Seeschlacht.tk - Schlachten und Duelle zur See von 1775 bis 1815
Chronologie der europäischen Seekriege 1793 bis 1815, Band 1, bis 1802
Chronologie der europäischen Seekriege 1793 - 1815
Band 1 : Von 1793 bis zum Frieden von Amiens 1802

von Thomas Siebe
Sprache: Deutsch Broschiert - 224 Seiten - BoD
ISBN 978-3-8423-2883-9 Erschienen: September 2010
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Beispiel-Seiten
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Kleine Notiz über die englische Kriegsgerichtspraxis in der Age of Sail

Ein Kriegsgericht sollte nicht nur Übeltäter verurteilen, es sollte die Instanz sein, die fragwürdige oder als fragwürdig hingestellte Handlungen von Offizieren und Mannschaften untersuchen sollte. Kriegsgerichtliche Untersuchungen, dem eigentlichen Gericht vorgeschaltet, waren eine Art Schiedsstelle, wie das folgende Beispiel aus James Naval History, Teil 5, Seite 66, zeigt:

Der Kapitän der englischen Fregatte DEDAIGNEUSE, William Beauchamp Proctor, reagierte auf Anspielungen seiner Offiziere mit der Beantragung eines Kriegsgerichts
...some insinuations, thrown out by a portion of his officers, had induced Captain Proctor to apply for a court-martial on his conduct when in the presence of the Sémillante. The court sat on board the Culloden, in Bombay harbour, on the 27th of March, 1807...

Man konnte das aber wohl nicht erzwingen, wie das Beispiel des Kapitän Losack von der RACEHORSE zeigt:

...Losack verlangte wegen des impliziten Tadels seines Kommodore zu Recht - gemessen an vergleichbaren Fällen dieser Ära - ein Kriegsgerichtsverfahren. Damit beabsichtigte der Kommandant der GALATEA, sich gegen die Kritik Schombergs zu wehren.
Zitiert nach Fregattenschlacht vor Tamatave.

Das ein Tribunal wohl sogar als Anklage gegen jemanden genutzt werden konnte, der da gar nicht vor Gericht stand, kann man z.B. aus dem Tagebuch von Matthew Flinders, Eintragung vom 18. August 1805, ersehen:

Determine to have a court-martial upon the loss of schooner, as it will give me an opportunity of making known my treatment in this island in an official manner....

Das Kriegsgericht sollte also die schlechte Behandlung des später berühmten Australien-Forschers durch die Franzosen auf Mauritius an die Öffentlichkeit bringen und besonders den Gouverneur der Insel vor der Öffentlichkeit anklagen. So wurden die eigentlich doch so schrecklichen Kriegsgerichte nicht mehr ganz so schrecklich als Mittel zum Zweck gebraucht.

Die meisten Verhandlungen dieser Zeit, besonders gegen Offiziere, endeten mit Freisprüchen. Bei Schuldsprüchen wurde am häufigsten eine Rüge ausgesprochen, seltener wurden Männer aus dem Dienst entlassen und ganz selten, besonders für Offiziere, gab es richtig deftige Strafen. Die Todesstrafe nach Kriegsgerichten war ganz, ganz selten und man mußte wohl schon gemeutert oder gemordet haben.

Das das selten war, zeigt sich daran, daß damals ein Verfahren und Urteil wie gegen die Meuterer der BOUNTY Aufsehen erregte wie heute der Michael Jackson-Freispruch. In keinem Fall waren drakonische Kriegsgerichtsurteile also Alltag, wie das so mancher Hollywood-Schinken suggeriert. .


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Napoleons gefallene Göttinnen
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