Das letzte Gefecht der GLORIOSO
Die Schebecke und andere Schiffstypen des Mittelmeerraumes
von Wolfram zu Mondfeld
Sprache: Deutsch
Taschenbuch - 63 Seiten - Delius Klasing Vlg GmbH

Erscheinungsdatum: Dezember 1984
 British Napoleonic Ship-Of-The-Line

British Napoleonic Ship-Of-The-Line (New Vanguard)
von Angus Konstam, Tony Bryan
Sprache: Englisch
Taschenbuch - 48 Seiten - Osprey Publishing (UK)
Erscheinungsdatum: 1. November 2001

Seeschlacht.tk - Die Seekriege, Seeschlachten und Duelle auf See von 1775 bis 1815

George Nicholas Hardinge - Ein kurzes Leben in Nelsons Fußstapfen

 George Nicholas Hardinge

* 11. April 1781 in Kingston-upon-Thames (England)           † 9. März 1808 an Bord der SAN FIORENZO vor Kap Komorin (Ceylon)

Ein Auszug aus einer Publikation von 1874:

The cathedral of Bombay is a spacious building of stone with a vaulted roof. Punkahs are hung down its length in two rows ; the seats are of cane, the windows of lattice work. It was built in 1720, and is full of interesting tablets, some dating as far back as 1760. One sculptured monument represents an officer in the arms of Victory, and beneath, a dismantled French man-of-war, lying alongside a smaller British vessel. I close this letter, by copying its inscription.

" This monument is erected here by the public spirit of Bombay to consecrate the memory of Capt. GEORGE NICHOLAS HARDINGE, RN. Animated by the example of his great master, Nelson, he acquired an early fame and a hero's death. Commanding the San Fiorenzo, of thirty-six guns and one hundred and eighty- six men, he chased and brought into action, upon three successive days, the enemy's frigate, La Piedmontaise, of fifty guns and five hundred and sixty-six men ; bore a high character, and was the terror of the Indian seas. Nobly supported by his first lieutenant, William Dawson, by his officers, and by his crew, he achieved a most brilliant conquest, but fell with glory in the last and critical period of this heroic enterprise, upon the 8th March, 1808, and in the twenty-eighth year of his age. His ardent perseverance and skill in this action were so extraordinary, that, by unanimous vote, the House of Commons raised a monument in St. Paul's Cathedral for a perpetual record of honour to his name and character. Thus it is that Great Britain, by herself and by her colonies, marks her tribute of national recompense, gratitude and affection to heroes, who devote and sacrifice life itself upon the altar of patriot valour. These are tributes that will animate the courage and the zeal of her champions to the latest posterity."

(Aus: LETTERS FROM INDIA AND KASHMIR, LONDON: GEORGE BELL AND SONS 1874, S. 20)

Das Denkmal Hardinges in der Kathedrale von Bombay
Denkmal Hardinges in Bombay

Auch in der St. Pauls Kathedrale in London, in Madras und Calcutta fand oder findet man Inschriften zu Hardinge, Statuen oder Büsten seiner Person. Die Erinnerung an ihn ist fokussiert auf einen Zweikampf zweier Fregatten im Indischen Ozean. Und doch wird er in einem Satz mit Lord Nelson, dem Sieger der großen Schlachten von Abukir und Trafalgar, genannt. Offenbar waren seine Zeitgenossen der Meinung, Hardinge hätte einmal in die Fußstapfen Nelsons treten können, wenn er nicht in o.g. Gefecht gefallen wäre. Tatsächlich war Hardinges Leben ähnlich abenteuerlich wie das von Nelson, geprägt von den Seekriegen dieser Zeit:

