Chronologie der europäischen Seekriege 1793 bis 1815, Band 1, bis 1802
Chronologie der europäischen Seekriege 1793 - 1815
Band 1 : Von 1793 bis zum Frieden von Amiens 1802

von Thomas Siebe
Sprache: Deutsch Broschiert - 224 Seiten - BoD
ISBN 978-3-8423-2883-9 Erschienen: September 2010
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Seeschlacht.tk - Schlachten und Duelle zur See von 1775 bis 1815
Thomas Sturges Jackson -
Logs of the great seafights


Napoleons gefallenen Göttinnen
SEESCHLACHT.TK - Das Buch

Napoleons gefallene Göttinnen
Die Geschichte der französischen MINERVE-Fregatten

von Thomas Siebe
Sprache: Deutsch Paperback - 349 Seiten - BoD
ISBN 978-3-8391-0218-3 Erscheinungsdatum: Mai 2009
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Die Klippen von Lissa

Fregattenschlacht in der Adria

Die meisten Historiker bringen mit der Seeschlacht von Lissa vermutlich zuerst das Gefecht von 1866 zwischen einer italienischen und einer österreichischen (!) Flotte in Verbindung - die letzte Schlacht zur See, bei denen einige Kriegsschiffe noch segelten.
Die Seeschlacht vor Lissa 1811 dagegen ist bestenfalls bei einigen Lesern marinehistorischer Romane berühmt 6, sonst aber ein historisch eher unbekanntes Datum der napoleonischen Ära. Seeschlachten wie Trafalgar 1805 oder Abukir 1798, in denen große Linienschiffgeschwader aufeinanderprallten, stellen natürlich sichtbar bedeutendere Ereignisse dar. Doch obwohl wir am Morgen des 13. März 1811 vor der Insel Lissa insgesamt nur 9 Fregatten und einige kleinere Kriegsschiffe zählen, so ging es in dieser militärischen Auseinandersetzung doch um wesentlich mehr als nur um die Insel selbst oder die Seeherrschaft in der Adria - es ging um nichts weniger als die napoleonische Kontinentalsperre, das schwerste Geschütz im Wirtschaftskrieg des napoleonischen Frankreich gegen die Seemacht England. Die Niederlage der französischen Flotte erwies sich als einer der entscheidenden Schläge gegen den global angelegten Wirtschaftsboykott, der schließlich 1813 ausgehöhlt und unterwandert zusammenbrach.

Die Vorgeschichte zur Schlacht

Im Februar 1803 brach der Krieg zwischen England und dem napoleonischen Frankreich erneut aus. Von der gleichen Minute an nahm die englische Flotte ihre Seeblockade feindlicher Häfen wieder auf, die schon bis 1802 das seefahrende Frankreich gewürgt hatte. Dann manifestierte England seine Seeherrschaft durch den Sieg des englischen Seehelden Lord Nelson bei Trafalgar 1805 und die nachfolgenden kleineren Seeschlachten bei Kap Ortegal 1805 und Santo Domingo 1806, wonach das Netz dieser Blockade als unzerreißbar erschien.

Doch Napoleon Bonaparte hoffte, es den Briten mit gleicher Münze heimzuzahlen. Neben der militärischen Auseinandersetzung zwischen den beiden Nationen, die bis dato vornehmlich auf den Weltmeeren ausgetragen wurde, begann der Kaiser zunehmend auch einen Wirtschaftskrieg bzw. Boykott globalen Ausmaßes gegen den alten Feind einzuleiten. Am 21. November 1806 verkündete der französische Kaiser diesen Handelsboykott als Kontinentalsperre für britische Erzeugnisse und koloniale Waren, die im Laufe der Jahre nach und nach verschärft wurde, bis sie in einem totalen Handelsverbot mit England selbst über neutrale Mächte gipfelte.

Am Beispiel Portugal 1807 demonstrierte der französische Kaiser dann schlagend, daß er die Einhaltung seiner Boykottmaßnahmen gegen England auch mit militärischen Mitteln durchzusetzen gewillt war. Und England begann diese Blockade zu spüren, gerade auch im militärischen Bereich und beim Bau von Schiffen begannen Engpässe absehbar zu werden.
Auf der anderen Seite wuchsen die Probleme, die Kontinentalsperre aufrechtzuerhalten, mit jedem Meter Küstenlinie, die zum Imperium dazu kamen. Jede Bucht, jede Insel war unter diesen Umständen ein möglicher Schmugglertreff. Und die Briten förderten zur Unterwanderung der Kontinentalsperre an den Ufern des napoleonisch beherrschten Kontinents systematisch den Schmuggel, so auch in der Adria, an den Küsten Italiens und Dalmatiens.

Linienschiffschlachten 1794 - 1806 Download

Auf den ersten Blick sind bezüglich des Konflikts mit England maritime Probleme in der Adria kaum zu vermuten: 1807 hatten die Russen das strategisch wichtige, weil an der Passage in die Adria gelegene Korfu an Frankreich zurückgegeben. Die Westküste der Adria wurde gesäumt von den Königreichen Neapel und Italien (1805), Vasallenstaaten von Napoleons Gnaden und verwaltet von Verwandten wie z.B. seinem Schwager Joachim Murat als König von Neapel. Nach dem Frieden von Schönbrunn 1809 hatte Österreich die Gebiete an der Adria - in etwa entsprechend dem heutigen Kroatien und Slowenien - als "Illyrische Provinzen" an Frankreich abtreten müßen. Lediglich die Küste des heutigen Albanien wurde noch vom Osmanischen Reich beherrscht, ansonsten schien die napoleonische Herrschaft in der Adria unumschränkt - dies galt jedoch nur an Land.

1806 hatten die Briten die von den Franzosen seit dem Jahre 1802 allerdings nur schwach besetzte dalmatische Insel Lissa (heute: Vis) im Handstreich erobert und danach als Basis für ihre Aktionen in der Adria genutzt. Die Navy richtete sich auf Lissa nicht nur provisorisch ein, sondern bot auch einen Schutzhafen für Schmuggler und Freibeuter, die von den Briten z.T. auch noch ausgestattet wurden.

Da der Handel mit England ansonsten unterbunden war, blühte über Lissa der Schmuggel und die Freibeuterei - die unkontrollierbare dalmatische Küste und die weitläufigen Gestade Italiens war dafür ideale Regionen. Die Bevölkerungszahl auf Lissa schnellte innerhalb von 4 Jahren von knapp über 4000 Bewohnern auf rund 14000 Menschen (1811). Die Briten machten aus dem Hafen Vis oder - wie sie ihn nannten - Port St. George ein richtiges Piratennest mit Freibeutern aus aller Herren Länder und rüsteten viele gekaperte Schiffe erneut als Kaperschiffe aus, machten sozusagen aus geschorenen Schafen Wölfe der Adria 1. Dazu kamen die zahllosen Überfälle der Briten an der italienischen Küste, die das ohnehin wirtschaftlich "angespannte" Imperium wie hundert Nadelstiche trafen.

Dubourdieus Mission

Die Situation in der Adria entwickelte sich schließlich für das französische Kaiserreich und besonders für das System der Kontinentalsperre zu einer ständig blutende Wunde und im Kontext der anderen wirtschaftlichen und militärischen Probleme zu einer echten existentiellen Bedrohung. Lissa war zu einem gefährlichen Dorn im Fleisch des napoleonischen Imperiums geworden. In der für Napoleon typischen Ignoranz für die (Un)möglichkeiten der Seekriegsführung beschloß der Kaiser, die Insel zurückzuerobern und sandte einen seiner erfolgreichen Kapitäne - es waren wenig genug - in die Adria, um nichts weniger als Lissa zu erobern, die britischen Seestreitkräfte in der Adria zu schlagen und Freibeutertum sowie Schmuggel auszurotten.

