Nelson and the Nile

Nelson and the Nile: The Naval War Against Bonaparte, 1798
von Brian Lavery
Sprache: Englisch
Gebundene Ausgabe - 352 Seiten - Naval Institute Press
Erscheinungsdatum: Juli 1998

Dieses Buch behandelt den Zeitrahmen, den auch die u.g. Zeittafel erfasst:
"...die Jagd Nelsons nach der ägyptischen Invasionsflotte Napoleon Bonapartes, dessen Eroberung Maltas, Nelsons Irrfahrt durch das Mittelmeer und schließlich eine detaillierte und faszinierende Schilderung der Schlacht von Aboukir. Die Hauptpersonen und Kapitäne werden kontrastreich porträtiert, die historischen Zwänge und Zusammenhänge lebendig in den erzählerisch anmutenden roten Faden integriert... Eine bestechende Abhandlung sowohl in historischer, soziologischer, technischer als auch erzählerischer Hinsicht, nicht nur für wissenschaftliche Profis. (Übersetzt aus HISTORIA)

Chronologie der europäischen Seekriege 1793 bis 1815, Band 1, bis 1802
Chronologie der europäischen Seekriege 1793 - 1815
Band 1 : Von 1793 bis zum Frieden von Amiens 1802

von Thomas Siebe
Sprache: Deutsch Broschiert - 224 Seiten - BoD
ISBN 978-3-8423-2883-9 Erschienen: September 2010
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Abukir-Startseite
1. Die Vorgeschichte zur " Battle of the Nile "
3. Die Schlacht
Zeittafel um Abukir, Nelson, Malta und die LEANDER

2. Nelsons Jagd auf Napoleons Flotte


Im März 1798 genehmigte das Direktorium Napoleon Bonapartes Plan zur Invasion Ägyptens 1 und der junge General begann sogleich die Vorbereitungen für einen Feldzug, der sowohl als komplexes militärisches Unternehmen als auch als wissenschaftliche Expedition konzipiert war. Schon Anfang April landeten die ersten französischen Wissenschaftler - Geo- und Hydrographen - in Ägypten. Sie waren zum Teil von dem begabten Mathematiker und Kenner der Wissenschaftszene Bonaparte handverlesen und ideale Kundschafter.

Am 12.April hatte der zukünftige Eroberer die recht umfangreichen Befehle auf dem Tisch. Die lasen sich wie eine Wunschliste: Danach sollte der General Bonaparte sowohl Malta wie auch Ägypten erobern, die Engländer aus der gesamten Region verdrängen, den "Suezkanal" bauen, die Situation der Bevölkerung "verbessern" und in gutem Einvernehmen mit dem Sultan bleiben. Zur Entlastung sagte man Napoleon die Vorbereitung eines Scheinangriffs auf Irland zu - unnötig zu erwähnen, daß diese Absicht lediglich ansatzweise umgesetzt wurde. Es war dies lediglich ein Schein-Scheinangriff.

Inzwischen hatte am 10. April Konteradmiral Nelson auf der VANGUARD England verlassen. Am 26. April stieß er zur Atlantikflotte unter Lord St. Vincent und bekam den Befehl, mit einem Geschwader aus 3 Linienschiffen und einigen Fregatten vor Toulon zu kreuzen - zunächst hatte diese Mission vor allem Aufklärungscharakter.

General Napoleon Bonaparte
General Napoleon Bonaparte
Admiral Nelson
Horatio Nelson

Nelson lief am 4. Mai in Gibraltar ein, wo er auf die Schiffe traf, die seinem Geschwader zugewiesen worden waren. Dieses bestand zunächst aus der VANGUARD mit Kapitän Berry, der ORION unter Saumarez und der ALEXANDER unter Alexander Ball, alles Linienschiffe der 3.Klasse mit jeweils 74 Kanonen. Daneben verfügte Nelson noch über 4 Fregatten - die CAROLINE, FLORA, EMERALD und TERPSICHORE. Verpflegung und Ersatzmannschaften wurden an Bord genommen, kleinere Reperaturen wurden ausgeführt. Hätte der spätere englische Seeheld bereits Nachrichten über die Bedrohung Maltas gehabt, hätte er kaum 5 Tage verweilt. Am 9.Mai 1798 segelte Nelson dann von Gibraltar aus los - Kurs Toulon.

