Chronologie der europäischen Seekriege 1793 bis 1815, Band 1, bis 1802
Chronologie der europäischen Seekriege 1793 - 1815
Band 1 : Von 1793 bis zum Frieden von Amiens 1802

von Thomas Siebe
Sprache: Deutsch Broschiert - 224 Seiten - BoD
ISBN 978-3-8423-2883-9 Erschienen: September 2010
Bei AMAZON bestellen Mehr Infos

Beispiel-Seiten
Beispiel 1 - Beispiel 2 - Beispiel 3

Brian Lavery - The Ship of the Line. Vol. I: The development of the battlefleet 1650 - 1850.


 Die Seekriege, Seeschlachten und Zweikämpfe auf See zwischen 1775 und 1815
Die Seekriege, Seeschlachten und Zweikämpfe auf See zwischen 1775 und 1815

 Edward Pellew von C.Northcote Parkinson , bei AMAZON

Vizeadmiral Sir Edward Pellew, Lord Exmouth

* 29.4. 1757 - 23.1. 1833 †

Kurzbiographie

Edward Pellew war der Prototyp des Fregattenkapitäns zur Zeit der Seekriege zwischen England und Frankreich. In vielen klassischen und populären marinehistorischen Romanen taucht Pellew als Nebenfigur auf, so zum Beispiel in den Werken des Kapitän Frederick Marryat oder in der Hornblower-Saga von C.S. Forester ( Zur Literatur siehe hier ). Auch wenn Pellew keine der ganz großen Seeschlachten dieser Zeit geschlagen hat, so wird sein Name doch in einem Satz neben dem eines Earl St. Vincent, Lord Nelson, Collingwood oder Duncan genannt . Berühmt geworden ist dieser hervorragende Seemann und Schwimmer zu seiner Zeit nämlich auch als Lebensretter, der bei vielen Gelegenheit unter Einsatz seines eigenen Lebens Menschen vor dem Ertrinken rettete - und sei es schwimmend und mit eigener Hand. Obgleich aus allen Schlachten unverletzt hervorgegangen, war er doch von Verletzungen gezeichnet, die er sich bei solchen Rettungsaktionen zugezogen hatte. Im kontrastreichen Gegensatz dazu war er ein harter Kommandant, in jungen Jahren sogar ein richtiger Leuteschinder, der sich vor dem literarischen Kapitän Bligh nicht verstecken mußte.

  Die wahre Geschichte der Meuterei auf der Bounty

Die Bounty - Die wahre Geschichte der Meuterei auf der Bounty
von Caroline Alexander
Sprache: Deutsch
Gebundene Ausgabe - 480 Seiten - Berlin Verlag
Erscheinungsdatum: Februar 2004

Die wahre Geschichte der Meuterei auf der Bounty: Die Vorgeschichte, die Meuterei, Jagd auf die Meuterer und vor allem der Prozeß dokumentiert - durch Urkunden, Gerichtsakten, Zeugenaussagen, Briefe. Alexander enthüllt z.B., daß William Bligh nicht der Tyrann war, zu dem er gemacht wurde. Das Buch zeigt aber auch, wie dieses auch von Hollywood adaptierte Bild entstand.

Obwohl Edward Pellew in Dover zur Welt kam, stammte seine Familie aus dem Cornwall. Durch den frühen Tod seines Vaters wuchs der kleine Edward auch im äußersten Südwesten Englands auf. Von Beginn an hatten die vier 1 Pellew-Brüder die Protektion des regionalen Gutsherren Lord Falmouth, der Edwards Marinekarriere entscheidend mitbestimmte.

1770 trat der erst Dreizehnjährige 2 als Steward des Kommandanten Kapitän Stott an Bord der Fregatte JUNO (32) in die britische Navy ein.
1772 folgte er Kapitän Stott, als dieser auf die Fregatte ALARM (32) wechselte. Bis 1775 fuhr er als Fähnrich und Steuermann auf der ALARM im Mittelmeer.
Durch die Beziehungen des Lord Falmouth kam Pellew am 12. Januar 1776 an Bord der Fregatte BLONDE (36) unter dem Kommando von Kapitän Philemon Pownoll. Pownoll war ein erfolgreicher und hochgebildeter Kapitän, durch Prisengelder reich geworden, eine starke Persönlichkeit, die Pellew als Kommandant, Lehrer und Gönner prägen sollte.

