Chronologie der europäischen Seekriege 1793 bis 1815, Band 1, bis 1802
Chronologie der europäischen Seekriege 1793 - 1815
Band 1 : Von 1793 bis zum Frieden von Amiens 1802

von Thomas Siebe
Sprache: Deutsch Broschiert - 224 Seiten - BoD
ISBN 978-3-8423-2883-9 Erschienen: September 2010
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Enzyklopädie des historischen Schiffsmodellbaus Enzyklopädie des historischen Schiffsmodellbaus 01:
Modelle und Vorkenntnisse

von Wolfram zu Mondfeld
Sprache: Deutsch
Broschiert 119 Seiten Neckar-Verlag
Format : 23,6 x 16,4 x 0,8 cm Erschienen Dezember 2006
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Duell vor Neapel 1810 :
Englische SPARTAN (38) gegen neapolitanisch-französische CERERE (40) 1, FAMA (28) und Kanonenboote



1810 : Im Thyrrenischen Meer, vor den Küsten Italiens, machten englische Geschwader die Schifffahrt der von Napoleons Frankreich abhängigen italienischen Staaten unsicher.
Vor den Gestaden des Königreichs Neapel kreuzten im April des selben Jahres die Fregatten SPARTAN (38 - Jahleel Brenton) und SUCCESS (32 - John Ayscough) sowie die Brigg-Sloop ESPOIR (18 - Robert Mitford). Zuletzt hatte das Geschwader am 25. April 1810, dem Feuer der Geschützbatterien von Terrescina (nahe Kap Gaeta) trotzend, vier unter den Kanonen Schutz suchende Handelsschiffe erobert.
Am 1. Mai 1810 standen die beiden Fregatten vor der Insel Ischia und beobachteten in der Bucht von Neapel zwei größere Schiffe sowie eine Brigg und einen Kutter. Dies waren die 18-Pfünder-Fregatte CERERE (40 - Kommodore Ramatuelle), die Korvette FAMA (28 - Giuseppe de Cosa), die Brigg SPARVIERO (8 - Raffaele de Cosa) und der Kutter ACHILLE (10 - Vincent).
Die französisch-neapolitanischen Schiffe steuerten den Hafen an und am 2. Mai konnten die Briten sehen, das sie an der Mole der Stadt Anker geworfen hatten.
Weil der dienstälteste englische Kapitän, Kommodore Jahleel Brenton, annahm, dass das feindliche Geschwader beim Anblick von zwei englischen Fregatten nicht wieder auslaufen würde, schickte er die SUCCESS (32 - John Ayscough) über Nacht auf eine kurze Erkundungsmission nach Capri, um sich dann am nächsten Tag wieder mit ihr zu treffen. Brenton, ein Veteran der Schlacht vor Algeciras 1801, beabsichtigte am nächsten Morgen allein in die Bucht vorzustoßen und dadurch die feindliche Fregatte mit ihren Begleitern aus dem Hafen zu locken. Der englische Kommodore plante in diesem Fall, das feindliche Geschwader der rückkehrenden SUCCESS zuzuführen.
Inzwischen hatten die Nachrichten von den lästigen englischen Fregatten Marschall Murat, König von Neapel durch Napoleons Gnaden, erreicht. Weil die Briten den Seehandel vor der Küste zum Erliegen gebracht hatten und nun drohten, Neapel zu blockieren, plante Murat einen Angriff auf das Feindgeschwader.
Der ehemalige General und Landsoldat ließ 400 Schützen, dem Vernehmen nach Schweizer Truppen, auf der Fregatte und der Korvette einbooten, verstärkte das Geschwader um sieben Kanonenboote, die jeweils mit 40 Mann besetzt und einem 18-Pfünder ausgerüstet waren, und schickte diese kleine Flotte gegen die englischen Fregatten, um sie zu erobern.

