Chronologie der europäischen Seekriege 1793 bis 1815, Band 1, bis 1802
Chronologie der europäischen Seekriege 1793 - 1815
Band 1 : Von 1793 bis zum Frieden von Amiens 1802

von Thomas Siebe
Sprache: Deutsch Broschiert - 224 Seiten - BoD
ISBN 978-3-8423-2883-9 Erschienen: September 2010
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Beispiel-Seiten
Beispiel 1 - Beispiel 2 - Beispiel 3

Enzyklopädie des historischen Schiffsmodellbaus Enzyklopädie des historischen Schiffsmodellbaus 01: Modelle und Vorkenntnisse
von Wolfram zu Mondfeld
Sprache: Deutsch
Broschiert 119 Seiten Neckar-Verlag Format : 23,6 x 16,4 x 0,8 cm Erschienen Dezember 2006
 Seeschlacht.tk


Fregattenschlacht vor der Isle de Bas



Am 20. April 1792 erklärte das revolutionäre Frankreich Österreich, Preußen und Sardinien den Krieg. Der Revolutionskrieg wurde fast ausschließlich zu Lande ausgetragen, weil die Gegner Frankreichs über keine nennenswerten marinen Ressourcen verfügten. Am 1. Februar 1793 ergingen dann aber auch Kriegserklärungen an England und Holland, zwei Nationen, die über eine bedeutende Kriegsflotte verfügten. Die französische Flotte traf dieser neue Krieg allerdings weitgehend unvorbereitet. Neben der mangelnden Vorbereitung der Schiffe betrafen die Revolutionswirren und erste Vorzeichen des späteren terreur auch das Personal. Ein Jahr lang kam es zu keiner größeren Auseinandersetzung zwischen Frankreich und England auf See, obwohl die geographische Lage beider Nationen eine schnelle Entscheidung auf diesem Terrain erwarten ließ. Die französische Strategie vermied jedoch die erste große Konfrontation. So ging die Brester Flotte unter Admiral Morard de Galles am 31. Juli 1793 einer ersten Seeschlacht mit den englischen Kanalflotte aus dem Weg. Statt mit Linienschiffen gegen Linienschiffe anzutreten, machten Kaperschiffe, ab 1794 vor allem aber „leichte“ französische Geschwader, bestehend aus Fregatten und Korvetten, die Gewässer zwischen den beiden Ländern unsicher und attackierten dort den britischen Seehandel. Als Konsequenz bildete die englische Admiralität ebenfalls leichte Geschwader und machte Jagd auf die Störenfriede. Folgerichtig war das erste grössere Gefecht des Krieges eine Fregattenschlacht.

Handbook of the 19th Century Naval Warfare

Handbook of the 19th Century Naval Warfare
von Spencer C. Tucker
Sprache: Englisch
Gebunden - 288 Seiten - Naval Institute Press
Erschienen:Oktober 2000

Eines der erwähnten britischen Geschwader waren die fünf Fregatten von Kommodore Sir John Borlase Warren. Dieser Verband wurde freilich eher inkrementell als nach langer Planung Anfang April in der Cawsand Bay vor Plymouth durch Konteradmiral McBride geformt, als Reaktion auf den französischen Kreuzerkrieg. Trotz der Improvisation kam mit dem sogenannten „Westgeschwader“ das Beste vom Besten zusammen. Das Geschwader bestand aus

  • Warrens Flaggschiff FLORA (36),
  • der ARETHUSA (38 – Edward Pellew),
  • der MELAMPUS (36 – Thomas Wells),
  • der CONCORDE (36 – Richard Strachan) und
  • der NYMPHE (36 - George Murray).

    Damit hatte Warren die schnellsten und am besten bewaffneten Fregatten der Royal Navy unter seinem Kommando. Auch die Kampferfahrung der Kommandanten war bereits außerordentlich: Der seeschlachterfahrene Warren selbst hatte als Kommandant bereits im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg 1781 ein Fregattenduell mit einem französischen Schiff bestanden. Pellew, der sich ebenfalls schon im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg ausgezeichnet hatte, hatte 1793 mit der NYMPHE (36) die französische Fregatte CLEOPATRE (36 – Mullon) bezwungen. Strachan hatte im November 1791 während des Dritten Mysore-Krieges vor Tellicherry (Malabar-Küste, Indien) ein erfolgreiches Gefecht mit einer französischen Fregatte, die er verdächtigte, Waffen für den Fürsten von Mysore, Tipoo Sahib, zu transportieren. Murray, Kapitän seit 1782, hatte als Leutnant die blutigen Schlachten zwischen Hughes und Suffren in Indien gekämpft und auch sein Kollege Wells, Ernennungsjahr ebenfalls 1782, verfügte über Kampferfahrung.