Napoleon Bonaparte hatte derweil in nicht ganz 10 Wochen Vorbereitung Erstaunliches geleistet. In fünf Häfen war genügend Schiffsraum - rund 400 Schiffe - versammelt worden und standen nunmehr Truppen zur Einschiffung bereit. In Toulon, Marseilles, Genua, Ajaccio und Civita Vechia warteten rund 38000 Soldaten, 800 Zivilisten, 1200 Pferde, 100 Geschütze, Munition, Verpflegung und Wasser auf den Moment zum Verladen. 13 Linienschiffe, ein Dutzend Fregatten und Korvetten und einige Kanonenboote sollten den Konvoi schützen.

Das Kommando über die Flotte bekam mit Vizeadmiral Brueys ein weniger erfahrener Offizier, der jedoch im Jahr zuvor durch einen Überraschungscoup - der Eroberung Korfus und der ionischen Inseln - auf sich aufmerksam gemacht hatte. Seine Bekanntschaft mit Bonaparte dürfte ihm ebenfalls zu diesem Kommando verholfen haben. Auf den frisch gebackenen Vizeadmiral warteten eine Menge Probleme, denn während viel Arbeit auf die Ausrüstung des Expeditionskorps konzentriert wurde, blieben andererseits für die marine Ausrüstung weniger Ressourcen. Auch die ihm zur Verfügung stehenden Schlacht- oder Linienschiffe waren z.T. in einem seeuntüchtigen Zustand und wurden nur notdürftig überholt. Sehr alte Schiffe wie die GUERRIER oder die CONQUERANT - zuvor schon außer Dienst gestellt - konnten ohne längere Reperaturen nicht voll armiert werden, außerdem fehlte es an erfahrenen Seeleuten.

Brueys fehlte offensichtlich das Durchsetzungsvermögen gegenüber Bonaparte, um die Belange der Marine ausreichend zur Geltung zu bringen. Sozusagen in letzter Minute wurden auf´s Geratewohl Leute an Bord geholt, sicher ist, das einige Linienschiffe personell trotzdem unterbesetzt blieben und dazu auch noch mit schlecht ausgebildeten Leuten segeln mußten. Bonaparte jedoch drängte zum Auslaufen und so setzte die Flotte in Toulon und Marseille am 19. Mai die Segel. Napoleon Bonaparte hatte sich auf dem riesigen, 120 Kanonen tragenden Flaggschiff der Flotte, der ORIENT, eingeschifft. Der General warnte schlechtgelaunt seinen Admiral, er werde schnell seekrank und er solle doch zu stürmisches Wetter meiden.

Zur gleichen Zeit steuerte das Geschwader Nelsons Toulon an und war damit praktisch auf Kollisionskurs mit der Flotte Napoleons. Das Klima - so wissen wir heute - hat in der Geschichte der Menschheit oft eine entscheidene Rolle gespielt. In diesem Fall war es ein schwerer, andauernder Mistralsturm, der am 20. Mai das Geschwader des jungen englischen Konteradmirals packte und so ein sehr wahrscheinliches Aufeinandertreffen mit der französischen Flotte verhinderte.

Der Sturm hätte sogar fast das vorzeitige Ende Nelsons bedeutet, denn die VANGUARD wurde in der Nacht zum 21. Mai durch heulende Böen entmastet und zu einem hilflosen Wrack, daß in Richtung auf die Klippen Korsikas trieb.

Vor dem Sturm - wahrscheinlich keine 50 Meilen entfernt - trafen inzwischen Schiffe - aus Genua kommend und von D´Hillis und Murat kommandiert - auf Napoleons Konvoi. Sie waren mit 7100 Mann Infanterie und Kavallerie beladen. Die Franzosen wußten nichts von dem wahrscheinlich nur wenige Meilen entfernt in einem Sturm um sein Leben kämpfenden Nelson .

