Chronologie der europäischen Seekriege 1793 bis 1815, Band 1, bis 1802
Chronologie der europäischen Seekriege 1793 - 1815
Band 1 : Von 1793 bis zum Frieden von Amiens 1802

von Thomas Siebe
Sprache: Deutsch Broschiert - 224 Seiten - BoD
ISBN 978-3-8423-2883-9 Erschienen: September 2010
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 Handbuch der praktischen Seemannschaft auf traditionellen Segelschiffen.  Handbuch der praktischen Seemannschaft auf traditionellen Segelschiffen.
Reprint
von Jens Kusk Jensen
Sprache: Deutsch
Gebundene Ausgabe - 433 Seiten - Verlag Heel
Erscheinungsdatum: Januar 1999
Mit ausführlichem Stichwortregister und den Fachbegriffen in drei Sprachen
 Seeschlacht



Fregattenduell 1779 :
SURVEILLANTE (32) gegen QUEBEC (32)



Oktober 1779 : Der Unabhängigkeitskrieg der amerikanischen Kolonien gegen das Mutterland England hatte sich zu einem weltweiten Seekrieg ausgeweitet, weil Frankreich und Spanien zugunsten der Amerikaner in den Krieg eingegriffen hatten. Während die großen Flotten dieser Länder vor allem die Wellen amerikanischer und karibischer Gewässer pflügten, kam es vor Ushant an der französischen Küste zu einem klassischen Fregattenduell, dessen Verlauf und Ausgang an Dramatik schwer zu überbieten waren.
Folgt man manchen englischen Quellen, so schoss an diesem Tag eine schlecht reparierte, für ihre Schiffsklasse zu schwach bewaffnete, unterbemannte englische 32-Kanonen-Fregatte unter einem draufgängerischen Kapitän eine schwerbewaffnete und große französische 40-Kanonen-Fregatte zum Wrack, geriet aber unglücklicherweise selbst in Brand und ging mit ihrem heldenhaften Kommandanten an Bord unter.
Das Duell zwischen der französischen SURVEILLANTE und der englischen QUEBEC wurde damals berühmt und zum Vorbild für eine ganze Generation nachfolgender Kommandanten, das Pathos der Heldengeschichte sorgte jedoch für Übertreibungen oder Verzerrungen, die in der folgenden Nacherzählung des Duells korrigiert werden.


