Chronologie der europäischen Seekriege 1793 bis 1815, Band 1, bis 1802
Chronologie der europäischen Seekriege 1793 - 1815
Band 1 : Von 1793 bis zum Frieden von Amiens 1802

von Thomas Siebe
Sprache: Deutsch Broschiert - 224 Seiten - BoD
ISBN 978-3-8423-2883-9 Erschienen: September 2010
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Kanonen vor Lyngør - Der Untergang der NAJADEN 1812



1812 war ein höchst ereignisreiches Jahr: Die sechste Koalition gegen Frankreich wurde gegründet, die USA erklärten Großbritannien den Krieg, Napoleon begann seinen Rußlandfeldzug und in Spanien erreichten die Kämpfe einen neuen Höhepunkt. Fast nur in Dänemark und Norwegen dagegen erinnert man sich an ein spektakuläres Seegefecht in einem norwegischen Fjord - die Schlacht vor Lyngør am 7. Juli 1812. Eingeleitet wurde dieses Gefecht durch das Manöver eines Linienschiffes, wie es in der Seekriegsgeschichte seinesgleichen sucht. Von allen Gefechten, über die ich bislang gelesen habe, ist dieser Handstreich eines jungen schottischen Kapitäns die spektakulärste oder auch verrückteste Aktion.

Zur Vorgeschichte

1812 gehörte das geographische Norwegen zu Dänemark und lag auf Seiten Napoleons u.a. mit England im Krieg. 1807 hatte der “Große Flottendiebstahl” (Siehe hier) und eine unbarmherzige englische Jagd auf alle größeren dänischen Kriegsschiffe Dänemark seiner gesamten Hochseeflotte beraubt. Das letzte dänische Linienschiff wurde am 22. März 1808 vernichtet. Zwar begannen die Dänen im August 1808 in Kopenhagen schon wieder mit dem Bau einer großen Fregatte, mußten aber bis 1812 mit Kanonenbooten und Kaperschiffen den Kampf gegen die riesige englische Flotte bestehen. Mit diesen vergleichsweise minimalen Mitteln erzielten sie zwar beachtliche Erfolge, mussten aber auch die Grenzen erfahren: Am 27. Februar 1811 z.B. scheiterte der dänische Kanonenboot-Angriff auf Anholt mit schweren Verlusten, u.a. übrigens an einem jungen Commander mit Namen James Pattison Stewart.

Im Oktober 1811 endlich lief die 1808 begonnene Fregatte vom Stapel, im Februar stellten die Dänen das Schiff mit dem Namen NAJADEN (36) in Dienst, nach späteren Angaben der Briten ein 44-Kanonenschiff mit Vierundzwanzigpfünder-Kanonen, tatsächlich aber nur eine schlichte und vergleichsweise unterbewaffnete Achtzehnpfünder-Fregatte. Kommandant wurde Kapitän Hans Peter Holm, der sich am 2. September 1811 durch die Eroberung der englischen Brigg MANLY empfohlen hatte.

Dänemarks Strategie im Kampf gegen die englische Seehoheit bestand zu diesem Zeitpunkt darin, die Geographie der dänischen und norwegischen Küsten auszunützen, um in schnellen Vorstößen die englischen Handelsrouten im Skagerrak und Öresund anzugreifen und sich dann wieder in die für große Segler kaum zugänglichen Untiefen und Fjorde ihrer Küsten zurückzuziehen. Die NAJADEN sollte mit Unterstützung kleinerer Schiffe dieselbe Taktik anwenden und wurde an die Südküste Norwegens beordert, um von dort aus ins Skagerrak vorzustoßen. Freilich hatte die schnelle Fregatte mit ihrem Tiefgang Probleme, in den Fjorden zu manövrieren, aber in der dänischen Admiralität setzte man auf die Ortskenntnis und Erfahrung ihres Kommandanten Hans Peter Holm und seiner Leute.

Die Briten erfuhren umgehend von dieser neuen Bedrohung und setzten zwei Geschwader auf den Gegner an. Neben einem Verband aus Briggs und der Fregatte CRESCENT (38) machte sich auch das Linienschiff DICTATOR (64) unter James Pattison Stewart auf die Suche nach der NAJADEN. Der angeblich erst 21-jährige Stewart war im Februar 1812 Kommandant des kleinen Linienschiffs geworden, nachdem er den erkrankten Kapitän William Autrige abgelöst hatte. Im Juni 1812 erreichte die DICTATOR die Südküste Norwegens und machte sich auf die Suche nach Holms Schiff, begleitet von den drei Kanonen-Briggs PODARGUS (18 - William Robilliard), CALYPSO (18 - Henry Weir) und FLAMER (14 - Thomas England).