    Ein französisches Geschwader unter Kommodore Georges Desgarceaux 1 indessen hatte sich Anfang April 1794 Cherbourg als Rendevouspunkt gewählt und trat von dort seine Jagd auf englische Handelsschiffe an. Der Verband bestand aus

  • Kommodore Desgarceauxs Flaggschiff ENGAGEANTE (36),
  • der POMONE (44 - Etienne Pevrieu),
  • der RESOLUE (36 - P. Villeon 2) und der
  • Korvette BABET (20 - Pierre-Joseph-Paul Belhomme).

    Eine vierte Fregatte, die gerade in Dienst gestellte CARMAGNOLE (40 - Zacharie-Jacques-Theodore Allemand), fiel schon zu Beginn der Kreuz aus, als sie während einer Verfolgungsjagd zu dicht unter Land geriet, auflief und sich einen längeren Werftaufenthalt einhandelte. Ansonsten aber waren die Franzosen recht erfolgreich in ihrer Prisenjagd und fügten dem britischen Seehandel empfindlichen Schaden zu.

    Napoleons gefallenen Göttinnen
    SEESCHLACHT.TK - Das Buch

    Napoleons gefallene Göttinnen
    Die Geschichte der französischen MINERVE-Fregatten

    von Thomas Siebe
    Sprache: Deutsch Paperback - 349 Seiten - BoD
    ISBN 978-3-8391-0218-3 Erscheinungsdatum: Mai 2009
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    Mitte April begegnete die englische HIND (28 – Durham) vor Portland Desgarceauxs Fregattengeschwader, das den von Durham eskortierten Handelskonvoi jagte. Durham entkam mit seinen Schiffen und die Nachricht von den Franzosen kam nach Plymouth. Warrens Geschwader lief am 15. April 1794 aus Cawsand Bay aus und begab sich auf die Suche nach den französischen Schiffen. Desgarceaux kreuzte jedoch nun zwischen den Kanalinseln und der Bucht von St. Malo. Informanten hatten ihm sein nächstes Ziel avisiert: Aus Cork wurde ein grösserer englischer Handelskonvoi erwartet, der mit der kleinen Fregatte AURORA (28 – William Essington) nur schwach gedeckt war. In diesen Geleitzug plante der französische Geschwaderführer einzufallen. Eine flüchtige Begegnung am 21. April 1794 sollte Desgarceaux jedoch einen Strich durch die Rechnung machen. Die aus Indien kommende englische Fregatte MINERVA (38), die Konteradmiral Cornwallis nach England bringen sollte, sichtete in den frühen Morgenstunden des 21. April 1794 im Kanal vier größere Schiffe, einige davon sichtlich Fregatten, direkt vor ihrem Bug. Nebel verhüllte nur Minuten später die Sicht wieder und auf der MINERVA ging man davon aus, dass man ein englisches Fregattengeschwader gesichtet hatte. Cornwallis konnte nicht ahnen, dass vor seinem Bug nicht nur vier französische Schiffe wieder im Nebel verschwanden, sondern auch eine alte Bekannte aus seiner Kommandozeit im Indischen Ozean. Es war dies die Fregatte RESOLUE (36), die auf Cornwallis Befehl im November 1791 vor Tellicherry von der PHOENIX ausgerechnet unter Kapitän Richard Strachan zu Kontrollzwecken aufgebracht und niedergerungen worden war.

     British Napoleonic Ship-Of-The-Line

    Am 22. April stieß Cornwallis dann aber auf Warrens Verband und wenig später ging Pellew, der mit der schnellen ARETHUSA der MINERVA am nächsten stand, an Bord des Heimkehrers. Pellew wusste, dass zu diesem Zeitpunkt außer Warrens Verband kein anderes englisches Fregattengeschwader dieser Grösse im Kanal kreuzte und folgerte, dass die MINERVA französische Schiffe in Sicht bekommen hatte. In grosser Eile verließ der spätere Sieger von Algier die MINERVA und nahm Kurs auf sein Geschwader. Kommodore Warren wusste nun, wo er nach dem Feindgeschwader zu suchen hatte.

