Napoleons gefallenen Göttinnen
SEESCHLACHT.TK - Das Buch

Napoleons gefallene Göttinnen
Die Geschichte der französischen MINERVE-Fregatten

von Thomas Siebe
Sprache: Deutsch Paperback - 349 Seiten - BoD
ISBN 978-3-8391-0218-3 Erscheinungsdatum: Mai 2009
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Seeschlacht.tk - Die Seekriege, Seeschlachten und Duelle auf See von 1775 bis 1815
Linienschiffschlachten 1794 - 1806 Download



Seeschlacht vor Providien 1782 - Suffren versus Hughes Nr. 2


Nach der Seeschlacht vor Sadras hatte sich Suffrens Flotte nach Porto Novo begeben, um die dortigen Truppentransporter zu schützen und die Truppenlandungen zu unterstützen. Der französische Oberkommandierende traf sich mit Haidar Ali, um das weitere Vorgehen zu beraten. Ein französischer Sonderbotschafter mit Namen Piveron de Morlat wurde an Haidars Hof akkreditiert, die französischen Truppen freilich blieben unter französischem Kommando, obwohl von nun an der Dalwai von Mysore ihren Sold zahlte - Suffren war offensichtlich ein knallharter Verhandlungsführer.
Inzwischen hatten den Kommodore Nachrichten erreicht, wonach zwei englische Linienschiffe im Begriff waren, die Südspitze Ceylons zu runden, um dann als Verstärkung zu Konteradmiral Hughes zu stoßen. In der Annahme, Hughes Schiffe seien nach Madras zurückgekehrt, verließ Suffren mit seiner Flotte am 23. März 1782 Porto Novo, um die beiden Ankömmlinge abzufangen. Am 25. März jedoch traf er vor Tranquebar auf die französische Fregatte BELLONE, welche den Auftrag gehabt hatte, Madras zu überwachen. So erfuhren die Franzosen, dass Hughes mit seinen derangierten Schiffen zunächst Trincomalee angesteuert hatte, um von dort nach kurzem Stop nach Madras zurückzukehren, wo er am 12. März eingetroffen war. Außerdem wusste die BELLONE von Truppen zu berichten, die Hughes an Bord genommen hatte. Für Suffren war klar, dass diese Soldaten für die Verteidigung Trincomalees bestimmt waren. Die französische Flotte machte sich auf den Marsch nach Süden, immer auch in der Hoffnung, eventuell den beiden erwähnten englischen Linienschiffen zu begegnen.

Letztere waren jedoch bereits Ende März vor Madras zu Hughes gerade ausgelaufener Flotte gestoßen: Die SULTAN (74 - James Watt) und die MAGNANIME (64 - Charles Wolseley) waren zwar in schlechtem Zustand, ihre Besatzungen durch Skorbut geschwächt, doch blieb keine Zeit, sie einlaufen zu lassen. Die beiden Linienschiffe verstärkten den britischen Verband auf seinem Marsch nach Ceylon.

Beide Flotten hatten auf ihrer Reise mit ungünstigem Wind zu kämpfen und weil sie das selbe Ziel hatten, war ein Treffen nur eine Frage der Zeit.

Das Treffen

Am 9. April 1782 kamen Suffren und Hughes vor Ceylon in Sichtweite, die britischen Schiffe waren jedoch in der günstigen Luvposition, weswegen Hughes vorerst den Zeitpunkt einer Schlacht bestimmen konnte. Überraschenderweise strebte der Brite jedoch trotzdem weiter nach Trincomalee, offenbar in der Absicht, zuerst seine Truppen dort zu landen. Dieses fragwürdige (Laughton : 117) Zögern brachte Suffrens Geschwader mehr und mehr in eine Luvposition, was für den Briten, der immer dichter unter Land gedrückt wurde, hätte absehbar sein müssen. Und weil in der britischen Flotte mindestens vier, wenn nicht sogar fünf Schiffe noch ohne gekupferten Rumpf segelten und damit langsamer waren als die Franzosen, war schließlich auch ein weiteres Ausweichen nicht möglich, es sei denn, Hughes hätte die Nachhut den Franzosen überlassen.

