Chronologie der europäischen Seekriege 1793 bis 1815, Band 1, bis 1802
Chronologie der europäischen Seekriege 1793 - 1815
Band 1 : Von 1793 bis zum Frieden von Amiens 1802

von Thomas Siebe
Sprache: Deutsch Broschiert - 224 Seiten - BoD
ISBN 978-3-8423-2883-9 Erschienen: September 2010
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Napoleons gefallenen Göttinnen
SEESCHLACHT.TK - Das Buch

Napoleons gefallene Göttinnen
Die Geschichte der französischen MINERVE-Fregatten

von Thomas Siebe
Sprache: Deutsch Paperback - 349 Seiten - BoD
ISBN 978-3-8391-0218-3 Erscheinungsdatum: Mai 2009
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Willaumez kämpfendes Wrack - Frankreichs verborgener Seeheld


Die Chronik der Seekriege zwischen England und Frankreich zwischen 1793 und 1815 ist voll von außergewöhnlichen Leistungen englischer Kommandanten. In der überwiegend englischen Literatur zu diesem Abschnitt der Marinegeschichte stehen die Namen französischer Kapitäne dagegen meistens für Niederlage und Übergabe. Weil Geschichte bekanntlich oft die Geschichte der Sieger ist, verwundert es nicht, das ein Husarenstück eines französischen Seeoffiziers, wie das, von dem hier berichtet werden soll, nur bruchstückhaft in Form weniger dürrer Sätze in der einschlägigen Literatur auftaucht.

Dieser Offizier hieß Jean-Baptiste Philibert Willaumez, am 7. August 1763 auf der Insel Belle Ile in eine Offiziersfamilie geboren. Willaumez ging am 3. Februar 1777 an Bord der BIEN AIME (74) zum ersten Mal auf See. Als Navigator kämpfte er von 1779 bis 1783 - u.a. unter den späteren Entdeckern La Perouse und Bougainville - im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg und nahm im April 1782 an der berühmten Seeschlacht vor den Saints (Domenica) teil. Die französische Revolution erlebte er 1789 als Fähnrich.

1791 ging Willaumez als Teilnehmer der Expedition von Bruni d'Entrecasteaux an Bord der PATRIOTE. Die Expedition hatte den Auftrag, den verschollenen La Perouse zu suchen. Dieses Ziel der Reise wurde übrigens nicht erreicht. Zu Beginn der Reise noch Fähnrich wurde Willaumez zunächst wegen vermeintlicher monarchistischer Überzeugung unter Arrest gestellt, stieg dann aber rasch zum Leutnant auf (Dezember 1793) und kehrte schließlich als Kapitän (Beförderung 14. März 1795) eines erbeuteten Schiffes aus dem Indischen Ozean nach Frankreich zurück.

1796 machte sich Willaumez als Kommandant der Fregatte REGENEREE (36) im Geschwader von Konteradmiral Sercey erneut auf den Weg in den Indischen Ozean. Die Fahrt des Geschwaders (Siehe hier) hatte Höhen und Tiefen: Sercey und seine Schiffe verteidigten sich erfolgreich gegen zwei englischen Linienschiffe, ließen sich aber auch von einem Geschwader Handelsschiffe bluffen und in die Flucht schlagen.

1798 kehrte die REGENEREE gemeinsam mit der Fregatte VERTU (40) nach Frankreich zurück. Bei einer Begegnung (Siehe hier) mit der kleinen englischen BRILLIANT (28) unter Henry Blackwood zahlten die beiden französischen Kommandanten Lehrgeld. Vergeblich jagten sie das kleinere Schiff, dass sogar plötzlich zum Angriff überging, um sich die Flucht freizuschiessen. Ob Willaumez durch die Manöver des Engländers in seinem späteren Handeln beeinflusst wurde, ob er später, als er in einer ähnlichen Situation der Kommandant eines kleineren Schiff war, von dieser Erfahrung profitieren konnte, darüber wird noch zu spekulieren sein.

Die REGENEREE schlüpfte jedenfalls durch die englischen Blockade und gelangte als eines von drei Schiffen aus dem Sextett Serceys zurück nach Frankreich. Dort wurde Willaumez am 5. Januar 1799 zum Kommodore gemacht.


