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Thomas Sturges Jackson - Logs of the great seafights


Chronologie der europäischen Seekriege 1793 bis 1815, Band 1, bis 1802
Chronologie der europäischen Seekriege 1793 - 1815
Band 1 : Von 1793 bis zum Frieden von Amiens 1802

von Thomas Siebe
Sprache: Deutsch Broschiert - 224 Seiten - BoD
ISBN 978-3-8423-2883-9 Erschienen: September 2010
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Beispiel-Seiten
Beispiel 1 - Beispiel 2 - Beispiel 3


Angriff auf Porto Praya

Suffrens und Johnstones Wettlauf zum Kap

1780 tobte in Nordamerika der Unabhängigkeitskrieg der Kolonialisten gegen die britische Krone. Dieser militärische Konflikt hatte sich durch die Kriegserklärungen Frankreichs und Spaniens an England zu einer weltweit ausgetragenen Auseinandersetzung entwickelt. Das zunächst neutrale Holland trat infolge einer offensichtlichen Fehleinschätzung der Lage und motiviert durch die Aussicht auf politischen Profit 1780 in den Krieg gegen England ein und vereinbarte am 1. Mai 1780 eine Allianz mit Frankreich.

Die Folgen der überstürzten Entscheidung des holländischen Stadhoulders Prinz Willem V. trugen zuerst die unzureichend für den Krieg verteidigten holländischen Besitzungen in Übersee, deren Bedrohung durch die Briten sich zu einer finanziellen Katastrophe für die ehemalige wirtschaftliche Weltmacht auswuchs. So eroberten die Briten am 3. Februar 1781 mit der holländischen Karibikinsel St. Eustatius einen blühenden Warenumschlagplatz in der Karibik und fügten damit dem Mutterland einen Verlust zu, von dem sich das Land an der Nordsee genau so wenig wie die einstmals reiche Antilleninsel erholen sollten. Eine weitere weitreichende Folge des Krieges musste die Holländischen Ostindischen Kompanie tragen: Von den Schiffsverlusten, die die Gesellschaft durch die Briten hinnehmen musste, sollte sie sich bis zum Zusammenbruch 1796 nie mehr erholen.

Einer der wichtigsten strategischen Punkte auf dem Weg nach Indien, Ceylon und Niederländisch-Indien (Java, Sumatra) war das holländisch besetzte Kap der Guten Hoffnung bzw. die stad de goede hoop, kurz: Kaapstad (Capetown). Ende 1780 erfuhren die Briten, daß die Südspitze Afrikas nur über schwache Verteidigungsressourcen verfügte. Holländische Handelsschiffe aus Südostasien und Indien sammelten sich in der Bucht am Tafelberg, bis Kriegsschiffe für einen Konvoi zur Verfügung standen. Diese Eskorten fehlten den Holländern aber an allen Ecken der Welt und die z.T. reichbeladenen Schiffe stauten sich in der Tafel- und Falso-Bucht (Table Bay und False Bay).

Das Kap war also ein primäres Ziel, um einen vernichtenden Schlag gegen den holländischen Feind auszuführen. Folgerichtig begann die Royal Navy insgeheim mit Vorbereitungen, um die Südspitze Afrikas zu erobern.

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ISBN 978-3-8391-0218-3 Erscheinungsdatum: Mai 2009
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Der Weg nach Porto Praya

In England versuchte man natürlich, die Pläne zur Eroberung des Kaps geheim zu halten. Im Spithead versammelte sich zwar unübersehbar eine englische Flotte, die jedoch mit Schiffen aus der Kanalflotte durchmischt war. Durch den reinen Augenschein war unmöglich die Formation geschweige denn die Grösse einer Expeditionsflotte erkennbar. Zwar wurden auf den Transportern rund 3000 Mann an Truppen eingeschifft, doch wurden die Infanteristen auf viele Schiffe verteilt. Ihr Einsatzort war zudem nur wenigen Männern bekannt.