Am Morgen des 12. April blieb Hughes nur noch die Entscheidung, entweder die Schlacht zu suchen, nun schon nicht mehr aus vorteilhafter Position heraus, oder weiter Kurs auf Trincomalee zu halten und seinem Gegner das Primat des Handelns zu überlassen. Bis heute unverständlich versuchte sich Hughes, weiterhin zu entziehen, musste aber schon bald einsehen, dass seine Nachhut das Tempo nicht mehr halten konnte - eine Erfahrung, die die Briten bereits vor der Seeschlacht vor Sadras gemacht hatten. Der britische Admiral formte daraufhin eine Schlachtlinie mit exakt zwei Kabellängen Abstand zwischen den Schiffen und harrte der Dinge, die da kommen mochten.

 Canonniere gegen Tremendous

COMBAT BETWEEN THE FRENCH FRIGATE AND ENGLISH VESSEL , PIERRE J. GILBERT
Puzzle mit 3000 Teilen, Maß 920 mm x 680 mm
Das Bild zeigt das Gefecht zwischen der französischen Fregatte CANONNIERE (40) und dem britischen Linienschiff TREMENDOUS (74) am 21. April 1806 vor der Küste Natals.

Suffren tat es seinem englischen Kontrahenten gleich und bildete eine Linie parallel zur britischen Aufstellung, allerdings noch in recht großem Abstand, jedoch in der klaren Luvposition, so dass seine Schiffe jederzeit auf den Gegner herabstoßen konnten. Suffren hatte damit nun die von ihm angestrebte Angriffsposition erreicht, mit 12 französischen Linienschiffen gegen 11 britische Gegner.
Entgegen mancher Interpretation, der Franzose habe die sich während der Schlacht bildenden Positionen angestrebt, beabsichtige Suffren tatsächlich lediglich ein Liniengefecht Schiff gegen Schiff, wobei sein überzähliges Linienschiff das letzte Schiff der britischen Linie auf der Leeseite angreifen sollte, so dass zumindest dieser Gegner zwischen zwei Feuer geraten musste.

Die beiden Flotten waren nah einer kleinen Felseninsel, Providien genannt, als die Franzosen gegen 12:15 angriffen. Mit dem Wind im Rücken näherten sich Suffrens Schiffe Hughes Linie in einem Winkel von ca. 45°, jeder Kommandant hatte die Order, das seiner taktischen Nummer entsprechende englische Schiff anzugreifen. Der Ausgang war freilich völlig offen, denn bei näherer Betrachtung waren die Kräfte beider Parteien nicht besonders ungleich verteilt.

Malleson (S. 25) schreibt zwar, das Verhältnis der Kanonen wäre 972 gegen 737 zugunsten der Franzosen gewesen. Tatsächlich machte der Unterschied aber eigentlich nur ein 50-Kanonen-Schiff aus. Beide Seiten verfügten über 3 der damals modernen 74-Kanonen-Linienschiffe. Die Franzosen hatten sieben 64-Kanonen-Schiffe, die Briten deren zwar nur 5, dafür aber zwei 70-Kanonen-Schiffe, welche freilich von der Kampfkraft her nur einem 64er entsprachen. Ein britisches 50-Kanonen-Schiff stand zwei französischen gegenüber. Wenn also Malleson die Kanonen zählt, so muss er offenbar Fregatten in seine Rechnung mit einbezogen haben. Diese nahmen aber an den eigentlichen Kampfhandlungen zwischen Linienschiffen gar nicht teil, sondern dienten als Schlepper, Ersatzteil- und Ersatzmannschaften-Lager. Hier die tatsächlichen Kräfteverhältnisse zwischen den Linienschiffen im Überblick:

Die britische Linie

  • MAGNANIME (64 - Charles Wolseley),
  • SULTAN (74 - James Watts),
  • EAGLE (64 - Ambrose Reddal),
  • WORCESTER (64 - George Talbot),
  • MONMOUTH (64 - James Alms),
  • SUPERB (74 - Konteradmiral Sir Edward Hughes, Kapitän Dunbar McLellan),
  • MONARCA (683 - John Gell),
  • BURFORD (704 - Peter Rainier),
  • ISIS (54 - Thomas Lumley),
  • HERO (74 - Charles Wood),
  • EXETER (64 - Kommodore Richard King, Kapitän Charles Hughes),
  • Die französische Linie

  • VENGEUR (64 - de Forbin),
  • ARTESIEN (64 - Bide de Maurville),
  • SEVERE (64 - Villeneuve-Cillart),
  • ANNIBAL (74 - Kommodore de Tromelin),
  • AJAX (64 - Bouvet),
  • SPHINX (64 - du Chilleau),
  • HEROS (74 - Kommodore de Suffren, Kapitän de Moissac),
  • BRILLANTE (64 - de Saint-Felix),
  • ORIENT (74 - de la Palliere),
  • FLAMAND (54 - de Cuverville),
  • HANNIBAL (50 - Morard de Galles)
  • BIZARRE (64 - Lalandelle)

  • Englische Namen aus BEATSON (S. 297 f.), französische Namen nach CUNAT (S.111 f.)

    Die genaue Reihenfolge in der französische Linie taucht in meinen Quellen leider nicht auf. Weil sich die französischen Schiffs-Positionen in den Minuten vor dem Angriff aber sowieso verschoben, kann man eine genaue Reihenfolge vernachlässigen.
    Sicher ist, dass Suffrens Flaggschiff im Zentrum seiner Linie stand und die BIZARRE als letztes Schiff der Linie den Auftrag hatte, auf der Leeseite das letzte englische Schiff anzugreifen, wozu es aber nie kam. Sicher ist auch, dass die ARTESIEN und die VENGEUR in der Vorhut segelten, während die ORIENT ursprünglich in der Nachhut stationiert war.

    Die französische Linie näherte sich weiter der britischen Aufstellung, bis schließlich die Vorhut Suffrens in Schussnähe der Briten kamen, während das Zentrum und die Nachhut noch in recht großer Distanz zurückgeblieben waren. Besonders die VENGEUR und die ARTESIEN an der Spitze waren diesbezüglich weit vorgeprescht. Die Briten eröffneten das Feuer auf diese beiden Schiffe. Prompt ließen deren unerfahrenen Kapitäne anluven und das Feuer erwidern, allerdings noch auf relativ große Distanz. Suffren dagegen hatte eine Schlacht auf kürzeste Distanz im Sinn.
    Weil der französische Kommodore seine Linie in Pistolenschussweite an die Engländer heranführen wollte, signalisierte er den beiden vorgepreschten Schiffen, zurückzubleiben.
    Offensichtlich hatte Suffren aus der Schlacht von Sadras gelernt, dass es besser war, seinen unsicheren Kapitänen voranzugehen und näherte sich mit der HEROS unbeirrt und ohne zu feuern dem britischen Zentrum, während die Briten nicht mit Kugeln geizten.

     The Age of the Ship of the Line: The British and French Navies, 1650-1815

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    von Jonathan R. Dull
    Sprache: Englisch
    Gebunden - Univ of Nebraska - 268 Seiten
    Erscheinungsdatum: Juni 2009

     Stephen Biestys Cross sections Man of War

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    Tatsächlich erreichte die HEROS eine Position direkt neben Hughes SUPERB, eröffnete das Feuer und ließ gleichzeitig das Signal zur Feuereröffnung auswehen.
    Dies sollte sich als schwerer Fehler herausstellen, denn auch die von Suffren zurückgepfiffenen Schiffe der Vorhut sowie die noch weiter entfernten Schiffe der Nachhut feuerten nun ihre Breitseiten ab, wofür sie freilich anluven mussten, um ihre Breitseiten zur Geltung zu bringen, allesamt freilich aus völlig ineffektiver Distanz.

