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Das letzte Gefecht der GLORIOSO
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Chronologie der europäischen Seekriege 1793 bis 1815, Band 1, bis 1802
Chronologie der europäischen Seekriege 1793 - 1815
Band 1 : Von 1793 bis zum Frieden von Amiens 1802

von Thomas Siebe
Sprache: Deutsch Broschiert - 224 Seiten - BoD
ISBN 978-3-8423-2883-9 Erschienen: September 2010
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Abukir-Startseite
2. Nelsons Jagd auf Napoleons Flotte
3. Die Schlacht in der Bucht von Abukir
Zeittafel um Abukir, Nelson, Malta und die LEANDER

1. ABUKIR - Die Vorgeschichte zur " Battle of the Nile "

Die berühmteste Seeschlacht der Welt ist vermutlich die Schlacht von Trafalgar 1805, in der Lord Nelson die französisch-spanische Flotte des Admiral Villeneuve vernichtend schlug. Es war eine Schlacht, in der über 50 riesige Linienschiffe zum Einsatz kamen und deren Andenken sogar noch heute viel Aufwand gewidmet wird. Nelson, der siegreiche Admiral, starb vor KapTrafalgar, doch war er zuvor bereits ein Seeheld. Sein Ruhm begründete sich auf ein Treffen zweier großer Linienschiff-Geschwader vor der Mündung des Nil, in der Bucht von Abukir ( Aboukir ).

"The Battle of the Nile", wie sie in England heißt, war eine historisch wesentlich bedeutsamere Seeschlacht, vergleicht man sie mit Trafalgar. Sie war dies nicht nur, weil sie ein Ergebnis des berühmten ägyptischen Abenteuers des jungen Generals Napoleon Bonaparte gewesen ist. Man darf sogar so weit gehen, die Schlacht in der Bucht von Abukir 1798 als Grundlage für den späteren Sieg bei Trafalgar 1805 zu betrachten.

Dabei war der Verlust an Schiffen für die unterlegenen Franzosen marginal. Das durch die folgende Seeblockade auch die Expeditionsarmee des Napoleon Bonaparte in Ägypten abgeschnitten wurde, hat der Karriere des späteren Kaisers nicht einmal geschadet.

Doch waren die Briten - die in den Jahren zuvor in eine zunehmend bedrohlich passive Rolle gedrängt worden waren - mit dem Sieg zurück im Mittelmeer und fanden nach problematischen Jahren wieder eine offensive Rolle in der europäischen Politik - durch das Comeback ihrer Flotte.

Vor allem der psychologische Effekt der vernichtenden französischen Niederlage erscheint mir verheerend. Die Tatsache, daß ein englischer Admiral und seine Kapitäne ihre riesigen Schiffe bei hereinbrechender Dunkelheit mit voller Fahrt in ein mit Untiefen gespicktes Gewässer lenkten, in dem die französischen Kommandanten zuvor sehr vorsichtig und mühevoll ihre Schiffe in einer Schlachtlinie geankert hatten, war ein Schock für die Franzosen, machte aus Nelson in Europa eine Art Superstar und gab der englischen Flotte den in den amerikanischen Unabhängigkeitskriegen verlorengegangenen Nimbus der Unschlagbarkeit zurück. Dieser Nimbus verhalf dem späteren Lord Nelson zu einer Durchschlagskraft, die nicht selten über Sieg und Niederlage entschied - zum Beispiel vor Kopenhagen 1801.

Bevor es aber zur Schlacht von Abukir kam, fand eine dramatische Jagd Nelsons auf die französische Flotte statt - nicht unähnlich der Vorgeschichte zu Trafalgar. Diese Jagd wie auch die spätere Schlacht demonstrierten zwei der wertvollsten Tugenden des englischen Seehelden: Extreme Hartnäckigkeit und ebenso extreme Risikobereitschaft.

Zunächst will ich jedoch die historischen Zusammenhänge skizzieren, aus denen heraus Frankreich eine Invasionsflotte nach Ägypten schickte:

Frankreich 1797: Nach der französischen Revolution und der Terrorherrschaft herrschte das Direktorium, eine Junta aus fünf einflußreichen Männern. Diese Institution brachte jedoch keineswegs die erhoffte Stabilität, sondern taumelte im Gegenteil von einer Krise in die andere: Es herrschte soziales und innenpolitisches Chaos. Von innen bedroht durch Aufstände, von außen militärisch unter Druck insbesondere durch die Großmächte England und Österreich mußte sich das höchst labile Machtgefüge dieses post-revolutionären Regierungsgremiums zunehmend auf militärische Instrumentarien stützen.