George Nicholas Hardinge wurde am 11. April 1781 in Kingston-upon-Thames als zweiter Sohn des Reverend Henry Hardinge (2.9.1754 - 7.9. 1820), Rektor von Stanhope, und dessen Frau Frances Best (1764 - 27.10.1837) geboren. Er wuchs in einem stark religiös geprägten Umfeld auf und wurde wie viele seiner frommen Zeitgenossen von der Prädestinations-Lehre (Vorbestimmung) beeinflußt. Sein Onkel George Hardinge, ein königlicher Kronanwalt, adoptierte den zehnjährigen George Nicholas und schickte ihn nach Eton. Doch Hardinge jun. tat sich schwer mit dem Lernen, obwohl es ihm offenbar an Intelligenz nicht fehlte - offenbar war dem ungestümen Jungen das Korsett der Elite-Schule zu eng. Dafür wird sein Charakter als sehr sympathisch und einnehmend beschrieben. Ein anderer Onkel,Sir Richard Hardinge, ein Kapitän in der Ostindischen Company, entfesselte durch seine Seegeschichten schließlich das Interesse George Nicholas' an der Seefahrt. Eine zufällige Begegnung mit Kapitän Sir John Borlase Warren in Eton gab dann den letzten Ausschlag für den Zwölfjährigen, zur See zu gehen. Wie damals nicht unüblich bei Sprösslingen aus begüterten Familien, hatten die Brüder des Eton-Studenten militärische Karrieren angestrebt: Hardinges älterer Bruder Henry wurde ebenso wie sein jüngerer Bruder Richard Offizier in der Armee. Deswegen stimmten Vater und Onkel zu, aus George Nicholas einen Seeoffizier zu machen.

Linienschiffschlachten 1794 - 1806 Download

1793 trat der junge George Nicholas Hardinge in die Navy ein und musterte als Fähnrich - zusammen mit Thomas Hardy - auf der Fregatte MELEAGER (32 - Charles Tyler) an. Diese gehörte zur Flotte Lord Hoods im Mittelmeer. Die anfängliche Begeisterung des Fähnrichs legte sich schnell, als er bemerkte, dass der Dienst auf einem Schiff noch restriktiver die Freiheiten beschränkte. Dem erfahrenen Kapitän Tyler gelang es jedoch, durch Delegierung von Verantwortung an den Offiziersanwärter, diese kritische Phase des George Nicholas Hardinge zu verdrängen. Dieser wurde also im August 1793 zunächst Zeuge der Besetzung des königstreuen Toulon durch Briten und Spanier.

Im Februar 1794 war Hardinge vor Korsika dabei, als die französische Fregatte MINERVE (38) vor San Fiorenzo von den Briten versenkt und später wieder gehoben wurde. ( Napoleons gefallene Göttinnen, S.10 ff.) Das Schiff wurde als SAN FIORENZO (36) in die Royal Navy übernommen, ihr erster Kommandant wurde für kurze Zeit Charles Tyler und einer der Fähnriche an Bord war George Nicholas Hardinge. 1808 sollte Hardinge als Kommandant eben dieser Fregatte im Indischen Ozean das verhängsnisvolle Duell mit der französischen PIEMONTAISE kämpfen. Bei der Belagerung Calvis (Korsika) im April 1794 begegnete Hardinge zum erstenmal Kommodore Horatio Nelson, damals noch ein unbekannter Offizier. Trotzdem machte diese Begegnung einen großen Eindruck auf den Fähnrich.
1795 wechselte Kapitän Tyler auf das Linienschiff DIADEM (64) und nahm Hardinge mit. So erlebte dieser Vizeadmiral Hothams Gefecht (Linienschiffschlachten 1794 - 1806, S.53 f.) mit der französischen Flotte im Golf von Genua.
Die Zeit bei der Mittelmeerflotte machte offensichtlich aus dem ungestümen Jungen einen ganz seiner Profession hingegebenen Seeoffizier, kaum dass er in einem Brief erwähnte, dass er durch einen Unfall auf einem Boot ein Fingerglied verloren hatte.

 Sergeant Guillemard: The Man Who Shot Nelson?

