Chronologie der europäischen Seekriege 1793 bis 1815, Band 1, bis 1802
Chronologie der europäischen Seekriege 1793 - 1815
Band 1 : Von 1793 bis zum Frieden von Amiens 1802

von Thomas Siebe
Sprache: Deutsch Broschiert - 224 Seiten - BoD
ISBN 978-3-8423-2883-9 Erschienen: September 2010
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 Mutiny: A History of Naval Insurrection

Mutiny: A History of Naval Insurrection
von Leonard F. Guttridge
Sprache: Englisch
Taschenbuch
U S Naval Inst Pr
- 318 Seiten
Erscheinungsdatum:August 2006

 Seeschlachten und Zweikämpfe
Seeschlachten und Zweikämpfe zwischen 1775 und 1815

Viel Pulverdampf für nichts

Die spanische MONTANES (74 - Jose Jordan) gegen ein französisches Geschwader

Bevor Spanien 1796 ein Alliierter Frankreichs gegen England wurde, stand das iberische Königreich mit Portugal, Österreich, Preußen und England seit März 1793 auf der Seite der Koalition im Kampf gegen die französische Revolution. Im sogenannten Pyrenäen-Krieg gegen Frankreich offenbarten die Spanier nach anfänglichen Erfolgen freilich unerwartete Schwächen gegen das französische Revolutionsheer und wurden im Verlauf des Jahres 1794 über die Pyrenäen zurückgeworfen. Im März des Jahres 1795 standen französische Truppen bereits in Katalonien und hatten am 4. Februar 1795 die wichtige Hafenstadt Rosas genommen.
Auf See beschränkte sich die Seemacht Spanien nach dem gemeinsamen Rückzug der britischen und spanischen Flotten aus dem besetzten Hafen von Toulon im Dezember 1793 eher auf die Sicherung ihrer eigenen Küsten.
Während im Mittelmeer die britischen und französischen Flotten Vizeadmiral William Hothams und Konteradmiral Pierre Martins einander verfolgten und am 13. und 14. März 1794 vor Genua eine halbe Seeschlacht schlugen, patrouillierte im Golf von Rosas vor der katalonischen Küste, also sozusagen am anderen Ende der nördlichen Küstenlinie, das spanische Linienschiff MONTANES (74 - Jose Jordan) als Teil des Geschwaders unter Admiral Juan de Langara.
Die MONTANES war erst 1794 in Ferrol in Dienst gestellt worden und trug 1795 noch nicht ihre volle Bewaffnung: Jeweils 28 Vierundzwanzigpfünder- und Achtzehnpfünder-Kanonen standen auf den Artilleriedecks, an Deck waren 16 Achtpfünder aufgestellt. Nicht nur wegen ihres noch neuen und relativ unbewachsenen Rumpfes galt die MONTANES als sehr schnelles Schiff. Deswegen fiel Langaras Wahl auf sie, als sein Geschwader am 10. März 1795 eine französische Fregatte sichtete. Der spanische Admiral schickte die MONTANES auf die Jagd nach dem entdeckten Schiff und nach mehrtägiger Jagd, am 14. März 1795, fing Kapitän Jose Jordan (1752 - 1835) schließlich die französische Fregatte EFIGINIA (32 - Guet).
Gemeinsam mit ihrer Beute steuerte die MONTANES am 30. März 1795 nach Süden, als ihre Ausgucks in schneller Folge ein großes Schiff nach dem anderen sichteten. Schnell wurde es zu Gewissheit, dass sich dem spanischen Linienschiff zahlreiche französische Schiffe näherten, dem Augenschein mehrheitlich Zweidecker. Jordan musste bald erkennen, dass seinem Schiff sowohl der Weg nach Süden als auch nach Osten bereits verbaut war. Seiner Prise, der EFIGINIA, war es immerhin offenbar noch im letzten Moment gelungen, im Osten durch das ausgeworfene Netz der Franzosen zu entkommen. Nurmehr der Norden wartete als Fluchtmöglichkeit für die MONTANES auf, doch konnte angesichts der Anzahl der Verfolger der Golf von Rosas zur Falle werden, konnte ein spanisches Schiff doch dort kaum noch einen sicheren Hafen anlaufen.
Jordan wendete sich deswegen nach Westen, um auf der Reede von San Feliu de Guixols Schutz zu suchen. Die Wahl für diesen Fluchtweg hatte gute Gründe: Vor San Feliu de Guixols konnten sowohl die schweren Kanonen einer Festung als auch gut bestückte Landbatterien vor einem Angriff schützen. Ein direkter und unvorbereiteter Angriff auf ankernde Schiffe wurde ohne einen Lotsen für die Einfahrt in die kleine Bucht obendrein erschwert.
Die gejagte MONTANES konnte auf ihrem Weg mühelos die Verfolger auf Abstand halten und ankerte nach einer mehrstündigen Jagd nur eine Pistolenschussweite vom Strand entfernt, eine Breitseite auf die See gerichtet, wo sich nun das französische Geschwader näherte. Jose Jordan zählt in seinem Bericht acht französische Linienschiffe und zwei Fregatten, insgesamt also zehn größere Schiffe.