Die BLONDE gehörte zu einer Flotte von Fregatten, die im Frühjahr 1776 die englischen Truppen in Kanada via Quebec und Montreal verstärkten. Pellew gehörte zu einer Crew, die die britischen Schiffe bauten, die schließlich am 11. Oktober 1776 auf dem Lake Champlain die amerikanische Flotille vernichtend schlagen sollte. Pellew war dabei wesentlich am Bau der dreimastigen 180-Tonnen-Sloop INFLEXIBLE (18) beteiligt und zeichnete sich auch in der Schlacht aus.
1777 marschierte Pellew, der freiwillig Pionierdienste für die Armee verrichtete, an der Seite von General Burgoyne mit der britischen Armee nach Süden, mußte aber die vernichtenden Niederlage der Engländer bei Saratoga miterleben.

Nach England zurückgekehrt wurde er Ende 1777 zum Leutnant befördert.
Zunächst kam Pellew als vierter Leutnant an Bord der PRINCESS AMELIA (80), eines alten und nur noch im Hafen liegenden Linienschiffes und trat am 9. Januar 1778 seinen Dienst an.
Im Oktober 1778 konnte er als zweiter Leutnant auf der Fregatte LA LICORNE anmustern. Das Schiff war in einem schlechten Zustand, unterbemannt, die Besatzung bestand zum großen Teil aus Neulingen, aber sie ging wenigstens in See. Zudem erhielt der junge Leutnant bald darauf eines Zusage seines Gönners Kapitän Pownoll für eine Stelle als erster Offizier an Bord von Pownolls neuem Schiff, der 32-Kanonenfregatte APOLLO, sobald das Schiff nach England zurückkehrte.

Am 10. April 1780 konnte Pellew endlich als Leutnant und Erster Offizier an Bord der APOLLO (32) gehen. Am 15. Juni 1780 traf die APOLLO dann aber auf die französische Fregatte STANISLAUS (32) und lieferte sich mit dem gleichwertigen Gegner ein Gefecht, in dessen Verlauf die APOLLO zwar die Oberhand gewann, bei dem Kapitän Pownoll jedoch getötet wurde. Pellew als neuer Kommandant jagte die STANISLAUS in den neutralen Hafen von Ostende, wo sie interniert wurde.
Er wurde zwar am 18. Juni 1780 zum Commander befördert, doch er hatte seinen besten Freund und Förderer verloren.


A Thirst for Glory: Life of Admiral Sir Sidney Smith
von Tom Pocock
Sprache: Englisch
Gebundene Ausgabe - 256 Seiten - Aurum Press
Erscheinungsdatum: 1996


Pellew bekam das Kommando über die nahezu seeuntüchtige und langsame Sloop HAZARD und trat seinen Dienst am 25. Juli 1780 an. Doch am 24. Januar 1781 mußte er sein Kommando aufgeben, weil die HAZARD vollkommen seeuntüchtig geworden war.
Im Frühjahr desselben Jahres bekam er mit der PELICAN (24) endlich ein intaktes Kriegsschiff und verließ mit seiner Sloop am 19. April 1781 Plymouth, um am gleichen Tag seine erste Prise, einen französischen Kaperlugger, aufzubringen.
Am 25. Mai 1781 bekam Pellew dann die begehrte Beförderung zum Post Captain bzw. Kapitän zur See.