    Heraus kam am am Ende eine ungeplante bogenförmige Schlachtaufstellung der Franzosen gegenüber der geraden britischen Linie. So resultierte Suffrens Fehler und die Unerfahrenheit, um nicht zu sagen Unfähigkeit, einiger seiner Kommandanten darin, dass sich lediglich im Zentrum beider Linien überhaupt eine richtige Schlacht entwickelte.

    Die Schlacht

    Es war 12:30, als die Schlacht begann und die beiden Flaggschiffe in ein intensives Gefecht verwickelt wurden. Kurz nach der Feuereröffnung wurde die HEROS (74) von der ORIENT (74) unterstützt, dahinter kämpfte die BRILLANTE. Die vor der SUPERB segelnde MONMOUTH wurde von der SPHINX attackiert (Clowes : 554).

    Neben der ARTESIEN und VENGEUR blieben zunächst die SEVERE, AJAX und ANNIBAL praktisch vom Gefecht ausgeschlossen. Erst wiederholte Signale Suffrens brachten diese drei Schiffe etwas näher an die Briten heran, während die Kommandanten der ersten beiden Schiffe sich offenbar blind stellten und in ihrer Distanz verharrten.

    Suffrens Vorstoß hatte zu einer Kulmination seiner Kräfte im britischen Zentrum geführt, freilich auch zu einer Unterzahl insgesamt, welche der auf Linienformation beharrende Hughes freilich nicht ausnützte.
    Der englische Admiral, der ja auch die Distanz einiger Franzosen sehen musste, hätte durch Auflösung seiner Formation, z.B. einer partiellen Wende seiner Vorhut, durchaus auch auf die 5 bis 7 französischen Gegner zwischen zwei Feuer nehmen können. Dies wäre für einen Mann wie Hughes, der altmodisch und konventionell dachte und handelte, freilich ein taktischer Quantensprung gewesen.

    Inzwischen hatte Suffren die geistige Flexibilität, um zu erkennen, dass er mit seinem blutigen Duell zwischen den Flaggschiffen seine eigene Linie hemmte. Also preschte er vor und fand als nächsten Gegner das bereits heftig kämpfende 64-Kanonen-Schiff MONMOUTH, welches nun in den zweifelhaften Genuss der Breitseiten der HEROS kam.
    Bis zu diesem Zeitpunkt war Kapitän Alms bereits in ein blutiges Duell mit der SPHINX verwickelt gewesen, welches auf beiden Seiten hohe Verluste gefordert hatte.

    Die nachgerückte ORIENT konnte offenbar sowohl die MONMOUTH als auch die SUPERB unter Feuer nehmen, während die BRILLANTE Hughes SUPERB bekämpfte.

    Nur hier, im Zentrum, wurde auch wirklich auf Pistolenschussdistanz gekämpft, während die beiden Linien immer dichter unter Land gelangten.
    Die 64 Kanonen der MONMOUTH hatten einen schweren Stand gegen die französischen Geschütze , welche Alms' Schiff eine Spiere nach der anderen wegschossen.
    Die HEROS drückte die MONMOUTH immer weiter aus der Linie, bis der Franzose schließlich mit seinen Heckgeschützen sogar die SUPERB über deren Bug unter Feuer nehmen konnte. Schließlich gelang es Suffrens Kanonieren, sowohl den Kreuz- als auch den Besanmast der MONMOUTH zu fällen, so dass das englische Linienschiff ganz aus der Linie fiel, in den Wind schoss und annähernd hilflos zwischen die beiden Linien trieb.
    Hughes versuchte, Alms' Schiff zu schützen, und trachtete danach, die MONMOUTH auf der Luvseite mit der SUPERB zu decken. Wilde Attacken der ORIENT und BRILLANTE stoppten sein Unterfangen jedoch und er musste die MONMOUTH auf der Leeseite passieren und zurücklassen.