1798 kehrte Hardinge für kurze Zeit nach England zurück. Schon bald darauf ging er an Bord der Fregatte AIGLE (38), wieder unter Charles Tyler. Das Schiff gehörte zu Kommodore Nelsons Geschwader und patroullierte an der nordafrikanischen Küste. Am 18. Juli 1798 erlebte Hardinge, wie die AIGLE durch einen Navigationsfehler vor Kap Farina (Spanien) scheiterte und - ohne Verlust von Leben - verloren ging. Kapitän Tyler wurde jedoch von jeder Schuld an dem Verlust freigesprochen.
Danach war Hardinge einige Zeit an Bord des Linienschiffs EXCELLENT. Admiral Earl St. Vincent wurde auf das Talent des Fähnrichs aufmerksam. Der Sieger der Schlacht von St. Vincent wurde ein Förderer von Hardinge und empfahl den Fähnrich einem der siegreichen Kapitäne von Abukir, Miller. So gelangte Hardinge an Bord der THESEUS (74), die vor der Küste Ägyptens Napoleon Bonapartes Armee beobachtete und bekämpfte.
Im Mai 1799 war die THESEUS vor Acre. Hardinge entging nur knapp der großen Explosion an Bord, die Kapitän Miller tötete. Einige Zeit war Hardinge dann an Bord der TIGRE unter Sir Sydney Smith. Schließlich kommandierte er als diensttuender Leutnant ein Kanonenboot bei der Belagerung von Acre, deren Scheitern den Vormarsch Bonapartes in Kleinasien endgültig stoppte. Die praktischen Erfahrungen mit der Artillerie, die Hardinge bei dieser Gelegenheit sammelte, qualifizierte ihn in besonderer Weise für spätere Aufgaben.

Am 15. Oktober 1800 - er war gerade vor Alexandria - bekam der Fähnrich sein Leutnantspatent.

Hardinge, für den gerade keine Offiziersstelle in der Flotte frei war, ging daraufhin als Leutnant ohne Kommission auf die FOUDROYANT (80 - Edward Berry) . Dabei nahm er am 31. März 1800 an der Eroberung der bei Abukir noch entkommenen französischen GUILLAUME TELL (80) vor Malta teil, einem der spektakulärsten Gefechte dieser Zeit:
Das französische Linienschiff GUILLAUME TELL (80 - Saulnier, Flagge von Konteradmiral Denis Decres) versuchte, aus dem Hafen von Valetta (Malta) auszubrechen, wurde aber von der britischen Fregatte PENELOPE (36 - Henry Blackwood) entdeckt und entscheidend gehemmt, so dass die LION (64 - Manley Dixon) herankommen und den Blockadebrecher unter Feuer nehmen konnte. Schließlich erreichte die FOUDROYANT (80 - Edward Berry) die kämpfenden Schiffe und rang das bereits entmastete, aber verbissen kämpfende französische Schiff endgültig nieder. Alle Linienschiffe waren so schwer beschädigt, dass die Fregatte die GUILLAUME TELL in Besitz nehmen musste. Hardinge taucht in der Liste der weniger schwer Verwundeten auf.

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Im Herbst 1800 wurde Leutnant Hardinge Prisenoffizier auf einer eroberten französischen Brigg. Bei dieser Gelegenheit war er an der Rettung Schiffbrüchiger beteiligt, die er trotz schweren Sturmes bergen und in einen englischen Hafen bringen konnte.

Mit dem Frieden von Amiens 1801 bekam Hardinge vom Oberbefehlshaber der Mittelmeerflotte, Lord Keith, das Angebot, Erster Offizier auf einer Sloop zu werden, doch der Leutnant - vermutlich mit Versprechungen anderer Gönner im Hintergrund - lehnte ab und kehrte nach England zurück. Im Frühjahr 1802 machte er mit seinem Onkel, dem reichen Gutsbesitzer George Hardinge, eine Sightseeing-Rundreise durch Südengland.

Im Mai 1802 aber wurde er durch Earl St. Vincents Einfluss, jetzt Erster Seelord, zum Commander befördert. Bei erneutem Kriegsausbruch bekam er im März 1803 das Kommando über das Mörserschiff TERROR. Am 8. September 1803 stieß die TERROR zu einem Geschwader unter Konteradmiral Sir James Saumarez, um am 12. September 1803 am Bomdardment von Granville in der Bucht von St.Malo, Normandie, teilzunehmen. Dabei zeichnete Hardinge sich mit seinem Schiff aus und erhielt im Bericht von Saumarez eine besondere Erwähnung für die Bewältigung der navigatorischen Schwierigkeiten und die Treffsicherheit seiner Mörser. Die TERROR wurde jedoch bei dieser Gelegenheit stark beschädigt oder offenbarte durch das Mörserfeuer Schwächen in ihren Verbänden, sie wurde jedenfalls abgewrackt