Im Januar 1783 führte der Frieden zu einer allgemeinen Abrüstung und Pellew kam auf Halbsold.
Am 28. Januar heiratete Edward Pellew Susannah Frowde und zog mit seiner Familie nach Truro, wo er ein ein kleines Gut von seinem Förderer Lord Falmouth pachtete. Die Pellews sollten vier Söhne und zwei Töchter großziehen. Die Söhne Pownoll und Fleetwood traten später in die Navy ein und wurden Kapitäne 3. Die Pellew-Töchter Emma und Julia heirateten Kapitäne der Navy - Sir William Halsted and Richard Haward.
Als einer von wenigen Seeoffizieren bekam Pellew auch in Friedenszeiten Kommandos: So konnte er am 27. April 1786 an Bord der 32-Kanonen-Fregatte WINCHELSEA (32) gehen. Er behielt dieses Kommando bis Januar 1789.
1790 wurde Pellew Kapitän der SALISBURY (50), die vor Neufundland stationiert wurde.

Als sich 1792 der Krieg gegen das revolutionäre Frankreich anbahnte, bekam Pellew das Kommando über die Fregatte LA NYMPHE (36), ein 1780 erobertes ehemalig französisches Schiff. Am 18. Juni 1793 lieferte sich Pellew mit der französischen Fregatte LA CLEOPATRE (36) unter Kapitän Jean Mullon im Kanal ein blutiges, verlustreiches Gefecht. Mullon fiel und Pellew konnte mit der NYMPHE den ersten Seesieg des Krieges für England erringen.
Für die Eroberung der CLEOPATRE wurde Edward Pellew am 29. Juni zum Ritter geschlagen, sein Bruder Commander Israel Pellew, als Freiwilliger an Bord des Schiffes seines Bruders, wurde zum Kapitän z.S. befördert.

Siehe zum kursiv gedruckten Absatz auch folgenden Link: Pellew´s Coup

. Pellew´s Coup. HMS NYMPHE (36) gegen CLEOPATRE (36)

Pellew wechselte mit seiner Mannschaft von der NYMPHE auf die ARETHUSA (38) und kreuzte 1794 mit einem Fregattengeschwader unter Kommodore Sir John B. Warren im Kanal.
Am 23. April 1794 kam es zur Fregattenschlacht vor der Isle de Bas: Das britische Geschwader, bestehend aus FLORA (36 - Warren) , NYMPHE (36 - G. Murray) , CONCORDE (36 - Sir Richard Strachan), MELAMPUS (36 - Wells ) und Pellews ARETHUSA (38), traf auf die französischen POMONE (44 - Etienne Pevrieux ), ENGAGEANTE (38 - Georges Desgarceaux), RESOLUE (36 - Villeon) und BABET (22 - Belhomme) unter Kommodore Desgarceaux. Pellew geriet in einen Zweikampf mit der POMONE, die zuvor die FLORA schwer beschädigt hatte. Wie schon im Gefecht mit der CLEOPATRE forderten die Karronaden der ARETHUSA und das Geschick von Pellews Kanonieren schwere Verluste auf dem französischen Schiff, das nach 35 Minuten Beschuß den Kampf einstellte.

In den folgenden Monaten führte Pellew zunächst in Vertretung Warrens das Fregattengeschwader im Kanal, bekam bzw. verschaffte sich - eifrig wie er war - dann Anfang 1795 ein neues Kommando. Er übernahm am 3. Februar 1795 die später berühmt gewordene (siehe auch Hornblower-Romane unten) mächtige Fregatte INDEFATIGABLE (44), ein um ein Deck reduziertes, ehemaliges Linienschiff. Von nun an segelte er als Kommodore kleinerer Fregattengeschwader zunächst im Kanal.

Am 26. Januar 1796 geriet der vor Plymouth ankernde Truppentransporter DUTTON in einem Sturm in Seenot und strandete auf einer Untiefe. Die INDEFATIGABLE wurde zu diesem Zeitpunkt im Hafen repariert und Pellew war an Land. Dort hörte er von der drohenden Katastrophe. Pellew - schon einige Male zuvor als Lebensretter in Erscheinung getreten - begab sich unter Lebensgefahr an Bord und organisierte die Evakuierung von weit über 500 Menschen - darunter viele Frauen und Kinder - in heulendem Sturm. Für diese Heldentat wurde ihm vom König der Titel und die Besitzrechte eines Baronets (Bart.) von England verliehen.