    Auf Seiten des französischen Zentrums blieben die Schäden jedoch auch nicht aus:
    Die HEROS hatte einen ihren Toppmasten verloren und hatte, wie Laughton ausführt, weitere schwere Schäden erlitten, so dass Suffren sogar das Schiff wechseln und auf der AJAX seine Flagge setzen musste.
    Auch der ORIENT war einer ihrer Toppmasten weggeschossen worden, dazu war ihr Hauptmast schwer angeschlagen und das Großsegel stand in Flammen, offenbar infolge eines Duells Bordwand an Bordwand mit der SUPERB, die unter Deck gegen ein Feuer kämpfen musste, verursacht vermutlich durch glühende Ladepfropfen. Trotzdem wütete der Kampf stundenlang weiter. Auf allen genannten Schiffen des Zentrums waren die Menschenverluste hoch.

    Der Verlauf der Schlacht von Providien nach MAHAN
    Der Verlauf der Schlacht von Providien nach MAHAN 1913.

    Währenddessen hatte die französische Vorhut wenig oder im Falle der ARTESIEN und VENGEUR gar keinen Anteil an der Schlacht. Auch einige Schiffe der Nachhut standen noch weit im Luv der englischen Linie.
    Dies ermöglichte es Hughes, der mit zunehmender Besorgnis auch die abnehmenden Wassertiefen registriert hatte, seiner Linie den Befehl zum Wenden zu geben. Dies war gegen 16:00.
    Der Brite hoffte erneut, ins Luv der fast hilflos treibenden, aber immer noch kämpfenden MONMOUTH zu gelangen.

    Den Franzosen gelang es zwar recht und schlecht, dem Beispiel der wendenden Briten zu folgen, konnten aber nicht verhindern, dass die SUPERB tatsächlich zur MONMOUTH gelangte. Die mit der Wende verbundene Konfusion bei Suffrens Schiffen konnte Hughes nützen, um den Havaristen abzuschleppen, gedeckt durch andere englische Schiffe.

    Der Höhepunkt der Schlacht war damit vorbei, obwohl noch weiter auf beiden Seiten gefeuert wurde, jedoch mit weit weniger Intensität.

    Gegen 17:30 verdichtete sich der immer stärkere Wind zu einem Sturm mit heftigem Regen und beendete die Seeschlacht vor Providien. So schlecht war die Sicht und so heftig die Sturmböen, dass fast alle Schiffe beider Parteien ankerten 1. Die Situation war für die Linienschiffe mindestens so bedrohlich wie die Schlacht, denn man war an einer Leeküste und dicht unter Land. Bei den extrem schlechten Wetter- und Sichtverhältnissen, verstärkt durch Einbruch der Dunkelheit, drohte den Dreimastern die Strandung, wenn sie blind weitersegeln würden.

    So ankerte in dieser Situation Freund neben Feind, Fregatte neben Linienschiff, Franzose neben Engländer, ohne dass man sich gegenseitig wahrnahm.
    Im Dunkel und Sturm kam es zu ungewollten Berührungen, als z.B. die französische Fregatte FINE mit dem Auftrag, die HERO weiter von Land wegzuschleppen, mit der ankernden englischen ISIS kollidierte, deren Bugsprit in die Besanwanten des Franzosen drang, während ein Anker sich ebenfalls verfing. Auf beiden Seiten war man zu unvorbereitet und zu erschrocken, als dass aus dieser plötzlichen Begegnung ein Kampf hätte entspringen können. Bevor jemand auch nur auf die Idee kommen konnte, zu feuern, lösten sich beide Schiffe wieder voneinander und verloren sich aus den Augen.
    Ein als Bote Suffrens ausgesandter Leutnant verwechselte in der Dunkelheit die SUPERB mit der AJAX und geriet in Gefangenschaft. Dabei war er durchaus auf dem richtigen Weg, denn der Morgen enthüllte, dass die beiden feindlichen Linienschiffe in unmittelbarer Nähe zueinander gelegen hatten.
    Noch näher aber lag die ISIS dem französischen Flaggschiff - so nah, dass Suffren erwog, das Feuer zu eröffnen, schließlich aber den Nutzen eines Duells an diesem Morgen hinter das Bestreben, seine Flotte zunächst zu ordnen, anstellte.

