Chronologie der europäischen Seekriege 1793 bis 1815, Band 1, bis 1802
Chronologie der europäischen Seekriege 1793 - 1815
Band 1 : Von 1793 bis zum Frieden von Amiens 1802

von Thomas Siebe
Sprache: Deutsch Broschiert - 224 Seiten - BoD
ISBN 978-3-8423-2883-9 Erschienen: September 2010
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Villeneuve

Pierre Charles Jean-Baptiste Silvestre de Villeneuve

Französischer Vizeadmiral und Verlierer der Schlacht von Trafalgar

* 31. Dezember 1763 in Basses Alpes            22. April 1806 † in Rennes

Kurzbiographie


Pierre Charles Jean-Baptiste Silvestre de Villeneuve wurde 1763 in Valensoles bei Basses Alpes als Sohn eines Adeligen geboren.

1778 trat er in die Marine ein und nahm an vielen wesentlichen Schlachten der französischen Marine teil. So diente er während der amerikanischen Revolution unter De Guichen vor Dominica, unter De Grasse bei der Blockade vor Yorktown, unter Bouille vor Tobago und unter Suffren in Indien. Dabei tat er häufig Dienst zusammen mit seinem Freund Decres, der für Villeneuves Karriere später eine wichtige Rolle spielen sollte. Das Verhältnis beider Männer - zunächst wohl sicherlich eine Freundschaft - würde man in einer späteren Phase wohl eher als " Seilschaft " bezeichnen.

1780 erhielt Villeneuve sein Leutnantspatent, 1793 wurde er zum Kapitän. Im selben Jahr schloß er die Bekanntschaft mit General Napoleon Bonaparte.

Im Gegensatz zu vielen seiner Marinekollegen hatte der junge Marineoffizier von Beginn an die französische Revolution unterstützt. Doch obwohl Villeneuve seinen Adelstitel ablegte, wurde auch er 1793 zunächst aus der Marine ausgeschlossen, 1794 jedoch bereits wieder eingestellt.

Von nun an machte Villeneuve eine steile Karriere: 1796 wurde er zum Konteradmiral ernannt, 1798 nahm er an der ägyptischen Expedition Bonapartes teil und mußte bei der Schlacht von Abukir erleben, wie ein noch relativ unbekannter englischer Konteradmiral mit Namen Nelson die französische Schlachtreihe, deren Nachhut Villeneuve kommandierte, der Reihe nach vernichtete. Villeneuve selbst blieb in der Schlacht lange Zeit untätig, geradezu wie gelähmt. Auch sein Freund Decres, der bei Abukir jedoch lediglich ein Geschwader Fregatten kommandierte, mußte der vernichtenden Niederlage der französischen Flotte hilflos zusehen. Villeneuve und Decres entgingen der Vernichtung nur durch die Flucht mit zwei Linienschiffen und zwei Fregatten. Zurück dagegen blieben 11 brennende, gesunkene oder von den Engländern eroberte Linienschiffe und 2 vernichtete Fregatten. Villeneuves kommandierender Admiral Brueys fiel in der Schlacht.

Schlacht vor Abukir 1798

Schwere Vorwürfe des Zweitkommadierenden Blanquet du Chayla u.a. an die Adresse Villeneuves und Decres prallten an der Seilschaft jedoch ab.

Der Schock der Niederlage von Abukir mußte aber bei Villeneuve tief gesessen haben, um so mehr als das Schreckgespenst Nelson den Franzosen nicht ruhen ließ. Der französische Konteradmiral wurde bis zum September 1800 auf der Insel Malta eingeschlossen, blockiert von Geschwadern des frisch gebackenen Seehelden Nelson. Bei der Kapitulation Maltas geriet Villeneuve in Kriegsgefangenschaft, wurde aber schon bald gegen britische Gefangene ausgetauscht und freigelassen.

1804 diente er unter Admiral Latouche-Treville beim Mittelmeergeschwader in Toulon. Dieses Geschwader sollte nach einem Plan Napoleons eine besondere Rolle in der französischen Invasion Englands spielen. Am 14. August 1804 starb jedoch überraschend Latouche-Treville und Villeneuves Freund Decres - inzwischen Marineminister - konnte Villeneuves Ernennung zum Vizeadmiral durchsetzen. Damit war es nun an dem Aufsteiger, aus der englischen Blockade von Toulon auszubrechen. Sein Auftrag lautete, sich mit einem spanischen Geschwader unter Admiral Gravina und anderen Schiffen zu vereinigen und in einem groß angelegten Ablenkungsmanöver die englische Flotte in die Karibik zu locken. Danach sollte er sofort wieder kehrtmachen und in den englischen Kanal segeln. Hier sollte dann die französische Atlantikflotte unter Ganteaume aus Brest ausbrechen und gemeinsam sollten die französischen Schiffe schließlich die französische Invasion Englands decken.

Mit einigen Verzögerungen gelang es Villeneuve 1805 aus Toulon auszubrechen, sich mit den Spaniern zu verbinden und in die Karibik zu segeln. Als er über die Ankunft Nelsons in der Karibik informiert wurde, trat er plangemäß, wenngleich überstürzt den Rückweg über den Atlanktik an. 200 Meilen vor der spanischen Küste wurde er in ein ergebnisloses Gefecht mit dem englischen Admiral Calder verwickelt und suchte zunächst spanische Häfen auf. Anstatt aber nun befehlsgemäß in den Kanal zu laufen, trat Villeneuve den Rückzug nach Cadiz an. Dort verharrte er wochenlang, blockiert von der englischen Flotte unter Nelson. Erst als er von Napoleon abgesetzt wurde und sein Nachfolger Rosily-Mesros auf dem Weg nach Cadiz war, lief Villeneuve aus und traf am 21. Oktober 1805 vor Kap Trafalgar auf die englische Flotte.

 Trafalgar

Villeneuves französisch-spanische Flotte wurde vernichtend geschlagen, er selbst geriet erneut in englische Kriegsgefangenschaft. An Bord der Fregatte EURYALUS (36 - Henry Blackwood) wurde Villeneuve nach England gebracht. Bei dieser Gelegenheit beschrieb ihn der Fähnrich und spätere Autor Hercules Robinson als "ziemlich großen, dünnen Mann, ein sehr ruhiger, gelassener, wie ein Engländer aussehender Franzose..."

Im April 1806 wurde der Verlierer der bedeutensten Seeschlacht dieser Ära freigelassen und machte sich auf den Weg nach Paris, um sich vor dem französischen Kaiser zu rechtfertigen. Er erreichte die Haupstadt jedoch nicht: In einem Gasthaus bei Rennes wurde Villeneuve am 22. April 1806 tot aufgefunden. Der Verlierer von Trafalgar hatte sich mit sechs Messerstichen in Lunge und Herz selbst das Leben genommen. Verschwörungstheorien, Napoleon oder dessen Minister Fouche hätten den Admiral ermorden lassen, haben tatsächlich keine Grundlage, wie man auf dieser Seite nachvollziehen kann.

Siehe zu Villeneuves Verantwortung bezüglich der Niederlage bei Trafalgar auch hier


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