Zum Führer der englischen Expeditionsflotte für das Kap ernannte man Kommodore George Johnstone, der diese Position jedoch weniger wegen seiner Fähigkeiten als vielmehr als Belohnung für eine politische Gefälligkeit erhielt. Als die ihm unterstellten Schiffe am 13. März 1781 zusammen mit Schiffen der englischen Kanalflotte ausliefen, war sich Johnstone sicher, daß ihm eine erfolgreiche, problemlose und wegen der Umstände natürlich siegreiche Kampanje bevorstand, die seine Karriere fördern würde. Deswegen legte er keinen Wert auf besondere Eile und rechnete auch mit keinem relevanten Feindkontakt. Die britischen Informationen besagten nämlich, daß bald eine grosse französischen Flotte unter Konteradmiral De Grasse nach Nordamerika segeln würde – weit weg von Afrika.

Doch die englischen Pläne für den Stützpunkt am Tafelberg waren bereits vor dem Auslaufen Johnstones verraten worden. Ein französischer Spion mit dem bieder klingenden Namen De La Motte schrieb Weltgeschiche: Er hatte dem französischen Marineminister De Castries nicht nur die englischen Eroberungspläne berichtet, sondern sogar die Geschwader- und Truppenstärke in Erfahrung gebracht.

Schnelles Handeln war erforderlich und da zu diesem Zeitpunkt die französische Flotte in Brest sich anschickte, die Reise über den Atlantik anzutreten und den amerikanischen Kolonisten in ihrem Freiheitskampf gegen die englische Krone beizustehen, wurde ein erfahrener französischer Kommandant aus dieser Flotte mit einigen Schiffen zum Kap abkommandiert. Kapitän Pierre-Andre de Suffren sollte den Briten zuvorkommen, Truppen am Kap zu landen, das Geschwader von Johnstone bekämpfen oder eine eventuelle Landung der Briten zu verhindern.

Am 22. März 1781 verliess die französische Flotte unter Admiral De Grasse den Hafen von Brest. Sozusagen getarnt in der Flotte von 26 Schlachtschiffen, 4 Fregatten, kleineren Kriegsschiffen und einer grossen Anzahl von Transportschiffen segelte Suffrens für das Kap bestimmte Geschwader. Am 29. März erreichte die Flotte die Azoren. Hier verliess Suffren mit seinem Verband aus fünf Linienschiffen, einer Fregatte und 7 weiteren Schiffen, beladen mit Truppen und Ausrüstung, die nach Westen weiter segelnde Flotte und setzte Kurs auf das Kap der Guten Hoffnung. Neben seinem Flaggschiff, der HEROS (74 Kanonen), bestand sein Geschwader aus der ANNIBAL (74), der ARTESIEN (64), zwei weiteren 64ern - (vermutlich) SEVERE und VENGEUR - und der Fregatte SERAPIS (44), übrigens das englische Schiff, das John Paul Jones am 23. September 1779 vor dem Flamborough Head erobert hatte (Siehe dazu hier).

Stationen des Wettlaufs zum Kap und das Kap

Schon nach wenigen Tagen machte Suffren jedoch Erfahrungen mit einem Ärgerniss, das ihn in den nächsten Monaten immer wieder frustieren sollte: Die Inkompetenz der ihm unterstellten Kommandanten. In diesem Fall hatten gleich zwei der 64-Kanonen-Linienschiffe nicht genügend Trinkwasser für die Route nach Kaapstad an Bord, was Suffren dazu zwang, einen Zwischenstopp einzulegen. Der französische Kommodore schickte wenigstens die SERAPIS (44) voraus, um den holländischen Stützpunkt am Kap vor einem englischen Angriff zu warnen.

