Chronologie der europäischen Seekriege 1793 bis 1815, Band 1, bis 1802
Chronologie der europäischen Seekriege 1793 - 1815
Band 1 : Von 1793 bis zum Frieden von Amiens 1802

von Thomas Siebe
Sprache: Deutsch Broschiert - 224 Seiten - BoD
ISBN 978-3-8423-2883-9 Erschienen: September 2010
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 British Napoleonic Ship-Of-The-Line

British Napoleonic Ship-Of-The-Line (New Vanguard)
von Angus Konstam, Tony Bryan
Sprache: Englisch
Taschenbuch - 48 Seiten - Osprey Publishing (UK)
Erscheinungsdatum: 1. November 2001


Serceys Fregattengeschwader - Gegen Linienschiffe und Ostindienfahrer

Am 4.März 1796 verließ ein französisches Fregattengeschwader die Ile de Aix und setzte Kurs auf den Indischen Ozean. Das Geschwader  stand unter dem Kommando  von Konteradmiral Pierre Cesar Sercey (1753 - 1836) und hatte die Aufgabe, von seiner Basis Mauritius aus den englischen Ostindienhandel zu stören. Am 18. Juni 1796 erreichte Sercey mit vier Fregatten die Ile de France, wie Mauritius damals noch hieß. Dort warteten zwei weitere Fregatten, womit das französische Fregattengeschwader nun aus den folgenden Schiffen bestand:
Dem mit 30 Vierundzwanzigpfünder-Kanonen ausgestatteten Flaggschiff Serceys, der  LA FORTE, für 44 Kanonen ausgelegt, eine mächtige Fregatte von rund 1400 Tonnen, den drei mit jeweils 28 Achtzehnpfünder-Kanonen ausgerüsteten 40-Kanonen Fregatten VERTU, SEINE und CYBELE sowie den beiden leichteren und  mit 26 Zwölfpfünder-Kanonen als schwerstem Kaliber bewaffneten 36-Kanonen-Fregatten  REGENEREE und PRUDENTE.
Die dramatische Fahrt von Serceys Geschwader hat  in seinem Roman Los Ratas Del Nilo T.R. Tamis einen französischen Maat schildern lassen, wobei der chilenische Schriftsteller sich offensichtlich exakt an die tatsächlichen historischen Vorgaben gehalten hat.  Von mir aus dem Spanischen übersetzt und mit der freundlichen Genehmigung von Wilfredo Tamis folgt in den nächsten Zeilen ein Auszug aus dem Roman,  eine Art fiktiver Augenzeugenbericht eines tatsächlichen historischen Geschehens.
In eckigen Klammern [] stehen zum besseren Verständnis des Lesers jeweils Anmerkungen von Seeschlacht.tk


Serceys Geschwader

von T. R. Tamis

Auszug aus seinem Roman "Los Ratas Del Nilo" (1991)