Die Gegner

Die englische Fregatte QUEBEC (32 - George Farmer) war im Oktober 1779 vor Guernsey stationiert. Ihr Kommandant George Farmer hatte erst wenige Monate zuvor das Kommando über die annähernd 20 Jahre alte Fregatte übernommen. Er hatte die Aufgabe, das Seegebiet um die Kanal-Inseln zu bewachen und zu patrouillieren. Außerdem hatte Farmer Informationen über französische Kriegsschiffe zu sammeln.
Der 47-jährige Kapitän war zwar ein erfahrener Nautiker und hatte sicherlich auch schon einige Kampferfahrung aus dem Siebenjährigen Krieg, seinen Ruf als "Eisenfresser" hat er aber höchstwahrscheinlich erst posthum bekommen, nämlich durch das hier geschilderte Duell. Der erst 1771 zum Kapitän beförderte Farmer hatte zwar seit 1773 die Fregatte SEAHORSE (24) im Indischen Ozean kommandiert, auf der er übrigens auch die späteren Seehelden Horatio Nelson und Thomas Troubridge als Fähnriche an Bord hatte. Doch hatte die SEAHORSE während dieses Kommandos keine relevanten Kampfhandlungen zu bestehen.
Der kriegerische Alltag der QUEBEC vor der französischen Nordwestküste war allerdings auch weniger kampfbetont, sondern eher mühsam und frustrierend. Er bestand aus langem Warten und Kreuzen, Bordroutine und Versorgungsproblemen. Dann wieder kamen aktive Phasen, ausgelöst durch die Verfolgung jedes fremden Segels, das man vom Topp der QUEBEC aus sichten konnte. Wenn es der englischen Fregatte dann seltenen Fällen gelang, die Distanz zu dem unbekannten Schiff zu verkürzen, versuchte man, die Nationalität des Unbekannten zu klären, indem man das englische Erkennungssignal, eine bestimmte Kombination von Signalflaggen, hisste. Wurde diese Parole nicht oder falsch beantwortet, begann die - meistens freilich aussichtslose - Jagd auf den vermutlichen Feind, der meistens aber nur ein schnelles Handelsschiff einer feindlichen Nation war.
Bei einer solchen Jagd mußte der Jäger oft große nautische Risiken eingehen: In der Regel setzte er als erster mehr Segel, als der Wind eigentlich gestattete. Nicht selten wurden diese Rennen dann durch Schäden in der Takelage entschieden. Oder der Gejagte wagte sie immer tiefer unter Land, was für einen französischen Kapitän in diesem Gebiet meistens ein Heimspiel war. Der Jäger mußte dann oft zusehen, wie der Gejagte auf diese Weise einen sicheren Port erreichte, wollte er nicht das Risiko eingehen, in fremden Gewässern auf Grund zu laufen.
Im Juli 1779 war es der QUEBEC bei einer Verfolgung so ergangen: Sie lief auf Grund und kam trotz aller Bemühungen nicht frei. Wasser drang ins Schiff und Kapitän Farmer mußte zu einer radikalen Maßnahme greifen: Er ließ eine Kanone nach der anderen über Bord werfen, um das Schiff von Ballast zu befreien und anzuheben.
Die QUEBEC war im Artilleriedeck mit sechsundzwanzig 12-Pfünder-Kanonen ausgerüstet worden, auf Deck standen weitere sechs 6-Pfünder-Kanonen. Wieviele Kanonen Farmer opfern mußte, um seine Fregatte klar zu bekommen, ist nicht bekannt. Angeblich sollen alle 12-Pfünder über Bord gegangen sein, bevor die QUEBEC wieder frei kam.
Die Fregatte hatte erheblich am Rumpf gelitten und mußte zur Reparatur nach Portsmouth. Um auf diesem Weg nicht wehrlos zu sein, "lieh" sich die QUEBEC 9-Pfünder-Kanonen von einer anderen Fregatte, die vor den Kanal-Inseln lag. Hier beginnt nun eine zweifelhafter Teil der Legende: Angeblich soll es sich um den ganzen Satz, also sechsundzwanzig 9-Pfünder, gehandelt haben. In Portsmouth sollen dann die Schäden am Rumpf so schlecht repariert worden sein, das man die 9-Pfünder nicht wieder gegen die schwereren 12-Pfünder austauschen konnte. Die QUEBEC habe also mit dieser anormalen Bewaffnung ihren Dienst vor der französischen Küste wieder aufgenommen.
Die so erzählte Geschichte lässt jedoch Zweifel aufkommen: Die schwer beschädigte Fregatte Farmers nimmt vor Guernsey einen vollen Satz 9-Pfünder an Bord und segelt nach Portsmouth, aber die, wenn auch schlecht, reparierte QUEBEC tauscht später keinen der 9-Pfünder gegen einen 12-Pfünder ?

 Krieg unter Segeln: Die Seemächte Europas im Kampf um die Meere

Krieg unter Segeln:
Die Seemächte Europas im Kampf um die Meere

von Hans J. Alpers , Karin König
Sprache: Deutsch
Gebundene Ausgabe - 255 Seiten - Area
Erscheinungsdatum: Januar 2005