Möglicherweise als Konsequenz wurde Hardinge im Januar 1804 in Dover Commander auf der Sloop SCORPION (18). Am 31. März deselben Jahres , vor der Insel Texel, zeichnete Hardinge sich erneut aus: Zusammen mit Kapitän Charles Pelly von der BEAVER (14) konnte er die holländischen Brigg ATALANTE (16) unter Kapitän Carp erobern . Als erster Mann an Deck des feindlichen Schiffes entkam er im wilden Enterkampf allerdings nur knapp dem Tod. Zunächst rutschte er auf dem durch Regen nassen Deck aus und wurde fast von einer Wache getötet - doch er konnte den Maat überwältigen. Dann geriet er an den Kommandanten des Schiffes, Kapitän Carp, der Hardinge im Fechtduell entwaffnete. Doch der holländische Befehlshaber, der sich der nachdrängenden Übermacht nicht ergeben wollte, wurde schließlich getötet.

Kämpfende 36-Kanonen-Fregatte
Kämpfende 36-Kanonen-Fregatte, wahrscheinlich die SAN FIORENZO

Commander Hardinge an seinen Vater:

H.M.S. SCORPION 4, April 1804

Mein allerliebster Freund,
Ich bin auf meinem Weg zur Nore, nach sechs Tagen harter, aber lohnender Mühe und wir haben 60 holländische Gefangene an Bord. Wir werden begleitet von der ATALANTE, einer holländischen Kriegs-Brigg von 16 Kanonen, eine Prise, die wir gemacht haben.
Ich hatte am 28. März den Befehl, vor Vlie 3 zu kundschaften und sichtete zwei feindliche Briggs, die auf der Reede vor Anker lagen. Weil ich mich wegen der Untiefen, die die Einfahrt umgaben, vergeblich bemühte, sie mit meinem Schiff zu erreichen, entschied ich mich für einen Schlag gegen eine der Briggs, wenn sich eine gute Gelegenheit dafür finden könnte.
Schließlich war es soweit : Am 31. März, während wir uns zum Einbooten vorbereiten, gesellte sich zufällig die Sloop BEAVER 2 zu uns und bot uns ihre Boote an, um zusammen mit den unseren zu handeln. Wir nahmen die Verstärkung an, weil wir vermuteten, das dies auf beiden Seiten Leben retten und den Kampf verkürzen würde.
Um 21:30 begannen wir das Unternehmen in drei Booten von der SCORPION und zwei von der BEAVER.
Kapitän Pelly 2, ein sehr intelligenter und schneidiger Offizier, gab mir die Ehre, als Freiwilliger in einem der Boote unter meinem Kommando zu dienen. Wir hatten annähernd 60 Mann inklusive Offiziere, angeführt von Eurem untertänigsten Diener im Boot an der Spitze. Weil wir mit der Tide-Flut ruderten, scherten wir um 23:30 beim Feind längseits. Ich hatte das große Glück oder, wie manche es betrachten würden, die Ehre, der erste Mann zu sein, der das feindliche Schiff enterte.
Man war auf uns vorbereitet, mit ausgebrachten Enternetzen und allen üblichen Vorbereitungen zur Verteidigung. Aber das Kriegsgeschrei, der Alarm etc. schüchterte die holländische Crew so ein, dass viele von ihnen in Panik unter Deck rannten und uns mit der schmerzvollen Pflicht zurückließen, gegen die zu kämpfen, die wir am meisten respektierten. Die Decks waren wegen des Regens schlüpfrig, so dass ich stürzte, während ich mich mit meinem ersten Gegner herumschlug, einem Maat der Wache; Aber nachdem ich meine Position wieder eingenommen hatte, kämpfte ich mit ihm auf Augenhöhe und tötete ihn. Ich kämpfte dann mit dem Kapitän, ein Mann so tapfer, wie jeder militärische Dienst ihn sich nur wünschen kann; Er hatte gerade beinahe einen meiner Männer getötet. Beschämend genug, es zu sagen, entwaffnete er mich und war kurz davor, mich zu töten, als einer meiner Seeleute 5 dazu kam, mich unter Gefahr für sein eigenes Lebens rettete und mich in die Lage versetzte, meinen Säbel wieder aufzuheben.
Zu diesem Zeitpunkt waren alle Männer aus den Booten an Bord gekommen und wir waren in Besitz des Decks. Zwei waren im Begriff, sofort über den Kapitän herzufallen. Ich eilte herbei, hielt sie zurück und beschwor ihn, Gnade anzunehmen. Mit unbeugsamen Heldenmut verschmähte er das Angebot, hielt uns die Ehre und zwang uns, ihn zu töten. Er fiel, übersät mit ehrenvollen Wunden.

