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Chronologie der europäischen Seekriege 1793 bis 1815, Band 1, bis 1802
Chronologie der europäischen Seekriege 1793 - 1815
Band 1 : Von 1793 bis zum Frieden von Amiens 1802

von Thomas Siebe
Sprache: Deutsch Broschiert - 224 Seiten - BoD
ISBN 978-3-8423-2883-9 Erschienen: September 2010
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 Social History of the Navy 1793-1815
Social History of the Navy 1793-1815
Prädikat: Besonders wertvoll
von Michael Lewis
Sprache: Englisch
Gebundene Ausgabe - 468 Seiten - Chatham Publishing -
Erscheinungsdatum: Juli 2004


Kapitän John Perkins ("Jack Punch")

 Kapitän John Perkins

* Um 1745 in ?            † 27. Januar 1812 in Kingston, Jamaika

John Perkins wurde um 1745 auf Jamaika geboren. Aus vielerlei Gründen kann man vermuten, dass er der Sohn der Mätresse eines englischen Seeoffiziers war. Jamaika war im 18. Jahrhundert der Hauptstützpunkt der Royal Navy in der Karibik und die meisten Offiziere, fern von der Heimat, unterhielten in Kingston farbige Mätressen, meistens Mulattinnen. Weil jeder auf Jamaika geborene Farbige zu dieser Zeit rechtlich ein Sklave wurde, ist die Vermutung, dass Perkins als Sklave geboren wurde, ebenso wahrscheinlich. Er wird aber kaum die Jugend eines durchschnittlichen Sklavenjungen auf den Zuckerrohrfeldern durchlebt haben. Man kann vielmehr davon ausgehen, dass sein Vater weiter für den illegitimen Sohn sorgte.
Offenbar schickte der unbekannte Seeoffizier seinen Sproß zur See, denn Perkins bekundete später selbst, er sei seit seiner frühesten Jugend zur See gefahren. Er muß später umfangreiche nautische Kenntnisse erworben haben, denn zu Beginn des Amerikanischen Unabhängigkeitskrieges 1775 findet man seinen Namen als Navigator bzw. Master in den Listen des britischen Linienschiffes ANTELOPE (54). Dies ist bereits eine bemerkenswerte Laufbahn für einen Farbigen, die bei allen Talenten Perkins damals ohne eine gewisse Protektion kaum möglich war. Während des Krieges taucht er in den Büchern weiterer Kriegsschiffe auf, doch offenbar war er selten an Bord. Vielmehr scheint die Royal Navy seine außerordentlichen Fähigkeiten in anderen Bereichen genützt zu haben. Perkins war sehr vertraut mit den Gewässern und den Inseln der Karibik und scheint eher als Kundschafter und Kaperjäger auf kleineren Schiffen eingesetzt worden zu sein. 1778 und 1779 kommandierte er den kleinen Schoner PUNCH und erwies sich als wahrer Meister der Kaper- und Prisenjagd. Das Kommando auf der PUNCH brachte ihm seinen Spitznamen "Jack Punch" ein.

Seeschlacht.tk - Die Seekriege, Seeschlachten und Duelle auf See von 1775 bis 1815