    Am Morgen des 23. April 1794 kreuzte sein Geschwader suchend zwischen Guernsey und der bretonischen Küste bzw. der Isle de Bas bzw. Ile de Batz. Desgarceaux hatte die Nacht mit seinen Schiffen in der Bucht von St. Malo verbracht und gegen Morgen wieder Kurs auf die See hinaus gesetzt. Ungefähr in Höhe der Felsen von Douvre bekam er gegen 4:00 die Briten in Sicht, während diese, mehrere Meilen nordwestlich von Desgarceaux stehend, ebenfalls Sichtkontakt bekamen – laut Warrens Bericht freilich bereits um 3:30. Dem französischen Kommodore, einem erfahrenen Seemann bereits in königlichen Diensten, unterlief nun vermutlich eine folgenschwere Fehleinschätzung. In Unkenntnis der von Konteradmiral McBride implementierten neuen Strategie ging er offenbar davon aus, dass die Schiffe, die auf Gegenkurs näher kamen, in ihrer Mehrzahl keine Fregatten waren, sondern Handelsschiffe. Englische Fregatten im Verband waren dem Franzosen ein Novum. Deswegen behielt er den Kurs bei und näherte sich offenbar zuversichtlich einem zahlenmäßig und auch von der Anzahl der Kanonen her überlegenen Gegner.

     Seekriegsgeschichte

    Ein Vergleich macht deutlich, wie sich die Kräfte tatsächlich verhielten. Drei der englischen Fregatten, die ARETHUSA (38), die FLORA (36) und die MELAMPUS (36) waren Achtzehnpfünder-Fregatten, d.h. sie hatten mit Ausnahme von Pellews Schiff (28) in ihrem Artilleriedeck 26 Kanonen dieses Kalibers stehen.
    Auf französischer Seite verfügte zwar die POMONE über 26 Vierundzwanzigpfünder als Hauptarmierung, die beiden anderen Fregatten trugen wie die zwei kleineren englischen Fregatten allerding nur 26 Zwölfpfünder, die Korvette sogar nur französische Achtpfünder (20). Zeigt dieser Vergleich der Artilleriedecks bereits das englische Übergewicht, so lässt eine Aufstellung der Decksgeschütze die französischen Chancen noch mehr schrumpfen:
    Die ARETHUSE führte 14 Zweiunddreissigpfünder-Karronaden plus 2 Neunpfünder, die MELAMPUS 6 Zweiunddreissigpfünder-Karronaden, 2 Zwölfpfünder-Kanonen und 6 Neunpfünder, die CONCORDE 10 Vierundzwanzigpfünder-Karronaden und vier Sechspfünder-Kanonen, die FLORA 6 Achtzehnpfünder-Karronaden und 10 Neunpfünder-Kanonen, die NYMPHE 8 Vierundzwanzigpfünder-Karronaden und 2 Sechspfünder-Kanonen.
    Dem hatten die französischen Schiffe wenig gegenüber zu stellen:
    Auf Achterdeck und Vorschiff der POMONE standen 4 Sechsunddreissigpfünder-Karronaden und 14 Achtpfünder-Kanonen. Damit war sie der ARETHUSE sogar unterlegen. Die beiden kleineren französischen Fregatten trugen ebenfalls 4 Sechsunddreissigpfünder-Karronaden, dazu 8 bzw. 10 Sechspfünder-Kanonen. Die Korvette hatte auf ihrem Achterdeck 2 Sechspfünder-Kanonen.
    Addiert man lediglich die Zahl der Geschütze, dann lagen die Briten mit 210 zu 144 deutlich vor den Franzosen, der Vergleich bei den Geschossgewichten fällt sogar noch erheblicher zugunsten des Geschwaders Warren aus. Dazu kam die Erfahrung der englischen Kommandanten und ihrer Besatzungen. Pellew z.B. hatte seine kampferprobte Crew aus dem Duell mit der CLEOPATRE mit an Bord der ARETHUSA genommen und die Crew der FLORA hatte im Jahr zuvor unter Konteradmiral McBride vor Ostende praktische Artillerieerfahrung unter Beschuss gesammelt. Die französischen Befehlshaber hatten dagegen nur wenig Kommandoerfahrung, ihr Kommodore selbst hatte erst 1793 sein erstes Kriegsschiff geführt.