Ich denke, das ein Schiff, das wegen eines beschädigten Rumpfes mit 12-Pfünder nicht segeln kann, mit 9-Pfündern auf die Dauer auch nicht besser dran ist. Das spätere Duell zeigt übrigens nicht das kleinste Indiz, das die QUEBEC seit dem Juli 1779 mit kleineren Brocken schoss. Jedenfalls gehe ich davon aus, das die QUEBEC nach ihrem Aufenthalt in Portsmouth wieder mit ihrem vollen Satz 12-Pfünder-Kanonen in See ging, denn in den Arsenalen der Hafenstadt wird ja kaum Mangel an Kanonen dieses Kalibers geherrscht haben.
Inzwischen war in Brest eine neue französische Fregatte stationiert worden: Die SURVEILLANTE (32 - Charles-Louis du Couedic) war erst 1778 gebaut und in Dienst gestellt worden. Sie stand unter dem Kommando von lieutenant de vaisseau 1 Charles-Louis du Couedic de Kergoaler, der bei seinem Kommandoantritt geschworen haben soll, das Schiff werde der Ort seines größten Triumphs oder sein Grab werden.
Dieses Schiff und seine rein bretonische Besatzung wurde im Oktober 1779 der Gegner der QUEBEC. Der Heldenerzählung nach soll sie der QUEBEC in jeder Hinsicht überlegen gewesen sein. Diese Behauptung hält einem näheren Blick jedoch nicht stand:
Zum Beispiel sei die SURVEILLANTE weit schneller gewesen als die alte englische Fregatte. Als Grund wird genannt, das ihr Rumpf im Mai 1779 gesäubert und gekupfert worden sei, während die Hülle der QUEBEC mit allerlei Meereslebewesen überzogen gewesen wäre.
Tatsächlich hat die SURVEILLANTE aber erst später, 1780, einen Überzug von Kupferplatten für ihren Rumpf bekommen. Sie war damit zwar unter den ersten französischen Kriegsschiffen, die mit dieser gegen den Muschelbewuchs gerichteten Innovation ausgerüstet wurden, bekam das metallene Muschel-Präservativ aber erst nach dem Duell.
In den englischen Quellen erscheint die SURVEILLANTE als eine 40-Kanonen-Fregatte, manchmal sogar mit 18-Pfünder-Kanonen, in manchen Quellen ist sie auch ein Schiff, das für immerhin 36 Kanonen gebaut wurde.
Beide Beschreibungen sind jedoch falsch:
1979 2 entdeckte man das Wrack der französischen Fregatte auf dem Grund der Bantry Bay vor Irland, wo sie am 2. Januar 1797 nach der gescheiterten französischen Invasion Irlands von ihrer eigenen Crew versenkt wurde. Die nähere Betrachtung zeigte, das die SURVEILLANTE tatsächlich nur eine 32-Kanonen-Fregatte wie die QUEBEC war. Folglich unterschied sich das Gewicht ihrer Breitseite nur unwesentlich von dem der QUEBEC.
Die französische Fregatte war immerhin das größere Schiff, was sicherlich einen kleinen taktischen Vorteil im Zweikampf bedeutet haben mag. Auch bei der Besatzungsstärke hatte das französische Schiff das zahlenmäßige Übergewicht von 255 Mann gegenüber 195 Engländern aufzuweisen. Da diese Zahlen aber die Sollstärken der Schiffe repräsentieren, kann man die französische Majorität hier wohl nur im Falle eines Enterangriffes als Vorteil werten. Tatsächlich trafen in diesem legendären Duell also zwei gleichwertige Gegner aufeinander.


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Das Duell


Am 4. Oktober 1779 wurde Kapitän Farmer vom Geschwaderkommandanten der Kanalinseln ausgeschickt, die Gewässer vor Brest zu inspizieren. Mit ihm segelte der Kutter RAMBLER (10) unter dem Kommando von Leutnant Rupert George.
Rund 48 Stunden danach verließ Leutnant Du Couedic mit einem ähnlichen Auftrag den Hafen von Brest: Gemeinsam mit dem Kutter EXPEDITION (10 - Leutnant Roqueville) sollte er Ausschau nach einem möglichen englischen Blockadegeschwader halten.
Am frühen Morgen des 6. Oktober 1779 trafen die SURVEILLANTE und die QUEBEC einige Meilen vor Ouessant bzw. Ushant aufeinander. Beide Schiffe, gefolgt von den Kuttern, hielten ohne Zögern aufeinander zu und signalisierten dem Gegner mittels Kanonenschüssen schon auf große Distanz die Herausforderung.
Getreu den Kampfgepflogenheiten beider Marine-Nationen setzten die Briten auf die erste Breitseite und hielten ihre Kanoniere noch zurück, während die Franzosen schon auf größere Distanz das Einzelfeuer eröffneten.
Gegen 10:00 trafen sich beide Fregatten dann auf kurze Distanz und das Duell der Breitseiten wurde eröffnet. Eine Stunde lang kämpften die Gegner Seite an Seite, ohne das einer von beiden einen entscheidenden Vorteil erringen konnte. Im Hintergrund dieses Gefecht trafen auch die beiden Kutter in einem Zweikampf aufeinander.
Gegen 11:00 versuchte Kapitän Farmer die französische Fregatte "auszubremsen", indem er leicht und fast unmerklich abhalten ließ. Er trachtete danach, mit der QUEBEC zurückzufallen und dann hinter das Heck des Gegners zu gelangen, um die SURVEILLANTE dann der Länge nach zu bestreichen. Kommandant Du Couedic hatte das Manöver des Engländers jedoch erkannt, verringerte mit dem gleichen Manöver seinerseits die Geschwindigkeit und durchkreuzte auf diese Weise Farmers Plan.