Im Winter / Frühjahr 1796 unterstützte Pellew mit seinem Geschwader den royalistischen Widerstand, indem er Waffen an der französischen Küste anlandete. Dabei fiel ihm zunächst am 13. April 1796 die französische Fregatte UNITE unter Kapitän Durand-Linois in die Hände, am 20. April rang sein Geschwader nach hartem Kampf die VIRGINIE unter Kapitän Jacques Bergeret nieder. Letzterer wurde später trotz des Krieges ein Freund der Familie Pellew, war aber ein echter Pechvogel, denn 1805 sollte der französische Kapitän mit der PSYCHE vor Indien eine weitere Fregatte an die Briten und indirekt auch an seinen Freund verlieren - zu diesem Zeitpunkt war Pellew nämlich der kommandierende Admiral im indischen Ozean !

Suchen nach:
In Partnerschaft mit Amazon.de

Nach dem totalen Scheitern der englischen Bemühungen, einen royalistischen Aufstand in Frankreich anzuzetteln, bereitete just die französische Armee, die die angelandete Emigrantenarmee vernichtet hatte, sich auf eine Überfahrt nach Irland vor, um z.T. mit den erbeuteten Waffen, die u.a. Pellew angelandet hatte, ihrerseits den irischen Widerstand zur Explosion zu bringen. Tatsächlich entkamen die dazu zusammengezogenen Linienschiffe unter Admiral Justin Morard de Galles der britischen Blockade und versuchten im Dezember 1796, eine französische Armee unter General Hoche in der Bantry Bay (Südirland) anzulanden. Nur das stürmische Wetter und die Desorganisation der kooperierenden Kräfte verhinderte die Landung. Die französischen Schiffe, unter ihnen das Linienschiff LES DROITS DE L'HOMME (74 - Kommodore Lacrosse), liefen wieder französische Häfen an.
Pellew mit der INDEFATIGABLE (44) und der aufkommenden Fregatte AMAZON (32) stieß am 13. Januar 1797 bei schwerem Wetter rund 50 Meilen südwestlich vor Ushant auf Lacrosse, ohne bis zum Ende des Gefechtes überhaupt zu wissen, daß er mit einem - allerdings in mehrfacher Hinsicht behinderten - Linienschiff kämpfte. Nach stundenlangem Jagdgefecht lief das französische Linienschiff auf eine Sandbank knapp vor der französischen Küste und wurde durch die Brandung vernichtet - über 1100 Menschen starben. Auch die AMAZON lief auf und ging verloren, doch konnte sich die Besatzung retten und geriet in Gefangenschaft. Davon erfuhr Pellew, der mit seinem Schiff nur mit knapper Not entkam, erst später. Das Gefecht der INDEFATIGABLE mit der DROITS DE L´HOMME wurde berühmt, weil es als Triumph einer Fregatte über ein Linienschiff gefeiert wurde.

Nach diesem Erfolg änderte sich der Führungsstil Pellews an Bord der INDEFATIGABLE merklich. Als es bei der Mannschaft zu Unmut über die verzögerte Auszahlung der "Kopfgeldes" für die Vernichtung der DROITS DE L'HOMME gab, meisterte Pellew die Situation beherrscht und diplomatisch. Möglicherweise lernte er aber auch aus den Meutereien des Sommers 1797 auf dem Spithead und dem Nore, daß extrem unzufriedene Seeleute keine Prisen einbrachten. Während die großen Schlachten geschlagen wurden, während also Admiral Sir John Jervis am 12. Februar die spanische Flotte vor Kap St. Vincent besiegte, Duncan am 11. Oktober 1797 bei Camperdown den holländischen Admiral De Winter schlug und Nelson in der berühmten Seeschlacht vor Abukir triumphierte, war Pellew mit seinem kleinen Fregattengeschwader zunächst bei den Scilly-Inseln, dann vor Ushant stationiert und sammelte fleißig Prisengelder.