    Der Schiffbruch der Fregatte Medusa. Ein dokumentarischer Roman aus dem Jahr 1818

    Der Schiffbruch der Fregatte Medusa. Ein dokumentarischer Roman aus dem Jahr 1818
    von J. B. H. Savigny, Alexandre Correard
    Sprache: Deutsch
    Taschenbuch - 253 Seiten - Matthes & Seitz Berlin
    Erscheinungsdatum:2007

    Die berühmte Höllenfahrt der Überlebenden der MEDUSA,
    die auf einem steuerlosen Floß treibend um ihr Leben kämpften.


    Danach

    Auf beiden Seiten, welche sich nun wieder sortierten, wurden an diesem Morgen die Schäden begutachtet und die Verluste gezählt.
    Die Toten und Verwundeten beschränkten sich im wesentlichen auf wenige Schiffe:
    Das britische Flaggschiff SUPERB hatte 59 Tote und 96 Verwundete, die MONMOUTH 45 Gefallene und 102 Verletzte von insgesamt 137 Toten und 430 Verwundeten.
    Auf französischer Seite waren besonders die HEROS, ORIENT, BRILLANTE und SPHINX 2 mit zusammen 74 Toten und 216 Verwundeten betroffen, insgesamt sollen vor Providien ebenfalls 137 Franzosen gefallen sein, 357 wurden verwundet (Nach Clowes: 554).
    Die von den britischen Autoren genannten französischen Verlustzahlen sind jedoch nicht konsistent mit dem beschriebenen Schlachtverlauf. Denn wenn schon die am meisten engagierten vier französischen Schiffe insgesamt auf "nur" 74 Tote kommen, wäre die Todesquote für die restlichen, weit weniger engagierten Schiffe doch fragwürdig hoch. Jean Claude Castex schreibt realistischer von insgesamt 225 französischen Toten und Verwundeten, was aber wiederum noch weit unter den genauen Verlustzahlen der vier genannten französischen Schiffe liegt.

    Hastig wurden in den nächsten Tagen auf allen Schiffen die notwendigsten Reperaturen durchgeführt, immer ein Auge wachsam auf den Gegner gerichtet, denn man lag nur ca. 2 Meilen auseinander. Die Briten hatten unter Land eine Kampflinie gebildet, die Franzosen paradierten nach Ausbesserung der größten Schäden davor - Suffren bot Hughes erneut die Schlacht an.
    Der Brite blieb jedoch bei bzw. in seiner Linie und ging der Schlacht, soweit es ihm möglich war, aus dem Weg. Der Franzose wiederum scheute davor zurück, eine kanonenstarrende Ankerlinie anzugreifen - zu Unrecht, wie 16 Jahre später ein noch unbekannter Nelson vor Abukir zeigen sollte, waren in einem solchen Fall doch eigentlich die ankernden Schiffe im Nachteil.

    Ihre Konfrontation vor Providien nutzten Suffren und Hughes zu bereits erwähnten Verhandlungen über den Austausch von Gefangenen, welchen Hughes rundweg ablehnte, weil er gut informiert über die Mängel in der französischen Flotte war. An Bord von Suffrens Schiffen machte sich nämlich Skorbut breit (Laughton : 122) und Material für Reparaturen, insbesondere Taue, waren ebenfalls Mangelware.