     Clausewitz - Vom Kriege

    Zuammengefasst lief das französische Geschwader bei freilich schwachem Wind aus Süd / Südwest einer fast sicheren Katastrophe entgegen. Rätselhaft bleibt, warum Desgarceaux, der im Morgengrauen inzwischen den Gegner besser identifizieren können musste, schließlich seine Schiffe sogar in einer Schlachtlinie formte, mit seinem Flaggschiff ENGAGEANTE (36) an der Spitze, der RESOLUE (36) als taktischer Nr. 2, der POMONE (44) als Nr.3 und der Korvette BABETT (20) am Ende. War es schon zu spät, um dem Gefecht zu entkommen ? Setzte Desgarceaux auf die Feuerkraft der vermeintlich am stärksten bewaffneten POMONE ? Verführte ihn die hinter dem englischen Geschwader recht weit zurückgebliebene NYMPHE (36), das Gefecht mit einem vermeintlich gleich starken Gegner beizeiten zu suchen ? Oder hatte der Kommodore seine Gründe, in ein Gefecht einzuwilligen, dass er kaum gewinnen konnte ? Befürchtete der ehemalige königliche Marineoffizier möglicherweise, dass ihm an Land inzwischen die Verhaftung und der Weg vor das Revolutiontribunal drohte, wie dies in den Monaten zuvor nicht wenigen französischen Militärs geschehen war ? Immerhin war es im März 1794 zu erneuten Verhaftungswellen in Paris gekommen.

    Die Engländer jedenfalls reihten sich ebenfalls auf, mit der FLORA (36 – Warren) an der Spitze, gefolgt von der ARETHUSA (38 – Pellew), MELAMPUS (36 – Wells) und CONCORDE (36 – Strachan). Die NYMPHE (36 – Murray), wie erwähnt annähernd eine Meile von ihren Kolleginnen entfernt, kämpfte dagegen noch um den Anschluss an ihr Geschwader. Beide Schlachtlinien näherten sich dergestalt, dass die Franzosen weiter nach Nordwesten hielten, während sich die Briten im spitzen Winkel ihrem gedachten Kurs näherten und gegen 5:30 die französischen Schiffe im Abstand von rund 2 Kabellängen passierten. An Bord der Franzosen wurden bereits einzelne Kanonen auf den Gegner abgefeuert, doch richtete dieser Beschuss offenbar keinen nennenswerten Schaden an. Warren ließ nun auf der Höhe der davongleitenden BABET sein Geschwader Schiff um Schiff wenden und setzte sich um 5:38 hinter die französische Korvette.

    Das folgenden Manöver ist nun etwas verwirrend überliefert. Warren schreibt in seinem Bericht: „...their sternmost Ship having passed over, they again tacked...“. Pellew erwähnt ein solches Manöver nicht und der zeitgenössische Historiker William James schreibt von einer Wende der Briten. In der Summe und nach den Gegebenheiten muss man davon ausgehen, dass Warren sich irrte, tatsächlich die Briten wendeten und den Franzosen nachsetzten.