Am 11. April erreichte inzwischen Johnstones Flotte mit über dreissig Transportern und Handelsschiffen, gedeckt von fünf Linienschiffen und einigen Fregatten, die Bucht von Porto Praya vor den Kapverdischen Inseln bzw. der Insel Santiago. Im Vergleich zu Suffrens kleiner Flotte verfügte Johnstone nur über ein 74-Kanonen-Schlachtschiff, die HERO (74 – Kapitän James Hawker) und ein 64er, die MONMOUTH (64 – Kapitän James Alms). Drei 50-Kanonen-Schiffe – ROMNEY (50 – George Johnstone), JUPITER (50) und ISIS (50 – Kapitän Sutton) sowie die Fregatten APOLLO (38), JASON (36), ACTIVE (32) and DIANA (28) komplettierten sein Kriegsgeschwader.

Die Kapverden gehörten zu diesem Zeitpunkt zu Portugal, das im Krieg zwischen England und Frankreich neutral war. Johnstone, dessen fachlicher Ruf in der Royal Navy nicht der Beste war, rechnete offensichtlich nicht mit einem Angriff, denn ließ seine Flotte ohne jede Ordnung in der Bucht ankern. Er versäumte es auch, Vorkehrung gegen einen möglichen Angriff zu treffen.Weder liess er kleinere Schiffe patroullieren noch waren Fregatten zur Aufklärung in See. Ein Grossteil der Crews ging an Land, sowohl zum Arbeitseinsatz als auch zum Vergnügen. Vielleicht ging der englische Kommodore davon aus, das der neutrale Hafen ihn schützte, vielleicht vermutete Johnstone keinerlei französische Schiffe in der Nähe. Schliesslich war seine Mission ja geheim, was den englischen Eroberer in spe offensichtlich aber auch nicht zur Eile drängen konnte.

Doch die Schlamperei der Kapitäne Suffrens und die Sorglosigkeit Johnstons fanden ihren geographischen Schnittpunkt vor Porto Praya: Der erwähnte Wassermangel führte Suffrens Geschwader ausgerechnet vor die Kapverdischen Inseln. Am frühen Morgen des 16. April 1781 kam zunächst das Linienschiff ARTESIEN (64) in Sichtweite von Porto Praya. Die ARTESIEN (64) war eines der noch wenigen Schiffe, deren Rumpf mit Kupferblech gegen Bewuchs geschützt wurde, was eine grössere Schnelligkeit garantierte. Deswegen war das Schiff als Vorhut gewählt worden. Der Kommandant der ARTESIEN konnte schon aus grosser Distanz erkennen, daß im Hafen von Porto Praya eine grosse Flotte von Schiffen lag.

 Napoleon's Overseas Army
Napoleon's Overseas Army
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Sprache: Englisch
Taschenbuch - 48 Seiten - Osprey Publishing (UK)
Erscheinungsdatum: Juli 1989
Im Zeitalter Napoleons bediente sich auch die französische Armee
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Der Angriff

Der französische Kommodore Suffren war sehr überrascht, als die weit voraus geeilte ARTESIEN ihm signalisierte, das in der Bucht ein grosser englischer Verband läge. Zuvor hatte nämlich die Topografie der Insel die britische Flotte den französischen Blicken entzogen.
Suffren ahnte natürlich sofort, daß dies nur das für das Kap bestimmte englische Expeditionsgeschwader sein konnte. Ihm blieb nun die Entscheidung vorbehalten, ob er die Neutralität Portugals achten und statt dessen auf seinen Vorsprung im Rennen zum Kap setzen sollte oder ob er den Befehl zum Angriff auf die Engländer geben sollte, um ihre Schiffe möglichst schwer zu beschädigen und damit vorzeitig auszuschalten.

Die unvorsichtige Aufstellung und die chaotisch gewählten Ankerplätze des englischen Kommodore mögen Suffren die Entscheidung erleichtert haben: Die Bucht von Porto Praya öffnet sich nach Süden und in der Regel liessen auf Sicherheit bedachte Kommandanten ihre Geschwader im Nordosten der Bucht vor Anker gehen. Für den von Osten kommenden Suffren wäre in diesem Fall der Weg zu einem Angriff nautisch schwieriger und folglich länger gewesen. Doch die Engländer bildeten eine krumme West-Nordwest-Formation, die einen für Suffrens Segler unproblematischen und schnellen Überraschungsangriff überhaupt erst zuliess.