 Horatio Hornblower

Horatio Hornblower, 11 Bände
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Sprache: Deutsch
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Erscheinungsdatum: Oktober 2004
Foresters Horatio Hornblower ist der - nach wie vor unübertroffene - Klassiker der marinehistorischen Romane aus der Windjammerepoche.

Das Schiff war unseres und wir sicherten die Luken, welche die Holländer , angeführt von einem Leutnant mit einer schrecklichen Wunde, wiederholt versuchten, zu erstürmen.
Soweit hatten wir Glück, doch wir hatten noch einen weiteren Feind zu bekämpfen, nämlich das Element. Ein plötzlicher Sturm, bei dem sich der Wind gegen uns wendete, behinderte alle Anstrengungen, die wir hätten machen können.
Aber weil wir die Eroberung gemacht hatten, entschieden wir, unter allen Umständen auszuhalten oder zu sterben. Wir brachten die Holländer unter Deck dazu, zu kapitulieren, legten vierzig von ihnen in ihre eigenes Eisen, stationierten unsere Männer an ihren Kanonen, holten das Schiesspulver an Deck und trafen alle notwendigen Vorbereitungen, um die andere Brigg anzugreifen. Aber als der Tag anbrach, ohne das der Wind abgeflaut hatte, hatte diese sich so weit entfernt und eine Position eingenommen, in der wir keine Chance hatten, sie zu erreichen.
In dieser extremen Gefahr verblieben wir 48 Stunden. Zwei von den Booten waren zerstört abgetrieben, zwei waren längseits vollgelaufen.
Der Wind drehte abermals und wir machten einen Vorstoß , um uns zu befreien, doch die Navigation zeigte sich so schwierig, das es der intensiven Arbeit dreier Tage bedurfte, es zu vollbringen. Wir schafften es am Ende und wurden vom Admiral 1 für unsere Ausdauer gelobt. Ihr werdet meinen Brief an ihn in der GAZETTE sehen. Ich trachtete nach Bescheidenheit und fürchte ein wenig, in der Verfolgung derselben , dass ich sachliche Fakten ein wenig zu unklar wenn nicht gar im Dunkel gelassen habe.
Der Kapitän der ATALANTE und vier weitere wurden getötet, elf wurden verwundet und zwar so furchtbar, das unser Chirurg denkt, dass sie alle sterben werden. Bis zum Ende meiner Tage werde ich den Kapitän betrauern: Er war ein perfekter Held und wenn seine Crew wie er gewesen wäre, wäre unser Risiko tatsächlich groß gewesen.
Die ATALANTE ist viel größer als mein Schiff und ist mit sechzehn langen 12-Pfünder-Kanonen bewaffnet ; wir haben keine einzige Brigg, die mit diesem Kaliber vergleichbar ist. Ihre gedachte Besatzung beträgt 200 Mann, aber sie hatte nur 76 an Bord. Ich erwarte Eure Freude mit der nächsten Post.
PS: Zwei Tage nach dem Tod des Kapitäns wurde er mit allen seemännischen Ehren, die man ihm zuteil werden lassen konnte, beigesetzt. Während der Beerdigungszeremonie verschwanden die englischen Farben und die holländischen wurden an ihrer Stelle gesetzt. Alle holländischen Offiziere wurden freigelassen , einer von ihnen hielt eine Lobrede auf den Helden, den sie verloren hatten und wir feuerten drei Salven über ihn, als er in die Tiefe hinunter sank.