Inzwischen rüstete unser Konteradmiral die SEINE wieder mit Kanonen aus [Die SEINE war zuvor als Truppentransporter genutzt worden], Bigot wurde durch Kapitän Latour abgelöst und am 14ten Juli stachen wir [von Mauritius aus] mit sechs Fregatten in See. Dabei war übrigens auch dieser kleine Kaper ALERTE, von dem noch zu reden sein wird. Er diente als Postboot und Kundschafter. Am 18ten erreichten wir  die Ile de Bourbon [Reunion] und am 22sten ging ́s dann wieder Anker auf, wie wir nun wussten, mit Kurs auf die Coromandel-Küste Indiens. Unsere Fregatten waren alles hervorragende Segler, aber die ALERTE ! Es war ein schlecht gepflegter Kahn, muschelbewachsen und miserabel gesegelt. Wären wir doch  nicht auf dieses elende Stück Treibholz angewiesen gewesen, viele meiner Kameraden könnten noch leben !
Doch wir brauchten die ALERTE, um unentdeckt die Küste auszukundschaften. Mit dieser Mission wurde sie also losgeschickt, doch lasse niemals einen Piraten den Job eines Offiziers machen ! In der Nacht zum 19ten August glaubte der Kapitän der ALERTE einen Indienfahrer zu sichten, sein Beutefieber erwachte und er  versuchte das Schiff zu entern. Zu spät entdeckte der Narr, das er an eine britische Kriegsfregatte geraten war ! So wurde die ALERTE Beute der CARYSFORT (28) unter ihrem Kapitän James Alexander, einem nun wirklich gewieftem Schlitzohr.
Denn der Engländer zog sofort Nutzen aus folgendem unerhörten Glücksfall:  Der vermaledeite Möchtegern-Korsar von der ALERTE hatte infolge der bösen Überraschung versäumt, die an Bord befindlichen Seekarten und Papiere zu vernichten. So fiel den Engländern praktisch unser Fahrplan in die Hände ! Nicht nur konnten sich nun viele fette Brocken aus unserer Schusslinien segeln, nein, unserem Geschwader selbst sollte es nun an den Kragen gehen. Alexander begann einen großen Bluff und eine raffinierte Falle aufzubauen.
Ohne das wir etwas vom Verlust der ALERTE und den drohenden Fallstricken ahnten, hatten wir leidlich erfolgreich zunächst  vor der Südostmarke Ceylons gefischt, so zwischen dem 14ten August und 18ten August und folgten dann dem Kurs der ALERTE an der Coromandel-Küste entlang, kreuzten vor Madras und Pondicherry. Die PRUDENTE und CYBELE hatte Sercey inzwischen nach Tranquebar [ Dänische Besitzung in Ostindien ] vorausgeschickt, um dort liegende dänische Handelsschiffe aufzuscheuchen. Auf diese Weise hofften wir, an der Küste so richtig dicke Fische zu fangen.
Kaum hatten wir unsere Kreuz an der Coromandel begonnen, fingen wir ein kleineres Schiff mit einer Ladung Tee und erfuhren, dass gleich drei englische Linienschiffe, unterstützt von zahlreichen Fregatten, auf der Suche nach uns sein sollten. Auch einige Einheimische, die von Land her Handel mit uns suchten, wollten diese Schlachtschiffe beobachtet haben. Tatsächlich hatten sie lediglich englische Goldstücke gesehen, denn das Tee-Schiff war uns nicht zufällig in die Hände gefallen. Die Eingeborenen waren veranlasst worden, uns diese Beobachtungen mitzuteilen. Wir ahnten damals nicht, dass diese Informationen von Kapitän Alexander bewusst lanciert worden waren. Tatsächlich waren die Briten nämlich zu diesem Zeitpunkt nur mit schwachen Marinekräften an der Ostküste vertreten.
Neben der Inszenierung des Bluffs  hatte der englische Kapitän ein schnelles Schiff vorausgeschickt, nach Penang, wo er tatsächlich englische Linienschiffe, u.a. die SUFFOLK, VICTORIOUS, ARROGANT [ Alles 74-Kanonen-Schiffe] und CENTURION [Ein 50-Kanonen-Schiff ] nebst einigen starken Fregatten wie der RESISTANCE [44 Kanonen] , ORPHEUS und HEROINE [beide 32 Kanonen ] unter Konteradmiral  Rainier vermutete. Eine böse Falle, die er uns da stellte und sie sollte wirklich zuschnappen !
Unser leichtgläubiger Sercey betrachtete es als Glücksfall, so früh von der drohenden Gefahr zu hören und wollte natürlich nicht auf die Linienschiffe treffen. Fregatten sind zwar schneller als Linienschiffe, aber wenn man zwischen drei dieser Schlachtschiffe gerät und noch britische Sloops und Fregatten hinzukommen, dann kann das natürlich böse ausgehen. Auf der anderen Seite bedeutete die Anwesenheit der Linienschiffe vor der Ostküste, das die britischen Stützpunkte vor Sumatra und Malaya, besonders die Insel Penang, ziemlich ungedeckt sein mussten. Vor Penang versammelten sich aber oft ganze Flotten von portugiesischen und englischen Indienfahrern. Dies hoffte Sercey zu nützen und er setzte Kurs auf Sumatra. Damit handelte er also genauso, wie Alexander es vorausgesehen hatte.