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Regisseur Tom Clegg
Darsteller: Sean Bean, Daragh O'Malley, Toby Stephens
Format: Dolby, Limited Collector's Edition, Box-Set, 4:3
Sprache: Deutsch und Englisch
FSK: Freigegeben ab 16 Jahren
DVD-Erscheinungstermin: 13. November 2008
Spieldauer: 1688 Minuten

Verpackung: Nachbildung einer Kanonenkugel

Die NAJADEN hatte inzwischen auf der Jagd nach einem englischen Schiff - angeblich einer Fregatte - einen Mann und ihren Fockmast eingebüsst und wurde im Hafen von Arendal repariert. Die Besatzung wurde durch Seeleute aus Südnorwegen ergänzt, vielleicht weil Kapitän Holm mit seiner schlecht ausgebildeten Besatzung unzufrieden war, vielleicht auch, weil die Norweger die Küste besser kannten als ihre dänischen Kameraden. Insgesamt waren nun 336 Männer an Bord, wobei mir aber die Grösse des norwegischen Anteils an der Crew unbekannt ist.

Am 2. Juli 1812 setzte die dänisch-norwegische Fregatte wieder Segel, begleitet von den Briggs LAALAND (20 - F. Grodtschilling), 125 Mann Crew, SAMSOE (18 - A. Krieger), 125 Mann Crew, und KIEL (18 - O.F. Rasch), ebenfalls mit 125 Mann. Der Verband geriet jedoch bald in schlechtes Wetter und suchte Schutz auf einer Reede vor der Insel Sandøya.
Der genaue Ankerplatz des Geschwaders sorgt für Verwirrung. Er ist ohne Widersprüche aus den Quellen nicht zu rekonstruieren. Holm selbst schreibt in seinem Bericht:
“Am 6. Juli laae vi med Najaden, Briggerne Laaland, Samsø og Kiel ved Havnen under Sandøen, 2 Mile østen for Arendal...”.
Die Insel Sandøya ist jedoch wesentlich weiter als 2 Meilen von Arendal entfernt, so dass eine Reede in unmittelbarer Nähe der Insel - nähme man Holm beim Wort - eigentlich ausscheidet. Interessanterweise gibt es rund 2 Meilen südwestlich der genannten Insel den Holm-Sund, allerdings vor der Insel Staubø. Sollte dieser Sund nach dem dänischen Kommodore benannt worden sein, weil hier sein ursprünglicher Ankerplatz lag ? Dann aber läge zwischen diesem gedachten Ankerplatz und der explizit genannten Insel Sandøya noch die Insel Borøya, was diese Version wiederum unwahrscheinlich macht, denn sonst hätte der dänische Kapitän vermutlich Staubø oder Borøya erwähnt. Ausserdem ist natürlich auch dieser Ort zu weit von Arendal entfernt.
Oder war die Reede ein Punkt südlich der kleinen, der Südspitze Sandøyas vorgelagerten Insel Svinholmen und einer weiteren grösseren Insel, die wiederum von zahlreichen Inselchen umgeben ist. Diese Position entspricht zwar weitgehend den Beschreibungen, liegt aber auch noch in zu großer Distanz zu Arendal. Außerdem wären von See aus vermutlich mehr als die Mastspitzen des Geschwaders zu sehen gewesen.
Eine weitere Internet-Quelle nennt als Ankerplatz Raegevig auf Sandøya. Ist dieser Ort identisch mit dem auf den Karten zu findenden Rekvika ? Die einfachste Lösung wäre, dass im Holm-Bericht oder seiner Transkription schlicht die 1 vor der 2 vergessen wurde, denn 12 Meilen zwischen Arendal und der NAJADEN würden wieder ungefähr passen !

Die Verfolgung der NAJADEN durch die DICTATOR

Wie auch immer: Auf der Reede lag das dänisch-norwegische Geschwader auch noch am Nachmittag des 6. Juli 1812. Die Position schien sicher, denn eine direkte Einfahrt zu den Ankerplätzen war wegen der zahlreichen Untiefen nicht möglich. Außerdem stand unweit eine Sicht-Telegraphen-Station. Weitere Stationen zogen sich entlang der Küste und Holm durfte davon ausgehen, dass ihm die Sichtung feindlicher Schiffe umgehend mitgeteilt wurde.

Englisches Geschwader in Sicht

Der Kommodore des kleinen dänisch-norwegischen Geschwaders hatte an Bord der SAMSOE gespeist und sich dann mit seinen Kapitänen zu einem Spaziergang an Land (Sandøya ?) begeben, als die Dänen gegen 16:00 von den Hügeln aus zunächst eine sich rasch nähernde Brigg und schließlich weiter draußen auf See die Mastspitzen eines Geschwaders wahrnahmen.

