The Marine Art of Geoff Hunt The Marine Art of Geoff Hunt
Marinegemälde
von Geoff Hunt
Sprache: Englisch
Gebundene Ausgabe - 144 Seiten - Conway Maritime -

Erscheinungsdatum: SEPTEMBER 2004
 Seeschlacht.tk
Chronologie der europäischen Seekriege 1793 bis 1815, Band 1, bis 1802
Chronologie der europäischen Seekriege 1793 - 1815
Band 1 : Von 1793 bis zum Frieden von Amiens 1802

von Thomas Siebe
Sprache: Deutsch Broschiert - 224 Seiten - BoD
ISBN 978-3-8423-2883-9 Erschienen: September 2010
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Beispiel-Seiten
Beispiel 1 - Beispiel 2 - Beispiel 3

Fregattenschlacht vor Tamatave

Roqueberts Geschwader

Am 2. Februar 1811 stiehlt sich mit der hereinbrechenden Dunkelheit des Winterabends ein französisches Fregattengeschwader unter dem Kommando von Kommodore Francois Roquebert 6 aus dem Hafen von Brest, vorbei an der englischen Blockadeflotte und nimmt Kurs auf die Südspitze Afrikas. Das primäre Ziel der drei Fregatten RENOMMEE (40), CLORINDE (40) und NEREIDE (40) 1 ist die Insel Mauritius im Indischen Ozean, die nach letzten französischen Informationen von den Engländern blockiert und belagert wird. Deswegen haben Roqueberts Schiffe jeweils rund 200 Mann Truppen zur Verstärkung der Soldaten auf Mauritius an Bord und sind mit militärischen Versorgungsgütern, Munition und Lebensmittel beladen.

Das Unternehmen der drei Blockadebrecher bleibt zwar von den Engländern nicht unbemerkt, doch verhindert schlechtes Wetter eine erfolgsversprechende Verfolgung der französischen Flottille. Das Wetter behindert aber auch die Franzosen, einige Stunde lang sieht es so aus, als müßten die Kapitäne Jacques Saint-Cricq, Kommandant der CLORINDE, und Jean Francois Lemaresquier, Kommandant der NEREIDE, getrennt von der RENOMMEE und ihrem Kommodore die riskante Reise bewältigen, denn sie verlieren die Sicht auf Roqueberts Schiff. Schließlich wird sogar das Duo durch die stürmischen Wellen und die Dunkelheit getrennt, dazu dreht im Atlantik auch noch der Wind und hemmt die Reise. Immerhin trägt gerade der Gegenwind dazu bei, dass das Geschwader schließlich wieder zusammenfindet, doch sind die Fregatten am 24. Februar erst vor der portugiesischen Küste.

Beim Treffen mit einem portugiesischen Schiff bekommen die französischen Kommandanten neue Informationen aus einer neueren Lissabonner Zeitung, die der Portugiese an Bord hat. Die Berichte sind alarmierend und werden zwischen den Offizieren heiß diskutiert, denn aus ihnen geht hervor, dass tatsächlich ein englischer Angriff auf die Ile de France, wie Mauritius in diesen Tagen noch heißt, geplant ist, womöglich sogar schon stattgefunden hat. Für den Fall, dass Mauritius verloren wäre, hätten die Franzosen den Auftrag, ihr Sekundärziel, den Hafen von Batavia in Holländisch-Indien, direkt anzusteuern.

Linienschiffschlachten 1794 - 1806 Download

Die eher schlechten Nachrichten aus dem Indischen Ozean werden in den folgenden Tagen durch günstigeren Wind kompensiert und am 13. März erreicht das Geschwader den Äquator. Um das Kap der guten Hoffnung, das ungefähr auf dem 35. Breitengrad liegt, machen die Schiffe Roqueberts einen großen Bogen : Am 18. April 1811 passieren sie die Südspitze Afrikas ungefähr in der Höhe des 38. Längengrades, denn Capetown (Kapstadt) ist schon seit geraumer Zeit in englischer Hand.

Mauritius

Nach 93 Tagen auf See, am 6. Mai 1811 um 23:00, können die Franzosen die Lichter von Mauritius sehen. Ihre Schiffe stehen ca. 5 Seemeilen vor der Isle de la Passe, einer dem Hafen von Grand Port oder Port Bourbon vorgelagerten Insel. Roquebert ist in einer kritischen Situation: Er weiß nicht, ob die Insel vielleicht schon von den Engländern besetzt wurde. Es wäre nicht das erste Mal, das ein Schiff oder sogar ein ganzes Geschwader in einen vermeintlich freundlichen Hafen einläuft, um dann festzustellen, dass er vom Feind beherrscht wird. Ist das französische Geschwader aber erst einmal jenseits der Passe-Insel, wäre ein Rückzug kaum noch zu bewerkstelligen, was ihnen ironischerweise die Briten hätten bestätigen können, die an dieser Stelle im August 1810 eine schwere Niederlage hatten hinnehmen müssen.

Die Kommandanten lassen jeweils ein Boot von jedem Schiff aussetzen, dass an Land rudern soll, um die Lage zu erkunden. An Bord lauschen die Männer in die Nacht, doch vorerst hören sie nichts mehr von ihren Kundschaftern. Mit dem Sonnenaufgang kann man dann das Fort auf der Isle de la Passe erkennen. Dort weht tatsächlich die Trikolore, offensichtlich befindet sich Mauritius nach wie vor in französischer Hand. Doch der Kommodore bleibt misstrauisch, weil seinen Schiffen von Land bestimmte Geheimsignale nicht gegeben werden, weil die geheimen Parolen im Fähnchencode nicht gehisst sind. Statt dessen können die Franzosen im Norden kreuzend eine Reihe von Segel größerer Schiffe ausmachen, die sie zu Recht zumindest zum Teil für britische Kriegsschiffe halten. Allerdings gehört der kleine Wald aus Masten und Segeln zum Teil auch Handelsschiffen.

Am Vormittag kehrt dann das Boot von der RENOMMEE zurück und bestätigt die schlimmsten Befürchtungen: Mauritius ist im Dezember 1810 gefallen und englische Fregatten haben das französische Geschwader bereits erwartet. Das die Boote von der CLORINDE und NEREIDE auf sich warten lassen, nährt vor dem Hintergrund dieser Informationen den Verdacht, daß der Rest des französischen Erkundungskommandos in Gefangenschaft geraten ist.

 Geheimauftrag Mauritius

Geheimauftrag Mauritius
von Patrick O'Brian
Sprache: Deutsch
Broschiert - 394 Seiten - Ullstein Tb
Erscheinungsdatum: September 2001
O'Brians Kapitän Jack Aubrey schifft sich auf der BOADICEA ein, um die Eroberung von Mauritius und Reunion vorzubereiten. Die Geschichte ist sehr nahe an die tatsächlichen Geschehnisse angelegt und in diesem Sinne nahezu eine historische Dokumentation.

Schombergs Geschwader

Tatsächlich kannten die Briten bereits zum Zeitpunkt des Auslaufens aus Brest das Ziel der drei französischen Fregatten und hatten ein schnelles Schiff nach Capetown vorausgeschickt. Dort hatte Konteradmiral Robert Stopford schnell auf die Nachricht reagiert und seinerseits ein Geschwader von Fregatten in den Indischen Ozean detachiert, um vor Mauritius zu kreuzen und die Franzosen abzufangen.

