Das verschollene Schiff

Das verschollene Schiff
von Wilder Perkins
Sprache: Deutsch
Broschiert - 283 Seiten - Goldmann
Erscheinungsdatum:2002

Chronologie der europäischen Seekriege 1793 bis 1815, Band 1, bis 1802
Chronologie der europäischen Seekriege 1793 - 1815
Band 1 : Von 1793 bis zum Frieden von Amiens 1802

von Thomas Siebe
Sprache: Deutsch Broschiert - 224 Seiten - BoD
ISBN 978-3-8423-2883-9 Erschienen: September 2010
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Beispiel-Seiten
Beispiel 1 - Beispiel 2 - Beispiel 3

 Social History of the Navy 1793-1815
Social History of the Navy 1793-1815
Prädikat: Besonders wertvoll
von Michael Lewis
Sprache: Englisch
Gebundene Ausgabe - 468 Seiten - Chatham Publishing -
Erscheinungsdatum: Juli 2004



Seeschlacht vor Round Island

Am Morgen des 13. Oktober 1794 erreichte die Brigg COURIER (14) den Hafen von Port Louis, Ile de France (Mauritius) , nachdem das Schiff kurz zuvor einem Angriff durch zwei größere englische Kriegschiffe entgangen war. Der Kommandant der Brigg erstattete dem französischen Gouverneur Malartic Bericht über die Stärke des aufgezogenen feindlichen Blockadegeschwaders. Danach handelte es sich bei den Angreifern um das englische 50-Kanonen-Schiff CENTURION (50 - Samuel Osborne ) und ein 44-Kanonen-Schiff der SERAPIS-Klasse 1. Besonders die Identität der CENTURION sorgte bei den anwesenden französischen Marineoffizieren im Hafen von Port Louis für Aufregung. Der Grund dafür läßt sich anhand der folgenden Vorgeschichte erkennen:
Das alte englische Schlachtschiff unter dem Kommando von Kapitän und Geschwaderchef Samuel Osborne hatte bereits im Mai des selben Jahres vor der Ile de France gekreuzt, damals ebenfalls in Begleitung eines 44-Kanonen-Schiff, aber auch einer Zwölfpfünder-Fregatte 2.
Am 5. Mai 1794 hatten die Engländer das anlaufende schwer bewaffnete Kaper- und Versorgungsschiff  DUGUAY-TROUIN  mit der begleitenden Brigg VULCAN entdeckt und die Verfolgung der Franzosen aufgenommen. Die DUGUAY TROUIN, ein ehemaliges Handelsschiff, nun mit 34 Kanonen bewaffnet und unter dem Kommando von Kapitän Pierre-Julien Treouart, war zu langsam, um zu entkommen.   
Nach längerer Jagd hatte die Fregatte ORPHEUS (32 -  Henry Newcome) die DUGUAY TROUIN schließlich eingeholt und das Feuer eröffnet, während die CENTURION und die RESISTANCE (44 - Edward Pakenham) auch immer näher rückten. Obwohl der Ex-Indienfahrer DUGUAY-TROUIN ähnlich stark wie die angreifende englische Fregatte bewaffnet war, waren doch die meisten Männer der französischen Crew und viele der rund 200 Passagiere malariakrank und konnten nur wenig Widerstand leisten. Deswegen war das französische Schiff a priori chancenlos gegen den englischen Angriff und strich schon nach kurzer Zeit die Flagge, möglicherweise aber unbemerkt durch die Briten, denn diese schossen weiter. An Bord des DUGUAY TROUIN gab es über 20 Tote und rund 60 Verletzte, bevor das Feuer eingestellt wurde. Dieses vom englischen Kommodore später unerwähnte und folglich ungeahndete Fehlverhalten Newcomes hatte man in Port Louis nicht vergessen.
Die Nachricht von der Rückkehr der CENTURION mobilisierte nun die dort anwesenden französischen Offiziere.  Der Gouverneur und die Kommandanten der im Hafen liegenden Schiffe, unter ihnen Kapitän Treouart und der rangdienstälteste Kapitän Renaud, waren sich einig , das englische Geschwader umgehend anzugreifen.  
Dieser Plan wurde auf den ersten Blick mehr von den Emotionen der unvergessenen Empörung  als von militärischer Berechnung getragen, wie man bei folgendem Vergleich schnell vermuten kann.
Das kampfkräftigstes französische Schiff war die für 40 Kanonen gebaute CYBELE unter dem Kommando von Kapitän Treouart 3. Im eigentlichen Artilleriedeck führte diese Fregatte als schwerstes Kaliber insgesamt 28 Achtzehnpfünder-Kanonen. Neben  12 Achtpfünder-Kanonen konnte die CYBELE noch 4 Sechsunddreißigpfünder- Karronaden (Nahkampfkanonen) vorweisen.
Die PRUDENTE, Kommodore Renauds Schiff, war dagegen eine für nur 36 Kanonen gebaute Fregatte, deren stärkstes Kaliber 26 Zwölfpfünder-Kanonen darstellten. 10 Achtpfünder-Kanonen und 4 Sechsunddreißigpfünder-Karronaden vervollständigten die Bewaffnung.