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1801 nahm Willaumez mit seinem neuen Schiff DUGUAY TROUIN (74) an der Expedition General Leclercs gegen Saint Domingue (späteres Haiti) teil. Der Erste Konsul Napoleon Bonaparte hatte beschlossen, die Atempause durch den Frieden vom Amiens zu nützen, um die durch den Ex-Sklaven Toussaint L'Overture beherrschte französische Kolonie zurückzuerobern. Bonaparte ließ für diesen Zweck einen der grössten französischen Flottenverbände zusammenziehen, der in den Koalitionskriegen zum Einsatz kam: Für diese Operationen wurden für die ersten Landungen 32 Linienschiffe und 22 Fregatten aufgeboten, die 8500 Mann Truppen und rund 8000 Zivilisten (Verwalter, vertriebene Pflanzer, Ingenieure) transportierten.

Die Franzosen gewannen durch Landeoperationen zwar die Häfen Saint Domingues, doch sie konnten das Landesinnere nicht kontrollieren. Willaumez, der auf der DUGUAY TROUIN (74) das Kommando an der Südostküste hatte, litt unter der inflexiblen Kommandostruktur, die dem Oberbefehlshaber der Landungstruppen auch Oberbefehl über die Marineeinheiten gab. General Leclercs und später Gouverneur Rochambeaus Nutzung der Schiffe beschränkte sich jedoch fast ausschließlich auf Transportaufgaben, beide Offiziere wußten die militärischen Möglichkeiten der Marine nicht zu nützen.
Auch die zunehmende Brutalisierung des Krieges gegen die späteren Haitianer hat Willaumez offenbar zu schaffen gemacht. So dezimierten die Franzosen ihre Gefangenen durch Massenertränkungen, indem sie die Menschen einfach vom Schiff stießen. Als Willaumez Vorgesetzter Latouche-Treville dem Kommodore eine solche "Maßnahme" schriftlich nahelegte, fragte dieser im Gegenzug nach Nahrung für seine Gefangenen. Das heißt nicht, dass der Kommodore nicht bereit gewesen wäre, "Rebellen" hinrichten zu lassen. Letzteres ist immerhin nicht explizit überliefert. Aber Willaumez war offensichtlich nicht, wie einige seiner Kollegen, bereit, Massenmorde zu begehen.

Linienschiffschlachten 1794 - 1806 Download

Die Franzosen machten 1802 / 1803 nur wenig Fortschritte, um das spätere Haiti unter Kontrolle zu bekommen, obwohl sie ihren Hauptgegner Toussaint L'Overture durch Betrug eliminieren konnten. Als härtester Gegner der Kolonialmacht hatte sich aber das Gelbe Fieber entpuppt, das bis zum Ende der Expedition rund 6000 französischen Seeleuten das Leben kosten sollte.
Im Juni 1803 brach dazu noch der Krieg mit Großbritannien erneut aus. Zu diesem Zeitpunkt kommandierte Willaumez nurmehr eine große Vierundzwanzigpfünder-Fregatte, die POURSUIVANTE (40). Diese hatte infolge des Gelben Fiebers, das unter den Crews der französischen Flotte gewütet hatte, nur noch eine Besatzung von 120 Mann an Bord, knapp die Hälfte davon Überlebende der alten Crew. Die Lücken, die die Epidemie gerissen hatte, hatte Willaumez größtenteils mit schwarzen Rekruten von der Insel füllen müssen. Zu allem Überfluß segelte er ein angeschlagenes Schiff, denn die POURSUIVANTE hatte bei ihren Fahrten an der Küste u.a.Schäden an ihrem Kiel davongetragen und war laut einem Brief von Admiral Latouche-Tréville an Marineminister Decres ein "halbes Wrack". Anderen französischen Schiffen ging es mit ihrer Crew ähnlich und so waren die französischen Schiffseinheiten vor Hispaniola - trafen sie im Sommer 1803 auf englische Feindschiffe - oft eine leichte Beute für die Briten. Weil die Briten mit ihren Handelskonvois oft Jamaika anliefen bzw. mit gut eskortierten Handelsgeschwadern Richtung England verließen und deswegen sozusagen des Weges kamen, waren diese Begegnungen nicht selten.