 Terror Before Trafalgar: Nelson, Napoleon, and the Secret War

Terror Before Trafalgar: Nelson, Napoleon, and the Secret War
von Tom Pocock
Sprache: Englisch
Gebundene Ausgabe - 255 Seiten - W. W. Norton & Company
Erscheinungsdatum: 1. April 2003

1801 : An der Kanalküste zieht Napoleon Bonaparte Truppen zusammen und läßt Transportschiffe bauen. In Frankreich und England werden neue geheime Waffen entwickelt: Raketen, U-Boote, Treibminen oder Torpedos. In Vorbereitung der Invasion Englands tobt im Schatten der europäischen Politik und des Experimentalfriedens von Amiens ein gnadenloser Krieg der Spionage und Subversion, geführt von kaum bekannten Männern. Anhand von Tagebüchern, Briefen und Zeitungen aus dieser Zeit zeichnet Tom Pocock ein Bild dieses geheimen Krieges.

Im Januar 1799 bekam der vergeblich sich sträubende "Fregattenkapitän" und Kommodore Pellew dann eine Hiobsbotschaft : Sein Dienstalter als Kapitän ließ es nicht mehr zu, daß er auf einer Fregatte fuhr und ihm wurde das Kommando über ein Linienschiff der Kanalflotte förmlich aufgezwungen. Schlimmer noch: Er bekam das ansonsten hervorragende Linienschiff IMPETUEUX (74), dessen Besatzung jedoch als potentiell meuterisch galt. Pellews Ruf als Matrosenfresser bestand nach wie vor, weswegen er wohl ausgerechnet zu diesem Schiff kam.
Am 10. März 1799 trat er vor Spithead sein Kommando an. Es kam, wie es kommen mußte: Die Crew erwartete einen Leuteschinder, Pellew erwartete eine störrische und meuterische Crew. Pellew begann umgehend mit eiserner Hand das Schiff zu führen und am 30. Mai 1799 kam es zu dem erwarteten Versuch einer Meuterei, während die IMPETUEUX in der Bantry Bay lag. Sie traf den Kapitän nicht unvorbereitet und wurde im Keim erstickt. Es kam zu Hinrichtungen und schweren Strafen gegen Seeleute des Linienschiffes. Damit hatte Pellew sich durchgesetzt, an Bord der IMPETUEUX kam es zu keinerlei Widerstand mehr. Pellews Führungsstil blieb jedoch während seiner Zeit an Bord extrem hart, um nicht zu sagen: brutal.
Zu dieser Zeit war sein ältester Sohn bei ihm an Bord, der später - zu seinem Nachteil - als Kommandant einen ähnlichen "Stil" pflegte und möglicherweise durch diese Zeit an Bord der IMPETUEUX geprägt wurde.

Das Jahr 1800 sah Pellew erneut mit Landeoperationen beschäftigt, zunächst am 19. Juni 1800 als Kommandant einer perfekt geplanten und vollzogenen Landung auf der französischen Insel Belle Isle. Doch Pellew mußte die Truppen aus diversen Gründen wieder einschiffen und auf die Eroberung der Insel verzichten, u.a. weil der Vormarsch der Landetruppen unter Colonel Maitland sich verzögert hatte und die französische Verteidigung sich formieren konnte. Dazu kamen unterschiedliche Vorstellungen über Prioritäten innerhalb des britischen Oberkommandos, die inzwischen als nächstes wünschenwertes Ziel von Landungen den spanischen Hafen Ferrol und dort (auf)liegende Linienschiffe ausgemacht hatten.