Es war die DICTATOR mit ihren Begleitschiffen, von denen die CALYPSO dicht unter Land kundschaftete und die Brigg FLAMER, zwischen ihr und dem Rest des Geschwaders stehend, als Signalstation zwischen Kundschafter und Linienschiff diente. Die Männer auf der englischen Kriegsbrigg konnten hinter der Insel die Masten der Dänen sehen und informierten das Geschwader, das Kurs auf den Fjord nahm.
Stewart war bereits am Mittag gegen 12:00 Uhr 15 Meilen weiter östlich, in der Höhe von Rysør, von der Küstenbeobachtung gesehen worden. Sofort hatte der dortige Sicht-Telegraph die Meldung von einem unbekannten Geschwader vor der Küste weitergegeben. Doch ein Glied in der Kette der Signalstationen muss ausgefallen sein, denn die Nachricht hatte Holm nicht erreicht. Doch auch wenn der dänische Kommodore sie erhalten hätte, so kann man daraus nicht folgern, dass er sich tiefer in den Fjord zurückgezogen hätte. Der Kapitän der NAJADEN hatte wohl schlicht nicht damit gerechnet, dass man seine Masten von der CALYPSO aus entdecken konnte. Lediglich die in der Region stationierten Kanonenboote wären vermutlich präventiv um das Geschwader zusammengezogen worden.
Dies hätte die Briten aber wohl kaum abgeschreckt. Kanonenboote waren für ein manövrierfähiges Linienschiff nicht mehr wie Bienen für einen Bären. Laut Stewarts Bericht bekam er die Informationen von der CALYPSO einige Meilen südlich der Insel Merdø , einer dem Arendal-Fjord vorgelagerten kleinen Insel. Ein frischer Wind aus West-Südwest trieb die Engländer nun in Richtung Land, das dänische Geschwader wurde überrascht.

Holm und seine Kommandanten eilten an Bord ihrer Schiffe, denn die Absicht der englischen Schiffe lag natürlich auf der Hand. Zwar zweifelte Holm vermutlich daran, dass ihm das Linienschiff wegen seines großen Tiefgangs und der vermuteten Ortsunkenntnis der Engländer in den Fjord folgen würde, doch zumindest den kleineren britischen Zweimastern war ein Angriff durchaus zuzutrauen.

Stewart jedoch machte keinerlei Anstalten, mit der DICTATOR abzudrehen. Er verharrte mit seinem Geschwader eine halbe Stunde vor Sandøya, hielt Kriegsrat mit seinen Offizieren und segelte dann weiter nach Westen. An Bord der PODARGUS nämlich befand sich ein schottischer Seemann mit Namen Andrew Todd, der in friedlicheren Zeiten der Handelsschiffahrt die zerklüftete Küste Süd-Norwegens kennengelernt hatte. Er wies den Briten eine Passage in den Fjord.

Inzwischen machten sich zwei freilich unterbesetzte und viel zu leichte Geschützbatterien auf der Südseite der Insel Borøya feuerbereit, zu diesem Zeitpunkt aber stand lediglich eine Kanonenschaluppe unter Leutnant Parnemann bereit und wäre sicher keine Verstärkung für Holm gewesen. Insgesamt waren in diesem Küstengebiet nur 4 Kanonenschaluppen und 4 Kanonenjollen stationiert, die nun natürlich alarmiert wurden, jedoch zu spät. Die Briten hatten gegen 18:45 bereits die Passage erreicht.

Mit der PODARGUS als Führer schickte sich nun der Zweidecker an, in den Sund einzufahren. Ob Holm bereits zu diesem Zeitpunkt die Anker lichtete, ist mir nicht bekannt. Möglicherweise hatte er Glück, dass die PODARGUS bei ihrem Versuch, die Einfahrt zu nehmen, auf eine Untiefe mit dem Namen Buskskjaersteinen auflief und so einen Überraschungsangriff Stewarts zunächst verhinderte. Diese Verzögerung bewahrte die NAJADEN wohl vorerst vor dem Gefecht mit dem artilleristisch überlegenen Gegner.

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Kräfteverhältnisse

Es ist hier eine gute Gelegenheit, die Kräfteverhältnisse zwischen NAJADEN und DICTATOR klarzustellen:
Die dänische Fregatte war mit 26 langen Achtzehnpfünder-Kanonen im Artilleriedeck bewaffnet. An Deck trug sie 10 weitere Achtzehnpfünder-Kanonen kurzer Reichweite sowie 4 lange Sechspfünder. Über die hocheffektiven Karronaden verfügte das dänische Kriegsschiff nicht. Die DICTATOR hatte im Vergleich dazu auf ihrem unteren Artilleriedeck 26 Vierundzwanzigpfünder-Kanonen, im oberen Artilleriedeck 26 lange Achtzehnpfünder und an Deck 6 lange Neunpfünder. Dazu kamen aber noch 10 Zweiunddreissigpfünder-Karronaden. Holm hätte in einem Duell mit dieser Feuerkraft kaum eine Chance gegen den englischen Zweidecker gehabt. Interessant übrigens in diesem Zusammenhang, dass sogar die kleine englische CALYPSO wie auch die PODARGUS, die mit 16 Zweiunddreissigpfünder-Karronaden und 2 Neunpfünder-Kanonen bewaffnet waren, im Nahkampf Rumpf an Rumpf ein recht harter Gegner für die NAJADEN gewesen wären. Kurios: Die dänischen Briggs trugen wie die NAJADEN Achtzehnpfünder-Kanonen, jeweils 16 an der Zahl, freilich kurzläufige Geschütze dänischer Bauart.