    Fregattenschlacht vor der Ile de Batz / Isle de Bas am 24. April 1794

    Die schnelleren Briten schlossen auf und arbeiteten sich auf der Luvseite der französischen Linie nach vorn. Der Wind kam nun aus Süden und die FLORA erreichte gleiche Höhe mit der BABET. Es war 6:00, als Warren das Feuer eröffnete und den anderen englischen Schiffen den Befehl zum Angriff gab. Die FLORA passierte die BABET und setzte sich neben die POMONE, mit der sie sofort in ein intensives Feuerduell verwickelt wurde. Inzwischen hatte die ARETHUSA das Feuer auf die BABET eröffnet und schloss rasch auf, doch Pellews Schiff war schneller als das Flaggschiff seines Kommodore und er musste Segel kürzen, um nicht zwischen die FLORA und die POMONE zu geraten. Auch die MELAMPUS schloss rascher auf und schob sich neben die ARETHUSA. Mit der ebenfalls aufkommenden CONCORDE drohte nun ein regelrechter Stau hinter dem englischen Flaggschiff. Warren geriet inzwischen auch unter das Feuer der RESOLUE, doch es waren wohl die Vierundzwanzigpfünder der POMONE, die um 6:45 den Haupttoppmast des englischen Flaggschiffs knickten. Der Fockmast des englischen Flaggschiffes war ebenfalls betroffen, die Geschwindigkeitseinbusse wirkte sich umgehend aus. Die FLORA fiel aus der Linie heraus und zurück, während es zunächst Unentschlossenheit zwischen Pellew und Kapitän Wells gab, wer den Platz des Flaggschiffs neben den Vierundzwanzigpfündern der POMONE einnehmen sollte. Beide Schiffe hingen einige Zeit hinter der französischen Linie, die MELAMPUS auf der Luvseite der ARETHUSA.
    Kommodore Desgarceaux hatte inzwischen seinen Schiffen signalisiert, mehr Segel zu setzen, doch wenigstens der BABET und der POMONE fiel es schwer, das neue Tempo zu halten. So nahm die ARETHUSA bald darauf einen neuen Anlauf, schob sich neben die Korvette, während die französische Linie mehr und mehr nach West / Nordwest tendierte. Die BABET konnte dem Feuer von Pellews Kanonieren nicht mehr widerstehen, fiel zurück, nur um freilich auf die rätselhafterweise segelkürzende MELAMPUS zu stossen und von ihr beharkt zu werden. Schnell wurde darauf der Korvette der vordere Toppmast weggeschossen und das Schiff büsste noch weiter an Geschwindigkeit ein, um gegen 8:25 angesichts der neben ihr erscheinenden FLORA die Segel zu streichen. Die FLORA nahm das eroberte Schiff in Schlepp und folgte den kämpfenden Schiffen voraus. Die beiden stärksten Fregatten der Geschwader, die POMONE und die ARETHUSA, verbissen sich indessen in einen zähen Zweikampf, in den auch die MELAMPUS wenigstens zeitweise eingriff. Es scheint freilich, dass die Koordination zwischen den beiden englischen Kommandanten zu wünschen übrig ließ.
    ENGAGEANTE und RESOLUE setzten sich in der Zwischenzeit von ihrer gegen zwei Engländer kämpfenden Kollegin ab, gefolgt von der CONCORDE.
    Um 8:55 gingen der Haupt- und der Besanmast der grossen POMONE über Bord, sie war nunmehr fast hilflos der Kanonade der ebenfalls erheblich getroffenen Briten ausgeliefert. Die auf das Deck gefallenen Segel der POMONE entzündeten sich und das Feuer trieb mehrere französische Seeleute dazu, über Bord zu springen. Die ARETHUSA und die MELAMPUS setzten Boote aus, um diese Männer zu retten. An Bord der POMONE konnte das Feuer schließlich gelöscht werden, doch der französischen Fregatte blieb nur die Kapitulation.

    Die Scharfschützen-Sharpe-Cannonball limited Edition

    Die Scharfschützen-Sharpe-Cannonball limited Edition inkl. Das letzte Gefecht (17 DVDs)

    Regisseur Tom Clegg
    Darsteller: Sean Bean, Daragh O'Malley, Toby Stephens
    Format: Dolby, Limited Collector's Edition, Box-Set, 4:3
    Sprache: Deutsch und Englisch
    FSK: Freigegeben ab 16 Jahren
    DVD-Erscheinungstermin: 13. November 2008
    Spieldauer: 1688 Minuten