Namentlich die RENOMMEE und die CLORINDE mit ihren Kommandanten sind der englischen Navy noch schmerzlich vertraut, denn Roquebert und Saint-Cricq haben im August 1809 der englischen Marine eine ihrer seltenen Niederlagen zugefügt, als sie die Fregatte JUNON von Kapitän John Shortland im Atlantik vernichteten. Deswegen würden die französischen Schiffe natürlich eine besondere Beute darstellen.

Roquebert fällt es zunächst schwer, die Stärke des britischen Geschwaders einzuschätzen. Die Segel der britischen Fregatten PHOEBE (36 - James Hillyar) und GALATEA (36 - Woodley Losack) sowie der Sloop RACEHORSE (18 - James De Rippe) haben die französischen Ausgucks bereits entdeckt, auch halten sie zunächst zwei Indienfahrer für Kriegschiffe. Doch befürchten die französischen Kommandanten, dass sogar noch mehr englische Schiffe in der Nähe sind, als sie bisher sehen können.

Tatsächlich ankert auf der anderen Seite von Mauritius, in Port Louis, noch die Fregatte ASTREA 3, wie ihre beiden Schwestern ein 36-Kanonen-Schiff 5, deren schwerstes Kaliber aus Achtzehnpfündern besteht. Damit sind die englischen Schiffe nur unwesentlich schwächer bestückt als die französischen 40-Kanonen-Fregatten, die Breitseiten der Kontrahenten haben sogar nahezu identisches Gewicht.

Roquebert muss befürchten, an diesem Ort in eine Falle geraten zu sein und von einer Übermacht umzingelt zu werden. Immerhin kann er die Segel von mindestens 5 großen Schiffen in Lee ausmachen, die auf ihn zu kreuzen und auf diese Distanz ist noch nicht zu unterscheiden, ob es sich ausschließlich um Kriegsschiffe handelt. Obwohl die Boote von der NEREIDE und der CLORINDE nicht von Land zurückgekehrt sind, wartet der Kapitän der RENOMMEE nicht länger und gibt den Befehl, zunächst nach Osten abzudrehen, um Spielraum für Manöver zu erlangen. Er wird prompt von PHOEBE, GALATEA und der 18-Kanonen-Sloop RACEHORSE verfolgt, welche nun Farbe bekennen und ihre Flaggen hissen. Die Franzosen antworten darauf prompt mit der Trikolore, setzen aber zunächst die Flucht fort.

Strategische Spielchen

Der dienstälteste Kapitän der verfolgenden Engländer, James Hillyar von der PHOEBE, ist ein erfahrener Kämpe, der immerhin einer Empfehlung des englischen Seehelden Lord Nelson seinen Kapitänsrang verdankt. Er sucht jedoch zunächst nicht das Gefecht, sondern hofft vielmehr, die ASTREA unter Charles Marsh Schomberg noch heranführen zu können. Hillyar hat seinen Kommodore 4 sofort benachrichtigen lassen, als ihm der Feind gemeldet wurde. Schomberg ist 6 Monate früher zum Kapitän befördert worden als Hillyar und deswegen dessen Vorgesetzter. Die beiden Männer kennen sich seit über einem Jahrzehnt und operieren nicht zum ersten Mal zusammen. Im weiteren Verlauf der Verfolgung plant Hillyar die Sloop unter Commander James De Rippe zurückhängen zu lassen, damit De Rippe dem britischen Kommodore den Weg weisen kann.

Auf der RENOMMEE registriert Roquebert, dass ihn im Abstand von rund sechs Meilen nurmehr drei Segel verfolgen, von denen eines mehr und mehr zurückbleibt. Er lässt sein Geschwader den Kurs ändern und steuert nun nach Südosten, wobei er bewusst in Kauf nimmt, dass die verfolgenden Briten dadurch näher herankommen. Mit der hereinbrechenden Nacht hat sich der Abstand auf rund drei Seemeilen verkürzt. Am Morgen des 8. Mai - der Abstand hat sich in der Nacht wieder vergrößert - beginnt der französische Kommodore nun seinerseits, auf die Briten zuzusteuern. Hillyar sieht seine Strategie aufgehen und wendet sich nun als Gejagter wieder nach Westen, um der ASTREA entgegen zu segeln. Dabei achtet er darauf, dass die ihm vorauseilende RACEHORSE gut im Luv bleibt. Sie soll die jeden Augenblick am Horizont erwartete ASTREA ebenfalls auf die Windseite führen, damit sie dann windgeschwind und überraschend für die französischen Jäger in eine mögliche Schlacht eingreifen kann. Zusätzlich hofft der erfahrene und ortskundige englische Kapitän, die Franzosen in eine ungünstige Meeresströmung zu locken, aus der sie dem Kampf gegen die vier englischen Schiffe schwerer ausweichen können.

Cook: Die Entdeckung eines Entdeckers
Cook: Die Entdeckung eines Entdeckers
von Tony Horwitz

Sprache: Deutsch - Taschenbuch - Piper-Verlag - 703 Seiten - Oktober 2010

Die Suche nach Terra australis trieb James Cook über alle Ozeane.
Als er 1768 England verließ, war ein Drittel der Erde noch unentdeckt.
Als Cook 1779 auf Hawaii erschlagen wurde, hinterließ er der Nachwelt
nichts Geringeres als ein neues Bild der Erde.
Der Pulitzerpreisträger Tony Horwitz hat sich auf die Spur von Käpt'n Cook begeben
und dabei einen der größten Entdecker aller Zeiten neu entdeckt.

Napoleon. Eine Biographie

Napoleon. Eine Biographie
von Johannes Willms
Sprache: Deutsch
gebundene Ausgabe - 900 Seiten ! - BECK
Erscheinungsdatum: März 2005

Doch Roquebert, der den Briten den ganzen Tag über gefolgt ist, lässt sich nicht in die Falle locken, die jenseits der heraufziehenden Dämmerung auf ihn wartet. Am Abend des 8. Mai fühlt er sich durch das Verhalten seiner Gegner bestätigt, dass neben den bereits gesichteten Fregatten noch weitere feindliche Schiffe in der Nähe sein müssen und sieht keinen Sinn mehr darin, den englischen Schiffen zu folgen. Er bricht das Pokerspiel ab und dreht wieder nach Osten. Am Morgen des 9. Mai kann man von der GALATEA aus zwar noch die Masten der französischen Fregatten sehen, von Westen nähert sich jedoch die ASTREA unter dem Kommando von Kapitän Charles Marsh Schomberg, dem rangältesten Kapitän der Briten vor Mauritius und damit Kommodore des Geschwaders. Schomberg, der schon bei der berühmten Schlacht von Abukir 1798 erster Offizier auf dem Linienschiff MINOTAUR (74) unter Kapitän Thomas Louis war, ist verärgert, dass die Franzosen so weit ostwärts stehen und sieht keine Chance mehr, sie an diesem Tag noch einzuholen. Er signalisiert deswegen Hillyar, die Verfolgung nicht wieder aufzunehmen, was auf der GALATEA unter der Besatzung für Unruhe sorgt. Losacks Männer wollen umkehren und die Franzosen zum Kampf zwingen. Sie zwingen sogar ihren Kapitän, bei Kapitän Hillyar vorzusprechen, um den Kurs umzukehren, doch Losacks Weg auf die PHOEBE ist entweder lediglich ein symbolischer Akt oder vergebliche Mühe. Jedoch ist möglich, dass Kommodore Schomberg, der natürlich später von dem Vorfall erfährt, eigene Sentiments bezüglich Losacks Führungsqualitäten bestätigt sehen mag.