Thomas Sturges Jackson - Logs of the great seafights



Die Kommandanten korrigierten den Kurs ihrer auseinanderstrebenden Schiffe, näherten sich wieder an und das Duell der Breitseiten ging weiter.
Auf beiden Seiten hatten alle Masten längst schwere Treffer erhalten und knackten bereits bedrohlich. Die zahlreichen Treffer an und in das Holz der Schiffe hatten die Decks immer wieder mit einem Hagel von Holzsplittern überschüttet. Diese schreckliche Geschosse hatten zahlreiche Männer getötet und noch viel mehr verwundet. Die Ausfälle bei den Briten hatten die Bedienung der Kanonen von sieben auf nur noch drei Männer pro Geschütz reduziert, auf der SURVEILLANTE sah es ähnlich aus. Kommandant De Couedic war bereits zweimal am Kopf verwundet worden, Kapitän Farmer hatte eine Handverletzung und ein zerschmettertes Schlüsselbein. Seinem ersten Offizier Francis Roberts, auf dessen Bericht dieser Text im Wesentlichen zurückgreift, hatte ein Splitter fast den linken Arm weggerissen, doch er trug das verletzte Glied in einer Schlinge und war an Deck geblieben.
Auf beiden Seiten gab es keinen unverwundeten Offizier mehr, einige waren bereits gefallen Doch noch immer zeigte keiner der beiden Gegner eine Schwäche.
Mehr als zwei Stunden dauerte der Kampf bereits an, als der nach achtern umschlagende Wind die Situation dann sogar noch verschärfte. Beide Fregatten hatten ihren Kurs immer mehr vor den Wind korrigiert, um den Druck auf ihre wankenden Masten zu vermindern. Eine einfallende Brise machte nun jedoch kurzen Prozess mit den Masten der SURVEILLANTE, knickte sie und ließ sie nach Lee über Bord gehen.
Nur wenig später gaben dann unter dem Druck des Windes auch die Gehölze der QUEBEC nach, fielen jedoch zum größten Teil nicht über Bord, sondern auf das Deck. Damit behinderten sie das Feuer der 6-Pfünder von Achterdeck und Foksel, was angesichts des kleinen Kalibers für die Engländer noch zu verschmerzen gewesen wäre. Der Besanmast fiel aber sogar so unglücklich über die Seite, das er zu einem großen Teil vor den Stückpforten der 12-Pfünder hing.
Trotz dieser Behinderungen wurde aus den so kaschierten Kanonen weiter gefeuert, durch Segel, Tauwerk und Holz hindurch, denn der Gegner hatte sich nach dem Fallen der eigenen Masten schnell von seinem über Bord gegangenen Gehölz getrennt und suchte nun den Enterangriff auf die vermeintlich noch intakte englische Fregatte.