    Sieben Tage waren seit dem Gefecht vergangen und Suffren, dessen Versorgungslage allgemein schlechter war, blieb am 19. April 1782 schließlich nur, seine Schiffe in den nächsten freundlichen Hafen zu bringen.
    Kaum waren die Franzosen weg, setzte auch Hughes seinen Weg nach Trincomalee fort.
    Während Suffrens Schiffe auf der kleinen Reede des holländischen Batacolo (Ceylon) bereits mit Reparaturen beschäftigt waren, gelangte Hughes am 22. April 1782 20 Seemeilen nördlich zu seinem eigentlichen Ziel, Trincomalee.

    Die Briten landeten Truppen und Versorgungsgüter, während Suffren fortfuhr, den desaströsen Zustand seiner Schiffe und Besatzungen notdürftig zu verbessern. Gleichzeitig befreite er sich auf lange Sicht von zwei seiner unzuverlässigen Kommandanten, Forbin von der VENGEUR und Bide de Maurville von der ARTESIEN, welche in beiden Schlachten den Kampf gescheut hatten. Sie wurden später arrestiert, nach Frankreich gebracht und landeten im Gefängnis.

    Befehle von der Ile de France, zurückzukehren und einem Konvoi Geleit zu geben, beachtete Suffren trotz nach wie vor schlechter Versorgungslage nicht : Er suchte noch immer die Entscheidungsschlacht mit den Briten.

    Fortsetzung  folgt...

    Final French Struggles in India and on the Indian Seas
    Final French Struggles in India and on the Indian Seas
    von George Bruce Malleson
    Sprache: Englisch
    Taschenbuch
    314 Seiten
    BiblioBazaar
    Erscheinungsdatum: 2008


    Quellen:

  • Robert Beatson : Naval and military memoirs of Great Britain, from 1727 to 1783, Band 6.
  • William Laird Clowes : The royal navy, a history from the earliest times to present, Band 3.
  • Jean Claude Castex : Dictionnaire des batailles navales franco-anglaise, Presses Universite Laval 2004, S. 319.
  • Charles Marie Cunat : Histoire du Bailli de Suffren, Rennes 1852.
  • John Knox Laughton : Studies in Naval History. Biographies , London 1887.
  • Alfred Thayer Mahan : The Major Operations Of The Navies In The War Of American Independence, London 1913.
  • Alfred Thayer Mahan : The Influence of Sea Power Upon History, 1660-1783, London 2007, 320 ff.
  • George Bruce Malleson : Final French Struggles in India, London 1884

    Fußnoten:

    1 = Nach William Laird Clowes ließ Hughes gegen 17:40, Suffren aber erst gegen 20:00 ankern. Nach Laughton waren alle Schiffe gezwungen, zu ankern und dies mehr oder weniger dort, wo sie sich gerade befanden. Berücksichtigt man die Vorkommnisse in der Nacht und Suffrens Ausblick am Morgen, können trotz Clowes Version einige französische Schiffe nicht weit gekommen sein - inklusive des Flaggschiffes.

    2 = Die SPHINX hatte laut William Laird Clowes 22 Tote und 74 Verwundete.

    3 = Die MONARCA (68) war zuvor ein spanisches Schiff der 68-Kanonen-Klasse. Nach der Eroberung durch die Briten segelte es unter englischer Flagge. Einige Autoren behalten die Angabe (68) bei, andere stufen das Schiff als 64 oder 70-Kanonen-Schiff ein.

    4 = Die BURFORD (70) gehörte zur alten 70-Kanonen-Klasse. Diese war aber nicht kampfkräftiger als ein 64-Kanonen-Schiff


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    Band 1 : Von 1793 bis zum Frieden von Amiens 1802

    von Thomas Siebe
    Sprache: Deutsch Broschiert - 224 Seiten - BoD
    ISBN 978-3-8423-2883-9 Erschienen: September 2010
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