Das Gefecht bei den Buskskjaersteinen

Das englische Geschwader ließ sich vom Unfall der PODARGUS nicht aufhalten: Stewart ließ die FLAMER als Schutz für die PODARGUS zurück, die vergeblich versuchte, wieder freizukommen. Der englische Kommodore setzte dann die CALYPSO an die Spitze, zweifelsohne mit dem schottischen Lotsen an Bord.
Holm bewegte sich inzwischen mit seinen Schiffen den Hagefjord aufwärts nach Nordosten. Der CALYPSO gelang die Passage, gefolgt von der DICTATOR. Das Feuer der Landbatterien, einer von Westen kommenden weiteren Kanonenschaluppe und der hinter einer Insel verborgenen Kanonenschaluppe von Leutnant Parnemann bedeuteten kaum Nadelstiche für das Linienschiff, zu schwach waren die Geschützstellungen auf Borøya.

Die Jagd auf die NAJADEN wurde begleitet von zeitweiligem Geschützfeuer der Buggeschütze der DICTATOR und der Heckgeschütze der Fregatte und ihrer Briggs. Auf dem Weg den Fjord hinauf griffen von Land her Feldgeschütze und schwach besetzte Geschützbatterien zugunsten der Verfolgten ein, auch zwei Kanonenschaluppen schossen kurzzeitig auf das Linienschiff, waren aber zu langsam, um der Jagd zu folgen.

Folgerichtig wandten sie sich dem lohnender erscheinenden Ziel der gestrandeten PODARGUS zu, so dass sich an den Buskskjaersteinen ein Gefecht zwischen den englischen Briggs und den mit jeweils einem Vierundzwanzigpfünder bewaffneten Kanonenbooten entwickelte. Letztere wurden durch die Landbatterien auf Borøya unterstützt, für die die Schussdistanz freilich sehr groß war. Vielleicht machten die dänischen Kanonenboote, die nun aus Arendal herbeieilten, den Fehler, sich ebenfalls auf das aufgelaufene englische Schiff zu konzentrieren. Wären sie der NAJADEN gefolgt, hätten sie möglicherweise das spätere Gefecht vor Lyngør beeinflussen können. Ihre Attacken gegen die beiden britischen Schiffe an den Buskskjaersteinen dauerten von 19:00 bis 1:00. Zu letzterem Zeitpunkt kam die PODARGUS, offensichtlich mit der Flut, dann endlich frei und rettete sich zusammen mit der FLAMER auf die offene See. Die Schiffe hatten natürlich gelitten, doch die Menschenverluste mit insgesamt einem Toten und 9 Verwundeten hielten sich in Grenzen, bedenkt man, wieviele Stunden sich die beiden Zweimaster unter Feuer befunden hatten.

Im Labyrinth der Fjorde

Die NAJADEN hatte inzwischen ihren Vorsprung vor den Verfolgern etwas ausbauen können, weil das Linienschiff natürlich an manchen Stellen des Fjordes vorsichtiger manövrierte. Holm hatte die Information, dass der Hafen von Lyngør ein idealer Zufluchtsort für sein Schiff sein könnte. Diese Reede lag im Dreieck zwischen drei Inseln und bot gerade genug Platz und Tiefgang für die NAJADEN und ihre Begleitschiffe. Außerdem waren dort noch zwei Kanonenjollen stationiert, weitere Kanonenboote konnten aus dem alarmierten Rysør zur Hilfe kommen und sich mit den insgesamt 8 Booten aus Arendal vereinigen. Diese Reede also schien der beste Fluchtort für die NAJADEN und das Geschwader.

Die Reede von Lyngør

Nach 12 Meilen, über einer Stunde Flucht und sporadischem Jagdgefecht lief das dänische Geschwader in den Hafen ein. Dabei musste ein schmaler, nicht einmal 80 Meter breiter Schlauch, der Store-Svale-Sund, passiert werden, um dann durch einen L-förmigen Knick in den Hafen zu gelangen. Die Dänen kamen problemlos hindurch, wobei es aber ein ziemlich interessantes Gedränge gegeben haben muss. Die Schiffe warfen Anker und der Süd-Südwestwind drückte sie aus der Fahrrinne des Sundes in den Hafen hinein, so das sie vor einem direkten Beschuss von außen gedeckt waren. Allerdings war die Enge drangvoll, die SAMSOE z.B. lag völlig hinter der NAJADEN und hätte gegen einen Gegner jenseits ihres Flaggschiffes nicht eingreifen können, weil die Fregatte ihr vollständig die Sicht und Schussbahn verstellte. Die beiden anderen Briggs wandten wie die NAJADEN dem Sund den Bug zu, dazwischen lagen die beiden Kanonenboote.