Die englischen Kriegsschiffe hatten tatsächlich taktisch äusserst schlechte Positionen eingenommen. Zum Beispiel war das Flaggschiff von Johnstone, die ROMNEY (50), derartig von Transportern umringt, daß ihr kaum Raum zum Einsatz ihrer Kanonen blieb. Die JUPITER, die APOLLO und die JASON ankerten sogar so tief in der Bucht, daß sie bei einem Angriff auf absehbare Zeit gar nicht würden eingreifen können.
Dies gab vielleicht den Ausschlag für die Entscheidung des französischen Kommodore: Er liess sein Flaggschiff HEROS (74) gefechtsbereit machen, ihm folgten die ANNIBAL (74) und die ARTESIEN (64). Sicherlich liess Suffren seinem Geschwader auch den Befehl signalisieren, die Schiffe bereit für das Gefecht zu machen.

 The Naval History of Great Britain: During the French Revolutionary and Napoleonic Wars The Naval History of Great Britain: During the French Revolutionary and Napoleonic Wars
von William James, Andrew Lambert
Sprache: Englisch
Gebunden - 568 Seiten - Stackpole Books

Erscheinungsdatum: März 2003

Doch Suffren kannte seine Kapitäne offensichtlich noch schlecht. Der Kommandant der ANNIBAL bemühte sich nicht einmal an Deck. Grund: Er hielt den Befehl, sich für das Gefecht bereit zu machen, für eine Vorsichtsmassnahme für das Einlaufen. Deswegen war die ANNIBAL entweder gar nicht bzw. nur unzureichend klar für das Gefecht, als es hart auf hart ging. Die beiden anderen 64-Kanonen-Schiffe, die schon den ganzen Weg über zurückgehangen hatten, bemühten sich nicht weiter um eine schnelle Annäherung. Die Vermutung einer ähnlichen Fehleinschätzung der Situation wie auf der ANNIBAL liegt nahe. Die ARTESIEN als dritte in der Linie hatte Befehl, hinter den beiden 74-Kanonen-Schiffen zu bleiben und hatte hinter der eher müssigen ANNIBAL natürlich Probleme, dem Tempo Suffrens zu folgen. So kam es, das die HEROS zu Beginn der einzig wirklich vorbereitete Angreifer war, der in die Bucht hineinrauschte.

Auf britischer Seite war die Annäherung der Franzosen nicht unbemerkt geblieben. Das kleine Linienschiff ISIS unter Kapitän Sutton hatte um 9:30 nordöstlich der Insel zuerst die Annäherung grosser Segler ausgemacht, die sich dem südöstlichsten Punkt der Bucht näherten. Irgendwann muss den Briten dann klar gewesen sein, das es sich um Schlachtschiffe handelte. Es war aber zu spät. Es fehlte an Bord der englischen Kriegsschiffe an Männern, von den Crews waren viele an Land eingesetzt. Auch war gar nicht mehr daran zu denken, die chaotische Aufstellung noch zu verbessern. Immerhin: Von den über dreissig Transportern und zivilen Schiffen waren viele armiert und es unmöglich zu sagen, wieviele Kanonen zur Abwehr ausgerannt wurden.

Dies sollte nicht unwichtig werden, denn der französische Kommandant plante, in das Zentrum des ungeordneten Haufens vorzustossen, das er inmitten des englischen Waldes aus Masten hatte entdecken können. Das Ziel, das Suffren ausgemacht hatte, waren nämlich die beiden grossen englischen Linienschiffe HERO und MONMOUTH, die relativ nahe zusammenlagen. Wahrscheinlich erwartete er von den der HERO folgenden ANNIBAL und ARTESIEN einen Angriff auf die MONMOUTH, während Suffren selbst sich auf das grösste britische Kriegsschiff stürzen wollte, möglicherweise auch in der falschen Annahme, es sei das Flaggschiff. Wären diese beiden stärksten englischen Gegner bezwungen, wäre der Sieg wohl sicher. Die verbleibenden drei 50-Kanonen-Schiffe - geschweige denn die britischen Fregatten - hätten wohl keine Chance mehr gegen die artilleristisch überlegenen Angreifer gehabt.