    Verpackung: Nachbildung einer Kanonenkugel

    Kommodore Warren, der Probleme mit dem Schlepp der BABET hatte, signalisierte seinen Kapitänen „Allgemeine Jagd“, doch die ARETHUSA war zu diesem Zeitpunkt nicht in der Lage, den beiden verbliebenen Franzosen zu folgen. Auch die MELAMPUS hatte Probleme, den Abstand zu Desgarceaux zu vermindern und die NYMPHE, die sich zwar an der Jagd beteiligte, war doch nach wie vor noch weit ab vom Schuss. Allein Richard Strachan war es, der am Ende zum französischen Kommodore und seinem alten Rivalen aus indischen Zeiten, die RESOLUE, aufschloss. Es entwickelte sich nun ein Jagdgefecht zwischen den beiden Franzosen, die jetzt der bretonischen Küste zustrebten, und der CONCORDE. Strachans Kanoniere visierten zunächst die Takelage der beiden feindlichen Fregatten an, um sie in ihrer Fahrt zu hemmen und der MELAMPUS Gelegenheit zu geben, aufzuschliessen. Dann aber begann der Haupttoppmast der CONCORDE, der bereits einige Wirkungstreffer hatte schlucken müssen, langsam seinen Geist aufzugeben. Strachan steuerte auf Pistolenschussweite an die RESOLUE heran und versuchte, wenigstens eine der beiden flüchtenden Fregatten zu bezwingen. Doch die ENGAGEANTE drehte bei und legte sich vor den Bug der CONCORDE. Die Breitseite Desgarceaux fetzte derartig wirkungsvoll durch die Takelage der CONCORDE, dass diese als Folge des Beschusses erst einmal einhalten musste, um ihre zerschossene Rigg zu klarieren.
    Dies war immerhin schnell geschafft und Strachan setzte die Verfolgung fort. Tatsächlich holte die CONCORDE wieder auf, ihr Kapitän musste aber beobachten, dass seine Kolleginnen eher Boden auf die Franzosen verloren als sich anschickten, ihn bald im Kampf gegen die Franzosen zu unterstützen. Gegen 12:00 setzte sich die CONCORDE erneut längsseits eines französischen Schiffes, es war diesmal jedoch die ENGAGEANTE, die das Duell mit Strachan focht. Die RESOLUE unterstützte ihr Flaggschiff lediglich halbherzig auf grössere Distanz, ließ sich dann aber nicht mehr aufhalten und setzte ihren Weg in Richtung auf die Ile de Batz fort. Warum ihr Kommandant seinen Kommodore im Stich ließ, bleibt wiederum der Spekulation überlassen. Vielleicht hatte ihn die Feuerkraft der englischen Fregatte eingeschüchtert. Möglicherweise fürchtete er auch, den freilich noch weit entfernten MELAMPUS und NYMPHE zum Opfer zu fallen. Dabei hätte die ENGAGEANTE die Hilfe der RESOLUE bitter nötig gehabt. Gegen die Feuergeschwindigkeit von Strachans Geschützmannschaften konnten die Männer von Kommodore Desgarceaux nicht bestehen. Höchstwahrscheinlich war dies der Zeitpunkt, an dem den französischen Kommandanten sein Schicksal ereilte. In der NAVAL CHRONICLE finden wir zwar den Hinweis, dass Desgarceaux durch die zweite Breitseite der FLORA fiel. Weil aber die ENGAGEANTE nach allen Berichten nur gegen die CONCORDE kämpfte und Strachans erster Anlauf der RESOLUE galt, kam der Tod für den französischen Kommodore offensichtlich erst am Mittag des 23. April, möglicherweise tatsächlich durch die zweite Breitseite des Engländers. Eine Kanonenkugel von der CONCORDE riss Desgarceaux den Kopf ab, während er auf dem Schanzkleid stand, um sich über den wallenden Pulverdampf hinaus einen besseren Überblick zu verschaffen. Seine Crew aber setzte den Kampf fort und hätte mit Unterstützung der RESOLUE sicherlich ihr Schiff halten können. Trotz erbitterten Widerstandes musste die ENGAGEANTE schließlich gegen 13:45, völlig manövrierunfähig geschossen, die Flagge streichen. Die RESOLUE entkam indessen als einziges Schiff des französischen Quartetts nach Morlaix, möglicherweise zum Bedauern von Strachan, der bekanntlich die Fregatte 1791 vor Tellicherry schon einmal in seinen Händen hatte und sie wieder herausgeben musste. Es ist wohl kein Zufall, dass der Name des französischen Kommandanten der RESOLUE, Villeon, nach diesem französischen Desaster nicht mehr in den Annalen auftaucht.

     Horatio Hornblower

    Horatio Hornblower, 11 Bände
    von Cecil S. Forester
    Sprache: Deutsch
    Broschiert - SCHERZ-Verlag
    Erscheinungsdatum: Oktober 2004
    Foresters Horatio Hornblower ist der - nach wie vor unübertroffene - Klassiker der marinehistorischen Romane aus der Windjammerepoche.