Die dänischen Schiffe ankerten um 20:30 und keiner der Kommandanten hätte sich vorstellen können, dass jetzt noch eine unmittelbare Bedrohung für ihre Schiffe existierte. Einen Angriff durch das englische Linienschiff hielten sie offensichtlich für unmöglich. Dies indiziert sich durch die Tatsache, dass sie ihre Schiffe weiter mit dem Bug zur Fahrrinne stehen ließen, anstatt Springs auszubringen und dem Ende der Passage so viel wie möglich von ihren kanonenbewehrten Breitseiten zuzuwenden. Gespannt, aber wohl auch mit einer gewissen Ruhe sahen sie den gegen 21:00 vor dem Svalesund eintreffenden Briten entgegen. Man kann Holm und seinen Männern dieses Gefühl der Sicherheit kaum vorwerfen, denn Stewarts nächste Handlungen sind auch aus heutiger Perspektive, sowie unter Berücksichtigung des aufgefrischten Windes als auch der räumlichen Verhältnisse zutiefst beeindruckend, vor allem, wenn man sich vor Augen hält, dass kurz vor seinem Husarenstück die viel kleinere CALYPSO schon an der Einfahrt zur Passage nach Lyngør Grundberührung bekam und kurzfristig auflief.

Die Brigg überholend aber drehte die große DICTATOR ihren Bug in den Schlauch zwischen den Inseln Holmen und Steinsøya. Mir ist nicht bekannt, ob Stewart zu diesem Zeitpunkt schon unter seinem Spitznamen “Mad Jim” bekannt war, an diesem Tag aber wurde er diesem Beinamen vollauf gerecht. Immerhin hatte er bei der Einfahrt die CALYPSO als helfende Wegmarke. Seine Rechnung für die Tiefe des Svale-Sunds war offenbar: Wo die NAJADEN offensichtlich problemlos passieren konnte, musste die DICTATOR ebenfalls hindurch und vor allem darüber hinweg passen - irgendwie. Und sie kam ohne Grundberührung hindurch ! Noch schien den Briten aber auch nicht klar, in welche Gefahr sie sich dabei am Ende begaben - abgesehen von den nautischen Unwägbarkeiten.

Stewart, der im März 1811 während des dänischen Angriffs auf die Insel Anholt mit der Brigg SHELDRAKE (18) gegen eine Flotte von 12 Kanonenbooten gekämpft hatte, nahm Kanonenboote offensichtlich nicht besonders ernst. Vor Anholt hatte er damals mit der Brigg zwei dieser Boote erobert und ein drittes versenkt. Diese Erfahrung erleichterte ihm vermutlich die Entscheidung, in den engen Svale-Sund einzufahren, obwohl ihm sicher klar war, dass er nicht so leicht wieder würde herausfinden können. Dazu gehörte dann auch ein gewisses Vertrauen zu den Fähigkeiten der CALYPSO, die Kanonenboote von ihrem fast bewegungslosen Gegner fernzuhalten.

Das nächste Problem stellte sich aber im Inseldreieck: Das Schiff mußte genau dort zu Stillstand kommen. Die Schritte des Manövers, das Stewart anwandte, sind mir nicht im Detail bekannt. Jedenfalls warf er Anker bzw. ließ einen Heckanker am felsigen Ufer von Steinsøya verankern. Die DICTATOR verlor Fahrt, doch am Ende war ihr Bugspriet nur noch wenige Meter von den Felsen der Insel entfernt. Ein zweiter Anker direkt hinter dem Heck sorgte dafür, dass das Schiff mit der Breitseite zu den vor Lyngør ankernden Feinschiffen justiert wurde. Wie dieses Manöver genau ausgeführt wurde, entzieht sich meiner Kenntnis. Vermutlich war für einen der Anker sogar eine Landungsabteilung auf Steinsøya notwendig, deren Handlungen mit den Bewegungen des Linienschiffes koordiniert werden mussten. Der ganze Vorgang zeugt von einer außerordentlich gut ausgebildeten Crew. Bleibt nur zu sagen: Ein unglaubliches Manöver !

Man kann sich das wachsende Entsetzen der dänischen Offiziere und Mannschaften vorstellen, während die DICTATOR in den Sund glitt, fast mit einem Ruck zum Stillstand kam, sich passend vor den Bug den dänischen Schiffe legte, nicht einmal 50 Meter von ihrem Hauptziel NAJADEN entfernt, und Anstalten traf, die erste Breitseite abzufeuern. Es war 21:20, als die Kanonen des Linienschiffes auf der ganzen Linie der englischen Backbordseite losbrüllten und die Hölle auf die Männer der NAJADEN hereinzubrechen schien..

