The Sailing Navy List: All the Ships of the Royal Navy, Built, Purchased and Captured, 1688-1860
von David Lyon
Sprache: Englisch
Gebundene Ausgabe - 384 Seiten - Conway Maritime

Eine Liste und Kurzbeschreibung aller Kriegsschiffe der Royal Navy im o.g. Zeitraum
 Social History of the Navy 1793-1815
Social History of the Navy 1793-1815
Prädikat: Besonders wertvoll
von Michael Lewis
Sprache: Englisch
Gebundene Ausgabe - 468 Seiten - Chatham Publishing -
Erscheinungsdatum: Juli 2004


Wertvolle Munition

Am 27. August 1793 erklärte sich die französische Mittelmeerstadt Toulon für königstreu und stellte sich gegen die französische Revolutionsregierung. Ein englisch-spanischer Verband besetzte daraufhin für einen längeren Zeitraum den Hafen von Toulon. Dabei fielen den Engländern viele französische Kriegsschiffe, Ausrüstungen und Schiffsbedarf in die Hände. Die englischen Kommandanten bedienten sich nach Herzenslust in den Marinearsenalen von Toulon.
Zum englischen Geschwader gehörte auch das 74-Kanonen-Linienschiff LEVIATHAN unter dem Kommando von Kapitän Lord Hugh Seymour. Seymour fand in einem Lagerhaus eine Reihe von Haubitzen, die seiner Meinung nach gut auf die Poop seines Schiffes passten. Er erbat sich vom Admiral zwei dieser Geschütze samt zugehöriger Munition.
Die Haubitzen wurden an Bord gebracht und mit ihnen die zugehörige Munition, rote Blechkanister, sogenannte grape shots, Traubengeschosse. In diesen Kanistern befanden sich in der Regel mehrere Rundkugeln, die beim Abschuß wie eine Schrotladung gegen das Ziel geschleudert wurden.
Als die LEVIATHAN viele Monate später in der Schlacht des Glorious First June (1. Juni 1794) in ein Duell mit dem französischen Linienschiff AMERICA verwickelt wurde, wurden die Geschütze aus Toulon zum ersten Mal eingesetzt. Doch plötzlich begannen die Haubitzen nicht mehr große Rundkugeln, sondern kleine, silberne und zunächst unidentifizierte Objekte zu verschießen, die sich zum Teil in die Bordwand der AMERICA bohrten. Die französischen Offiziere auf der AMERICA trauten ihren Augen nicht, als sie diese Geschosse näher betrachteten: Die LEVIATHAN beschoß die AMERICA mit französischen Silbermünzen !

AbeBooks.de: 110 Millionen neue, gebrauchte, vergriffene und antiquarische Bücher

Kapitän Seymour konnte später die seltsame und wertvolle Munition, die seine Kanoniere aus den in Toulon montierten Haubitzen verschossen hatten, persönlich betrachten, denn die silbergespickte AMERICA war eines der Schiffe, die die Briten in der Schlacht eroberten. William Henry Dillon, während der Schlacht Fähnrich an Bord der LEVIATHAN , kommentierte in seinem Buch die seltsame Geschichte mit dem Spruch, das man es den Franzosen buchstäblich in eigener Münze heimgezahlt habe.
Wie die Münzen in die Blechkanister gekommen waren, wurde nie geklärt. Eine Theorie spricht von einem französischen Adeligen oder adeligem Schiffsoffizier, der auf der Flucht vor der Revolution auf diese Weise sein Vermögen außer Landes bringen wollte, ein Plan, der offensichtlich gründlich schiefging oder, wenn man spitzfindig ist, auf eine seltsame Art und Weise doch gelang.
Die eroberte AMERICA wurde in die Royal Navy integriert und später in IMPETUEUX umbenannt, hieß aber bei der Crew nur Silver, denn auch nach Jahren fanden die Männer im Holz des Schiffes immer wieder kleine Silberstücke. Selbst einer der späteren Kommandanten, Edward Pellew, ein hervorragender Schwimmer, soll dabei beobachtet worden sein, wie er unterhalb der Wasserlinie fündig wurde und mit einem Bordmesser den Rumpf der IMPETUEUX maltretierte.

Es gibt allerdings auch einen Fall, bei dem Geld ganz bewußt als Munition verwendet wurde, wie der Marinehistoriker John Knox Laughton berichtet: In einer besonders dunklen Januarnacht 1745 stießen zwei englische Kaperfahrer, die MARS (26) und die BOSCAWEN (32), auf zwei große Schiffe, welche die Briten für reich beladenene französische Westindienfahrer hielten.
Die Briten hielten bis zum Morgengrauen engen Kontakt mit ihrer vermeintlichen Beute, mussten in der Morgendämmerung dann aber erkennen, dass sie sich in unmittelbarer Nähe von zwei ausgewachsenen französischen Linienschiffen von 74 bzw. 64 Kanonen befanden.
Die BOSCAWEN im Luv der Franzosen konnte sich noch rechtzeitig davonmachen, die MARS unter dem später berühmt gewordenen Kaperer George Walker stand aber im Lee der großen Kriegsschiffe und kam nicht so ohne weiteres davon.