Der Weg der französischen Schiffe hinein in den Haufen ankernder Schiffe wurde backbord und steuerbord markiert von Pulverwolken ausgelöster Kanonenschüsse und Musketenfeuer. Besonders effektvoll und zielgenau war dabei der Beschuss von dem kleinen Feuerschiff INFERNAL (14 - Henry D'Esterre Darby), der an Bord der Angreifer zu unerwartet hohen Verlusten führte. Auch die armierten zivilen Schiffe deckten die sich nähernden Franzosen mit Geschütz- und Musketenfeuer ein. Was davon in dem Gedränge der Schiffe die französischen Schiffe traf, fehl ging und / oder gar andere ankernde Schiffe traf, muss man der Vorstellungskraft der Leser überlassen, wenn sie weiter unten die Verlustzahlen der Franzosen und Zivilisten zur Kenntnis nehmen. Das Abwehrfeuer der Briten stellte aber eine peinliche Überraschung für den Kapitän der ANNIBAL dar, der spätestens durch den Kanonendonner aufgeschreckt sein Deck erreicht haben sollte. Suffrens Flaggschiff HEROS passierte in grosser Entfernung das tatsächliche Flaggschiff ROMNEY, das einige wenige Kanonen zwischen den umringenden Schiffen abfeuern konnte. Die HEROS näherte sich jedoch unaufhaltsam der HERO, die ANNIBAL folgte ihr in einigem Abstand auf selbem Kurs und die ARTESIEN versuchte Anschluss zu halten. Dieses 64-Kanonen-Schiff war vermutlich auch das erste französische Schiff, das das Feuer eröffnete, als es die englische ISIS in grösserer Distanz passierte.

Das französische Flaggschiff passierte inzwischen die MONMOUTH, luvte an, glitt auf die Steuerbordseite der HERO und liess den Anker fallen. Ob hinter dem Heck des englischen 74ers andere englische Schiffe lagen oder ob es Suffrens Ehrgefühl widersprach, den überfallartigen Angriff mit einem Längsbeschuss des Gegners zu beginnen, ist unbekannt. Das französische Flaggschiff ankerte jedenfalls Seite an Seite mit der HERO, wenngleich in einiger Entfernung, und das Duell der Heroen begann. Es war die ANNIBAL, deren Kommandant einmal mehr versagte und das Duell unterbrach. Sein Schiff liess die MONMOUTH unbedrängt und verpasste auch noch das Ankermanöver. So gelangte die ANNIBAL direkt vor die HEROS, bevor der Anker griff und Suffren musste, um nicht zu kollidieren, die Ankerkette verlängern und sein Schiff zurückfallen lassen. Immerhin konnte die HEROS dadurch nun die auf ihrer Steuerbordseite liegende MONMOUTH bekämpfen, doch die noch immer nicht ganz gefechtsklare ANNIBAL kassierte schwere Treffer von der englische HERO.

Suffrens Angriff vor Porto Praya 1781

Die ARTESIEN war den beiden grösseren Linienschiffen gefolgt, doch auf dem Weg durch das englischen Abwehrfeuer wurde ihr Kapitän durch einen Musketenschuss getötet. In dem kurzfristig entstandenen Befehlsvakuum und den Pulverdampfschwaden versäumte das französische Schlachtschiff das Ankermanöver, kam vom Kurs ab, verwechselte dann einen Ostindienfahrer mit einem Kriegsschiff und rammte versehentlich das ankernde Handelsschiff. Der 1. Offizier der ARTESIEN machte dann aus der Not eine Tugend und liess den Ostindienfahrer entern und erobern. Er sollte jedoch kaum noch Gelegenheit haben, weitergehende Kampfhandlungen zu befehlen.