Das Kommando über die beteiligten Seestreitkräfte zur Invasion Ferrols im August 1800 bekam der inzwischen zum Konteradmiral aufgestiegene Sir John Borlase Warren, Zweitkommandierender war Pellew. Das Kommando über die Landungstruppen erhielt General Sir James Pulteney. Pulteney vergab jedoch die große Chance, den spanischen Hafen zu erobern und das Unternehmen endete mit der Wiedereinschiffung der britischen Truppen. Pellew kehrte zum Blockadedienst in der Kanalflotte zurück, wo er auf dringenden Wunsch von Earl St. Vincent im Dezember 1800 den durch den Blockadedienst zermürbten Sir James Saumarez ersetzte. Er blockierte bis zum Frieden von Amiens 1802 mit einem kleinen Geschwader vornehmlich die Häfen von L'Orient und Rochefort.

Zurück in England ging Pellew seinen politischen Ambitionen nach, kandidierte erfolgreich für einen Sitz im Unterhaus und versuchte, einen hohen Posten bei der ostindischen Kompanie zu ergattern.
Doch 1803 war wegen der napoleonischen Invasionspläne der Krieg bereits absehbar und Pellew übernahm das Kommando über die HMS TONNANT (80). Er kehrte im Februar 1803 zum Blockadedienst zurück und hielt sich vornehmlich vor Ferrol auf.

Im März 1804 wurde Pellew allein zu dem Zweck nach Plymouth zurückgerufen, um der Regierung Addington im Unterhaus politische Rückendeckung zu geben. Dafür - so behaupteten später böse Zungen - erhandelte er nicht nur seine Promotion zum Konteradmiral 4 und Oberbefehlshaber im indischen Ozean, sondern auch das Kommando über eine Sloop für seinen erst 17-jährigen (!) Sohn Pownoll. Man darf davon ausgehen, daß Nepotismus 5 für Pellew kein Fremdwort war.

Am 4. Juli 1804 wurde Pellews Admiralsflagge auf der CULLODEN (74) gesetzt, am 10. Juli stach Konteradmiral Sir Edward Pellew vom Spithead aus in See, um sein Kommando in Ostindien anzutreten. Im Dezember 1804 erreichte Pellew Indien und fand am 20. Januar 1805 Vizeadmiral Rainier in Penang, um ihn abzulösen.

 Admirals in the Age of Nelson

Admirals in the Age of Nelson
von Lee Bienkowski
Sprache: Englisch
Gebundene Ausgabe - 294 Seiten - Naval Institute Press
Erscheinungsdatum:Dezember 2002

Lee Bienkowski, auf die Ära Napoleons spezialisiert, beschreibt und verfolgt die Laufbahn von 11 Admiralen der Royal Navy zur Zeit der napoleonischen Kriege.

Pellew ahnte zu diesem Zeitpunkt nicht, daß fast zur gleichen Zeit Konteradmiral Thomas Troubridge von England aus in See stach, um ihm einen Teil der Kommandos im Indischen Ozean wieder abzunehmen - ebenfalls eine Folge von Pellews politischen Dienstleistungen bzw. eine Rache des neuen Premierministers Pitt. Als Troubridge eintraf, ignorierte der höherrangige Pellew bis auf weiteres die Befehle und trug zunächst seinen Fall schriftlich in London vor. Zwar konnte er sich am Ende glücklich durchsetzen - Pitt starb - doch seine Freundschaft mit Sir John Jervis, dem Earl St. Vincent, zerbrach an dieser Affäre wie auch an der skandalösen Bevorzugung der Pellew-Söhne.
Pellews Kommando im indischen Ozean stand dagegen unter einem recht guten Stern, konnte er doch die Holländer und Franzosen in seinem Gebiet kontrollieren und ihnen den ein oder anderen Schlag versetzen. Vor allem aber verdiente der Konteradmiral gut an Prisengeldern.
Im Februar 1809 machte er sich auf den Weg zurück nach England, wo er am 14. Juli 1809 nach 5 Jahren Abwesenheit eintraf. Dort erfuhr Pellew , daß er am 28. April 1808 zum Vizeadmiral befördert wurde.
Siehe zu den kursiv gedruckten Absätzen auch folgenden Link zu einer dreiteiligen Mini-Serie: Pellews Krieg gegen die "holländische Gefahr".