Das englische Geschwader bricht die Verfolgung ab und nimmt wieder Kurs auf Mauritius, wo die Briten am 12. Mai vor Port Louis Anker werfen. Der englische Oberbefehlshaber hat aber nicht wirklich aufgegeben. Schomberg weiß, dass die Vorräte der Franzosen dem Ende zugehen müssen und glaubt zu ahnen, welche Pläne der französische Kommodore in den nächsten Tagen verfolgt. Das Verhör der gefangenen französischen Kundschafter aus den Booten von der NEREIDE und CLORINDE bestärkt ihn offenbar noch in seiner Einschätzung. Schomberg will dem Gegner Zeit und Gelegenheit geben, die Ile de France ohne Belästigung zu passieren, um ihn nicht ganz zu verscheuchen. Während er seine Schiffe in Port Louis verproviantiert und ausrüstet, sendet er die RACEHORSE zur Insel Reunion, damals Ile de Bourbon. Commander De Rippe soll dort vorsichtig die Spur des Gegners wieder aufnehmen, nach Möglichkeit, ohne selbst gesehen zu werden.

Tamatave

Und tatsächlich: Auf den französischen Fregatten hat man bereits die Rationen kürzen müssen und die Kommandanten sind sich einig, einen Angriff auf den kleinen Posten St. Rose auf der Insel Reunion durchzuführen, um sich mit dem Nötigsten zu versorgen. Doch das Geschwader aus Brest hat Pech, das Unternehmen scheitert bereits im Ansatz an der heftigen Brandung. Roquebert hat keine Zeit, besseres Wetter abzuwarten und setzt westlichen Kurs auf Madagaskar. Dort, so weiß er, gibt es bei Tamatave einen kleinen französischen Stützpunkt, wo er hofft, sein Geschwader mit dem Nötigsten versorgen zu können.

Tamatave auf Madagaskar

Die Franzosen haben jedoch erneut Pech, denn sie werden gesehen. Vorsichtig folgt die RACEHORSE einige Zeit dem französischen Geschwader, um sich über deren Kurs zu versichern. Sie sichtet dann einen englischen Indienfahrer und schickt diesen mit der entsprechenden Nachricht nach Nordosten, um Schomberg zu verständigen. Der ist schon am 14. Mai wieder Anker auf gegangen und hat Westkurs angeordnet, so dass das Handelsschiff sein Geschwader bereits vor Reunion antrifft. Der Kommodore hofft nun, dass Roqueberts nächstes Ziel Tamatave ist. Er weiß allerdings auch, dass die kleine Siedlung bereits seit Februar des Jahres in englischer Hand ist. Wenn aber die Franzosen dort nicht landen können, bleibt ihnen nur noch der Weg zurück nach Osten, direkt in die Arme der Briten.

Am Abend des 19. Mai muß Kommodore Roquebert feststellen, daß über Tamatave der Union Jack weht. Er hat indessen genügend Truppen an Bord, um den unbefestigten Stützpunkt im Handstreich zurück zu erobern. Die in Tamatave stationierten rund 100 englischen Soldaten des 22. Regimentes sind fast allesamt fieberkrank und leisten keinerlei Widerstand gegen die überraschend landenden Franzosen. Die können nun endlich ihre Wasserfässer füllen und Brennholz sammeln. Mehr aber ist in dem fieberverseuchten, kleinen Nest an der Ostküste Madagaskars nicht zu holen.

Und südöstlich des kleinen Stützpunkts braut sich nun Unheil für das französische Geschwader zusammen. Die RACEHORSE, die die Franzosen bis vor die Küste Madagaskars verfolgt hat und nun Schombergs Schiffe informieren will, muss nicht weit segeln, um den englischen Kommodore zu treffen. Im Schutze der Dunkelheit halten die drei Fregatten und die Sloop mit einem günstigen Wind auf das zahlenmäßig unterlegende französische Geschwader zu.

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Die Seeschlacht

Am Morgen des 20. Mai sichten die Engländer das französische Geschwader vor Tamatave und versuchen sich ihrerseits im Überraschungsangriff, doch die drehende und gleichzeitig schwächelnde Brise lässt Schomberg und seine Männer diesmal im Stich - das britische Geschwader muss plötzlich gegen den Wind ankreuzen, der nun von Land her weht.

Die französischen Fregatten in der Luvposition, wenn sie denn flüchten wollten, wären jedoch auch zunächst gehemmt, denn die Boote und viele Männer sind noch an Land und man muss auf deren Rückkehr warten. Doch Roquebert beabsichtigt sogar, zu kämpfen. Neben der günstigen Windposition wird die Versorgungslage - gerade nach der mageren Beute an Land - den französischen Kommodore in seinem Beschluss bestärkt haben. An Selbstbewußtsein mangelt es Roquebert sicherlich auch nicht, immerhin zählt er zu den wenigen französischen Kommandanten, die der britischen Navy schon einmal eine Niederlage zugefügt haben. Und auch wenn sich das Gewicht der Breitseiten zwischen englischen und französischen Fregatten kaum unterscheidet und die Zahl der Kanonen ungefähr gleich ist, die Franzosen haben immerhin die größeren Schiffe: Während die englischen Fregatten alle ca. 950 Tonnen wiegen, haben die Franzosen Schiffe mit bis zu 1100 Tonnen im Wasser.

Gegen Mittag formieren sich die Briten in einer Linie, die ASTREA führt, hinter ihr reiht sich die PHOEBE ein, am Ende segelt die GALATEA. Die RACEHORSE dagegen hält sich querab versetzt neben der PHOEBE. Der schwache Wind steht nun etwas günstiger aus Nordwest. Die englischen Schiffe haben dem Feind den Fluchtweg schon beinahe abgeschnitten, aber tatsächlich denkt Kommodore Roquebert gar nicht daran, das Weite zu suchen, im Gegenteil. Auch er formt sein Geschwader zu einer Schlachtlinie, mit der CLORINDE an der Spitze, seinem Schiff im Zentrum und der NEREIDE als taktischer Nummer drei. So geordnet kreuzen die französischen Schiffe dem zahlenmäßig überlegenen britischen Geschwader entgegen.

Es ist fast 16:00, als die beiden Schlachtlinien in Feuerreichweite kommen. Die Geschwader kreuzen zu diesem Zeitpunkt auf konvergierenden Schlägen, d.h. sie bewegen sich Bug auf Bug, doch in parallelen Linien versetzt aufeinander zu. Als die Spitzenschiffe fast auf einer Höhe sind, ändert die ASTREA jedoch den Kurs und steuert die französische Linie im spitzen Winkel an. Auf diese Weise gerät sie - wenn auch noch in einiger Distanz - vor die Breitseite der RENOMMEE, die das Feuer eröffnet. Die ASTREA erwidert das Feuer auf das feindliche Schiff im Zentrum der Linie, nimmt bald darauf die passierende NEREIDE unter Feuer und auch die PHOEBE und die GALATEA eröffnen das Feuer auf die in großer Entfernung passierenden CLORINDE und RENOMMEE.