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Dies waren die kaiserlichen Befehle für Kapitän Bernard Dubourdieu. Bonaparte war auf ihn aufmerksam geworden, nachdem Dubourdieu mit seiner Fregatte PENELOPE und in Kooperation mit einer anderen Fregatte am 27. Februar 1809 vor Toulon einen der wenigen Seesiege französischer Schiffe über die Briten feiern durfte, indem er die britische Fregatte PROSERPINE eroberte.
Bernard Dubourdieu war gewiß kein Suffren, Latouche-Treville geschweige denn ein Nelson, dafür aber ein solider Seemann, ein entschlossener Kämpfer und nicht ohne strategisches Talent.
Die Befehle des Kaisers waren allerdings um vieles leichter gesagt als getan, denn die Briten unterhielten in der Adria in der Regel mindestens ein Linienschiff bzw. Schlachtschiff, im betreffenden Zeitraum war dies die MONTAGU (74 - R. Moubray).
Die Franzosen bzw. Italiener dagegen hatten in dieser Region mit der RIVOLI (74) lediglich ein Schlachtschiff im Bau. Drei oder vier Fregatten aber konnten es kaum mit der MONTAGU aufnehmen.

Immerhin hatten es die Briten bis 1810 noch nicht für nötig gehalten, Lissa bzw. den Hafen von Vis zu befestigen oder sonderlich zu schützen. Dafür gab es mehrere Gründe, von denen die MONTAGU und schlagkräftige britische Fregatten bereits genannt wurde.
Aber die Engländer mußten sich bis 1811 die Herrschaft über Lissa gewissermaßen teilen: Auf der Insel existierte eine Art Schmuggler- und Freibeutermafia, die zwar den Schutz der britischen Navy genoß, aber eben auch ihre eigenen Interessen verfolgte. Reguläre britische Truppen gab es zu diesem Zeitpunkt auf der Insel nicht oder bestenfalls in geringer Stärke und sie wären wohl auch nicht ohne weiteres geduldet worden. Aus diesem Grunde wären befestigte britische Batterien ohne Schutz gewesen und deswegen... gab es sie nicht !
Weitere Gründe für die fehlenden Befestigungen waren natürlich die militärischen und finanziellen Ressourcen, die hätten investiert werden müßen. Auch war bis zum Vertrag von Schönbrunn 1809 und der folgenden französischen Übernahme der dalmatischen Küste der Druck auf Lissa noch nicht so groß gewesen - nun aber war das "Piratennest" von französischen Küsten umzingelt.

Soweit standen die Zeichen für eine Eroberung Lissas nicht schlecht. Der frischgebackene Kommodore Dubourdieu, der 1810 sein Kommando in Ancona antrat, sah sich aber auf der negativen Seite auch mit der Diskrepanz zwischen Versprechen und Realität konfrontiert : Bonapartes Schwager, Vizekönig von Italien, hatte ihm 1000 Mann italienische Truppen für die Invasion zugesagt - es blieb bei der Zusage.

Als der Zufall Kommodore Dubourdieu zunächst die Vorbereitung seines Angriffs auf das "Piraten- und Schmugglernest" erleichterte - während eines Angriffs auf die Insel Leukas (Ionische Inseln) wurde das Ruder der MONTAGU schwer beschädigt, so daß das britische Linienschiff nach Malta zur Reperatur abgezogen wurde - suchte Napoleons Mann für Lissa dann auch vergeblich nach einer regulären Invasionstruppe. Am Ende durfte Dubourdieu die Möglichkeit, auch ohne eine solche Truppe zuzuschlagen, nicht passieren lassen - die MONTAGU konnte nach ihrer Instandsetzung jederzeit in die Adria zurückkehren. Tatsächlich wurde das britische Linienschiff dann Anfang Oktober vor Korfu gesichtet. Hatte der französische Befehlshaber zu lange gewartet ?

 Historischer Schiffsmodellbau

Der erste Angriff auf Lissa

Dubourdieu sammelte am 5. Oktober seine kleine Flotte aus Fregatten und Korvetten in Ancona und verließ mit seinem Geschwader aus 5 Fregatten, zwei Briggs und drei kleineren Seglern den Hafen. Das Geschwader bestand aus den beiden französischen Fregatten FAVORITE (40 - Antonie Francois Zavier Delamare de Lamellerie) und URANIE (40 - Pierre Jean Baptiste Margolle-Sanier), den italienischen Fregatten CORONA (40 - Nicola Paschaligo), BELLONA (32 - Baralovich) und CAROLINA (32 - Palicuccia) sowie den beiden Briggs bzw. Korvetten JENA (16) und MERCURE (16). In letzter Minute hatte der Kommodore auch noch eine Hundertschaft Rekruten aus einer Kaserne in Chiozzo unter seinen Befehl gestellt, die er sozusagen hatte pressen müßen. Dubourdieu hoffte auf einen Überraschungsangriff gegen Lissa und möglicherweise dort ankernde britische Schiffe. Doch sein Vorhaben blieb nicht unbemerkt: Bereits am 6. Oktober stieß er auf die britischen Fregatten AMPHION unter dem Kommando von Kapitän William Hoste und ACTIVE (38), kommandiert von James Alexander Gordon. Die Briten waren längst auf die französisch-italienischen Aktivitäten aufmerksam geworden und hatten ihre Fregatten und besten Kapitäne in der Adria auf Dubourdieu angesetzt.

Kapitän und Kommodore William Hoste, zu diesem Zeitpunkt gerade 30 Jahre alt, war schon als Fähnrich ein Protegee Lord Nelsons gewesen und galt als ähnlich begabt wie sein großes Vorbild. Er hatte Aboukir 1798 als Leutnant erlebt und verfügte bereits über eine reichhaltige Kampferfahrung sowie hervorragende Kenntnisse der Adria, in der er schon 1801 als blutjunger Kommandant mit der berühmten Brigg MUTINE operiert hatte. Hoste vereinte - wie einst sein Freund und Förderer Nelson - taktische Brillanz mit dem unbedingten Willen zum Kampf auch gegen eine Übermacht. In diesem Fall war er jedoch fast 1:3 unterlegen und wich den anlaufenden Franzosen und Italienern aus, um sie lediglich zu beobachten, bis weitere britische Kriegsschiffe ihn unterstützen konnten.

Dubourdieus militärische Fähigkeiten mochten denen des Briten nachstehen, aber er wußte, wann er einen Vorteil verloren hatte... und vielleicht auch, wie man ihn sich wieder holt ! Zunächst verfolgte Dubourdieu die beiden britischen Schiffe, die einem Kampf aber mit Leichtigkeit ausweichen konnten. Ob es nun wegen einem aufkommender Sturm war oder doch reine Strategie, in jedem Fall veranlaßte Dubourdieu einen Kurswechsel und schien nach Ancona zurückzukehren - ob er dort wirklich noch einmal ankam, wie es William James in seiner Naval History schreibt, ist indessen fraglich.

Hoste steuerte umgehend Lissa an und verstärkte sich dort am 9. Oktober mit den Fregatten CERBERUS (32 - Henry Whitby) und der Sloop ACORN (18 - Robert Clephane). Dann setzte er - vielleicht von der eigenen Kampfeslust geblendet - Kurs auf Ancona und ging damit möglicherweise dem französischen Kapitän auf den Leim. In jedem Fall beging Hoste hier einen strategischen Fehler, zumal er nun auch gegen einen stetigen nördlichen Wind aufkreuzen mußte, der seinem Geschwader viel Zeit kostete. Als das englische Geschwader dann endlich am 20. Oktober vor Ancona stand, fand Hoste den Hafen leer. Das englische Geschwader stürmte umgehend zurück nach Lissa, doch auch hier fand sich keine Spur von den Franzosen. Hoste ging nun davon aus, daß das Ziel Dubourdieus möglicherweise Korfu war und ließ sein Geschwader vor nunmehr westlichem Wind nach Norden kreuzen.

Das Operationsgebiet um Lissa

Der französische Kommodore war irgendwann unbemerkt und vor dem günstigen Wind aus Nordrichtung um das britische Geschwader herum gekommen, hatte sich irgendwo nördlich der Insel herumgetrieben, möglicherweise vor Sibenik und fand den Weg nach Lissa nun frei. Am frühen Morgen des 21. Oktober stand er vor dem Hafen von Vis, vergewisserte sich über die Abwesenheit der britischen Fregatten und besonders der MONTAGU und erzwang sich dann mit der FAVORITE, CORONA und BELLONE Zufahrt.