Das letzte Gefecht der GLORIOSO

Am ersten September standen wir an der Nordspitze Sumatras und direkt vor der Insel We, wo uns die ersten Prisen in die Hände fielen. Natürlich begann sich nun die Nachricht von der Ankunft eines französischen Fregattengeschwaders in diesen Gewässern zu verbreiten. Als die VERTU am 7ten das Handelsschiff FAVOURITE kaperte, wusste die englisch-malaiische Besatzung schon über die Stärke unseres Geschwaders Bescheid. Und gerade als am nächsten Morgen die Prise Vorbereitungen traf, sich auf den Weg nach Mauritius zu machen, meldete die Wache zwei große Schiffe nordöstlich von uns - da war´s gerade 6:00. Dabei konnte es sich gut um zwei fette Ostindienfahrer handeln, es konnten aber auch zwei Schlachtschiffe oder große Fregatten sein. Nun, sie standen im Lee, was hieß, wir konnten uns ihnen bequem, aber langsam nähern, während der schwache Wind uns Schutz vor Angriffen durch die möglichen Schlachtschiffe bot. Unser Admiral setzte sich mit der mächtigen FORTE an die Spitze unserer Linie, um sich diese Schiffe näher anzusehen, die da  bei nur leichtem Wind in der See dümpelten.
Tatsächlich standen da im Lee zwei britische 74-Kanonen-Linienschiffe, nämlich die ARROGANT [74] unter Kapitän Richard Lucas und die VICTORIOUS [74] unter Kapitän William Clark. Sie hatten bereits erste Nachrichten von unserem Geschwader erhalten und uns sozusagen erwartet. Aber der Anblick der FORTE hatte sie verunsichert, denn Clark meinte, zumindest ein, wenn nicht sogar zwei Linienschiffe zu sehen. Lucas dagegen versicherte seinem Kommodore, dass es sich um die sechs angekündigten Fregatten und einen Ostindienfahrer handelte. Er nützte sogar den  schwachen Wind, um sich an Bord der VICTORIOUS rudern zu lassen, um Clark direkt im Gespräch zu überzeugen.
Schließlich verständigten sich die beiden englischen Kapitäne darauf, uns zunächst näher kommen zu lassen. Das war wohl so um den Mittag herum. So gegen 14:00 hatten wir uns mit der FORTE an der Spitze und der VERTU am Schwanz soweit genähert, dass wir sogar die Geschützpforten zählen konnten. Also doch Linienschiffe ! 
Würde Konteradmiral Sercey es wirklich mit den zwei 74ern aufnehmen ? Selbst für die FORTE waren deren Zweiunddreissigpfünder nun doch ein reichlich schweres Kaliber. Fregatten sind ja auch nicht für den Kampf mit Linienschiffen gebaut, auch wenn hier sechs Schiffe gegen zwei standen. Gegen das dicke Holz der Schlachtschiffe konnten eigentlich nur die Vierundzwanzigpfünder der FORTE und mit Einschränkungen die Achtzehnpfünderkugeln der größeren Fregatten etwas ausrichten. Unsere zwei Zwölfpfünderfregatten REGENEREE und PRUDENTE konnten sogar nur der Takelage der großen Feindschiffe schaden, denn auf dem dicken Rumpf eines 74er-Linienschiffes hinterlassen Zwölfpfunderkugeln wenig Eindruck.   