Napoleons gefallenen Göttinnen
SEESCHLACHT.TK - Das Buch

Napoleons gefallene Göttinnen
Die Geschichte der französischen MINERVE-Fregatten

von Thomas Siebe
Sprache: Deutsch Paperback - 349 Seiten - BoD
ISBN 978-3-8391-0218-3 Erscheinungsdatum: Mai 2009
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Der englische Zweidecker CENTURION auf der anderen Seite verfügte in seinem unteren Artilleriedeck über 22 Vierundzwanzigpfünder-Kanonen, schoss also mit einem wesentlich schwereren Kaliber als die französischen Fregatten. Im oberen Artilleriedeck kamen dann noch 22 Zwölfpfünder-Kanonen hinzu. Ob an Deck des bereits 1774 gebauten Schiffes bereits 6 Vierundzwanzigpfünder-Karronaden  statt der bis 1793 üblichen Achtzehnpfünder montiert waren, ist mir nicht bekannt, aber unwahrscheinlich. Jedenfalls standen auf der Poop noch 6 Zwölfpfünder-Karronaden.  Man hätte jedenfalls in der Annahme kaum fehlgehen können, das die über 1000 Tonnen der zwanzig Jahre alten CENTURION auch allein beiden französischen Fregatten hätte Paroli bieten können.
Auf keinen Fall hätten die Achtpfünder-Kanonen der Korvette JEAN-BART, des dritten französischen Schiffes, kommandiert von Leutnant Garaud (Pierre Elie Garreau ?), signifikanten Eindruck  auf das englische  Schlachtschiff gemacht. Immerhin aber durfte man bei ihrem Einsatz wenigstens hoffen, das die 4 Zwölfpfünder-Karronaden des kleinen Kriegsschiffs während des Nahkampfes die englische Takelage oder die Decks des Gegners erfolgreich unter Feuer nehmen konnten. Damit konnte sie bei einem Duell auf kürzere Distanz doch von Nutzen sein. 
Renauds Flotte mußte aber auch noch mit dem Eingreifen des zweiten Briten, eines englischen 44-Kanonen-Schiffes, rechnen. Dieser kleinste Typ eines  Zweideckers in der Royal Navy dieser Zeit  verfügte zwar "nur" über 20 Achtzehnpfünder-Kanonen im unteren und 22 Zwölfpfünder-Kanonen auf dem oberen Deck, während noch zwei kümmerliche Sechspfünder an Deck standen, doch als überlegener Gegner für die PRUDENTE wäre dieses Schiff absolut ausreichend gewesen.
Insgesamt waren die Franzosen, denen sich auch die kleine  Brigg COURIER als Führerin und Kundschafterin anschloß, zwar zahlenmäßig überlegen, artilleristisch jedoch im Hintertreffen. Für den dienstältesten französischen Kapitän Jean-Marie Renaud von der PRUDENTE war das Duell mit den Briten jedoch mehr als eine Sache der Ehre.
Der einundvierzigjährige Kommodore wusste, dass signifikante Beschädigungen der englischen Schiffsmasten  die lästige Blockade des auf Versorgung von außen angewiesenen Mauritius ebenso zuverlässig beseitigen konnten als wenn man die Engländer in die Flucht schlug. Denn der nächste englische Stützpunkt für Reparaturen war weit über 2000 Seemeilen entfernt.  
Das Brechen der Blockade war sicherlich auch das tatsächliche Motiv der meisten französischen Freiwilligen und Korsaren, die sich der Expedition anschlossen. Diese Freibeuter mußten befürchten, das die Briten den Prisenjägern durch die Blockade der Freibeuterbasis  schwere finanzielle Einbußen zufügen würden. Weniger der verletzten Ehre wegen als vielmehr aus Geschäftssinn begaben sich deswegen auch Männer des Prisen-Gewerbes an Bord der CYBELE. Unter ihnen soll auch der später so berühmte Robert Surcouf gewesen sein. Die Legende will, dass er sogar als Zweiter im Kommando fungiert haben soll 4.
Am Morgen des 19. Oktober verließen das Flaggschiff PRUDENTE, die CYBELE, die JEAN-BART und die kleine COURIER den Hafen von Port Louis und machten sich auf die Suche nach dem englischen Blockadegeschwader, eine leichte Aufgabe, wie man meinen könnte. Das Wetter war jedoch schlecht, die Sicht lausig und Renauds Rächer umschifften drei Tage (!) lang die Insel, ohne auf die englischen Blockadeschiffe zu treffen, obwohl sie nach und nach von weiteren kleinen Kaperschiffen bei der Suche unterstützt wurden.
Dann kam der Morgen des 22. Oktober: Die kleine französische Flotte, getrieben von einem Ostwind, steuerte einen Halbwindkurs in Richtung Norden. Ein kleineres Kaperschiff 5 wollte dort die großen englischen Schiffe gesichtet haben.