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Die Schlacht

Auf der NAJADEN waren sicherlich schon vor der Feuereröffnung der Briten Maßnahmen ergriffen worden, die Fregatte herumzuwerfen, um den Engländern die Breitseite zu bieten. Möglicherweise begann der Däne also schon, sich zu drehen und stand so sogar noch ungünstiger zu den Kanonen des Engländers.
Bei einem klassischen Längsbeschuss in einer Stellung von 90° zum feuernden Schiff rasen die Geschosse der Länge nach über das Deck des Zieles, doch wenigstens ist in diesem Fall die Trefferfläche ziemlich klein und die eine oder andere Kugel verfehlt seitlich das Ziel. In einem Winkel von 70° bis 80° aber vergrößert sich die Trefferfläche, ohne das der eigentliche Effekt des Längsbeschusses, nämlich die multiplen Treffer eines Geschosses, wesentlich gemindert wird.
Dies ist wohl hier der Fall gewesen, denn schon die erste Breitseite der DICTATOR zeigte verheerende Wirkung auf der dänischen Fregatte. Alle drei Masten wurden auf das Schwerste getroffen, der Hauptmast knickte um, stürzte auf das Deck, zerschlug es und machte einen großen Teil des Artilleriedecks darunter völlig funktionsunfähig.
Man muß dazu wissen, dass Fregatten natürlich leichter gebaut waren als Linienschiffe. Zweidecker und Dreidecker konnten mit ihrem dicken Überwasserrumpf leichtere Kanonenkugeln abweisen oder absorbieren, sie waren ungewollt und sozusagen bis zu einem gewissen Grad gepanzert. Für Fregatten aber waren schwerere Geschosse wie Vierundzwanzigpfünder und allemal die Zweiundreissigpfünder der Karronaden ein tödliches Kaliber, weil sie nicht nur Löcher in den Rumpf schlugen, sondern auch signifikant weniger Treffer für die Masten reichten, um sie zum Einsturz zu bringen. Wie die zahlreichen Fregattenduelle zwischen Achtzehnpfünder-Fregatten zu zeigen scheinen, ist die Grenze zwischen Achtzehnpfündern und Vierundzwanzigpfündern möglicherweise die kritische Linie zwischen dem, was eine Fregatte einige Zeit an Geschossgewicht ertragen kann und den Geschossen, die ihre Verbände und ihre Rigg in relativ kurzer Zeit zerstören.
Zusätzliche Zerstörung verursachen in einem solchen Fall natürlich die fallenden Masten und Rahen, deren Gewicht, potenziert durch die Höhe, aus der es fällt, für zusätzliche Verwüstungen innerhalb des Schiffes sorgt. Und zum Unglück der NAJADEN fiel mit den Segeln ein guter Brandbeschleuniger auf das Deck bzw. in die Kuhl. Brandherde bildeten sich an mehreren Stellen und fanden Nahrung in der auf Deck gestürzten Takelage und den bereit liegenden Pulverkartuschen.
Und es gab in den ersten Minuten auch keine Atempause für das schwer getroffene Schiff: Die hinter der DICTATOR in den Sund einfahrende CALYPSO feuerte ihre Karronaden auf die NAJADEN ab, dann kam schon die zweite Breitseite der DICTATOR, die wahrscheinlich die beiden verbliebenen Masten fällte.

Die Position der Schiffe

Die NAJADEN konnte kaum noch einen Schuss zu ihrer Verteidigung abfeuern, weil bereits die meisten Geschütze demontiert, von Trümmern begraben oder behindert waren. Auch die dänischen Kriegsbriggs konnten in der Enge des Sundes und wegen ihrer Position nicht alle Kanonen ihrer Breitseite zum Tragen bringen und damit auch nichts Zählbares zur Verteidigung von Holms Schiff beitragen.
Holm gab den Briggs den Befehl, durch den südöstlichen Sund zu fliehen, doch nur die SAMSOE, unbehindert und einigermassen gegen das feindliche Feuer von der NAJADEN gedeckt, konnte dieser Weisung nachkommen, gefolgt von den zwei Kanonenbooten, die nur zwei, drei Schüsse auf den Gegner hatten abfeuern können. Die KIEL und die LAALAND lagen zu ungünstig und wurden inzwischen ebenfalls von der CALYPSO und einigen Geschützen der DICTATOR ins Visier genommen.
Auf der NAJADEN herrschte weiterhin Chaos, Kugel um Kugel, Geschoss um Geschoss schlug ein und wann immer die Crew ein Feuer gelöscht zu haben schien, brachen mehrere weitere Brandherde aus. Viele Geschosse hatten die NAJADEN zwischen Wind und Wasser getroffen und der Wasserpegel im Rumpf stieg mit zunehmender Geschwindigkeit.

Rund 30 Minuten nach der ersten Breitseite der DICTATOR, um 21:47, strichen die beiden Briggs ihre Flagge, gerade rechtzeitig, bevor die DICTATOR ihre waffenstarrende Frontseite gegen sie konzentriert zur Anwendung bringen konnte. Beide Zweimaster hatten aber auch schon zu diesem Zeitpunkt schwer gelitten, wahrscheinlich hätte eine Breitseite der englischen Vierundzwanzigpfünder gereicht, um sie zu versenken.
Die NAJADEN war inzwischen nur noch ein Wrack, bedeckt mit den Resten ihrer Masten, der Takelage und toten Seeleuten. Noch aber kämpfte die Crew, inzwischen aber ausschließlich gegen das Feuer. Weil die Fregatte sich nicht mehr wehren konnte, stellten die Briten das Feuer gegen die NAJADEN ein. Das Schiff war jedoch bereits verloren, mehr und mehr neigte es sich auf seine Steuerbordseite, Wasser lief nun auch durch die Stückpforten in den Rumpf. Um 22:10 kam es zu mehreren heftigen Explosionen an Bord: Teile der Pulverkammer explodierten und brachten die NAJADEN nun endgültig zum Sinken. Das Schiff riss 127 Mann der Crew mit sich, 88 Mann gelang es nur verwundet, dem Inferno zu entkommen. Holm kam indessen mit leichten Verletzungen davon. Er ließ sich zu einem der Kanonenboote rudern, um den Kampf fortzusetzen.