Dubourdieu verlor keine Minute, landete seine kleine Truppe, schleifte, was immer er als Befestigung betrachtete, zerstörte Lagerhäuser und verbrannte eine große Anzahl Kaperschiffe - es sollen an die 60 gewesen sein. Außerdem nahm er als Prisen mit, was immer er konnte - offensichtlich hatte er Prisenbesatzungen für rund 30 Schiffe.
Es versteht sich, daß diese Zahlen aus einem offiziellen zeitgenössischen und französischen Bericht mit Vorsicht zu genießen sind, wie auch die lächerlich geringen Zahlen, die die Briten später nannten, kaum dem Bild von der starken Schiffsfluktuation auf Lissa entsprachen, das dieselben britische Berichte zeichneten.
Während ihres Aufenthaltes auf Lissa setzte die französisch-italienische Invasionstruppe rund 100 Leute fest, die als Gefangene mitgenommen wurden.

Um allerdings die Insel ganz zu nehmen, fehlten Dubourdieu die militärischen Kräfte. Ich hatte ja bereits erwähnt, daß es auf Lissa in den letzten Jahren ein gewaltiges Wachstum an Bevölkerung gegeben hatte, das keineswegs auf eine höhere Geburtenrate zurückzuführen war. Die französisch-italienische Truppe war also gegenüber einer spontan gebildeten Inselmiliz in vielfacher Unterzahl. Die Bevölkerung um Vis hatte sich zwar bis auf wenige Offizielle aus dem Bereich des Hafens zurückgezogen und war z.T. in die Berge geflüchtet. Sie wichen damit jedoch lediglich vor den französischen und italienischen Schiffskanonen aus, aber außerhalb der Schußweite der Kriegsschiffe endeten Dubourdieus Zugriffmöglichkeiten. Dort standen an diesem Tag einige der "Neubürger" Lissas, waren im Besitz von Feuerwaffen und auch gewillt, sie gegen Dubourdieus Rekrutentruppe zum Einsatz zu bringen. Diese Erfahrung machten einige italienische Rekruten, den plötzlich Musketenkugeln um die Köpfe schwirrten.

Immerhin sammelte der französische Kommodore bei seinem Angriff eine Menge Informationen und verschaffte sich die Gewißheit, daß er Lissa vollständig würde erobern können und auch müßen, um die Schmuggelei und Freibeuterei einigermaßen erfolgreich bekämpfen zu können - wenn er nur genügend Truppen und Kanonen auf die Insel bringen konnte.
So aber blieb sein Einfall in Vis eine Art lukratives Kommandounternehmen, daß aber jeden Moment - so waren die französischen Befürchtungen - von einem 74-Kanonen-Linienschiff oder einem britischen Fregattengeschwader oder sogar beidem empfindlich gestört werden konnte. Nachdem alles, was er an diesem Tag tun konnte, vollbracht war, verließ das Geschwader Lissa wieder, um die Prisen nach Ancona zu geleiten. Das Prisengeld würde den französischen Kommodore reich machen. Kein Wunder, daß sich Dubourdieu beeilte !

Ancona

Inzwischen war Hoste - wie einst Nelson 1798 auf seiner Suche nach Napoleons Flotte - herumgeirrt und hatte die Adria bis Korfu auf der Suche nach den Franzosen durchkreuzt, dann aber wieder Nordkurs eingeschlagen. Auf Lissa rauchten noch immer die Überreste der Lagerhäuser und verbrannten Schiffe , die Rauchsäulen machten Hoste schon von weitem seinen Fehler klar. Der Brite mußte auf der Insel gar nicht nachfragen, sondern machte sich sofort auf die Verfolgung - er kam jedoch zu spät. Auf seinem Rückweg mit Kurs Ancona wurde Dubourdieu zwar noch von Hostes Geschwader gesichtet und verfolgt, doch das französische Geschwader erreichte mit seinen Prisen sicher Ancona.

 Historischer Schiffsmodellbau

Historischer Schiffsmodellbau
von Philip Reed
Sprache: Deutsch
Broschiert - VTH
Der Modellbauer Phillip Reed dokumentiert in diesem Buch anhand von 384 SW-Fotos den Nachbau der bei Abukir eingesetzten MAJESTIC (74). Dabei stützt er sich auf alte Pläne und verrät viele Tricks, z.B. wie er Kanonenkugeln anfertigt. Das Buch ist wohl besonders reizvoll für erfahrene Modellbauer, die die MAJESTIC ebenfalls nachbauen wollen und vielleicht den ein oder anderen Kniff noch nicht kennen.

Für den ehrgeizigen englischen Kommodore war der französische Angriff auf Lissa eine Schlappe und muß eine bittere Pille gewesen sein - Hoste hatte den französischen Kapitän offensichtlich unterschätzt. Der Engländer beschloß zunächst, die Franzosen in Ancona zu blockieren, doch Ende November kam es zu einem folgenreichen Zusammenstoß zwischen der AMPHION und der Sloop VOLAGE. Beide Schiffe mußten zur Instandsetzung nach Malta geschleppt werden und konnten erst im Februar wieder zu den englischen Kräften in der Adria stoßen. Die Blockade wurde löchrig, doch inzwischen hatte die MONTAGU zurück in die Adria gefunden und damit war Dubourdieu ohnehin zum Abwarten verurteilt.

Um die Jahreswende traf Verstärkung durch zwei französische Fregatten aus Venedig ein. Die DANAE (40 - Eugene Sebastien Camille Villon) und die FLORA (40 - Jean Alexandre Peridier) erreichten Ancona, ohne behelligt zu werden. Auch standen nun plötzlich doch 500 Mann regulärer französischer und italienischer Truppen zur Einschiffung bereit, um Lissa zu erobern. Dubourdieus Erfolg auf Lissa hatte viel Aufmerksamkeit in Frankreich erregt und der König von Neapel persönlich hatte interveniert, nachdem er sich dem Vernehmen nach von seinem kaiserlichen Schwager Napoleon einige starke Worte hatte anhören müßen. Dubourdieu selbst wurde am 24. Februar 1811 zum Konteradmiral befördert.

Im Januar 1811 wurde die MONTAGU - ein wenig überraschend - zur Außerdienststellung nach England zurückbeordert und schien vorerst auch nicht ersetzt zu werden. Als obligatorisches britisches Schlachtschiff für die Adria wurde die EAGLE (74) tatsächlich erst im März (!) des Jahres auf den Weg geschickt. Nach letzten Informationen der Franzosen war die AMPHION ebenfalls noch nicht zurück in der Adria. Vor dem Hafen von Ancona ward seit Jahresbeginn auch kein stärkeres britisches Kriegsschiff mehr gesehen - ideale Randbedingungen für das Unternehmen Lissa ?
Es sieht tatsächlich so aus, als wollte die Navy dem Konteradmiral einen erneuten Ausflug nach Lissa schmackhaft machen. Dubourdieu blieb auch gar nichts anderes übrig, als seine Flotte erneut zu rüsten, denn die Erwartungen an ihn bezüglich der Eroberung der kleinen Adria-Insel waren nun denkbar hoch.

Am 11. März 1811 verließ dann ein französisch-italienisches Geschwader unter dem Kommando von Konteradmiral Bernard Dubourdieu den Hafen von Ancona. Sechs Fregatten standen unter dem Befehl des Eroberers in spe:

Die französischen FAVORITE (40 - Konteradmiral Dubourdieu, Kapitän Delamare de Lamellerie), DANAE (40 - Villon) und FLORE (40 - Peridier) sowie die italienischen, ehemalig venezianischen Fregatten CORONA (40 - Nicola Paschaligo), BELLONA (32 - Kapitän Duodo) und CAROLINA (32 - Leutnant Palicuccia). Daneben segelten noch die Korvette MERCURE (16), die Brigg PRINCIPESSA DE AUGUSTA (16), eine Schebecke (6) sowie zwei Kanonenboote. Das Geschwader hatte die 500 Soldaten an Bord, die zur Eroberung und Besetzung der Adria-Insel Lissa (Heute Vis) bestimmt waren. Insgesamt waren rund 2600 Mann an Bord der Flotte.