Um die österreichische Bedrohung zu verlagern, hatte man einen kleinen, aber verdienten General nach Italien geschickt: Napoleon Bonaparte hatte entscheidend zur Niederwerfung des Royalisten- Aufstandes 1795 beigetragen und sich damit das Vertrauen insbesondere des Direktoriums-Mitgliedes Barras 4 verdient. Bonaparte fand jedoch in Italien lediglich eine zerlumpte und desorgansierte Arme von nur rund 40000 Mann vor. Ursprünglich sollte diese Armee Österreich militärisch lediglich vom eigentlichen Ziel des Direktoriums, nämlich Deutschland, ablenken. Doch der kleine General - zunächst als Kanonenfutter gedacht - feierte trotz Unterzahl, schlechter Ausrüstung und mangelnder Unterstützung aus Frankreich einen Sieg nach dem anderen, agierte schließlich sogar völlig autonom und stieg in Frankreich zu einem Volkshelden, zum " Retter Frankreichs" auf. Damit wurde er jedoch gleichzeitig zu einer Bedrohung für das Direktorium, welches zunehmend in Abhängigkeit zum Sieger des Italienfeldzuges geriet.

Eine andere, schwere Bedrohung für die französische Republik hatte bereits seit 1793 Großbritannien dargestellt. Dabei war der gefährlichste britische Stachel jedoch nicht die traditionelle Seemacht - vielmehr wurde Frankreich viel empfindlicher durch die britische, finanzielle Unterstützung französischer Gegnermächte getroffen.

Die starken Männer in Paris und die sie stützenden Militärs wie z.B. General Hoche verfolgten seit 1795 das Ziel einer entscheidenden Schwächung Englands. Zunächst taten sie dies durch freilich am Ende desaströse Versuche, Aufstände auf der irischen Insel anzuzetteln und zu unterstützen. Wegen dieser Mißerfolge ließen sie immer wieder die Möglichkeit einer direkten Invasion auf der englischen Insel prüfen - als Hindernis für eine solche Invasion erschien jedoch die englische Flotte als zu mächtig.

Im Direktorium war man sich während des glanzvoll verlaufenden Italienfeldzuges darüber im klaren, daß nichts gefährlicher für die Macht sein konnte als ein Volksheld, der sich nach dem Sieg ohne Beschäftigung in Frankreich aufhielt. Somit lag es nahe, das englische Problem mit dem immer unabhängiger agierenden General zu verknüpfen: Napoleon Bonaparte wurde zum Befehlshaber der Invasionstruppen für England ernannt 8 und sofort mit der Prüfung dieser Angriffsoption beauftragt.

Der erfolgreiche General - durchaus im Bewußtsein seiner wachsenden Macht - kam schnell zu dem Ergebnis, daß eine Invasion auf der englischen Insel unmöglich war, weil eine entsprechend große Armee gar nicht zur Verfügung stand. Zudem war die einst während des amerikanischen Unabhängigkeitskrieges so starke französische Marine durch die Revolution und anschließende Terrorherrschaft stark geschwächt. Ohne eine starke Seeunterstützung aber - das hatte die Vernichtung des holländischen Geschwaders bei Kamperduin ( Camperdown 7 ) gezeigt - waren militärische Operationen auf den britischen Inseln zum Scheitern verurteilt.

Um die Briten aber zu schwächen und ihnen einen empfindlichen Schlag zuzufügen, schlug Bonaparte dem Direktorium einen Feldzug gegen das von den Mamelucken beherrschte Ägypten vor 2. Die Mamelucken unterhielten umfangreiche Handelsbeziehungen mit England, waren aber in Ägypten nicht beliebt. Somit schien eine Invasion die Unterstützung der Bevölkerung zu haben. Hatte man erst einmal Ägypten, war der Landweg nach Asien frei. Eventuell konnte man sogar das Mittelmeer und das rote Meer mit einem Kanal verbinden.

In jedem Fall wollte man auf diese Weise die Engländer in Indien bedrohen und so zumindest große britische Kräfte dort binden wenn nicht sogar zur Eroberung Indiens zu schreiten.

Die Interessen des Direktoriums und des Generals trafen sich hier auf merkwürdige Weise: Die starken Männer in Paris wurden vorerst den bedrohlichen Volkshelden - für womöglich Jahre - los. Napoleon Bonaparte dagegen hatte völlig freie Hand für einen schon lange gehegten Traum, einen Eroberungsfeldzug1, der ihn- als Nebeneffekt - aus der Tagespolitik heraushielt. Er zog bereits in´s Kalkül, mit Ruhm bedeckt in eine instabiles Frankreich zurückzukehren, um dann die reife Frucht der Macht für sich pflücken zu können.

Der Zeitpunkt schien gerade1798 günstig. Großbritannien war durch Meutereien innerhalb der Navy in Spithead und auf dem Nore 1797 zuvor geschwächt und seit 1796 nicht mehr mit größeren Schiffsverbänden im Mittelmeer vertreten. Der Diktatfrieden von Campio Formio 3 am 17.10.1797 mit Österreich ließ England als alleinigen Gegner der expandierenden französischen Republik in der Defensive zurück. Das ideal erscheinende Ziel Ägypten gehörte nur noch formal zum Osmanischen Reich - das Direktorium hoffte den früheren Verbündeten den Angriff "verkaufen" 5 zu können - nicht zuletzt durch eine Beteiligung an der Beute. Der Feldzug schien allein ein organisatorisches und finanzielles Problem. Ein guter Zeitpunkt deswegen natürlich auch, um die Kriegskasse zu füllen - schon aus diesem Grund war der Feldzug von vornherein mit einem Zwischenstopp auf Malta 6 geplant. Dort gab es Geld, aber auch weitere Soldaten für die Invasion.