Saint Domingue, späteres Haiti

Am 28. Juni 1803 tangierte ein solcher großer Konvoi Kap Saint-Nicholas. Gedeckt wurden die Westindienfahrer von gleich drei Linienschiffen, der CUMBERLAND (74 - Henry Bayntun), der GOLIATH (74 - Charles Brisbane) und der HERCULES (74) unter Leutnant John B. Hill, der seinen todkranken Kapitän Solomon Ferris (Schlangenbiss) vertrat. Zwischen sich und dem Ufer entdeckten die Briten zwei Schiffe, deren Verfolgung sie sofort aufnahmen. Die Gejagten waren die POURSUIVANTE (44) und die Korvette MIGNONNE (16 - Jean-Pierre Bargeau). Die Nachricht vom Kriegszustand mit Großbritannien hatte Willaumez zwei Tage zuvor in Les Cayes an der Südwestküsteerreicht und er suchte nun, zur französischen Flotte vor Kap Haitien zu gelangen. Beim Anblick der sich nähernden Linienschiffe befahl der Kommodore die Trennung seiner beiden Schiffe, um den Briten die Jagd zu erschweren. Der englische Kommodore Bayntun jedoch sandte die GOLIATH hinter der MIGNONNE her und beauftragte Hill, die französische Fregatte zu jagen.
Wie die Fregatte so litt auch die MIGNONNE unter Männerknappheit und trug nicht ihre volle Bewaffnung. Doch selbst eine Fülle des Einenund des Anderen hätte Fregattenkapitän Bargeau gegen ein Linienschiff nicht geholfen. Der Korvette wurde am Ende vielmehr eine partielle Flaute zum Verhängnis, die das unter einer leichten Brise segelnde englische Schlachtschiff aufschließen ließ, um den französischen Zweimaster zur Prise zu machen.
Schwerer tat sich da die HERCULES, die auf Befehl Bayntuns der POURSUIVANTE den Weg abschneiden sollte. Zu Willaumez Glück versuchte Hill die Verfolgung abzukürzen, indem er eine Breitseite auf das französische Schiff feuern ließ. Er tat dies in der Hoffnung, durch Treffer in der Rigg des Gejagten diesen schneller stellen zu können. Doch die Kugeln trafen nicht und Hills Manöver gab der POURSUIVANTE einen ansehnlichen Vorsprung. Dann aber zeigte sich die HERCULES angesichts der leichten Brise als der bessere Segler und holte rasch auf. Auf Dauer würde das Linienschiff die Fregatte entweder zum Kampf stellen oder auf die Felsen der Leeküste jagen. Vielleicht erinnerte sich Willaumez in diesen Minuten des Manövers von Kapitän Blackwood. Ein Artilleriegefecht gegen das 74-Kanonenschiff war zwar auf Dauer hoffnungslos, denn obwohl das französische Schiff mit Vierundzwanzigpfünder-Kanonen im Artilleriedeck als "Schwere Fregatte" gelten konnte, so waren die Zweiunddreissigpfünder der HERCULES natürlich weit überlegen und dies um so mehr, als die POURSUIVANTE durch die vielen Truppentransporte eine unbekannte Anzahl ihrer Kanonen nicht in den Pforten oder gar nicht an Bord hatte. Willaumez setzte aber auf die Überraschung und wartete, bis er in einen weitgehend flacheren Küstenabschnitt kam. Dann griff er plötzlich den englischen Zweidecker an und erwischte Leutnant Hill tatsächlich auf dem falschen Fuss: Die Manöver des tiefgängigeren Linienschiffs waren gehemmt und die Kanonen der Fregatte bekamen das Heck der HERCULES zu "fressen". Zweimal gelang es Willaumez, den Engländer der Länge nach zu beschießen, wobei er freilich mehrfach auch den Austausch von Breitseiten in Kauf nehmen musste. Doch offenbar zerschossen die französischen Kanoniere die Takelage der Briten derart, dass das Linienschiff entscheidendend an Geschwindigkeit einbüsste. Geschickt manövrierte sich die POURSUIVANTE trotz ihrer dezimierten Crew schließlich an dem Zweidecker vorbei und suchte das Weite, wobei es ihr gelang, auch der hinzukommenden GOLIATH zu entkommen.
135 Treffer in den Rumpf hatte Willaumez Schiff kassiert, als es - Kommodore Bayntun hinter seinem Heck - endlich in die geschützte Bucht von Mole-St. Nicholas flüchten konnte, wo die Fregatte vor dem direkten Zugriff der Linienschiffe sicher war.

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6 Tote und 15 Verwundete hatte der gewagte Angriff der POURSUIVANTE auf das Linienschiff die Franzosen gekosten, die HERCULES hatte angeblich nur einige Verwundete zu beklagen. Doch trotz der Bescheidenheit des französischen Kommandanten, die er in seinem Bericht nach Frankreich zur Schau stellte, hatte ein englisches Linienschiff eine unvollständig bewaffnete und unzureichend besetzte Fregatte in einem Duell nicht niederzwingen können. Dafür sollte man Willaumez später in Frankreich feiern, denn das eine Fregatte gegen ein Linienschiff bestand, war damals ungeachtet der Nationalität außerordentlich selten.