Remember Nelson !

Die Engländer hatten ihre Kräfte nordöstlich und nahe der Insel Lissa konzentriert, lediglich eine gute Seemeile vom Hafen St. George entfernt. Drei Fregatten und eine Korvette stark - also ähnlich wie im Jahr zuvor - schien dort Kapitän William Hoste auf Konteradmiral Dubourdieu zu warten - die AMPHION war längst in der Adria zurück.

Am Morgen des 13. März - um ca. 3:00 - sichtete die rund 2 Meilen nördlich vor Lissa stehende 38-Kanonen-Fregatte ACTIVE das französisch-italienische Geschwader. Kapitän James Gordon beeilte sich mit einem nordwestlichen Wind im Rücken, zum britischen Geschwader zu stoßen, um den englischen Kommodore 2 zu informieren. Hostes kleine Flotte bestand aus zwei weiteren Fregatten, dem Flaggschiff AMPHION (32) und der CERBERUS (32 - Henry Whitby) sowie der Korvette VOLAGE (22 - Phipps Hornby). Die Schiffe befanden sich zu diesem Zeitpunkt ungefähr zwischen Lissa und Lessina - somit konnten die anlaufenden Franzosen noch keine Ahnung haben, wie stark ihre Gegner an diesem Tag sein würden. Man kann den unverdrossen anlaufenden französischen Konteradmiral deswegen wohl kaum als zögerlichen Befehlshaber bezeichnen.

Dubourdieu hätte aber auch keinen Grund gehabt, wieder abzudrehen, denn seine Flotte war immerhin 2:1 überlegen. Hoste war zwar mit den Gewässern um die Insel Lissa bestens vertraut und man kann annehmen, daß er bereits einen Plan hatte, Dubourdieus Geschwader zu begegnen, dessen militärische Stärke ihm nur zu gut bekannt war und dessen Erscheinen er sichtlich erwartet hatte.
Die drei jungen 3 Fregattenkommandanten der englischen Linie waren darüber hinaus ein eingespieltes Team, das schon im Juni 1810 vor Triest erfolgreich gemeinsame Operationen ausgeführt hatte. Hoste und Gordon hatten dazu die Schlachten von St. Vincent 1797 und Abukir 1798 als Augenzeugen erlebt. Da mochten 300 französische Kanonen gegenüber rund 160 britischen Geschützen 4 bedrohlich wirken , aber ein guter Plan ist eine mächtige Waffe.

Thomas Sturges Jackson - Logs of the great seafights


Hoste begann jedenfalls mit seinem Geschwader, dem in Luv stehenden Gegner entgegenzukreuzen, eine nicht unbedingt konventionelle Maßnahme, wenn man nautisch gesprochen dem Feind gegenüber am Fuß des Berges steht. Um 6:00 ließ daraufhin der französische Konteradmiral seine Flotte in zwei Geschwader bzw. Keile teilen, um frontal in die britische Schlachtlinie hineinzustoßen, deren Kette zu zerreißen und die französische Übermacht in mehreren Einzelgefechten zur Geltung zu bringen5.

Dubourdieus Fregatte FAVORITE (40) führte das Steuerbord-Geschwader an, hinter ihm kam die FLORA (40), dann die BELLONA (32) und am Ende der Säule stand die MERCURE (16). An der Spitze des Backbord-Geschwaders stand Villons DANAE (40), hinter ihr segelte die CORONA (40), gefolgt von der CAROLINA (32). Die kleineren Schiffe wie die Brigg PRINCIPESSA AUGUSTA (16), die Schebecke und die zwei Kanonenboote mit den Truppen hatten sich ebenfalls dieser Säule angeschlossen, waren aber nicht unbedingt für den Einsatz in der Schlacht gedacht.
In dieser Formation und fast vor dem Wind stießen die Franzosen und Italiener nun auf die britische Linie herab.

Hoste formte seine Schiffe jedoch zu einer praktisch lückenlosen Linie, damit die Franzosen in seine Formation gar nicht erst einbrechen konnten. In übereinstimmenden Berichten beider Seiten steht gar geschrieben, daß der Abstand zwischen den britischen Schiffen in der Linie nur wenige Meter betragen hätte. Als sich die beiden feindlichen Säulen näherten, zeigten die am Winde segelnden britischen Schiffe ihnen ihre Steuerbordbreitseite. Um sich weiter an den Gegner anzunähern, hätten die Briten bald wieder wenden müßen und dann ihre Backbordseite präsentiert. Doch - wie sich noch zeigen sollte - hatte Hoste nun gar nicht mehr die Absicht, einen weiteren Schlag zu machen und zu wenden.

Lage um 8:00

Der Wind kam zu diesem Zeitpunkt schwach aus Nord/ Nordwest, die Schiffe erreichten eine Geschwindigkeit von ca. 3 Knoten - das entspricht rund 6 km/h oder menschlicher Schrittgeschwindigkeit. Als die französische Linie respektive das etwas vorgepreschte Flaggschiff FAVORITE in Schußweite kamen, signalisierte Hoste seinem Geschwader folgende Worte: "Remember Nelson" - Gedenket Nelson. Dieses Signal mochte damals als Anfeuerung und Hostes Widmung an sein verstorbenes Vorbild gedacht gewesen sein.
Ich finde den Gedanken aber auch nicht abwegig, daß dieses Signal möglicherweise auch mehr war, nämlich Teil eines abgesprochenen Plans und das verabredete Signal, nicht noch einmal zu wenden und den Schlag bis zur Insel durchzuhalten. Wenigstens wissen wir aber, daß zumindest Hoste keine großen Ähnlichkeiten zwischen der Schlacht von Trafalgar und den sich nähernden Franzosen sah 5.

Um ca. 8:45 feuerten AMPHION und ACTIVE die ersten Breitseiten auf die sich im Winkel von 90 Grad nähernde FAVORITE ab, die daraufhin den Winkel zuspitzte, also abfiel und ihrerseits das Feuer eröffnete.
Der Kurs der britischen Linie war fast ein Kollisionskurs mit dem Nordosten der Insel. Deswegen war Dubourdieu möglicherweise sicher, daß die Briten noch eine Wendung durchführen mußten, wonach seine Manöver natürlich sehr aussichtsreich gewesen wären. Vermutlich sah der französische Konteradmiral jedoch nicht einmal bis Lissa, sondern hoffte schlicht, in die Linie der Briten einbrechen zu können. Idealerweise wäre dies ja bei einer weiteren britischen Wendung der Spitze der zweiten Angriffssäule gelungen, um dann die britischen Schiffe in Einzelduelle gegen eine Übermacht zu zwingen.

Der "Trafalgar"-Plan Dubourdieus hatte jedoch drei Schwächen:
Ersten blieben die Engländer wider Erwarten auf ihrem Kollisonskurs mit den Klippen von Lissa und dachten gar nicht mehr daran, zu wenden.
Zweitens war die FAVORITE zu schnell oder anders herum: die ihr nachfolgenden Schiffe waren nun zu langsam und standen in zu spitzem Winkel zu der englischen Linie. So erreichte das französische Flaggschiff bereits um 8:30 mit gehörigem Vorsprung vor dem Rest des Geschwader die Engländer und bekam als Nebeneffekt sofort den konzentrierten Beschuß von AMPHION und ACTIVE zu spüren.
Und drittens fand die FAVORITE nicht die kleinste Lücke in der von Hoste geformten Schlachtlinie, weil die englischen Fregatten bzw. Korvette in denkbar geringem Abstand hintereinander segelten. Dubourdieu hatte sicherlich inzwischen erkannt, daß seine beiden Säulen die britische Linie nicht mehr im idealen rechten Winkel erreichen würden, hoffte aber wohl, er würde mit der FAVORITE die kleine englische Kette bereits sprengen können.