Napoleons gefallenen Göttinnen
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von Thomas Siebe
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ISBN 978-3-8391-0218-3 Erscheinungsdatum: Mai 2009
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Hier war das britische Geschwader inzwischen zersprengt worden, Nelson hatte die Fühlung zu seinen Fregatten verloren - ein schwerer Verlust, wie sich später herausstellten sollte. Jedoch hatte Kapitän Alexander Ball von der ALEXANDER der schon fast verlorenen VANGUARD spektakuläre Hilfe geleistet. Der Versuch, die riesige Hulk trotz Sturms mit der ALEXANDER in Schlepp zu nehmen, glückte. In typischer Nelson-Manier überging Ball dabei den Befehl Nelsons , die Schleppleine zu lösen.Auch die größten Flüche seines Admirals, der immer wieder befahl, die Leine loszuwerfen, ließen den nüchternen Kapitän unbeeindruckt 3. Das britische Geschwader bewegte sich auf das südwestliche Ende Sardiniens zu, um dort Schutz zu suchen.

Währenddessen erreichte am 23. Mai der Konvoi mit Bonaparte einen Treffpunkt in der Höhe des nördlichen Sardinien. Dort stieß das Kontingent aus Ajaccio unter General Vaubois zur Invasionsflotte - rund 4500 Mann. Bis zum 26. Mai wartet der Konvoi nun - letztlich vergeblich - auf das Kontingent aus Civita Vecchia unter Desaix. Letzterer hatte seine Flotte nicht rechtzeitig flott bekommen, lief aber nun am 26. Mai mit 8000 Mann an Bord aus und wählte den direkten Weg nach Malta. Bonaparte und Admiral Brueys indessen setzten ihren Weg schließlich mit Kurs auf Malta fort. Dabei passierte die große rund 400 Schiffe starke Flotte, wahrscheinlich nachts, eine kleine Insel an der südwestlichen Spitze Sardiniens - San Pietro. Hier hatte Nelson mit der schwer beschädigten VANGUARD, der ALEXANDER und der ORION Zuflucht gefunden. Der Gouverneur der Region - sein Land, zu Neapel gehörig, war übrigens formal im Kriegzustand mit Britannien - leistete dem Geschwader umfangreiche und wertvolle Hilfe aus privaten Beständen, ohne die Nelson zweifelsohne so schnell nicht flott geworden wäre. Aber nur wenige Stunden nach der Passage des französischen Expeditionskorps setzte das englische Geschwader Segel und Kurs - freilich in die Richtung, aus der Stunden zuvor Bonapartes Armada gekommen war. Nelson nahm mit der notdürftig reparierten VANGUARD und seinem Geschwader erneut Kurs auf Toulon.

Die Engländer erreichten am 31. Mai Toulon. Doch der Hafen war leer, die französische Armada mit unbekanntem Ziel ausgelaufen. Zumindest britische Fregatten4 hatte der englische Konteradmiral vorzufinden gehofft, aber auch hier Fehlanzeige. Nelson blieb nur die Möglichkeit, auf Verstärkung zu warten.

Bonapartes Flotte näherte sich nun Malta, wo schon das Kontingent von Desaix wartete. Aus Civita Vecchia kommend war er bereits am 6. Juni vor Malta angekommen. Am 7. Juni erlangte Nelson endlich Fühlung mit der Verstärkung unter Thomas Troubridge - 10 weiter Linienschiffe hatte Lord St. Vincent - inzwischen in Kenntnis des Ausmaßes der französischen Unternehmung - zu ihm abkommandiert.
Doch der kommandierende Admiral kannte das Ziel Bonapartes noch immer nicht. Auch hatte die englische Flotte keine Fregatten für die Aufklärung, lediglich eine kleine Brigg, die MUTINE, ersetzte nun die sonst obligatorischen "Augen" der Flotte.