Wind und Pulverdampf

Die ASTREA ist an der feindlichen Linie vorbei und wendet gerade, da schläft plötzlich die leichte Brise, die alle Schiffe getrieben hat, ein. Dieses Phänomen trifft zuerst die englische Linie, die in ihren Bewegungen sozusagen eingefroren wird. Die Franzosen dagegen können die schwindende Brise noch einige Zeit nützen und tun dies, besonders zum Schaden der GALATEA: Die CLORINDE kann mit dem letzten Lufthauch hinter das Heck der GALATEA gleiten, wenn auch in größerer Distanz, und beginnt eine Breitseite nach der anderen in das Heck des wehrlosen englischen Schiffes zu jagen. Die PHOEBE, die fast auf gleicher Höhe von Losacks Fregatte liegt, versucht vergeblich, ihr mit backgestellten Segeln Hilfe zu bringen. Sie hat sich indessen der querab achteraus stehenden RENOMMEE zu erwehren, die von Hillyars Kanonieren nur mit den hinteren Kanonen gefasst werden kann. Roquebert dagegen hat schnell reagiert und befohlen, die Boote auszubringen. Diese nehmen die französischen Fregatten in Schlepp und helfen dabei, die Breitseiten nach Gusto auszurichten.

Die eingefrorene Seeschlacht vor Madagaskar

Auf der GALATEA versucht man mit dem gleichen Mittel, sich aus der verzweifelten Situation zu befreien, doch zuerst wird den Engländern der herab gelassene Kutter weggeschossen, dann die Jolle versenkt. Ihr letztes Boot kann die GALATEA nicht einmal mehr ausschwenken, da wird es schon irreparabel beschädigt. Auf die Anregung von Leutnant Thomas Bevis hin beginnen verzweifelte Seeleute in Windeseile lange Ruder zusammenzuzimmern oder verlängern die der defekten Boote, um den nahezu aussichtslosen Versuch zu unternehmen, das 950-Tonnen-Schiff wie eine Sloop zu rudern und so herumzuwerfen.

Schomberg auf der ASTREA muss dem hilflos zusehen, denn das englische Flaggschiff liegt außer Feuerreichweite fest. Die ASTREA führt lediglich ein recht fruchtloses Fernduell mit der NEREIDE, wobei allerdings jeder Schuß dazu beiträgt, die Entfernung noch zu vergrößern.

Den einzigen englischen Trumpf stellt zu diesem Zeitpunkt die Sloop RACEHORSE dar, die als kleineres Schiff in der Flaute lange Ruder zur Fortbewegung nutzen kann. Sie könnte Kurs auf einen imaginären Schwachpunkt vor dem Bug oder hinter dem Heck der NEREIDE nehmen, von wo aus die Briten dann Lemaresquiers Schiff mit verheerenden Breitseiten beharken könnten. Da zwischen ASTREA und NEREIDE jedoch immer noch die Kanonenkugeln fliegen , unternimmt Commander De Rippe zunächst nichts. Schomberg erkennt den Vorteil, den die RACEHORSE erreichen könnte und signalisiert der Sloop, näher zum Gegner aufzuschließen. Doch auf dem kleineren Schiff wird das Signal zunächst nicht wahrgenommen und der englische Kommodore, der angesichts der Lage sogar eine Niederlage befürchten muss, tobt vor Wut. Er lässt das Signal mehrfach vorheissen und schließlich sogar einen Kanonenschuss auf die RACEHORSE abgeben, um die Aufmerksamkeit der Signalmaate zu erzwingen.

Als De Rippe dann endlich Anstalten macht, den Befehl auszuführen, ist es zu spät: Die NEREIDE profitiert von einem Lufthauch und gleitet davon, in Richtung auf den Rest des französischen Geschwaders. Damit gerät sie aber auch in den Schusswinkel der PHOEBE, die den französischen Neuankömmling zunächst nur mit ihren Kanonen am Bug beschießen kann. Doch das Roulette des Windes versetzt auch Hillyars Fregatte einen kleinen Stoß, der es dem Briten ermöglicht, sich näher an die NEREIDE heranzupirschen und sie mit der vollen Breitseite zu bestreichen, während die NEREIDE wieder in einer Flaute dümpelt und die englischen Treffer schlucken muss.

Das letzte Gefecht der GLORIOSO

Den verzweifelten Not-Ruderern auf der GALATEA ist es inzwischen tatsächlich gelungen, die Fregatte so herumzuwerfen, dass ihre Breitseiten die RENOMMEE und sporadisch auch die CLORINDE fassen können. Die englischen Kanoniere bemühen sich nun, all das zurückzugeben, was sie zuvor haben erleiden müssen, doch es sind bereits zwei Achtzehnpfünder außer Gefecht gesetzt und die englischen Verluste schwer. Immerhin landen die Briten durchaus wirkungsvolle Treffer, doch Kapitän Losack beschließt, seinem Kommodore die verzweifelte Lage der GALATEA unmissverständlich zu signalisieren und setzt die Notflaggen. Dies, vor den Augen der Feinde und die GALATEA weder sinkend noch brennend, wird Losack vermutlich später von Schomberg in seinem Bericht verübelt.

Da empfängt auch die RENOMMEE alarmierende Signale von der NEREIDE und gleichzeitig, als wäre es eine Aufmunterung, erreicht das französische Flaggschiff und die CLORINDE ein frischer Wind. Der Lufthauch, der die PHOEBE zur NEREIDE trieb, ist zur Brise geworden. Dieser Wind wird nun auch von der RENOMMEE und der CLORINDE genützt, um der NEREIDE zur Hilfe kommen, denn Roquebert hält die GALATEA, nicht ganz zu Unrecht, für geschlagen. Dem bis dahin umsichtigen, aber vielleicht etwas zu kampfeslustigen Kommodore unterläuft nun jedoch sein erster Fehler: Er vergisst in seinem Eifer, der NEREIDE beizustehen, Kapitän Saint-Cricq zu befehlen, die GALATEA endgültig niederzukämpfen und zu erobern. Der schließt sich mit der CLORINDE ungefragt dem Rettungskommando an, so das unnötigerweise zwei französische Fregatten einem dritten Schiff gegen nur einen englischen Gegner zur Hilfe kommen.

Die NEREIDE hat immerhin Unterstützung bitter nötig, denn die Kanonen und besonders die Karronaden der PHOEBE haben fürchterlich unter der französischen Besatzung gewütet: Kapitän Lemaresquier ist gefallen, mindestens 60 Mann sind getötet oder verwundet worden, die Briten sprechen in einem späteren Bericht sogar von 130 Toten und Verwundeten. Die wie entfesselt feuernde PHOEBE muss jedoch den herangleitenden, aus allen möglichen Rohren schießenden französischen Fregatten weichen und verschwindet zunächst in der Dunkelheit.

Frühe Phase der Seeschlacht vor Tamatave - zeitgenössische Abbildung

Kampfpause

Die GALATEA hat sich inzwischen bis auf Rufweite zum englischen Flaggschiff ASTREA geschleppt, doch noch bevor sie Kontakt aufnehmen kann, fallen ihr die beiden vorderen Toppmasten über Bord, als wolle das Schiff der Nachricht Kapitän Losacks Nachdruck verleihen, dass die GALATEA vorerst nicht weiter kämpfen kann. Dabei ist die Meldung Losacks an sich unnötig, denn das Heck der GALATEA ist völlig zerschmettert und ihr Rumpf von kaum zu zählenden Einschüssen durchlöchert. Schomberg weiß, dass die GALATEA für den weiteren Kampf ausfällt und wartet darauf, dass die PHOEBE wieder zum Geschwader stößt. Mit ihr zusammen plant er dann, den Kampf fortzusetzen.