Die Ile de France oder Mauritius

Die Briten kreuzten in der Tat nördlich von Mauritius, ungefähr 10 Meilen in Ost / Südost von Round Island, einem Inselchen 20 Meilen vor Mauritius. Kommandiert wurde das kleine englische Geschwader  erneut vom Kapitän der CENTURION, Samuel Osborne. Statt von der RESISTANCE  unter Kapitän Pakenham wurde Osborne diesmal jedoch von der DIOMEDE, einem Schiff desselben Typs  begleitet. Kapitän dieses 44-Kanonen-Schiffes war Matthew Smith. Weil Osborne 1782 sein Kapitänspatent erhalten hatte, war er gegenüber Smith, der nur wenig später (1783) denselben Rang erreicht hatte, der Vorgesetzte. Möglicherweise hatte die Tatsache, das man zwei Kapitäne mit über zehnjährigem Rangdienstalter nach Mauritius geschickt hatte, negative Folgen für die Kommandoatmosphäre. Smith und sein Kommodore Osborne verkehrten jedenfalls  lediglich dienstlich und waren ansonsten wenig kameradschaftlich verbunden. Der Grund für die offensichtlich gegenseitige Antipathie ist aber unbekannt geblieben und bleibt deswegen Objekt der Spekulation.
Gegen 11:00 entdeckten die Engländer im Westen das französische Geschwader und nahmen sofort Kurs auf Renauds Schiffe. Der französische Kommodore formte daraufhin eine kleine Schlachtlinie mit seiner Fregatte PRUDENTE an der Spitze, dahinter positionierte sich die CYBELE, gefolgt von der JEAN-BART. In´s Luv und an das Ende dieser Linie  manövrierte sich die COURIER, die bei der sich anbahnenden Seeschlacht mangels Größe und Feuerkraft kaum eine aktive Rolle spielen konnte, immerhin aber als Schlepper, Signalstation oder auf andere Weise hätte nützlich sein können.
Die beiden englischen Schiffe rückten immer näher, mit der vergleichsweise mächtigen CENTURION an der Spitze der kleinen Linie. Der Plan Osbornes war, mit dem größeren Schiff sowohl das französische Flaggschiff als auch die CYBELE zu bekämpfen, während die DIOMEDE ihre Breitseite auf die größere französische Fregatte und die Korvette richten sollte.
Es mag in taktischer Hinsicht für den mit Seegefechten vertrauten Leser überraschend sein, das Kommodore Renaud nicht die CYBELE an die Spitze stellte, um das größere und feuerkräftigere Schiff gegen die CENTURION in den Kampf zu schicken. Bestimmte hier dann doch das Motiv des Ehrenhandels die Aufstellung des Franzosen, der Flaggschiff gegen Flaggschiff kämpfen wollte ?  Oder beabsichtigte der französische Kommodore ohnehin nur ein kurzes Gefecht ?

