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Napoleon. Eine Biographie

Napoleon. Eine Biographie
von Johannes Willms
Sprache: Deutsch
gebundene Ausgabe - 900 Seiten ! - BECK
Erscheinungsdatum: März 2005

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TRINCOMALEE gegen IPHIGENIE - Ein teurer Preis für Schuhe

Im Sommer 1798 landete Napoleon Bonaparte, damals noch General, mit Truppen in Ägypten und eroberte das von dem Mamelucken beherrschte Land. Die Expedition hatte freilich weitreichendere Ziele als die schlichte Konsumation von Territorium. Das französische Direktorium versuchte einen alten Plan französischer Kolonisation zu verwirklichen, indem es die durch die Entwicklung der modernen Seefahrt in Vergessenheit geratenen Handelstrassen zwischen Europa und Indien zu beleben trachtete. Damit sollte die britische Vorherrschaft im Indischen Ozean und auf dem Subkontinent selbst gebrochen werden.
Wegen der französischen Ägyptenexpedition verstärkte die britische Royal Navy ihre Präsenz vor den Zugängen zum Roten Meer (Straße von Bab al Mandab) und Persischen Golf, nicht zuletzt durch Gerüchte, die Franzosen könnten hier oder da mit dem Bau von Linienschiffen beginnen, die sie quasi als Bausatz mit nach Ägypten gebracht hätten.
Tatsächlich gab es Verhandlungen zwischen dem Schah von Persien und Frankreich. Der Schah sollte Häfen für französische Schiffe zur Verfügung stellen und dort den Bau von Kriegsschiffen erlauben.
Nicht allein wegen dieser Gerüchte war auch die englische Brigg-Sloop TRINCOMALEE (16 - John Rowe) in den Gewässern vor dem Arabischen Golf präsent. In Maskat hatte Commander Rowe vom dortigen Repräsentanten der East India Company erfahren, das ein französisches Kaperschiff am 7. Oktober 1799 ein Schiff der Company, die PEARL, gekapert hatte. Daraufhin segelte der britische Kommandant seine Sloop vor die Strasse von Bab al Mandab, der Einfahrt zum Roten Meer, um den Kaper abzufangen und möglicherweise die PEARL zurückzuerobern. Begleitet wurde die TRINCOMALEE von einem Schoner der East India Company, der COMET (10).

Linienschiffschlachten 1794 - 1806 Download

Tatsächlich hatte das Kaperschiff, die IPHIGENIE (22) unter dem Kommando von Jean Francois Malraux (Bei William James heißt er Mabroux), in Begleitung seiner Prise diese Gewässer angesteuert. Zumindest ein großer Teil der offenbar recht wertvollen Ladung der PEARL war jedoch bereits auf die IPHIGENIE umgeladen worden, ein zunächst seltsam anmutendes Procedere, wenn Malraux beabsichtigte, zu seinem Stützpunkt Mauritius zurückzukehren oder lediglich die PEARL zur Ile de France zu senden. Vielleicht wollte der Freibeuter das erbeutete Schiff selbst als Kaper verwenden - immerhin hatte er seinem Ersten Maat Jacques Francois Ribaud das Kommando über die Prise überantwortet, sicher keine Maßnahme, um die Prise umgehend "nach Hause" zu schicken. Jedenfalls hatten die Franzosen noch einiges vor, womöglich auch eine Kooperation mit den französischen Truppen, die die ägyptische Seite des Roten Meeres kontrollierten. Im Indischen Ozean wären Truppenverstärkungen sicherlich hochwillkommen gewesen, Malraux und seine Männer hätten für eine solche Passage mit der PEARL als Truppentransporter sicherlich einiges kassieren können. Auch der Fürst von Mysore, Tipu Sahib, ein ewiger Feind der Briten in Indien, hätte für die Unterstützung durch französische Truppen politische oder monetäre Mittel für Frankreich und damit auch für die Freibeuter eingesetzt.
Dazu kam es jedoch nicht, denn am späten Abend des 12. Oktober 1799 sichteten die TRINCOMALEE und die COMET (10) die IPHIGENIE und die PEARL. Nach dem Bericht von Ribaud suchte die IPHIGENIE den Kampf mit der englischen Sloop und konnte ihn wegen dem günstigen Wind auch erzwingen. Es ist freilich zweifelhaft, ob Commander Rowe, dessen Missionsziel ja die beiden Schiffe waren, tatsächlich dem Kampf ausweichen wollte. Ebenso befremdlich wäre ein Angriff durch Malraux, denn eine magere englische Kriegs-Brigg brachte kaum Profit, dafür aber einiges an Risiko. Der Erwerb eines Kaperbriefs aber war eine durch und durch ökonomisch gedachte Investition. Die Franzosen wären absolut untypische Freibeuter gewesen, wenn sie den Kampf gesucht hätten. Am wahrscheinlichsten ist, das Malraux lediglich die Verteidigung seiner Beute, der PEARL, im Sinn hatte.