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Am 9. Juni sichtete die französische Flotte Malta und bereitete die Landung vor. Am nächsten Tag landeten französische Truppen auf Gozo und an drei Orten auf Malta. Der Großmeister des Malteser Ordens - von Hompesch - weigert sich zwar, zu kapitulieren, leistete jedoch auch keinen großen Widerstand - mit der sicherlich militärisch eher schwachen Miliz hätte er doch rund 20000 Männer in den Kampf führen können, davon freilich nur 2500 ausgebildete Soldaten.

Später sollten die Franzosen unter Vaubois zeigen, daß aber trotzdem langer Widerstand in der Festung von La Valetta möglich gewesen wäre. Die inkonsequente Haltung des Großmeisters führte nun zu seiner Absetzung und am 11. Juni unterzeichneten Mitglieder des Malteser Ordens an Bord der ORIENT die Kapitulation. Am 12.Juni ging Bonaparte an Land und begann in der ihm eigenen Art aktiv zu werden: Er schaffte zunächst die auf Malta noch existierende Sklaverei ab 2 und machte Malta zu einem Teil der französischen Republik. Die Soldaten des Malteser Ordens wurden teils in die neuen Garnisonen, teils in die französische Armee überführt. Und vor allem wurde natürlich die Staatskasse, der Malteserschatz, requiriert. Napoleon ließ sich jedoch zu einem großen Fehler verleiten: Er plünderte die Kirchen und versuchte die streng katholischen Malteser per Dekret aus den Kirchen fernzuhalten. Damit legte er jedoch den Grundstein für den späteren Aufstand.

Ebenfalls am 12. Juni, weit entfernt vom maltesischen Schauplatz, suchte Nelson vor der Insel Elba nach Bonaparte oder Informationen über das französische Expeditionsheer. Am 14. Juni - vor Civita Vecchia - berichtete ein tunesisches Schiff den Engländern, es habe am 4. Juni die französische Flotte vor der Nordwestspitze Siziliens gesehen 5. Für Nelson erhärtete sich der Verdacht eines französischen Überfalls auf Malta, doch er steuerte zunächst Neapel an, wo er am 17. Juni in Kontakt mit dem britischen Gesandten Lord Hamilton trat. Auch Hamilton verfügte über Berichte, wonach eine Flotte französischer Schiffe vor Malta gesehen wurde. Am 18.Juni war Nelson bereits wieder auf dem Weg Richtung Meerenge von Messina - mit seinen Kapitänen diskutierte er bereits den Angriff auf eine ankernde Flotte.

Auf Malta bereitete sich zur selben Zeit die ägyptische Expedition auf die Weiterreise vor: Am 19. Juni setzte sich die gewaltige Armada schwerfällig in Bewegung, der Wind stand vorerst nicht günstig. Auf Malta und Gozo wurde General Vaubois mit rund 3000 Soldaten zurückgelassen. Letztere erwiesen sich in den nächsten Wochen als rücksichtslose Besatzer.

Nelson erreichte am 20. Juni Messina und erfuhr vom englischen Konsul, daß Malta am 15. Juni kapituliert habe. Die französische Flotte ankere zwischen Malta und Gozo. Nelson und seine Kapitäne waren hocherfreut und setzten sofort ihren Weg fort. Die schnelle MUTINE unter Thomas Hardy segelte immer voraus und suchte Kontakt mit anderen Schiffen, um Informationen zu gewinnen. In der Nacht vom 21. zum 22. Juni bekam Hardy dann vor Kap Passaro die ebenso ungenaue wie verhängnisvolle Information, die Franzosen hätten Malta bereits am 16. Juni mit unbekanntem Ziel verlassen.

Nelson mußte nun glauben, die französische Flotte habe einen großen Vorsprung. Malta anzusteuern hätte aus dieser Perspektive viel Zeit gekostet, doch Nelson wollte die Flotte noch fassen, bevor sie ausschiffte. Er legte sich nun auf Alexandria als wahrscheinlichstes Ziel Bonapartes fest, der Wind kam zudem nun stark aus WestNordWest, stand also günstig für die Jagd auf die vermeintlich enteilte Armada.