Doch für den Kommodore, der nun in Mole festlag, gab es zu diesem Zeitpunkt keine Zeit zu feiern: Sein Schiff, ohnehin "ein halbes Wrack", hatte nun weitere Seetüchtigkeit und Männer eingebüsst und wurde von den Briten beobachtet und blockiert. Von Land her drohte auf der anderen Seite jederzeit ein Angriff der schwarzen "Rebellen".
Willaumez gelang es dennoch, sein Schiff halbwegs seetüchtig zu bekommen und schlüpfte schließlich durch die englische Blockade. Von englischen Schiffen gejagt erreichte er Santiago de Cuba. Hier hatte der Kommodore gehofft, Seeleute rekrutieren zu können, um nach Frankreich zurückzukehren, doch kein Mann wagte es, auf dem schrecklich zerschossenen und zerzausten Schiff anzuheuern.
Willaumez setzte seine Fahrt trotzdem fort und versuchte sein Glück vor Charleston (USA). Auf dem Weg dorthin erbeutete er mit der POURSUIVANTE sogar zwei Prisen unbekannten Wertes, doch vor der amerikanischen Ostküste hatte er zunächst kein Glück. Der Gouverneur von Charleston verweigerte der französischen Fregatte den Ankerplatz, obwohl Willaumez inzwischen befürchtete, dass ihm sein leckendes Schiff unter den Füssen wegsackte.
Mit einem gerade noch zu tolerierendem Mass an Wasser im Rumpf erreichte die POURSUIVANTE schließlich Baltimore und konnte dort endlich soweit repariert werden, dass Willaumez im März 1804 eine Überquerung des Atlantik wagen konnte. Männer für dieses gewagte Unternehmen aber konnte er dem Vernehmen nach auch in den USA nicht rekrutieren. Der französische Offizier aber zeigte in diesen Monaten genau die Hartnäckigkeit und den Willen zum Durchhalten, der die berühmt gewordenen englischen Kommandanten dieser Ära auszeichnete. Willaumez lief aus und setzte Kurs auf Frankreich.
Wieder wurde die POURSUIVANTE vor dem Chesapeake von einem englischen Geschwader verfolgt und konnte sich erneut erfolgreich absetzen. Während der Atlantiküberquerung brachte Willaumez sogar noch weitere Prisen auf. Im Mai 1804 endlich erreichte die POURSUIVANTE dann Rochefort, umging auch hier die englische Blockade, diesmal freilich von außen, und war nach einer denkwürdigen Fahrt schließlich daheim. Für Willaumez "Kämpfendes Wrack", wie seine Crew ihr Schiff nannte, kam aber jede Hilfe zu spät, die Strapazen waren zuviel für das 1795 gebaute Schiff gewesen: Die POURSUIVANTE wurde abgewrackt.
Willaumez dagegen wurde wie ein Held empfangen und im März 1805 schließlich zum Konteradmiral befördert.

French Warship Crews 1792-1805: From the French Revolution to Trafalgar (Warrior)

French Warship Crews 1792-1805: From the French Revolution to Trafalgar (Warrior)
von Terry Crowdy, Steve Noon (Illustrationen)
Sprache: Englisch
Taschenbuch - 64 Seiten - Osprey Publishing (UK)
Erscheinungsdatum:Juni 2005

Dieses Buch gibt einen detaillierten und autentischen Einblick in das Leben und Arbeiten französischer Kriegsschiffsbesatzungen von Beginn der Revolution bis zur Schlacht von Trafalgar. Beschrieben werden u.a. die Rekrutierung, die Zusammensetzung der Crews, die diversen Pflichten, die Lebensbedingungen oder die Rollen der Männer im Gefecht.