Am 15. Oktober 1781 wurde er von Vizeadmiral Sir Peter Parker zum Leutnant befördert und wurde Kommandant des Schoners ENDEAVOUR, 1782 machte ihn Admiral Rodney sogar zum Commander. Letztere Beförderung wurde freilich in London nicht bestätigt, obwohl offiziell belegt ist, das Perkins im Verlaufe des Krieges für das Einbringen von 315 Prisen und 3000 Gefangenen verantwortlich zeichnete.
Nach dem Kriegsende 1783 verliert sich zunächst die Spur des farbigen Leutnants. Während der Nootka-Krise bzw. der spanischen Aufrüstung
1790 taucht er wieder auf: Perkins stand zu dieser Zeit in den Diensten Vizeadmiral Afflecks, für den er Spionagedienste auf Santo Domingo und Kuba leistete.
Anfang 1792 geriet er im französischen Teil von Hispaniola unter dem Vorwurf des Waffenhandels in Gefangenschaft und wurde in Jeremie zum Tode verurteilt. Der Sklavenaufstand auf der Insel und Perkins Hautfarbe haben wahrscheinlich mehr zu diesem Urteil beigetragen als ein tatsächlicher Waffenhandel. In buchstäblich letzter Minute rettete ihn am 24. Februar 1792 die Intervention der britischen Kapitäne Thomas Macnamara Russell von der Fregatte DIANA (38) und William Novell von der Sloop FERRET (12), die - z.T. sogar unter Einsatz ihres Lebens - über Bitten und Fordern bis hin zur Gewaltandrohung die Freilassung von Perkins erreichten. Ganz offensichtlich war der Mulatte nicht nur ein Aussenseiter in der Royal Navy, sondern vielen Kollegen auch ein Kamerad, für den sich z.B. Nowell inmitten eines wütenden Mobs kolonialfranzösischer Pflanzer begab, um Perkins Freilassung zu fordern.
Von 1795 bis 1797 kommandierte Perkins den Schoner MARIE ANTOINETTE. Am 1. Juni 1797 wurde er endlich, bereits über 50 Jahre alt, durch Vizeadmiral Sir Hyde Parker zum Commander gemacht. Sein erstes Kommando in diesem Rang war die Sloop DRAKE (14), mit der der Commander am 20. April 1797 am Angriff eines leichten britischen Geschwaders auf den französischen Hafen Jean-Rabel (Heute Haiti) teilnahm. Boote von der DRAKE, der HERMIONE (32 - Hugh Pigot), der QUEBEC (32 - John Cooke), der MERMAID (32 - Robert Waller Otway) und dem Kutter PENELOPE (12 - Daniel Burdwood) erbeuteten in einem Nachtangriff auf die Reede neun Schiffe, größtenteils Kaper. Ich halte die Annahme, dass Perkins Ortskenntnis bei diesem Coup von großem Wert war, für sehr plausibel.
Mit dem Ende seines Kommandos in der Karibik beförderte Hyde Parker Perkins im September 1800 sogar zum Kapitän zur See, sicherlich gegen viele Widerstände und Vorbehalte aus Kreisen der Royal Navy. Wie stark diese Vorurteile ausgeprägt waren, kann man an folgendem Zitat aus dem Nautical Magazine (1842, 387-391), zitiert nach William Laird Clowes, ermessen:
"He (Perkins) could only write to the extent of signing his name mechanically ; and he served almost exclusively in the West Indies, where, when on half-pay, he lived with little regard to the decencies of civilisation."
Wie Perkins seine Zeit an Land verbrachte, ist mir nicht bekannt, doch gibt es schriftliche Berichte von ihm, die die Annahme des Analphabetismus einfach widerlegen. Tatsächlich kann man davon ausgehen, dass John Perkins eine gewisse Bildung genossen hatte, die der anderer Kapitäne der Royal Navy kaum nachgestanden haben dürfte.
Sein post-ship (Beförderungs-Schiff), also das erste Schiff, das er als post captain kommandierte, war die Fregatte MELEAGER (32). Tatsächlich dürfte er dieses Schiff kaum jemals geführt haben. Perkins bekam als Kommando vielmehr die ARAB (20), ein Schiff, das von der Klasse (Sixth Rate) gerade noch in dem Rahmen lag, auf den ein post captain Anspruch hatte. Das 20-Kanonen-Schiff ARAB war ursprünglich der am 24. April 1798 von der PHOENIX (36 - Halsted) vor Kap Clear eroberte ehemalige französische Privatier BRAVE (22). Der Dreimaster glich bei seiner Eroberung einer Flachdeck-Korvette, doch der späteren ARAB wurde in einer englischen Werft ein Achterdeck aufgesetzt. Das Schiff hatte indessen kein klassisches Artilleriedeck wie eine Fregatte, das Orlopdeck fehlte und schließlich war Perkins Schiff schwächer bewaffnet als die kleinsten englischen 24-Kanonen-Fregatten.

 The Naval History of Great Britain: During the French Revolutionary and Napoleonic Wars The Naval History of Great Britain: During the French Revolutionary and Napoleonic Wars
von William James, Andrew Lambert
Sprache: Englisch
Gebunden - 568 Seiten - Stackpole Books

Erscheinungsdatum: März 2003
 James Henderson: Sloops and Brigs
AbeBooks.de: 110 Millionen neue, gebrauchte, vergriffene und antiquarische Bücher