Nach einiger Zeit an Land, die Pellew mit der Regelung familiärer Angelegenheiten und der Pflege und Knüpfung einflußreicher Kontakte verbrachte, bekam der Vizeadmiral im Juli 1810 das Kommando über die Blockadeflotte in den Downs (Holländische Küste), wo er bis April 1811 ereignislosen Routinedienst versah.
Dann bekam Pellew das Kommando im Mittelmeer und am 1. Juni 1811 hißte er seine Flagge auf der CALEDONIA (120). Am 15. Juli traf der neue Befehlshaber vor Toulon ein und bereits am 18. Juli kam es zu einem kurzen Gefecht seiner Flotte mit der Flotte aus Toulon unter Vizeadmiral Maurice Emeriau. Doch die 13 französischen Linienschiffe zogen sich nach Toulon zurück, bevor Pellews Schiffe sie vom Hafen abschneiden konnten. Dieses Katz-und-Maus-Spiel mußte der Vizeadmiral zu seinem größten Ärger während seines Kommandos im Mittelmeer öfter spielen, als im lieb war. Höchst selten kam es dabei überhaupt zu Feuergefechten und ein kampfhungriger englischer Admiral sah dabei auch nicht gut aus.

Pellews Kommando dauerte bis zum Juli 1814, als er nach England zurückgerufen wurde . Im selben Monat wurde nämlich aus Sir Edward Pellew der Peer of England, Lord Exmouth. Die Verleihung dieses Adelstitels aber ebenfalls weitgehend das Ergebnis politischer Ränke.
Im Januar 1805 bekam Pellew auch den Bath-Orden, allerdings nicht in der begehrten Form KB, sondern lediglich in der erweiterten Form KCB. Für Pellew war dies ein Wermutstropfen in seiner Karriere, offensichtlich aber eine "Strafe" für seiner nepotistischen Machenschaften .

Nachdem Napoleon von Elba entkommen war - Pellew hatte sich übrigens für die Hinrichtung des französischen Kaisers ausgesprochen - kehrte auch Pellew, nun Exmouth, im April 1815 zur Blockade vor Toulon zurück. Im Mai 1815 nutzte er vor Neapel die Gunst der Stunde und nahm unter der Drohung, die Stadt zu beschießen, den Hafen und Fort St. Elmo ein. Das Ende der 100-Tage-Herrschaft Napoleons fand Exmouth dann als Kommandant in Marseille, das sich für die Bourbonen erklärt hatte. Seine größte Seeschlacht sollte Lord Exmouth jedoch erst nach der Verbannung Napoleons schlagen.

Napoleons gefallenen Göttinnen
SEESCHLACHT.TK - Das Buch

Napoleons gefallene Göttinnen
Die Geschichte der französischen MINERVE-Fregatten

von Thomas Siebe
Sprache: Deutsch Paperback - 349 Seiten - BoD
ISBN 978-3-8391-0218-3 Erscheinungsdatum: Mai 2009
Bei AMAZON bestellen Mehr Infos

Große Verluste und Kosten für die im Mittelmeer seefahrenden Nationen hatten schon seit Jahrzehnten die Freibeuter aus den sogenannten Barbaren-Staaten - Tripoli, Algier und Tunis - verursacht. Neben dem materiellen Schaden gab es in Algier und Tunis Sklavenmärkte, auf denen auch mit europäischen Sklaven gehandelt wurde. Der Kongress der Siegermächte beschloß - aus den verschiedensten Gründen - die Piraterie und den Sklavenhandel zu unterbinden. Exmouth als kommandierender Admiral der Mittelmeerstation wurde beauftragt, zunächst spezielle Verhandlungen mit den Beys von Tunis und Algier aufzunehmen. Im Frühjahr 1816 kaufte Exmouth in Tunis und Algier zunächst die europäischen und amerikanischen Sklaven frei. Doch aus diversen Gründen reichten die Freikäufe und Verhandlungen am Ende nicht aus, die politischen Interessen der betroffenen Mächte befriedigend auszugleichen.
Aus diesen Gründen griff Lord Exmouth am 27. August 1816 - in seiner ersten und letzten größeren Schlacht als Oberkommandierender - mit einer Flotte von 6 Linienschiffen, zahlreichen u.a. holländischen Fregatten, Sloops, Kanonenbooten und sogar Congreve-Raketen den Hafen von Algier an und zerstörte die dort liegenden Fregatten, Kanonenboote und Freibeuterschiffe. Seine Flotte schoß Lagerhäuser und Hafenanlagen in Brand, doch erlitten die Angreifer gegen die landgestützten Batterien beträchtliche Verluste.
Am Ende waren die algerischen Batterien jedoch verstummt, 1000 christliche Sklaven befreit und Exmouth feierte einen Sieg. Das Problem des Sklavenhandels und der Piraterie löste dieser Angriff jedoch nicht.