Willaumez Karriere

Die oben beschriebene Fahrt, die Willaumez Fähigkeiten unter Beweis stellte, sollte freilich in puncto Ruhm der Höhepunkt seiner Karriere gewesen sein, die erweiterte Kommandogewalt des Admirals legte ihm von nun an die napoleonischen Richtlinien wie ein Joch über die Schultern und hemmten seine zweifellos vorhandenen Talente.
Im Dezember 1805 wurden Willaumez und sein Kollege Konteradmiral Leissegues mit einer Mission in der Karibik betraut: Beide sollten mit ihren jeweiligen Linienschiff-Geschwadern auf verschiedenen Wegen in das Herz des englischen Westindienhandels vorstoßen und dort soviel Schaden wie möglich anrichten. Verordnete Richtlinie des Kaisers dabei : Eine Seeschlacht war zu vermeiden.
Der Flotte aus 11 Linienschiffen gelang der Ausbruch aus dem blockierten Hafen von Brest und Willaumez führte sein 6 Linienschiffe zunächst zum Horn von Afrika, kurzzeitig verfolgt von einem englischen Geschwader unter Vizeadmiral Duckworth, das er aber abhängen konnte. Nach dem Sprung über den Atlantik operierte er jedoch wenig wirksam und musste sich auch noch mit den Kapriolen des ihm unterstellten Kapitän Jerome Bonaparte, Bruder Napoleons und Kommandant des Linienschiffs VETERAN (74), herumschlagen. Dieser verließ im Juli 1806 mit seinem Schiff auf eigene Faust das Geschwader und kehrte nach Frankreich zurück.
Willaumez Geschwader zersplitterte aber auch so zusehens: Durch Wetter, Abnutzung und / oder Aufteilung getrennt verlor der Geschwaderführer die IMPETUEUX (74) an die Briten, die EOLE (74) und PATRIOTE (74) blieben als seeuntüchtig in einem nordamerikanischen Hafen - nur die PATRIOTE sah später Frankreich wieder - und die CASSARD (74) verlor im Sturm die Fühlung zum Flaggschiff FOUDROYANT (80 - Willaumez) und kehrte solo nach Frankreich zurück.
Willaumez führte anschließend ein in der Rigg schwer angeschlagenes 80-Kanonen-Schiff mit Hilfsmasten, als er am 15. September 1806 vor Havanna (Cuba) von der schweren englischen Fregatte ANSON (44 - Charles Lydiard) angegriffen wurde. Die Demütigung, dass er das kleinere Schiff im Feuergefecht nicht bezwingen konnte, war angesichts seiner Vorgeschichte sicherlich doppelt bitter.
Im Februar 1807 erreichte Willaumez mit seinem Schiff schließlich Rochefort und beendete damit ein Unternehmen, das weitgehend ein Fehlschlag war.

Willaumez als Pair von Frankreich 1837

Der französische Admiral kehrte in ein zur See geschlagenes Frankreich zurück. Die Seeschlachten von Trafalgar, Kap Ortegal und San Domingo hatten die Blüte der französischen Flotte nachhaltig zerschlagen. Nur noch 19 einsatzfähige Linienschiffe lagen zu diesem Zeitpunkt in den französischen Häfen, 6 französische Schlachtschiffe in spanischen Ports. Willaumez bekam das Kommando über die 10 Linienschiffe in Brest und startete im Februar 1809 einen erneuten Ausbruch mit 8 seiner Schiffe. Sein anspruchsvoller Auftrag lautete, die englische Blockade vor L'Orient und / oder Rochefort zu eliminieren, die dort festliegenden Schiffe zu seiner Flotte zu addieren, um dann wiederum in die Karibik zu segeln und die bedrohte französische Insel Martinique zu entlasten.
Willaumez wurde jedoch auf der Reede vor Rochefort (Basque Roads) von einem großen britischen Geschwader gestellt und erneut blockiert. Bald darauf wurde der Konteradmiral von Vizeadmiral Allemand im Kommando abgelöst und zeichnete damit wenigstens nicht verantwortlich für das spätere Desaster von Basque Roads, als nach einem englischen Branderangriff durch Gambier und Cochrane das gesamte französische Geschwader strandete und größtenteils für den Rest des Krieges ausfiel.

Willaumez hatte nach seiner letzten größeren Fahrt keine bedeutenden Kommandos mehr inne. Bis 1812 versuchte er in der Zuydersee ein niederländisches Geschwader segelbereit zu machen, es sollte freilich nie auslaufen.
Nach dem Krieg, im Jahre 1819, erreichte Willaumez im wiederenstandenen Königreich Frankreich den Rang eines Vizeadmirals, 1837 wurde er Pair von Frankreich. Jean-Baptiste Willaumez starb am 17. Mai 1845 in Suresnes bei Paris. Er ist ein gutes Beispiel dafür, dass das napoleonische Frankreich über den Briten durchaus ebenbürtige Geschwaderführer verfügte, die freilich infolge der napoleonischen Marine-Doktrinen ihr Potential nie zur Geltung bringen konnten.

 Herrscherin der Meere

Herrscherin der Meere
von Frank Adam
Sprache: Deutsch
Gebundene Ausgabe - 336 Seiten - Koehlers Verlagsges.
Erscheinungsdatum: August 1998

 The Royal Navy: A History from the Earliest Times to 1900 The Royal Navy:
A History from the Earliest Times to 1900

von William Laird Clowes
Sprache: Englisch
Taschenbuch (Reprint) - 640 Seiten
Erschienen bei Chatham Publishing -

Erscheinungsdatum: 1. November 1996

 

Copyright © 2009 by Pellewserbe, T. Coladores


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