Auf der ARAB lieferte sich der frisch gebackene Kapitän Perkins am 3. März 1801, mehr oder weniger unterstützt von dem englischen Kaperschiff EXPERIMENT (18), ein hartes, für beide Seiten blutiges Gefecht mit der dänischen Kriegsbrigg LOUGEN (18 - Carl Wilhelm Jessen) - einen Monat vor dem britischen Überfall auf Kopenhagen. Um den Hintergrund dieses Scharmützels zu verstehen, muß man die politische Lage zu diesem Zeitpunkt berücksichtigen: In Europa herrschte die Ruhe vor dem Sturm. Zwar hatten im Februar 1801 Österreich und Frankreich in Luneville einen Friedensvertrag geschlossen. Auch hatte der amerikanische Senat mit seiner Zustimmung zu einem Friedensvertrag den unerklärten Quasi-Krieg mit Frankreich beendet. Doch bereitete sich vor der Küste Ägyptens eine englische Flotte auf die Landung in Ägypten vor, um die vom Mutterland abgeschnittene und von General Napoleon Bonaparte verlassene französische Armee zur Kapitulation zu zwingen. Und die Gründung der Liga des Nordens bzw. der "Bewaffneten Neutralität" durch Rußland, Dänemark, Preußen und Schweden im Dezember 1800 war ein für Großbritannien nicht hinnehmbarer Vorgang. Besonders über dem Königreich Dänemark zog ein militärisches Gewitter auf: In Yarmouth, England, sammelt sich bereits eine britische Flotte um Admiral Hyde Parker und Vizeadmiral Lord Nelson, um mit einem Angriff auf Kopenhagen Dänemark aus der sogenannten Nordallianz bzw. der bewaffneten Neutralität zu zwingen. Fernab von Europa, in der Karibik, wurden die dänischen Inseln St. Thomas, St. John und St. Croix von den Briten mit einem Embargo belegt und blockiert. Eines der Blockadeschiffe war die ARAB, die am 3. März 1801 vor der Insel St. Thomas gemeinsam mit dem englischen Kaperschiff EXPERIMENT (18) auf die LOUGEN traf. In den Annalen der britischen Royal Navy ist dieser 3. März 1801 freilich ein wenig bemerkenswerter Tag. Weder der Historiker William James noch sein Kollege William Laird Clowes erwähnen für diesen Tag überhaupt eine miltärische Auseinandersetzung auf See. In Dänemark hat man diesbezüglich ein besseres Gedächtnis. Das Gefecht zwischen den Kontrahenten Jessen und Perkins wird auf der Webseite navalhistory.dk geschildert.
Freilich bezeichnet der Autor Johnny E. Balsved die ARAB etwas übertrieben als Fregatte und geht offensichtlich von einem signifikant ungleichen Kräfteverhältnis zugunsten der Briten aus. Die LOUGEN war zwar tatsächlich eine Brigg, also nur ein Zweimaster, doch sie war deswegen keinesfalls kleiner als die ARAB. Beide Schiffe dürften zwischen 350 und 400 Tonnen gehabt haben. Auch die Bewaffnung entspricht nicht den angeblich ungleichen Kräfteverhältnissen: Die ARAB verfügte über 20 Neunpfünder-Kanonen und 6 Achtzehnpfünder-Karronaden. Die 1791 gebaute dänische Brigg LOUGEN (18) war dagegen mit 18 Achtzehnpfünder-Kanonen dänischer Bauart (Die dänische Wiki sagt: 20 ) bestückt, die freilich von eher kürzerer Reichweite waren und in der Wirkung und Reichweite die englischen Karronaden gleichen Geschossgewichts etwas übertrafen. Dafür hatten die dänischen Kanoniere dann aber auch eine längere Ladezeit als die Männer an den englischen Geschützen. Man muß ferner noch bedenken, dass das Geschossgewicht einer dieser Kanonen, umgerechnet in englische Pfund, sogar über 19 Pfund betrug. Das dänische Breitseitengewicht betrug demnach etwas mehr als 152 (englische) Pfund, die britische Breitseite wog genau 144 Pfund. Am Ende muß man die Headline "Fregatte gegen Brigg" deutlich relativieren: Die "kleine" Brigg war ein "Pfundskerl", die englische Fregatte ein "Fregattchen".