Und so kommt es am 22. Juni zu einem grandiosen Irrtum des späteren englischen Seehelden. In das Blickfeld englischer Schiffe gerieten die Segel zweier nordwestlich stehender Fregatten. Nelson konnte sich nun nicht vorstellen, daß es sich dabei um die Vorhut der französischen Armada handeln könnte, denn er vermutete Bonaparte schließlich weit vor sich. Hätte der englische Admiral Fregatten gehabt, hätten die sicherlich einen Blick riskiert, doch mit schwerfälligen Linienschiffen hätte dies womöglich zu Zeitverlust oder Schwächung des Geschwaders geführt. Im Gegenteil vermutete Nelson zunächst britische Fregatten, die ihn früher oder später einholen mußten. Und so kam es, daß beide Flotten wohl keine 20 Meilen voneinander entfernt waren, die Franzosen jedoch durch Nelsons kapitalen Fehler vorerst entkamen.

Nelsons Jagd auf Napoleons Flotte

In den nächsten Tagen bekam das englische Geschwader einen leichten Vorsprung vor dem großen französischen Konvoi. Am 26. Juni - vor Kreta - wurde der französische Admiral Brueys schließlich vor dem englischen Geschwader gewarnt. Zum ersten Mal überhaupt hatten die Franzosen nun Kenntnis von einem starken feindlichen Geschwader, daß nach ihnen suchte. Ob Brueys aus dem Standort der Briten die richtigen Schlüsse zog und nun die Fahrt weiter verlangsamte ist nicht bekannt.

Nelson sichtete Alexandria am 28. Juni und suchte nun die Küstevor der Nilmündung ab. Der Hafen von Alexandria war jedoch leer, keine Spur einer französischen Flotte war zu finden. Die Enttäuschung war für den Briten herb - nach dem leeren Hafen von Toulon bedeutete dies den zweiten harten Schlag für den jungen Admiral. Am 29.Juni entschloß er sich, daß nordöstliche Mittelmeerbecken abzusuchen und ließ zum ersten Mal sein Linienschiffgeschwader ausschwärmen - ein Zeichen, wie verzweifelt seine Suche sich gestaltete. Nur rund 36 Stunden nachdem die englischen Segel aus der Sicht der ehemaligen ägyptischen Nil-Metropole verschwanden, am 1. Juli 1798, konnte man von der ägyptischen Küste aus einen Wald von Segeln entdecken. Napoleon Bonapartes Armada hatte Alexandria erreicht.

In Ägypten

Die Invasionsflotte ankerte in der Bucht von Marabout, rund 7 Meilen westlich von Alexandria. Fregatten sicherten die Armada von See her, mit Kanonen armierte Boote sollten möglichen Widerstand bei der Landung bekämpfen.

Das Wetter war jedoch der ärgste Feind der Franzosen an diesem Tag. Es war stürmisch, der Wellengang entsprechend hoch. Auch neigte sich der Tag dem Ende zu. Doch wurde trotz untergehender Sonne sofort mit dem Ausbooten der Truppen begonnen. Dieser Entschluß kostete einer unbekannten Anzahl von Soldaten das Leben: Mindestens 100 Männer sollen bei der Landung in Ägypten ertrunken sein.

Den ungeduldigen General Bonaparte konnte das aber nicht aufhalten. Noch in der selben Nacht marschierte er mit einer kleinen, aber kampfstarken Truppe nach Alexandria und stürmte ohne größere Vorbereitung die Stadt. Die Franzosen stießen auf keinen nennenswerten Widerstand - in der Antike hatte Alexandria einmal 300000 Einwohner gehabt, 1798 waren es nur noch rund 6000.

Bereits am 3.Juli machte sich das Expeditionskorps auf den Weg nach Kairo, der mit einem Marsch durch die Wüste Richtung Nil begann. Zuvor hatte General Bonaparte als Oberbefehlshaber der Expedition Admiral Brueys befohlen, seine Schiffe im Hafen von Alexandria zu ankern. Außerdem nahm er rund 500 Seeleute der Kriegsflotte für seine Unternehmungen auf dem Nil mit. Sie standen unter dem Kommando des Kapitäns der MERCURE, Jean Baptiste Perrée.