Nun aber erkannte er, daß der Angriff seines Geschwaders im spitzen Winkel enden und damit ohne den erwünschten Effekt sein würde, wenn er die britische Linie nicht stoppen konnte. Also luvte er stark an bzw. steuerte so frontal wie möglich das Spitzenschiff AMPHION an, um entweder die Lücke hinter ihr zu erzwingen oder die AMPHION in bewährter Manier am Besanmast zu rammen und dann zu entern - dies hätte den britischen "Amoklauf" auf die Klippen ebenfalls gestoppt.
Als die FAVORITE sich der AMPHION näherte , sammelten sich in Erwartung des Zusammenstoßes am Bug des Flaggschiffes die französischen Entermannschaften. Doch durch die geringe Geschwindigkeit der sich nähernden Schiffe und die glatte See waren die Männer für die englischen Kanoniere ein gutes Ziel. Das Feuer der Karronaden auf dem Achterdeck der AMPHION richtete unter den Franzosen am Bug der FAVORITE ein Blutbad an, denn die Geschosse durchschlugen auf diese geringe Distanz sogar das Schanzkleid des Schiffes, hinter dem sich viele Männer schutzsuchend geduckt hatten.
Besonders viele Opfer forderte bei dieser Gelegenheit aber auch eine auf Schiffen ungewöhnliche und selten zu findende Waffe: Die AMPHION hatte auf ihrem Achterdeck eine drehbare 5,5 Inch-Haubitze stehen, die 750 Musketenkugeln präzise in den Menschenhaufen schmetterte. Auch Kapitän Delamare de Lamellerie als Führer der Entermannschaften 7 wurde getötet.
Dem französischen Konteradmiral blieb nach diesen Volltreffern nichts anders übrig als wieder abzufallen und sich zunächst einmal auf Artilleriefeuer zu beschränken.


William Hoste
William Hoste
Kurzbiographie
Bernard Dubourdieu
Bernard Dubourdieu
Kurzbiographie
James Alexander Gordon
James Alexander Gordon
Kurzbiographie


Doch nun rächte es sich, daß Dubourdieu den eisern eingehaltenen Kurs der englischen Linie nicht genügend berücksichtigt hatte. Die Insel bzw. die Klippen davor näherten sich immer mehr und Hoste machte keinerlei Anstalten, nach Süden auszuweichen oder gar zu wenden. Fast sah es so aus, als wolle der britische Kommodore seine kleine Flotte auf den Klippen vor Lissa auflaufen lassen. Wenn der FAVORITE der Weg nach Süden durch die undurchdringliche englische Linie verbaut wäre, würde ihr nur ein in-den-Wind-drehen möglich sein. Dies hätte jedoch zwei buchstäblich entscheidende Nachteile gehabt - die Fregatte würde dabei der englischen Linie ihren schwächsten Punkt, nämlich das Heck zuwenden, während sie stark an Fahrt verlieren würde. Dies bedeutete eine oder mehrere Breitseiten eines jeden englischen Schiffes, die in das Heck der FAVORITE einschlagen würden. Als Nebeneffekt aber würde die FAVORITE auch noch ihren eigenen sich nähernden Schiffen im Weg sein. Deswegen war ein Ausweichen nach Norden für Dubourdieu indiskutabel. Also nützte nun die FAVORITE ihre Luvstellung, um einen leichten Vorsprung vor der englischen Linie herauszuarbeiten, damit sie sich schließlich vor die AMPHION werfen konnte. Um 9:30 war das Ostufer von Lissa kaum noch zwei Kabellängen entfernt, also wenig mehr als zweihundertfünfzig Meter, als die FAVORITE begann, nach Südwesten anzuluven, um sich vor die AMPHION zu werfen, die aber ihr Heck mehr und mehr in den Wind drehte und den Weg für die FAVORITE lang machte.

Die Vorentscheidung

Fast hätte es die FAVORITE geschafft,doch Dubourdieu hatte am Ende doch zuviel Zeit verloren, das Manöver kam zu spät. Die FAVORITE blieb wie von einem plötzlichen, kurzen Schüttelfrost befallen stehen: Sie war auf Grund gelaufen und saß sofort fest. Dabei schlug das Flaggschiff leck und nahm - leider nicht näher bezeichneten - Schaden an Takelage und Masten.
Dieser von Hoste provozierte Unfall des Gegners kam keinen Moment zu früh für die AMPHION, denn der englische Kommodore mußte fast im selben Moment in einer riskanten Halse nach Süden ausweichen, um nicht selbstmit einer Untiefe zu kollidieren. Hinter ihm folgte die ACTIVE dem Manöver des Flaggschiffes. Hostes Kenntnisse der Gewässer um Lissa und seine Standhaftigkeit hatten sich voll ausgezahlt, allerdings mit fürchterlichen Konsequenzen für das französische Flaggschiff. Denn noch während des englischen Manövers bekam die festsitzende FAVORITE von der AMPHION eine vernichtende Breitseite in den Backbordbug, gefolgt von einer Salve auf größere Distanz, abgefeuert durch die ACTIVE. Und genau diese letzten Breitseiten von Hostes Flaggschiff und Gordons Fregatte töteten den französischen Konteradmiral, der mehrfach durch Holzsplitter getroffen wurde und noch an Deck verblutete. Auf der anderen Seite kostete die Breitseite der ACTIVE Zeit, so daß zwischen ihr und der CERBERUS nach dem Halsen einer größere Lücke enstand - doch Kapitän Gordon hatte der Versuchung nicht widerstehen können, den bewegungslosen Gegner zu beharken.

Lage um 9:30

Und es entstand am anderen Ende der britischen Linie ein weiteres Problem für die Briten, denn die CERBERUS wurde während ihres Manövers von einer Breitseite der DANAE empfindlich getroffen. Ihr Ruder wurde beschädigt, so daß sie erst nicht richtig und dann langsamer herumkam als die Sloop VOLAGE, die nun an die Spitze der englischen Linie aufrückte - kein angenehmer Platz für das Schiffchen gegenüber den großen Fregatten DANAE und CORONA, die durch ihr frühes Anluven die Breitseiten der 38-Kanonen-Fregatte ACTIVE geschickt vermieden hatten. Dies geschah zwar um den Preis, daß die CAROLINE von ihren Kollegen behindert wurde und überhaupt nicht zum Schuß auf CERBERUS und VOLAGE kam, doch erschien dies ein eher geringes Übel verglichen mit dem Vorteil einer ausgebremsten ACTIVE, die über einen längeren Zeitraum nicht in das Gefecht eingreifen konnte. Andererseits konnte nun keines der nachfolgenden Schiffe der FAVORITE helfen oder gegebenenfalls FLORE und BELLONE gegen die AMPHION unterstützen.

Das englische Spiel mit den Klippen von Lissa, daß am Ende das feindliche Flaggschiff außer Gefecht gesetzt und Dubourdieu das Leben gekostet hatte, hatte nicht nur die Angriffsordnung der französischen und italienischen Schiffe gehörig durcheinandergewirbelt. Zunächst mußten darunter auch die VOLAGE und nicht zuletzt die AMPHION selbst leiden, denn Letztere bekam es gleich mit zwei feindlichen Fregatten zu tun, die an ihr hingen wie Kletten und drohten, sie von der englischen Linie zu isolieren. Von achtern waren die vor dem Winde laufenden FLORE und BELLONA herangekommen, hatten Hoste zu einem mehr südöstlichen denn östlichen Kurs gezwungen und drohten die AMPHION von beiden Seiten in die Zange zu nehmen. Sie schoben sich Steuerbord und Backbord langsam auf ungefähr halbe Höhe mit der nach Osten drängenden AMPHION, wobei Kapitän Peridier mit der FLORE am Ende einen ganzen Bogen um den Engländer fuhr und der AMPHION eine Breitseite in ihren wundesten Punkt, das Heck, jagen konnte. BELLONA und FLORE feuerten eine Breitseite nach der anderen ab, so schnell sie nur eben laden und schießen konnten - doch die englischen Besatzungen erwiesen sich in diesem Job auch vor Lissa als die besseren Geschützbedienungen und vergalten jeweils eine Breitseite mit ihrerseits zwei Salven.