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Deren Masten und Takelwerk waren aber zeitgleich mit der Einleitung des französischen Manövers herunter gekommen. Die feurige Abwehr des anlaufenden Feindschiffs durch die Trümmer der Masten hindurch erwies sich nun als ein schwerer Fehler der Engländer. Brennende Pulver-Rückstände entzündeten nämlich die Segel des gefallenen Besanmastes an mehreren Stellen.
Die entstehenden Brände zu löschen wurde jedoch durch das Salamis-Manöver der SURVEILLANTE behindert, die ihren Bugspriet über das mit Segel, Tauwerk und gesplitterten Stengen bedeckte Mittelschiff der QUEBEC rammte. Dies hätte De Couedic sicherlich unterlassen, wenn er vor der Einleitung des Angriffs das Feuer an Bord der QUEBEC wahrgenommen hätte. Bevor sein Schiff aber die QUEBEC erreichte, erlitt der französische Kommandant seine dritte, schwerste Verwundung. Angeblich wurde er von einer Kugel in den Leib getroffen. Du Couedic erkannte deswegen zu spät die lodernde Gefahr, die nun von seinem Feind ausging.
Die vielen kleinen Brandherde auf der QUEBEC vereinigten sich schnell zu einem größeren Feuer, das sich über das Achterdeck ausbreitete. Kaum hatte die SURVEILLANTE die englische Fregatte gerammt und der französische Bugspriet sich im Gewirr der niedergefallenen Masten verhakt, befahl Du Couedic auch schon die Einstellung des Feuers. Er ließ den an der QUEBEC festgefahrenen Bugspriet sofort kappen und an Bord vorhandene Pumpen und Schläuche bemannen. Der Wasserstrahl wurde dabei nicht nur auf den eigenen Bugspriet gerichtet, die französische Besatzung unterstützte auch die Brandbekämpfung der Briten. Der Kommandant der SURVEILLANTE ließ seine Männer das einzige noch intakte Boot zu Wasser zu lassen , während die Crew weiter darum kämpfte, das Schiff von der QUEBEC wieder frei zu kommen. Unterstützt wurde seine bretonische Besatzung in ihren Bemühungen ... von englischen Seeleuten !
Denn die Briten hatten ebenfalls das Feuer eingestellt, um - den Krieg vergessend - gemeinsam mit den Franzosen ihren schrecklichsten Feind zu bekämpfen und ein Übergreifen der Flammen auf die SURVEILLANTE zu verhindern. Deren Taue begannen bereits zu brennen, als sich die französische Fregatte von der QUEBEC wieder lösen konnte.
An Bord des Engländers versuchte nun Kapitän Farmer mit seiner Besatzung, der Flammen Herr zu werden. Doch zu diesem Zeitpunkt war die QUEBEC bereits verloren, das gesamte Achterdeck stand bereits in Flammen.
Der Kutter RAMBLER, seit 11:00 im Kampf 3 mit der EXPEDITION, hatte das Gefecht abgebrochen und sich, unbehindert durch seinen französischen Gegner EXPEDITION, der brennenden QUEBEC genähert.
Die Verantwortung für ihre Schiffe ließ die Kommandanten der anderen Schiffe jedoch einen größeren Abstand zum brennenden Schiff einhalten. Sie konnten lediglich Boote schicken, um Seeleute von der QUEBEC zu retten. Einige Geschichten erzählen, die Franzosen hätten während der Rettungsversuche Schüsse auf das Boot von der RAMBLER abgegeben. Diese Wahrnehmung des ein oder anderen englischen Zeugen kann bestenfalls durch Kanonen der QUEBEC erklären, die noch geladen waren und deren Schüsse durch das wütende Feuer ausgelöst wurden. Eine bessere Erklärung für diese Variation der Geschichte aber ist schlicht der böse Wille, einen Feind zu verunglimpfen.
Nachdem die Crew der QUEBEC des Feuers nicht Herr werden konnte und auch das vollständige Fluten der Pulverkammer gescheitert war, gab Kapitän Farmer seine Besatzung frei. Offensichtlich aber waren die Boote der Fregatte entweder nicht mehr erreichbar oder durch das Gefecht beschädigt worden. Den Seeleuten blieb nichts anderes übrig, als sich ins Meer zu stürzen und zu versuchen, eines der Boote von der SURVEILLANTE oder der RAMBLER zu erreichen.
Einige Seeleute bauten in der Eile provisorische Flöße, viele von ihnen aber waren verwundet und konnten sich nicht lange genug über Wasser halten, um gerettet zu werden. Dazu kam der heftige Seegang, der am Nachmittag eingesetzt hatte.
Als einer der letzten und als der einzige überlebende Offizier verließ Leutnant Roberts schließlich das brennende Schiff und wurde vom Boot der SURVEILLANTE gerettet. Roberts war bis zuletzt beim Kapitän der QUEBEC geblieben.
Kapitän Farmer blieb an Bord und man konnte ihn an eine Fluke des Ankers gelehnt auf dem Vorschiff sitzen sehen. Ob der vielfach Verwundete zu diesem Zeitpunkt noch in der Lage gewesen wäre, sich zu retten oder überhaupt noch lebte, ist unbekannt. Die Legende nimmt es als sicher an und läßt Farmer bei vollem Bewußtsein mit seinem Schiff untergehen.
Gegen 18:00 erreichte das Feuer den Teil der Pulverkammer, der durch die Wasserpumpen nicht hatte erreicht werden können. Die QUEBEC explodierte und riß ihren Kapitän mit sich.