Bei einem Gefecht würden wir deswegen vernünftigerweise unser Feuer ganz auf die Takelage der Briten konzentrieren müssen, um die Mobilität der Gegner zu lähmen. Erst wenn das gelungen wäre, würde überhaupt eine Siegchance bestehen. Die hätte dann im Enterangriff bestanden, denn an Zahl waren wir den Engländern weit überlegen. Bis dahin aber wäre es ein harter Weg durchs schwersten Eisenhagel.
Das waren am Ende wohl auch Serceys Gedanken, denn alsbald befahl er, doch zu wenden und sich wieder zu entfernen. Zur Verteidigung unseres Konteradmirals muß man sagen, das die ARROGANT über ein Vierteljahrhundert alt war und die VICTORIOUS auch nicht mehr die jüngste. Bei einer Schlacht hatten wir wohl nur wenig zu gewinnen, aber Sercey  konnte sehr wohl die eine oder andere Fregatte verlieren. So es sich also vermeiden ließ, wollte er dem Kampf aus dem Weg gehen.
Doch kaum hatten unsere Schiffe gewendet, hatten wir nun wohl auch die Aufmerksamkeit von Kapitän Clark geweckt. Bald schon sahen wir die Schlachtschiffe ebenfalls  wenden und uns folgen. Dies taten sie mit Ausdauer und wurden dafür belohnt, denn der launische Wind begünstigte ihre Annäherung, während er unser Geschwader bei lauer Luft gegen Abend mehr und mehr unter Land drückte. Kap Sumatra rückte immer näher, desgleichen taten die englischen Linienschiffe. Also versuchte Sercey die Not zur Tugend zu wenden, halste auf Land, um schließlich den Bug  nach Osten zu drehen und den Landwind zu nutzen. Dies glückte über Nacht, doch bei Tagesanbruch sahen wir, das die Briten unsere Manöver gesehen und genutzt hatten und nun drohten, mit einsetzendem Morgenwind zumindest unseren hinteren Fregatten, der SEINE und der VERTU, den Weg abzuschneiden.
Es war gegen 6:00, als Konteradmiral Sercey einsah, dass er nun doch kämpfen musste, bevor unser Geschwader zu tief unter Land gedrückt wurde. Unser Admiral liess die Schiffe klar zum Gefecht machen und gab dann  den Befehl zum Wenden. Dies sorgte für große Aufregung auf allen Schiffen, besonders auf der VERTU, die an der Spitze unserer Linie stand und auf deren Backbordbug sich nun die  ARROGANT näherte. Gegen 7:30 hatten wir eine Schlachtlinie geformt, mit der VERTU [40]  an der Spitze, gefolgt von der SEINE [40]  und unserer FORTE [44]. Die leicht zurückhängende REGENEREE [36] stand nach Luv versetzt zwischen der SEINE und der FORTE und führte eine zweite Linie vor der CYBELE [40], in deren Schatten sich wiederum die  PRUDENTE [36] hielt. Sinn dieser Linienführung war es, unsere kleineren Fregatten durch die grösseren Schiffe vor Beschuss zu decken, sie aber bei Gelegenheit ihre Breitseiten abfeuern zu lassen.  