Das verschollene Schiff

Schließlich aber flüchtete Hoste aus dem "Sandwich", indem er seinen Drang nach Osten plötzlich aufgab und vor den Bug der langsamer werdenden FLORA kreuzte. Die AMPHION verpasste der französischen Fregatte eine schwere Breitseite über den Backbordbug und beschädigte die Fock- und Hauptuntermasten erheblich. Auch Kapitän Peridier wurde schwer verletzt und mußte unter Deck getragen werden. Dafür mußte der englische Kommodore aber in Kauf nehmen, daß die BELLONA nun hinter das Heck des britischen Flaggschiffes kam. Die venezianische Breitseite durch das britische Heck war ein absehbares und unvermeidliches Ereignis. Eine kurze Warnung der Offiziere und die Kanoniere und Seeleute der AMPHION gingen - soweit sie konnten - zwischen den eigenen Kanonen in Deckung. Tatsächlich blieb diese Breitseite der BELLONA, immerhin in das Heck der AMPHION abgefeuert, ohne größere Wirkung - möglicherweise ließen auch nicht alle italienischen Batteriechefs feuern, um nicht die FLORE zu treffen. Hoste blieb sogar noch Zeit, durch eine erneute Wende die FLORE erneut von vorn unter Feuer zu nehmen, dann wandte die AMPHION ihre Breitseite dem Steuerbordbug der BELLONA zu. Für diesen Beschuß mußte sie nun zwar mit einer achtern einschlagenden Breitseite der FLORE zahlen, doch war diese Salve bereits deutlich geschwächt von der Wirkung des englischen Frontalbeschußes. Dafür hatte der britische Beschuß der italienischen Fregatte die Takelage derart zerzaust, daß diese vorübergehend ihre gesamte Manövrierfähigkeit einbüßte.

An der Spitze der englischen Linie hatte sich die VOLAGE gegenüber der weit überlegenen DANAE auf kurze Feuerdistanz noch recht gut verkauft, wobei ihr die 32-Pfünder-Bug-Karronaden gute Dienste geleistet hatte. Doch die DANAE erkannte schnell ihren Fehler, wählte alsbald eine größere Schußdistanz und brachte ihre Achtzehnpfünder effektvoll zum Tragen, während die Karronaden der VOLAGE auf diese Distanz wirkungslos wurden. Die VOLAGE geriet in eine verzweifelte Situation, schließlich feuerte nur noch ein Sechspfünder auf ihrem Achterdeck auf den überlegenen Gegner.

Auch die behinderte CERBERUS mußte schwere Treffer durch den Beschuß der CORONA hinnehmen, dann und wann schlugen auch Kugeln aus größerer Distanz von der vorsichtiger agierenden CAROLINE in ihre Decks ein. Der Erfolg der beiden italienischen Fregatten währte jedoch nicht lange, denn die ACTIVE, bislang noch ohne direkten Gegener, näherte sich nun bedrohlich, um ihre schweren und zahlreichen Geschützen zur Hilfe der CERBERUS und VOLAGE in die Waagschale zu werfen. Begünstigt wurde Kapitän Gordon dabei von einer aus Westen kommenden Brise.

Die Schlacht von Lissa - Schiffsbewegungen

Flucht und Kapitulation

Sowohl die DANAE als auch CORONA und CAROLINE ließen plötzlich - offensichtlich angesichts der sich nähernden ACTIVE - VOLAGE und CERBERUS liegen und segelten nordostwärts davon, verfolgt von der immerhin unbeschädigten englischen Fregatte, die zur Jagd jeden Quadratzentimeter Tuch in den Wind hängte. Erst die Flucht der drei Fregatten entschied die Schlacht für die Engländer.
Es ist - wie auch weiter unten - nur schwer zu erklären, warum die französische und die beiden italienischen Fregatten sich nicht dem Kampf mit der ACTIVE stellten und ihren gewonnenen Vorteil gegen die Manifestation der Niederlage eintauschten. Immerhin war ja zu diesem Zeitpunkt die CERBERUS angeschlagen und die VOLAGE war fast zum Schweigen gebracht worden. Bereits hier darf man den Verdacht haben, daß die Schiffe des Backbord-Geschwaders die Kampfkraft der ACTIVE bzw. den Typ des Schiffes falsch einschätzten.

Inzwischen hatte die AMPHION ihr Feuer auf die stärkere der beiden Gegnerinnen, die FLORE, konzentriert und z.T. geschickt die in ihren Manövern eingeschränkte BELLONE als Schild verwendet. Dann war die infolge ihrer Schäden behinderte italienische Fregatte wieder etwas zurückgeblieben. Doch auch Hostes Schiff war schwer durch das Duell mit zwei starken Gegnern gezeichnet. Gegen 11:00 gelang der AMPHION dann jedoch ein entscheidender Schlag gegen die FLORE, als sie erneut vor den Bug der französischen Fregatte gelangte und deren Decks der Länge nach bestreichen konnte. Auf dieses Manöver hin holte man auf der FLORE die Flagge nieder. Über die Kapitulation der französischen Fregatte konnte sich Hoste jedoch nicht lange freuen, denn die BELLONE - halbwegs notgetakelt - griff die angeschlagene AMPHION erneut an und die kleine MERCURE feuerte auf Distanz ebenfalls auf den Briten. Einige böse Treffer durch die Achtzehnpfünder der AMPHION verjagten die französische Korvette jedoch wieder.

Im Gefecht mit der BELLONE kam es nun zu einem bedeutsamen Zwischenfall: Im Duell zwischen AMPHION und BELLONE schienen italienische Achtzehnpfünderkugel - natürlich für die britische Fregatte bestimmt - die noch in der Nähe liegende FLORE getroffen zu haben. Auf dem geschlagenen französischen Schiff wurde dieser Beschuß jedoch als von der AMPHION kommend wahrgenommen, was zu Empörung und Wut an Bord des geschlagenen Schiffes führte. Ein Offizier warf sogar die niedergeholte Flagge in´s Meer, als wolle er die Kapitulation für nichtig erklären.

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Wegen des andauernden Gefechtes mit der BELLONE war es Hoste nicht gelungen, ein Prisenkommando zur FLORE hinüber zu schicken - das bewahrte die Besatzung der FLORE am Ende vor der Gefangenschaft und rettete dem französischen Kaiser eine Fregatte.Denn während die AMPHION der BELLONE nun die letzten Schläge versetzte, nahm die FLORE Fahrt auf und steuerte Ostkurs, womit sie sich von der AMPHION und BELLONE entfernte. Als die BELLONE gegen Mittag die Flagge strich - ihr Kapitän war gefallen - war die FLORE schon außerhalb der Schußweite der AMPHION. Sie kreuzte den Kurs den angeschlagenen CERBERUS und VOLAGE, wobei Letztere davon ausgingen, die FLORE sei in englischer Hand und folge der ACTIVE in ihrer Jagd auf den Rest des französisch-italienischen Geschwaders. So erreichte die FLORE später Lessina (Heute: Hvar), wohin sich auch die anderen Schiffe zurückzogen.

Außer der angeschlagenen CORONA, die zunächst immer mehr hinter CAROLINE und DANAE zurückgeblieben war. In einem Jagdgefecht hatte die ACTIVE eine Stunde lang Kugeln der fliehenden venezianischen Fregatte schlucken müßen. Gordon war um ca. 12:30 in die Schußweite der beiden 9-Pfünder-Heckgeschütze des italienischen Schiffes gekommen, hatte sich jedoch nicht abschrecken lassen und holte stetig auf. Gegen 13:30 erreichte die ACTIVE den Gegner und fing die CORONA sozusagen in letzter Minute ab. Die italienische Fregatte hätte schon fast auf den Schutz der Landbatterien Lessinas zählen können. Aber eigentlich wäre der gar nicht nötig gewesen: Kapitän Paschaligo hoffte indessen vergeblich auf die Hilfe der DANAE, deren Kapitän stur den Kurs nach LESSINA hielt. Auch die CAROLINE, allerdings schon fast im Kanal vor Lessina angelangt, kam der CORONA nicht zur Hilfe. Ohne Zweifel hätten Villon und Palicuccia die CORONA retten können. Es ist ein ungeklärtes Rätsel, warum sie Paschaligo und seine Männer im Stich ließen 10. Die in einiger Entfernung passierende FLORE wäre zur Hilfeleistung dagegen nicht in der Lage gewesen, weil sie selbst nur mit knapper Not den Hafen von Lessina erreichen konnte, bevor ihre zwei letzten Masten einknickten.