  Studies in Naval History. Biographies
von John Knox Laughton
Sprache:Englisch
Taschenbuch - 480 Seiten - Erschienen bei Adamant Media Corporation
Erscheinungsdatum: Januar 2001
This Elibron Classics book is a facsimile reprint of a 1887 edition by Longmans, Green, and Co., London.
 Die Seekriege, Seeschlachten und Zweikämpfe auf See zwischen 1775 und 1815
Die Seekriege, Seeschlachten und Zweikämpfe auf See zwischen 1775 und 1815

Die Linienschiffe nahmen die Verfolgung des viel kleineren Kaperschiffs auf und wenigstens eines erwies sich als schneller als die MARS. Walker ließ mehrfach auf den Verfolger feuern, in der Hoffnung, dessen Takelage zu beschädigen und die Geschwindigkeit des Gegners zu reduzieren, doch die FLEURON - so hieß das Kriegsschiff - blieb dem Kaperer hartnäckig auf den Fersen.

Schließlich mußte die MARS beidrehen und Walker kam an Bord der FLEURON, wo er vom französischen Kapitän ziemlich kalt und unhöflich empfangen wurde. Die Franzosen hatten durch den englischen Beschuss sechs Tote und mehrere Verwundete, die Briten keine Verluste. Doch nicht das hatte den Zorn des Franzosen hervorgerufen. Er beschuldigte Walker, die FLEURON mit Glasscherben beschossen zu haben, was zu dieser Zeit offensichtlich als besonders grausame Munition galt, deren Anwendung durch die Umstände nicht gerechtfertigt war.

Walker bestritt den Vorwurf, wurde aber festgesetzt, bis eine nähere Untersuchung der glitzernden Geschossrückstände ergab, dass es sich dabei mitnichten um Glas handelte, sondern vielmehr um Bruchstücke kleiner Silbermünzen.

Schließlich klärte sich der Vorfall auf: Ein irischer Kanonier auf der MARS hatte während der hartnäckigen Verfolgung durch die FLEURON eine Handvoll Schillinge und Halbkronen in das Kanonenrohr gerammt und gescherzt, dass, "wenn die Franzosen unbedingt sein Geld haben wollten, dann sollten sie es eben auf diese Art bekommen und verdammt sein".

Meine Texte auf XinXii

Weil diese Münz-Munition oder auch der grimmige Scherz offenbar akzeptabel waren und Walker zudem unschuldig an dem Vorfall war, veränderte sich seine Behandlung durch die Franzosen und er freundete sich angeblich sogar mit dem französischen Kapitän an. Lange währte die Freundschaft übrigens nicht, denn einen Tag, nachdem die FLEURON Brest erreicht hatte - Walker war an Land gegangen - explodierte durch einen Unfall an Bord eine große Menge Pulver unter Deck des Linienschiffes, tötete den Kapitän und löste einen verheerenden Brand aus, der das Schiff mit dem größten Teil der Besatzung schließlich zum Sinken brachte.

Die hier erzählte Anekdote wurde Teil der Legende um den englischen Kaperfahrer.

John Knox Laughton, „Studies in Naval History. Biographies“, London 1887, S. 230 ff.


Schiffe
Personen und Biografien
Zeittafeln
Links
Der ganze andere Plunder


Napoleons gefallenen Göttinnen
SEESCHLACHT.TK - Das Buch

Napoleons gefallene Göttinnen
Die Geschichte der französischen MINERVE-Fregatten

von Thomas Siebe
Sprache: Deutsch Paperback - 349 Seiten - BoD
ISBN 978-3-8391-0218-3 Erscheinungsdatum: Mai 2009
Bei AMAZON bestellen Mehr Infos

Chronologie der europäischen Seekriege 1793 bis 1815, Band 1, bis 1802
Chronologie der europäischen Seekriege 1793 - 1815
Band 1 : Von 1793 bis zum Frieden von Amiens 1802

von Thomas Siebe
Sprache: Deutsch Broschiert - 224 Seiten - BoD
ISBN 978-3-8423-2883-9 Erschienen: September 2010
Bei AMAZON bestellen Mehr Infos

Beispiel-Seiten
Beispiel 1 - Beispiel 2 - Beispiel 3

Copyright © 2006 / 2011 by T. Coladores & Pellewserbe

E-Mail