Seeschlacht.tk - Die Seekriege, Seeschlachten und Duelle auf See von 1775 bis 1815

Gegen 15:30 hatten sich beide Linien in der beschriebenen Reihenfolge ungefähr auf halbe Musketenschußdistanz genähert und eröffneten das Feuer.
Erwartungsgemäß konzentrierten PRUDENTE und CYBELE ihr Feuer ganz auf die Takelage der CENTURION und dies mit durchschlagendem Erfolg. Binnen einer halben Stunde waren Segel und Tauwerk des 50-Kanonen-Schiffs so zerschossen, das das größere englische Schiff kaum nach Fahrt machte. Auf französischer Seite hatten aber die schwächer als die Zweidecker gebauten CYBELE  und PRUDENTE die Feuerkraft des englischen Flaggschiffs grausam zu spüren bekommen. Die CYBELE, die bevorzugtes Ziel britischer Kanonenkugeln und Kartätschen gewesen war,  hatte neben schweren Verlusten ähnlich hemmende Schäden in der Rigg erlitten wie die CENTURION.  
Das französische Spitzenschiff, die PRUDENTE, war ohne derartige Beeinträchtigungen davon gekommen, hatte aber bereits nach nur halbstündigem Gefecht 15 Tote und 20 Verletzte zu beklagen. Kommodore Renaud, der selbst verwundet wurde, sah offensichtlich ein, das er sich mit einem an Feuerkraft zu überlegenen Gegner bereits zu lange angelegt hatte. Er setzte sein Schiff vom Gegner ab und brachte es außer Schußweite.
Zwar hatte er der CYBELE und den anderen Schiffen befohlen, es ihm gleich zu tun, doch legte sich - nicht zuletzt durch die Kanonade - eine Flaute über die kämpfenden Schiffe. Die CYBELE war direkt neben die CENTURION geraten und gezwungen, das Duell auf kurze Distanz mit dem überlegenen Gegner fortzusetzen. Die ebenfalls kurzfristig festliegende JEAN-BART konnte Treouarts Schiff wegen der für ihre Karronaden zu großen Distanz  kaum unterstützen und war selbst zum Ziel für die Kanonen der DIOMEDE geworden. Immerhin gelang es der Korvette und auch der kleinen COURIER, sich schließlich ebenfalls abzusetzen. Die DIOMEDE, offensichtlich selbst bekalmt, nahm nun - soweit möglich - ebenfalls die CYBELE unter Feuer, offenbar wegen der großen Entfernung aber mit wenig Erfolg. Kapitän Osborne befahl, der weiter im Luv liegenden DIOMEDE zu signalisieren, sie solle alle möglichen Segel setzen, um sich wenigstens ein wenig anzunähern. Aus irgendwelchen Gründen wurden die entsprechenden Signalflaggen jedoch nicht gesetzt. Osbornes Erwartung, Smith möge ihm helfen, entsprang der Erkenntnis, das auch ein Miniatur-Linienschiff wie die CENTURION nicht unverwundbar war: Die artilleristisch schwächer bestückte französische Fregatte hatte sich tapfer gegen die CENTURION gewehrt, indem sie auf das gezielt hatte, was sie realistisch zerstören konnte. Die CYBELE hatte dem Briten bereits die Marsstenge des Besanmastes sowie die Bramstenge des Fockmastes weggeschossen und gegen 17:15 knickte sogar die Marstenge des englischen Hauptmastes ein. Dafür hatte die CYBELE jedoch einen teuren Preis zahlen müssen: 22 Tote und 62 überwiegend schwer Verwundete lagen auf den Decks und im Lazarett der Fregatte. Im Vergleich dazu waren auf der CENTURION 3 Männer getötet worden, 17 waren leicht verwundet worden. 
Zweifellos wäre die Niederlage und Übergabe der CYBELE unabwendbar gewesen, wenn nicht  plötzlich ein leichter Wind aufgekommen wäre und die CYBELE in Bewegung gesetzt hätte.

 The Fall of Toulon (Taschenbuch)

The Fall of Toulon (Taschenbuch)
von Bernard Ireland
Sprache: Englisch
Taschenbuch - 320 Seiten - Verlag: Cassell Reference
Erscheinungsdatum: 3. August 2006
Im Sommer 1793 übergaben königstreue Franzosen die Marinebasis Toulon an eine multinationale Flotte, bestehend aus Briten, Spaniern, Venezianern und Österreichern. Doch statt von Toulon aus die französische Revolution in Bedrängsnis zu bringen, wurde die Stadt belagert. Ein Franzose tat sich dabei hervor und sollte fortan in aller Munde bleiben: Napoleon Bonaparte. Bernard Ireland erzählt den Kampf um Toulon.