    Die Franzosen machten erste Erfahrung mit der verheerenden Wirkung der britischen Karronaden und resultierenden schweren Verlusten an Bord, die sicher - hier muss man William James Recht geben - auch der wesentlich größeren Besatzungsstärke französischer Schiffe geschuldet waren. Die ARETHUSA, die mehr Geschütze als ihr Kontrahent bedienen musste, hatte z.B. 277 Mann an Bord, die POMONE aber deren 341.
    Exakte Zahlen über französische Verluste sind - gerade im Fall der ENGAGEANTE - nicht vorhanden. Deren Verlustliste dürfte prozentual vergleichbar der der POMONE sein, deren Tote und Verwundete auf rund 80 Mann geschätzt wurden. Die RESOLUE kam offensichtlich mit wenig blutiger Nase davon, die BABET verlor jedoch rund 35 Mann ihrer 178-köpfigen Crew . Insgesamt dürfte das französische Geschwader rund 200 Tote und Verwundete gehabt haben.

    Die Briten beklagten nur 10 Tote und 25 Verwundete, die sich wie folgt verteilten:
    Flora - 1 Toter / 3 Verwundete, Arethusa - 3 / 5, Melampus - 5 / 5, Concorde - 1 / 12. Die NYMPHE kam nie ins Gefecht, spielte aber durchaus eine Rolle, weil die Franzosen ihr Eingreifen immer in Betracht ziehen mussten. Das die MELAMPUS, die relativ wenig zum Gefecht beitrug, die höchsten Verluste der Briten zu verzeichnen hatte, ist offensichtlich einem Volltreffer zuzuschreiben, also einer Ladung, die eine Ansammlung von Männern traf. Die Verluste der ARETHUSA, die am längsten den Vierundzwanzigpfündern der POMONE ausgesetzt war, sind dagegen eher gering – ein Indiz für die schlechte Ausbildung der französischen Geschützcrews. Die eroberten Schiffe verstärkten die englische Kreuzerflotte, die recht alte ENGAGEANTE als Hospitalschiff, die BABET als Sloop, die nagelneue POMONE aber als schlagkräftiger Kreuzer. Die entkommene RESOLUE wurde im Oktober 1798 ausgerechnet von der MELAMPUS, inzwischen unter Kapitän Graham Moore, geschlagen und erobert, eine späte Rehabilitation zweier in dieser Schlacht ziemlich passiver Schiffe.

    Die Fregattenschlacht vor Guerney oder der Ile de Batz - je nach dem, ob man ihren Anfang oder ihr Ende betont - ging in die englische Marinegeschichte als das Seegefecht am St. George-Tag (Action of St. George's day) ein. Die Seeschlacht zählt zweifelsohne nicht zu den größten Siegen der Royal Navy und ist auch kein strategisches Glanzstück der Engländer, die sichtlich versuchten, das Treffen diszipliniert wie eine Linienschiffschlacht zu kämpfen. Offensichtlich fehlte hier noch die Erfahrung, wie flexibel man mit den wendigeren und empfindlicheren Fregatten im Verbandsgefecht umgehen sollte. Erwähnenswert aber ist das Treffen natürlich als die erste Konfrontation von nennenswerten Schiffsverbänden der beiden Kriegsparteien. Übrigens kam es nur 5 Wochen später dann doch zur ersten grossen Linienschiffschlacht , dem berühmten Glorious First Of June.

    Quellen :

     The Naval History of Great Britain: During the French Revolutionary and Napoleonic Wars The Naval History of Great Britain: During the French Revolutionary and Napoleonic Wars
    von William James, Andrew Lambert
    Sprache: Englisch
    Gebunden - 568 Seiten - Stackpole Books

    Erscheinungsdatum: März 2003
     The Royal Navy: A History from the Earliest Times to 1900

    The Royal Navy: A History from the Earliest Times to 1900
    von William Laird Clowes
    Sprache: Englisch
    Taschenbuch - Chatham Publishing
    Erscheinungsdatum: 1996


     The Naval Chronicle

    The Naval Chronicle:
    The Contemporary Record of the Royal Navy at War,
    1793-1798

    von Nicholas Tracy
    Sprache: Englisch
    Gebunden, Erscheinungsdatum: Januar 1999

     Edward Pellew von C.Northcote Parkinson , bei AMAZON
    Edward Pellew
    von C.Northcote Parkinson
    Sprache: Englisch
    Taschenbuch - ? Seiten - Verlag ?

    Erscheinungsdatum: ?


    Fußnote 1: In den späteren englischen Rezeptionen der Schlacht, z.B. bei William James, heißt der französische Kommodore fälschlich „Desgareaux“

    Fußnote 2: James glaubt, der Kommandant hieß Antoine-Marie-François Montalan.

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