Inzwischen ist die Dunkelheit vollends hereingebrochen und Kommodore Roquebert hat sich vom katastrophalen Zustand der NEREIDE überzeugen müssen, die u.a. viele Treffer in der Wasserlinie kassiert hat und ihre Leute wie Galeerensklaven pumpen lässt, um des Wassereinbruchs Herr zu werden. Der französische Befehlshaber gibt dem kommandierenden Leutnant Francois Ponee die Order, das zerschossene Schiff nach Tamatave zurückzubringen ; Roquebert glaubt, dass die schwer beschädigte Fregatte keinen Kampfwert mehr hat, aber im weitern Verlauf durchaus zum taktischen Nachteil werden könnte, jedenfalls aber im Wege ist.

Dann sucht er, den Kampf umgehend fortzusetzen, eine vielleicht verhängnisvolle Fehleinschätzung der Kampfkraft der Briten. Roquebert ahnt zwar zu Recht, dass die GALATEA manövrierunfähig ist, aber hofft vielleicht, dass die PHOEBE noch nicht zum britischen Geschwader gestoßen ist. In diesem Fall wäre ein schneller Angriff gegen isolierte Gegner durchaus das richtige Mittel.

Doch Kapitän Hillyar und sein Kommodore Schomberg kennen sich zu gut, haben schon 11 Jahre zuvor erfolgreich miteinander kooperiert, als sie zwei spanische Korvetten aus dem Hafen von Barcelona entführten. Hillyar weiß, dass Schomberg ohne ihn nicht angreifen wird, vielmehr seine Position hält und stößt rechtzeitig wieder zum Geschwader.

Die Briten nehmen nun ihrerseits Kurs auf die Franzosen, ohne den Versuch zu unternehmen, ihre Annäherung zu kaschieren. Die Nachtlaternen der Briten zeigen Roquebert deutlich an, dass drei Schiffe auf ihn zukommen. Trotzdem tarnt er seine Schiffe nicht, indem er die Laternen löschen lässt und sucht weiter den Kampf.

Da geht bei der CLORINDE ein Mann über Bord und Saint-Cricq lässt den im Wasser um sein Leben kämpfenden Mann auffischen. Dadurch bleibt die CLORINDE hinter dem Flaggschiff zurück. Und wieder lässt sich Roquebert von seiner Kampfeslust hinreißen und begeht den Fehler, seinen Kurs zu halten. Ungeachtet des späteren Verhaltens des französisches Kapitäns Saint-Cricq bedeutet dieses Verhalten einen schwerer taktischer Fehler des Kommodore.

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Die Entscheidung

Es ist ca. 22:00, als die ASTREA und die RENOMMEE erneut mit donnernden Breitseiten Bug zu Bug aufeinander treffen. Roquebert versucht mit seinem Schiff längsseits zum britischen Flaggschiff zu gehen, immerhin hat er neben den 270 Mann Besatzung auch noch die für Mauritius gedachten Truppen an Bord, die im Enterangriff das gegnerische Schiff im Sturm nehmen könnten. Doch die englische Fregatte kann dieses Manöver mit Leichtigkeit abweisen und versucht hinter das Heck des Franzosen zu fahren. Roquebert dreht sein Schiff in die gleiche Richtung, um dem Längsbeschuss zu entgehen, da passiert die PHOEBE die RENOMMEE am Heck und feuert ihre Breitseite ab. Neben ihr kommt die RACEHORSE auf und das französische Flaggschiff signalisiert nun offenbar verzweifelt der CLORINDE, ihr beizustehen, denn sie wird jetzt von bis zu drei Gegnern gleichzeitig bekämpft.

Dabei geht es wirklich wild zu, es gibt Phasen, da sind sich die Briten selbst im Weg. Zum Beispiel bereitet die RACEHORSE eine Breitseite vor, als die ASTREA mit einem plötzlichen Manöver ins Schussfeld gerät und die Kugeln der Sloop durch die Takelage der englischen Fregatte rauschen, bevor sie in der RENOMMEE einschlagen. Ein Segel der ASTREA, entzündet durch glühende Ladungsrückstände der Abschüsse von der RACEHORSE, geht in Flammen auf. Verirrte Kugeln von der ASTREA schlagen wiederum auf der PHOEBE ein, aber friendly fire ist zu diesen Zeiten auf See ein Phänomen, daß in derartigen Situationen als unvermeidlich zum Kampf dazugehörig betrachtet wird.

Die CLORINDE hat sich inzwischen genähert und die RENOMMEE signalisiert ihr, feuert wohl auch einen Kanonenschuss in die Richtung ihrer Fregattenschwester ab. Befiehlt Kommodore Roquebert Kapitän Saint-Cricq, in den Kampf einzugreifen oder hält er sich bereits für verloren und sucht, wenigstens die CLORINDE zu retten und Saint-Cricq an einem Eingreifen zu hindern, wie dieser später behaupten wird ? Wenn das Letzte zutrifft, warum stellt Roquebert dann den vermeintlich aussichtslosen Kampf nicht ein ?

Davon will Roquebert jedoch nichts wissen, der französische Kommodore fällt schließlich im englischen Kugelhagel auf seinem Achterdeck. Sein 1. Offizier Leutnant Defredot-Duplanty, ebenfalls durch Splitter verletzt, ruft ein letztes Mal verzweifelt die CLORINDE um Hilfe. Die französische Fregatte jedoch bleibt auf Distanz, greift nicht zugunsten der RENOMMEE in den Kampf ein - es wäre nun vermutlich auch zu spät. Dieses Verhalten aber wird für Kapitän Saint-Cricq später noch Folgen haben.

Der RENOMMEE bleibt schließlich keine Wahl, sie streicht die Flagge. Kapitän Schomberg, die CLORINDE im Auge und das Jagdfieber im Blut, schickt ein minimales Prisenkommando zum französischen Flaggschiff, bestehend aus einer eher symbolischen Gruppe von einem Leutnant und fünf Seeleuten, die in einem leckgeschlagenen Boot buchstäblich ausgesetzt werden und hinüber zur geschlagenen RENOMMEE steuern. Dabei müßen sie sich gehörig in die Riemen legen, um nicht vor dem Erreichen ihres Zieles abzusaufen. Dann signalisiert Schomberg der PHOEBE und die beiden Schiffe nehmen Kurs auf die CLORINDE, die sich aber sofort zur Flucht wendet.

Die französische Fregatte hat in den Kämpfen zuvor nur wenig gelitten, ihre Masten und Takelage sind noch intakt, wovon bei den Engländern keine Rede sein kann. Der PHOEBE geht plötzlich der vordere Toppmast über Bord, ein anderer knirscht bedrohlich. Der ASTREA fehlt ein adäquates Segel als Ersatz für das Tuch, das Schombergs Schiff durch den Beschuss der RACEHORSE verloren hat. So bricht der englische Kommodore die Verfolgung ab und setzt Kurs auf die GALATEA, die CLORINDE entkommt, ihre Flucht ist eine Geschichte für sich, die ich später noch erzählen werde.

 Herrscherin der Meere

Herrscherin der Meere
von Frank Adam
Sprache: Deutsch
Gebundene Ausgabe - 336 Seiten - Koehlers Verlagsges.
Erscheinungsdatum: August 1998
Millionen von Lesern verschlingen die Abenteuer von Hornblower, Bolitho und anderen Seehelden. Sie wollen wissen: Was ist Wirklichkeit, was ist Erfindung? Frank Adam ... liefert ein detailliertes Bild dieser Zeit. ... Lebendig und anschaulich Informationen u.a. über Ausbildung, Anwerbung und Bordleben der Offiziere und Mannschaften.