Band 1

Jan Needle´s Serie über den Midshipman William Bentley

Band 3
 Harte Zeiten vor dem Mast. William Bentleys Aufstieg in der Royal Navy.
Harte Zeiten vor dem Mast. William Bentleys Aufstieg in der Royal Navy.
Broschiert - Ullstein Tb - 363 Seiten - September 2004
 Auf hoher See in Gottes Hand. William Bentleys zweite Chance in der Royal Navy
Auf hoher See in Gottes Hand. William Bentleys zweite Chance in der Royal Navy
Broschiert - Ullstein Tb - 460 Seiten - Januar 2005
 Pralle Segel - keine Gnade. William Bentleys dunkle Tage in der Royal Navy
Pralle Segel - keine Gnade. William Bentleys dunkle Tage in der Royal Navy
Broschiert - Ullstein Tb - 380 Seiten - August 2005

So näherten wir uns wie bei einem Ritterturnier den entgegenkommenden  74ern, von denen die ARROGANT bereits versuchte, unser Spitzenschiff mit ihren Breitseiten zu fassen, glücklicherweise mit wenig Erfolg. Die erste Breitseite unserer Spitzenfregatte, immerhin auf eine Distanz von fast 250 Metern abgefeuert, fegte dafür dem führenden Briten die Flagge vom Mast. So weit ging es also gut, doch dann schlugen die schweren 32-Pfünder-Kugeln von beiden Linienschiffen auf der VERTU ein und richteten, wie man ja befürchten musste, bedeutenden Schaden an.
Die SEINE und wir [FORTE] übten für die schweren Treffer auf unserem Kameraden zwar Vergeltung - man konnte die Holz- und Tuchfetzen der Rigg wie Regen auf das Deck der ARROGANT  niedergehen sehen - aber die Breitseite der nachfolgenden VICTORIOUS erinnerte uns dann an die wahren Kräfteverhältnisse. Die SEINE vor uns erwischte den Grossteil des schweren Linienschiffbeschusses und an Bord der FORTE konnten wir dort die feindlichen Kugeln einschlagen und  die Trümmer herumfliegen sehen. 
In dieser Weise passierten wir also langsam, unter dem Dröhnen der wechselseitig abgefeuerten Breitseiten, durch Rauch und Feuer, begleitet vom erschütternden dumpfen Knall abgefeuerter Kanonen und dem krachenden Geräusch einschlagender Kanonenkugeln,  die beiden Schlachtschiffe. Unser Schiff hielt sich dabei glänzend und später war ein jeder an Bord stolz auf die Wirkung unserer Vierunzwanzigpfünder. Auch unsere schwächere zweite Linie kam bald zum Schuss, bedachte besonders die Takelage beider Schlachtschiffe mit ihren Kugeln und Kartätschen und - wie wir später erfuhren - verwundeten bei dieser Gelegenheit Kapitän Clark so schwer, dass er sein Kommando an Deck seinem 1. Leutnant  übergeben musste, einen sehr schneidigen, aber auch noch sehr unerfahrenen Mann. 
Das war so gegen 8:00. Schließlich hatten wir die Engländer passiert, doch bevor wir uns erneut formieren konnten und  weitere Schritte unternommen wurden, verließ der Wind den Ort der Schlacht, keineswegs zu unserem Unglück. Denn wir hatten bei diesem ersten Waffengang der ARROGANT die Takelage derartig verheert, das sie nun hilflos rollend in der leichten Dünung trieb und mit dem lauen Lüftchen gar nichts tun konnte. Dies war gut für unsere VERTU, die geradeso Kurs halten konnte, aber in ihrem Gehölz arg gerodet war. Auch die SEINE ward infolge des Feuergefechts behindert. Die VICTORIOUS aber hatte ihren Bug herumgeworfen, versuchte uns zu folgen, um sich einer unserer beiden beschädigten Schiffe zu bemächtigen. Sie begann ein Feuergefecht auf große Distanz, wobei sie jedoch weder alle unsere Fregatten mit ihren Waffen fassen konnte noch überhaupt alle ihre Kanonen zum Tragen bringen konnte.
Fast eine Stunde versuchte das englische Linienschiff, sich uns zu nähern, doch die Engländer fingen lediglich die Kugeln von unseren Schiffen, ohne entscheidend näher zu kommen. Die ARROGANT bemühte sich sichtlich, ihrem Kameraden beizustehen, doch der fehlende Wind im Einklang mit ihren Schäden ließ dies nicht zu. Später erfuhren wir, das Kapitän Lucas dem kommandierenden Leutnant der VICTORIOUS signalisiert hatte, sich mit der ARROGANT zu vereinen, denn er sah die Sinnlosigkeit des Angriffs auf unsere Position. Auch ahnte er vielleicht, dass sich die VICTORIOUS in grösserer Gefahr befand, als dies deren Kommandant ahnen mochte.  Die ARROGANT trieb nämlich  immer weiter ab und hatte schon fast zwei Meilen Abstand zu ihrem Kameraden gemacht. Die Masten der VICTORIOUS waren aber bereits von Kugeln getroffen worden, knirschtenund wackelten wohl schon und wehe, das Schiff wäre lahm geschossen worden ! Unweigerlich wäre es uns dann durch einen Enterangriff in die Hände gefallen, Linienschiff oder nicht.