 The Command of the Ocean: A Naval History of Britain 1649-1815
The Command of the Ocean: A Naval History of Britain 1649-1815
von N.A.M. Rodger
Sprache: Englisch
Taschenbuch - 976 Seiten - Penguin Books Ltd

Erscheinungsdatum: 30. Juni 2005
	British Warships in the Age of Sail 1793-1817

British Warships in the Age of Sail 1793-1817
von Rif Winfield
Sprache: Englisch
Hardcover - 352 Seiten - Chatham Publishing
Erscheinungsdatum: 15. Oktober 2005

Das englische Kaperschiff EXPERIMENT, noch weiter entfernt von einer Fregatte als die ARAB, dürfte bestenfalls Sechspfünder an Bord gehabt haben und war Perkins vermutlich kaum eine Hilfe. Kaperfahrer waren knallharte Unternehmer und schauten ausschließlich auf ihren Profit, es bestand also kein Anlass für den Kommandanten der EXPERIMENT, sich tatsächlich näher mit der äußerst wehrhaften dänischen Brigg einzulassen. Vielmehr dürfte die EXPERIMENT wie ein Geier auf das Resulat des Zweikampfes gewartet haben. Einige Salven auf Distanz, die die EXPERIMENT auf die LOUGEN abgefeuert haben mag, dürften der Wahrheit des Einsatzes der zweiten "Fregatte" sicher näher kommen.
Das Gefecht zwischen der ARAB und der LOUGEN führte bis unter die dänischen Kanonen auf St. Thomas, so dass Perkins sich schließlich zurückzog. Seinen Blockadeauftrag hatte er erfüllt und gegen die Landbatterien konnte die ARAB auf Dauer nicht bestehen. Dass das Gefecht in den Annalen der Royal Navy kaum zu finden ist, deutet aber vielleicht darauf hin, das man in der damaligen erfolgsverwöhnten britischen Marine die Leistung von Perkins als nicht erwähnenswert betrachtete.
Dafür steht der Name des immer gut informierten Perkins für die Besetzung der von den Franzosen kurz zuvor geräumten Inseln St. Eustatius und Saba Ende April 1801. Perkins nahm rund 100 Mann unter Colonel Blunt an Bord, erschien vor St. Eustatius und zwang durch die Landung Blunts den Gouverneur und seine zusammengeschmolzene holländische Truppe zur Kapitulation. Sein kommandierender Admiral, Konteradmiral John Duckworth, der, wie alle in der Karibik kommandierenden Admirale vor ihm, das Urteil und die Kompetenz von Perkins schätzte, profitierte von diesem Coup seines Kapitäns - Duckworth wurde u.a. deswegen in den ehrwürdigen Ritterorden von Bath aufgenommen.
Im Mai 1803 wechselte Perkins in das Kommando über die 1801 gebaute Fregatte TARTAR (32). Am 25. Juli 1803 war die TARTAR vor St. Domingo an der Verfolgung und Eroberung des französischen Linienschiffes DUQUESNE (74) beteiligt. Zusammen mit dem englischen Linienschiff VANGUARD (74 - James Walker) zwang die verfolgende TARTAR den Franzosen in einem Jagdgefecht zur Kapitulation.
Perkins musste jedoch schon Ende 1804 sein Kommando aus gesundheitlichen Gründen wieder abgeben. Der nun schon beinahe 60jährige Kapitän litt unter einer Atemwegserkrankung und setzte sich auf Jamaika zur Ruhe. Damit ging eine der bemerkenswertesten Karrieren dieser Zeit, nämlich die Offizierslaufbahn eines Farbigen in der Royal Navy des 18. Jahrhunderts, zu Ende. Am 27. Januar 1812 starb Kapitän John Perkins in Kingston. Sein Leben wäre wahrlich einen Roman wert.


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 The Royal Navy: A History from the Earliest Times to 1900 The Royal Navy:
A History from the Earliest Times to 1900

von William Laird Clowes
Sprache: Englisch
Taschenbuch (Reprint) - 640 Seiten
Erschienen bei Chatham Publishing -

Erscheinungsdatum: 1. November 1996
 The Trafalgar Companion: A Guide to History's Most Famous Sea Battle and the Life of Admiral Lord Nelson The Trafalgar Companion:
A Guide to History's Most Famous Sea Battle
and the Life of Admiral Lord Nelson

von Mark Adkin, Clive Farmer (Illustrator)
Sprache: Englisch
Gebunden - 560 Seiten
Erschienen bei Aurum Press

Erscheinungsdatum: 1. August 2005


Quellen:

  • Marc Adkin s.o.
  • William James s.o.
  • William Laird Clowes s.o.
  • Rif Winfield s.o.
  • James Henderson s.o.
  • Webseite navalhistory.dk

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