Während sich die Armee ihren Weg durch die Wüste bahnte, mußte Admiral Brueys in Alexandria feststellen, daß Bonapartes Befehl zum Ankern im Hafen schwer ausführbar war. Schon in einer ersten Beratung mit seinen Offizieren am 4. Juli wurde die Bucht von Abukir als idealer Ankerplatz genannt und die Probleme mit dem Hafen von Alexandria als kurzfristig unlösbar betrachtet.

Der alte Hafen war ohnehin zu flach für Linienschiffe, der neue Hafen taugte in dieser Beziehung nur bedingt. Das Hauptproblem war der Tiefgang der ORIENT, für die der neue Hafen noch immer zu flach schien. Brueys bot sogar ortskundigen Lotsen eine Prämie, wenn sie die ORIENT unbeschädigt in den Hafen bringen könnten; es meldete sich niemand. Brueys hielt sich zwar die Option von Sprengungen zur Erhöhung der Wassertiefe offen, es kam jedoch nicht dazu.

Brian Lavery - The Ship of the Line. Vol. I: The development of the battlefleet 1650 - 1850.


Widerspruch gegen ein Verbleiben vor der Nilmündung kam indessen vom Zweitkommandierenden, Konteradmiral Blanquet du Chayla - er riet in Anbetracht des starken englischen Geschwaders, von dem man unterwegs Kunde bekommen hatte, dringend dazu, nach Korfu zu segeln, um dort Verstärkung zu holen. Blanquet warnte davor, mit einer passiv ankernden Schlachtlinie die Engländer zu erwarten. Brueys fühlte sich jedoch an die Befehle Bonapartes gebunden und war auch recht glücklich 6 mit dem Ankerplatz in der Bucht von Abukir, rund 12 Meilen östlich von Alexandria. Der französische Admiral betrachtete seine Position dort sogar als sehr stark, gedeckt durch Untiefen und Landbatterien.

Das erwartete englische Geschwader erschien jedoch vorerst nicht - Nelson nahm von Syrien kommend gerade wieder Kurs auf Kreta - und am 10.Juli erreichte Napoleon mit seinem Troß den Nil. Der weitere Vormarsch beschleunigte sich nun mit Booten unter dem Kommando von Kapitän Perrée. Am 13. Juli kam es zu einer ersten Schlacht mit den Mamelucken unter Murad Bey, bei der die auf Boote verladene Artillerie eine wesentliche Rolle spielte: Rund 5000 Mann Kavallerie wurden blutig zurückgeschlagen, Perrée jedoch verwundet. Die Verluste der Franzosen waren durchaus empfindlich.

In der Bucht von Abukir wurde indessen weiter entladen und die gespannte Erwartung der ersten Tage ließ nun langsam nach, denn die Engländer kamen nicht. Die ohnehin nicht sonderlich disziplinierten Besatzungen hatten umständehalber viel Kontakt mit dem Land und begannen einen schwunghaften Handel. Sogar eine Karronade von den GENEREUX verschwand von Bord, während die französischen Offiziere ihre Mannschaften bei den ersten Erfahrungen mit Dattelwein oder Opium beobachten mußten. Während die sittenstrengen Muslime von Abukir, Rosetta und Alexandria sich fernhielten, wurde die französische Flotte zum Anziehungspunkt weniger frommer Marketender und anderer Elemente. Mehr und mehr wurden die Disziplin, aber auch die Versorgung zu einem großen Problem - ausgerechnet Wasser drohte zum Beispiel knapp zu werden.

Die englische Flotte hatte auch in Kreta vergeblich nach Informationen über den Verbleib von Napoleons Armada gesucht und stand am 19. Juli wieder vor Syrakus, um dort Wasser und Brennholz zu ergänzen - dies wurde Nelson zunächst verweigert. Während der englische Admiral auf die Intervention des englischen Gesandten Lord Hamilton hoffte, errang Napoleon am 21. Juli seinen entscheidenden Sieg in der Schlacht bei den Pyramiden.