Vorerst aber flaggte die DICTATOR Waffenstillstand, weil Stewart den im Wasser schwimmenden Männern zur Hilfe kommen wollte. Außerdem ruderten Prisencrews zu den geschlagenen Briggs, um sie in Besitz zu nehmen. Hier fanden sie neben vielen Schiffbrüchigen von der NAJADEN auch 4 Tote und 9 Verwundete der Briggcrews vor (Die SAMSOE hatte 2 Tote und 5 Verwundete). Doch noch schwammen viele Dänen und Norweger im Wasser des Sunds. Die Bergungsaktionen dauerten bis 2:00, ohne das noch ein Schuss von beiden Seiten fiel.

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Kanonenboote gegen Linienschiff

Die Dänen hätten zu diesem Zeitpunkt ohnehin nur ihre zwei, in sicherer Deckung liegenden Kanonenboote und vereinzelte Kanonen kleineren Kalibers (Feldgeschütze) für den Kampf zur Verfügung gehabt. Doch nach und nach trafen nun die Boote von den Buskskjaersteinen, aber auch aus Risør und Arendal ein.

Die Briten hatten inzwischen ihre Position durch Landungsabteilungen von Land her weitgehend gesichert, doch Stewart wusste, dass er sich nicht lange in dem Inseldreieck aufhalten durfte. Es erwies sich indessen als schwierig, das Linienschiff aus dem Nadelöhr wieder herauszubekommen. Ein erster Versuch in der Nacht scheiterte und die Situation wurde immer bedrohlicher. Es wurde notwendig, zwei Trossen auf die Insel Steinsøya hinüberzugeben, um von dort aus dem Kurs des Linienschiffs Korrekturen zu geben. Wiederum sind mir die genaueren Umstände und Schritte dieses Manövers nicht bekannt. Während man auf der Insel, in den Booten und auf dem Schiff daran arbeitete, die DICTATOR aus ihrer Mausefalle zu schaffen, waren die Briten immer wieder unter Beschuss. Die kleine CALYPSO, die den Sund schon wieder verlassen hatte, konnte nicht viel helfen. Die Kanonenboote waren äußerst beweglich und konnten nach einem abgefeuerten Schuss schnell wieder Deckung finden, um zu laden. Nach und nach wurden die DICTATOR, die CALYPSO und die beiden eroberten Briggs von insgesamt 10 Kanonenbooten umzingelt. Wahrscheinlich ist ein Großteil der englischen Verluste auf diesen Beschuss zurückzuführen.

Stewart sah sich gezwungen, einen seiner Trümpfe ausspielen, um Zeit zu gewinnen. Dieser Trumpf waren die Gefangenen, die an Bord der erbeuteten Briggs waren, und möglicherweise die immerhin schwer beschädigten Briggs selbst. Der englische Kapitän nahm Verbindung mit dem zu diesem Zeitpunkt kommandierenden Offizier an Land, einem dänischen Leutnant, auf und bot an, die Gefangenen freizulassen, sollte bis zur Abfahrt der DICTATOR aus dem Lyngørfjord ein Waffenstillstand vereinbart werden. Ob er auch anbot, die beiden Briggs zurückzugeben, ist unklar und am Ende auch nicht wichtig. Die Kanonenboote nahmen nach einer kurzen Feuerpause den Beschuss wieder auf, nun offenbar von Holm selbst befehligt und koordiniert. Der möglicherweise verbitterte Kommadant der NAJADEN fühlte sich vielleicht nicht an die Vereinbarung gebunden, die ein rangniedrigerer Offizier gemacht hatte. Die Kanonenboote setzten der DICTATOR auch härter zu, als Stewart dies zuvor vermutet hatte. Doch lag die Chance der Dänen weniger im Beschuss des Segelriesen als vielmehr darin, dass die nervösen Gegner das Linienschiff irgendwo auf Grund setzten.

Es gelang den Briten am Morgen dann aber doch noch, sich aus dem Sund herauszumanövrieren und nach Osten zu steuern. Dabei lagen sie freilich die ganze Zeit unter dem Feuer der Kanonenboote, die ungeachtet des vereinbarten Waffenstillstandes nach der beschriebenen Taktik ihre Waffen abfeuerten und sich dann schnell zum Laden zurückzogen. Trotzdem “erwischten” die Briten eine Kanonenjolle und brachten sie zum Sinken. Entkommen aber konnten Stewart und seine Männer am Ende nur um den Preis der Aufgabe der beiden eroberten Briggs, die nach Angaben von William James aufliefen. Angesichts der Kanonenboote verzichteten die Briten darauf, sie wieder flott zu machen und verließen die Fjords ohne ihre Beute.