Danach...

Inzwischen ist das kleine Prisenkommando von der ASTREA glücklich an Bord der RENOMMEE gelangt, wird dort aber, nicht ganz überraschend und in Anbetracht der in der Dunkelheit verschwundenen Siegerschiffe mit finsteren Blicken der Besatzung bedacht. 270 Mann Besatzung hat das französische Flaggschiff an Bord, dazu mindesten noch 100 Soldaten und die sollen nun auf sechs Engländer hören ? Immerhin schreibt man das Jahr 1811 und der Krieg dauert praktisch schon seit 18 Jahren, da ist schon viel an Konvention und Ritterlichkeit über Bord gegangen.

Was könnte die Franzosen auf der RENOMMEE dazu bewegen, dass sie akzeptieren, von 6 Briten gefangen gehalten zu werden ? Es ist der Kommandeur der französischen Truppen, Colonel Barrois, dem nach dem Tode des Kommodore Roquebert als ranghöchstem Offizier die Funktion des Oberkommandierenden zusteht. Barrois fühlt sich aus Gründen der Ehre an die Kapitulation gebunden, hat aber vielleicht auch im Hinterkopf, dass Schombergs Schiffe nicht weit sind, die RENOMMEE schwer angeschlagen ist, hohe Verluste hat und ein Verstoß gegen die Ehrenkonventionen angesichts einer Rückeroberung des französischen Schiffes - wenigstens zu diesem Zeitpunkt - nicht ratsam wäre.

So fügt sich die französische Besatzung vorerst den Anordnungen der Handvoll Engländer. Das die Spekulationen über Barrois Erwägungen nicht ganz aus der Luft gegriffen sind, zeigt sich, als die GALATEA in Sicht kommt, die ja zu zerschossen war, um noch am weiteren Kampf teilzunehmen. Das britische Prisenkommando auf der RENOMMEE will Signal setzen, dass die RENOMMEE sich in englischer Hand befindet, doch jetzt müssen die Briten feststellen, dass ihrer Befehlsgewalt an Bord Grenzen gesetzt werden. Die französische Besatzung hindert sie am Heissen der Signalflaggen.

Kapitän Losack von der GALATEA, der kein Signal erhält, muss davon ausgehen, dass die RENOMMEE nach wie vor in französischer Hand ist. Dazu kommt nun, das Schombergs Geschwader sich der RENOMMEE nähert, angesichts seiner Manöver offensichtlich ohne feindliche Absicht. Aus der Distanz kann Losack nicht erkennen, ob es englische Schiffe sind, die da zur RENOMMEE aufschließen, er weiß jedoch, dass er sich mit seinem zerschossenen Schiff auf kein Wettrennen mit den vermeintlichen Franzosen einlassen kann. Deswegen dreht er ab und läuft nach Port Louis, nach Lage der Dinge vermutlich die richtige Entscheidung, möglicherweise aber ein Affront für Kommodore Schomberg, doch auch dazu später mehr.

Als Schomberg am Morgen des 21. Mai mit der RENOMMEE zusammentrifft, verstärkt er als erste Maßnahme die Prisenbesatzung und verteilt die zahlreichen französischen Gefangenen auf die Schiffe. Die RACEHORSE bekommt den Auftrag, nach der NEREIDE zu forschen, während die ASTREA und PHOEBE Reparaturen vornehmen und auf die GALATEA warten, die aus bekannten Gründen jedoch ausbleibt.

Dann setzt Schomberg wieder Kurs auf Tamatave, doch der Wind steht ungünstig. Erst am 24. Mai trifft er wieder mit Commander De Rippes Sloop zusammen und erfährt, dass die NEREIDE zwar schwer beschädigt ist, jedoch vor dem Stützpunkt als eine Art schwimmende Batterie, d.h. mit einer verstärkten Breitseite, geankert hat. Gedeckt wird das Schiff durch eine Landbatterie mit 10 Geschützen.

Schomberg weiß, dass es nicht leicht werden würde, den Stützpunkt durch einen Frontalangriff zurück zu erobern, weswegen er alsbald in Verhandlungen mit dem Kommandanten der NEREIDE, Leutnant Ponee, eintritt. Immerhin hat sich die schlechte Versorgungslage der Franzosen noch immer nicht entspannt und würde sich bei einer Blockade durch die Briten katastrophal auswachsen. In seinem Angebot reibt der Sieger der Seeschlacht dies dem nun kommandierenden Leutnant natürlich unter die Nase.

Tatsächlich hat der englische Kommodore die Situation richtig eingeschätzt, denn bereits am 26. Mai 1811 bekommt er den Stützpunkt Tamatave und die NEREIDE ohne Kampf und Blutvergießen in die Hand. Er muß lediglich Ponees einziger Bedingung zustimmen, dass die französische Besatzung und die Soldaten von den Briten als freie Männer nach Frankreich gebracht werden.

Dieses Verhandlungsergebnis ist zweifelsohne ein weiterer Sieg für die Engländer und ihren Kommodore, der ja nicht nur ein weiteres gegnerisches Schiff erobert, den Stützpunkt wieder in Besitz nimmt und die fieberkranken englischen Soldaten befreit, sondern all dieses auch noch ohne weitere Verluste erreicht.
Alles in allem hat Charles Marsh Schomberg also eine glänzende Bilanz vorzuweisen. Doch der siegreiche Kapitän selbst wird später durch seinen Bericht dafür sorgen, dass die Seeschlacht vor Madagaskar bis heute ein eher vergessenes Ringen ist.


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Epilog

Es ist einigermaßen verblüffend, daß der Sieg Schombergs bzw. die dramatische Niederlage Roqueberts kaum größere Aufmerksamkeit in England und Frankreich fanden. Wesentlich kleinere Gefechte dieser Ära wurden später besser erinnert als die Seeschlacht vor Tamatave. Das Ringen vor der Ostküste Madagaskars ist dagegen bis heute eine eher vergessene militärische Auseinandersetzung.

Ein Grund dafür liegt sicherlich in der zeitlichen Nähe zur britischen Eroberung von Mauritius. Auch ging es in der oben geschilderten Schlacht nicht um größere militärische Werte, z.B. um die Seeherrschaft in diesem Gebiet oder um Mauritius selbst ; die Insel wäre auch bei einem französischen Sieg für Roquebert praktisch uneinnehmbar gewesen.

Immerhin aber starben am 20. Mai 1811 doch viele Menschen. Die Fregattenschlacht vor Madagaskar war blutiger als so manches Treffen zwischen Linienschiffen und wie so oft in dieser Ära litten die Gegner der Engländer am meisten:
Neben den bereits erwähnten Verlusten der NEREIDE, die von den Briten sogar mit 130 Toten und Verwundeten angegeben wurden, verzeichnete die RENOMMEE 93 Tote und Verletzte, die CLORINDE verlor, allein durch das Feuer der GALATEA , einen Seemann und hatte 6 Verwundete.
Bei den Briten wurde die GALATEA am härtesten getroffen: Auf Kapitän Losacks Schiff starben 16 Männer, 46 wurden verletzt, darunter der Kapitän selbst und sein erster Offizier Leutnant Bevis. Die PHOEBE verlor 7 Männer und hatte 24 Verwundete. ASTREA beklagte 2 Tote und 16 Verletzte, nur die RACEHORSE hatte offensichtlich keine Verluste.