Mehr über Malraux und Kollegen in H.C.M. Austen's Sea Fights and Corsairs of the Indian Ocean Being the Naval History of Mauritius


Gegen 22:00 trafen die TRINCOMALEE (16) und die IPHIGENIE (22) aufeinander. Das französische Schiff hatte vielleicht einen Vorteil bei der Artillerie. Nach William James verfügte die IPHIGENIE über 16 Kanonen, entweder Sechs- oder Achtpfünder, und 4 Sechsunddreissigpfünder-Karronaden. James hält sich hier offenbar an einen Bericht über die Wegnahme der PEARL. Als Bewaffnung der TRINCOMALEE vermutet der englische Chronist lediglich Sechspfünder, was einer Vorkriegsbewaffnung entsprochen hätte. Ich bin bei diesen Angaben eher skeptisch und denke, dass die IPHIGENIE bestenfalls zwei der genannten Karronaden trug, während die TRINCOMALEE sicherlich auch über Karronaden verfügte. Commander Rowe konnte meiner Vermutung nach Kapitän Malraux eine annähernd ebenbürtige Bestückung entgegensetzen.
Zunächst trafen nur diese beiden Schiffe aufeinander, während die COMET und die PEARL lediglich Beobachter des Kampfes waren. Rund zwei Stunden dauerte das Artillerieduell, zunächst auf größere Distanz, dann auf Pistolenschussweite. Schließlich krachten die parallel segelnden Schiffe mit ihren Rümpfen zusammen und von der PEARL und der COMET aus konnte man beobachten, wie die französische Crew, 115 Mann stark, sich zum Entern vorbereitete. Beide Schiffe lagen Bordwand an Bordwand, als plötzlich die TRINCOMALEE explodierte.
Das Ausmaß der Explosion ist lediglich so beschrieben, das die englische Sloop offenbar sofort auseinandergerissen wurde und sank, während auf der längseits liegenden IPHIGENIE der Haupt- und Besanmast durch die Schockwelle schlicht aus dem Schiff herausgerissen wurden. Nach nur wenigen Minuten folgte die schwerstens beschädigte IPHIGENIE ihrem Gegner auf den Meeresgrund.
Von der TRINCOMALEE konnte die herbeigeeilte COMET nur zwei oder drei Männer auffischen, von der IPHIGENIE fanden sich, an treibende Wrackteile geklammert, auch nur rund 35 Mann. 115 Männer von dem französischen Schiff, dabei viele von der früheren Besatzung der PEARL, starben. Rund 100 Engländer von der TRINCOMALEE wurden ebenfalls nicht mehr gefunden. Die COMET und die PEARL trennten sich nach der Bergung ohne weiteren Kampf.

 Seekriege und Seepolitik von 1650 bis 1914

Seeherrschaft II : Seekriege und Seepolitik von 1650 bis 1914
Band 6 der Reihe Weltgeschichte der Seefahrt
von Helmut Pemsel
Sprache: Deutsch
Gebunden - 965 Seiten - Koehlers Verlagsgesellschaft
Erscheinungsdatum: November 2005
Wer sich für Marinehistorie interessiert, hat hier Einblick in Daten,
Zahlen, Fakten und Hintergründe der Seekriege des o.g. Zeitraumes.
Dabei wird kein noch so kleiner oder absurder Konflikt ausgelassen.

Die Ursache der Explosion konnte nur die Detonation der Pulverkammer der TRINCOMALEE sein, ein damals nicht seltener Unfall bei Bränden bzw. Gefechten, bei denen Feuer ausbrach. (Siehe z.B. QUEBEC, AMPHION oder die ORIENT bei Abukir).
Vermutlich war auf der Sloop unter Deck ein Brand ausgebrochen, vielleicht verursacht durch eine Handgranate, die man bei Enterversuchen auf das feindliche Schiff zu schleudern pflegte, um Verwirrung und Angst auszulösen. Die Explosionskraft dieser mit Zündschnüren versehenen primitiven Bomben war nicht besonders groß, dafür war die Detonation laut und verursachte eine Menge Rauch, der den Enterern als Deckung dienen konnte. Möglicherweise war eine solche Granate oder glühende Überreste derselben unter Deck geraten und hatte ein Feuer verursacht, welches dann ziemlich schnell die Quelle der Explosion erreicht hatte.
Eine noch einfachere Erklärung wäre freilich ein nervöses Crewmitglied, das in oder vor der Pulverkammer irgendwie die Katastrophe auslöste.
Die Legende von dem Volltreffer einer feindlichen Kanonenkugel als Verursacher vermeintlich plötzlicher Explosionen kann man dagegen als Ursache für diese Detonation ausschließen. Abgeschossene Metallkugeln, so man sie nicht glühend gemacht hatte, konnten Schwarzpulver nicht entzünden.

Das letzte Gefecht der GLORIOSO

Die Heftigkeit der gewaltigen Schockwelle, die zwei große Masten aus einem Schiffsrumpf herausriß, erscheint mir angesichts der begrenzten Größe der Pulverkammer einer kleinen Brigg, die ja auch schon zwei Stunden gekämpft hatte, immerhin bemerkenswert. War es nur die normal gefüllte Pulverkammer, die explodiert war, oder hatte die TRINCOMALEE vielleicht eine größere Menge Schwarzpulver an Bord, um Truppen der East India Company bzw. englische Truppen in der Region mit Munition zu versorgen ? Das wird sich kaum noch klären lassen und ist vielleicht auch nicht so bedeutsam, obwohl es sicherlich angesichts des Brennpunktes Rotes Meer von historischen Interesse sein könnte.
Die Ladung der IPHIGENIE dagegen, die ja inzwischen die Last der PEARL trug, ist da schon interessanter. Was trug die PEARL vor ihrer Kaperung in ihren Laderäumen ? Welche Ladung wurde danach umgehend auf die IPHIGENIE umgeladen ? Was veranlasste den Beauftragten der Company in Maskat, Commander Rowe zur Verfolgung der französischen Freibeuter zu drängen ? Wenigstens ein Teil der Lösung dieses Rätsels offenbarte sich schon wenige Tage nach dem Unglück, als am arabischen Ufer des Bab al Mandab massenhaft seidene Damen-Schuhe angespült wurden.


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