Der Rückzug

Auf der HEROS dürfte Suffren nämlich inzwischen seine untergebenen Kommandanten verflucht haben, denn der Angriff erwies sich mehr und mehr als glatter Fehlschlag. Zwar konnte das französische Flaggschiff erfolgreich sowohl die HERO auf der Backbordseite voraus als auch die MONMOUTH auf der Steuerbordseite unter Feuer nehmen, doch die ANNIBAL zeigte sich bereits nach den ersten Breitseiten angeschlagen. Hier rächte sich, daß man die Klarschiffvorbereitungen nur schlampig oder gar nicht ausgeführt hatte.
Es kam aber noch schlimmer: Die beiden verbliebenen 64-Kanonen-Schiffe, die schon zuvor so weit hinter ihrem Kommodore zurückgeblieben waren, steuerten lediglich einen Kurs am äusseren Rand der Bucht und nahmen dann aus einiger Distanz die ISIS unter Feuer anstatt in das Zentrum des Kampfes vorzustossen und den Tag zu entscheiden.
Die ARTESIEN hatte sich auch als schlechte Hilfe erwiesen und trieb mit dem eroberten Ostindienfahrer an ihrer Seite langsam aus der Bucht.
Nach nur 45 Minuten Gefecht gab Suffren deswegen den Befehl an die ANNIBAL, den Anker zu kappen und aus der Bucht heraus zu steuern. Die HERO ging ebenfalls Anker auf und brach das Gefecht ab. Die ARTESIEN glitt bereits mit dem gekaperten Schiff im Tau davon. Der französische Kommodore war klug genug, um zu erkennen, daß sein Überraschungsschlag an der Inkompetenz seiner Kapitäne gescheitert war. Es zeigte sich auch, daß Suffren das Gefecht gerade noch rechtzeitig abgebrochen hatte, denn die ANNIBAL war noch nicht aus der Bucht heraus, da fiel ein Mast nach dem anderen um und das Schiff musste in Schlepp genommen werden.

Eine Büste von Pierre Andre Suffren
Eine Büste von Pierre Andre Suffren.
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Kommodore George Johnstone
Kommodore George Johnstone
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Kommodore Johnstone hatte auf der eingekeilten ROMNEY dem Angriff annähernd hilflos zusehen müssen. Er dürfte das Versagen der französischen Kapitäne mit einiger Erleichterung registriert haben und der Zustand der ANNIBAL war ihm sicherlich auch nicht entgangen. Das französische Geschwader hatte sich zweifellos eine blutige Nase geholt. Auf der anderen Seite würde Johnstone in seinem Bericht Rechenschaft über die mangelnde Vorbereitung auf den Angriff ablegen müssen. Die unwesentliche Rolle der ROMNEY würde ohne Zweifel auch zur Sprache kommen. Vielleicht drängte der Kommodore deswegen auf die sofortige Verfolgung der Franzosen.

Kapitän Sutton von der ISIS warnte seinen Oberbefehlshaber, daß die ISIS zu schwere Treffer bekommen hatte und eine sofortige Verfolgung nicht durchstehen würde. Johnstone bestand jedoch auf seinem Befehl. Die Takelage und Masten der ISIS waren jedoch tatsächlich zu schwer beschädigt und die ISIS hatte noch nicht richtig Fahrt aufgenommen, als schon ihr Fockmast über Bord ging und das Schiff ausser Gefecht setzte. Dies nahm der verbitterte Johnstone Sutton freilich übel: Er liess den Kapitän unter Arrest stellen. Ein Kriegsgericht sprach den unglücklichen Kommandanten der ISIS dann aber später frei.

Die JUPITER und einige Fregatten wiederum kamen nicht schnell genug unter Segel und aus der Bucht heraus, um an der Jagd teilzunehmen. Deswegen musste Johnstone die Verfolgung mit nur drei Linienschiffen aufnehmen, von denen die MONMOUTH auch noch einen schwer angeschlagenen Mast hatte.
Die Hektik des Aufbruchs kann man an einem Versäumnis ermessen: Vor dem Auslaufen vergass Johnstone, mit den zurückbleibenden Schiffen einen Treffpunkt zu vereinbaren, gesetzt den Fall, er würde nicht nach Porto Praya zurückkehren. Dieses Versäumnis beraubte Johnstone bei der Verfolgung der Franzosen möglicher Handlungsalternativen.