 The Age of the Ship of the Line: The British and French Navies, 1650-1815

The Age of the Ship of the Line: The British and French Navies, 1650-1815
von Jonathan R. Dull
Sprache: Englisch
Gebunden - Univ of Nebraska - 268 Seiten
Erscheinungsdatum: Juni 2009

 Stephen Biestys Cross sections Man of War

Stephen Biestys Cross-Sections Man-of-War
von Stephen Biesty
Sprache: Englisch Format : 35,6 x 26,7 x 1,5 cm - Gebunden
Erscheinungsdatum: 1993 - 32 Seiten


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Bei diesen Schiffen kann es sich wegen der zeitlichen Kongruenz und Anzahl der Schiffe nur um das Geschwader von Konteradmiral Jean Francois Renaudin gehandelt haben, der Anfang März 1795 aus Brest ausgebrochen war, um die französische Mittelmeerflotte in Toulon zu verstärken.
Renaudin hatte ebenfalls zehn Schiffe unter seinem Oberkommando, freilich lediglich sechs Linienschiffe und vier Fregatten. Neben dem Flaggschiff JEMMAPPES (74 - Jean Francois Renaudin) verfügte der französische Konteradmiral vermutlich über die neue REPUBLICAIN (74 - Honore Ganteaume), die TYRANNICIDE (74 - Alain Joseph Dordelin), die REVOLUTION (74), die AQUILON (74) und die JUPITER (74). William James führt statt der REPUBLICAIN (74) und der AQUILON (74) die FORMIDABLE (80) und die MONT BLANC (74) auf. Jordan wollte damals freilich auch ein Linienschiff der Ersten Klasse, also einen Dreidecker, ausgemacht haben. Meinte er die 80 Kanonen der FORMIDABLE. Oder hatten sich Teile der Flotte Martins so weit südwestlich verirrt, dass sie zu Renaudin gestossen waren ? Immerhin hatte der Konteradmiral die Linienschiffe VICTOIRE (80) und TIMOLEON (74) nach der Seeschlacht im Golf von Genua für Reparaturen nach Toulon beordert, während er selbst mit der Flotte die Hyeres-Inseln ansteuerte. Die beiden beschädigten Schiffe hätten zwar einen recht dramatischen Bogen fahren müssen, um auf Renaudin zu treffen, aber es ist vorstellbar, dass sie mit ihren Schäden versucht haben, schlechtem Wetter weiträumig zu entgehen. Oder hatte der spanische Kommandant vielmehr zwei große französische Fregatten für Linienschiffe gehalten ? Auch derartige Irrtümer sind aus dieser Zeit mehrfach überliefert und durchaus nicht ungewöhnlich.
Renaudin jedenfalls hatte auf seinem Weg von Algeciras nach Norden bereits von der Schlacht vor Genua gehört, die Frankreich die Linienschiffe CA IRA (80) und CENSEUR (74) gekostet hatte. Vielleicht war er sich auch bewußt, dass seine Schiffe vor Toulon bzw. Hyeres dringend gebraucht wurden, um so mehr, wenn er auf die VICTOIRE und die TIMOLEON gestossen wäre. Die Zeit für die Verfolgung der MONTANES hatte er sich zwar genommen, um aber dieses Schiff direkt in der Bucht anzugreifen, um es zu erobern oder zu vernichten, dafür hätte es einiger Vorbereitungen bedurft.
