergleich zu den Ausgaben (Ausgaben = Aufwendungen = Verluste) , die Krankheiten oder die See forderten, vergleichweise gering.
An Land war es aber auch nicht ungefährlich. Wenn Seeleute z.B. in einer Akademie (Bordell) Anker warfen (einkehrten), konnten sie an einen Buffer (eigentlich: Abdecker, der Pferde und Hunde stiehlt und ihre Häute verkauft. Aber auch: Schenkenwirt, Zuhälter) geraten, der sie müllerte (beraubte, aber auch: zusammenschlagen, töten), wenn sie gerade angeschnallt waren (bei einer Frau liegen). Gefährlich waren diese Aufenthalte in der Stoßschule (Eigentlich: Fechtschule, aber auch: Bordell) aber auch, weil man sich die spanische Krankheit (Syphillis) oder sogar die spanische Gicht (Pocken) holen konnte, bei der selbst der Quack (Quacksalber, Wunderdoktor) nicht mehr helfen konnte. Deswegen ließen sich Seeleute oft nicht auf die spanische Münze (nette Worte und Komplimente) der Strumpets (Dirnen) ein, sondern suchten sich feste Partnerschaften an Land. Beliebte, weil relativ zuverlässige (nicht gehelichte) Partnerinnen waren Mädchen mit verstauchtem Knöchel (Frau mit unehelichem Kind), die sich lediglich einmal den Tituskopf (Kurzhaarige Lockenfrisur zur Zeit des Konsulats) hatten verdrehen lassen. Diesen Frauen oblag dann nicht selten auch die Verwaltung und Verwahrung des Vermögens eines Seemannes, womit die Teerjacken besser fuhren als mit einem petty fogger (Winkeladvokat), der das Geld falsch anlegte oder auch schon einmal mit dem gesammelten Geld seiner Kunden verschwand.

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