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Danach

Von den 195 Mann Besatzung der englischen Fregatte überlebten nur 68 Männer das Gefecht und den Untergang. 13 Seeleute konnte das Boot von der RAMBLER aufnehmen, 13 weitere Männer fischte ein passierendes russisches Handelsschiff aus dem Meer. 38 Seeleute wurden durch die SURVEILLANTE gerettet, weitere 4 Männer wurden vermutlich von der EXPEDITION aufgenommen.
Auf der französischen Fregatte hatte das Gefecht mit der QUEBEC 30 Tote und 85 Verwundete gefordert. Trotzdem wurden die überlebenden englischen Seeleute wie Schiffbrüchige und nicht wie Feinde behandelt und wenig später nach England zurückgeschickt. Als einziger englischer Offizier überstand Leutnant Francis Roberts die Schlacht, verlor jedoch seinen linken Arm.
Der Sieger des Duells, Charles-Louis Du Couedic, starb am 17. Januar 1780 in Brest an den Folgen seiner Verwundungen. Seine Witwe bekam noch während des Krieges eine Erinnerungsmedaille zugesandt, die anläßlich des Sieges ihres Gatten geprägt wurde - in England.
Das Duell der beiden Fregatten blieb in der bretonischen Heimat der SURVEILLANTE-Crew berühmt und fand Niederschlag u.a. in einem Volkslied. Und noch heute treffen sich in Frankreich Abkömmlinge der Männer, die einst auf der Fregatte SURVEILLANTE (32) unter dem Kommando von Leutnant Du Couedic gekämpft hatten.
Die Schlacht und der Name des Kommandanten der englischen Fregatte, Kapitän George Farmer, wurde in England berühmt. Sein spektakulärer Untergang wurde zu Admiral Nelsons Zeiten dann noch einmal besonders populär, weil Farmer als Lehrer des Seehelden gefeiert wurde.
Die Fregatte SURVEILLANTE, deren Takelage und Rumpf schwer beschädigt worden waren, wurde in Brest repariert. Bei dieser Gelegenheit wurde das Schiff - wie schon erwähnt - eines der ersten gekupferten französischen Kriegsschiffe. Die QUEBEC hatte 19 Jahre lang die Meere befahren, bis sie vor Ouessant sank. Auch die SURVEILLANTE diente ihrer Marine noch über ungefähr denselben Zeitraum, bis sie in der Bantry Bay zurückgelassen wurde. Ihre Schiffsglocke wurde gehoben und ist heute im Bantry-Museum in Irland zu besichtigen.

 

Copyright © 2007 by Pellewserbe, T. Coladores


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Fussnoten

1 = Dieser Rang entspricht ungefähr dem Fregattenkapitän
2 = Bemerkenwert, wenn auch ohne Bedeutung: 1779 fand das Duell statt, 1797 sank die SURVEILLANTE und 1979 wurde sie wieder entdeckt.
3 = Dieser ebenfalls sehr verbissene Duell, das 3 Stunden dauerte, forderte auf Seiten der RAMBLER 2 Tote und 2 Verwundete, auf Seiten der EXPEDITION 3 Tote und 14 Verwundete.


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