Innerhalb einer Stunde gelang es nun Kapitän Gordons Fregatte, die sich tapfer wehrende CORONA niederzuzwingen. Um ca. 14:30 strich Kapitän Paschaligo die Flagge und ließ ein Prisenkommando von der ACTIVE an Bord. Viele Blicke richteten sich aber nun, da der Kampf vorbei war, auf Lissa. Vom Deck der ACTIVE aus konnte man dort eine große Rauchsäule stehen sehen. Sie zeugte von der letzten Stunde der aufgelaufenen FAVORITE.

Auf dem französischen Flaggschiff hatte man das für die Briten erfolgreiche Gefecht der AMPHION und die Flucht der DANAE und CAROLINE verfolgt. Die FAVORITE saß auf den Untiefen fest und war leckgeschlagen, alle höheren Offiziere waren entweder tot oder schwer verletzt. So kam es, daß sich nur noch Fähnriche und Seeleute an Bord des französischen Flaggschiffes bemühten, die FAVORITE wieder flott zu bekommen - vergeblich. Das Kommando hatte inzwischen der Kommandeur der für Lissa bestimmten Invasionstruppe, Colonel Alexander Gifflenga, übernommen. Er bestimmte angesichts der Entwicklung der Schlacht auf See, das Schiff nicht in die Hände des Gegners fallen zu lassen und befahl, die FAVORITE in Brand zu setzen 9. Also evakuierte die Besatzung die Verwundeten in die Boote, legte Feuer im Schiff und ging in Lissa an Land. Es waren nur noch rund 230 Mann, die auf der Insel von einer großen Anzahl bewaffneter Einwohner erwartet und gefangen genommen wurden. Rund 150 Mann waren auf der FAVORITE getötet oder schwer verwundet worden. Die meisten Gefallenen waren noch an Bord des brennenden Schiffes, als das Feuer die Pulverkammer der FAVORITE erreichte und das Flaggschiff Dubourdieus um 16:00 durch mehrere schwere Explosionen gänzlich vernichtet wurde.

Neben diesen Tragödien spielte sich jedoch auch eine selten komische Szene vor dem Hafen von Vis ab:
Die Brigg PRINCIPESSA hatte beim Angriff auf die englische Linie den richtigen Zeitpunkt verpasst und es verschlug sie direkt vor die Hafeneinfahrt. Angesichts des feindlichen Schiffes strich ein im Hafen liegendes Kaperschiff von 14 Kanonen auf Veranlassung seines Kapitäns, der vollkommen fehlinformiert über den Verlauf der Schlacht war, sofort die Flagge ! Zwei zufällig im Hafen anwesende englische Fähnriche 8 "überredeten" diesen Kapitän nun, die Flagge wieder zu hissen und die PRINCIPESSA zu verfolgen, um seinen Job als Kaperfahrer zu machen. Die PRINCIPESSA, wie übrigens auch die MERCURE und die anderen kleinen Schiffe des französisch-italienischen Geschwaders, entkam jedoch ohne Probleme.

 DAS SCHIFF von Stephen Biesty, Richard Platt
Englische Version des in Deutschland weitgehend vergriffenen Werkes von Stephen Biesty, Richard Platt

Die Schlacht hatte an diesem Tag vielen Männern das Leben gekostet, doch nach ihrem Ende forderte ein alter Feind ihrer hölzernen Schiffe noch weitere Tote: Die CORONA, von der ACTIVE in Schlepp genommen, fing aus ungeklärter Ursache und unvermittelt Feuer in ihrer zerschossenen Takelage. Der von dem reichhaltigen Funkenflug bedrohten ACTIVE blieb nichts anderes übrig, als die Schleppleine loszuwerfen und dem Prisenkommando die Bekämpfung des Brandes zu überlassen. Erst nach geraumer Zeit und unter großen Opfern - 5 britische Seeleute wurden bei diesem Unglück getötet und viele Italiener ertranken bei ihrem Versuch, zur ACTIVE zu schwimmen - bekamen die Briten das Feuer unter Kontrolle. Dies und die schreckliche Verlustbilanz trübte den Glanz des Sieges, den Kommodore William Hoste und seine Männer an diesem Tag errungen hatten.

Danach...

Die Briten zählten am Ende des Tages 50 Tote und 150 Verwundete inklusive der Brandopfer. Von den britischen Schiffen verlor die AMPHION die meisten Männer: 15 Tote und 46 Verwundete hatte Hoste zu beklagen, der selbst eine Schußwunde am Arm davontrug. Ähnlich schwer hatten CERBERUS und VOLAGE mit jeweils 13 Toten zu leiden gehabt, wobei die Korvette prozentual zu ihrer Besatzungsstärke die meisten Verluste überhaupt hatte.
Die französischen und italienischen Verluste wurden nie genau gezählt, die Schätzungen liegen bei rund 200 Toten und 450 Verwundeten.

Aus der eroberten CORONA wurde in der Navy die 38-Kanonen-Fregatte DAEDALUS, aus der BELLONE die DOVER. Wie es die Tradition wollte, wurden die Ersten Offiziere der beteiligten englischen Schiffe in den Rang eines Commanders befördert. Die Glücklichen waren die Leutnants David Dunn (AMPHION), James Dickinson (CERBERUS), William Henderson (ACTIVE) und William Wolrige (VOLAGE).

Weil die FLORE unbestreitbar kapituliert hatte, forderte William Hoste den Kapitän der FLORE, Peridier, in einem Brief höflich auf, das Schiff und seinen Degen der englischen Navy zu übergeben. An Stelle des verwundeten Peridier schrieb der Kapitän der DANAE dem englischen Sieger der Schlacht, die Flagge der FLORE sei nicht niedergeholt worden, sondern weggeschossen worden. Im übrigens möge Hoste sich diesbezüglich doch an den französischen Kaiser wenden. Der verwundete Hoste verzichtete darauf und reiste nach England, wo ihn Ritterschlag, eine Ehrenmedaille und eine Menge Ruhm erwartete.

Fast unmittelbar im Anschluß an die Seeschlacht - am 11. April 1811 - nahmen die Briten Lissa offiziell unter ihre Kontrolle, indem sie einen Gouverneur - Lieutenant-Colonel George Duncan Robertson - bestallten und rund 1000 Mann Truppenverstärkungen landeten. Massive Befestigungen wurden ausgebaut und zum Fort St. George erklärt.

Am 29. November 1811 manifestierten die Briten vor der Insel Pelagosa in einer weiteren, kleinen Fregattenschlacht ihre Herrschaft in der Adria: Die ACTIVE (38) unter Gordon schlug zusammen mit der ALCESTE (32 - Murray Maxwell) und UNITE (32 - Chamberlayne) die französischen Fregatten PAULINE (40), POMONE (40) und PERSANNE (en flute). Nur die PAULINE entkam den Briten.
Kommodore Gordon mußte diesen Sieg mit dem Verlust eines Beines bezahlen, was ihn aber nicht hinderte, weiter erfolgreich zur See zu fahren - 1869 war er der letzte überlebende Veteran, der noch mit Nelson bei Abukir gekämpft hatte.
Zum Zeitpunkt des Treffens bei Pelagosa war wieder einmal kein britisches Schlachtschiff in der Adria. Doch auch die englischen Linienschiffe bekamen in der Adria ihren Tag:

Noch im Jahr 1811 lief das französische Linienschiff RIVOLI (74) endlich vom Stapel und segelte fröhlich zu seiner Jungfernfahrt in den Golf von Venedig - die EAGLE war nach Malta abgezogen worden. Zum selben Zeitpunkt passierte jedoch die VICTORIOUS (74) unter dem Kommando von Kapitän John Talbot die Insel Korfu in Richtung Adria. Die französischen Kuriere, die diese Information nach Triest brachten, kamen zu spät: Am 22. Februar 1812 stellte die VICTORIOUS die RIVOLI und eroberte sie.