Während der General in Kairo einzog, schien sich Brueys vor Alexandria inzwischen zu überlegen, ob er nicht doch besser Korfu ansteuern sollte. Er rechnete wahrscheinlich gar nicht mehr mit dem Erscheinen der Engländer, sah aber möglicherweise die Sicherheit seines Geschwaders anderweitig bedroht - Bonapartes Heer beutete die Marine an Vorräten und Arbeitskraft aus, die Versorgung der Mannschaften war erbärmlich, die Disziplin dito. Arbeiten an Bord wurden von den Mannschaften nur noch widerstrebend und schlampig ausgeführt, das Klima machte den Besatzungen ebenfalls zu schaffen, Desertion und Meuterei lag in der Luft. An Bord des Flaggschiffes stolperte man selbst am Tag der Schlacht noch über Farbeimer, obwohl der Anstrich bereits am 8.Juli begonnen hatte. Wahrscheinlich zog Brueys seine Fregatten aus all diesen Gründen in die Bucht zurück und vernachlässigte die Feindaufklärung.

Doch Bonaparte - entgegen allen Darstellungen, die er später abgab - hielt Brueys vor Abukir fest. Er benötigte die Flotte, ihre Seeleute und Arbeitsressourcen z.B. zur Sicherung der Transporte von Alexandria, als Brunnenbohrer und "Nilkapitäne".

Inzwischen hatte Nelson durch Hamiltons Intervention Zugang in Syrakus gefunden und sein Geschwader versorgt. Alle Nachrichten, die er dort erhielt, sprachen dafür, daß Bonapartes Unternehmen Ägypten gegolten haben mußte. Am 25. Juli lief Nelson mit Ziel Alexandria erneut aus, unterwegs verdichteten sich die Informationen über eine nach Ägypten gesegelte französische Flotte. Am 1. August sichteten die Engländer die ägyptische Küste.

Die Bucht von Abukir

Teil 3 : Die Schlacht


Fußnoten

1 Die Finanzierung durch die Schweizer (!) und die römische Republik waren nun gesichert.

2 Die rund 2000 nun ehemaligen - zumeist muslimischen - Sklaven wurden jedoch z.T. prompt rekrutiert. Als Erster Konsul wird Bonaparte übrigens am 20.Mai 1802 die Sklaverei in den Kolonien wieder einführen.

3 Ball war bei der ersten Begegnung von Nelson in Gibraltar recht kühl aufgenommen worden. Aus unbekannten Gründen mochte Nelson den Kapitän der ALEXANDER zunächst nicht. Angeblich soll es zwischen beiden Kapitänen 1783 zu Verstimmungen gekommen sein - angelegentlich eines Urlaubs in Frankreich. Tatsächlich ist gar nicht bekannt, ob sich Nelson und Ball zuvor überhaupt persönlich kannten. Nachdem jedenfalls der Admiral und sein Schiff Ball das Leben verdankten, entstand zwischen den beiden eine herzliche Freundschaft.

4 Aus mir nicht bekannten Gründen waren die Fregatten nach dem Sturm alle nach Gibraltar zurückgekehrt und hatten dabei die Verstärkung für Nelsons Geschwader unter Saumarez - immerhin 10 Linienschiffe - unterwegs ebenfalls nicht gesichtet. Das Saumarez´ großes Geschwader keine Fregatten mit sich führte, während Nelson zunächst deren gleich vier Schiffe dieses Typs bei sich hatte, deutet auf ein ausgesprochenes Mismanagement hin.

5 Wahrscheinlich handelte es sich dabei um Desaix ´s Flottille aus Civita Vecchia.

6 Dies schrieb er am 13. Juli an Bonaparte. Er hielt die Position seiner geankerten Schlachtlinie für stark. Übrigens bezeichnete auch Nelson die Linie der Franzosen in seinem Bericht über die Schlacht als "strong". Dies ist vielleicht ein wenig entlastend für den unglücklichen französischen Admiral.


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