Das letzte Gefecht der GLORIOSO

Die CYBELE war inzwischen von unserem Admiral instruiert worden, mit ihren Booten die VERTU abzuschleppen. So entzog Sercey dem Engländer den Happen, auf den er die ganze Zeit im Feuer unserer Kanonen gehofft hatte. Das erwies sich vielleicht als gar nicht so klug, hatte diese Verlockung  die VICTORIOUS doch erst an die Angel gebracht.
Je weiter weg der Köder aber nun geschleppt wurde, desto mehr erkannte jetzt der Kommandant der VICTORIOUS selbst, das sein Schiff ohne Sinn Schaden davontrug und das nicht wenig. Also wendete er erneut sein inzwischen so vielfach getroffenes Schiff und setzte Kurs auf Kapitän Lucas Schiff. Diese Chance, das schwache Heck des Feindes mit unseren Kanonen zu fassen, wollten wir uns  nicht entgehen lassen und versuchten uns in günstige Schussposition zu werfen. Doch das Glück war diesmal bei den Engländern, eine aufkommende Brise ermöglichte dem Schlachtschiff noch rechtzeitig, sich zu entfernen und seinem Kameraden zu folgen. Sein Kurs gab dem Feind zusätzlich die Gelegenheit, auch noch seine ganze Breitseite gegen uns zum Tragen zu bringen. So spie das englische Linienschiff seine Kugeln in unsere Richtung und tötete so ungefähr mit seinen letzten Schüssen den beklagenswerten Kapitän Latour von der SEINE. 
Gegen 11:30 schwiegen dann alle Kanonen. Keine der beiden Seiten schien darauf erpicht, erneut den Kampf zu suchen. Dies war nicht unverständlich, denn obwohl wir am Ende noch  recht glimpflich davon gekommen waren, hatte uns die Auseinandersetzung mit den Linienschiffen doch schon mehr als 40 Tote und 100 Verwundete gekostet. An Bord der FORTE hatten wir nur sechs Tote, doch auf der SEINE hatten 18 Männer die Breitseiten der Engländer nicht überlebt. Die VERTU beklagte den Tod von 9 Männern, nur die REGENEREE blieb gänzlich ohne Verluste.
Auf Seiten der Engländer waren fast genauso viele Männer getötet und verwundet worden. Die ARROGANT konnte ihr Gehölz und ihre Takelage schon bald vollends wiederherstellen, doch sie musste die VICTORIOUS abschleppen, deren Masten stärkerem Wind nicht mehr gewachsen waren und deswegen unter gegebenen Umständen nicht mit Segeln bewehrt werden konnten. Den Engländern stand ein schwieriger Heimweg bevor.
Die beiden Linienschiffe trafen aber dann doch am 6ten Oktober ohne Unfall vor Madras ein. Auch wenn der raffinierte Plan Alexanders durch die Fehler der Kommandanten der Linienschiffe nicht vollkommen umgesetzt wurde, immerhin hatten die Briten unser Geschwader von weiteren Raubzügen kuriert. Unsere Gehölze hatten durch den Beschuss nachhaltigen Schaden genommen. Sercey ließ deswegen die Isle-du-Roi [Insel im Mergui-Archipel, heute Myanmar] ansteuern, wo wir am 15ten Oktober Anker fallen ließen und die notwendigsten und möglichen Ausbesserungen vornahmen. Verpflegung und Hilfe für unsere Verwundeten bekamen wir dort und auch die entstandenen Mängel an unseren Stengen  schienen dort gut behoben werden.
Schon bald gingen wir  Anker auf und setzten wieder Kurs auf Indien.  Doch die Schäden, die die Rümpfe von VERTU und SEINE durch Treffer der schweren Kanonenkugeln der ARROGANT und VICTORIOUS unter der Wasserlinie genommen hatten, stellten sich während der Fahrt als sehr hinderlich und absolut reparaturbedürftig heraus. Aus diesem Grund wandte sich unser Geschwader, inzwischen vor der Ostlüste Ceylons angekommen und mit neuen Nachrichten über die Briten versorgt, nach Holländisch-Batavia, wo zu diesem Zeitpunkt mit wenig Feindkontakt zu rechnen war und wir schließlich gut aufgenommen wurden.
Allerdings blockierten uns schlechtes Wetter und Stürme im Hafen und dies  auch über den Zeitraum hinaus, den die Reparaturen in Anspruch nahmen. Erst im Januar setzten wir dann, beladen mit Vorräten für Mauritius, unsere Fahrt fort und strebten danach,  die Ile de France [Mauritius] zu erreichen.