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Grundsätzlich wäre dieser Plan gegen zwei ausgewachsene Fregatten jedoch wohl eher schlecht ausgegangen. Auch wenn nämlich die einfache Addition von Kanonen und Männern, in diesem Fall 95 französisch-neapolitanische Geschütze plus rund 1400 Mann gegen 86 englische Kanonen und rund 520 Mann, zugunsten von Murats Plan sprach, eine schlichte Zählung bürgte damals auf See eben nicht für Übermacht, sondern hätte in diesem Fall wohl lediglich größere Verluste zu Lasten Murats garantiert. Zum Glück des neapolitanischen Königs aber war die SPARTAN noch allein, als Kommodore Ramatuelles gemischtes Geschwader den Hafen von Neapel verließ.
Kapitän Brenton hatte sein Schiff am Morgen des 3. Mai 1810 in die Bucht von Neapel gesteuert, um einen prüfenden Blick auf die dort ankernden Schiffe zu werfen und sie möglicherweise zum Auslaufen zu provozieren. Brenton hatte jedoch den Wagemut des Gegners oder auch Murats Wissensdefizite über die Seekriegsführung unterschätzt:
Es war 5:00 und die SPARTAN lag bei nur leichtem Wind auf dem Steuerbordbug, als der englische Kommodore das anlaufende feindliche Geschwader sichtete, das sich auf dem Backbordbug voraus näherte. Die CERERE hatte sich an die Spitze gesetzt, gefolgt von der FAMA und der SPARVIERO. Der französische Kommodore versuchte bei Sichtung des Briten sogleich, durch einen Kurswechsel gegenüber der SPARTAN die Luvseite zu gewinnen, doch Brenton reagierte ebenfalls mit einer Korrektur seines Kurses und vereitelte auf diese Weise den Plan seines Gegners. Die mit lediglich zwei bis drei Knoten durch die Bucht kreuzenden Schiffe hielten aufeinander zu, gingen in größerer Entfernung aneinander vorbei, wendeten und hielten wieder aufeinander zu, wobei sie sich jeweils annäherten.
Auf der einige Meilen entfernt stehenden SUCCESS (32 - John Ayscough) konnte man wahrnehmen, das sich in der Bucht die erhoffte Seeschlacht entwickelte, doch Ayscoughs Fregatte war bekalmt (totale Flaute) und rührte sich nicht vom Fleck. Der so zur Passivität verurteilte Kapitän mußte mit knirschenden Zähnen Beobachter des sich anbahnenden Gefechts bleiben.

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Sprache: Englisch
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Schließlich , gegen 8:00, brachte der letzte Schlag die SPARTAN und die von der CERERE angeführte Schlachtlinie auf Pistolenschußdistanz heran. Brenton hatte seine Achtzehnpfünder mit jeweils gleich drei Kugeln laden lassen und während sein Gegner bereits bei der Annäherung den Kanonieren das Feuer frei gegeben hatte, reservierte der Brite seine erste Breitseite für den Moment, als die CERERE direkt neben der SPARTAN stand.
Die Breitseite hatte eine fürchterliche Wirkung, weil neben der Crew des neapolitanisch-französischen Schiffes auch über 200 Schweizer Musketiere an Deck auf eine Gelegenheit warteten, den Briten zu entern. Unter diesen Schützen wüteten die englischen Geschosse nun besonders blutig. Die CERERE verlor dazu schon mit dieser ersten Salve auch ihren Kommodore: Kapitän Ramatuelle wurde schwer verwundet und Leutnant Barentin, der Erste Offizier der Fregatte, mußte das Kommando übernehmen.
Zum weiteren Pech der Franzosen und Italiener wehte nur ein schwacher Wind und die Geschwindigkeiten der Schiffe waren gering. Dies ermöglichte der SPARTAN das Nachladen, bevor Brenton auf die FAMA (28 - Giuseppe de Cosa) und die von der Korvette gedeckte Brigg SPARVIERO (8 - Raffaele de Cosa) traf und sie unter Feuer nahm. Hatte die erste englische Breitseite bereits die große Feindfregatte schwer getroffen, so rettete die Korvette wohl nur die Tatsache, das die feindliche Salve diesmal nur aus einfachen Ladungen bestand. Und doch wurde die FAMA vorübergehend manövrierunfähig.
Nachdem die britische Fregatte dem gegnerischen Geschwader auf diese Weise schweren Schaden zugefügt hatte, nahm sie Kurs auf die etwas nach Lee zurückgebliebenen Kanonenboote und den Kutter, luvte sie, um sie von den größeren Schiffen abzuschneiden und eröffnete mit ihrer Backbord-Breitseite das Feuer. Zur gleichen Zeit nahm die Steuerbord-Breitseite die feindliche Fregatte und die liegengebliebene Korvette auf´s Korn. Die zuvor schon schwer getroffene CERERE verlor nun auch noch ihren Ersatzkommandanten Barentin, worauf die nun von einem Fähnrich geführte Fregatte wendete und Kurs Richtung Land setzte.
Da Brenton diesen angeschlagenen Gegner offensichtlich als die bevorzugte Beute betrachtete, folgte er der großen Fregatte und ließ die kleineren Schiffe und Boote hinter sich zurück. Hätte der englische Kommandant auf die Verfolgung der CERERE verzichtet, hätte er möglicherweise die Korvette, die Brigg, den Kutter und / oder einige Kanonenboote versenken oder erobern können.
So aber sollte Brenton bald darauf feststellen, daß er zu wählerisch gewesen war, als er sich entschlossen hatte, die CERERE zu verfolgen.
Gegen 9:00 schlief der Wind nämlich völlig ein und die Flaute brachte die SPARTAN von einem Moment zum anderen in eine prekäre Position. Vor dem Bug des schlagartig gelähmten Engländers dümpelte die CERERE, die Breitseite dem bewegungslosen Engländer zugewandt. Auf dem englischen Backbordbug arbeiteten sich die Korvette FAMA (28 - de Cosa) und die Brigg SPARVIERO (8 - Raffaele de Cosa) heran und von hinten flogen die ersten Achtzehnpfünderkugeln der Kanonenboote heran. Selbst der neapolitanische Kutter hatte inzwischen seine Ruder ausgefahren, um an den umzingelten Engländer heranzukommen.
Der Beschuss richtete einiges an Schaden in der englischen Takelage an und je länger die Flaute dauerte, desto verzweifelter wurde die Lage. Bald schlugen die schweren Kugel der Kanonenboote auch in das Heck und die Seite von Brentons Schiff, während das selbe Kaliber von der CERERE quer über den Bug der SPARTAN herangeheult kam.
Der englische Kapitän, der auf die Ankerwinde gesprungen war, um sich einen besseren Überblick zu verschaffen, wurde schließlich verwundet und mußte unter Deck gebracht werden. Der erste Offizier, Leutnant George Wickens Willes, übernahm nun das Kommando, sah sich jedoch auch nicht in der Lage, die Situation seines Schiffes zu verbessern. Der launische Wind in der Bucht aber enthob zum Glück für die Briten den Ersatzkommandanten der Verlegenheit, sich einen Ausweg aus dem Dilemma zu erdenken.