Zunächst versuchte es Renaudin deswegen vermutlich mit einer eher vorsichtigen Taktik und setzte seine Schiffe für eine Kanonade auf größere Distanz ein. Sieben französische Zweidecker (nach Zählung Jordans) liefen in einer Schlachtlinie an und passierten die MONTANES bzw. die Bucht vor San Feliu de Guixols Schiff um Schiff, während sie ihre Breitseiten abfeuerten. Die Distanz zu dem ebenfalls feuernden spanischen Linienschiff dürfte, wenn ich Jordans Angaben richtig interpretiere, mindestens 350 bis 400 Meter betragen haben. Immerhin bekam die MONTANES aber die geballten Breitseiten von mindestens sechs Linienschiffen (plus einer großen Fregatte, wie ich meine) um die Segel gehauen, weit über 200 Kugeln pro Salve, darunter auch 36-Pfünder, während die spanische Breitseite gerade einmal 36 Kugeln von überwiegend mittlerem und kleinerem Gewicht spucken konnte. Doch auf den Wällen der Bastei von San Feliu de Guixols standen mit 42-Pfündern gewaltige Kanonen auf nicht schwankendem Untergrund und neben mindestens zwei ebenfalls mit schwerer Artillerie gespickten Landbatterien zu beiden Seiten der Bucht rollten die Spanier sogar Feldgeschütze heran, um den zahlenmäßig weit überlegenen Gegner unter Feuer zu nehmen. An die 100 Kanonen diverser Kaliber sollen am Ende die Flotte Renaudins beschossen haben. Die MONTANES allein soll laut Jordan in dem 2,5 Stunden dauernden Gefecht 1100 Kugeln abgefeuert haben.
Die Wirkung des französischen Beschusses war weit davon entfernt, verheerend zu sein. Auf der MONTANES wurden im Verlauf des 150minütigen Gefechts zwei Männer der rund 650 Mann Besatzung getötet, 8 Crewmitglieder wurden verwundet - eine angesichts der Dauer des Gefechts und der Anzahl der Schiffe sehr moderate Verlustrate. Die spanischen Kugeln von Land her dagegen schienen auch auf Distanz recht unangenehm zu werden. Renaudin wagte sich jedenfalls auch im weiteren Verlauf des Kampfes nicht näher an die MONTANES heran und ließ schließlich das Feuer einstellen. Sein Respekt vor der spanischen Verteidigung, vor allem wohl vor den landgestützen Kanonen, war zu groß, als dass er sich mit seinen Schiffen mehr als eine Viertelmeile genähert hätte.
Mehr noch: Die Franzosen setzten nach ihren Angriffen den Weg Richtung Norden fort und zogen ab. Offensichtlich unter dem Einfluss der Nachrichten von Martin und der Feuerkraft der Spanier gönnte sich der französische Konteradmiral keine Zeit mehr, einen weiteren, taktisch ausgereifteren Angriff vorzubereiten, z.B. nach Mustern der späteren Nachtangriffe der britischen Royal Navy. Welche Schäden und Verluste die französischen Schiffe durch den spanischen Kugelhagel erlitten, ist zwar nicht bekannt, sie dürften aber spürbar gewesen sein.