Danach

Stewart schrieb noch am 7. Juli einen empörten Brief und schickte ihn an Land. Darin forderte er die Herausgabe der beiden zurückgelassenen Briggs, die er nur deswegen nicht habe versenken lassen, weil sich an Bord die dänischen Verwundeten befunden hätten. Auch die freigelassenen Gefangenen müssten wieder als Kriegsgefangene betrachtet werden, denn die Dänen hätten den Waffenstillstand sofort wieder gebrochen, während er, Stewart, sich so lange wie möglich an die Vereinbarungen gehalten habe. Natürlich gaben die Dänen die Schiffe nicht heraus, obwohl beide Briggs offenbar irreperabel beschädigt waren.

Für die englischen Schiffe war der spektakuläre Angriff auf die NAJADEN, verglichen mit den großen Verlusten der Dänen, ein weniger blutiges Geschäft. Die DICTATOR hatte 5 Tote und und 25 Verwundete, die CALYPSO 3 Tote, sie vermisste allerdings 2 Männer. Dazu kamen noch die Verluste von PODARGUS und FLAMER, die sich außerhalb des Fjords wieder zum Geschwader gesellten.

Der Untergang der NAJADEN hatte keine nennenswerten, schon gar nicht quantifizierbaren Folgen auf den Krieg. Auch das Echo der Öffentlichkeit war dünn. 1812 war die englische Öffentlichkeit von den Großtaten ihrer Navy ziemlich gesättigt. Das ein Linienschiff eine Fregatte versenkt hatte, war in den Gazetten kaum einer Erwähnung wert. Die Vernichtung der NAJADEN hatte auch deswegen nur ein geringes Echo auf der Insel. Die Umstände, unter denen es geschah, wären in anderen Nationen vermutlich gefeiert und mit Gedenktafeln gewürdigt worden. Im erfolgsverwöhnten England geriet die Tat Stewarts dagegen schnell in Vergessenheit, wo immer sie auch erwähnt worden war. Immerhin gab es die obligatorischen Beförderungen, die bei Seesiegen üblich waren: Der dienstälteste Leutnant der DICTATOR, William Buchanan, wurde zum Commander gemacht. Commander Weir und Commander Robilliard avancierten zu Kapitänen. Leutnant Thomas England von der FLAMER ging freilich leer aus.

Die Schlacht vor Lyngør hat nur in Dänemark und Norwegen tiefere Furchen der Erinnerung gegraben. Der hohe Blutzoll und das Ende des Mythos von den unzugänglichen Fjorden schockten die Doppelnation. Unerklärlich blieb den Dänen, wie die DICTATOR im Fjord hatte navigieren können. Männer, denen man zuschrieb, den Briten geholfen zu haben, wurden verhaftet. Auch heute noch glauben Autoren, dass es Andrew Todd zumindest nicht allein hätte leisten können, der DICTATOR den Weg zu zeigen.

Kapitän Holm warf man vor, dass die Briten von See aus seine Masten hatten sehen können. Auch in der eigentlichen Schlacht wurden dem dänischen Kommandanten Versäumnisse vorgehalten. Wahrscheinlich hätte die Schlacht vor Lyngør seinen Aufstieg zum Admiral verhindert, doch Holm ertrank noch im selben Jahr bei einem Bootsunfall anlässlich einer Inspektionsreise in den norwegischen Fjorden. Seine Nachfahren aber setzten die Marinetradition fort: Sein Sohn, Kapitän Peter Christian Holm (1807-1864), kommandierte in der siegreichen Schlacht vor Helgoland am 9. Mai 1864 die dänische Fregatte JYLLAND gegen eine österreichisch-preussische Flotte und erreichte durch die Schlüsselrolle seines Schiffes eine gewisse historische Berühmtheit.


Quellen :

 The Naval History of Great Britain: During the French Revolutionary and Napoleonic Wars The Naval History of Great Britain: During the French Revolutionary and Napoleonic Wars
von William James, Andrew Lambert
Sprache: Englisch
Gebunden - 568 Seiten - Stackpole Books

Erscheinungsdatum: März 2003
 The Naval Chronicle

The Naval Chronicle:
The Contemporary Record of the Royal Navy at War

von Nicholas Tracy
Sprache: Englisch
Gebunden, Erscheinungsdatum: Januar 1999

Offizieller Bericht von Hans Peter Holm vom 9. Juli 1812, transkribiert von Odd H. Arnesen

NAJADENS UNDERGANG von Erik F. Rønnebech

Biographie von Hans Peter Holm aus dem Norsk Biografisk Leksikon

Biographie von Stewart mit Auszügen aus seinem Bericht in der Royal Naval Biography von John Marshall, 1931


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