Grosse Hoffnung auf eine erfolgreiche Verfolgung machte immerhin die hinter ihren Schwestern zurückgebliebene ANNIBAL. Dem französischen Schiff war es zwar inzwischen gelungen, einen einzigen Notmast aufzurichten, doch das Linienschiff machte nicht genügend Fahrt. Es war hinter seinem Geschwader zurückgeblieben und drohte den Briten zum Opfer zu fallen.

Das französische Schlachtschiff war jedoch im Glück. Die Dämmerung begann schon aufzuziehen, die See wurde rauher und Suffren liess seine Schiffe beidrehen, um auf die ANNIBAL warten. Wiederum gerade rechtzeitig, denn die HERO, MONMOUTH und ROMNEY hatten sich dem angeschlagenen französischen Schiff bedrohlich genähert. Johnstone entschied sich an diesem Punkt offensichtlich gegen ein weiteres Vorgehen – ob aus nautischen Gründen, wegen der Dunkelheit oder weil er ein Nachtgefecht gegen Übermacht vermeiden wollte ? Suffrens Geschwader setzte jedenfalls seinen Weg zum Kap fort, während Johnstone zunächst nach Porto Praya zurückkehren musste, um seine Schäden auszubessern und das Geschwader wieder zusammenzuführen.

Das Gefecht hatte der Royal Navy 9 Tote und 47 Verwundete gekostet, im Konvoi der Transporter und Handelsschiffe waren jedoch 36 Tote und über 130 Verwundete zu beklagen. Suffrens Geschwader aber musste den gewagten Segeltörn in das englische Abwehrfeuer und die Unfähigkeit des Kommandanten der ANNIBAL mit dem erschreckenden Blutzoll von 105 Toten und 210 Verwundeten bezahlen. Die Verluste entstanden fast ausschließlich an Bord der ANNIBAL und HEROS. Alles in allem muss man aus dieser Sicht wohl von einer französischen Niederlage sprechen. Ob Suffrens Geschwader durch den Angriff einen entscheidenden Vorsprung im Wettlauf zum Kap errang, kann man bezweifeln.


Am Kap der Guten Hoffnung

Inzwischen hatte die französische Fregatte SERAPIS jedoch ohne Unfälle die Südspitze Afrikas erreicht. Die Botschaft der SERAPIS erreichte den holländischen Gouverneur Joachim van Plettenberg am 20. Mai 1781, doch bestätigte die Botschaft der französischen Fregatte lediglich, was Plettenberg bereits geahnt hatte, nämlich, das die Engländer den Angriff planten. Dem Gouverneur fehlten aber einfach die Truppen und die Schiffe, um eine erfolgreiche Verteidigung des Stützpunktes am Tafelberg überhaupt in Betracht zu ziehen. Schon am 16. Mai hattePlettenberg in der Absicht, die in der Bucht auf Geleitschutz wartenden Indienfahrer HOOGKARSPEL (Kapitän Harmeyer), MIDDELBURG (Kapitän van Gennep), HONKOOP , PAARL und DANKBAARHEID unter Kommodore Gerrit Harmeyer vor einem eventuellen britischem Zugriff zu schützen, ihre Verlegung in die Saldanha-Bucht befohlen. Begleitet wurde die Handelsflotte von der HELD WOLTEMADE, die mit weiterem Ziel Ceylon eingelaufen war, jedoch Reparaturen vornehmen musste. Plettenberg konnte natürlich nicht ahnen, welche Konsequenzen sein Befehl noch haben sollte.
Den Kommandanten der Handelsschiffe wurde übrigens die strikte Anweisung gegeben, die Schiffe zu verbrennen, sollte ein Entkommen vor den Briten unmöglich sein. Mehr konnte Plettenberg nicht tun. Und so wartete man am Kap einfach, wer das Rennen gewinnen würde.