Kapitän Treouart, inzwischen ebenfalls verwundet, konnte sich von der CENTURION entfernen und ließ auf die PRUDENTE zuhalten, die ihm entgegenkam, um der beschädigten Kollegin zu helfen. Dies sollte sehr hilfreich sein, denn als die beiden Schiffe sich gegen 17:45 trafen, knickte die im Gefecht beschädigte Vormarsstenge der CYBELE ein. Daraufhin nahm die PRUDENTE Treouarts Schiff in Schlepp und beschleunigte auf diese Weise die Flucht des französischen Geschwaders.
Die CENTURION hatte kurzzeitig versucht, zusammen mit der DIOMEDE die Verfolgung aufzunehmen, doch der Wind übte gefährlichen Druck auf die beschädigten und angeschossenen Masten und Stengen von Osbornes Schiff aus. Der englische Kommodore mußte befürchten , seine Masten zu verlieren und gab zähneknirschend die Verfolgung der Franzosen auf.
Die DIOMEDE indessen setzte die Verfolgung des nach Westen ablaufenden französischen Geschwaders fort und sendete dem Gegner die eine oder andere Kanonenkugel hinterher, ohne aber Treffer geschweige denn Wirkung zu erzielen. In der Dunkelheit brach Kapitän Smith dann die Verfolgung ab.
Es sollte sich zeigen, daß die DIOMEDE als einziges Schiff ohne Verluste davongekommen war (JEAN-BART: 1 Toter, 5 Verwundete), ein glücklicher Umstand, der jedoch in den Nachwehen zu diesem Gefecht und aus der damals üblichen Perspektive als Indiz für das mangelnde Engagement des Schiffes gesehen wurde.  
Was nämlich auf den ersten Blick als englischer Sieg erschien, zeigte sich bei näherer Betrachtung als ein kleiner französischer Erfolg: Die Masten der CENTURION waren zu stark beschädigt worden, als das sie befriedigend auf See hätten repariert werden können. Aus diesem Grund mußte Kommodore Osborne zunächst die Blockade der Ile de France aufgeben und mit Kurs Malediven diese Gewässer verlassen.
Doch auch die Franzosen in Port Louis konnten sich nicht  lange dieses Erfolges freuen, weil nur wenig später an die Stelle der CENTURION ein 74-Kanonen-Linienschiff (SCEPTRE oder RUSSELL ?) sowie die bereits bekannten RESISTANCE und ORPHEUS traten und die Blockade fortsetzten.  
Kommodore Osborne war offensichtlich trotzdem unzufrieden, immerhin litt sein Ruf wohl unter dem letztlich erfolglosen Duell und es entgingen ihm wohl auch einige Prisen, während die CENTURION in Mahe (Malediven) oder sogar erst in Madras (Indien) wieder instandgesetzt wurde.
Da verwundert es nicht, das die Unzufriedenheit des Kommodore auch den Kapitän der DIOMEDE traf und im Bericht Osbornes seinen Niederschlag fand. Osborne deutete an, das Smith den Zeitpunkt verpasst hatte, näher an die CYBELE heranzurücken. Smith fand sich jedoch ungerecht beurteilt und protestierte. Dies hätte er vielleicht besser bleiben lassen, denn Osborne verschärfte seinen Vorwurf sogar noch und forderte ein Kriegsgericht.
Sein Wunsch wurde erfüllt, nicht zuletzt, weil er gute Kontakte zu Konteradmiral Rainier, dem Oberkommandierenden im Indischen Ozean, unterhielt. Das Gericht tagte in Madras und befand tatsächlich den aufmüpfigen Smith für schuldig. Der Kapitän der DIOMEDE verlor sein Kommando und wurde sogar aus der Royal Navy ausgeschlossen. Bei seiner Rückkehr nach England 1798 focht Smith zwar dieses Urteil an und tatsächlich nannten Kronanwalt und ein Admiralitätsgremium das Urteil "unverantwortlich hart". Auch bekam Smith seinen Rang zurück, doch der Kapitän bekam nie wieder ein Kommando in der Navy.
Osborne, der nach seinem Einsatz in Ostindien offensichtlich auch nicht mehr zur See fuhr, stieg 1804 zum Konteradmiral auf und starb am 10. September 1816 als wohlhabender Mann.
Renaud und Treouart überstanden ihre Verwundungen. Renaud diente noch einige Jahre im Indischen Ozean und starb 1808 auf Mauritius. Treouart sollte im Geschwader Sercey noch eine verhängsnisvolle Rolle spielen, sein Schicksal danach ist mir unbekannt.
Die Seeschlacht vor Round Island blieb eine vergessene Marginalie der Geschichte, bis die Glorifizierung Robert Surcoufs sich dazu verstieg, ihn als Protagonisten oder sogar Sieger dieses Gefechtes hervorzuheben.
Die Realität war eine andere: Bei diesem militärisch bedeutungslosem, historisch absolut  nebensächlichen und am Ende tatsächlich nutzlosem Scharmützel kamen 41 Männer um´s Leben, 111 wurden verwundet, fast alles Franzosen.
Ich muss gestehen, das ich als Leser von Forrester, O´Brian und anderer marinehistorischen Autoren manchmal vergesse, das dieser 1793 begonnene und erst 1815 endgültig beendete Krieg auch zur See ein blutiger Kampf war, bei dem reale Menschen und keine Romanfiguren getötet oder verstümmelt wurden. Und offensichtlich starben in diesen Seekriegen viel mehr Menschen als man sich das als Romanleser so vorstellt.