Die Angreifer hatten übrigens nur 5 Verwundete, davon 3 Offiziere. Hardinge wurde unmittelbar (10. April 1804) nach diesem Angriff zum Kapitän zur See befördert, bekam für seinen Einsatz einen Ehrendegen im Werte von 100 Guineen und die Navymedaille, sein Erster Offizier avancierte zum Commander.

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Hardinge wurde zunächst Kommandant der PROSELYTE (28), die sich aber als ein schlechtes Schiff herausstellte. Auch mit dem anschließenden Kommando über die VALOROUS (18) war er sehr unzufrieden, am Ende wurde das Schiff wegen Seeuntüchtigkeit sogar ausgemustert. Hardinge trat dann im November 1805 die Reise nach Indien an, wo er das Kommando über die in den dortigen Breiten aus Teakholz gebaute Fregatte SALSETTE (38) übernehmen sollte. Er reiste als Passagier auf der BELLIQUEUX (64 - George Byng), die als Teil des Geschwaders von Kommodore Sir Home Popham zur Südspitze Afrikas unterwegs war, um die dortige holländische Kolonie bzw. Capetown (Kapstadt) zu erobern. Das Geschwader segelte mit 5000 Mann Truppen via Madeira, machte den Sprung über den Atlantik zu den Bahamas (San Salvador), um sich zu proviantieren und nahm am 26. November Kurs auf das Kap der Guten Hoffnung. Am 4. Januar 1806 erreichte Popham sein Ziel. Auch Hardinge half bei den folgenden Unternehmungen kräftig mit, die in der Kapitulation der Holländer am 10. Januar 1806 resultierten.

Hardinge wechselte nun vermutlich das Schiff und gelangte nach Indien. Dort war die SALSETTE jedoch noch nicht vom Stapel gelaufen, weswegen Hardinge 1807 die SAN FIORENZO (38) befehligte, auf der er zuvor einmal Fähnrich gewesen war.

Am 6. März 1808 traf Hardinge mit der SAN FIORENZO vor Kap Komorin (Nordwestspitze Indiens) auf die französische Fregatte PIEMONTAISE (40 - Epron), welche drei englische Ostindienfahrer verfolgte. Die SAN FIORENZO lieferte sich mit dem an sich überlegenden Gegner ein dramatisches dreitägiges Jagdgefecht ( Napoleons gefallene Göttinnen, S.157-176), das wohl am längsten andauernde Gefecht zwischen zwei Fregatten während der Kriege 1793-1815. Trotz schwerer Beschädigungen und obwohl die SAN FIORENZO den Gegner mehrfach aus den Augen verlor, verfolgte Hardinge die französische Fregatte über hunderte von Seemeilen, um den Kampf erneut aufzunehmen. Am 9. März wurde er gleich zu Beginn des letzten Gefechts von einem Traubengeschoss tödlich getroffen. Sein Erster Offizier William Dawson setzte den Kampf fort und erzwang schließlich die Kapitulation der PIEMONTAISE. Die Verteidigung der Ostindienfahrer, die Verfolgung des Gegners und die taktischen Artillerieduelle zwischen den beiden Fregatten gelten als Meisterstück der damaligen Seekriegsführung.

Hardinge wurde in Bombay beigesetzt, wo auch die oben abgebildete Skulptur und Inschrift an das Gefecht und seinen Anteil am Sieg erinnert.


Fußnoten:

1 = Konteradmiral Thornborough
2 = Die 14-Kanonen-Brigg BEAVER unter Commander Charles Pelly
3 = Die Vlie-Passage bei Texel
4 = Die 384-Tonnen Brigg SCORPION (18)
5 = Dies war tatsächlich Woodward Williams, der Segelmeister von Hardinges Schiff.


Chronologie der europäischen Seekriege 1793 bis 1815, Band 1, bis 1802
Chronologie der europäischen Seekriege 1793 - 1815
Band 1 : Von 1793 bis zum Frieden von Amiens 1802

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