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Es kam der 28ste Januar 1797, ein schlimmer Tag für Konteradmiral Sercey und auch für uns, die wir unter seinem Kommando standen. Wir hatten gerade die Straße von Lombok passiert und die östliche Spitze Javas lag voraus, als die Ausgucks ein halbes Dutzend  Segel großer Schiffe meldeten, die in Lee unseres Geschwaders standen. Der Admiral schickte die REGENEREE und die CYBELE los, um zu erkunden, um was für Schiffe es sich handelte. An Bord unseres Schiffes herrschte gespannte, ja, sogar freudige Erwartung, denn wir nahmen an, dass hier ein Geschwader reich beladener Indienfahrer unseren Weg kreuzte, bestenfalls gedeckt durch eine Fregatte.
Kapitän  Threouart von der CYBELE kam am besten voran und näherte sich der vermeintlichen Beute, doch dann muss ihn ein eisiger Schrecken durchfahren haben, denn er entdeckte die blaue Flagge eines englischen Konteradmirals und dann auch  entsprechende Stander auf allen sechs Schiffen. Wir hatten ja die ganze Zeit in Batavia spekuliert, ob die Briten nach unserem Geschwader suchen würden, doch nachdem sich vor Batavia monatelang kein feindlicher Aufklärer gezeigt hatte, nahmen wir an, das dauerhaft schlechte Fahrtwetter hätte die Engländer abgeschreckt. Nun war der Kommandant der CYBELE aber der Überzeugung, dass die Briten uns gefunden hatten. Seiner Meinung nach standen da im Süden und damit auf knapp auf unserer Leeseite mindestens zwei Linienschiffe und vier Fregatten unter Konteradmiral Rainier, dem britischen Oberkommandierenden im Indischen Ozean.
Threouart hatte sich kaum von diesem Schreck erholt, der Gute, da änderten zwei Fregatten aus dem englischen  Geschwader auch schon ihren Kurs und steuerten auf die CYBELE  zu. Das war für den ängstlichen Threouart der Beweis für seine Beobachtung ! Die CYBELE und die REGENEREE kamen zurück zum Geschwader und signalisierten, dass eine überlegene britische Flotte im Süden ständen und sich unseren Schiffen näherte !
Sercey liess sofort alle Segel setzen, denn kein Flottenführer steht gerne genau zwischen einer Küste und einem  überlegenen feindlichen Geschwader. Der Wind ist nun einmal launisch und nur allzu schnell kann man durch ein leichtes Schralen vor der verhängnisvollen Wahl zwischen einer gefährlichen Leeküste und einer Seeschlacht gegen einen überlegenen Feind stehen. Die Vorsicht gebietet darum, einen Vorsprung herauszusegeln. Jedoch offenbarte ausgerechnet zu diesem Zeitpunkt unser Schiff, die FORTE, einen schadhaften Haupttopmast, der sich der gesetzten Segelfläche hatte beugen müssen. Der Laie wird sagen, das der Verlust einer der obersten und verhältnismäßig kleinen Stengen doch kaum Geschwindigkeit kosten kann, aber in einem Rennen gegen einen verfolgenden Feind ist das eine sehr bedrohliche Geschwindigkeitseinbuße.
Allein, der Gegner rückte nicht näher und war offenbar wenig versessen auf die Jagd und dies, obwohl seinen beiden ausgesandten Kundschaftern unser Missgeschick kaum entgangen sein durfte ! Dies machte unseren Admiral stutzig und er ließ die CYBELE, die in Rufweite herangekommen war, fragen, ob man denn ganz sicher sei, dass es sich um Rainiers Geschwader handele. Die Antwort ward postiv gegeben und wir vermuteten, dass andere Gründe der Müssigkeit der Briten zugrunde lagen, denen wir den ungefährdeten Abzug verdankten. Bald waren die feindlichen Schiffe aus unserem Blickfeld verschwunden, doch unsere Ausgucks beobachteten in den nächsten Tagen die Kimm doppelt so aufmerksam wie sonst. Doch wir bekamen keinen Sichtkontakt mehr.
Am 25sten  Februar 1797 erreichten wir dann Mauritius. Dort waren inzwischen die Fregatte PRENEUSE (36) und die Korvette BRULE GUEULE eingetroffen, die zuletzt vor Mosambique operiert hatten.  Und von diesen erfuhren wir, dass das Geschwader von Konteradmiral Rainier zum Zeitpunkt unseres vermeintlichen Zusammentreffens vor Kap Comorin nördlich von Ceylon  gesehen worden war. Die Folgerungen waren so unerbittlich wie schändlich für uns: Wir hatten uns offensichtlich von einem halben Dutzend frecher Ostindienfahrer in die Flucht schlagen lassen !
Erst sehr viel später erfuhren wir, das es lediglich fünf dieser großen Handelsschiffe gewesen waren, die beim Anblick unserer Fregatten-Schwadron ihr Heil in diesem frechen Bluff mit den blauen Standern gesucht und gefunden hatten. In der Tat war diese List wohl die einzige Chance der Briten gewesen, denn vor  unseren schnellen Fregatten hätten sie nicht wegsegeln können.