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Die plötzlich aufkommende leichte Brise ermöglichte es der SPARTAN, ihre Breitseiten wieder gegen die CERERE und die FAMA zum Einsatz zu bringen.
Die Einschläge der englischen Kanonenkugeln überzeugten die schwer getroffenen Neapolitaner umgehend, sich wieder zur Flucht zu wenden. Für die SPARVIERO kam dies indessen zu spät, denn Volltreffer von der SPARTAN entmasteten die Brigg vollkommen, so das sie eine leichte Beute der Engländer wurde. Auch die FAMA war kaum noch manövrierbar, doch die Kanonenboote scharten sich schützend um das übel zugerichtete Schiff und schleppten es unter die Geschütze der Landbatterien der Bucht, wo die CERERE bereits Anker geworfen hatte.
Die SPARTAN wäre aber auch kaum noch in der Lage gewesen, der FAMA und ihren Kanonenbooten zu folgen, weil die englische Fregatte selbst einigen Reparaturbedarf hatte: Alle drei Masten waren von Kugeln getroffen worden und entsprechend angeschlagen. Einige Löcher unterhalb der Wasserlinie machten ununterbrochenes Pumpen notwendig und sehr viel Leinwand und Takelwerk mußte ausgetauscht werden.
Mit dem Wind als Verbündeten hätte des Marschalls Plan beinahe in einem außergewöhnlichen Triumph resultiert, doch nun schleppte die SPARTAN vor den Augen des Herrschers von Neapel ihre Prise, die Brigg, auf die See hinaus. Immerhin hätte sich der Ärger Murats bei näherer Betrachtung in Grenzen halten dürfen, denn es hätte auch das ganze Geschwader verloren gehen können, wenn die SUCCESS zur Stelle gewesen wäre. So blieb in diesem Gefecht als einziges Schiff die SPARVIERO auf der Strecke, ein vergleichweise geringer Preis für die Fehleinschätzung Murats.
Schlimmer aber war, dass dieses für beide Seiten letzlich erfolglose Treffen große Verluste an Menschenleben gefordert hatte:
Die SPARTAN hatte mit 10 Toten und 22 schwer Verwundeten sogar noch moderate Verluste zu beklagen.
Auf Seiten des französisch-neapolitanischen Geschwaders aber gab es rund 40 Tote und über 100 Verwundete, besonders unter der Schweizer Truppe hatten die englischen Kugeln viele Opfer gefordert. Der französische Kommodore bzw. Kommandant der CERERE (Verlust eines Arms) Ramatuelle und auch Kapitän Brenton (zerschmetterte Hüfte) überlebten immerhin ihre schweren Wunden.
Brenton, der infolge seiner Verwundung und zurückbleibenden Behinderung nur noch sehr eingeschränkt Dienst auf See tun konnte, wurde 1812 wegen dieses Gefechtes zum Ritter geschlagen, sein Erster Offizier George Wickens Willes wurde schon im Juni 1810 zum Commander befördert.
Für die 1806 in Dienst gestellte SPARTAN stellte dieses Gefecht den Höhepunkt ihrer Geschichte in der Royal Navy dar. Sie wurde 1822 abgewrackt.

 The Naval History of Great Britain: During the French Revolutionary and Napoleonic Wars The Naval History of Great Britain: During the French Revolutionary and Napoleonic Wars
von William James, Andrew Lambert
Sprache: Englisch
Gebunden - 568 Seiten - Stackpole Books

Erscheinungsdatum: März 2003

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Thomas Sturges Jackson - Logs of the great seafights


Fußnote 1: Viele Quellen, zum Beispiel William James, nennen die große neapolitanische Fregatte CERES, wie die römische Göttin ja auch tatsächlich im Lateinischen hieß. Im Italienischen aber heißt sie CERERE und so hieß wohl auch das Schiff. Die zeitgenössischen italienischen Berichte sollten es wohl auch am besten wissen.

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