Es war schliesslich die HEROS, die am 21. Juni 1781 in der Tafel-Bucht (Table Bay) vor Kaapstad erschien. Sie war vorausgeeilt, um die Verhältnisse vor Ort zu erkunden. Suffren erfuhr, das man weder in Kaapstad (Capetown) noch in Simonstad (Simonstown) Informationen über englische Schiffe erhalten hatte. Wenige Tage später erreichte Suffrens Flotte das Kap und warf in der Falso-Bucht (False Bay) Anker. Die Franzosen waren Sieger des Wettlaufs. Am 2. Juli 1781 wurden 750 Soldaten unter Colonel Conway ausgebootet und in Kaapstad stationiert. Die spannende Frage für Suffren und Plettenberg war nun: Wo war Johnstone ? Und: Würden die Engländer trotzdem angreifen ?


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Am 4. Juli 1781 machte sich die reparierte HELD WOLTEMADE auf den Weg aus der Saldanha-Bucht und traf auf eine Fregatte unter französischer Flagge. Der holländische Kapitän signalisierte dem Schiff unter Verbündeten-Flagge freimütig über die Ankunft Suffrens und die noch in der Bucht liegenden Schiffe. Nach vollendetem Austausch von Informationen senkte sich jedoch die Flagge mit den französischen Lilien und wurde durch das Banner Englands ersetzt. Die Fregatte war die ACTIVE (32), eine von Johnstones Schiffen. Sie nahm die HELD WOLTEMADE als Prise und kehrte zum anlaufenden britischen Geschwader zurück, um Bericht zu erstatten. Am 21. Juli erschien Johnstone persönlich mit der ROMNEY und seinem Geschwader in der Saldanha-Bucht und nahm im Handstreich die dort ankernden holländische Schiffe weg. Lediglich auf der MIDDELBURG hatte man ausreichende Vorkehrungen für eine Vernichtung des Schiffes getroffen, van Genneps Schiff verbrannte. Auf den anderen Schiffen dagegen hatte man offensichtlich geschlampt, die vorbereiteten Briten konnten bereits gelegte Feuer löschen. War dies Johnstones erster Schlag in einem Feldzug gegen Kaapstad ? Zumindest war die Wegnahme der Handelsschiffe eine Katastrophe für die Holländische Ostindische Kompanie, die nach ihrem Bankrott 1796 aufhörte, zu existieren – tatsächlich erholte sich die Handelsgesellschaft nie von den Folgen des hier geschilderten Konfliktes.

Die Holländer und Franzosen erwarteten jederzeit den Angriff Johnstones, doch...die Briten griffen nicht an. Johnstone war zu einer problemlosen, aber profitversprechenden Eroberung des Kaps ausgezogen. Nun aber musste er sich auf harten Widerstand gefasst machen, sogar eine Niederlage war möglich.
Dies war offensichtlich nicht nach dem Geschmack des Kommodore. Er kehrte mit der ROMNEY und der JUPITER als Geleit für einen Konvoi nach England zurück, während die HEROS, MONMOUTH und ISIS zum Geschwader von Konteradmiral Sir Edward Hughes im Indischen Ozean stiessen.
Kommodore Suffren verliess erst im September das nun gesicherte Kap der Guten Hoffnung und begab sich mit seinem Geschwader ebenfalls in den Indischen Ozean. Dem dortigen Befehlshaber brachte er die Befehle des Marineministers, die englischen Handelsrouten vor der indischen Küste anzugreifen. Am 25. Oktober 1781 stiess Suffren vor Mauritius zum Geschwader des Comte d´Orvres. Nur wenige Monate später, am 9. Februar 1782, starb der französische Admiral und Kommodore Suffren hatte plötzlich das Kommando im Indischen Ozean. Er sollte in den folgenden Monaten die Befehle seines Ministers in mehreren blutigen Schlachten gegen die englische Flotte unter Konteradmiral Hughes befolgen und schliesslich als Held nach Frankreich zurückkehren, doch davon später einmal.


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