Soweit also der Bericht des namenlosen Maats bei T.R. Tamis. Serceys Blamage mit den Ostindienfahrern hatte für den Konteradmiral weit weniger dramatische Folgen als für den unglücklichen Konteradmiral Linois, der einige Jahre später den gleichen Fauxpas an gleicher Stelle beging. Siehe dazu auch die Ostindienfahrerschlacht von Pulo Aor. Von den sechs Schiffen aus Serceys Geschwader kamen nur drei wieder nach Frankreich zurück. Die beiden Fregatten VERTU (40) und die REGENEREE (36) kehrten 1798 aus dem Indischen Ozean heim und hatten auf ihrem Weg ein blutiges Treffen mit Blackwoods BRILLANT (28). Die SEINE (40), im selben Jahr auf der Rückreise nach Frankreich, wurde am 29. Juni 1798 kurz vor ihrem Ziel von den Engländern abgefangen. Auch die PRUDENTE erwischte es am 9. Februar 1799 vor der Südspitze Afrikas. Und selbst die mächtige FORTE ging wenig später im Golf von Bengalen verloren: Am 1. März 1799 eroberte die englische Achtzehnpfünder-Fregatte SYBILLE (38) unter dem Kommando von Edward Cooke den vermeintlich übermächtigen Gegner relativ sang- und klanglos.


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