  

Englische Fachbücher

 The Line of Battle: The Sailing Warship 1650-1840 (Conway's History of the Ship)
The Line of Battle: The Sailing Warship 1650-1840 (Conway's History of the Ship)
von Robert Gardiner
Gebundene Ausgabe - 208 Seiten - Chartwell Books - September 2000
 The Ship of the Line, Volume 1: The Development of the Battlefleet 1650-1850 (Gebundene Ausgabe)
The Ship of the Line, Volume 1: The Development of the Battlefleet 1650-1850
von Brian Lavery
Gebundene Ausgabe - 224 Seiten - Conway Maritime - 1. Mai 2003
 The Ship of the Line, Volume 2: Design, Construction and Fittings
The Ship of the Line, Volume 2: Design, Construction and Fittings
von Brian Lavery
Gebundene Ausgabe - 192 Seiten - Conway Maritime - 1. Mai 2003


Fussnoten

1 = Zur SERAPIS-Klasse siehe dieses berühmte Duell

2 = Die Zwölfpfünder-Fregatte ist eine Schiffsklasse, deren stärkstes Kaliber aus Kanonen besteht, die zwölfpfündige Ladungen verschießen. Eine höhere Fregattenklasse ist die Achtzehnpfünder-Fregatte, zu der z.B. die CYBELE gehörte.

3 = In der Kurzbiografie von Charles Rene Magon hatte ich fälschlich Magon als Kommandanten genannt. Seine "französische" Biografie sagt, das der damalige lieutenant de vaisseau 1791 die CYBELE kommandierte, das Kommando durch eine Denunziation aber wieder verlor. War Magon wirklich während des Gefechtes an Bord ? Wenn das der Fall war, fungierte er möglicherweise als erster Offizier.

4 = Jedenfalls will das seine Legende (und die Wiki natürlich *Seufz*.). Ich habe da aber einige Zweifel. Angesichts seines noch eher jugendlichen Alters (* 1773 - 1827), der fehlenden militärischen Ausbildung, der fehlenden Zugehörigkeit zur Kriegsmarine und der Tatsache, das Surcoufs Zeit als Korsar ja noch kommen sollte und kein Mensch ihn zu diesem Zeitpunkt als fähigen Freibeuter kannte, kann man meine Zweifel an der traditionellen Behauptung, er sei Zweitkommandierender auf der größeren französischen Fregatte gewesen,  sicher nachvollziehen. Tatsächlich ist nicht einmal seine Anwesenheit auf der Insel zu diesem Zeitpunkt verbürgt.

5 = Eine Quelle nennt dieses Schiff: Es soll die ROSALIE gewesen sein, ein kleiner Kaper von 10 Kanonen und 50 Mann. Später soll das Schiff in ALERTE umgetauft worden sein. Zur ALERTE dieses hier !


Brian Lavery - The Ship of the Line. Vol. I: The development of the battlefleet 1650 - 1850.


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