 British Napoleonic Ship-Of-The-Line

Das französische Geschwader setzte also seinen Weg nach Toulon fort und vereinigte sich am 4. April 1795 mit der Flotte von Konteradmiral Martin. Hier kamen sie gerade rechtzeitig, um möglichen negativen Folgen einer drohenden Meuterei vorzubeugen. Unter den Crews der Schiffe Martins war allgemeine Unzufriedenheit ausgebrochen und die Männer verweigerten einige Zeit den Dienst. Renaudins Schiffe, von der drohenden Rebellion unberührt, schützten die Einfahrt in die Bucht von Hyeres gegen einen möglichen britischen Angriff, bis es französischen Agitatoren gelang, die Unzufriedenheit der Meuterer gegen die Briten zu lenken und sie zum Dienst zurückzubringen. Am 12. Juni 1795 kam es dann unter Beteiligung der Schiffe Renaudins zu der ergebnislosen Seeschlacht zwischen der französischen und der englischen Flotte vor den Hyeres-Inseln.
1796 wechselte Spanien die Fronten und die MONTANES sollte in der Schlacht von Trafalgar 1805 gegen die Briten kämpfen. Sie gehörte zu den "überlebenden" Schiffen nach der vernichtenden Niederlage Villeneuves gegen Lord Nelson. 1808, als die Spanier sich wieder gegen die Franzosen wendeten, war die MONTANES an der Eroberung des französischen Geschwaders von Admiral Rosily in Cadiz beteiligt.
Der Kampf zwischen Renaudins Linienschiffen und der MONTANES ist das einzige mir bekannte Gefecht zwischen französischen und spanischen Linienschiffen während dieser Ära. Die Episode vor San Feliu de Guixols zeigt eine der großen Schwächen der französischen Seekriegsphilosophie: Die Admirale und Kapitäne agierten zu vorsichtig, waren aus welchen Gründen auch immer zu wenig unternehmungslustig und setzten die falschen Proritäten. Ein britischer Admiral an Stelle von Renaudin hätte vermutlich den bereits genannten Nachtangriff gewagt oder wäre ohne lange Planung sofort zu einem Nahkampf bis zur MONTANES durchgedrungen, wobei er die Gefahr des Auflaufens von Schiffen und des Beschusses von Landbatterien in Kauf genommen hätte. Er hätte vielleicht sein Geschwader geteilt und zwei, drei Schiffe vor der Reede der MONTANES stationiert, um den Gegner mit Brandern auf See zu treiben oder durch eine zuvor ausgelotete Passage zur MONTANES vorzubringen, um sie im Kampf Bordwand an Bordwand zu stellen.


Literatur / Quellen

William James, Andrew Lambert : The Naval History of Great Britain: During the French Revolutionary and Napoleonic Wars , Stackpole Books 2003

Website : http://www.todoababor.es/listado/navio-montanes.htm, Artikel über die MONTANES

Jose Marcelino Travieso : La marina: revista científica, militar, administrativa, histórica, literaria, política y de comercio, Madrid 1856, Band 2, S. 203 - 205 (Berichte von Juan de Langara und Jose Jordan)

Jose Torner (Hrg.) : Diccionario geográfico universal dedicado a la Reina Nuestra Señora, Barcelona 1833, Band 8, S.595 f.

 The Royal Navy: A History from the Earliest Times to 1900

The Royal Navy: A History from the Earliest Times to 1900
von William Laird Clowes
Sprache: Englisch
Taschenbuch - Chatham Publishing
Erscheinungsdatum: 1996

 The Naval Chronicle

The Naval Chronicle:
The Contemporary Record of the Royal Navy at War

von Nicholas Tracy
Sprache: Englisch
Gebunden, Erscheinungsdatum: Januar 1999


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Napoleons gefallenen Göttinnen
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