Das der Sieg Schombergs der Bilanz her glänzend war, habe ich schon erwähnt. Warum also fiel diese Seeschlacht später sozusagen unter den Tisch ?
Offensichtlich hatten sowohl die französische wie auch die britische Marine Gründe, die Schlacht und ihre Begleitumstände eher zu vergessen.
Es waren aber die verantwortlichen Beteiligten selbst, namentlich der Sieger, die dafür sorgten, daß Tamatave zur Ausschlachtung für Ruhm und Heldenverehrung nicht taugten:

In seinem offiziellen Bericht über die Seeschlacht ließ Charles Schomberg den Kapitän der RACEHORSE demonstrativ unerwähnt und aus letztlich unbekannten Gründen traf die GALATEA und ihren Kapitän, immerhin das Schiff mit den höchsten Verlusten bei den Briten, dasselbe Schicksal.
Im Falle der RACEHORSE ist diese Reaktion des englischen Kommodore nachvollziehbar , der Affront gegen Kapitän Losack muss angesichts der Geschehnisse jedoch verwundern und ist ein Skandal.

Das letzte Gefecht der GLORIOSO

Losack verlangte wegen des impliziten Tadels seines Kommodore zu Recht - gemessen an vergleichbaren Fällen dieser Ära - ein Kriegsgerichtsverfahren. Damit beabsichtigte der Kommandant der GALATEA, sich gegen die Kritik Schombergs zu wehren. Gerade aber wegen des Skandals, ungerechterweise und vermutlich aus politischen Gründen wurde Kapitän Losack das Verfahren verweigert, was der Karriere des Kapitäns später sicherlich nicht zugute gekommen ist und der seines Leutnant, siehe unten, schon gar nicht.
Die ungewöhnliche Verweigerung von Seiten der Admiralität zeugt von einem gewissen Druck, unter dem diese Entscheidung getroffen wurde. Dies hat sichtlich auch die Haltung der Navy gegen den Auslöser der Affäre ungünstig beeinflußt .

Ob Kapitän Schomberg klar gewesen ist, daß sein Bericht in dieser Form ein Bumerang werden würde ? Was hatte eigentlich seinen Zorn auf Kapitän Losack beschworen ?
In der Analyse der Geschehnisse vermutete der Historiker William James in seiner Naval History, Schomberg habe dem Kapitän der GALATEA übel genommen, dass dieser im Angesicht des Feindes Notflaggen gehisst hatte.
Diese Erklärung reicht mir allerdings nicht ganz aus. Ich vermute ergänzend, daß Schomberg gegen Losack wegen dessen Vorgeschichte 2 Vorurteile hegte. Vielleicht wurzelt die Verärgerung Schombergs, basierend auf diesen Sentiments, dann bereits in den Ereignissen zum einen vor Mauritius, als Losack an Bord der PHOEBE ging, um Kapitän Hillyar von einer weiteren Verfolgung der Franzosen zu überzeugen, und zum anderen später in der Konfusion nach der Schlacht, als die GALATEA nach Port Louis zurücklief und dem englischen Oberbefehlshaber nicht mehr zur Verfügung stand.

Wie dem auch war, Schombergs Bericht schadete dem Sieger von Tamatave am Ende selbst. Erwähnte man seinen Sieg, kam die peinliche Geschichte mit der RACEHORSE und der GALATEA ebenfalls zur Sprache. Also sprach man besser nicht mehr davon. In Frankreich sorgte der Kapitän der CLORINDE für einen ähnlichen Effekt.

Der Rückweg der CLORINDE

Während Losack auf sein Kriegsgerichtsverfahren verzichten mußte, kam Kapitän Saint-Cricq in Frankreich nicht um ein Verfahren herum. Dabei war aber nicht allein seine Zurückhaltung angesichts der bedrängten RENOMMEE Gegenstand der Anklage. Sehen wir aber zunächst, wie der Delinquent überhaupt nach Frankreich zurückfand.

Nachdem die CLORINDE ihre Verfolger abgeschüttelt hatte, kreuzte sie noch einige Zeit in den Gewässern vor Madagaskar und registrierte vermutlich sogar die Rückeroberung durch die Engländer.
Dann wandte sich Saint-Cricq mit einem günstigen Wind nordwärts und tauchte Anfang Juni vor den Seychellen auf, wo er mangels eines gleichwertigen Gegners sofort der Chef war. Er kassierte die englische Flagge, reparierte, was die CLORINDE an Schaden genommen hatte und verproviantierte sein Schiff.

Am 7. Juni 1811 verließ die CLORINDE die Seychellen dann wieder und auf den Inseln wurde wieder der Union Jack gehisst. Die CLORINDE setzte nun Kurs auf Frankreich, obwohl die Befehle für Saint-Cricq eigentlich vorschrieben, Holländisch-Indien anzusteuen. Anfang August 1811 kam die Fregatte glücklich um das Kap der Guten Hoffnung herum und plünderte auf ihrem Weg entlang der afrikanischen Ostküste selbst von kleinsten Schiffen Lebensmittel, denn man darf nicht vergessen, dass ihr Kommandant inklusive seiner 200 Mann Truppen an Bord rund 450 Mäuler zu stopfen hatte.

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Am 24. September 1811 näherte sich die CLORINDE Brest, lieferte sich ein dramatisches Wettrennen mit dem englischen Linienschiff TONNANT (80 - John Gore), entkam einer Breitseite des Linienschiffs und lief dann glücklich in den französischen Hafen ein.

Kapitän Jaques Saint-Cricq hatte danach Glück im Unglück. Er wurde im März 1812 von einem Kriegsgericht schuldig gesprochen, der RENOMMEE nicht zur Hilfe gekommen zu sein und seine Befehle, Java anzusteuern, nicht befolgt zu haben. Dafür wurde Saint-Cricq aus der Marine entlassen, aus der Ehrenlegion ausgestoßen, bekam eine saftige Geldstrafe und drei Jahre Festungshaft. Dieses Urteil war jedoch sein Glück, denn der französische Kaiser hätte den Kapitän am liebsten erschießen lassen. Der wurde jedoch durch dieses Kriegsgerichtsurteil sozusagen geschützt. Saint-Cricq kam mit der ersten Abdankung des Kaisers wieder frei, wurde aber mit dem Beginn der 100-Tage-Herrschaft Napoleons sofort wieder einkassiert - ein bemerkenswertes Zeugnis für das ebenso bemerkenswerte kaiserliche Gedächtnis. Nach Waterloo war der Ex-Kapitän der CLORINDE dann endgültig wieder frei.

Was wurde aus ihnen ?

Saint-Cricqs früheres Schiff wurde ebenfalls gefangen gesetzt, allerdings von den Engländern: Die CLORINDE fiel am 25. Februar 1814 britischen Fregatten in die Hände.

Härter noch war das Schicksal der RENOMMEE, die als JAVA in die britische Navy übernommen wurde : Am 29. Dezember 1812 vernichtete die amerikanische Fregatte CONSTITUTION (44 - William Bainbridge) die JAVA (38) unter Henry Lambert vor der Küste Brasiliens. Die ehemalige RENOMMEE kostete somit einem weiteren Kommandanten das Leben.