Kapitän Paschaligo durfte sich Ende 1812 über das Kommando des Linienschiffes REGENITORE (74) freuen, das er bis zum Ende des Krieges unangefochten führte.
Kapitän Villon hatte weniger Glück - wenige Monate nach der Schlacht von Lissa fing seine Fregatte DANAE im Hafen von Venedig Feuer und teilte das Schicksal der FAVORITE.

Die Kontinentalsperre brach 1813 endgültig zusammen.


 Der Kurs der PHOENIX - Entscheidung vor Kap Ortegal
Seeschlacht vor Kap Ortegal

 Trafalgar
Schlacht von Trafalgar

Seeschlacht in der Bucht von Abukir
Seeschlacht von Abukir

Glorious First of June - Seeschlacht vor Ushant vom 28. Mai bis 1. Juni 1794
Glorious First of June

Seeschlacht vor Kamperduim 1797
Seeschlacht vor Kamperduim 1797

Seeschlacht vor Kap St. Vincent am 14. Februar 1797
Schlacht vor Kap St. Vincent


 The Naval Chronicle

The Naval Chronicle: The Contemporary Record of the Royal Navy at War,
1793-1798 (The Naval Chronicle , No 1)

von Nicholas Tracy
Sprache: Englisch
Gebundene Ausgabe Erscheinungsdatum: Januar 1999

 Master & Commander

Master & Commander (Special Edition, 2 DVDs)
Darsteller: Russell Crowe, Paul Bettany Regie: Peter Weir
In Deutsch und Englisch, Bildformat: 2.35:1
DVD Erscheinungsdatum: 15. April 2004 , Produktion: 2003
DVD Features: Mehr als 3 Std. Bonusmaterial, Making- of- Featurette, Dokumentation 'Visuelle Effekte' Unveröffentlichte Szenen, HBO Special

Fußnoten

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1 = Wölfe der Adria wäre ein schöner Romantitel...

2 = Der Rang Kommodore, der u.a. berechtigte, einen roten Breitwimpel zu führen, war gerade in der englischen Navy eingeführt worden. Hoste war aber - wie zu diesem Zeitpunkt auch Dubourdieu - lediglich Kapitän zur See. Man bezeichnete aber auch schon vor Einführung des neuen Ranges jeden Kapitän, der kraft seines höheren Dienstalters mehrere größere Schiffe unter seinem Kommando hatte, als Kommodore. Dieser Tradition schließe ich mich hiermit an.

3 = Hoste (*1780), Gordon (*1782), Whitby (*1784), Hornby (*27. April 1785).

4 = Die Klammerzahl hinter den Schiffsnamen - z.B. AMPHION (32) - gibt die Anzahl der Kanonen an, die beim Entwurf des Schiffes vorgesehen bzw. für die das Schiff eingerichtet war. Jedoch war es höchst selten, daß ein Kapitän die Möglichkeiten, weitere Artillerie auf seinem Schiff aufzustellen, nicht nützte. Außerdem ist bei der Angabe der Kanonen nicht die Anzahl der Karronaden berücksichtigt - als das oben beschrieben Ratingsystem eingeführt wurde, gab es diese Nahkampfgeschütze noch nicht. Letzteres gilt auch bei den französischen Schiffen. Die angegebene Gesamtzahl der Geschütze von 160 bzw. 300 entspricht deswegen nicht der Addition der Klammerzahlen.

5 = Wegen der Teilung der französischen Flotte in zwei Keile wird die Schlacht bei Lissa - m.E. abwegigerweise - zuweilen auch als Little Trafalgar bezeichnet. Nelsons Manöver gegen eine meilenlange, zahlenmäßig überlegene Schlachtschifflinie mit dem Stoß einer überlegenen Phalanx gegen eine Linie aus vier Fregatten zu vergleichen ist aber lediglich Effekthascherei. Das französische Manöver ist eine logische Kräfteverteilung, die ganz natürlich die Übermacht der Franzosen und Italiener ausspielen soll - sie hat überhaupt nichts mit Abtrennung der Vorhut und Ausbremsen der Nachhut des Gegners zu tun, die Nelson bei Trafalgar verwirklichte.

6 = Nelson's Midshipman von Showell Styles, leider so gut wie vergriffen.

7 = William James äußerte in seiner Naval History die Vermutung, Dubourdieu sei als Führer der Entermannschaften bereits zu diesem Zeitpunkt gefallen. Doch James war nicht darüber informiert, daß Dubourdieu im Monat zuvor zum Konteradmiral befördert worden war und in dieser Funktion die ganze Flotte führte, während ihm ein Kapitän an Bord der FAVORITE unterstellt war. Ein Konteradmiral und Oberbefehlshaber führt gewöhnlich natürlich keine Entermannschaften an. Die französische Uniform, die die Briten von Bord der AMPHION aus fallen sahen, war folglich die des Kapitäns der FAVORITE.

8 = William James schreibt diesen beiden an diesem Tag offensichtlich viel beschäftigten Fähnrichen von der ACTIVE auch die Führung bei der Gefangennahme der Besatzung von der FAVORITE zu. Die Einheimischen von Lissa erwähnen die eifrigen britischen Offiziere aber in ihrer Inselgeschichte im Kontext dieses Geschehens nicht - also bewährten sie sich zu diesem Zeitpunkt wohl doch als Verteidiger des Hafens.

9 = Es gibt eine plausible These, wonach die FAVORITE bereits an einer Stelle brannte, als sie auflief. Die Bekämpfung des Feuers, die Bewältigung der Lecks und der Versuch, die FAVORITE wieder flott zu bekommen, führte zur Überlastung der Rettungsmaßnahmen. Ab einem bestimmten Punkt habe man deswegen das Schiff aufgegeben und dann brennen lassen.

10 = Dieses Phänomen ist auf Seiten der Revolutionsmarine bzw. späteren kaiserlichen Flotten ein wiederkehrendes Muster - von Abukir über Trafalgar und von Ortegal bis Lissa. Schon weil viele der Hilfeverweigerer zuviele Schlachten bestanden haben, kann der Gedanke an Feigheit als Motiv gar nicht aufkommen. Auch Mißgunst oder nationale Rivalitäten zwischen Franzosen und Marineverbänden eroberter Nationen kann bestenfalls im Einzelfall zutreffen - hier könnte es das Verhalten der DANAE möglicherweise erklären, nicht aber das der CAROLINE und schon gar nicht das von Villeneuve vor Aboukir oder Dumanoir vor Trafalgar. Ich habe den Verdacht, daß wir - die wir heute gerne urteilen wollen - vielleicht gar keine Ahnung haben, wie man damals auf einem Schiff in einer Schlacht die Umgebung wahrnehmen konnte. Ich persönlich würde z.B. nicht ausschließen, daß Kapitän Villon oder der vor ihm segelnde Palicuccia die weit hinter ihnen stehende ACTIVE für ein Linienschiff gehalten haben oder zumindest für möglich gehalten haben, daß das allseits gefürchtete Linienschiff nun doch noch auf den Plan getreten war. Uns Modellbewunderern von heute könnte eine solche Verwechslung natürlich nicht passieren, aber wir haben es ja auch nicht mit einem segelnden, viele Kabellängen entfernten Schiff zu tun, dessen Rumpf man kaum sehen konnte.

 The Star Captains

The Star Captains: Frigate Command in the Napoleonic Wars
von Tom Wareham
Sprache: Englisch
Gebundene Ausgabe - 256 Seiten - Chatham Publishing
Erscheinungsdatum:1. Juli 2003

Die Seeoffiziere der Royal Navy waren in den Kriegen von 1793 bis 1815 die erfolgreichsten Militärs. Unter ihnen ragte die Gruppe der Fregattenkapitäne besonders heraus. Was machte diese Männer so elitär ? Waren sie besser ? Individualistischer ? Hatten sie mehr Glück ? Oder hatten sie lediglich mehr Protektion ?

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