Nach England zurückgekehrt wurde Lord Exmouth 1817 kommandierender Admiral in Plymouth, wo er in Bitton House auch seine standesgemäße Residenz gefunden hatte. Er blieb bis Februar 1821 im Amt.
Pellew wurde während seiner Zeit in Plymouth ein großer Förderer der Stadt. Er starb 1833 in Bitton House.


 Trafalgar Der Kurs der PHOENIX - Entscheidung vor Kap Ortegal
Thomas Sturges Jackson - Logs of the great seafights



Fußnoten

Zum Navigieren auf die Zahlen clicken !

1 = Der älteste Bruder war Samuel (* 1754 - ? ), der zunächst als Chirurg ausgebildet wurde, später aber eine wichtige und einflußreiche Verwaltungsfunktion in Falmouth bekleidete. Israel Pellew ( 1758 - 1832) trat wie Edward in die Navy ein und erreichte 1793 den Rang eines Kapitäns. Der jüngste Bruder John (1760 - 1777) trat später als Fähnrich in die Armee ein, fiel aber bei Saratoga.

2 = Viele später hoch dekorierte Seeoffiziere gingen in einem ähnlich jungen Alter und aus eigenem Wunsch zur Navy, beeinflußt durch die Lektüre von Defoes Robinson Crusoe (1719) oder Die Abenteuer des Kapitän Singleton (1720). Edward Pellew war wahrscheinlich eine Ausnahme.

3 = Pownoll Pellew (1786 - 1833), später der 2. Lord Exmouth, wurde 1804 (!) Commander und 1806 Kapitän z.S.    Fleetwood Pellew (1789 - 1861) wurde 1805 Leutnant, erreichte 1807 den Rang des Commander und promovierte 1808 zum Kapitän z.S.

4 = Für Pellew, der auf der Liste der Kapitäne wegen seines Dienstalters sehr weit oben stand, kam diese Beförderung so spät, daß er gleich eine Stufe bei den Konteradmiralen überspringen mußte : Er wurde Rear Admiral of the White.

5 = Nepotismus bedeutet Vetternwirtschaft.


Romane, in denen Edward Pellew oder sein Bruder Israel Pellew vorkommen:

Zurück zum Text

C.S. Forester Mr. Midshipman Hornblower  Deutscher Titel : Fähnrich zur See Hornblower

C.S. Forester Hornblower auf der 'Hotspur'

Kapitän C. F. Marryat Peter Simple ( Heart Of Oak)   Deutscher Titel : Peter Simpel

Richard Woodman A King's Cutter (Nathaniel Drinkwater Novels)  Deutscher Titel : Kutterkorsaren

Richard Woodman 1805 (Nathaniel Drinkwater Novels)    Deutscher Titel : Die Wracks von Trafalgar Hier kommt Israel Pellew vor, der bei Trafalgar kämpfte

Richard Woodman A Private Revenge (Mariner's Library) ( Deutscher Titel ? )

Alexander Kent Relentless Pursuit: The Richard Bolitho Novels #25   Deutscher Titel : Hatz ohne Erbarmen

Bigpoint.de - das gro�e Game-Portal. Kostenlos spielen und mit 10.000 Euro gewinnen!

Copyright © 2005 by T. Coladores

E-Mail