Die NEREIDE war glücklicher, sie durfte als englische MADAGASKAR bis 1819 weiter segeln. Ihre Besatzung und die Verteidiger von Tamatave wurden dem Abkommen getreu von Mauritius aus nach Frankreich zurückgebracht - allerdings erst 1814...

Kapitän Losack behielt trotz der Rufschädigung durch Schomberg das Kommando der GALATEA bis zum Ende des Krieges 1815. Danach verliert sich seine Spur.

Commander De Rippes weiteres Schicksal ist ebenfalls im Dunkel, dafür freuten sich die ältesten Leutnants der ASTREA und PHOEBE, weil sie der Tradition nach erfolgreichen Gefechten zufolge zum Commander gemacht wurden.

Gar nicht freuen konnte sich der Erste Offizier der GALATEA, Thomas Bevis, denn Schombergs implizite Anklagen gegen die GALATEA kosteten ihn eine ähnliche Beförderung, vom ersten Leutnant der RACEHORSE ganz zu schweigen. Bevis erreichte den Rang des Commander erst am 3. August 1829 und wurde erst 1848 Kapitän - ein englischer und unverdienter Verlierer der Schlacht vor Tamatave !

Für den Sieger dieses Tages im Mai 1811, Kapitän Charles Marsh Schomberg, blieb die ganz große Marinekarriere offensichtlich ebenfalls aus, vom militärischen Ruhm ganz zu schweigen. Immerhin wurde er jedoch später zum Gouverneur der Karibikinsel Dominica.

Kapitän James Hillyar brachte es in seiner Marinekarriere vermutlich am weitesten von allen Beteiligten: Er machte im amerikanisch-englischen Krieg von 1812 mit seiner PHOEBE Schlagzeilen, als er 1814 zusammen mit der Sloop CHERUB (18 - Kapitän Thomas Tudor Tucker) vor Valparaiso die amerikanische Fregatte ESSEX (32 - Kapitän David Porter) und die ESSEX-JUNIOR (22 - Leutnant John Downes) eroberte und wurde später Konteradmiral.
Seine Eroberung der ESSEX erfreute sich ihrerzeit ungleich mehr Aufmerksamkeit in der britischen Öffentlichkeit als die Seeschlacht, die auf diesen Seiten geschildert wurde.


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Fussnoten

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Fußnote 1: In der Schreibweise mit Akzenten: Renommée und Néréide.

Fußnote 2: Es ist hier interessant, einen Blick auf Kapitän Losacks Karriere zu werfen, soweit bekannt. Als Leutnant der VILLE DE PARIS leitete er am 9. August 1801 ein Kommandounternehmen zur Entführung der französischen Korvette CHEVRETTE (20) , die unter den Küstenbatterien in der Bucht von Camaret (Bretagne, nahe Brest) lag. Er führte bei Nacht eine Flottille aus Ruderbooten bis zu einem bestimmten Punkt, von dem aus er mit einem kleinen Teil seiner Streitmacht Jagd auf ein Wachboot machte. Der ihm unterstellte Leutnant Keith Maxwell von der Fregatte BEAULIEU wartete nicht auf die Rückkehr Losacks, (möglicherweise wegen des drohenden Tagesanbruches) sondern führte den Angriff auf die gut bewachte CHEVRETTE eigenmächtig. Als die CHEVRETTE aus der Reichweite der Franzosen gebracht wurde, stieß Leutnant Losack wieder zu seiner Flottille und übernahm das Kommando. Wieder bei der britischen Flotte wurde der Erfolg zunächst Losack zugeschrieben, der von Admiral Cornwallis umgehend zum Commander befördert wurde. Der Admiral erfuhr dann jedoch, dass Leutnant Maxwell den eigentlichen Angriff auf die Korvette geführt hatte. Cornwallis leitete ein Untersuchungsverfahren ein, in dem dann offensichtlich festgestellt wurde, dass Maxwell zu Recht zeitweise das Kommando übernahm und den Angriff begann, denn der Leutnant wurde ebenfalls zum Commander befördert. Commander Woodley Losack muss diese Sache - ob verschuldet oder nicht - nachgehangen haben, denn zunächst durfte er ab 1803 die Fregatte ROMULUS (36), die nicht mehr als eine schwimmende Batterie war, kommandieren, dann war er noch 4 Jahre später, 1805 als Kommandant der Sloop HELENA (18), im Range eines Commanders, während Maxwell bereits 1803 zum Kapitän befördert wurde. Im Herbst 1810 erst bekam er dann das Kommando der GALATEA - keine Traumkarriere !

Fußnote 3: Schombergs Schiff wird auch ASTRAEA oder sogar ASTRÆA geschrieben.

Fußnote 4: Schomberg führte im Gegensatz zu Kommodore Roquebert keinen Kommodore-Stander und hatte nur den Rang eines Kapitän z.S., erfüllte aber vor Mauritius als dienstältester Kapitän die Funktion eines Kommodore. Deswegen wird er hier auch als solcher bezeichnet.

Fußnote 5: Was lediglich bedeutet, daß dieses Schiff für eine Armierung von 36 Kanonen gebaut wurde. Tatsächlich trugen die englischen und französischen Fregatten jeweils 30 Kanonen, die achtzehnpfündrige Kugeln verschoßen. Bei der übrigen Armierung, z.B. den Karronaden (Nahkampfkanonen mit geringer Reichweite), gab es individuelle Unterschiede zwischen den Fregatten. Die PHOEBE verfügte über sechtzehn 32-Pfünder-Karronaden, die NEREIDE hatte dafür vierzehn 24-Pfünder-Karronaden montiert und zwei 8-Pfünder-Kanonen als Jagdgeschütze aufgestellt. ASTREA und GALATEA waren ähnlich wie die NEREIDE bewaffnet, verfügten jedoch über die 32er-Karronaden und 9-Pfünder-Kanonen. RENOMMEE und CLORINDE wiederum schienen zehn bzw. zwölf 36-Pfünder-Karronaden getragen zu haben, dafür standen an Deck sechs bzw. vier 8-Pfünder-Kanonen. Daneben gab es noch weitere Besonderheiten. Die PHOEBE führte z.B. an Deck einen kleinen Mörser und in den Topps sechs Dreipfünder, die RENOMMEE war an Deck gespickt mit Drehbassen. Die NEREIDE verfügte wiederum über einen kleinen Ofen zum Erhitzen von Kanonenkugeln, um den Gegner mit glühenden Geschossen zu bedenken.

Fußnote 6: Francois Roquebert (1766 - 1811), nicht Dominique Roquebert (1774 - 1833).

 The Real Hornblower: The Life and Times of Admiral Sir James Gordon, GCB

The Real Hornblower: The Life and Times of Admiral Sir James Gordon, GCB
von Bryan Perret
Sprache: Englisch
Gebundene Ausgabe - 168 Seiten - Naval Institute Press
Erscheinungsdatum: Mai 2000

Der Autor schildert fast ohne zeitliche Lücken das Leben des Admiral Sir James Gordon vor dem Hintergrund von C.S. Foresters berühmter Romanfigur Horatio Hornblower. Perret zeichnete aus den Quellen - Zeitungsartikel, Briefe, Logbücher und Gordons unveröffentlichten Autobiographie - ein präzises Bild des realen Hornblower.

The Chestnut
Wohin, wenn der Kommandant befiehlt: "Ruder rechts" ?
Nach Steuerbord.
Und bei: "Ruder links" ?
Nach Backbord.
Und was, wenn der Kommandant befiehlt: "Ran an den Feind" ?
Mann über Bord !
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