In England hatte man mit Sorgen umfangreiche militärische Vorbereitungen in Häfen wie Toulon oder Genua beobachtet. Zwar gab es mit dem Seesiegen über die spanische Flotte bei St. Vincent und über die Flotte der batavischen Republik 1797 auch militärische Erfolge, doch damit hatte man der Entwicklung auf dem Kontinent wenig entgegensetzen können. Das britische Reich war groß, somit auch die Zahl der Angriffspunkte. Aus diesem Grunde wünschte man bei der britischen Admiralität den Vorhaben von Napoleon Bonaparte schon im Ansatz einen Riegel vorzuschieben.

Trotz bemühter Geheimhaltung seitens des Direktoriums waren bereits recht sichere Hinweise für einen französischen Schlag gegen Malta an englische Ohren gedrungen, wurden aber durch eine Reihe von Mißverständnissen und Versäumnisse nicht schnell genug weitergeleitet - Nachrichtendienste im heutigen Sinne gab es noch nicht . Die Admiralität ahnte immerhin, daß ein mögliches Ziel Ägypten sein könnte, womit ein wirklich empfindlicher Schlag gegen eine der wirtschaftlichen Schlagadern des britischen Empire drohte. In jedem Fall war man aber entschlossen, Bonaparte zu stoppen.

Lord St.Vincent - der Kommandeur der Atlantikflotte - bekam Befehle, nötigenfalls sogar die Blockade der Reste der spanischen Flotte in Cadiz aufzugeben, um das drohende französische Unternehmen zum Scheitern zu bringen. Dabei wurde St. Vincent dringend empfohlen, den jungen Konteradmiral Nelson zu schicken - das hatte der Alte aber ohnehin vorgehabt . Nelson war zwar zuletzt auf Teneriffa spektakulär gescheitert, hatte dabei aber erneut seine Hartnäckigkeit und Risikobereitschaft demonstriert - in den Augen der Admiralität der richtige Gegner für den ehrgeizigen General Bonaparte.

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Teil 2 : Nelsons Jagd auf Napoleons Flotte


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Fußnoten

1 Napoleons Idol, Alexander der Große, war 332 v.C. in Ägypten als Befreier gefeiert worden. Er war zu diesem Zeitpunkt ungefähr in Napoleons Alter. Aus Napoleons Korrespondenz mit dem Direktorium geht hervor, daß der General Ägypten als Basis für Unternehmungen in Richtung Konstantinopel und Indien und in jedem Fall für die Kontrolle des östlichen Mittelmeers sah.

2 Nach anderen Quellen soll es Talleyrand gewesen sein, der beiden Seiten den Plan schmackhaft gemacht habe.

3 Der Vertrag ordnete die Verhältnisse in Norditalien neu. Frankreich tauschte Venedig gegen Mailand und schrieb den Besitz des linken Rheinufers fest. Dazu kam noch die Kontrolle über das heutige Belgien ( ehemalige österreichische Niederlande ). Holland war ja bereits zur von Frankreich abhängigen batavischen Republik geworden.

4 Barras war sozusagen Innenminister und damit u.a. für die Polizei zuständig. Er war damit praktisch der mächtigste Mann im Direktorium.

5 Talleyrand als Außenminister sollte sich nach Konstantinopel einschiffen, um dort zu erklären, daß man im Interesse des osmanischen Reiches handele, versäumte ( !!! ) es jedoch schlicht, den Sultan rechtzeitig von der Invasion in Kenntnis zu setzen. Damit handelte sich Frankreich - typisch für das Chaos im Direktorium - ganz überflüssig eine Kriegserklärung des "Verbündeten" ein.

6 Malta wurde durch den Malteserorden regiert, war aber formal an das Königreich Neapel angebunden. Beide Mächte erschienen dem Direktorium und Bonaparte zu Recht schwach. Doch eine andere Macht hatte sich bereits für die kleine Mittelmeerinsel interessiert: Wie mit dem Sultan wegen Ägypten so verdarb es sich das Direktorium nun auch mit... den Russen. Der Zar Paul oder Pavel I. hatte sich nämlich Malta schon lange als russischen Stützpunkt im Mittelmeer ausgeguckt. Die französische Invasion fügte ihn der Reihe von Feinden der französischen Republik hinzu.

7 11.10.1798: Die batavische Republik bzw. Holland - abhängig von Frankreich - stellte eine Flotte von 16 Schiffen zur Verfügung, um nach Irland zu segeln und dort einen Aufstand zu unterstützen. 15000 Mann und zusätzliche Waffen, Munition und Ausrüstung für die Rebellen sollten auf der irischen Insel gelandet werden. Doch der britische Admiral Duncan fing die holländische Flotte in der Nordsee ab und fügte deren Kommandant Admiral de Winter eine vernichtende Niederlage zu. Die Holländer verloren u.a. 9 Linienschiffe und 5000 Mann, während die Engländer ohne Verluste an Schiffen blieben.

8 Der Beschluß erfolgte am 26.10.1797.


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